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Alles noch (h)offen.

Verfasst: Mittwoch 3. Juli 2013, 15:36
von Faaith Arin Yazir
Sie lag auf dem Rücken und starrte das Pergament in ihren Fingern an. Um sie herum waren die üblichen Geräusche des Hauses zu vernehmen. Irgendwer schlief noch recht geräuschvoll und sägte dabei wohl eine besonders störrische Palme um. Unten in der Küche klapperte und rumpelte es und irgendwo über das Hausgelände hörte man Zias engelsgleiche Stimme nach Khalida brüllen. Es war also ein ganz normaler morgen im Yazir-Viertel.

Ihre Gedanken rasten. Die letzten Gespräche mit Rashid. Das Gespräch mit Nazeeya. Das Gespräch mit Domar, und der Brief den sie von ihm in den Händen hielt. Die Gespräche mit KhalidaDie Worte ihres Bruders, die er ihr mit auf dem Weg gab. Das Gespräch mit Suraya. Die Worte des Emirs. Das Gespräch mit Amar. Ihre eigenen Versprechen. Die letzten Gespräche mit Rashid. Das Gespräch mit Nazeeya. Das Gespräch mit Domar und sein Brief in ihren Händen…
  • „Ich habe deinen Brief erhalten, lass uns einen Termin finden. Ich bin zufällig nochmals in deiner wunderschönen neuen Heimat.“
Alles wirbelte in ihrem Kopf hin und her, wollte wieder und wieder durchdacht werden. Mit Rashid hatte sie viel gestritten, sich viel vertragen und wieder gestritten. Sie war mehrfach kurz davor gewesen, ihn aufzugeben. Auch wenn sie das nie zugeben würde. Sie verzweifelte häufig an seinen Launen, und seinen seltsamen Ehrenvorstellungen. Den einen Tag war er der erbittertste Verfechter jeglicher Ehre, den anderen Tag wollte er das am liebsten alles hinter sich lassen. Genauso schien es ihm mit ihrem Problem zu gehen. Den einen Tag schärfte er ihr Mut und Zuversicht ein, am nächsten Tag wollte er davon laufen. Doch was ihm dauerhaft Sorgen bereitete war wohl, dass sie sich der Familie Yazir voll und ganz zugehörig fühlte. Auch wenn sie nicht eines Blutes waren, so fühlte sie sich ihnen mehr verbunden, als das bei ihrer eigenen Familie gewesen war. Khalida und Zia, sicher hätte man beide abwechselnd und auch mal zusammen am liebsten ungespitzt in den Wüstensand rammen können, doch auf der anderen Seite liebte sie die zwei auch, und vertraute ihnen. So wie sie es wohl auch mit Schwestern gehandhabt hätte.
  • „Wenn ich gewusst hätte, dass du dich ihnen so anpasst, hätte ich es nie erlaubt … eine Yazirfrau... ich hoffe nur, dass du nicht ihre Eigenarten angenommen hast“

    „Was denn so? Dass ich vorlaut sein könnte? Dass ich armen, wehrlosen Heilern Bandagen an den Kopf werfe? Oder sie mit dem Wasserschlauch aus ihren Träumen reiße? Das hab ich schon vorher gemacht.“
Selbst zu ihren Cousins hatte sie mehr und mehr Vertrauen gefasst. Ihnen die Wahrheit erzählt und so ihren Selbstschutz fallen gelassen. Erst Amar, dann Abbud. Die Reaktionen der beiden waren unterschiedlich und gleichten sich doch in den Kernaussagen. Sie standen zu ihr, und würden ihr kein Leid zukommen lassen. Doch wie weit waren sie bereit dafür zu gehen?

    • „Ehe und Eheversprechend sind von Eluive gesegnet
      und werden nicht angetastet. Wer diesen Bund bricht,
      entehrt sich und begibt sich in die Verbannung.“
  • „Ich habe Dir gesagt, dass ich Dich nicht mehr hergeben werde. Das wird keiner hier zulassen. Ich werde mit Domar sprechen... und verhandeln.“
  • „wenn es rauskommt, weil er spricht und ihm wird geglaubt, wirst du wahrscheinlich verbannt“
Sie hätte sich niemals ausgemalt, dass ihre Entscheidung damals so weitreichende Konsequenzen haben würde. Bis nach Menek’Ur hatten sie die Ereignisse verfolgt und eingeholt. Domar war hier, weilte ab und an in der Stadt. Er hatte dem Emir einen Brief geschrieben. Er hatte alles einstürzen lassen, was sie sich hier mühsam aufgebaut hatte.

  • „Ich habe deinen Brief erhalten, lass uns einen Termin finden. Ich bin zufällig nochmals in deiner wunderschönen neuen Heimat.“


Sie traute ihm nicht, sie glaubte ihm nicht und sie wollte nie wieder alleine mit ihm sein. Aber sie fürchtete seinen rechtmäßigen Anspruch auf sie. Sie wurden vor Eluive verheiratet, was hatte es genützt, dass sie hinter dem Rücken die Finger kreuzte, und bereits während der Zeremonie Eluive um Verzeihung für dieses Schauspiel und diese Lüge bat.

  • „Du bist Mein und ich werde verlangen, dass du wieder zu Meinem wirst. Faaith, du wirst wieder nach Hause kommen bereite dich darauf vor! Ich habe den Brautpreis bezahlt, es war alles erledigt bis du einfach das Weite gesucht hast. Dich als tot hast hinstellen lassen. Eluive wollte scheinbar auch, dass wir wieder aufeinander treffen, mein Liebes.“

    - „Ich bin nicht vergesslich und du bist derjenige dem ich am wenigsten über den Weg traue. Eher traue ich den mildtätigen Absichten eines Letharen.“

    „Ich werde bekommen was ich möchte Faaith. Sei dir dessen bewusst.“

    - „Fahr zu Krathor!“

    „Wenn ich dahin gehe... wirst du folgen, meine Liebe.“

Das Recht war auf seiner Seite, ihr blieb nur zu hoffen, dass die Prehaatim und der Emir eine Lösung finden würden, ihr Domar zu ersparen, die Familie Yazir nicht zu schädigen und ihr Gewissen nicht weiter belasten. Sie wusste um die Andeutung der Prehaatim. Auch Khalida, Amar und Abbud sprachen diese Art der Lösung an. Doch das konnte sie nicht fordern, sich noch nicht einmal wünschen. Auch wenn sie mit einem Schlag von allen Sorgen befreit war. So kalt war sie nicht, nicht mal in ihrer Wut. Sie war nicht fähig einem anderen Menekaner wirkliches Leid zuzufügen. Den Ausfall von Haaren konnte man nicht als Leid bezeichnen.
  • „Wieso erzaehlst du mir das?“

    „Mir erschien es sinnvoller, wenn ich euch das erzähle, als wenn er das macht.“

    „Wie ungeschickt von dir... Wem ich wohl eher geglaubt hätte...“

    „Als hätte ich bei einem direkten Vorwurf glaubhaft lügen können.“

    „Soll ich mich darum kümmern...? Es gibt zwei mögliche Wege für mich. Zu walten als Emir, oder zu walten als Ghadir, der einer treuen Gefährtin helfen möchte.“

    „ganz egoistisch betrachtet ist die zweite Variante mir natürlich lieber.“

    „Wir werden sehen, was er will - zu befürchten hast du jedoch keine dramatischen Konsequenzen... du hast fuer dein Verhalten schon damals deine Wiedergutmachung geleistet, dass wird man nicht vergessen haben.“
Sie wusste, was auf dem Spiel stand. Doch diesmal würde sie nicht weglaufen, nicht solange wie es noch Hoffnung gab, und solange wie man ihr hier vertraute. Diesen Entschluss hatte sie schon gestern Abend getroffen, doch er nagte an ihr, nagte an ihrem Gewissen und ließ sie keinen Schlaf finden. Seufzend ließ sie die Hand mit dem Brief fallen und schob ihn unter das Kopfkissen. Sie würde ihm antworten, später. Erst galt es, den Tag zu beginnen, hoffentlich brachte er nicht noch mehr übles.

Verfasst: Montag 8. Juli 2013, 23:08
von Faaith Arin Yazir
Es war zum verrückt werden. Sie hatte die Spur verloren. So oft sie auch die nächsten Ortschaften vor Bajard durch ritt oder verkleidet durchstreifte, sie fand keine Spur mehr von ihm. Auch in den Herbergen konnte sie nichts in Erfahrung bringen, vielleicht hätte sie deutlicher werden müssen. Was, wenn etwas geschehen ist? Sie hoffte inständig, dass sie ihn morgen antreffen würde. Es machte sie verrückt, dass sie ihn nicht fand.

"Wenn ich doch wenigsten Schreiben könnte, nur an welche Adresse.?"

Noch einmal an diesem Abend ritt sie die Orte der letzten Treffen ab ...

Verfasst: Dienstag 9. Juli 2013, 17:40
von Domar Asad
Hier und da vermag man ab und an vernehmen wie die Wachen einander tuschelnd über einen Masari sprechen welcher immer wieder durch die Stadt zu laufen scheint.

Verfasst: Dienstag 30. Juli 2013, 13:26
von Domar Asad
Wütend schneidet die Klinge durch das Fleisch der halb verwesenden Gestalten, der Hass in ihm flachte langsam aber sicher wieder ab, mit jedem dort liegenden Wesen welches sich in seinem Sud windet schmälerte sich jenes Gefühl.

Wie hatte er nur denken können diese Frau einfach so wieder zubekommen, er hätte damit rechnen müssen das sie hier auch schon ihr Nest gesponnen. Er hätte sich damals nicht auf das Gespräch einlassen sollen, er hätte seinem Verwandten sofort sagen sollen das es so einfach nicht geht.

Man hatte ihn angelogen...gesagt die Ehe wäre geschieden worden....wie konnte er nur so dumm sein und es überhaupt glauben. Beschämend wie ehrlos sich Amar verhalten hat und ihm ins Gesicht gelogen hat. Beschämend wie leicht er selbst geglaubt hat.
Wenn es zur Verhandlung kommen sollte würde er alles auftischen und weit ausholen das man sein handeln versteht, auch wenn es nicht zu entschuldigen war.

Das letzte Gespräch mit ihr war mehr verwirrend als klärend, wieder kamen diese Gefühle in ihm hoch, einerseits wollte er sie frei lassen da er ihren Schmerz sah, andererseits wollte er es nicht tun da seine Ehre und auch ein Teil seiner Gefühle wohl dagegen sprachen. Wenn er fliehen würde, so würde er an Ehre verlieren....würde er sich stellen so musste ihm klar sein das er auf verlorenem Posten stand denn man würde ihr sicher mehr glauben schenken wie ihm, immerhin hatte sie hier ihre Familie...wenn man es so nennen konnte, sie hatte ihr Netz und auf das Netz war verlass das hatte er selbst schon erfahren.

Was ihn noch mehr entzürnte jedoch war, das Amar die frechheit besaß ihn anzulügen....man hatte ihm einen Bären aufgebunden und es war kein kleiner Bär...es war ein großer ausgewachsener Bär welcher sein komplettes Verhalten der letzten Wochen mit sich trug.

Er musste sie nochmals sehen, nochmal ihren Trotz in den Augen wahrnehmen...was würde er geben um nochmals ihre Haut zu berühren, ihr in die Augen zu blicken...sie zu riechen. Er wusste das es falsch war, das er falsch gehandelt hatte....doch noch immer wollte er sie besitzen, zumindest ein Teil von ihm.

Verfasst: Dienstag 17. September 2013, 00:10
von Faaith Arin Yazir
Nach Wochen hielt sie es nicht mehr aus zu warten. Sie wollte nicht in Gefahr laufen Domar noch einmal unvorsichtig zu begegnen. Sie wollte derzeit niemanden begegnen. Selbstschutz oder Feigheit, eines von beidem wird es wohl sein. Sie brauchte eine Zeit lang Abstand zu dem was ihr hier tagtäglich durch den Kopf schoss. Nur halbgares Ausweichen war auf Dauer auch keine Lösung. Sie musste irgendwie einen freien Kopf bekommen, und da sie nicht dazu neigte allzu offen auf Probleme zu zugehen, sondern wie ein feiger Hund davor zu fliehen, hinterließ sie nur eine Nachricht, ehe sie sich auf den Weg machte.

"Komme wieder. Faaith."

Den Zettel platzierte sie schlicht auf dem Tisch im Gemeinschaftsraum. Sie würde nur noch eine kurze Nachricht in der Garde und im Palast hinterlassen.

Auf dem Weg in die Stadt hinterließ sie noch einen Zettel in der Garde.

"Bin in der Art kein Gewinn für die Garde. Brauche etwas Zeit,
ehe man wieder mit mir rechnen kann. Stehe dann auch für meine
Launen gerade. Faaith"

Im Palast zögerte sie am längsten, doch auch hier hinterließ sie eine Nachricht. Wer auch immer sie finden mag.

"Brauche einige Tage Abstand zu all dem. Tut mir leid, ohne
Absprache zu gehen. Komme wieder, wenn mein Kopf wieder frei ist.
Faaith"

Kurz überlegte sie noch eine Nachricht für Rashid zu hinterlegen. Doch wozu. Er war eh nicht im Bashirviertel zu finden.