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Bauplan einer Entführung
Verfasst: Mittwoch 22. Mai 2013, 21:39
von Gast
Auf den Beinen ein kleines Büchlein, den Kopf an die kühle Steinmauer gelehnt, kauerte sie jetzt schon eine ganze Weile in ihrer stillen Ecke neben dem Tintenfässchen.
Den Tag über hatte sie mit Büchern verbracht, das letzte Werk war ein ganz besonderes gewesen und hatte sie auf einen Gedanken gebracht…
Vor ihr auf der noch so unschuldigen Seite prangte bisher nur eine Überschrift.
Schwungvoll und verschnörkelt.

Seit geraumer Weile starrte sie die eine Zeile an, als würde ihr die Antwort auf so viele Fragen entgegen springen.
Wie stellte sie es am besten an?
Wie entführte man Jemanden, der so bekannt war, den die Arbeit überall fand?
Wie schaffte man es selbst einmal nicht davon gefunden zu werden?
Wie wurde man Beschützer, Verfolger los?
Vielleicht.. sollte man hinten beginnen. Der Zielort.. etwas in der Nähe? Falls die Welt untergeht, würde man es mitbekommen, falls nicht… Kopfschüttelnd dachte sie an einen längst vergangenen Abend im Fischerdorf und wieder einmal kratzte die Feder übers Papier.

Das war… immerhin ein Anfang! Weit weg also. Damit konnte man doch arbeiten, bestimmt.
Man konnte es! Bei Entführungen musste man immer daran glauben, dass alles gut ging, sonst scheiterte es ja von Beginn an.
Aber da wurde es auch schon wieder haarig.. Mit einem leisen Aufseufzen, ließ sie den Kopf erneut gegen die Mauer sinken.
Wie kam man weit weg?
Wie kam man überhaupt aus der Stadt?
Eine Verkleidung?
Aber wie verkleidete man Jemanden, der gar nicht wusste das er entführt werden sollte?!?
Bewusstlos schla.. Nein. Nein, lieber nicht.. Nachher kam der Jemand zu früh zu sich und… Das würde sie nicht überleben, nein, nein das kam nicht in Frage.
Ein Vorwand… Sie war im Lügen nicht gerade die Beste. Um ehrlich zu sein, ein Feld das nicht unbedingt ihres war, höchstens wenn es um alles ging, dann bekam auch sie das hin – ab und zu.
Eigentlich.. ging es ja um wirklich viel!
Nein.
Nein lieber nicht..
Wieder wanderte der Blick über die kläglichen wenigen Worte im Notizbuch.
Sie würde es brauchen, sie konnte es nicht alleine tun.. Sie würde.. Wieder wurde nach der Feder gegriffen und rasch fand sich noch etwas in dem Büchlein ein, bevor sie aufsprang um eiligst ihren stillen Ort zu verlassen.
Im Büchlein jedoch war der Beginn festgehalten…

Und so nahm es seinen Anfang………
Verfasst: Montag 27. Mai 2013, 18:56
von Gast
Sie hatte den Abend kaum abwarten können, DIE Gelegenheit! Es dem Opfer endlich mitzuteilen. Das Abendessen.
Voller Ungeduld konnte sie die Finger einfach nicht von der hübschen Glocke lassen und erwarb so sogleich den Unmut der ganzen Tischgesellschaft.
Kein guter Anfang, aber immerhin hatte sie bis zum Sitzen durch gehalten.
Ihr war durchaus bewusst, dass das Thema ein völlig anderes war und Irgendetwas in ihr, riet auch dazu zumindest den Worten der anderen zu lauschen und dennoch:
Kam immer wieder der eine Gedanke auf, wollte sich nicht verdrängen lassen und musste dringend davon abgehalten werden aus ihr raus zu sprudeln.
Die Geduld wurde ihr dann auch zum Verhängnis.. sie konnte nicht mehr anders, es musste hinaus. Sie hätte es wohl kaum laut am Tisch sagen können und so verlegte sie sich auf das, was wohl kaum einer hier hören würde.
Nachdem sie den Blick ihres Gegenübers aufgefangen hatte, sickerte es etwas verspätet zu ihr durch. Hören nicht nein, aber durchaus spüren!
Verflucht noch eins. Noch nicht einmal unterhalten konnte man sich in dem Haus, ohne das ein Wachhund es bemerken würde, selbst wenn sie zurück blinzeln würde, kam das wohl nicht in Frage. Aber die Versuchung, wenigstens noch ein einziges Mal..
Sie war sich nicht ganz so sicher, ob er gleich über den Tisch langen würde, sie einfach zu schütteln oder sie vielleicht doch vor Tür setzen, mitten im Dinner. Das Glas Wein hinter dem sie sich mit einer absoluten Unschuldsmine zu verstecken versuchte, bot eindeutig zu wenig Schutz.
Ein weiteres Problem war wohl, dass sie alles andere als Unschuldig war.
Und so blieb ihr nur, den Rest des Abends zu lauschen, hin und wieder etwas einzuwerfen und ihren ganz eigenen Gedanken nach zu hängen.
Immer wieder ertappte sie sich dabei, wie das Bild einer blühenden Wiese vor ihr auftauchte, nur schwerlich war es abzuschütteln….
[….]
Unverhofft kommt oft.. Und so bat sich ein paar Tagesläufe später aus dem Nichts die Gelegenheit, alleine mit ihr zu reden.
Eigentlich war es an diesem Abend um etwas gänzlich anderes gegangen,
das Auftauchen ihres sehnlich gewünschten Opfers war gar nicht vorher gesehen, ebenso wie die kurze, aber doch aufwühlende Episode eines Täters, der wohl bald sein Leben aushauchen würde.
Am Rande einer Feldübung, an einem hübschen kleinen Teich, gab es dann endlich die Gelegenheit ohne Wachhunde Jemanden ein zu weihen, gänzlich ohne unerwünschte Zuhörer.
Das Gewissen war nur schwerlich abzuschütteln, trotz der Ereignisse, das Thema an zu gehen, aber wie oft bot sich die Gelegenheit?!?
Wann würde sie wieder eine solche erhalten können?
Vielleicht war es ein Teil aus Verdrängung, Egoismus und Wahnsinn.. Vermutlich war von Allem etwas dabei und mehr als genügend.
Wahrscheinlich sogar hatte ihr der Abend in die Hände gespielt, den es kostete kaum Überredenskunst, noch nicht einmal wirklich eine Bedingung und doch erhielt sie das sehnlich erwartete Versprechen des Opfers.
Das kleine Notizbüchlein auf ihrem Schoß wurde um eine weitere kleine Liste ergänzt, dann zugeschlagen und an einem sicheren Ort aufbewahrt.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen ging es zurück zur Arbeit…
Die Gedanken aber .. weilten an einem völligen anderen Platz.
[img]http://www.f1online.de/premid/004390000/4390129.jpg[/img]
Die Träumer dieser Welt sind nicht verloren,
denn aus jedem Traum wird Hoffnung geboren.
Auch wenn manches liegt in der Tiefe, im argen.
Ein Träumender der wird niemals verzagen[...]
Verfasst: Montag 27. Mai 2013, 22:15
von Mariella
Manchmal war dieses Weib einfach nur verrückt. Nicht, dass das eine bahnbrechende Neuigkeit war, aber hin und wieder überraschte es Mariella dann doch, wie zutreffend diese Beschreibung war. Erst neulich, als sie wieder in ihrem Kopf herum gespukt war, wohlwissend, wie niedrig der Humorvorrat der Adeligen in dieser Sache angesiedelt war. Es hallte förmlich in ihren Sinnen wieder "Ich werde dich übrigens entführen."
In diese Sekunde war Mariella danach gewesen, sie fassungslos anzustarren, über den Unsinn zu lachen, zu schelten, warum sie ihr diese Stimme in den Kopf setzte. Der Rahmen hätte kaum unpassender sein können. Der Bruder zur Rechten, der Ehrengast, auf den sich ihre Aufmerksamkeit konzentrieren sollte, zu ihrer Linken - daneben... diese Verrückte. Ausbildung, Erziehung und Erfahrung ließen sie Haltung bewahren, nur ein kurzer Blick, dass sie durchaus verstanden hatte. Wenn sie nur nicht nachfassen würde. Mariella hatte ein Seitenblick auf ihren Bruder genügt, die Art, wie er kurz sein Glas fester umfasste, um zu wissen - auch er hatte etwas bemerkt.
Sie gab sich alle Mühe, das Gespräch unbeeindruckt fortzusetzen. Sie hätte wissen können, wissen müssen, dass verrückte Ideen sich wassergleich immer ihren Weg suchten. "Ich werde dich entführen. Du darfst dir nur aussuchen, ob du selber packen willst."
In dieser Sekunde war ihr klar, es gab kein Entrinnen. Sie kannte die Spontanität der anderen und sie wusste, hatte sie sich etwas in den Kopf gesetzt, wäre sie nur unter Aufbringung aller Autorität und einer gehörigen Portion Drohungen davon abzuhalten. Fast konnte man selber darüber verrückt werden. Doch wenn sie ganz ehrlich war, gehörte dies zu den Charaktereigenschaften, die sie an dieser Frau so schätzte. Von allen Vertrauten war sie vermutlich diejenige, auf die das Wort Freundin noch am ehesten zutraf. Entführt von einer Freundin. Ach, warum eigentlich nicht?
Zur Sicherheit hatte sie Silvan über ihre Vorahnung in Kenntnis gesetzt. Wer wusste schon, wann genau sie "verschleppt" werden würde? Undenkbar, einfach nur einen Zettel zu hinterlassen, nur um später eingestehen zu müssen, etwas vermutet zu haben. Silvan gab sich größte Mühe, ihr auf Augenhöhe zu begegnen. Beide verfielen mitunter noch in alte Verhaltensmuster, aber sie hatte seine Anstrengung wahrgenommen. Und trotz all dem machte sie sich keine Illusion. Es gab eine Sache, in der würde der Beschützerinstinkt immer durchbrechen. Ungehindert und in all seiner Intensität. Ging es um die Sicherheit der Familie kochte jedem von ihnen das Blut über. Also lieber vorsorgen.
Was ein Glück, dass sie hier auf den Bauch gehört hatte. Lilian war vermutlich bereits vollends damit beschäftigt, den Ort auszuwählen. Ein langes Picknick sollte es werden. Fern ab von allem, aber noch so, dass sie notfalls rasch in Sicherheit waren. Sie selbst würde erst wissen, wohin die Reise ging, wenn sie da waren. Lilian hatte zu viel Sorge, dass die Wachhunde ihnen folgen könnten. Nun ja, vermutlich war die Sorge nicht einmal unberechtigt. Aber da sie sich nun einmal in den Kopf gesetzt hatte, dass sie beide an diesem Tag ganz sie selbst sein sollten und - zu Mariellas völligem Unverständnis - darauf bestand, mit ihr barfuß über eine Wiese zu laufen, hatte sie sich schließlich auf das Spiel eingelassen. Schon bald würde sie der Freundin sowieso mehr als nur einen Ausflug schulden.
Am Ende klang die Sache sogar ganz lustig. Entführt von einer verrückten Räuberin. Warum nicht? Das klang so sehr nach dem Roman, den sie zuletzt gelesen hatte...
Verfasst: Freitag 31. Mai 2013, 17:54
von Gast
Der nicht gerade kleine, sehr gut gefüllte und durchaus schwere Picknickkorb stand recht einsam im Grün.
In einiger Entfernung hatte sie sich nieder gelassen, die Beine angezogen, die Arme darum geschlungen. Nur ein kurzer Blick zu den Stiefelspitzen umgeben von den grünen langen Halmen und den bunten Blumen der Wiese.
Ihre kleine Oase.
Im Picknickkorb hatte sie bereits sehr viel untergebracht, genügend um eine ganze Kleinfamilie für einen Tag zu ernähren.
Vermutlich viel zu viel, für die kurze Zeitspanne die angedacht war, aber sie hatte sich nicht entscheiden können und dann doch lieber von allem Etwas eingepackt.
Immerhin würde es eine reichliche Auswahl geben.
Inzwischen konnte sie gar nicht früh genug aufbrechen.
Mehrfach hatte sie schon mit dem Gedanken gespielt, sie einfach jetzt und hier auf der Stelle weg zu entführen. Aber da es immer anders kam als man dachte, war die Zeit einmal mehr reichlich ungünstig.
Irgendwie hatten Spaziergänge der Gräfin dafür gesorgt, dass Etwas aufgescheucht wurde.
Da wo vorher noch - scheinbar – Ruhe herrschte, hatte sie das Gefühl, es wäre Jemand in einen verborgenen Ameisenhaufen getreten, und mit einem Male krabbelte es an allen Stellen.
Fürchterlich!
Ihr war es einmal, in einem unbedachten Moment passiert. Ausgerechnet einer der wenige Tage, in denen sie sich in eines der wenigen Kleider gewagt hatte, die ihren Schrank füllten. Unbedacht war sie über den Waldboden geschlendert um dann, im unpassendsten Augenblick den Fuß hinein zu setzen. Natürlich war kein Schuhwerk im Spiel..
Dieses Jucken,
Krabbeln,
überall.. im Rock.. dazwischen, im weiten Stoff…
Sie schüttelte sich unwillkürlich und sah sich lieber ein weiteres Mal in der näheren Umgebung um.
Aber nein, kein Ameisenhaufen.
Nur das Gefühl, das Kribbeln auf der Haut, als würden unzählige kleine Beinchen daran hoch kriechen. Dieses unbestimmte, aber doch sehr lästige Gefühl im eigenen Nacken, diese Unruhe, die Einem etwas mitteilen möchte.
Aber auch nachdem der Blick der bernsteinbraunen Augen ein weiteres Mal über die Lichtung gehuscht ist, war nichts weiter zu entdecken.
Nur ein Picknickkorb gefüllt bis zum Bersten, sie selbst und ihre Tasche.
Die Tasche, in der gegen sonstige Gewohnheiten eine sehr sorgfältig gefaltete Uniform ruhte.
Der Inhalt wog die Tage schwerer als für gewöhnlich..
Sie sprang auf, für heute hielt sie hier nichts mehr.
Das kleine Körbchen wurde geschnappt, die Tasche mit einem schweren Seufzen aufgenommen.
Es wurde Zeit...
langsam wurde sie verrückt,..
..Sie mussten unbedingt hier weg!
Und in einem war sie sich sicher, ganz gleich wie ungünstig der Augenblick sein würde, wer vor der Tür stehen würde, welches Anliegen nicht aufzuschieben war.
Sie würden gehen.
[img]http://www.kochform.de/artikelbilder/Picknick_Picknickkorb_kk.jpg[/img]
[…]Er wird die Augen schliessen und dann hören,
durch den Wind fliegen und die Götter beschwören.
Ein Träumer ist mal irreal und leicht verschroben,
aber das hat in der Realität noch keiner behoben.[…]
Verfasst: Dienstag 4. Juni 2013, 16:15
von Mariella
Es war überstanden. Zwischendurch hatte sie ein wenig Angst gehabt, Lilian würde ihr an den Hals gehen, einfach schreiend fort laufen oder nicht mehr mit ihr sprechen. Nichts davon war passiert. Dafür waren einige Dinge jetzt ins rechte Licht gerückt. Ein wenig tat es ihr leid, dass es diese Finte gebraucht hatte, aber nur ein ganz klein wenig. Lilian war immer gut darin gewesen, sich im entscheidenden Moment wegzuducken. Sie roch Lob wie ein Tier den Qualm. Weit bevor es zu sehen war - und sie reagierte vergleichbar. Also hatten sie alle gemeinsam dafür gesorgt, dass der Wind richtig stand.
Hätte sie die Zusage nicht längst gegeben, spätestens nach diesem Abend wäre sie das wohl willigste Entführungsopfer der bekannten Welt geworden. Seit gut einer Stunde war sie nun schon damit befasst, Röcke, Kleider, Blusen und Schuhe aus den Schränken zu zerren und auf dem Boden ihres Ankleidezimmers zu verteilen. Zu leicht, zu weicher Stoff, zu üppiger Schnitt. Bisher hatte es gerade eine Weste geschafft, für entführungswürdig befunden zu werden. Was sie brauchte, war robuste, nicht zu helle Kleidung, mit der sie sich im Zweifel auch auf einer Wiese niederlassen konnte, ohne dass die Flecken auf ewig daran erinnern würden. Zuvor hatte sie aus den geheimen Tiefen ihrer noch geheimeren Spezialfächer einige ganz besondere Exemplare höchster Naschwerkskunst hervor geholt. Die letzte Sendung Weinkisten aus der Heimat war gerade rechtzeitig angekommen und eine Flasche davon bereit gestellt.
Bisher hatte sie ihr noch nicht entlocken können, wohin die Reise führen würde, aber wenn sie an das Leuchten in den Augen der Magierin dachte, würde es wohl etwas besonderes werden. Lilian hatte einen Blick für das Schöne in dieser Welt. Es war eine Eigenschaft, die gepflegt werden musste, gerade jetzt musste sie sich diese erhalten. Also würde sie sich darauf einlassen, ohne große Fragen zu stellen. Was war schon dieser eine Tag, für das Leben, das man ihr nun aufgedrückt hatte?
Insgeheim musste Mariella zugeben, dass ein paar freie Stunden auch ihr gut tun würden. Sie merkte es an der Art, wie sie an Aufgaben heran ging. Die Strenge brach immer wieder durch, sie drohte, ein Stück ihrer Gelassenheit zu verlieren und wenn auch jeder Zeitpunkt eigentlich unpassend war, standen die Vorzeichen diesmal halbwegs günstig. Die ersten Wellen, die Adors Ankunft mit sich brachte, waren nicht nur sprichwörtlich überstanden. Sie hatten einen mehr als brauchbaren Personalstab, der notfalls sogar für einen längeren Zeitraum die Ruhe aufrecht erhalten konnte und mit ihrem Bruder hatte sie einen unumstößlich loyalen und fähigen Adeligen, der das Geschäft der Politik blind beherrschte. Das war insofern hilfreich, da Mariella nicht ihre Hand dafür ins Feuer legen wollte, dass Lilian nicht doch noch auf weitere verrückte Ideen, wie beispielsweise eine Verlängerung kam.
Für einen Moment hielt sie inne und sah aus dem Fenster auf den Fluss. Sogar das Wetter spielte den Verbündeten. In den letzten Tagen war es spürbar wärmer geworden, Regen würden sie vermutlich so bald nicht sehen. Ob sie zur Sicherheit...? Nein, so verrückt würde selbst Lilian nicht sein. Obwohl...? Immerhin hatte sie auf barfuß laufen bestanden. Wenn sie jetzt auch noch schwimmen wollte? Nein, das wäre undenkbar. Andererseits, was war schon undenkbar? Entschieden schüttelte sie den Kopf. Es gab Grenzen. Außerdem hatte sie andere Sorgen. Nicht, dass es am Ende Hosen sein mussten! Also weiter in den Schrank kriechen.
Mit einem triumphierenden Grinsen zog sie gefühlte Stunden später einen Rock aus den Tiefen ihrer Kleiderkiste. Sie wusste doch, dass er irgendwo sein musste. Festes Tuch, wunderbar knitterarm und trotzdem kleidsam. Dazu eine Leinenbluse und die weichen Stiefel, fertig. Jetzt konnte die Räuberin kommen.
Verfasst: Dienstag 4. Juni 2013, 21:10
von Gast
Die Hände nach hinten ins weiche und noch warme Gras abgestützt, die Beine ausgestreckt, den Kopf in den Nacken gelegt, beobachtete sie eine Weile das vorbei eilen der kleinen weißen Wolken. Der Wind war allenfalls eine laue und leichte Briese.
Angenehm, brachte er die Gerüche des anfänglichen Sommers mit sich. Den Geruch von frisch aufgegangenen Knospen, den des saftigen Grases, aber auch das Trällern der Vögel.
Erst vor kurzem hatte sie völlig zufällig diesen Ort entdeckt und recht schnell hatte er ihr Herz erobert. Hier würde sicherlich nicht all zu schnell Jemand zufällig vorübergehen – hier war es möglich sie selbst zu sein – Mitten im Gras sitzend, das Schuhwerk irgendwo weiter hinter sich gelassen.
In den letzten Tagen hatten sich die Ereignisse förmlich überschlagen und einiges durcheinander gewirbelt. Dabei stand es nicht unbedingt immer zu ihrem Besten.
Eigentlich… Vermisste sie schon eine geraume Weile eine gewisse goldene Zierde, immer mal war es ihr schmerzlich bewusst gewesen, aber an diesem Abend fiel es ihr ganz besonders auf.
Eine gefühlte Ewigkeit hatte sie vor ihrem Schrank zugebracht, ein Kleid zu finden, war eindeutig keine ihrer leichten Übungen. Immer mal wieder hatte sie das Bild der Gräfin vor den Augen, der Schmuck abgestimmt auf die Kleidung, eindeutig eine beeindruckende und hübsche Erscheinung. Ein Vorbild was solche Dinge anbelangte. Ihr schien das schlafend von der Hand zu gehen, Dinge in denen sie sich sicherlich ein Leben lang abquälen würde.
Unverhofft hatte sich ihr Problem in Wohlgefallen aufgelöst. Sehr überraschend war es vom Tisch gewesen und die Ausrede, sie hätte nicht die passende Garderobe für den Abend, würde nun wohl kaum noch zählen.
Absicht?
Es fehlte jeglicher Grund in Gold zu erscheinen, nicht nur, das es im Moment ohnehin nicht möglich war. Mit feuchten Händen, aber immerhin einem Lächeln auf den Lippen, stand sie auch schon wenig später vor dem Palast. Furchtbar ungewohnt war es, die Truppe als Besucher zu sehen und nicht selbst mitten darinnen zu stehen. Aber heute war sie in Zivil, lediglich eine Beobachterin, die mit einem sehnlichen Blick hinüber das Gold-Rot bewundern konnte.
Nicht, dass sie sie gerade um die Arbeit beneidete. Sie wusste durchaus wie kräftezehrend ein solcher Abend sein konnte. Die Augen überall, Fehler zu finden, die den Ablauf stören könnten und sie zu beseitigen, bevor sie dem Rest auffielen. Angespannt zu sein und dennoch den Anschein zu erwecken, man habe alles unter Kontrolle. Alles sei genau so, wie es zu sein habe.
Allerdings war es das was sie wirklich konnte. Sie wusste wo sie zu stehen hatte, worauf zu achten war, an welcher Stelle ein Salut angebracht war, ein leises - aber beherztes Eingreifen wenn es notwendig wurde. Im Kleid fühlte sie sich völlig überfordert. Ein kurzer versichernder Blick an sich hinab, nein, die Schuhe hatte sie heute nicht vergessen. Sie waren genau da, wo sie hin gehörten.
Ein tiefes Durchatmen, den Wunsch des Davonlaufens unterdrückend. Es wird schon schief gehen.
Es war ja lediglich eine Audienz, nicht wahr?
Immer wieder hatte sie im Laufe des Abends beobachtet wie es in weiterer Entfernung von ihr wunderbar funktionierte, ganz ohne dass sie gebraucht wurde, oder auch nur hätte etwas sagen müssen und so hatte sie irgendwann angefangen dem Abend auch wirklich zu folgen.
Die Ereignisse des Abends waren mindestens genauso überschlagend, wie in ihrer ganz eigenen Welt der letzten Tage, wenn sie nicht noch mehr einschlugen. Spätestens als ein ganz bestimmtes Blau seinen Auftritt hatte, war sie sich ganz sicher, dass das Fest im Anschluss ein ganz wunderbares werden würde.
Als dann aber ihr eigener Name fiel, verstand sie die Welt nicht mehr. Sie erinnerte sich noch sehr gut an eine Audienz, zu einem anderen Zeitpunkt, an einem ganz anderen Ort, aber doch… Es würde doch nicht?
Damals hatte sie sich im Dienst befunden und sehnlich unter sich ein schwarzes Loch herbei gewünscht, dass sich leider, trotz allen Starrens unter ihr nicht öffnen wollte, weshalb sie… Nein, diesmal versuchte sie es gar nicht erst. Schwarze Löcher taten sich nicht auf um die zu verschlingen, die in solchen Momenten darum baten.
Auch sehr viel später war sie sich immer noch nicht sicher, ob sie das alles nun geträumt hatte, bisher einfach nicht aufgewacht war. Jeder Traum hat irgendwann einmal ein Ende – oder?
Die Beine weich, blieb die Hoffnung, dass sie nun nicht auch noch vor allen, einen absolut unehrenhaften Abgang hinlegen würde. Auf den Beinen halten, war doch schon einmal ein guter Plan? Ein erfüllbarer, bestimmt.
Hoffentlich.
Tanzen.
Einen Tanz eröffnen.
Atmen, das Atmen nicht vergessen.
Ein wenig später auf der Tanzfläche in einer scheinbar völlig verrückten Welt, in der die Füße noch auf den Boden standen, obwohl es sich längst nicht mehr so anfühlte .. fragte sie sich dann, wie man dafür jemals ‚Danke‘ sagen sollte.
Eine Adelung, ganz bestimmt, eine unglaubliche Ehre, Etwas, dass einem nicht mehr im Leben passieren würde. Aber was sie ganz tief an dem Abend berührte, war nicht der Titel. Keinesfalls das auf dass sie in Zukunft achten würde, es waren die Menschen die ihr sehr nahe standen und es schafften sie bis ins tiefste Innere zu rühren.
Am Liebsten hätte sie einen jeden Einzelnen von ihnen einmal ganz fest gedrückt … Sie war sich nur nicht sicher, ob das nun wirklich eine gute Idee war und so blieb sie stehen. Auf weichen Knien, völlig überwältigt und mit der alles überwiegenden Frage: ‚Wie könnte man das jemals zurück geben?‘
Irgendwie… war auch dieser Abend irgendwann auch einmal vorbei.
Und dann kam der nächste Tag… der Umhang, den sie am Vorabend erhalten hatte war immer noch dort. Auch so vieles Andere hatte sich nicht in Luft aufgelöst. Also war es kein Traum?
Ein seltsames Gefühl nun vor die Tür zu gehen… War es heute eine andere Welt als gestern?
Und mit einem Mal… schon auf der untersten Stufe, direkt nach dem zuschlagen der Tür, ein Blick zu ihren Füßen. Auch sie waren da.
Seit wann prüfte sie eigentlich, ob die Stiefel nicht in der nächst besten Ecke lagen?
War es nicht auch sonst immer gleich gewesen?
Sollte es nicht auch jetzt noch völlig gleich sein, wo sie steckten?!?
Und in diesem Augenblick… fiel es ihr ein:
‚In ein paar Tagen werde ich dir noch viel mehr schulden.‘
OH ja! DAS tat sie.
Und JETZT würden sie gehen, weil sie es wollte.
[URL=http://www.directupload.net][img]http://s7.directupload.net/images/130604/927nd782.jpg[/img][/URL]
[...]Träume zu haben und in Gedanken zu schweifen,
Einhörner zu sehen und nach Sternen greifen,
das hat noch keinen geschadet und tut auch nicht weh,
deswegen ist es besser wenn ich ins Traumland geh.[...]
Verfasst: Freitag 7. Juni 2013, 13:50
von Gast
Wie konnte etwas, das so gut gemeint war, nur so ein fürchterliches Ende nehmen?
Zu Beginn des Abends war alles noch nach Plan verlaufen, recht rasch hatten Täterin und Opfer Adoran hinter sich lassen können. Dabei hatten sie sich noch nicht einmal einer Verkleidung bedient. Lediglich begleitet von einer gewissen Eile, die Arbeit hinter sich zu lassen, eh sie einen finden konnte, machten sich die Zwei auf Adoran zu verlassen.
Der Ort des Picknicks war dieses Mal sehr rasch gefunden.
Zwischen Baumwipfeln und Blumen liess man sich auf der Erde nieder. Die Picknickdecke war geschwind ausgebreitet, aller Hand Leckereien darauf verteilt, die Pferde am Grasen, zwei Freundinnen über ein Glas Wein in Gespräche vertieft.
Sie war sich gar nicht sicher, wann das Unheil begonnen hatte…
Vielleicht war es das schwere Thema welches sie teilten, trotz der lauen Luft, des Sonnigen Tages und allerhöchstens ein paar Wattewölkchen.
Tatsächlich war sie sich am Anfang noch sicher, dass sie eine gewisse Anspannung und Paranoia einfach nicht ablegen konnte.
Ein Rascheln im Laub, mehrfach.
Im Wald nichts Ungewöhnliches. Ein knackender Ast, ein größeres Tier?
Den Kopf leicht gereckt, den Wein zur Sicherheit einmal auf der Decke abgestellt, wurde ohne das Gespräch zu unterbrechen einmal in Richtung des Waldes gelugt.
Nichts.
Überspannte Nerven.
Wieder dieses Rascheln, dieses Mal auch ganz gewiss ein Schatten zwischen den Bäumen. Jetzt wurde es doch einmal still zwischen den Beiden. Aber spätestens als das kleine – zugegebener maßen – flauschige, plüschige Tier durchs Unterholz brach, mussten man sich eingestehen, dass die Nerven gerade dabei gewesen waren ihnen einen Streich zu spielen.
Fast hätte sie tatsächlich überreagiert, über ein aufgescheuchtes Eichhörnchen, dass sich wohl durch zwei picknickende Freundinnen im Grün gestört fühlte.
Die Nüsse, welche unter großem Gezeter nach unten fanden, sorgten zusätzlich für einer recht heiteren Stimmung und bald war schon jegliche Anspannung wieder vergessen.
Das kleine Eichhörnchen hatte wohl gar nicht vor sich zu beruhigen, und statt umzuziehen, dachte man über Friedensverhandlungen nach.
Natürlich konnte man bei der idyllischen Umgebung nicht weiter im Streit liegen - Harmonie sollte einkehren.
Und so wurde kurzer Hand eine geröstete Haselnuss zum Friedensangebot.
Gerade noch im vollen Gange der Verhandlungen… sollten sie schlagartig die Idylle und der wunderbare Tag verlassen.
So angestrengt sie auch darüber nach dachte, war sie sich immer noch nicht sicher, zu welchem Zeitpunkt die Stimmung auf der kleinen Lichtung umschlug.
Noch recht verwundert hatte sie dem Tier nachgesehen, wie es recht rasch, die Ohren aufgestellt, sich in die höher gelegenen Äste des Baumwipfels flüchtete.
Die aufgescheuchten Vögel, das plötzliche Fehlen des vorher friedvollen Zwitscherns, ebenso wie die mit einem Male fast schon bedrückende Stille auf der Lichtung machten viel zu spät auf die Gefahr aufmerksam.
Mit zwei größeren Schritten zurück, stand sie an der Seite der Gräfin, ein Handgriff ins Leere ließ sie endgültig aufschrecken.
Über die Vorbereitungen des Picknicks war sie tatsächlich ohne Bewaffnung aus dem Haus gegangen.
Ein tiefes Durchatmen blieb Beiden noch, ... Dann zeigten sich im Licht der Sonnenstrahlen die zottligen, dunklen Felle der Übeltäter.
Ein ganzes Rudel und dazu eingekreist, ohne es wirklich bemerkt zu haben.
Ein böser Fehler.
Immerhin grasten die Pferde in der Nähe, kaum zehn Schritt entfernt.
Eine Spur Hoffnung von hier weg zu kommen mit heiler Haut, ein hungriges Rudel Wölfe zurück lassend mit den Überresten des gerade erst begonnenen Picknicks – soweit zumindest zum Plan.
Die Ablenkung, lodernde, ebenso hungrige Flammen, die vor den Wölfen aus der Erde schlugen, zeigten zwar Wirkung, aber trieben das Rudel in die völlig falsche Richtung.
Noch bevor sie zu einer Warnung ansetzen konnte, oder den folgenden Fehler beheben, scheute schon dass Ross, welches gerade als Fluchtmöglichkeit dienen sollte.
Mit Schrecken sah sie hilflos zu, wie sich das aufgescheuchte Tier aufbäumte und die gerade Aufsteigende zu Boden warf. Kaum einen Herzschlag später verkündete ein dumpfes Geräusch den Aufprall der zierlichen Gestalt im Gras.
Sie hatte nicht einmal Zeit sich die schlimmsten Befürchtungen aus zu malen, bemüht die aufkommende Panik hinunter zu kämpfen, verkündete ein Donnergrollen auf der Lichtung, dass dies nun das Ende des guten Wetters bedeute.
Gleisend und hell schlug kurz darauf auch schon der erste Blitz in eines der Tiere.
Im kommenden tosenden Durcheinander blieb keine Augenblick mehr über irgendetwas nach zu denken.
Das aufgescheuchte Ross war längst über die Wiese davon geprescht, die Wölfe hinter sich abschüttelnd, während das Zweite sehr viel weniger Glück hatte und nicht nur ein Wolf gerade dabei war seinen Hunger zu stillen.
Das Unwetter hatte lediglich für weitere Verwirrung unter den Tieren gesorgt, sie hatte nicht vor zu warten, bis sie ein Ende nahm und mit einem weiteren raschen Eingriff, diesmal die eigene Melodie stärkend, wurde dann die Bewusstlos aus dem Gras gehoben um sich zu entfernen.
Der schwere Geruch von Blut, der langsam die Lichtung erfüllte, schaffte es dennoch nicht die Aufmerksamkeit des ganzen Rudels auf sich zu ziehen.
Eine wesentlich kleinere Gruppe hatte wohl den Gedanken an ein üppiges Mahl auf zwei Beinen wohl immer noch nicht aufgegeben.
Und so blieb ihr nichts anderes als erneut stehen zu bleiben, die Fracht auf den Armen wog dabei fürchterlich schwer. Ein eiskaltes Kribbeln im Nacken lies darauf hindeuten, dass die Gefahr nicht vor hatte, sie so einfach entkommen zu lassen.
Im folgenden Durcheinander erfüllte erneut Feuer die Luft, irgendwo ging das Fell eines Tieres in lodernden Flammen auf, auf der anderen Seite winselte ein Anderes, sich selbst in die Pfoten beißend, als würden ihm diese gerade besondere Qualen verursachen.
Weiterhin verfolgten sie die Geräusche, als lauerten unzählige Tiere des Rudels im Dickicht.
Völlig orientierungslos und mehr Glück als gewollt, stolperte die junge Maga in den Höhleneingang.
Völlig außer Atem mit einer recht unsanften Landung auf dem Hosenboden samt Beladung. Noch das Rauschen in den Ohren, wurde ein paar Herzschläge inne gehalten, aber scheinbar hatten sie es wirklich geschafft die Verfolger ab zu hängen.
Kurz darauf sickerte langsam Erkenntnis ins Bewusstsein, die wenigen Augenblicke der Ruhe sorgten dafür, dass sich völlig verrückte Bilder abspielten und mit Mühe versuchte sie sich an etwas zu erinnern… Gefühlte Jahresläufe weit weg, eine Lehrstunde.. erste Hilfe im Feld…
Nur wenig Licht drang durch den Höhleneingang hindurch, aber genügend um das kühle Nass in der Nähe aus zu machen, alle Rücksichtnahme hinter sich lassend, machte sie sich dann daran die Freundin recht unsanft mit eisigem Wasser zurück ins Bewusstsein zu holen. Ein ungeduldiges, nicht gerade sanftmütiges Schütteln folgte.
Sie mussten hier weg.
So schnell wie möglich.
Am besten jetzt.
Voller Unruhe sah sie dabei zu, wie langsam aber sicher wieder Leben einkehrte. Ihre völlig überstrapazierten Nerven zeichneten inzwischen Bilder von Rachedürsteten Herren, beim Anblick der mitgenommenen Begleitung.
Auch für den ein oder anderen grausamen Tod nahmen sie sich Zeit.
Das Ausmaß der Verletzung raubte ihr dann allerdings den Atem und für einen Moment kehrte Stille in ihr Bilderschauspiel ein. Viel zu tief saß das Entsetzen darüber was geschehen war.
Sie mussten weg.
Sie brauchten Hilfe.
Völlig aufgewühlt hatte sie einfach danach gegriffen.
Er lag völlig harmlos am Boden… ein knorriger Wanderstab, ganz als wäre hätte er auf sie gewartet und wäre nur dafür gemacht worden die Gräfin auf ihrem Heimweg zu stützen.
Nicht einen Gedanken verschwendete sie an die Herkunft des gewöhnlichen Holzstückes.
Zweckdienlich würde es sein.
Nur dunkel erinnerte sie sich an das Kribbeln in den Fingerspitzen, etwas, dass sich anfühlte als hätte sich gerade ein schwerer Stein auf ihr Herz gelegt, schrieb sie in der Hast dem Schuldgefühl und der Angst zu.
Ein Sphärenriss.
Etwas dass sie schon unendliche Male getan hatte. Die Vorgänge durchaus vertraut… die Schritte mit der Zeit völlig ins Blut übergegangen.
Und doch…. Sie scheiterte an Etwas dass sie ganz zu Beginn lernten.
Am allerersten Schritte der zu tun war.
Sicherlich die Nerven.
Durchatmen.
Konzentrier dich!
Ein weiterer Versuch… und nichts.
Mit einem Male klatschte völlige Schwärze über ihr zusammen, gleich einer tosenden Welle, die sich mit aller Gewalt gegen einen unverrückbaren Felsen drückt.
Die Welt um sie herum wirkte trostloser, grauer, als hätte Jemand ihr eine ganz wichtige Farbpalette geklaut. Die schillernden Farben, die sie sonst noch wahrnehmen konnte, die Nuance, die es wirklich wunderbar werden ließ – sie war weg.
Jegliche Farbe verloren, bemühte sie sich weiterhin die aufkommende Panik, die nun wirklich in ihr aufsteigen wollte hinab zu kämpfen.
Wahrscheinlich war alleine ihre Mentorin daran schuld, dass sie überhaupt noch auf den zugegebenermaßen völlig gummiartigen Beinen blieb.
Das Erste was ein Jeder von ihnen lernte half ihr dann wohl auch über die kommenden Stundenläufe in der Höhle. Die Beherrschung.
Dunkel drang es ihr irgendwo ins das Bewusstsein, wie schwer es war, dass zu tun.
Wie sehr sich gerade ihre kleine Schwester damit herum quälte und wie sie das nun einmal mehr nachfühlen konnte, sicherlich spielte auch ein guter Teil der militärischen Ausbildung eine Rolle darinnen, sie blieb wider Erwartens ruhig.
Es wurde sich mit praktischen Dingen abgelenkt, der Knöchel gekühlt, die Höhle inspiziert, Kriegsrat gehalten.
Irgendwann…. Während dieser Zeit des gequälten Wartens sickerte eine weitere stumme Erkenntnis in ihre Gedankenwelt. Etwas, dass sie noch nicht wirklich wahr haben wollte, aber was urplötzlich da war.
Als dann Scheppern und das Nähern von Schritten verkündete, dass sie wohl nicht mehr lange alleine sein würde, sprang sie erneut auf. Dieses Mal wirklich die Nerven zum Zerreißen gespannt.
Sie hatte keine Waffe, sie hatte nichts, aller höchstens einen Kiesel vom Boden, wenn nun….
Ein weiterer Blick zum Höhleneingang ließ bei ihr keine Erleichterung einkehren.
Die Hilfe war da.
Eigentlich.
Im folgenden Verhör wanderte der Blick der bernsteinbraunen Augen immer mal wieder zum Schwert, das im Schein der Fackeln gefährlich glänzte. Kein Feind in Sicht und es war weiterhin dort.
Sie zweifelte nicht einen Wimpernschlag daran, dass er es auch benutzen würde.
Woher sie die Kraft nahm, dennoch stehen zu bleiben, wusste sie am Ende selbst nicht mehr. Irgendwie … verschwamm der folgende Teil in ihren Gedanken zu einem ziemlich wirren Durcheinander.
Nur wenig war hängen geblieben, dafür sehr nachhaltig:
Ihr kennt die angemessenen Strafen für eure Tat.
Keine Ausreden.
Ihr werdet euch selbst bestrafen.
Es wäre auch zu einfach gewesen hätte Jemand das Schwert genutzt oder sie schlichtweg in dem Graben, in dem wohl viele schon ihr Ende fanden, ertränkt.
Erst als die Tür ins Schloss fiel und sie sicher alleine war, brach es vollends herein.
Die Verzweiflung, die Panik, der Schrecken, ein Teil des Schocks.
Auch die letzte Selbstbeherrschung hatte sich verabschiedet und völlig unter Tränen aufgelöst, lehnte sie mit dem Rücken an dem Holz der Türe, die Beine angezogen.
Hemmungslos schluchzend drang irgendwo noch der Gedanke zu ihr durch, wann sie zuletzt so geschlafen hatte…
Irgendwann fiel sie in sehr unruhige Träume, über sich rächende Herren und ein qualvolles Ende……….
[...]Zu den Träumen der Nacht, die mich sanft küssen,
dort muss ich niemanden von Euch vermissen.
Dort wo die Sonne endlos mit sanfter Güte regiert,
wo die Märchenwesen haben so manchen verführt,[...]
Verfasst: Freitag 7. Juni 2013, 16:00
von Mariella
Die ersten Sonnenstrahlen schlichen langsam über den Boden ihres Schlafgemachs, streckten die Finger nach ihrem Bett aus. Reglos lag sie da und sah einfach zu. So wie sie dem Mondlicht zugesehen hatte, wie es sich gemächlich nach und nach durch den Raum bewegt hatte, mal diese, mal jene Ecke auszuleuchten. An Schlaf war nicht zu denken gewesen. Zu präsent waren die Bilder des Abends. Der letzte Rest Erschöpfung wurde von dem unsäglichen Gefühl in ihrem Knöchel verdrängt. Unglaublich, wie so eine vergleichbar kleine Verletzung jemanden so aus dem Konzept bringen konnte. Sie war Schmerz nicht gewohnt. Vermutlich war das der Grund, warum sie es einfach nicht schaffte, das Pochen und Ziehen zu ignorieren. Immerhin, wenn sich die Bilder wieder vor ihr inneres Auge schoben, wie ein Drache und ein Höllenhund durch den Höhleneingang brachen, konnte sie das Leiden einen Moment vergessen. Beide kannte sie in so ziemlich jeder Gemütslage. Der Anblick löste zunächst eine Welle der Erleichterung aus, so sehr, dass sie einen Kloß im Hals spürte. Dass beide aussahen, als wollten sie sofort jemanden aufhängen, vierteilen und dann töten, war völlig schlüssig. Es passte zu ihnen, es hätte sie mehr als verwirrt, wäre es anders gewesen. Sie waren in Sorge und vermeintliche Gefahr würde unvermittelt ausgelöscht. Gründlich und gnadenlos.
Aber dann… geschah etwas. Es war kein Unhold in der Höhle. Kein Monstrum, das sie umklammert hielt. Nichts, was niedergestreckt werden musste. Als diese Erkenntnis im Bewusstsein ankam, konnte man die Wandlung beinahe körperlich sehen. Der Drache blieb ein Drache, jetzt aber auf der Lauer… der Höllenhund dagegen wurde zum Falken. Lediglich der dritte Mann, der seine Position am Eingang hatte, blieb, was er war. Zu sehr nahmen die beiden anderen nun Raum ein. Es brauchte, ein oder zwei Augenblicke, bis sie verstand. Bis sie erkannte, welches Unheil sich zusammenbraute. Drache und Falke waren sich erschreckend einig, wer ihr Opfer sein sollte. Auf sie würden sie selbst würden sie sich niemals stürzen. Nicht vor dritten, wobei hier der Kampfgefährte bereits der Dritte war und niemals, wenn es eine andere Wahl gab.
Die gab es jetzt. Gemeinsam kreisten sie nun Lilian ein. Fassungslos beobachtete sie, wie sie zum Angriff ansetzten. Verzweifelt griff Mariella nach all ihren Kraftreserven und zwang ihre Stimme gräflich zu klingen. Sich aufzuschwingen, über sie zu schwingen. Noch nie war sie dazu gezwungen gewesen, noch nie hatte sie etwas so viel Überwindung gekostet. Mit allem, was sie aufbieten konnte, schnappte sie zu, machte unmissverständlich deutlich, wer seine Hand gegen Lilian erhob, erhob sie gegen die Gräfin. Immerhin, es zeigte Wirkung. Nur war sie sich nicht sicher, wie lange ihr Machtwort gegen die kalte Wut der beiden ankommen würde. Zumindest für den Moment war die Gefahr gebannt.
Wie trügerisch die Sicherheit war, zeigte sich, als die beiden draußen nun Kriegsrat hielten, während sie selbst ihre Schmerzen beiseite schob, um die völlig verängstige Freundin zu beruhigen. Rasch wurden Pläne geschmiedet, ehe der Drache wieder hinein kam. Ein Blick in sein Gesicht und sie wusste, es war etwas geschehen. Sie wusste, man hatte einen Weg gefunden – oder glaubte es – ihr Wort zu umgehen, ohne es zu übertreten. Unter vier Augen wurde es deutlich. Sie hatten. Selbst jetzt, in ihrem weichen Bett, in der Sicherheit ihres Hauses, umgeben, bewacht, beschützt von einem Falken, einem Drachen und unzähligen Wachhunden, war sie nicht in der Lage, zu analysieren, welches Gefühl Oberhand gehabt hatte. Zorn, Enttäuschung oder Verrat. Es war ein Satz, der alles ausdrückte und der für Erkenntnis sorgte. Der aus dem Drachen wieder ihren Bruder machte. „Du fällst mir in den Rücken.“ Bittere Worte für die einen. Die höchste Anklage für ihr Blut. Auch wenn es äußerlich nicht sichtbar war, in der Stimme wurde es deutlich. Der Tonfall wurde fast väterlich, als er kurze Instruktionen gab. Er sorgte dafür, dass ihr Ruf unbefleckt blieb, ihr Ansehen und dass ihr Wort Gewicht behalten würde. Und er verschaffte ihr die Optionen, Lilian aus der Angriffslinie zu ziehen. Zumindest für den Moment.
Vorsichtig bewegte sie unter der Decke die Zehen, vergewisserte sich, dass sie noch ihrem Befehl gehorchten. Wenigstens das. Der Tag würde hart werden. Am Abend hatte man sie nur noch nach Hause geschafft. Der Falke hatte sie nicht begleitet und Mariella wusste nur zu gut, was das bedeutete. Ihr Bruder hatte Lilian die Gemächer gezeigt und dafür gesorgt, dass sie Gastrecht genoss. Der beste Schutz, den sie im Moment zu bieten hatte. Vaughain war es, der ihren Fuß notdürftig versorgte, der noch einen Moment blieb. Dann hatte der Trubel bei allen seinen Tribut gefordert.
Das Haus lag noch in trügerischer Stille friedlich da. Und doch brauten sich Donnerwetter zusammen. Sie mussten schnell ausgestanden werden, denn die eigentliche Frage, die wirklich bedeutsame war, wie man Lilian helfen konnte.
Sie selbst war keine Magierin. Ihr Wissen um das Lied der Muttergöttin war allenfalls theoretisch, erworben von dem Zuhören bei Gesprächen unter den vielen Magiern um sich herum. Sie wusste, dass diese Magier auserwählt waren. Sie nannten es ein Seelensiegel. Sie wusste auch, Magier, die ihr Seelensiegel verloren, konnten nicht mehr auf das Lied zugreifen – und sie wusste, diese starben.
Ihr Blick glitt hinüber zu dem Stab, der an der Wand lehnte. Konnte es wirklich sein, dass dieses Ding..? Würde sie gar darüber ihre Freundin verlieren? Langsam setzte sie sich auf und starrte das Holz an. Nein. Sie hatte geschworen, dass sie auf Lilian aufpasste und sie würde diesen Schwur halten. Wozu bitte hatte man all diese Magier, ja eine ganze Akademie in seinem Lehen, wenn sie nicht eine der ihren retten konnten? Also dann. Der Tag musste beginnen.
Verfasst: Montag 10. Juni 2013, 17:12
von Gast
Die Gardistin trat mit einer Kerze zum großen Tisch hin und besah sich das … man konnte es wohl Elend nennen, bei den dürftigen Überbleibseln von Ross und Wolf, die von der Stelle des berüchtigten Picknicks herbeigeschafft worden waren, stellte ihr Licht ab und krempelte sich die Ärmel hoch: Der Torso des Pferds war aufgedunsen und stank erbärmlich, an diversen Stellen waren faustgroße Stücke aus dem Fleisch gerissen. Sonst war nicht viel daran auszumachen - es sah rundum angeknabbert aus, während man alle Körperteile des herbeigebrachten Wolfes noch recht gut ausmachen konnte, außer dass sie zusammengeschrumpft und kohlrabenschwarz aussahen und ein schwach verkokelter Geruch den nach beginnender Verwesung überlagerte. Ein Picknickkorb stand daneben, wohl auch ein Beweisstück, jedoch für sie vor dem Hintergrund ihres Auftrages uninteressant.
Ob die Wölfe, welche die beiden Frauen angegriffen hatten, nicht gesund gewesen seien? Auf irgendeine Weise manipuliert?
Marjorie kannte sich da nicht so gut aus, also hatte sie eine ganze Weile gegrübelt und mit einem Jäger aus der Umgebung gesprochen, bevor sie sich nun leibhaftig an die Arbeit machte.
Die Möglichkeiten waren nicht gerade zahlreich:
1. Vielleicht waren ihre Sinne in Mitleidenschaft gezogen worden?
Marjorie zog sich lederne Handschuhe über und band sich ein dickes Tuch fest vor Mund und Nase. Dann nahm sie Ober- und Unterkiefer des starren Kadavers in beide Hände. Leise rieselten verkohlte Stückchen von Fell und Haut auf den Tisch, bis sie das Maul ausreichend weit aufgedrückt hatte und einen Blick hinein werfen konnte. Zu dunkel. Mit einem Griff zur Seite stellte sie ihre Kerze direkt vor sich und zog die Kiefer nochmals weiter auseinander: nichts Ungewöhnliches zu sehen. Ein recht intaktes Gebiss, von dem ein Reißzahn seit einer Weile zu fehlen schien – das Zahnfleisch war verheilt – das sich ansonsten gelbweiß vom geschwärzten Rachen abhob. „Gut durch, ganze Arbeit, Lilian,“ murmelte sie und hielt sofort wieder den Atem an. Nachdem sie sich aufgerichtet hatte, kontrollierte sie vorsichtig beide kleinen Ohren, von denen ihr eines fast entgegen fiel... an denen aber sonst nichts festzustellen war. Behutsam nahm sie ein kleines Messer zur Hand, kratzte probeweise an der leider völlig verkohlten Nase und zog einen Schnitt über das Auge, um das knusprig erstarrte Lid zu entfernen.
2. Hatten sie an einer Krankheit gelitten? – Tollwut war doch bekannt dafür, dass befallene Tiere besonders angriffslustig wurden.
Aber ein kleines Rudel? Laut der Erzählung waren es mehrere gewesen. Sicherheitshalber tastete sie Zoll um Zoll des Kadavers um eine Verletzung, vorzugsweise eine ältere Bisswunde, ab. Nach erfolgloser Suche wendete sie das tote Tier mit angehaltenem Atem und unter beträchtlicher Anstrengung – gegrillt und in unkooperativer Starre, war der Wolf wohl etwa so schwer wie ein zwölfjähriges Kind, aber schien ihr doppelt so schwierig zu drehen. Als es vollbracht war, führte sie die gleiche penible Suche auch auf der anderen Seite des Kadavers durch. „Auch nichts, du warst vermutlich gesund,“ stellte sie im Plauderton fest und machte sich an den dritten Teil der Untersuchung.
3. Hatte man den Wölfen etwas unter ihr Futter gemischt... ?
Dann müsste der Mageninhalt das wohl noch verraten. Also zurrte die junge Frau das Tuch fester vor das Gesicht, bog die Gliedmaßen des Wolfs so auseinander, dass der Bauch gut zu erreichen war... und tastete mit den Fingern vorsichtig über dessen Seite. Einen Wolf hatte sie noch nie gehabt, wenngleich auch einen Hund... daher ließ sie sich Zeit, um die richtige Stelle für den Schnitt zu finden.
Mit einem gezielten Schnitt wurde das Tier dann geöffnet, wobei sich die Haut fast schon ledrig hart unter der Spitze ihres Messers anfühlte, und der Magen tastend aufgespürt. Diesen zog sie in eine Schüssel und trennte ihn gänzlich heraus, um das darin Verbliebene in Augenschein zu nehmen. Braunrot triefte es ihr entgegen und sie kniff die Augen angestrengt zusammen, als würde das helfen, den beißenden Gestank auszublenden. Magen... Pferd... Pferdefell... Pferdefleisch, noch mehr Pferdefleisch.
Na wunderbar, dachte sie bei sich und schob die Schüssel mit einer resoluten Geste von sich. Wer auch immer das entsorgen durfte, der würde großes Vergnügen haben.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
An dem Tag, an dem die Gardistin sich mit den im Keller bereitgelegten Beweis…stücken befasst hatte, musste unausweichlich Waschtag sein, und so kam es, dass sie nicht eher als am darauf folgenden Mittag mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze ins Glaubenshaus schlich. Verstohlen wurde ein wohlbekannter Akoluth herangewinkt und mit zugeflüsterten Worten in Kenntnis gesetzt:
„Schreibt, Was ein Elend …! – oder nein, besser... keine ungewöhnlichen Anzeichen, außer, dass er so verkohlt war... nicht?“ Der junge Mann hob nur skeptisch die Augenbrauen und zückte Pergament und Feder.
So kam schließlich auch Korporal Vaughain zu seinem heiß ersehnten Bericht, die Schrift aus hübsch geschwungenen Lettern würde wohl zu einer netten jungen Frau passen. Kleine Schnörkel sind hier und da angebracht.
9. Schwalbenkunft 256 ~ Adoran
Ehre Seiner Majestät und dem Reich, Korporal Vaughain!
Die Überprüfung des von Euch übertragenen Materials wurde vorgenommen.
Es wurden keine ungewöhnlichen Anzeichen festgestellt, die auf Krankheit oder Fremdeinwirkung schließen lassen würden.
Der Lichtbringerin Geleit

~ Gardistin M. Weilnau ~
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Immerhin, der Fuß Ihrer Erlaucht war versorgt und versprach, irgendwann wieder voll einsatzbereit zu sein. Auch wenn die Gräfin wahrlich nicht belustigt über die vorsichtige Schätzung von mindestens einem halben Mondlauf zu sein schien, die Marjorie sogar noch sehr zuversichtlich vorkam. Der Zustand von Lilian machte ihr irgendwie mehr Sorgen, obwohl… oder auch gerade weil sie diejenige war, die standhaft behauptete, es gehe ihr gut. Ein bisschen zu oft vielleicht.
Verfasst: Montag 10. Juni 2013, 18:02
von Nyome van Belfa
Wie verzweifelt musste man sein, dass man sich an eine Schülerin wendet, doch in den dunkelsten Stunden ist es wohl nur recht auch nach dem letzten Strohhalm zu greifen der sich einem bot. Vielleicht aber war es auch das mittlerweile unerschütterliche Vertrauen einer Freundin. Es gab so viele gut ausgebildete Magi, dass man sie also aufgrund Ihrer Fähigkeiten konsultieren würde, war sehr mysteriös. Dennoch, sie folgte der Bitte und betrachtete, dass was man auf dem Tisch auf gebart hatte.
Ein zerfetzter Gaul, man hätte liebevollere Worte finden können, allerdings nicht für den durch gerösteten Wolf und davon abgesehen wirkten die Lebensmittel im Korb nicht mehr sehr appetitlich. Ein Blick zur Seite, die Blässe um die Nase, der nachdenkliche Blick, die aufgesetzte Mimik die wohl nur Ablenken sollte vor dem was sich dahinter verbarg, waren nur zu deutliche Zeichen dafür was vorgefallen war, allerdings auch nur wenn man Kenntnis von dem Ross hatte welches Verletzt in den Stallungen untergebracht war und dessen Besitzer kannte. Man könnte behaupten, dass es Ihr beinah etwas Spaß machte, den Vorfall anhand dessen zu rekonstruieren, wäre die Situation nicht so ernst gewesen.
Zwar war sie lange nicht so geübt wie manch alter Magier und die Kenntnisse um die Strukturen im Lied hielten sich in Grenzen, dennoch versuchte sie sich daran und analysierte die Tiere oder das was von Ihnen übrig war. Ein ziehen in der Schläfe machte sich breit, als sie sich hineinsteigerte, die Überreste abtastete und bis auf Gift, im Wolfskadaver, nichts finden konnte.
Hätte sie es nicht angesprochen, dass Lilian weitaus fähiger gewesen wäre, hätte sie wohl auch nie erfahren, worum es eigentlich ging. Ein alter Stab, ein Siegel das verschwunden war, fehlte nur noch die zweite Person der das Siegel vermutlich angediehen war. Um diesen Verdacht zu bestätigen, versuchte sie sich erneut und brachte erneut all ihre Konzentration auf, soweit es ihr möglich war. Doch als das was sie ergreifen wollte nur noch so knapp entfernt war, übermannte sie schließlich der Schmerz der sich in ihrem Kopf breit machte. Also gab es für sie nur noch eines was sie tun konnte um dies zu bestätigen.
Ärger, Frust war es was der Abend dann brachte, aber die Vermutung nicht bestätigen konnte. Jede Reaktion erforderte eine Aktion. Aber wie bringt man einen Menschen dessen Emotionen wie in einem Felsmassiv gefangen zu sein scheinen, dazu eine Reaktion von sich zu geben?
Verfasst: Montag 10. Juni 2013, 23:40
von Gast
Nicht, dass die letzten Tage nicht ohnehin sehr seltsam waren…. Aber es gab immer eine Steigerung dazu.
Tag 1 danach,
das Wichtigste nach einem Blick in den Schrank, der sicherlich durchaus in guter Absicht gefüllt worden war, war Normalität.
Die erste Aufgabe bestand also darinnen heim zu kehren, sich ein paar Dinge in denen man sich wirklich wohl fühlt zu suchen. Schon vor der Tür blieb sie irritiert stehen. Nachdem sie ein weiteres Mal mit dieser unglaublichen Stille konfrontiert wurde.
Laufen.
Sie ging gerne spazieren, für gewöhnlich.
Aber nie wenn sie ein Ziel hatte, das ihr dringlich erschien.
Aber diesmal.. blieb ihr nichts anderes übrig.
Der Fußmarsch gestaltete sich unendlich lang, das Gewissen darauf mit dem Gedanken an einen gewissen Knöchel wog schwer. Statt dem Grün am Rande, sah sie immer noch recht realitätsnahe Racheversionen vor sich.
Die Bibliothek kaum erreicht, zog sie mehr als hastig ein paar Dinge aus dem Schrank und stopfte sie in ihre Tasche. Es war ganz gleich, was sie da genau erwischte, aber ein Stückweit von ihr selbst, das war wichtig.
Tag 2:
Aufgabe.
Normalität war aus, da half auch eigene Kleidung nichts. Noch einmal bis zur Bibliothek laufen nur um sich ein paar Hosen zu sichern?
Nein.
Dieses Mal war es ein bestimmt hübsches, aber sicher nicht ihr Kleid in das sie schlüpfte.
Die Gedanken vom Vortag verfolgten sie immer noch, Vorgehensweisen, ein wenig Arbeit am Regiment, die sie zufällig fand und nicht gerade dazu beitrug, dass sie ruhiger wurde.
Ein Spaziergang nach Bajard, die Folgen… Völlige Verwirrung.
Immerhin füllte der Rest des Tages sich mit ein paar Entscheidungen, die ablenkend waren, die getroffen werden mussten. Und auch ein paar ziemlich wirren, aber möglichen Ergebnissen zum eigentlichen Problem.
Aber spätestens als sie mit völligen überstrapazierten Nerven auf einen kleinen, winzigen Schatten mit einem erschreckten Schrei reagierte…
Der Schatten in der Tür, auch wenn er nichts dergleichen sagte, war ein einziger Vorwurf.
Sie hatte noch etwas zu klären.
Es war nicht mehr auf zu schieben.
Und so.. verbrachte sie Nacht damit, einige Unterlagen zu wälzen und letztendlich wurde ein fein säuberliches Schreiben auf einem Schreibtisch deponiert:
§3.4 Als Verbrechen gelten Dieberei, Betrug, Schädigung der Bürger,
Zerstörung von Eigentum eines Bürgers, nachweislich üble Nachrede, Giftbesitz und Giftgebrauch.
Bei Vergehen gegen den Adel, die Grafschaft oder sogar gegen den Rat wird der Verurteilte öffentlich an den Pranger gestellt
und je nach schwere dazu noch ausgepeitscht. Die Strafe die im Katalog steht wird dazu noch angewandt
Nach einer ganzen Weile der Überlegung, habe ich mich dafür entschieden,
dass ich am ehesten gegen den oben genannten Paragraphen verstoßen habe.
Natürlich ist mir klar, dass meine Tat sehr viel schwerer als die Schädigung eines
Bürgers wiegt.
Durch meinen Leichtsinn und meine Gedankenlosigkeit, wurde das Leben unserer Gräfin gefährdet
und fast ausgelöscht, eine Tatsache die nicht zu entschuldigen ist.
In diesem Falle fällt der Pranger, ebenso heraus wie ein offen gesprochenes Urteil,
da ich nicht mehr Schaden anrichten möchte, als ich bereits verursacht habe.
Und zumindest der Ruf und das Ansehen unserer Gräfin unbeschadet aus der Sache heraus gehen soll.
Ich habe mich deshalb dafür entschieden, diese Mäßigung auf Letzteres oben auf zu legen.
Und bin damit zu folgendem Entschluß gekommen:
Um nicht noch einmal auf den Gedanken zu kommen für ihre Erlaucht einen
Ausflug diesen Ausmaßes zu planen und mich ganz gewiss ewiglich an dieses
Ereigniss zu erinnern:
Ein Hieb für jeden Wolf, der das Leben ihrer Erlaucht gefährdet hat.
Einen Weiteren alleine für den Gedanken des Picknicks.
Einen für die Ausführung der Tat.
Einen für die Nachlässigkeit Niemanden informiert zu haben.
Einen für den unzureichenden Schutz ihrer Erlaucht und das eigene Versagen.
Die Strafe von 20 Hieben wird von einer Person meines Vertrauens ausgeführt,
die darüber niemals ein Wort verlieren wird.
Ich hoffe, damit habe ich ganz in eurem Sinne entschieden,
wenn ihr das lest wurd die Strafe bereits vollzogen und ihr
dürft diese Angelegenheit als erledigt und ausgeführt betrachten.
Kaum die Tür geschlossen war das nächste Ziel eine Flasche Schnaps und die Erfüllung des Geschriebenen…
Verfasst: Dienstag 11. Juni 2013, 09:02
von Silvan von Dragenfurt
Am späten Abend wird im Lehrerzimmer des Konzils des Phönix ein Zettel hinterlegt.
Bericht: "Magieentzug"
Mag. Silvan von Dragenfurt
Geheimhaltung wird erwartet
Subjekt berichtet von einem Moment panischen Stresses, bei welchem es mit einem Holzstab in Berührung gekommen ist. Daraufhin habe sie den aktiven und passiven Zugang zu Allmutters Lied verloren. Keine körperlichen Beschwerden sichtbar. Keine emotionalen oder physischen Effekte beim Wirkmoment oder in den darauf folgenden Tagen berichtet.
Hypothesen
Hypothese 1: Der Stab hat bei Berührung durch das Subjektes den Effekt ausgelöst.
Das Subjekt berichtet, sich nicht genau im Klaren gewesen zu sein, wann der Zugang zum Lied unmöglich gemacht wurde. Intuitiv sagen sowohl Subjekt als auch eine Zeugin, dass der Stab ursächlich sei.
Hypothese 2: Der Stab wirkt direkt auf das Seelensiegel.
Die schmerzfreie Durchführung des Effekts suggeriert ein direktes Angehen des Seelensiegels. Die Magieart ist nicht bekannt, es kann aber vermutet werden, dass es sich entweder um Mental- oder Namensmagie handelt. Eine weitere Möglichkeit ist klerikales Wirken.
Hypothese 2.1: Der Stab ist ein magisch erschaffenes Artefakt.
Indikatoren wären eine mehr-als-normale oder abnormale Liedstruktur des Stabes die auf eine Artefakt-Wirkweise schließen lässt.
Hypothese 2.2: Der Stab ist ein klerikales Artefakt.
Indikator wäre dass der Stab selbst nichts aufweist, was ihn von einem normalen Stab abhebt.
Testverfahren
Es ist ein Ritual durchzuführen um den Stab zu analysieren. Das Ritual hat zwei Komponenten. Erstens: Absicherung. Zweitens: Analyse. Die Absicherung ist Notwendig um, sofern es sich bei dem Stab um ein Artefakt handelt dass abnormale Liedstrukturen (Wirken) zum Auslöser nimmt, die Sicherheit der Magier zu gewährleisten. Die Analyse erfolgt prinzipiell passiv, jedoch ist es notwendig dass eine Theorie erarbeitet wird welches die Eigenschaften des Stabes zum Vorschein bringt.
Aufgaben
1. Candidata Belfa assistiert dem Regiment, namentlich Korporal Vaughain. Der Umfang ihrer Aufgaben ist vom Regiment festzulegen. Berichterstattung durch das Regiment.
2. Vorbereitung des Rituales, des Ritualraums, und der Absicherung der Analyse. Der Stab darf unbenommen von etwaigen Plänen nicht von Liedkundigen berührt werden (Handlungsanweisung der Lehnsherrin). Zuständig: Silvan von Dragenfurt.
3. Erarbeitung des theoretischen Hintergrundes und des Experiments. Welche Charakteristika erlauben Rückschlüsse auf die Natur des Stabes als Artefakt. Zuständig: Praecepta von Nebelpass.
Magi sind stärkstens dazu aufgefordert, sich nach eigener Schwerpunktlage entweder der Zweiten oder der Dritten Aufgabe zuzuordnen und auf individueller Basis entsprechende Schüler daran zu beteiligen. Die Lehensführung wünscht die möglichst vollständige Beteiligung des Konvents um der Wichtigkeit des Falles die notwendige Geltung zu verleihen.
Verfasst: Donnerstag 20. Juni 2013, 23:58
von Gast
‚…bist du nicht müde nach so vielen Stunden? …
Ich find dich am Boden, den Rücken zur Wand…
Den Blick zur Tür, zwei Steine in der Hand…
Gib mir das, ich kann es halten…‘
Den Kopf an das Holz der Türe gelehnt, saß sie zusammen gekauert am Boden.
Das aufgeschlagene Buch ruhte dabei direkt auf ihren Beinen, die darauf geschriebenen Zeilen nahm sie schon lange nicht mehr wahr…
Eigentlich war es der Versuch gewesen sich ab zu lenken, auf andere Gedanken zu kommen. Ziemlich schnell hatte sie bemerkt, dass die wenigen Buchstaben über die der Blick hinweg geflogen war, gar nicht bis zu ihr durch drangen..
Statt dessen dachte sie immer wieder an die vergangenen Tage.
Bilder, Erinnerungsstücke, .. Worte die gewechselt wurden.
Derzeit hatte sie das Gefühle sich eher schlafwandelnd durch die Welt zu bewegen, irgendwas hatte sie die Tage im Regiment getan…. Ein Besuch im Kloster, .. eine Modenschau. Viel mehr schien das Geschehen derzeit an ihr vorbei zu ziehen, ohne dass sie sich fühlte als sei sie wirklich ein Teil davon.
Mit einem leisen Seufzen ließ sie die Beine sinken, dabei rutschte das Buch von den Beinen und polterte zu Boden, leise klirrend kullerte ein kleiner Ring über den Steinboden.
Erschrocken sah sie auf, hatte sie doch gar nicht bemerkt mit ihm gespielt zu haben.
Auf allen Vieren machte sie sich auf die Suche nach dem Ausreißer, mit den Gedanken schon wieder am gestrigen Abend, den Hallen des Konzils… den Eindrücken, die einem blieben, wenn man mit einem Male ausgeschlossen war.
Alleine die Dunkelheit hatte ihr zu schaffen gemacht.
Ihr war noch nie zuvor aufgefallen wie Düster es hier unten war.
Nicht dass es einen nennenswerten Unterschied gemacht hätte.. sie wusste durchaus was die Mitte des Raumes ausfüllte. Sie hatte eine geraume Weile mit diesem.. Stück verbracht.
Schweigend und unter völliger Anspannung hatte sie die Untersuchung verfolgt, darauf angewiesen ab zu warten, wann sie Jemand aufklären würde, was das Ergebnis davon war… einen Tag später war sie sich immer noch nicht sicher, ob sie das alles nun als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ bezeichnen sollte, aber es war ein Anfang, nicht wahr?
Irgendwann… hatte sie den kleinen Übeltäter dann auch wieder gefunden, er fand den Weg zurück zum angestammten Platz.
Vielleicht, sah sie noch einmal im Regiment vorbei, womöglich gab es ja dort Arbeit, mit der sie sich beschäftigen konnte. Mit einem leisen Seufzen wieder auf die Füße gerappelt blieb sie dann auf halben Weg aus dem Zimmer stehen.
Mehrmals blinzelnd bemühte sie sich darum das verschwommene Bild vor ihren Augen zu sortieren, ein tiefes Durchatmen, dann ließ sie sich doch lieber wieder am Boden nieder, bevor die Beine noch beschließen würden ihr von sich aus den Dienst zu versagen.
Hatte sie heute schon was gegessen?
Eigentlich… Vielleicht sollte sie doch erst einmal einen Umweg über die Küche nehmen…
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[...]dort in den Traumland, da möchte ich jetzt stehen
mit den Freunden der Nacht mich wortlos verstehen.[...]
Verfasst: Freitag 21. Juni 2013, 17:14
von Kysira Bagosch
Unmöglich...
Das Wort hallte durch ihren Geist, während ein weiteres Buch seinen Platz auf dem Tisch fand.
Es gibt keinerlei Hinweis...
Die Blondine liess sich zurückfallen gegen die Rückenlehne des, ausnahmsweise mal gepolsterten, Stuhles. Der Stapel an Büchern neben ihr auf dem Lesetisch wuchs vor sich hin. Kysira hatte sie konsultiert, hatte nachgelesen zu der einen Frage die sie beschäftigte seid sie Lilian gesehen hatte:
Wie war es Möglich?
Es gab keine Antwort. Keine die Komplett war. Die Lehren und Berichte waren sich einig: Wer den Zugang zum Lied verlor, starb. Normalerweise sehr unverzüglich.
Sie war sehr lebendig....
Das Siegel konnte also nicht fort sein. Oder nicht komplett.
Ihre Gedankengänge wurden unterbrochen als die Maga näherkam um Bücher in ein Regal zu schieben.
Verfasst: Samstag 22. Juni 2013, 01:37
von Vaughain van Nordwind
„Was würde er nun tun?“
„Er wüsste, wie es ihr geht … ohne sie sehen oder fragen zu müssen.“
Die Wahrheit war, er wusste nicht, wie es sein mochte, seiner Sinne beraubt zu sein. Stets hatte er nur fünf davon gehabt und mehr hatte er nie gebraucht. Die Welt, wie sie sie sah, kannte er nicht, vermisste sie nicht. Ihm fehlte nicht der wichtigste, vielleicht prägendste Teil seiner Selbst. Er war nicht blind, taub und wohl möglich auch noch verkrüppelt. Oder zumindest in einem Zustand, der von all dem nicht sehr weit entfernt war.
Und dennoch musste er sie weder fragen noch sehen um zu wissen, dass sie litt. Dass kein Trost, kein sanftes, beschwichtigendes Wort sie darüber hinweg täuschen konnte, dass ein Teil von ihr fort und vergangen war.
Und das, wiederum, verstand er mehr als gut.
Umso schlimmer, dass er die Antwort darauf nicht kannte. Dass er selbst nur ein blinder, stumpfer Tor war, der von all dem keine Ahnung hatte, die physische Unmöglichkeit, es zu verstehen.
Etwas, das ihn mal in Rage, mal in heillose Unruhe versetzte.
Hilflos zu sein, das war Neuland. So egoistisch der Gedanke sein mochte, so sehr hasste er ihn.
Ein Mann sollte nicht hilflos sein, nicht daneben stehen, während andere über Sein und Nichtsein entschieden.
Aber hier, da konnte er nichts tun.
Und so mochten auch die tröstenden Worte der Kameradin ihn nicht gänzlich darüber hinweg täuschen, dass dies über seinen Horizont hinaus ging. Dass nicht er derjenige war, der hier Unheil und Missgunst abwenden würde. Und die nagende, aber heimliche Erkenntnis, dass ein anderer es vermocht hätte.
Bitter stach die Gewissheit, dass all dies das Gedankengut eines Egoisten war. Dass nicht eigentlich ihr Missgeschick die eigentliche , reine Quelle seiner Sorge war. Sondern lediglich die Furcht vor der eigenen Schwäche.
„Was würde er nun tun?“
„Er würde wissen, … was zu tun war?“
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sicher war, er wusste was zu tun war. Das einzige, das im Moment zu tun blieb. Das, was am schwersten war von allem. Warten ...