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Neue Aufgaben

Verfasst: Sonntag 16. Juni 2013, 14:31
von Hazar Sevinc Bashir

Ich war erschöpft.
Kraftlos… und leichte Kopfschmerzen schlummerten drohend in meinem Hinterkopf.
In der letzten Zeit war viel passiert.
Ich lehnte mich nach hinten, stützte das Gewicht meines Oberkörpers auf die Arme, und lies den Blick durch den Raum schweifen.
Mich verband nicht viel mit diesem Raum.
Und doch war diese einladende Küche ein Teil meines täglichen Lebens geworden.
Das Familienhaus Bashir.
Ein seltsamer Zufall, dass ausgerechnet ich hier hin geschickt wurde.
Ich hatte immerhin somit einen direkten Befehl von Talib und einen Teil meiner Strafe missachtet und umgangen, um auf das Wort des Shanuns zu hören.
Wie dem auch sei, immerhin war nun dieses blöde Missverständnis geklärt, das mich davon abgehalten hat, mit einem andern Bashir außer Suraya zu sprechen, und das mehr als höfliche Begrüßungsfloskeln.
Zafer hatte mir dabei den Rücken gestärkt und mit viel Vertrauen und Verständnis für mich gesprochen.
Und überraschenderweise war Kadir kein bisschen böse auf mich.
Im Gegenteil, er hatte sich für das Verhalten entschuldigt, obwohl er gar nichts dafür konnte, er war ja nicht mal im Land, als das alles passiert ist.

Das anfängliche, mulmige Gefühl in meinem Bauch schwand von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag.
Trotz der, sich überschlagenden, Ereignisse mochte ich die Familie Bashir.
Nazeeya als Prehaatim war eine weise und gütige Frau.
Kadir ein verständnisvolles, freundliches Familienoberhaupt.
Jumanah und ihr kleines Glück, das während der Katastrophe zur Welt gekommen war, waren ein frischer Wind, wenn sie im Haus waren.
Marek ein höflicher Säbler und Suraya eine aufgeweckte junge Teppichweberin.
Nur wie ich Rashid, um den es mir hauptsächlich ging, einschätzen musste, war mir bis heute noch nicht ganz klar.
Aber dafür war ich ja hier.

Suraya…
Was geschehen war, war für keinen der beteiligten gut gewesen.
Und vor allem nicht für mich, dieser Familienstreit in der vergangenen Nacht, war nichts gewesen, was für meine Ohren bestimmt war.
Ich konnte Kadir verstehen.
Sie war seine Fidah, und er sorgte sich um sie, sorgte um ihr wohl, und ihre Gesundheit.
„Hätte sie sich doch mehr an die Natifahs deiner Familie gehalten…Ich bin ihr Fadrim, sie weiss, das sie immer zu mir kommen kann, aber ich weiss auch, dass sie nicht mit mir über alles reden kann.“, seine Worte hallten noch in meinen Ohren.
Er machte sich Vorwürfe.
Er gab sich die Schuld, dass es so weit gekommen war.
Und Rashid… Er war böse, enttäuscht… und er konnte seine Wut gerade noch so im Zaum halten.
Ich konnte diese enorme Gefühlsregung bis in den anderen Raum spüren.
Nungut, ich hatte mich auch auf ihn Konzentriert und Fokussiert.
Und als Suraya das Haus verlassen hatte, war es, als würde er zusammenbrechen.
Ich konnte ihn gerade noch davon abhalten, ins Martisan zu gehen.
Marisan… Saman…
Herrjeh, warum musste auch immer alles gleichzeitig passieren?
Er hätte alle Kräuter haben können, um für seinen Auftrag alles da zu haben, aber Saman war stur. Nur die Schlüssel, nichts anderes.
Und das man in dieser Situation kein vernünftiges Gespräch mit Rashid führen konnte, hätte er sehen müssen.

Aber, wer bin ich schon, das zu beurteilen?
Er hatte aber auch nicht mitbekommen, was ich gesehen und gehört hatte. Und doch gehe ich davon aus, dass er über alles im Bilde war, immerhin wollte Suraya direkt zu Zia, und Zia stand mit vor den Türen des Bashirhauses.

Ich hatte, als die Nacht schon weit voran geschritten war, Kadir und Rashid alleine gelassen.
Ich hatte schon zu viel mitbekommen, ich wollte sie ihren Männergesprächen überlassen.
Und letztlich wollte Rashid auch nicht mit mir reden, im Gegenteil, er hatte mich weg geschickt.
Ich gehörte nun mal nicht zur Familie.
Ich war und bin Gast.

Fazit des gestrigen Tages war also:

1. Drei Krieger sind zu viel für mich, in einer Schlacht
2. Rashid ist ein seltsamer Mann
3. Ich bin froh, dass es in meiner Familie im Moment eher Ruhiger ist
4.Kadir ist verständnisvoller als erwartet
5. Beschwörungen sind anstrengend


Verfasst: Sonntag 16. Juni 2013, 19:08
von Kadir Bashir
Diese Augen... immer wieder musste er an ihre augen und an ihre Worte denken.

Er wollte nicht das sie all das mit bekommt. Sie sollte sich im Familienhaus der Bashir doch wohl fühlen, wie zu Hause eben. Ihm war klar das dies schwer war, es war sein zu Hause nicht das ihre und doch, wenn sie schon den Auftrag hatte hier zu wohnen, sollte es so annehmbar wie möglich für sie sein.

Er wusste das der Auftrag um Rashid schon schwer genug an ihr nagte. Das schlechte Gewissen das sie plagte, ehe sie reinen Tisch machte. Talib hatte ihr den Umgang mit den Bashir verboten. Kopfschüttelnd verdrängte er jenen Gedanken. Aber das sie wirklich dachte er würde deswegen böse auf sie sein? Wieso? Was konnte sie dafür? Shakur war ein Idiot, er hätte diese Frau niemals gehen lassen sollen. Sie wäre eine Bereicherung für die Bashir gewesen und wer weiß, vieleicht wäre alles anders gekommen.

Er saß auf den Stufen als sie sich zu ihm kniete. Anmutig, im Licht den Mondscheines, wie eine Erscheinung Eluive. Ihre Worte waren warm, herzlich und ehrlich gemeint. Er war ein Familienoberhaupt und sie sah ihn so schwach aber trotz alle dem war er doch auch nur ein Mensch. Er machte sich wahnsinnige Vorwürfe. Wenn er doch nur mehr für seine Schwester da gewesen wäre. Wenn er auf die Warnungen gehört hätte, sie von den Yazir fern zu halten.

Viel zu früh musste Suraya ihre Eltern verlieren und er, er hatte viel zu tun. Handelsminister einer großen Stadt... hatte sie sich seinetwegen so verändert? Hazar versicherte ihm, dass es nicht seine Schuld war. Hazar und Suraya waren gleich alt und doch schienen in jenem Moment Welten zwischen ihnen zu liegen. Sie war so Verständnisvoll. Sie verstand wie schwer es für ihn ist eine Familie zu führen. Wieso konnte seine Schwester nicht nur ein wenig verständnis übrig haben?

Wann immer er sie in der Vergangenheit zurecht wies, sie bestrafte so vermutete sie Hass seien seine Gründe... Hass? Er liebte seine kleine Schwester über alles. Sein Herz zog sich bei jenen gedanken zusammen. Nur nicht vor Hazar gänzlich die fassung verlieren. Tränen waren nicht angebracht, nicht jetzt... später, wenn er alleine war.

"Ich dachte immer, dass schwerste in meinem Leben würde sein, wenn eines Tages ein Mann um ihre Hand anhält und ich sie ziehen lassen muss... weit gefehlt". "

.....

"Ich habe heute meine kleine Schwester verloren". Die Worte kamen zittrig über seine Lippen. Hazar verstand was in ihm vorging. Ihre Worte waren wie Balsam, die für einen kurzen Moment den Schmerz zu lindenr schienen aber er verschwand nicht...

Zu allem Übel standen plötzlich Saman und Zia vor dem Tor. Er dachte sie seien wegen Suraya hier aber Saman wollte nur irgendwelche Schlüssel aus dem Maristan. Rashid wiedesetzte sich... noch so ein Sturkopf. Kadirs Blick suchte nach dem von Hazar ehe er zu Rashid sah. Ein Brief an den Emir... das fehlte ihm gerade noch.
Aber wieso verstanden sie heute alle nicht was geschehen war? Auch Saman blieb stur, ihn interessierte es nicht das Rashid in jenem Moment nicht Zurechnungsfähig war. Es war spät in der Nacht. Nicht die Zeit solche Dinge zu besprechen. Aiwa der Krieg... keine Zeit zu verlieren... aber diese Gleichgültigkeit... Ja, es war ein Problem meiner Familie doch trug seine Familie dazu bei...

Hazar verabschiedete sich... ging die Treppen hinauf um sich schlafen zu legen. Er blickte ihr kurz hinterher. Es tat ihm leid, zu tiefst leid, dass sie all das mit bekommen musste. Er war ihr so dankbar das sie hier war und das sie sich in dieser Zeit um Rashid kümmerte. Lange saß er mit jenem noch am Tisch um zu besprechen was vorgefallen war.

Rashid war misstrauisch geworden... er wusste das Hazar nicht einfach nur zu Besuch war. Er hatte Fetzen des Gesprächs im Garten mit bekommen... Kadir versuchte sich heraus zu reden. Sie sei nur ein Gast, sollte im Haus helfen weil so viele Natifahs fort waren. Rashid schüttelte nur den Kopf. Kadir erfand ausflüchte, sagte sie soll eben auf ihn aufpassen weil sich Faaith Sorgen machte. Bei Eluive zum Glück glaubte er ihm, dass er auch nicht mehr wusste.

Nach jeder Nacht musste er unbedingt Hazar aufsuchen und ihr erzählen, was Rashid ihm offenbart hatte. Er hoffte inständig, dass sein Vetter ihm dies niemals übel nehmen würde. Es ging ihm nur um sein Wohl und er wollte keinesfalls noch ein Familienmitglied verlieren.

Verfasst: Dienstag 18. Juni 2013, 13:09
von Hazar Sevinc Bashir
Als ich aufwachte, war es still.
Der Raum war leer.
Außer mir, schlief hier keine andere Natifah derzeit.
Mein Blick wanderte über die weichen, zart gefärbten Vorhänge, die das Bett vom Rest des Raumes trennten.
Es war ein schöner Raum, ich konnte mich hier durchaus wohl fühlen. Anders als zu Hause, aber schön.
Ich streckte mich, gähnte einmal herzhaft, und erhob mich dann.
Zugegeben, manchmal schlief ich etwas länger, und so war es für mich nichts überraschendes, alleine zu sein.
Waschen, anziehen, ein prüfender Blick in den Spiegel, ehe ich mir sorgsam das Kopftuch über die Haare legte, den Schleier hoch band und mein Gesicht somit wieder zu verbarg.
Zu Hause schlurfte ich auch ohne Kopftuch in die Küche, die meistens schon mit dem wohligen Duft von Mocca und frischem Brot erfüllt war.
Hier war es anders.
Sittsam und ordentlich gekleidet, die schwarzen, hüftlangen Haare versteckt, so das man nur die Augen und meine Hände sah, stieg ich die Stufen herab, nur um eine…. leere… Küche vor zu finden.

Ein leises seufzten konnte ich mir nicht verkneifen.
Es war so schade.
Aber gut, frisch ans Werk, ich wollte ja frühstücken.
Wo der Mocca war, wusste ich, dank des Koch-Abends. Also bereitete ich mir einen Mocca zu, dessen Duft nun endlich einen frischen Duft durch die Küche schweben lies.
Brot…Marmelade… und beim Suchen musste ich feststellen, dass wenig da war.
Also blieb ich beim Mocca.
Wirklich Hunger hatte ich sowieso nicht, aber man merkte, dass die Natifah’s ihre eigenen Häuser hatten.
Ich setzte mich mit meinem Getränk an den Tisch, und schon wieder vermisste ich meine Familie.
Soraya, den kleinen Fenek, die wie ein Wirbelwind durchs Haus peste.
Aaminah, deren Lachen nicht ehrlicher und ansteckender hätte sein können.
Zahra, deren schmale und zierliche Finger so viel wunderschönes vollbrachten.
Zafer und Gassur, die beide, wenn sie denn mal da waren und nicht ihren Pflichten nachgehen mussten, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlten.
Haroun, der immer ein freundliches, und fröhliches Lächeln für mich hatte, der auf mich aufpasste.
Und alle anderen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe.
Der ganze Trubel im Haus, lachen, schreien, weinen, tanzen, und die erquickenden Gespräche, während Minchen und ich nebeneinander in der Küche stehen.

Ich schob jedoch alle diese Gedanken beiseite und ging mein Notizbuch vom Unterricht durch.
Sorgsam hatte ich angefangen, die Kritzeleien während des Unterrichtes in ein anderes Buch zu übertragen, so dass ich es auch in 10 Jahren noch lesen konnte.
Als ich damit fertig war, machte ich mich auf den Weg, Rashid zu suchen. Aber weder in seinem Haus noch im Maristan war er zu finden. Also beschloss ich, den Weg nach Hause an zu treten.

Bei Eluive, es tat so gut, wieder zu Hause zu sein. Kaum das ich das Tor hinter mir geschlossen hatte, musste ich feststellen, dass ich recht gehabt hatte.
Haroun stand da, und sortierte seine Jagdbeute in unsere Kiste.
Es war wie immer, trotz der Tatsache, dass ich wenig zu Hause war, wurde ich sogleich freudig begrüßt.

Bei einer Tasse frisch gekochtem Mocca setzten wir uns an den Familientisch und unterhielten uns über die aktuellen Geschehnisse.
Immer wieder wanderten meine Gedanken zurück zu dem Gespräch am vergangenen Abend mit Kadir.
Natürlich war Haroun neugierig, natürlich wollte er wissen, warum ich weg war, was passierte.
Alleine seine Nachfragen, wie es mir ging, warum ich müde aussehe, wie mein Auftrag ist, und wann ich wieder nach Hause kommen würde, kosteten mich viel Kraft, mir nichts anmerken zu lassen.

Was Kadir mir am vergangenen Abend eröffnet hatte, hatte mein Bild, das ich von Rashid hatte, grundlegend verändert.
Genauso das von Shaymaa.
„Ich habe mal zu Shaymaa aufgesehen“, sagte ich gestern.
„Ach, Hazar, das hast du doch gar nicht nötig“, seine Antwort brachte mich dazu, rot anzulaufen und beschämt auf den Tisch zu sehen.
Und wieder zeigte Kadir das er viel Vertrauen in mich setzte, in dem er mir die Abgründe auftat, mit denen er konfrontiert wurde.

Mein Problem war jetzt nur: Wie gehe ich damit um?


Verfasst: Dienstag 18. Juni 2013, 21:43
von Kadir Bashir
Die ersten Sonnenstrahlen suchten ihren Weg durch die seidenen Vorhänge. War schon wieder eine Nacht rum? Wieder hatte er kaum Schlaf gefunden. In seinem Kopf kreisten die Gedanken, Suraya, Rashid, Shaymaa, Familie...

Das einzige was ihn zur Zeit etwas Ablenkung verschaffte war Hazar. Sie war so jung, so mitten im Leben und unverbraucht. Wenn er sie sah musste er oft an Jumi zurück denken. Wie sie lebensfroh durch das Haus huschte und sich weigerte ihre Hosen abzulegen. Wenn sie wieder einmal weglaufen wollte... er vermisste jene Zeiten...

Nun war sie eine junge Mutter... sie lebte ihr eigenes Leben, so wie Yasmeen ihr Leben im Palast lebte. Die Ruhe im haus schien fast gespenstig und Hazar erfüllte es mit ihrer art zumindest annähernd mit Leben.

Er wusste wie hart es für sie sein musste. Ein fremdes Haus, eine fremde Familie und dann so einsam...

Seine Augen waren starr an die Decke gerichtet. Das Gespräch der letzten nacht ging ihm durch den Kopf. Ob er Faaith heute finden würde? Was wusste sie? Wusste sie überhaupt etwas? Soviel gab er gestern Hazar preis, vieles das er ihr hätte vielleicht gar nicht sagen sollen und doch wusste er, nur wenn er offen und ehrlich war bestand die Chance Rashid zu helfen. Ihm war bewusst das ihr vieles unangenehm erscheinen musste.

Sie war jung, teilweise sicher recht unerfahren... aber er konnte die Dinge leider nicht verschönern, so gern er es getan hätte. Er fasste sich an die Schläfen... wann würden diese Kopfschmerzen nur endlich aufhören? Nur noch ein Tag... ein Tag bis die Entscheidung über Suraya fallen würde. Schnell schüttelte er den Kopf... er wollte nicht daran denken, doch es gab keine Möglichkeit davon zu laufen.

Wieder rief er sich die Erinnerungen an den gestrigen Abend in den Kopf. Ein schmunzeln huschte über seine Züge als er daran denken musste wie sie errötet ihren Kopf senkte. Er hatte sie verlegen gemacht. Ja es gehörte sich nicht... aber er sagte nichts unsittliches und so konnte zumindest Talib ihm niemals einen Vorwurf daraus machen.
er hatte doch nur die Wahrheit gesprochen. Natürlich war Shaymaa eine große Liedweberin und Hazar stand noch ganz am Anfang. Dennoch gab es nichts wofür sie sich schämen musste.

Ein jeder fängt irgendwann einmal klein an und in Kadirs Augen war Hazar gar nicht mehr so klein. Ihre Worte waren wie Balsam für seine Seele. Sie brauchte kein Vorbild, sie war auf dem besten Wege etwas ganz großes zu werden und Talib und all die anderen Ifrey könnten eines Tages sehr stolz auf sie sein.

Ob sie sich inzwischen etwas wohler hier fühlte? Wie würde es werden wenn sie wieder zurück ging? Würden seine Späher Erfolg haben und seine Familie wieder vereinen? Dieses wunderschöne Haus... er war gerne hier.

Lächelnd dachte er an den Kochabend der Natifahs... zu jenem Zeitpunkt war noch alles in Ordnung, seine Welt war in Ordnung. Umgeben von denen die er liebte. Seine kleine Fidah und sein kleiner Fadrim... Sharif... schwer seufzend erhob er sich. Beim Blick in den Spiegel sah er nur ein Schatten seiner selbst... blas, Augenringe, gezeichnet von dem Kampf den er im inneren führte.

"wie erkläre ich all das nur Sharif..." mit diesen Worten senkte er den Blick und stieg die Treppen hinunter. Niemand hier... Er beschloss in sein Haus zu gehen um sich umzuziehen. Heute brauchte er Rat einer anderen Art... er musste Kraft tanken, Kraft um nicht unter all dem zusammen zu brechen. Kraft um weiterhin stark für seine Familie zu sein. Stark um den morgigen Tag zu überleben und so machte er sich auf zum Tempel Eluives....

Verfasst: Mittwoch 19. Juni 2013, 23:02
von Kadir Bashir
Er war froh das Hazar das heute nicht mit bekommen musste. Er hatte ihr gesagt, dass die Familie an diesem abend Gericht halten würde. Ihr gesagt sie solle den Tag ruhig im Kreise ihrer Familie verbringen. Familie...

Das Wort pochte in seinem Kopf. War jenes Wort der Grund für die Kopfschmerzen die er seit Tagen ertragen musste? Er hatte das Gefühl unter all dr Last zusammen zu brechen aber das durfte er nicht. Er war nicht mehr einfach nur Kadir Bashir ein junger Salzschürfer der zurück, in die Arme seiner Familie gekehrt war. Er war Handelsminister einer prachtvollen Stadt und trug damit eine hohe Verantwortung. Es ehrte ihn sehr, dass der Emir ihm dieses Amt zuteil werden lies und er meisterte es gut.

Hatte er darüber hinaus seine Schwester vernachlässigt? Sie hatte nie ein Wort gesagt. Stets war sie stolz auf ihn. Sie unterstütze ihn wo sie konnte, im Basar, in der Familie. Die Last auf ihren Schultern war groß. Nach dem er Yasmeen in den Harem übergab musste sich Suraya fast alleine um alles kümmern. War es doch zuviel für sie gewesen? Brach sie deswegen aus?

Dann kam der Tag an dem er das Oberhaupt der Familie übernehmen sollte. Er hatte Radeeh dafür immer bewundert. wie schwer es wirklich war in diesem Amt tätig zu sein wurde ihm erst nach und nach bewusst. Gefühle durften keine Rolle spielen. vernunft war gefragt, vernuft und weitsicht. Immer im Wohle der Familie, im wohle des Volkes, im Wohle des Emirs, im Wohle der Familie Omar. Wo stand er an dieser Stelle?

In der kühle der Salzmine versuchte er seine Gedanken zu ordnen. War er zu jung für all diese Verantwortung? Hätte er sich hinter seine Fidah stellen müssen und gemeinsam mit ihr die Familie verlassen sollen? Fragen über Fragen doch Antworten erhiet er keine. Er hätte sein Amt nieder legen müssen... die Familie sich selbst überlassen. Ein Opfer im Tausch gegen viele Opfer. War es das Wert?

Tränen liefen ihm über seine Wangen. Tränen die er so lange zurück gehalten hatte. Hier im Berg Cantar konnte er ihnen freien lauf lassen. Er musste hier vor niemandem stark sein, sich verstellen... hier durfte er er selbst sein. Der junge Mann der viel zu früh seine Eltern verloren hatte und jetzt alles dafür geben würde noch einmal mit seinem Radeh reden zu können.

Er hatte sie verloren... diese Erkentniss schien ihn innerlich zu zerreisen. Er ertrug keine Gesellschaft. Sie meinten es alle gut, wollten ihn begleiten aber er hatte das Gefühl zu ersticken. Je länger er im Haus verweilte desto mehr schnürrte sich seine Brust zu. Dieser unsagbare Schmerz. Konnten sie ihn überhaupt verstehen? Natürlich hatte Rashid mit allem Recht was er sagte. Natürlich war es die einzig richtige Entscheidung aber es änderte nichts daran das sei seine kleine Prinzessin war.

Er wollte immer für sie da sein. Er hatte geschworen immer für sie da zu sein. Auf sie aufzupassen und so bitter die Erkentniss war, er trug mit Schuld daran das es soweit kam. Sie fehlte ihm... schon jetzt fehlte sie ihm. Es fühlte sich leer an. Er griff in seine Tasche und zog ihren kleinen Ring heraus. Den Ring mit dem Siegel der Bashir... verschwommenen Blickes betrachtete er ihn in seiner Hand. Sanft legte er seine Lippen auf jenen ehe er die Kette um seinen Hals löste. Er fedelte den Ring in jene und legte die Kette wieder um seinen Hals. Er würde ihren Ring für immer bei sich tragen, ganz nah an seinem Herzen, dort wo sie hin gehörte. Und so wie er jenen Ring sein Leben lang tragen würde, würde er sie immer lieben.

Kadir lehnte sich an die salzige Wand. Den Mantel den seine Schwester ihm genäht hatte über sich legend. Er konnte heute nicht zurück in dieses Haus... er würde hier bleiben. Allein...

Und so würde Hazar am morgen danach ein leeres Haus vorfinden.

Verfasst: Donnerstag 20. Juni 2013, 11:17
von Hazar Sevinc Bashir

Zwischendurch konnte ich nicht anders.
Ich ließ mein Heimweh mich nach Hause bringen.
Und sei es nur, um nach dem Rechten zu sehen, die Tiere zu versorgen, und schließlich auch, um mir einige Lebensmittel mit zu bringen.
Das wichtigste an allem war, dass ich mich umziehen wollte.
Aiwa, die Robe war mein ständiger Begleiter geworden, aber darunter wollte ich ja auch frische Sachen haben.
Mir standen zwei Optionen zur Auswahl.
Die erste: Ich gehe jeden Tag nach Hause und wechsle die Kleidung.
Die zweite: Ich beginne damit, meine Keider ins Bashirhaus zu bringen.
Was nicht nur bei den Kleidern bleiben würde.
Schuhe, Taschen, Roben, Bücher, Kräuter, was auch immer ich so im Laufe der Zeit angesammelt hatte, würde, weil ich es ja dann immer mal wieder brauchen würde, das Haus verlassen und mit mir umziehen.

Neda, das ist keine Option.
Ich würde immer wieder hin und her tingeln müssen.

Der vergangene Abend war schön gewesen.
Zu Hause, mein eigenes Bett, meine Lieben um mich herum. Auch wen, wie konnte es anders sein, nicht alle da waren.
Zafer hatte zu tun, Minchen war beschäftigt, aber naja, ich war zu Hause.
Und an was dachte ich den Abend über?
Daran, dass die Männer im Bashirhaus saßen und über Suraya sprachen.

Ich wusste, wie schlecht es Kadir dabei ging.
Ich hatte in seinen Augen sehen können, was in ihm vorging, ohne das er es mir wirklich mit Worten hätte sagen müssen.
Auch wenn ich gut geschlafen hatte, stand ich am nächsten Morgen auf und machte mich in aller eile fertig.
Jetzt durften die Natifahs wieder ins Haus.

Also packte ich meine Tasche.
Rock, Oberteil, Kopftuch, ein Buch, ein paar Lebensmittel zum Kochen und das wichtigste von allem…
Süßigkeiten.
Ich packte in ein kleines Körbchen allerlei Leckereien von Rija ein.
Gut, zugegeben, ein paar der kleinen, fluffigen Kokosplätzchen landeten auch in meinem Mund.
Statt Brot gabs heute mal Trockenobst und Kokoskeckse zum Frühstück.
Ich versorgte noch rasch unsere Tiere, erntete die Früchte von den Bäumen im Garten und machte mich auf den Weg.
Auch im Bashirhaus erntete ich das Obst, brachte alles in die Küche und fing an, auf zu räumen.
Die Süssigkeiten würden auf dem Tisch verteilt, das Obst in die Kiste verstaut, die Küche roch nach meinem Gewusel nach kurzer Zeit nach frischem Essen und Mocca.
Jetzt fehlten nur noch die passenden Esser.
Aber irgendwann, so hoffte ich, würde Kadir oder wer auch immer, im Laufe des Tages nach Hause kommen.
Es stand jedenfalls alles bereit, zumindest was das Körperliche Wohl betraf.
Der Rest… würde Zeit brauchen.

Verfasst: Freitag 21. Juni 2013, 16:40
von Hazar Sevinc Bashir
Ich war so schnell es ging, in die Akademie gehetzt, fast schon gerannt, nur um nicht noch später zum Unterricht erschien, als ich eigentlich schon war.
Ich hatte noch zu tun gehabt, so war der Glaubensunterricht von Nazeeya schon in vollem Gange.
Direkt wurde ich mit Fragen bombadiert, kaum das ich mich gesetzt hatte.
Ich hatte offenbar halbwegs zufriedenstellend geantwortet.
Djamji, die neben mir saß, schien mal wieder geistig völlig in anderen Ebenen zu sein, ihr Blick war starr an eine Stelle gerichtet, so das ich sie anstubsen musste, um sie wieder ins hier und jetzt zu holen.
Das erste Mal hatte es funktioniert, das zweite Mal sorgte dafür, das Nazeeya, sichtlich wütend, den Unterricht mit einer gemeinschaftlichen Strafe für alle beendete.
Na toll, kaum eine halbe Stunde beim Unterricht schon eine Strafe kassiert und mehr würde nicht folgen an diesem Abend.
Ich ging wieder aus der Akademie.
Heute schien nicht mein Tag zu sein.
Also machte ich mich erst einmal auf den Weg nach Hause. Zahra und Aahil standen dort, Zahra fertigte irgendwas an, und sah dabei nicht wirklich glücklich aus. Woran das nun lag, wusste ich nicht, aber Aahil sah recht unschuldig daran aus.
Wie dem auch sei, erst einmal wollte ich baden und mich frisch machen, umziehen. Dann erst ging ich wieder die Stufen herab und sah mich in der Küche um.
Gassur und Djamji saßen dort, Gassur trug noch immer die Reste des blauen Auges, was mich sehr erschreckte.
Als Antwort, was er gemacht hatte, log er.
Gut, ich konnte mir vorstellen, warum er log. Ich an seiner Stelle hätte auch meiner kleinen Fidah nichts verraten.
Aber er konnte schlecht Lügen, ich konnte es ihm direkt ansehen.
Aber ich würde nicht nachfragen.
Nicht solange Djamji da war.

Noch ehe ich irgendwelche Ausflüchte für meine, bestimmt an meiner Nasenspitze erkennbaren, nachdenkliche Mine zurecht legen konnte, kam Zahra die Türe herein.
Zahra war so ruhig, so in sich gekehrt und so nachdenklich, wie ich sie nie gesehen hatte. Ihr war unwohl.
Natürlich habe ich sie direkt angesprochen darauf, wollte wissen, was passiert sei.
„Ich soll ein Brautpreis sein...“
Zahra erzählte die ganze Geschichte, Gassur verschwand kurz und kam wieder, auffällig war, das er sie nicht einmal ansah.
Was war nur passiert?
Mein Herz und mein Magen krampften zusammen.
Ein paar Tage nicht da und schon artet alles in Chaos aus?
„Herrjeh, ihr sitzt hier und redet nicht miteinander, das kann ja wohl nicht sein, wir sind eine Familie….“
Irgendwann wurde mein zorniger Redeschwall unterbrochen als Zafer die Türe herein kam. Ich war gerade dabei, Tee für uns drei Mädels zu machen, und Gassur, ob er wollte oder nicht, bekam einen Mocca hinstellt. Am liebsten hätte ich ihm einen Schlag gegen den Hinterkopf verpasst.
Einfach dafür, das er beschämt auf den Tisch guckte, während Zahra ihr Leid klagte.
Bei Eluive…
Was war nur los?

Zafer, ob er wollte oder nicht, bekam ebenso einen Mocca von mir gekocht, ich musste mich mit irgendwas ablenken.
Meine Finger beschäftigt halten.
„Stell ihn mir in eine Sitzecke , ich muss mit dir reden.“
Ohjeh, jetzt auch noch Zafer. Aber wenigstens redete er mit mir. Der Göttin sei Dank, wenigstens einer.
Das Gespräch war lange und leise, kaum mehr ein leises Flüstern, wir wollten uns erst alleine Austauschen.
Er erklärte mir, was er Zahra gesagt hatte, wie es gewesen war, wie er versuchte, es allen gerecht zu machen, nur damit Malaika zu Gassur konnte, und Zahra glücklich und zufrieden war. Auch wenn sie es selber anders erlebte, machte er sich durchaus viele Gedanken, wie er beiden helfen konnte.

Irgendwann bemerkte ich die Verletzung seiner Hand.
Ab da war mir alles klar.
„Ach, und Zafer, du solltest deine Hand versorgen, es ist ein wenig auffällig wenn einer ein blaues Auge und der andere eine verletzte Hand hat“, ich konnte es mir nicht verkneifen, und ich wollte es auch nicht.
Und er wusste genau, wovon ich redete.
Er erklärte, dass er so hatte Handeln müssen, er trug derzeit die Verantwortung für die Familie, auch wenn das hieß, das er vermutete, Gassur als Freund zu verlieren. Ich sah, wie schwer ihm das auf dem Herzen lag.
Ich legte meine Hand auf seine Schulter, und plötzlich hatte ich wieder Kadir vor Augen. Die gleiche Situation. Die Verantwortung forderte eine Entscheidung, ob man sie wollte oder nicht.
Sie taten mir beide leid und ich konnte nichts tun um ihnen zu helfen.
Traurig sah ich ihn an.
„Er wird es verstehen, Gassur weiß doch selber, wie es ist, Verantwortung tragen zu müssen. Wenn sich die Wogen geglättet haben, dann wird er es einsehen. Lass ihm die Zeit.“
Ich setzte mein Vertrauen in Gassur. Er war nie der unbesonnene Typ Mann gewesen, er hatte immer seine Entscheidungen überdacht.
Auch wenn die Situation im Moment wirklich als Ausnahmezustand zu sehen war.

Mein Herz wurde schwerer. Ich konnte nichts machen.
„Ich werde mit Kadir reden und ihm sagen, das ich nicht länger dort wohnen kann“, mein Entschluss kam plötzlich, aber ich meinte ihn durchaus ernst.
„Neda, du hast eine Aufgabe zu erfüllen, der Shanun hat dich nicht umsonst dahin geschickt, und du wirst der Familie Stolz bereiten und sie erfüllen“
Oh, dieser Dickkopf.
„Aiwa, aber ihr seid meine Familie, soll der Shanun mich strafen, soll er mich zur Tranam abstufen, soll er mir den Aufstieg zur Shoka verwähren. Ihr seid meine Familie und das ist mir das wichtigste.“
Zafer wollte nicht.
Nicht, das ich es anders erwartet hätte, aber ich musste sagen, was mir auf dem Herzen und der Zunge brannte.
Wenn es um meine Familie geht, sehe ich rot und neige zu Kurzschlussreaktionen.
Ich habe doch schon meine Fidah verloren, für den Rest würde ich kämpfen.
Aber er redete es mir aus, erwartete von mir, dass ich meine Aufgabe erfüllte.
„Wenn etwas ist, das Bashirhaus ist neda weit, hol mich zurück Zafer, aiwa?“
„Natürlich werde ich das“, und schon wieder eine Lüge.
Dieses Mal hielt ich mich nicht zurück, ich rieb ihm direkt unter die Nase das ich ihn durchschaut hatte.
Mit hängenden Schultern schlurfte ich zurück zum Bashirhaus. Dieses eine Mal war ich froh, das keiner da war. Heute wollte ich niemanden sehen.




Familie –
kostbarstes Kleinod
auf dieser Erde,
rettender, schützender
Hafen auch.
Im Glück
wirst du in ihr
geborgen sein,
im Unglück
bist du nicht allein.
Familie zieht
den schützenden Kreis.
Wohl dem,
der sich in ihr
geborgen weiß.

© Dr. Carl Peter Fröhling (*1933)

Verfasst: Samstag 22. Juni 2013, 19:41
von Kadir Bashir
Alle waren ausgeflogen. Mit einem Lächeln saß Kadir allein im Haus. Seit Tagen war er das erste mal ausgeschlafen. Die erste Nacht in der er durchschlafen konnte. Seine Hand spielte mit einem der Kekse die Hazar mit gebracht hatte. Sie waren köstlich und es stimmte, Rija war eine gute Köchin, fast so gut wie Nazeeya...

All das wäre fast perfekt, würde man die Ereignisse der letzten Tage einfach ausblenden aber soweit war er noch lange nicht.

Der gestrige Tag jedoch war anders... Er kam gerade von der Jagd und zog sich um, als der Duft von frisch gebratenem Fisch in seine Nase stieg. Den Turban um den Kopf wickelnd lief er in die Küche wo er lächelnd Hazar am Herd betrachtete.

Sie kochte ihm einen Mocca und beide setzten sich an den Tisch. Mit ihr zu reden war wie Balsam für seine Seele... Er spürte das sie etwas bedrückte. Schüchtern und zurück haltend wie immer musste er ihr die Worte fast aus der Nase ziehen. Er wusste nicht genau was vorgefallen war, nur das es Streit in ihrer Familie gab, der sie sehr belastete. Mehr musste er aber gar nicht wissen. Sie selbst sollte entscheiden was sie ihm erzählen und was sie lieber für sich behalten wollte. Egal was es war, sie konnte sich sicher sein, es würde diesen Raum niemals verlassen. So wie er ihr vertraute, sollte sie auch ihm vertrauen. Ob sie das wusste?

Es tat gut mit ihr zu reden. Über alles... es gab nichts was er ihr hätte nicht erzählen konnte und dieses Gefühl war es, dass sanft über seine Seele streichelte und ihn für einen Moment all die Qualen und den Schmerz vergessen lies. Kein Wunder das Eluive dieses Wesen auserwählt hatte um ihr Lied zu weben. Sie wusste nicht was sie alles bewirken konnte oder wie wertvoll sie war. Im Gegensatz zu Shaayma war sie so Bescheiden mit ihrer Gabe... er hoffte das dies so bleiben würde.

Sie redeten über alte Zeiten. Durch all den Schmerz hatte er verdrengt wie viele schöne Zeiten er in diesem Haus erlebt hatte. Das Farbmalör... Jumi wenn sie sich mal wieder unverstanden fühlte und sich in der Wüste verstecken wollte, Naadia, seine andere Schwester die in diesem Haus ihre Liebe gefunden hatte.

Hazar war für ihn das beste Beispiel dafür das sich alles zum Guten wenden kann. Zu gut erinnerte er sich an die Zeit als die Ifrey zerstritten waren und drohten ausseinaner zu brechen. Und schaut man sie sich heute an, kehrten viele zurück und versuchen mit ihrer Güte und ihrer Liebe zusammen zu halten was zusammen gehört. Er hoffte so sehr, dass auch seiner Familie dieses Glück wiederfahren würde...

Ihr Lächeln, ihr Lachen, ihre Art, die Art wie sie auftrat und sich um alles kümmerte. Auch wenn der Shanun ihr die Aufgabe gab sich um Rashid zu kümmern, so kam sie genau im richtigen Moment in sein Leben. Sie war ihm in diesen schweren Tagen eine große Stütze gewesen und er wollte gar nicht daran denken wie es würde, wenn sie wieder zu ihrer Familie zurück kehrte.

Als wäre dieser Abend nicht so schon schön gewesen, kam Pazia von ihrer Mutter zurück. Es tat gut sie endlich wieder zu sehen. Er hatte sie vermisst, gerade in dieser schweren Zeit, hatte er sie vermisst. hatte er sich oft alleine gefühlt und viele Kämpfe mit sich selbst ausführen müssen. Ihm war bewusst das er Hazar all das hätte sicher erzählen können, doch sollte er diese junge Blüte mit all seinen problemen und Gedanken belasten? Nein...

Rashid kam hinzu, Marek und alle samt stellten als erstes die Frage ob sie stören würden. Unweigerlich zauberten diese Worte ein Schmunzeln auf Kadirs Lippen und erhellten sein Gemüt. Es war ein so wundervoller Abend. Haroun, Hazars Cousin traf am späten Abend ebenfalls noch ein und er konnte spüren wie sich ihr Gemüt durch seine Anwesenheit aufhellte. Sie vermisste ihre Familie... war es fair sie von jener fern zu halten nur um seine zu schützen? Aber sie war aus freien Stücken hier, er zwang sie nicht dazu...

Er versuchte, so gut es eben ging, das sie sich wohl fühlte. Als alle gegangen waren, nahm sie das kleine Zuckerstück welches er ihr schenkte und ging mit einem Lächeln in den Schlafsaal der Natifahs. Sie lächelte... er hatte es scheinbar geschafft das auch sie sich wieder etwas besser fühlte als zu jenem Zeitpunkt als er sie in der Küche antraf.

Wie hätte er nach so einem Tag nicht gut schlafen können? Am morgen weckten ihn die ersten Sonnenstrahlen... er machte sich auf in den Stall, reparierte die Schlösser und kehrte ins Haus zurück.

Nur kurze Zeit später kam Hazar läächelnd die Treppen hinunter. Shakur war ein Idiot, dies wurde ihm von Tag zu Tag bewusster. Pazia kam ebenfalls hinzu und Kadir setzte sich. Es war ein seltsames Gefühl die beiden Frauen in der Küche zu beobachten. Unbeschwert, giggelnd und am kochen... Gedankenverloren sah er aus dem Fenster... fast perfekt...

Rashid kam dazu, wollte jedoch kurze Zeit später schon wieder aufbrechen. Nur mit Müh und Not konnte er, gemeinsam mit Hazar, ihn überzeugen das sie ihm keine Last ist und das er sie in den maristan mit nehmen sollte. Er willigte schliesslich ein... geschafft...

Da sie bisher noch nicht zurück war schien er Recht behalten zu haben und Rashid war zur Vernunft gekommen. Er lächelte. Sollte nun endlich alles gut werden?

Verfasst: Sonntag 23. Juni 2013, 01:29
von Kadir Bashir
Lange lag er wach ehe er in dieser Nacht schlaf fand. Er hatte sich zu früh gefreut... was hatte er falsch gemacht das nach diesem schönen abend so ein Tag folgte?

Als hätte sie gerochen das etwas nicht stimmte, das es ihm nicht gut ging kam sie um ihn zu holen. Er dachte erst es sei noch einmal Sharif. Noch ein Wort von ihm würde er nicht ertragen. Doch nicht Sharif hatte geantwortet sondern ihre Stimme drang durch die geschlossene Tür.

Wie sie ihm die Hand hin streckte... einen Moment lang war er versucht nach ihr zu greifen, hielt dann jedoch inne. Sie war stets darauf bedacht den nötigen Abstan zu halten... er konnte nicht...

Dennoch vertraute er ihr. Sie wollte ihn mit nehmen... wohin nur? Er folgte ihr auf den Schritt und schnell erkannte er das der Weg sie zu ihrem zu Hause führte. Aaminah hatte lecker gekocht und im ganzen Raum roch es nach diesen Köstlichkeiten. Sie wollte sich revanchieren... die Worte gingen lange in seinem Kopf herum. Sie wollte sich revanchieren? Sie die ihre Aufgabe erfüllte? Die bei ihm leben musste und ihre Familie vermisste? Wofür wollte sie sich revanchieren? Er könnte in seinem ganzen Leben nicht gut machen, was sie ihm und seiner Familie gab.

Zafer und Gassur gesellten sich hinzu. Die Luft war angespannt, ihr Streit schien noch immer ihre Gemüter zu verstimmen auch wenn Zafer geschickter darin war dies zu verbergen. Kadir wusste nur zu gu wie es war und wie es sich anfühlte. So konnte er auch verstehen das Gassur irgendwann das Weite suchte... Familie, so sehr man sie liebt, so schwer ist es manchmal auch mit ihr.

Viele Worte an diesem Abend gaben ihm zu denken. Zafer der Aaaminah aufrichtig liebte. Die Frage ob er jene Liste fuer seine Cousins fertigen würde... ihr Preis über den sie scherzten... Durfte man darüber Scherze machen? Hazar wusste wie es gemeint war und doch beschäftige ihn dieser Scherz den ganzen Abend. Er konnte ihn nicht richtig stellen, nicht vor Zafer. Er wollte nicht das es missverstanden wird oder unnötig Ärger hervor rief und so schwieg er.

Die Zeit verging wie im Flug... es war ihm kaum aufgefallen. Ihr Ablenkungsmanöver schien funktioniert zu haben. Für jene Stunden konnte er lachen, sich amüsieren und einfach nur er selbst sein. Ohne Verpflichtungen, ohne Entscheidungen, ohne ein Oberhaupt, ein Handelsminister oder Bruder zu sein... nur er, Kadir.

Als sie sich auf den Weg nach Hause machen wollten hielt er kurz inne. "Ich bin dir unendlich dankbar Hazar"... er musste es ihr sagen auch wenn sie wie immer abwinkte und sagte das er sich nicht bedanken musste. Doch, sein Anstand lies ihm nichts anderes übrig. Er musste sich dringend etwas einfallen lassen, wie er all das wirklich wieder gut machen konnte. "Ach und mach dir keine Gedanken wegen Zafer"... es war seine Chance, sie waen alleine und er hatte das Gefühl stets offen und frei ihr gegenueber reden zu können. Doch als er den Satz gerade vollenden wollte fügte sie an "ich mag euch eben und wäre es anders gekommen wäre ich heute eine Bashir"...

Aiwa das wäre sie, wäre Shakur nicht so ein vollidiot gewesen. Doch für sie war es das beste, dessen war er sich sicher. Und so schluckte er seine Gedanken doch hinunter und entschied, sie ihr besser nicht zu sagen. Lächelnd winkte er ab und sagte es sei nicht so wichtig. Wahrscheinlich hätte er sie nur wieder verlegen gemacht. Er lief langsam neben ihr her und mehr zu sich selbst als zu ihr nickte er... Er hatte Recht, er konnte noch so sehr mit Zafer darüber scherzen, dass man sich einig werden würde. Diese Bluete neben ihm war unbezahlbar...

Shaymaa hatte vor langer Zeit einmal zu ihm gesagt das es kein Mann gab der sich sie würde leisten können. Damals hatten diese Worte für Kadir keine Bedeutung. Er dachte nie wirklich darüber nach. Doch heute, als er erkannte, dass Hazar unbezahlbar war wurde ihm klar, dass Shaayma unrecht hatte. Was an ihr war besonders? Die Tatsache das sie einst im Harem war? Das sie eine Shoka war? Aiwa all das mag besonders sein aber machte sie allein das unbezahlbar?

Es gehörte mehr dazu und eines Tages würde Hazar ihren Wert erkennen und die Welt mit anderen Augen betrachten. Ihre Unsicherheit ablegen und Aufrecht durch die Straßen Menek'Urs ziehen.

Als sie das Bashirviertel passierten fragte er sie, ob ihre Gefühle zu Shakur so wie jene von Aaminah zu Zafer waren. Er wollte wissen wie sehr Shakur sie verletzt hatte aber sie ging sehr gefasst damit um. Beruhigt konnten sie ihren Weg ins Haus fortsetzen wo sie das reinste Chaos vorfanden.

Khalida in der Küche... gemeinsam mit Anisah und oh welch Wunder, Sharif saß am Esstisch und sah ihnen dabei zu. Überall lag Essen herum. Eierschalen auf dem Boden, offene Schränke, zerbrochene Teller... entschudligend sah er zu Hazar...

Sie rettete auch diese Situation und brachte Sharif dazu, dass er ihr am nächsten Morgen helfen wollte aufzuräumen. Wie machte sie das nur? "Du bist ein Geschenk Eluives"... sagte er ihr lächelnd ehe sie zu Bett ging.

Nun lag er hier, fand noch immer keinen Schlaf und musste ihr morgen doch seinen Traum erzählen. Er ahnte das es kein guter Traum sein würde. zuviel war heute passiert. Der Streit mit Sharif. Die Tatsache das sie schneller wieder bei ihrer Familie sein würde als ihm lieb war und das Chaos in der Küche. Er versuchte an etwas schönes zu denken und mit diesem Gedanken in den Schlaf zu fallen...

Verfasst: Sonntag 23. Juni 2013, 12:17
von Hazar Sevinc Bashir
Ich lag mit offenen Augen im Bett.
Vieles ging mir durch den Kopf, so viel war in zwei Tagen passiert.
Mein Blick wandte sich zu der kleinen Zuckerschneeflocke, die noch immer in ihrem beschützenden Papier auf dem Nachttisch lag.
Sie war zu schade um sie zu essen, auch wenn sie sicherlich lecker war.
Zafers und Gassurs Streit beschäftigte mich, auch wenn ich nicht genau wusste, wegen was sie sich stritten, so war mir durchaus klar, dass es dabei um Malaika ging.
Aber immerhin redeten sie miteinander.
Auch wenn der heutige Abend nicht der letzte gewesen war, wie ich mir dachte.
Ich hoffte inständig, das sie es klären konnten, und das sich die Wogen irgendwann wieder glätten würden.
Ich war Aaminah so dankbar, dass sie sich in die Küche gestellt hatte, und gekocht hatte.
Ich hätte es auch selbst gemacht, aber wer hätte Kadir dann dazu gebracht, auch wirklich zu kommen?

Der Streit mit Rashid…. Dem Hakim, lag mir noch schwer im Magen.
Rashid wollte mich los werden, und auch, wenn ich ihm nicht die ganze Wahrheit sagen konnte, so wollte ich zumindest, dass er verstand, dass ich ihm nichts Böses wollte.
Im Gegenteil.
Aber, wie Männer so sind, es konnte und wollte nicht in seinen Dickschädel.
Und er bestand darauf, die Sache mit Kadir zu klären.
Als wir im Maristan waren, sah ich zwei Seiten an ihm. Die höfliche, freundliche Seite, die ihn ab und an dazu brachte, sich zu einem Lächeln für mich herab zu lassen, und die andere Seite, böse, Wütend und laut.
Und beide Seiten wechselten so schlagartig, dass ich mir reichlich dumm vorkam, wenn ich erst einmal seine Worte überdenken musste, die er mir entgegen schleuderte.
„Rashid, hudad, glaub mir doch….“, zu mehr kam ich gar nicht wirklich.
„Für DICH heißt das Hakim..“, das war deutlich.
Er schien mich zu hassen. Auch wenn ich versuchte, weder Faaith noch Kadir herein zu reiten, im Gegenteil.
Vielleicht lag es auch daran, dass ich versuchte, beide aus der Sache heraus zu halten.
Immerhin hatte Kadir nur einen Schlafplatz für mich möglich machen wollen.
Jedenfalls am Anfang.
Ich musste mit Shanun Omar sprechen, ich wusste nicht, wie ich weiter vor gehen sollte.

Ich schob die Gedanken an den wütenden Hakim von mir.
Wenn ich jetzt noch darüber nachdenken würde, würde ich gar nicht mehr schlafen.

Mein Plan war am Abend schnell gefasst. Ich war bei dem Streit zwischen Rashid und Sharif aus dem Haus geflohen. Noch mehr Streit ertrug ich nicht.
Zwei Familien, in denen ich lebte derzeit, und so viel Streit.
Mein Weg führte mich nach Hause, wieder umziehen und hübsch machen, dafür sorgen, dass man keinen Zentimeter Haut mehr sah, als unbedingt nötig.
Als ich die Treppen herab ging und nur kurz zum Heilerstübchen tappste, fiel mit Zafer auf. Wie konnte es anders sein, kurz sprachen wir miteinander über die aktuellen Themen, die so anstanden.
Ein Austausch, für den ich dankbar war.
Vor allem, weil sich Zafer ganz geduldig meine Meinung anhörte, diese sogar hören wollte.
Nicht das ich nicht auch einfach so drauf los geplappert hätte, aber er wollte sie hören, was mich noch mehr freute.
Aamimah und Gassur kamen hinzu, und da ich sowieso mit Kadir reden wollte, war mein Entschluss schnell gefasst.
Ich bat Aaminah zu kochen, scheuchte die beiden Männer wieder ins Haus, ob sie wirklich da blieben, war eine andere Frage.
Aber für den Moment hatte ich gute Laune, also musste ich die beiden ein wenig trietzen.
Also huschte ich zum Bashirvirtel und klopfte an Kadirs Türe.
„Sharif, ich habe dir gesagt, du sollst gehen..“, erklang seine Missmutige Stimme.
„Ich bin neda Sharif und ich habe neda vor wieder zu gehen“, antwortete ich gut gelaunt.
Es dauerte einige Momente, aber er öffnete die Türe.
„Hazar…“
So erklärte ich ihm, das ich etwas vor hatte, und das er mitkommen solle.
Ein kurzer Blick an ihm vorbei hatte genügt, seine Haltung, seine Mimik, das Chaos, all das deutete auf Ärger hin.
Ich kannte ihn noch nicht sonderlich lange, aber dieser Gesichtsausdruck war mir durchaus geläufig.
Nur um meine Worte zu verdeutlichen, streckte ich die Hand aus, und als sein Blick meiner Hand folgte, bereute ich es schon wieder.
Was musste er nur denken?
Die kleine Ifrey, die versucht ihn mit zu ziehen? Wie dumm von mir.
Herrjeh, ich lies die Hand wieder sinken, und war froh, dass er nichts weiter dazu sagte.
Also folgte er mir zu uns nach Hause, und wir wurden direkt von Aaminah kugelrund gefüttert.
Sie hatte herrlich gekocht und ich schaffte es keinen Bissen mehr hinab zu bekommen. Was Kadir zu amüsieren schien.
Wir lachten, und scherzten, und es tat gut, mal nicht über alle Sorgen und Probleme nach zu denken, sondern einfach nur ein wenig das Leben zu genießen.
Die Kokosmilch, die ich so liebte, war der Ausschlaggebende Punkt, mich doch noch für diesen Abend wirklich nachdenklich zu stimmen.
Kadir und seine Liste, was ich mochte und was ich nicht mochte.
Zafer sah in dem Witz zwischen uns beiden offenbar mehr, als mir selber bewusst war.
„Ich hoffe du fertigst diese Liste nicht für deine Cousins an…“ seine Mine zeigte, dass ihn das beschäftigte.
Als ob Kadir mich ausspionieren würde, nur um meinen Preis fest zu legen.
Zwei Familienführer unter sich, und ich mitten drin.
Nicht, dass es wirklich ernst war, aber die Situation war schon seltsam, vor allem im Bezug auf die Vergangenheit.

Kadirs Frage, nach meinen Gefühlen für Shakur lies mich leise seufzten.
Sie waren nicht von der gleichen Intensität gewesen, wie zwischen Zafer und Aaminah. Dazu war zu wenig Zeit vergangen, zu wenig hatten wir uns aneinander gewöhnen können.
Wir mochten uns, und das sagte ich ihm.
Das das Gefühl, des verschmäht worden sein, tief saß und mir noch immer einen kleinen Stich versetzte, musste er nicht wissen.
Mittlerweile konnte ich darüber reden, ohne dass man mir ansah, wie es mir dabei ging.
Ich hatte besseres zu tun, als mich mit Männern zu beschäftigen, das hatte ich von Anfang an gesagt, wenn ich darauf angesprochen wurde. Und es war leicht, es zu vertreten. Jeder hatte Verständnis dafür, dass meine Ausbildung Vorrang hatte.

Kadir brachte mich ins Haus. Wahrscheinlich nur um sicher zu sein, dass ich auch wirklich sicher und gut ankam, auch wenn sein Haus nur ein paar Meter von dem Anwesen entfernt stand.
Schon nach einigen Momenten, hörten wir geschäftiges Treiben aus der Küche.
Wir beide blieben am Eingang stehen und was wir sahen, erschreckte uns.
Die Küche, die ich am Morgen noch sorgfältig und ordentlich sauber gemacht hatte, war ein reines Chaos.
Überall lag etwas herum, kaputte Eier, die auf dem Boden lagen, als hätte ein Sandsturm durch die Küche gefegt. Und die beiden Verursacherinnen mitten drin.
Khalida und Anisha.
Die beiden freizügig gekleideten Natifahs schienen völlig in dem Auf zu gehen, was sie taten.
Chaos verbreiten.
Noch ehe Kadir irgendwas sagen konnte, raunte ich ihm leise zu, fragte, ob ich das übernehmen dürfe.
Sharif, der irgendwie unbeteiligt daran aussah, brachte die beiden Yazirfrauen nach draußen und danach hatte ich Gelegenheit ein paar Worte mit Sharif zu wechseln.
„Warum strafst du mich? Was habe ich dir getan?“, meine Worte waren durchaus ernst gemeint, aber ich war nicht wütend oder so.
„Wieso sollte ich?“, er schien sich überhaupt keine Gedanken gemacht zu haben.
„Ich bin die einzige Natifah, die derzeit hier lebt, ich bin eine Ifrey, ich bin nur Gast hier, und ich bin die Einzige, die hier für Ordnung sorgt.“
Meine Worte erzielten die erwünschte Wirkung.
Er sicherte mir zu, mir am nächsten Morgen zu helfen, alles wieder in Ordnung zu bringen.
Ich war müde, ein Großputz war das letzte, was ich jetzt wollte.
Aber immerhin hatte ich es außerdem geschafft, dass sich die beiden nicht wieder stritten.

Sozusagen, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Ich war zufrieden.

So verabschiedete ich mich ins Bett.
Das schönste war, das er lächelte, als ich ging.
Trotz des Chaos in der Küche, trotz seiner Probleme.
Aber er hatte seine Rani wieder, und zumindest zwischendurch ein wenig Ablenkung.
Das war gut so.

Pazia…
Wie sie auf der Küchenzeile gesessen hatte, und mir leise Worte zugeraunt hatte, die nicht an Kadirs Ohr gedrungen waren.
Wie sollte ich das ganze Einschätzen?
Irgendwie war sie mir nicht ganz geheuer.
Aber vielleicht hatte ich bald noch genügend Gelegenheit, das heraus zu finden.
Sie wollte aus ihrem Haus ausziehen, es dauerte ja nicht mehr lange, dann würden Kadir und sie heiraten.

Was sollte ich den beiden nur schenken?

Verfasst: Montag 24. Juni 2013, 15:28
von Kadir Bashir
Was ein Tag… Kadir wusste nicht ob er hoffen sollte das er bald ein Ende nimmt und der nächste anbrach oder ob er hoffen sollte einfach einzuschlafen. Schlafen… er würde gerne schlafen… einfach nur schlafen und das die nächsten Tage und Wochen. Einfach über nichts mehr nachdenken müssen, das Leben unbeschwert genießen.

Der Auszug von Rashid hatte sich von selbst erledigt. Er hätte sich eine schönere Lösung gewünscht als seinen Rücktritt im Maristan und doch konnte er seine Entscheidung nach vollziehen. Er würde aus dem Familienhaus praktizieren und wegen Hazar hatte er nichts mehr gesagt. Hazar…

Morgen war der große Tag. Der Tag der alles entscheiden würde. Wie und was würde der Shanun entscheiden? Es kam ihm vor als sei es gestern gewesen das Hazar eingezogen war. Er hatte sich so sehr an ihre Gegenwart gewöhnt, dass er sich nur schwer vorstellen konnte wie es wäre wenn sie wieder fort war. Er dachte an ihr Gespräch am Abend… sie wurden leider vom Klingeln unterbrochen oder Eluive sei Dank?

Zafer kam vorbei, hingegen Hazar sich zu Bett begab. Das Gespräch schon hatte ihn nachdenklich gestimmt. Er sagte ihr das sie fehlen würde… eine wichtige Silbe ließ er aus. Es war besser es so zu sagen, wenn auch dies schon grenzwertig gewesen war. Hätte er schweigen sollen? Er wusste er konnte ihr alles sagen aber wie würde sie auf wirklich alles reagieren? Sie würde ihn besuchen kommen… aiwa das würde sie wohl. Dennoch würde es anders sein…

Während er Zafers Rüstung reparierte musste er an die schwarze Haarsträhne denken, die frech aus ihrem Kopftuch geschaut hatte. Er schmunzelte, drehte den Kopf zu Zafer und fragte ihn gerade heraus ob er froh sei wenn die Entscheidung am morgigen Tag fallen würde. Zafer vermisste Hazar, was er ihm auch sagte und natürlich war er froh wenn er seine Cousine wieder bei sich hatte. Trotzdem fügte er an, dass Hazar sich hier wohl sehr wohl fühlen würde, dass sie hier neue Freunde gefunden habe… Freunde… aiwa.

Was Zafer wohl dachte? War es klug ihm zu sagen, dass man Hazar mit Diamantbarren nicht vergleichen konnte? Aber was war schon dabei? Er sagte nur die Wahrheit und die konnte man ihm nicht übel nehmen. Ihm graute vor dem morgigen Tag… wieso nur? Wieso beschäftigte ihn das nur so?

Zu alle dem kam das Sharif mit ihm reden wollte. Hatte er die Kraft auf noch eine Auseinandersetzung? Er würde versuchen ruhig zu bleiben. Er war die Vorwürfe so leid geworden. Man brauchte einen Sündenbock und in diesem Fall traf es eben ihn…
Sharif hatte ihm doch gar keine Chance gegeben. Er hatte mit Suraya gesprochen und kam mit einer Meinung zu ihm. Er fragte nicht „Fadrim wieso“, er zeigte kein Verständnis oder versuchte es zu hinterfragen. Ein Vorwurf nach dem anderen …

Hazar hatte mit ihm gesprochen während er in der Hängematte lag und schlief. Er hörte nur am Ende einige fetzen… sie verstand ihn… sie hatte scheinbar einen guten Draht zu Sharif. Wollte er deswegen mit ihm reden?

Und wieder waren die Gedanken bei ihr angekommen… bei ihren Worten. Nur wenige Heiratsfähige Männer im Bashirhaus… Marek, Sharif, Rashid… er wiedersprach ihr nicht. Er versicherte ihr nur, dass er sie niemals Rashid heiraten lassen würde. Wasser und Feuer verträgt sich eben nicht…


Morgen würde er Pazia sehen… er freute sich darauf. Sie hatten viel zu wenig Zeit in den letzten Wochen. Sie kannte ihn, sie kannte ihn manchmal besser als er sich selbst. Und er wollte immer noch wissen was die beiden heimlich in der Küche gesprochen hatten. Hinzu kam das sie ihre Hochzeit vorbereiten mussten… sofern Nazeeya bis dahin zurück war. Ihr Haus war den ganzen Abend dunkel gewesen. Er beschloss ihr eine Nachricht zu hinterlassen und sich auf den Weg in die Mine zu begeben. Er wollte und konnte nicht mehr nachdenken… Einfach nur Ruhe und die kühle salzige Luft der Mine. Aiwa ein guter Plan.

Rasch zog er sich an, schrieb einige Zeilen für Nazeeya und machte sich auf den Weg in die Mine. Schlafen konnte er später noch…

Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 12:44
von Kadir Bashir
Der Tag verging wie im Flug. Stunde um Stunde, Minute um Minute. Kadir machte den ganzen Tag über einen großen Bogen um das Familienhaus. Heute würde die Entscheidung fallen und sein Bauchgefühl kannte die Antwort bereits. Um ihr nicht doch vorher schon über den Weg zu laufen, beschloss Kadir sich auf den Weg zur Zunft zu machen. Er wollte Gemüse und andere Dinge fürs Haus besorgen… und ein Geschenk…

Als er an der Akademie vorbei ritt, haftete sein Blick für einen Moment darauf… ob sie schon dort waren? Er war lange bei Livja. Zu lang? Den ganzen Weg zurück nach Menek’Ur krampfte sein Magen. Hatte er Angst vor der Entscheidung? Und wenn ja wieso? Sie war nicht aus der Welt, sie war ein Viertel weiter… nur wenige Meter… Entscheidend war, sie war nicht mehr hier…

Er ließ die Pferde beladen wie sie waren vor dem Haus stehen. Jede Stufe, jeder Atemzug, alles fiel ihm schwer. Die Hand schon an der Klinke, verharrte er. Ein Herzschlag, zwei Herzschläge… tief durchatmen. Er musste hinein, er konnte sich vor jener Entscheidung nicht drücken. Wie er Entscheidungen hasste. Es gab zu viele in letzter Zeit und bisher war keine mit einem schönen Ende entschieden worden.

Dort saß sie schon… keine Robe, kein Kleid, nur leicht bedeckte Arme, anmutig und schön wie immer. Ihr Kopf drehte sich zur Tür. Er solle sich zu ihr setzen und bewusst wählte er an jenem Tag das Kissen direkt neben ihr. Wer weiß wann er das nächste Mal die Möglichkeit hierzu hatte. Er hatte nicht damit gerechnet sie schon hier zu sehen. Er traute sich kaum zu fragen was der Shanun entschieden hatte. Sie fühlte sich seltsam… Seltsam? Ist seltsam gut oder schlecht? Er fragte wieso, ihre Antwort war, dass sie sich wohl auf diesem Platz fühlte.

Sie durfte also nach Hause… wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. Ruhig und leise fragte er sie und sie nickte… Konnte er ihr zum Vorwurf machen dass sie sich freute nach Hause zu kommen? Nein… Die Zeit war so schnell vergangen, viel zu schnell. Dass sie gehen durfte bedeutete, dass die Klärung um Rashid voran zog, er sollte sich darüber freuen. Aber Freude fühlte sich anders an…

Verstohlene Blicke zur Seite, von ihr, von ihm… sanfte Worte und Kadir fand tatsächlich den Mut ihr zu sagen, dass er sie vermissen würde. Schweigen… war es doch falsch gewesen es auszusprechen? Hazar sah ihn mit ihren ausdrucksstarken Augen an „Was denkst du“… Was er dachte? Manchmal wusste er es selbst nicht. Manchmal war er Meister darin seine Gedanken hinter hohen Felsen in seinem Kopf verborgen zu halten. Manchmal war er einfach zu naiv und spielte sich lieber selbst etwas vor. Seine Gedanken…
Etwas in ihm schrie auf, wollte das er einfach drauf los redete aber der Verstand hielt ihn auf. Es war nicht der Zeitpunkt, nicht der Ort… War er zu feige?

Sie gab ihm die Schlüssel zurück. Er drehte den Hausschlüssel lange in seiner Hand, ehe er ihn auf dem Tisch vor sich ablegte. Mit diesem Schlüssel war es besiegelt… sie würde ausziehen. Vielleicht war es besser so. Auch wenn er sich wünschte das sie bleiben würde. Für sie war es die richtige Entscheidung zurück zu kehren und auch bei ihm würde mit der Zeit sicher Ruhe einkehren. Das versuchte er sich die ganze Zeit über einzureden. Über die Süßigkeiten die er mit brachte schmunzelte sie. „Willst du mich bestechen“… oh ja wenn es so leicht wäre, dann würde er es tun. Wenn ein paar Süßigkeiten ausreichen würden um sie hier zu halten würde er ihr Berge davon kaufen.
Die Familie traf nach und nach ein… Einen letzten Mocca wollte sie trinken ehe sie ging. Rashid war entsetzt. Die letzten Tage noch wollte er dass sie verschwindet, ertrug ihre Nähe nicht, fühlte sich beobachtet und nun war er entsetzt? Kadir wusste, dass er Hazar bei weitem nicht so verabscheute wie sie dachte aber diese Worte überraschten selbst ihn. Rashid setzte sich zu ihnen. „Ich will nicht das du meinetwegen gehst“… „Es ist schade, ich hätte dir noch so viel beibringen können“… „Ich will das du hier bleibst“…

Bei diesen Worten drehte sich Kadirs Magen um… Er war nicht in der Lage etwas zu sagen, gar zu reagieren. Was hatte Rashid gesagt? Wieso fiel es ihm so leicht auszusprechen was ihm so schwer fiel? Wieso sprach er es aus? „Was sagt das Oberhaupt dazu“ lächelte Hazar ihn von der Seite aus an. Luft… er bekam keine Luft mehr. Seine Brust schnürrte sich zusammen, seine Hände begannen zu zittern. Es war mehr Zufall das Sharif und er sich gleichzeitig erhoben. Sharif der sich in die Mine zurückziehen wollte und Kadir der das Gefühl hatte jeden Moment zu ersticken.

Er ließ sie einzig und alleine mit dem Wort „Luft“ zurück und verschwand aus der Tür. Ohne sich Schuhe anzuziehen, lief er durch das Familienviertel bis er eine Bank fand. Zitternd, völlig neben sich ließ er sich auf die Bank sacken. Nach vorn gebeugt, die Arme auf den Beinen abstützend atmete er immer wieder tief und flach durch. Sein Herz schlug wie verrückt. Er ries sich seinen Turban vom Kopf. Alles engte ihn ein…
„Verflucht… Eluive…“ murmelte er leise vor sich her „ich bin so ein Vollidiot…“. Die kühle Luft, die Stille all das tat gut, beruhigte ihn nach und nach. „Kadir..:“ hörte er ihre sanfte Stimme aus der Dunkelheit erklingen. „Deine Füße werden schmutzig“… war ihm wirklich nichts Besseres eingefallen als das?
Was war los mit ihm?

Hazar kniete sich vor ihn. Sie dachte er sei wegen Sharif gegangen. Sharif? Nein… es war Zufall dass sie beide gleichzeitig gingen. „Hab ich etwas falsch gemacht“.. Seine Augen weiteten sich, dachte sie das? Dachte sie sie habe etwas falsch gemacht? Er schüttelte den Kopf. Sie hatte den Schlüssel genommen der auf dem Tisch lag um nach ihm zu suchen. Er legte seine Hände um die Hand von ihr, die den Schlüssel hielt. So sanfte Hände... Sie solle ihn behalten. Er löste seine Hände von ihrer... Noch immer wollte sie seine Gedanken wissen, noch immer waren sie gefangen in seinem Kopf. War jetzt der Zeitpunkt? Sollte er ihr sagen was ihn beschäftigt? Verstand sie es? Was würde sie denken?
Die Entscheidung wurde ihm abgenommen als Rashid um die Ecke trat „Vetter ich habe mir Sorgen gemacht“. Kadir beruhigte ihn. Als sich Hazar gerade zum Schlafen zurückziehen wollte sah Rashid sie wieder entsetzt an. Sie soll nicht gehen.. „Ich mag dich“. Was hatte er gesagt?

Da war es wieder… das Gefühl das ihm die Luft zu atmen nahm. Hazar drehte sich zu ihm… Kadir beugte sich nach vorne, den Blick gesenkt beachtete er die beiden nicht. Er wollte diese Vertrautheit nicht sehen. Was war los mit Rashid? Was war los mit ihm… Nein, er wusste es. Es war so deutlich, dass es sich hinter keinem Felsen der Welt mehr verstecken konnte. Er wusste den Grund dafür dass er die letzten Nächte kaum geschlafen hatte. Wieso er heute nicht nach Hause wollte. Wieso er keine Luft bekam… Er hatte das zweite Mal in seinem Leben denselben Fehler begannen…

Hazar ging und Rashid trat näher… „Ich glaube ich weiß nun was du meinst Vetter“ sagte Kadir zu ihm. Rashid grinste und nahm direkt neben ihm Platz. „Sie würde gut in unser Haus passen Kadir…“ „Es ist nicht verwerflich“… „sie ist wunderschön“… „Die Zeit…“ Rashids Worte waren weise gewählt. Er hätte jene Worte nicht von seinem Vetter erwartet. Er legte den Arm um Kadir, drückte ihn aufmunternd. Es tat gut mit jemandem zu reden. Es tat gut sich selbst nichts mehr vorzumachen, seine Gedanken freien Lauf zu lassen. Er hatte Pazia nicht gefunden um mit ihr zu reden. Wo sie es war, die ihn besser kannte als er sich selbst. Sie hatte immer recht gehabt. Kadir wollte es ihr nie glauben. Sie war so klug...

In dieser Nacht schlief er und Rashid hatte Recht, er träumte von ihr…

Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 14:34
von Hazar Sevinc Bashir
„Ich werde dich sehr vermissen Hazar…“

„Du kannst mich Rashid nennen…“

„Dann wird mein Auszug friedlich sein, du bist mich los Rashid…“

„Du gehst wegen mir? Das entspricht nicht meinen Wünschen…“

„Tut mir leid wenn ich ein wenig schroff zu dir war, hudad bleib…“

„Du weißt das du mich verwirrst Rashid?“

„Hazar, geh du Kadir suchen…“

„Ich bedauere, dass wir nicht mehr Zeit miteinander verbringen konnten….“

„Ich bin…. So……. Ich mag dich…“

„Dhabir für die Kokosmilch….“

„Dhabir für alles Hazar…“

„Es gibt Orte und….. Anwendungen…. Die du nicht wissen solltest…“

„Wir sind die Leviathan, wir sind eine eigene Familie“

„Hast du jemals die Schmerzensschreie eines Mannes gehört, der durch schlimmste Verletzungen
im Begriff ist zu sterben?
Solltest du jemals so etwas hören, frage dich wie du mit etwas zurechtkommen würdest, das diese Schreie wie ein sanftes Lied erklingen lassen würde.
Und wenn du dann meinst. damit umgehen zu können... werde ich bereit sein dir
Orte zu zeigen, von denen du keine Ahnung hast“



All diese Wort- und Satzfetzen gingen mir durch den Kopf.
Nachdem das ganze Haus still war, erhob ich mich wieder.
Ich konnte nicht schlafen.
Nicht heute Nacht.
Meine Schritte lenkte ich zum Garten.
Die kühle Nachtluft tat gut.
Ich lenkte meinen Blick durch die Nacht.
Weg… Weg hier…

Ich packte meine Sachen zusammen und machte mich dann auf den Weg, nach Hause.
Kurz bevor ich ankam, schüttelte ich den Kopf und wanderte um das Haus herum, zum Meer.
Ich mochte das Meer.
Frei, Unbezwingbar.
Ich lies mich in den Sand plumsen und sah auf das nächtliche Glitzern des Mondes auf der Wasseroberfläche.
Die Nächte auf Menek’Ur waren kalt.
Und ich hatte keine Decke. Ich schlang die Arme um den Leib und blieb beharrlich sitzen. Es war egal, das es kalt war, ich konnte ruhig ein wenig Abkühlung gebrauchen.
Was war nur los mit den Bashir Männern?
Rashid und seine spontanen Stimmungsumschwünge machten mir Kopfschmerzen.
Seine Worte… Welche davon stimmten nun?
Hasste er mich oder mochte er mich?
Wollte er mir wirklich noch etwas beibringen?
Ertrug er nun doch meine Nähe?
Herrjeh, gerade hatte ich dem Shanun berichtet, dass er mich nicht mehr sehen wollte, und kaum wurde ich nach Hause geschickt, schon schwang er um.
Eluive, werde ich diese Männer jemals verstehen?
Was sollte das Ganze?
Kadir…



Ein einziges meiner Probleme war gelöst.
Ich wusste jetzt, was ich Kadir und Pazia zur Hochzeit schenken wollte.
Nungut, der Wert war in diesem Falle nicht der Höchste, aber es ging mir auch eher um den Persönlichen Wert und die Botschaft dahinter.
Zahra hatte mich auf die Idee gebracht, und so besprachen wir alles in leisen Worten.
Ob die Botschaft ankommen würde, die für mich dahinter stand?
Ich würde es abwarten müssen.
Ich freute mich auf die Hochzeit. Endlich mal wieder etwas zum Feiern.
Eine Zeitspanne, die zumindest kurzweilig, von Problemen und Sorgen verschont bleiben sollte.
Jedenfalls für das Brautpaar.


Und was ging nun wirklich in ihm vor?
Was verschwieg er mir?
Ich mochte ihn, ich mochte es, mit ihm zu lachen und auch mal unbeschwert zu sein.
Er war frech, aiwa.
Aber damit konnte ich umgehen….
Konnte ich das?
Er brachte mich so oft in Verlegenheit.
Herrjeh.

Ich sollte mich freuen, wieder nach Hause zu können.
Freuen, und mich wirklich auf meine Shoka Arbeit vorbereiten, so wie der Shanun gesagt hatte.
Zu Hause gab es genug zu tun. Wir hatten unsere eigenen Probleme, und doch.. Und doch dachte ich daran, wie es werden würde, wenn ich mich nicht mehr um das Bashirhaus kümmerte.

Das war nicht meine Aufgabe….!
Meine Aufgaben lagen wo anders.
„Jetzt hat Pazia das Haus für sich“, hatte ich Kadir gesagt. Aiwa, sie würde sich um alles kümmern, schließlich würde sie bald eine Bashir werden.
Ich hatte doch sowieso nichts zu sagen.

Und doch hat die Zeit in Kadirs Haus mich vieles gelehrt.
Und ich denke, sie hat mich vieles anders erkennen lassen.
Auch wenn Kadir vielleicht nicht verstand, warum ich mich revanchieren wollte, so wusste ich, dass mir diese Zeit gut getan hat.
Sie hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.
Ich musste mit Zafer reden, nicht nur um ihm die Nachricht zu bringen, das er mich wieder am Hals hatte, sondern auch, wie es nun weiter gehen würde.
Ich hatte Fragen.
Ich wollte seine Meinung, seine Gedanken hören.

Am Morgen machte ich mich auf den Weg nach Hause. Betrat da Haus.
Ein Lächeln bildete sich auf meinen Lippen.
Es war schön wieder zu Hause zu sein, auch wenn ein fader Beigeschmack blieb.

Und das erste, was mir auffiel, und mir einen Schrecken einjagte, waren die Blutspuren im Haus.
Blutige Fußabdrücke.
Alle trüben, oder sorgenvollen Gedanken waren wie weg gefegt.
Was war hier nur passiert?


Verfasst: Dienstag 25. Juni 2013, 23:34
von Kadir Bashir
Der Tag war anstrengend... Zur 7. Abendstunde war ein Salzmarkt in Grenzwarth geplant. Kadir hatte die Pferde schon früh zusammen gepackt. Er wusste dass es sich immer etwas hinziehen würde und es gut war, wenn man rechtzeitig anfing. Wie oft das noch etwas dazwischen kam und so konnte er sicher stellen das das nicht passierte. Er schnürte gerade die letzten Salzsäcke auf das Pferd als Hazar durch den Torbogen lief und ihn grüßte.

Es war irgendwie seltsam... lag es an seiner Angespanntheit? Sie fragte nach Rashid... ein seufzen entfuhr ihm. Er dachte sie sei seinetwegen gekommen aber scheinbar suchte sie nur seinen Vetter. Zu jenem Zeitpunkt kannte die Gründe schließlich noch nicht.

Das Gespräch wurde lockerer und stur wie sie war, man könnte meinen sie sei eine Bashir, fragte sie wieder nach seinem Buch. Sie wollte die ersten Seiten daraus vorgelesen haben. Buch? Kadir lachte auf als ihm einfiel was sie meinte. Man musste in ihre Gegenwart wirklich aufpassen was man sagte. Sie vergisst nichts...
Sein Buch... seine Gedanken, seine Gefühle, sein inneres. Das wollte sie wissen? Ob sie sich sicher war? Wenn sie jene Dose einmal geöffnet hatte war sie nur noch schwer zu schließen. Noch ging es nur um ihn.

"Vertraust du mir" Mit ihren großen Augen sah sie ihn an und bejaht seine Frage. Er bat sie mit zukommen. Er wollte Ruhe. Wenn er ihr schon von seinem Buch erzählen sollte dann nicht hier. Nicht hier wo alles Ohren und Augen hatte. Die Wachen in der Nähe standen und man nie wusste wer gerade einmal wieder vorbei kam. Er wollte allein mit ihr sein. Schlichtweg allein und ungestört. In sein Haus konnte er sie nicht mit nehmen. Dies hätte kein gutes Bild auf sie geworfen und das wollte er nicht.

Er lief mit ihr an den westlichen Zipfel des Viertels. Dort am Ufer war ein Baldachin aufgebaut, mit einigen Kissen, einem wunderschönen Ausblick und Ruhe. Hier würde nicht gleich wieder jemand die Tür rein kommen und nicht merken dass er störte. Er konnte ihnen keinen Vorwurf machen es war auch ihr zu Hause und sie konnten nicht ahnen, dass er mit Hazar allein sein wollte. So viele schöne Gespräche die immer wieder unterbrochen wurden.

Dort saßen sie, einen kleinen Tisch zwischen sich. Genug Abstand zwischen ihnen, zu viel wenn es nach ihm ging aber angemessen. Dieser Kampf der in ihm ausgetragen wurde machte ihm schwer zu schaffen. Er wusste es nicht einzuschätzen. Verstand oder Herz? Herz oder Verstand?
Kadir scherzte, doch scheinbar heute nicht gut genug, denn sie verstand es nicht. Sie war unsicher aber aus welchem Grund? Verunsicherte er sie?

Sie wollte unbedingt wissen was er dachte, was er geträumt hatte. Wieso? Was daran interessierte sie so. Er war nur irgendwer. Allen Mut fasste er zusammen und drehte den Spieß einfach um. Er fragte sie geradewegs heraus wieso sie es wissen wollte. "Weil ich dich mag"... Sie mag mich, hallte es in seinem Kopf und gleichzeitig 100 kleine Fragen dazu. Mögen ist so relativ, mochte sie ihn wie das wasser? Wie das Salz oder die Wüste? Sie senkte den Blick "Kadir wenn du mir sagst, dass du nicht antworten willst und ich nicht mehr fragen soll, dann lasse ich es".

Seine Chance... der Moment in dem er einfach nur ja sagen musste und alles war gelöst. Es gab nur ein Problem, etwas in ihm schrie immer noch und wollte unbedingt an die Freiheit, wollte ihr erzählen was in ihm vorging. Kadir seufzte, erklärte ihr dass es daran nicht liegt. Erklärte ihr seine Ängste, sie könne dann anders über sich oder über ihn denken. Alles könnte sich verändern. "Ich kann dir nichts versprechen", nein das konnte sie nicht, dessen war er sich bewusst. Ein Kompromiss, ein schwerer aber es war der Moment gekommen wo er eine Entscheidung treffen musste. Ihm war klar, sie würde kein weiteres Mal mehr frage.

So begann er ihr von seinem Traum der letzten Nacht zu erzählen. Ein wohliger Gedanke vor dem einschlafen und dann dieser Traum. Eine schwarze Strähne...
leuchtende Augen... ein herzliches Lachen..., lauer Wind, das Meer. Reden bis die Sonne am nächsten Morgen wieder aufging. Vertrautheit, Geborgenheit, einfach sein wie man ist ohne sich zu verstellen... ein wunderschöner Traum
Hazar lächelte „Es muss schön sein von der Frau zu träumen und sie an seiner Seite zu wissen“. Antworten, Kadir du musst Antworten sagte etwas in seinem Kopf. „Neda Hazar... die Frau von der ich träumte weilt nicht an meiner Seite“. Stille. Große Augen sahen ihn an. Hatte sie es verstanden? Wusste sie was er damit sagen wollte? Fast zeitgleich kamen die Worte „Du hast von mir geträumt“? „Ich habe von dir geträumt Hazar“. Wieder stille. Sie senkte den Kopf.

Sie erzählte ihm dass sie die Nacht hier am Wasser verbracht hatte. Sie habe nicht geschlafen es sei kühl gewesen. Wie gerne hätte er seine Arme wärmend um sie gelegt, wäre still einfach nur für sie dagewesen. Nur seine Nähe... sie verbarg etwas, er war sich sicher sie sagte ihm nicht alles. Was ging in ihrem Kopf vor?
Sie redete auf ihn ein. Er habe doch Pazia, er dürfe nicht von ihr träumen. Es war ihr unangenehm. Er konnte nichts für seinen Traum. Es war wie ihre Mara ihr gesagt hatte, der letzte Gedanke am Abend schenkt einem die Träume und sein letzter Gedanke an diesem Abend war ihr gewidmet. Mit einem mal kam ein unwohles Gefühl in ihm auf. War es richtig gewesen ihr den Traum zu erzählen? Er wollte weg, weg von ihr... Er hatte ihr einen Bruchteil dessen wieder gegeben was ihn beschäftigte und das schien bereits zu viel zu sein.

„Es tut mir leid Hazar“ mit diesen Worten hüpfte er von der kleinen Erhöhung auf der der Baldachin aufgebaut gewesen war. Zeitgleich stieg sie die Treppe mit hinab. Sie blieb vor ihm stehen. Ihre Blicke trafen sich. Kadir musste sich beherrschen aufrecht zu stehen, so sehr zitterten seine Knie. Diese Augen...

Sie schämte sich, gab sich die Schuld daran, dass er an sie und nicht an Pazia dachte. „Pazia wird mich hassen“. Er hätte am liebsten die Arme um sie geschlossen um sie zu trösten um ihr Schutz zu geben, ihr das Gefühl zu vermitteln das sie sich umsonst sorgen machte. Sie standen so dicht beieinander. Je öfter er sie ansah, desto schöner schien sie zu werden oder lag es nur daran das seine Mauer zu bröseln begann? Er legte seine Hände auf ihre Schulter und sah zu ihr hinab. Sie erwidert seinen Blick. Ihre Hand hob sich, legte sich für einen kleinen Moment auf seine. Ihre Haut war so weich, alles in ihm kribbelte auf Grund einer so winzigen Berührung? Sie löste ihre Hand wieder. Sein Blick ruhte auf ihr, die Hände über ihre Oberarme hinab gleitend ehe er sie löste.
„Ich frage dich noch mal vertraust du mir“? Sie sah ihn wieder einen Moment an „Aiwa. Mehr als ich dachte“. Diese Worte wollte er hören. Er musste es versuchen. Er musste sehen wie sie reagierte. Er griff nach ihrer rechten Hand und legte diese auf seine Brust. Seine Hand ruhte für diesen Moment auf der ihren. Leise hauchte er „Überlege dir gut ob du mehr darüber erfahren willst“. Er nahm ihre Hand von seiner Brust und lies sie zurück gleiten. Was ging in ihrem Kopf vor?

„Ich...“ er wollte bereits dein Finger heben um ihn über ihren Lippen auf den Schleier zu legen. Sie musste jetzt nichts sagen, sie sollte erst darüber nachdenken. Sie schien von Panik ergriffen, drückte sich an ihm vorbei um zu gehen. Natürlich machte er ihr platz. Nachdenklich sah er ihr nach. War er zu weit gegangen?


Am Abend saß er alleine an jenem Ort wo sie am Mittag gemeinsam saßen. Immer wieder laß er über die Wore die er aufgeschrieben hatte

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erich Fried

Ob sie wieder kommen würde?

Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2013, 20:55
von Hazar Sevinc Bashir

„Vielleicht bin ich es, der Angst hat…“
Oh, was macht er da nur?
Warum bin ich auch so dumm und frage.
Ich muss diese blöde Fragerei aufhören.
Ich muss meine Neugier zügeln.
Sei nett, lächle, und bohre nicht weiter.
Ich hatte es schon angedeutet, ich würde nicht mehr Fragen.
Wie schwer es ihm fiel, etwas zu sagen, war offensichtlich. Also sollte ich lieber den Mund halten.
Natürlich mag ich ihn. Er ist ein guter Mann.
Nur welche Wirkung hatte ich? Was tat ich denn?
Ich lies immer genügend Abstand, setzte mich nie direkt neben einen Mann, nie.
Ich verhüllte meinen Leib, im Bashirhaus noch mehr als sonst.
Und doch hatte ich manchmal das Gefühl, irgendwas zu tun, was unrecht war.
Weil ich fragte, was in ihm vorging?
Ich wollte dieses Verhalten ergründen. Wollte wissen, warum er sein unbeschwertes Lachen verloren hatte, wenn ich da war.
Lag das alles an mir?
Ich brachte ihn in Verlegenheit, ich glaube, ich werde diesen Moment so schnell nicht vergessen.



Sollte ich mich von ihm fern halten?
Ohne nachzudenken schlenderte ich von der Oase los. Das Körbchen in der Hand, die Gedanken wieder einmal völlig wo anders.
Ich fand mich am Westtor der Stadt wieder.
Ich zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf.
Dann lenkte ich meine Schritten gen Süden, um das Südtor zu unserem Haus zu passieren.

Früchte weg legen, die Küche war sauber, alles in Ordnung.
Nur…. Keiner da.
Also machte ich mich auf den Weg zum Bashir Haus.
Vielleicht war dort jemand, mit dem ich mich unterhalten konnte.


Fast vier Stunden später lief ich mit dem metallischen Geschmack von Blut im Mund von da wieder weg.
Es war alles viel zu viel.
Kaum im Ifreyvirtel angekommen, eilte ich zum Strand, lies mich in den Sand fallen und löste mit zittrigen Fingern den Schleier von meinem Gesicht.
Nur das Rauschen des Meeres und das sanfte wiegen des Windes begleiteten mich.
Keiner war zu Hause.
Ich war gleichsam überrascht als auch froh.
Wie hätte ich das jemals erklären sollen.
„Zafer wird nichts erfahren, nur Rashid weiß es.“
Meine Gedanken rasten umher, Wortfetzen, Bilder…
Alles war mir zu viel.
Am liebsten würde ich meine Sachen packen und für ein paar Tage gehen. Weg… Weit weg von hier.
„Woher ich weiss, dass du wertvoll bist? Es wird mir jeden Tag vor Augen geführt“
Weg.. Raus aus meinem Kopf…
Was mache ich jetzt nur?