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Tanz mir das Leben

Verfasst: Montag 17. Juni 2013, 19:20
von Yalinah Falah
Die Sonne ging auf und riss den Schatten von der Wüste. Wie kleine Kristalle funkelte für wenige Sekunden der Sand und alles erschien wie ein Traum, von Schönheit geführt. Der Wind zog durchs Land und zog kleine Wirbel über den Boden, bis hin zu meinen Füßen und ich wusste, ich war zuhause. Meine Augen, strahlend und fern ab jeglicher Lebenserfahrung, begrüßte ich den Tag als wäre es mein Erster auf Erden und als wäre es der Letzte. Der Wind umarmte mich, der Sand hüllte mich ein und die Sonne bedeckte mich mit ihrer Wärme. Es war, wie jeden Morgen, mein kleiner Himmel. Ich konnte nie wirklich beschreiben, wie überwältigt ich vom Sonnenaufgang war, von jeder einzelnen Fazette. Es war mein Leben, in dieser unscheinbaren Landschaft, fern ab von Leid und Krieg.

Und als der erste Sonnenstrahl meine Nasenspitze traf, streckte ich die Arme aus und begann mich mit den Wirbeln zu drehen. Die hauchdünnen Schleier flogen durchs Morgenlicht, zogen den Sand mit sich und ich fand mich ein im Klang des Seins. Ein Schritt, eine Bewegung und mein Herz begann zu strahlen, Meine Augen rissen sich auf und begrüßten den Sonnenstrahl, der sich über mich legte, als wäre er nur für mich bestimmt. Schnellere Bewegungen, dazu ein Klangspiel meiner Kehle und die Übungen konnten beginnen. Ich fühlte mich frei, so unendlich frei und ich verdrängte mit jeder Rührung den Krieg, der zur Zeit herrschte. Ich hatte noch nicht viel dazu beigetragen, hatte noch nicht viel davon gesehen und doch war der Schmerz vorhanden, welchen mein Volk in dieser Zeit mit sich trug. So tanzte ich und sang, in die Morgenstunden hinein und ich versuchte nicht daran zu denken. Der Sand hatte mich bereits eingehüllt, meine Kleider benetzt und irgendwann, als meine Füße sich tiefer in die weiche Substanz drängten, sackte ich zu Boden.

Mein Traum, schon so oft hatte ich ihn ausgesprochen und zu selten einen Schritt in diese Richtung gelenkt. Ich war scheu und ich wusste zwar oder hoffte es zumindest, dass die Mutter mein Leben nicht so enden lassen würde, aber das sie mich mit Sicherheit auch nicht an die Hand nahm, um mich zu führen, bei jedem Schritt. Es waren Bewegungen, die ich selbst machen musste, vielleicht waren sie gar so einfach wie das Tanzen selbst, ich musste es nur probieren, ich musste mich überwinden und das, was meine Haus in die Wüste brachte, verwehen lassen, wie den Sand in den Morgenstunden. Und so erhob ich meine Stimme, begann ein Lied in die leere Wüste zu singen und betet die heilige Mutter an, ich erzählte ihr von meinen Bedenken, von dem Leid meines Volkes und davon, wie ich einst wieder Stolz und Ehre zurück in mein Haus bringen würde. Um so mehr ich die Stimmlage anhob, um so mehr glaubte ich auch selbst daran.

Es war wie ein Traum, ein Morgen, als wäre es der erste Tag auf Erden, ein Morgen, als wäre es der Letzte. Es war mein Traum und ich würde damit beginnen, nicht morgen, nicht in einer Woche, sondern just in diesem Moment. Mein Lied hat begonnen, mein Tanz fing an...

    • Unter dem blauem Himmel erstrahlt die Erde.
      Jede ihrer Jahreszeiten ist herrlich.
      Wie schön doch meine Heimat ist!

      Golden ist die Erde und blau der Himmel.
      Golden ist die Erde und blau der Himmel.
      Das ist meine Heimat! Ja, das ist meine Heimat.
      Wenn der Ruf des Sandes weithin erklingt.
      Wenn der Ruf des Sandes weithin erklingt.
      Dann ist die Zeit des Regens da.
      Das ist meine Heimat! Ja, das ist meine Heimat.
      Das ist meine Heimat! Ja, das ist meine Heimat.

      Wenn der Wind durch das Land weht,
      erhebt sich flatternd ein Regenbogen aus Schleiern.
      Während die Mädchen am Brunnen ihre Krüge füllen,
      spielt jemand auf der Bambusflöte eine zarte Melodie.

      So nimmt bei jedem Schritt.
      Eine neue Liebe seinen Anfang
      Das ist meine Heimat! Ja, das ist meine Heimat.
      Das ist meine Heimat! Ja, das ist meine Heimat.