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Von Muscheln, Äpfeln und Heuböden

Verfasst: Sonntag 12. Mai 2013, 22:53
von Darian Maydorn
Nur einmal wieder so wie früher...
Das Leben spüren, die Freiheit genießen.
Sehen und denken, fühlen wie ein Kind.
Dem Trott des Alltags entfliehen, dem Leben frönen.

Lächeln...



Widerwillig öffneten sich seine Lider.
In der Dunkelheit versuchte er vergeblich etwas auszumachen und orientierungslos wanderte sein Blick durch den Raum, in welchem er sich befand. Vorsichtig tastete er mit den Händen auf dem Boden herum und fühlte neben Holz und vereinzelten Strohhalmen plötzlich etwas warmes...
Er musste nicht sonderlich lange grübeln, um das Erfühlte als Arm zu definieren und schließlich erwachte auch langsam seine Erinnerung an die vorherigen Ereignisse des Tages. Mit einem schwachen Lächeln fuhr er mit der freien Hand über seine Augen, welche kurz von einem Flackern durchzogen wurden... Dann musterte er die schlafende Gestalt neben sich und hob seine Hand, um ihr ein paar widerspinstige Strähnen aus dem Gesicht zu streichen. Er wollte sie nicht wecken. Nichts lag ihm ferner, als das jetzt zu tun, wenngleich er sich gerne weiter unterhalten hätte. Stattdessen löste er die Fibel seines Umhangs, legte ihn über die Schlafende und stapfte hinaus in die Nacht.

Es gab noch so viel vorzubereiten...

Verfasst: Montag 13. Mai 2013, 19:47
von Meryna Shia Flavyr
Das natürliche Knacken des Holzes ließ sie wach werden. Müde wanderten die Augen einen Moment von einer, zur anderen Seite, um dann schließlich auf der Stelle neben Ihr im Heu zu landen. Der Platz war leer und für einen Moment drohte sich Enttäuschung in Ihr auszubreiten. Als sie sich dann aber in eine sitzende Position begab und Ihr der bekannte Umhang in die Hände fiel, strich sie mit einem feinen Lächeln über den Stoff, während Ihr Gesicht sich kurz darin vergrub. Die Ereignisse des Tages kamen Ihr wieder in den Sinn und ein fröhliches Schmunzeln begann Ihre Mundwinkel in die Höhe wandern zu lassen. Wie sehr sie diese Gespräche und Unternehmungen doch genoss!
  • Und der Mensch heißt Mensch,
    weil er vergisst,
    weil er verdrängt
    und weil er schwärmt und stählt,
    weil er wärmt, wenn er erzählt

    und weil er lacht,
    weil er lebt.
Als sie mit dem Umhang um Ihren Schultern den Stall verließ, graute bereits der Morgen und die ersten Vögel stimmten Ihre Lieder an. Ein feiner Streifen Licht überzog das Firmament, um von einem sonnigen Tag zu erzählen. Vermutlich war es nicht nur die Aussicht auf einen schönen Tag, der Ihre Schritte federleicht in Richtung der Akademie lenkte. Es gab noch so viel zu erledigen . . .

Im ersten Stock der Akademie wird man noch am selben Abend einen ordentlich gefalteten Umhang vor einer Zimmertüre liegen sehen. Eine kleine Erhebung ist zu erkennen und wenn man den Stoff berührt, wird man spüren können, dass etwas unter dem Kleidungsstück versteckt wurde. Eine Figur, kaum größer als ein Daumen, gefertigt aus schlichtem Holz, dafür aber umso liebevoller, regelrecht naturgetreu bemalt. Darian wird einen kleinen Echsenmensch in seiner Hand halten, der Ihm mit spitzen Zähnen grimmig entgegen blickt.

Verfasst: Dienstag 14. Mai 2013, 01:05
von Darian Maydorn
Missmutig betrat der Mann die Akademie.
Sein Tag war alles andere als angenehm, wie der vorherige es war.
Zwar waren die frischen Kontakte zum Adel nicht zu verachten, dennoch erfüllte der studienreiche Tag nicht sein Gemüt, wie es ihm im Augenblick beliebte.
Schon auf dem Treppenaufgang schälte er sich aus seiner Robe und erklomm die Stufen mit leisem Ächzen. Als er die Tür zu den Kammern passierte, hellten sich seine Züge jedoch etwas auf.
Ein noch breiteres Lächeln zierte sein Antlitz, als er die kleine Figur aus dem Bündel aufnahm. In seiner Kammer angekommen, stellte er die Echsenfigur auf seinem Nachtisch ab und wühlte in seinen Unterlagen. Unzählige Pergamente, abgegriffen und zerlesen. Darunter eines, welches mit geschwungener Schrift versehen war.
Ein Gedicht, welches er in seiner Jugend selbst verfasst hatte, als er einer Dirne heimlich beim baden zusah.
Auf Zimmerlautstärke trug er das Gedicht vor...
Eine Blume so schön,
Ja ich hab sie gesehen!
Sie stand dort am Hafen, wollt´ baden grad´ gehen.
Sie kam auf mich zu, offenbart´mir die Brust,
Welch ein Genuss, ja welch ein Genuss.
Das rote Haar wie der Fackel Schein´
Nur hundert Dukaten dann wär sie heut´ mein
Doch pass auf, sag ich dir, es erfüllt dich mit Zorn
Denn die Blume, das Röschen, hat arg spitze Dorn´!
Verbrenn´ dich an ihr, versengt dich die Gier,
Die feurige Rose, meine Warnung gilt dir,
In Sicherheit bring Hab´und Gut,
Das Erbe, die Schätze, den teuersten Hut!
Nichts ist vor ihr sicher, bist´ nur noch Haut und Knochen
und obendrein hat sie´s Herz dir gebrochen.
Welch ein Genuss, ja welch Genuss...
Irgendetwas mahnte ihn in diesem Augenblick zur Vorsicht. Noch einmal erspähte er die Echsenstatue.

"So ein Glück haben andere Männer, Maydorn. Nicht du, nicht du!"

Er fiel in einen unruhigen Schlaf, heimgesucht von Träumen über Betrug und Verrat, wie er ihn sonst nur aus Geschichten kannte.
Das Erwachen war einer schließenden Tür verschuldet. Einer Tür auf dem Flur der Zimmer der Studiosi...

Verfasst: Mittwoch 15. Mai 2013, 19:54
von Meryna Shia Flavyr
„Die Hierarchie in Menek'Ur wird zum größten Teil.... ach verdammt!“, der dritte Zettel wird in der Hand zerknüllt und über die rechte Schulter geworfen, wo er an der Zimmertüre abprallte und sich zu den anderen Kladden dort am Boden gesellte. Ein genervtes Brummen kam von Ihren Lippen, während sie sich darum bemühte Ihre Konzentration zu sammeln. Aber die Seiten vor Ihr wollten sich einfach nicht mit zusammenhängenden Sätzen füllen, glitten Ihre Gedanken doch immer wieder ab. Sie erwischt sich sogar dabei, wie sie hin und wieder den Atem anhielt, um auf die Geräusche im Gang zu hören. War das Geräusch der sich öffnenden Türe aus dem Gang gekommen? War es vielleicht die Türe des gegenüberliegenden Zimmers? Sie schafft es gerade noch so, nicht zur eigenen Türe zu stürmen, um das Ohr an das Holz zu drücken. „Hmpf! Das kann doch nicht wahr sein.“, unruhig wurde die Feder zwischen Ihren Finger gedreht, wobei die Tinte einige weitere Kleckse auf Ihren Fingerkuppen hinterließ.

Der Traum verfolgte sie jetzt seit einigen Tagen und es war Ihr kaum noch möglich einen klaren Gedanken zu fassen, ohne, dass sie zu assoziieren begann:

  • Auch wenn die Gestalt nicht klar zu erkennen war, war sie sich ziemlich sicher, dass er es war. Mit dem Rücken zur Türe stand er an der Kiste, um in Ihren Unterlagen zu wühlen. Ungestüm und ohne die Vorsicht die sie bei den Schriftstücken an den Tag legte, wurden die Seiten umgeblättert und einige Werke bei Seite geschleudert. Sie wusste nicht was er suchte, wusste nicht seit wann er bereits hier war. Ihr Körper ließ sich nicht bewegen und so stand sie unendlich lange regungs- und lautlos im Türrahmen, um Ihn bei seiner Spionage zu beobachten. Mit jedem Buch das zu Boden fiel, schien es Ihr, als würde ein Riss in Ihrem Herzen entstehen. Wie konnte er nur?


„Konzentration, Meryna. Jetzt!“. Die Feder wurde unsanft auf das Pergament gedrückt, als wollte sie Worte erzwingen. Doch die Hand verharrte still, genauso wie die Feder unbewegt zwischen den Fingern blieb. Schließlich gab sie es auf, rollte stattdessen das Geschrieben zusammen, sammelte die Kladden ein und verschloss alles in Ihrer Kiste. Sie musste mit Ihm reden, wenn sie wieder einen freien Geist haben wollte, um gute Leistung im Studium zu erzielen. Und so machte sie sich tatsächlich auf die Suche nach Ihrem Mitschüler. Hier ein Klopfen an der Zimmertüre, dort eine wartende Rothaarige am Eingang der Akademie.

Verfasst: Donnerstag 16. Mai 2013, 10:51
von Darian Maydorn
Mit leisem Kratzen fuhr der Kohlenstift über die freie Seite des kleinen Büchleins.
Versonnen betrachtete er sein Werk, welches nunmehr Gestalt annahm doch irgendwann übermannte ihn die Müdigkeit und er legte das Buch auf seinen Schreibtisch.
Dass seine Skizze vom Teeglasrand befleckt wurde, ärgerte ihn.
Achtlos riss er selbige aus dem abgegriffenen Büchlein und schob die Seite in die Manteltasche.

Er lies die Tür knallen, als er die Akademie verließ und ob es Eluives Lied gewesen ist, oder der bloße Windhauch der Tür... Das Blatt Papier verließ seine Tasche und kam auf dem Boden des schmalen Flures zum erliegen, direkt vor der Tür gegenüber.


[img]http://imageshack.us/a/img405/7030/133fc8bfm1.jpg[/img]

Verfasst: Montag 20. Mai 2013, 22:46
von Meryna Shia Flavyr
Mit spitzen Fingern strich sie über Ihre kleine Nase, um anschließend die Konturen Ihrer Lippen nachzuzeichnen. Die Augen bewegten sich dabei unentweg über die skizzenhafte Zeichnung hinweg, die sie vor Ihrer Zimmertüre gefunden hatte. Sah sie wirklich so aus? Die Haare fielen Ihr in leichten Locken über die Schultern, während der Blick zwischen vereinzelten Strähnen selbstsicher nach vorne gerichtet war. Sah er sie auf diese Art und Weise, oder verschwommen in diesem Bild die Gedanken an andere Frauen mit Ihrer eigenen Person? Das Pergament schien schwer wie ein Stein zwischen den Fingern, als sie es schließlich zur Seite legte. Der Heiler hatte Ihr für mindestens eine Woche absolute Bettruhe verordnet und so lag oder saß sie hier in dem Zimmer, bemüht darum dennoch weiter an den Studien zu arbeiten und der Langenweile Herr zu werden.

"Habt Ihr jemals eine Unterweisung darin bekommen?", fragte der Heiler sie zum wiederholten Male. "Praktisch. Theoretisch. In irgendeinert Art und Weise?". Als sie den Kopf schüttelte, wurden seine Augen größer. Er starrte die blasse, junge Frau regelrecht perplex an. "Und wie bei allen Göttern kommt Ihr dann dazu Gift aus einer Wunde zu saugen?". Erneut zwang er die Phiole mit gelblicher Flüssigkeit zwischen Ihre blutleeren Lippen. "Trinkt!". Inzwischen war es die zweite Phiole, deren grässlichen Inhalt sie zu sich nehmen musste, um das Gift aus Ihrem Körper zu verbannen.

Noch am Abend nach Ihrem gemeinsamen Ausflug hatten die Schweißausbrüche eingesetzt und selbst als sie das Fenster öffnete und kalte Abendluft das Zimmer flutete, wollte die brennende Hitze aus Ihrem Körper nicht weichen. Feine Schweißperlen bildeten sich auf der Haut und mit jedem Herzschlag schien es Ihr, als würde das Blut langsamer durch Ihre adern strömen.

"Ich hab' es nur das ein oder andere Mal beobachtet und anschließend in Fachbüchern darüber gelesen.", drang die Antwort von den Lippen, als die bittere Flüssigkeit sich nun die Kehle hinabbewegt hatte. "Ich habe Ihm doch nur geholfen! Was hätte ich denn mitten in der Wüste sonst tun sollen?", die Stimme war lange nicht so fest, wie sie es sich gewünscht hätte, um Ihren Worten den entsprechenden Nachdruck verleihen zu können. Sie wollte es dem Heiler verständlich machen. "Das war vollkommener Irrsinn! Regelrecht törricht. Ihr habt Ihn vielleicht vor dem Gift bewahrt, Euer Körper hingegen hat es anschließend in abgeschwächter Form wieder aufgenommen. Das hätte schwerwiegende Folgen haben können!". Der alte Zausel schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. "Ich wollte Ihm doch nur helfen...", ein letzter Versuch, der von einer harschen Geste des Heilers aber sofort im Keim erstickt wurde. "Lasst Euch nicht noch einmal von Euren Emotionen in die Irre führen. Das könnte Euch noch in Probleme bringen."

Emotionen... erneut galt die Aufmerksamkeit der Skizze auf dem Nachtschränkchen. Tatsächlich vermisste sie während Ihrer verordneten Bettruhe die Gespräche und Spaziergänge mit Im. Aber war es wirklich mehr, wie Ihr der Heiler angedeutet hatte? Nur weil sie selbstlos handelte, musste das nicht bedeuten, dass er mehr für sie war als ein Mitschüler. Sein Wissen war beeindruckend, ähnlich auch wie seine Geschichte und Herkunft. Ihr Blick strich gerne über seine Gestalt, beobachtete seine Bewegungen, lauschte seinen Erzählungen. Aber waren es Emotionen? Emotionen dieser Art?

Eine dicke Eule ließ sich gegenüber Ihres Zimmerfensters auf einem Baum nieder und schuhute in die Nacht. Der Mond hatte sich zwischenzeitlich ganz an den Himmel geschoben und deutete die Schlafenszeit an. Neben der Hellig- und Dunkelheit, konnte sie in dieser Zeit nur anhand der Geräusche in der Academia erkennen, um welche Tages- oder Nachtszeit es sich handelte. Frühs gingen scheppernd die Zimmertüren der Mitschüler auf, die sich meist nur träge über den Gang schleppten. Mittags konnte man hin und wieder das Geräusch eines feuchten Lappens vernehmen, der über die Dielen geführt wurde. Abends dann das Tuscheln, Lachen und Raunen der heimkehrenden Studiosi.

Genau den Moment zwischen Wisch- und Schülergeräuschen passte sie ab, um sich auf den Gang zu schleppen und einen Zettel unter Darians Türe hindurch zu schieben. Allein diese paar Schritte verlangten Ihr so viel ab, dass sie erschöpft zurück auf Ihr Bett fiel. Mit Sicherheit würde bald einer der Fieberträume nach Ihr greifen...

  • "Lieber Darian.

    Ich hoffe es geht Deinem Bein inzwischen besser und Du kannst es wieder vollständig belasten. Ein kauziger Heiler hat mir strikte Bettruhe verordnet. Des Giftes wegen. Ein törrichtes Verhalten, nannte er es. Sei' Du mir wenigstens nicht böse, ja? Falls ich Unterricht verpasst haben sollte, verlasse ich mich einfach auf Dein strebsames Wesen und Deine ordentlichen Mitschriften.

    Freu' mich auf baldige Gespräche mit Dir.

    Meryna"