Seite 1 von 1

Mit viel Liebe gemacht

Verfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 19:01
von Nachtwind
Drei Stunden nach Mitternacht:

Ein teurer Spaß, so eine Rache eines kleinen Mannes. Aber das war es mir wert. Als der kleine, aber feine Kuchen endlich fertig war, zog ein angenehmer Duft von Kokos und Gebackenem durch das Haus. Rein vorsorglich stand schon der zweite für die Familie bereit, damit sich niemand wunderte, wieso es so gut roch und niemand etwas abbekam. Der Kuchen vor mir war allerdings für jemand anderes bestimmt.

Ich gönnte mir das Vergnügen und streute noch ein paar Raspeln darüber, die verdächtig nach Kokos aussahen – aber es nicht waren. Ein Bissen davon würde ziemlich seifig schmecken. Die zusätzlichen „Kokosstückchen“ aus Seife in dem Kuchen taten ganz bestimmt das Übrige dazu.

Wie aber das Werk an die Frau bringen? Auch dafür hatte ich schon einen Plan. Mit einem süffisanten Grinsen verzog ich mich in den Keller, zog mich um, aus weiß wurde blond, aus dem Schausteller ein loyaler treusorgender Regimentler und durch die Hintertüre verließ ich das Haus, samt Kuchen, und machte mich über einen kleinen Umweg auf den Weg zur Kommandantur.


Fünf Stunden nach Mitternacht:

Noch war es nicht hell, in der Kommandantur sowieso nicht. Die paar Fackeln, die hier brannten, machten es nicht wesentlich besser. Mir kam das ganz gelegen mit meinem Seifenkokoskuchen. Auch die Stille, die hier herrschte. Noch war niemand da, aber das würde sich sehr bald ändern, das wusste ich. Irgendwo war immer jemand unterwegs vom Regiment und reinplatzen konnte augenblicklich irgendwer. Also bummelte ich nicht rum, fischte meinen Dietrich heraus, fummelte mit dem Nachschlüssel eine gefühlte Ewigkeit an dem Türschloss herum, um in die Schreibstube von Lilian zu gelangen und brach wie der kleine Ganove, der ich nun einmal ja sicherlich war, bei ihr ein, nur um dieses Meisterwerk an Gebäck auf ihrem Tisch zu platzieren.
Eilig verließ ich die Stube wieder, schloss die Tür hinter mir wieder mit dem Nachschlüssel ab, was mich noch einmal mindestens ebenso viel Zeit kostete.

Hinterher biss ich mir in den Hintern nicht wenigstens mal die Pergamente durchstöbert zu haben nach irgendwelchen interessanten Neuigkeiten, schob den Gedanken aber rasch beiseite und redete mir ein, dass es eh niemanden gab, dem ich das hätte verhökern können, ohne den neu gesetzten Prinzipien untreu zu werden. Und dass Lilian dem Reich treu war, daran gab es für mich mittlerweile keinerlei Zweifel mehr – auch wenn sie gelegentlich zu selten dämlichen Anwandlungen neigte.

Um der Unauffälligkeit also die Ehre zu geben, schnappte ich meine Hellebarde, und machte mich davon, um in der gerade erwachenden Stadt nach dem Rechten zu sehen. So etwas Geregeltes hatte durchaus auch seine Vorzüge. Das einzige, was mich dabei immens störte, war eindeutig die Müdigkeit. Ich beschwerte mich allerdings nicht darüber. Kinder forderten ihren Tribut, zurecht, meine Frau ebenso, zurecht, und ich Idiot hatte ja anstatt zu schlafen, die kleine Rache ersinnen müssen. Schade nur, dass ich ganz bestimmt nicht mitbekam, wie sie hinein biss. Das Gesicht zu sehen war bestimmt Gold wert.

Trotzdem erfüllte mich diese kleine Gemeinheit mit einer gewissen Schadenfreude. Ob sie wusste, wie Seifenwasser schmeckt? Danach ganz bestimmt und in jedem Fall wie Seifenkuchen mundete. Schließlich begann ich mir auszurechnen, was mich dafür für eine freundliche Strafe erwartete. Und es ärgerte mich nicht mal, sondern ließ mich eher leise in mich hinein lachen.

Wer hätte das gedacht: Das erste Mal, dass ich schon im Vorfeld an der Strafe eine ganz persönliche Freude hatte. Eindeutig, das war für mich eine gelungene Rache des kleinen Mannes.

Verfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 19:36
von Gast
Mit einem Lächeln auf den Lippen wurde die Tür zum Büro geöffnet, in den Händen eine kleine Butterblumenblüte, als Erinnerung daran dass sie ihn gerade gefunden hatte!

Sie musste nicht mehr suchen, sie hatte ihn gefunden. Und kaum das Büro betreten, entdeckte sie eine weitere Wohltat für heute.
Ein Kuchen!
Süßkram... Aber wie war der.. hier rein gekommen?
Ein Blick zurück zur Tür, recht irritiert.
Hatte sie wieder vergessen ab zu schließen?
Ein Blick zu dem Schlüssel in den Händen liess sie dann den Kopf schütteln. Nein, sie hatte aufgeschlossen, ganz sicher.

So .. vergesslich war sie nun auch wieder nicht.
Immerhin...

Der Schlüssel wieder in der Tasche verstaut...
Dieser Duft... Mhhm.. Vielleicht der Herr Oberst? Aber warum sollte der... die Gräfin? Nein, eigentlich.. aber ... so eine Versuchung!

Die kleine goldene Butterblume wurde mit einem weiteren warmen Lächeln auf dem Stapel Pergamente abgelegt, dann auch schon der Kuchen zu sich heran gezogen.

Mhhm.. hmm...


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Es war kaum Zeit verronnen, da hörte man wohl etwas im Büro der Frau Oberstleutnant toben, was genau es war, konnte keiner sagen, aber dass gerade etwas am Wüten war und wohl das ein oder andere an die Holztür geklatscht war, wußte man zu berichten.

Gardist Staffan riet einem Jedem ab sich dem Büro zu näheren, es war immernoch unklar, ob sie dort alleine wütete, oder Jemand dort war.
Aber ganz sicher war.. Ein Versuch da hinein zu kommen, wäre gewiss tödlich.


[img]http://www.kroeswang.at/uploads/tx_artikelliste/5609.jpg[/img]

Verfasst: Freitag 31. Mai 2013, 19:20
von Nachtwind
Götter, alle lebenden und vergangenen, mir tat alles weh. Den Tag über hatte ich mir ja noch die Selbstbeherrschung zusammengekratzt und mir nichts anmerken lassen. Jetzt saß ich in der Wanne und kam fast nicht mehr hinaus. Am liebsten wäre ich direkt eingeschlafen. Das hätte aber garantiert zur Folge gehabt, dass ich ersoff und dann nie wieder aufstand. Also quälte ich mich aus der Wanne raus, schlang mir das Handtuch um und stolperte nach oben. Waren das eigentlich schon immer so viele Stufen?

Ich ließ mich ins Bett fallen, wollte eigentlich noch etwas zu ihr sagen, ihr noch einen Kuss geben, aber selbst das war schon zu viel verlangt. Mein Kopf hatte kaum das Kissen berührt, da war ich auch schon eingeschlafen.



Zur Vorgeschichte blieb nur soviel zu sagen. Die in etwa vierzig Liegestütze, um den Kuchenbäcker herauszufinden, waren noch ein enormer Spaß – na fein, für mich. Ich glaube, unser Neuzugang nahm es mir übel, aber sie trug ja auch Plattenrüstung, und ich nur gestärktes Leder. Danach ging es erst einmal zu einem Ausflug. Nicht, dass die fleißigen – und erbosten – Suchenden auf mich gehört hätten, als ich meine Bemerkung fallen ließ, dass ich durchaus backen könne. Einerlei, ich beließ es erst einmal dabei. Für den Augenblick gab es ohnehin etwas Wichtigeres zu tun, so dass diese Angelegenheit in den Hintergrund rückte.

Dass ein Ausflug vor die Tore Rahals folgte, behagte mir überhaupt nicht, war aber nicht zu ändern. Es gab dort trotzdem einige erheiternde Momente, musste ich zugeben. Funkenblüte fehlte entweder der Sinn für gespannte Situationen, oder sie wollte ihn fehlen lassen. Was davon genau, war mir noch nicht klar. Es erinnerte mich allerdings daran, dass ich mich noch mit jemand anderem unbedingt befassen wollte. Zeit war’s das anzugehen.

Die Suche löste sich dann am Ende des Tages in Wohlgefallen auf, als ich darüber aufklärte, was der Bestandteil des Kuchens war, der zu einer enormen Wut bei Frau Oberstleutnant geführt hatte. Selbstverständlich folgte die Quittung daraufhin auf dem Fuße – oder vielmehr am nächsten Tag. Böden schrubben. So gesehen hatten die es ja auch wirklich mal wieder nötig. Also begann ich unten im Zellentrakt mit der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt störte sie mich nicht einmal wirklich. Putzen und schrubben war ja nichts Neues. Tat ich daheim oft genug. Gut, die Fläche hier war bei weitem größer und ich konnte mir in etwa ausmalen, wann es anstrengend wurde und an die Nerven ging.
Das I-Tüpfelchen kam allerdings erst später, als mir dann gesagt wurde, ich solle die Arbeit verschieben und den neuen Rekruten einweisen. Hätte ich tun können, wenn ich Arschloch sein wollte. Garantiert wäre mir wieder irgendwas entfallen, dass ich ihm hätte mitteilen sollen, und er bekam dafür letztlich den Ärger – und der ganze Rest der Truppe gleich mit.
Nein, nein. Ende des Lieds: Stall ausmisten. Auch gut. Dann eben auch noch das.

Das einzig Unangenehme an der Sache war das Nachhaken Vaughains, warum ich denn Soldat geworden wäre. Ich wollte nicht lügen, also verweigerte ich die Auskunft. Gleichzeitig ging ich schwer davon aus, dass mir genau das noch Schwierigkeiten bereiten würde. Der Hinweis, dass der Oberst und die Oberstleutnant informiert seien, und damit genug sein muss, schien ihn wenig zu interessieren. Tja nun, dann auf in den Kampf!

Ich ging den Stall ausmisten, hatte letzten Endes danach Ruhe und Zeit genug das Regiment zu wienern und suchte mir danach noch den Weg in eine Taverne außerhalb von Adoran – Berchgard – um mir einen verdienten Apfelwein zu gönnen. Mir taten da schon sämtliche Knochen weh (oder Muskeln, wie man es denn nahm), war unendlich müde, was allerdings beides schnell in den Hintergrund gedrängt wurde, als mich dort eine ziemlich angefressene Rekrutin empfing, nebst einem Rekruten, der versuchte zu beschwichtigen. Genervt nahm ich einen Topf und schob ihn ihr auf den Tisch, stellte mein Getränk ebenfalls ab, und empfahl es kurz und schmerzlos zu machen, für solcherlei Geraunze wäre ich zu müde. Sie tat es nicht, bemühte sich aber eine ganze Weile um Bissigkeit, bis – ja, ich schätze – bis Ernst sie ein wenig sprachlos machte (und sich selbst um Kopf und Kragen redete).

Oh, nun ja, irgendwann zog sie sich in ihr Zimmer zurück, wir Kerle klemmten uns noch Marjorie unter die Arme und zogen los nach Menek’Ur – viel zu spät für irgendwelche Basare, aber das schien den beiden letzten Endes nichts auszumachen. Zu dem sich anbahnenden Muskelkater, den schmerzenden Knien, dem ziehenden Rücken (und all den Zipperleins, die man nach eine Tag schuften und mit zunehmenden Alter eben so bekommt), taten mir also auch noch die Füße weh. Wir brachten Marjorie noch bis Adoran, danach verzog ich mich auch heimwärts. Es folgte die Wanne, das Bett – und ein steingleicher Schlaf nebst einem Erwachen erst am frühen Nachmittag. Selbst die Kinder hatten mich offenbar nicht wach bekommen. Mochten Kanonen donnern, es wäre mir vermutlich egal gewesen.

Und kaum schlug ich die Augen auf, grübelte ich nach, wie ich mich dafür revanchieren konnte. Mal sehen wie erfindungsreich sie war. Als ich mich hochdrücken wollte, kam nur noch ein Ächzen heraus und ich fiel zurück ins Bett. Götter, ich wusste gar nicht, wo man überall Muskeln hatte, die schmerzten. Ogerpisse!“