Denn was Du nicht weißt ist...
Verfasst: Freitag 21. Juni 2013, 19:33
… ich verbrenne mich für ihn.
Majalin saß in ihrem Garten, gelehnt an einen der Findlinge mit den verblassten, verwaschenen Ritzungen darin. Sie spürte wie die Sonne langsam über den Horizont kroch und vor ihrem inneren Auge zeichnete sich das Bild des in Brand stehenden Himmels.
Unwillkürlich erinnerte sie sich an den Kreis des Runenfeuers. Es war nun schon mehr als zwei Wochenläufe her und trotzdem schien es ihr noch sehr nah zu sein. Immer, wenn sie daran dachte, spürte sie die Hitze in ihrem Rücken, die Flammenwinde, die an ihren Haaren gezerrt hatten. Das Runenfeuer war nicht irgendein Feuer, es war ein Sturm, wild und ungezähmt. Im Kreis hatte sie sich gefragt, ob ihr Mann überhaupt ahnte, dass es sogar für sie selbst, für Lidwina außerhalb gefährlich war. Vermutlich nicht, vermutlich hatte er daran nicht einen Gedanken verschwendet, nicht einmal danach. Als die lähmende Panik von ihm abgefallen war, wandelte sich seine Stimmung zu Wut und schließlich Trotz. Man konnte nicht sagen, dass seine Stimmungsschwankungen Majalin überrascht hätten, die kalte Wut, mit der er seiner Angst begegnete, war ihr angenehmer als sein Erstarren. Trotzdem wäre sie am liebsten ihrem eigenen Impuls des Zorns gefolgt und hätte ihn geschüttelt und getreten, besonders als er sich in der Bockigkeit eines Dreijährigen präsentierte! Nun, letztlich hatte sie ihn ja auch getreten und angeschrien, er solle seinen Hintern hochbekommen, als er halsstarrig in der Mitte des Kreises gesessen hatte, das Feuer näher kam und ihr schon Haare und Rücken versengte. Sie war gegen die Macht des Runenfeuers an die Grenze ihres Könnens gestoßen, um sie beide zu schützen. Er schubste sie und sie nahm wahr wie sie rückwärts durch den Kreis stolperte und dann unsanft auf dem Boden landete. Der Schutz brach und er blieb zurück. Selten zuvor war sie sich so sicher gewesen ihn verloren zu haben und falls nicht, ihn mit ihren eigenen Händen erwürgen zu müssen. Panik und Wut waren diesmal auf ihrer Seite, als er durch die Flammenwand sprang und ohne Umwege ins nahe Meer tauchte. Ja, sie würde ihn töten, hier und jetzt, ohne Umschweife, oder zumindest ihm unsägliche Schmerzen zufügen! Die kräftigen Hände Thorbjörns packten sie, während sie die Wellen anbrüllte, sie würde ihn umbringen. „Später.“, brummte der hünenhafte Thyre nur und verfrachtete sie wie einen Sack Kartoffeln auf seine Schulter. Ihre Gegenwehr nahm der kräftige Mann gar nicht wahr, er schleppte sie über die heilige Insel und warf sie in den Teich. Die Kälte des Wassers spülte ihr wieder Verstand in den Kopf, zumindest ein wenig. Nicht genug, um zu bereuen, Lucien im Anschluss den Stab übergezogen zu haben.
Einen Stundenlauf hatte sie in der Nacht noch damit verbracht seine Brandwunden zu versorgen, während er schon zu Tode erschöpft und ausgelaugt geschlafen hatte. Später hatte sie sich selbst noch umständlich Rücken, Hintern und Beine eingesalbt und im Lied geheilt. Sie wollte nicht, dass er sah oder bemerkte, welche Spuren das Feuer auch an ihr hinterlassen hatte. Dass es sehr wohl gefährlich gewesen war, wortwörtlich brandgefährlich, und knapp. Sie schnitt sich einige verkohlte Strähnen aus den Haaren. Er sollte sich seinen Respekt bewahren, doch die erstarrte Panik musste fort. Und wenn er erfuhr, dass sie verletzt worden war, würde ein einschneidendes Misstrauen bleiben, gegen das Lied und gegen ihre Künste an selbigem. Nein, es war besser so!
Danach wurde es mit jedem Tag besser. Ein gesundes Maß an Zurückhaltung gegen das Lied blieb in ihm, doch gewann er einen trotzigen Schneid. So wie Kinder, die Jemanden oder Etwas in der nächtlichen Schwärze erwarten und fürchten und es mit Tränen in den Augen anschreien, um zu beweisen, dass man eben keine Angst habe. Der Kampf durch das Runenfeuer war von Erfolg beschieden gewesen. Sie sollten alsbald Lidwina und Thorbjörn aufsuchen und ihnen ihren Dank aussprechen.
Majalin saß in ihrem Garten, gelehnt an einen der Findlinge mit den verblassten, verwaschenen Ritzungen darin. Sie spürte wie die Sonne langsam über den Horizont kroch und vor ihrem inneren Auge zeichnete sich das Bild des in Brand stehenden Himmels.
Unwillkürlich erinnerte sie sich an den Kreis des Runenfeuers. Es war nun schon mehr als zwei Wochenläufe her und trotzdem schien es ihr noch sehr nah zu sein. Immer, wenn sie daran dachte, spürte sie die Hitze in ihrem Rücken, die Flammenwinde, die an ihren Haaren gezerrt hatten. Das Runenfeuer war nicht irgendein Feuer, es war ein Sturm, wild und ungezähmt. Im Kreis hatte sie sich gefragt, ob ihr Mann überhaupt ahnte, dass es sogar für sie selbst, für Lidwina außerhalb gefährlich war. Vermutlich nicht, vermutlich hatte er daran nicht einen Gedanken verschwendet, nicht einmal danach. Als die lähmende Panik von ihm abgefallen war, wandelte sich seine Stimmung zu Wut und schließlich Trotz. Man konnte nicht sagen, dass seine Stimmungsschwankungen Majalin überrascht hätten, die kalte Wut, mit der er seiner Angst begegnete, war ihr angenehmer als sein Erstarren. Trotzdem wäre sie am liebsten ihrem eigenen Impuls des Zorns gefolgt und hätte ihn geschüttelt und getreten, besonders als er sich in der Bockigkeit eines Dreijährigen präsentierte! Nun, letztlich hatte sie ihn ja auch getreten und angeschrien, er solle seinen Hintern hochbekommen, als er halsstarrig in der Mitte des Kreises gesessen hatte, das Feuer näher kam und ihr schon Haare und Rücken versengte. Sie war gegen die Macht des Runenfeuers an die Grenze ihres Könnens gestoßen, um sie beide zu schützen. Er schubste sie und sie nahm wahr wie sie rückwärts durch den Kreis stolperte und dann unsanft auf dem Boden landete. Der Schutz brach und er blieb zurück. Selten zuvor war sie sich so sicher gewesen ihn verloren zu haben und falls nicht, ihn mit ihren eigenen Händen erwürgen zu müssen. Panik und Wut waren diesmal auf ihrer Seite, als er durch die Flammenwand sprang und ohne Umwege ins nahe Meer tauchte. Ja, sie würde ihn töten, hier und jetzt, ohne Umschweife, oder zumindest ihm unsägliche Schmerzen zufügen! Die kräftigen Hände Thorbjörns packten sie, während sie die Wellen anbrüllte, sie würde ihn umbringen. „Später.“, brummte der hünenhafte Thyre nur und verfrachtete sie wie einen Sack Kartoffeln auf seine Schulter. Ihre Gegenwehr nahm der kräftige Mann gar nicht wahr, er schleppte sie über die heilige Insel und warf sie in den Teich. Die Kälte des Wassers spülte ihr wieder Verstand in den Kopf, zumindest ein wenig. Nicht genug, um zu bereuen, Lucien im Anschluss den Stab übergezogen zu haben.
Einen Stundenlauf hatte sie in der Nacht noch damit verbracht seine Brandwunden zu versorgen, während er schon zu Tode erschöpft und ausgelaugt geschlafen hatte. Später hatte sie sich selbst noch umständlich Rücken, Hintern und Beine eingesalbt und im Lied geheilt. Sie wollte nicht, dass er sah oder bemerkte, welche Spuren das Feuer auch an ihr hinterlassen hatte. Dass es sehr wohl gefährlich gewesen war, wortwörtlich brandgefährlich, und knapp. Sie schnitt sich einige verkohlte Strähnen aus den Haaren. Er sollte sich seinen Respekt bewahren, doch die erstarrte Panik musste fort. Und wenn er erfuhr, dass sie verletzt worden war, würde ein einschneidendes Misstrauen bleiben, gegen das Lied und gegen ihre Künste an selbigem. Nein, es war besser so!
Danach wurde es mit jedem Tag besser. Ein gesundes Maß an Zurückhaltung gegen das Lied blieb in ihm, doch gewann er einen trotzigen Schneid. So wie Kinder, die Jemanden oder Etwas in der nächtlichen Schwärze erwarten und fürchten und es mit Tränen in den Augen anschreien, um zu beweisen, dass man eben keine Angst habe. Der Kampf durch das Runenfeuer war von Erfolg beschieden gewesen. Sie sollten alsbald Lidwina und Thorbjörn aufsuchen und ihnen ihren Dank aussprechen.