Die Ankunft
Verfasst: Sonntag 14. Juli 2013, 11:03
Kapitel 1 – Ein erster Test
Schwarz berobt, eine Maske im Gesicht tragend, schreitet er zielstrebig durch die Krypta in die Bibliothek der Diener. Vor den hohen, mit vielen alten Büchern besetzten Regalen angekommen, fahren seine schmalen, nackten Finger der rechten Hand von Einband zu Einband, manches Mal dabei die Weben entfernend, und die meerblauen Augen folgen diesen. Seine Füße tragen ihn von Regal zu Regal, von Gang zu Gang, jedoch senkt er nach dem letzten Einband die Hand wieder, kein Buch wird ergriffen.
Stattdessen wendet er sich zu den Tischen, auf denen bereits einige Bücher liegen:
„Giftmischerei“
An jenem Platz lässt er sich nieder, greift mit den Fingern beider Hände an Saum seiner Kapuze und lässt sie über seinen Schopf hinweggleiten, bis sie sich in seinem Nacken in Falten seinen Haaransatz verdeckend legt. Er schlägt das Buch auf legt die drei mittleren Finger seiner rechten Hand, dabei winkelt er den mittleren am stärksten an, unter die erste Zeile, seine Augen wandern darüber. Stunden vergehen. Immer wieder hält er an verschiedenen Stellen inne, sei es bei „1000 Qualen des Todes“ oder „Nimmerendender Juckreiz“, doch die Suche endet ergebnislos. Er schlägt es wieder zu, seine Gedanken schweifen stillschweigend über das Geschehene, währenddessen er aus der Robe ein kleineres Buch als das Gelesene herauszieht und vor sich legt. Es ist sauber, gut erhalten, trägt jedoch im Einband keinerlei Beschriftungen. Die schmalen, langen Finger öffnen das Buch, blättern bis zum ersten Kapitel:
„1) Der erste Test
I.C.“
Seine Finger führen die Blätter hin zur letzten Seite, auf der ein Diagramm mit einigen Namen von Würdenträgern, aber genauso Landsknechten und einfachen Bürgern der Stadt aufgeschrieben sind. Die Verbindungen zwischen den Namen sind noch spärlich, nur vereinzelt sind Pfeile, Ringe oder kleine Beschriftungen getan worden. An Alins Namen schreibt er nun eine kleine „1“ und setzt ein Kreuz hinter diese Zahl.
Langsam klappt er das Buch zu und lässt es in die Robentasche gleiten, ehe er die Hände wieder an den Saum der Kapuze führt und sie über den Schopf tief in sein Gesicht fallen lässt. Die Hände und Unterarme führt er in die gegenüberliegenden Ärmel, sodass er mönchsgleich seinen Weg durch die Krypta nimmt in Richtung Altar, vor dem er sein Haupt neigt, doch Worte dringen nicht aus seinem Mund unter Einfluss der Strafe der Statthalterin zu Düstersee – oder dem, was davon übrig ist.
Nach diesem stillen Gebet hebt er sein Haupt und tritt die Stufen der Krypta empor. Das Spiel hat erst begonnen, ein erster Schritt ist getan, doch ist der Weg schwerer, als er erwartet hatte.
Schwarz berobt, eine Maske im Gesicht tragend, schreitet er zielstrebig durch die Krypta in die Bibliothek der Diener. Vor den hohen, mit vielen alten Büchern besetzten Regalen angekommen, fahren seine schmalen, nackten Finger der rechten Hand von Einband zu Einband, manches Mal dabei die Weben entfernend, und die meerblauen Augen folgen diesen. Seine Füße tragen ihn von Regal zu Regal, von Gang zu Gang, jedoch senkt er nach dem letzten Einband die Hand wieder, kein Buch wird ergriffen.
Stattdessen wendet er sich zu den Tischen, auf denen bereits einige Bücher liegen:
„Giftmischerei“
An jenem Platz lässt er sich nieder, greift mit den Fingern beider Hände an Saum seiner Kapuze und lässt sie über seinen Schopf hinweggleiten, bis sie sich in seinem Nacken in Falten seinen Haaransatz verdeckend legt. Er schlägt das Buch auf legt die drei mittleren Finger seiner rechten Hand, dabei winkelt er den mittleren am stärksten an, unter die erste Zeile, seine Augen wandern darüber. Stunden vergehen. Immer wieder hält er an verschiedenen Stellen inne, sei es bei „1000 Qualen des Todes“ oder „Nimmerendender Juckreiz“, doch die Suche endet ergebnislos. Er schlägt es wieder zu, seine Gedanken schweifen stillschweigend über das Geschehene, währenddessen er aus der Robe ein kleineres Buch als das Gelesene herauszieht und vor sich legt. Es ist sauber, gut erhalten, trägt jedoch im Einband keinerlei Beschriftungen. Die schmalen, langen Finger öffnen das Buch, blättern bis zum ersten Kapitel:
„1) Der erste Test
- Testsubjekt 1: Statthalterin Alin Wolfseiche
- Testzeitraum: Die ersten zwei Wochen nach der Ankunft
- Untersuchung: Rhetorik, Naivität, Gewieftheit
- Gefahren: geringe Strafen – sehr hoch, Verstümmelung – mittel, Verbannung – gering, Tod – beinahe auszuschließen, Entdeckung – auszuschließen
- Vorgehen: Gesetz übertreten, unwissend tun, um eigene Strafe nach Geboten bitten
- Ergebnis: zu erwarten: Aufnahme nach Geboten in Dienste“
- „eingetreten: Substanz zum Schweigen, Dauer 7 Tage, Ende 4. Tag der folgenden Woche
- Testsubjekt 1: Rhetorik – gut ausgeprägt, zu sarkastisch, macht sich Feinde
Naivität – sehr gering, ungenaues Ergebnis
Gewieftheit – hoch, Strafe angemessen zur Ausschaltung des Testers Stärke - Fazit: indirektes Vorgehen sehr schwer, resistent gegen direkte Unterwanderungsversuche, hohes Selbstwertgefühl
direktes Vorgehen zu empfehlen, Fluch in kommenden Mondläufen vorbereiten, Art und Wirkung noch zu erkunden
I.C.“
Seine Finger führen die Blätter hin zur letzten Seite, auf der ein Diagramm mit einigen Namen von Würdenträgern, aber genauso Landsknechten und einfachen Bürgern der Stadt aufgeschrieben sind. Die Verbindungen zwischen den Namen sind noch spärlich, nur vereinzelt sind Pfeile, Ringe oder kleine Beschriftungen getan worden. An Alins Namen schreibt er nun eine kleine „1“ und setzt ein Kreuz hinter diese Zahl.
Langsam klappt er das Buch zu und lässt es in die Robentasche gleiten, ehe er die Hände wieder an den Saum der Kapuze führt und sie über den Schopf tief in sein Gesicht fallen lässt. Die Hände und Unterarme führt er in die gegenüberliegenden Ärmel, sodass er mönchsgleich seinen Weg durch die Krypta nimmt in Richtung Altar, vor dem er sein Haupt neigt, doch Worte dringen nicht aus seinem Mund unter Einfluss der Strafe der Statthalterin zu Düstersee – oder dem, was davon übrig ist.
Nach diesem stillen Gebet hebt er sein Haupt und tritt die Stufen der Krypta empor. Das Spiel hat erst begonnen, ein erster Schritt ist getan, doch ist der Weg schwerer, als er erwartet hatte.