Bis in den Tod
Verfasst: Dienstag 23. April 2013, 17:52
“ Es hat keinen Sinn, dir etwas aufzubürden, das dich nur belastet, auch wenn du deine Arbeit so gut getan hast, wie man es sich nur wünschen kann.“
- Selene Ainaan
Schon lange hat der Magister immer wieder vor den Türen der Ordensburg gestanden und unnötig gezögert. Es war immer nur ein Schritt um die vollkommene Freiheit zu erlangen und seinen großen Ikonen zu folgen. Immer zögerte er es hinaus und suchte Ausflüchte, Ausreden und Gründe um sich nicht zu befreien. Doch die Lage wurde schwieriger und der Zorn in ihm wuchs.
Dieser Zorn machte ihn früher stark, immer stäker. Irgendwann zerfraß er ihn einfach.
Umso mehr ihm im Leben genommen worden ist, umso skrupelloser und radikaler in seinem Vorgehen wurde er.
Selene war nicht mehr als ein Portrait und ein Abschiedsbrief, welchen er in seinen Händen halten konnte. Die Erinnerung war schon lange verschwunden. Dieser Verlust brachte ihn auf einen düsteren Pfad, auf dem ihn Sarya führte. Sie führte ihn weit, doch als sie dann starb, war er ohne Führer und der Zorn und Hass kannte keine Grenzen mehr, er wurde nicht mehr gelenkt.
Auch wenn er immer versuchte so es herunterzuspielen und so zu tun als würde es ihm nichts bedeuten: Es ließ seine Verachtung gegenüber der Menschheit nur wachsen.
Sein Zorn richtete sich nicht nur gegen die Ketzer, sondern auch gegen die „Eliten“ Rahals und schließlich gegen sich selbst.
„Du bist ein guter Mensch, und gute Wesen haben es verdient, frohen Herzens zu sein.“
Guter Mensch? Er war ein Todesengel. Alle die ihm irgendetwas bedeuteten starben ihm einfach weg, einfach so. Die Ursachen waren verschieden, doch war das Ergebnis immer gleich: Er war der letzte Überlebende.
Doch wozu lohnte es sich noch zu leben?
Er hatte alles erreicht, hatte sich jeden Genuß bereitet und konnte nahezu alles und jeden töten.
Insbesondere seine Kampfkraft stieg ihm immer wieder zu Kopf und er fing an unvorsichtig zu werden und seine Meinung frei zu äußern, was insbesondere in Rahal nicht geduldet wurde, da er die Hierarchie in Frage stellte. Leider wurde er auch arrogant und selbstgefällig.
Einer der vielen Nägel die seinen Sarg zuschlagen sollten...
Und da stand er wieder nur und flüstert leise zu sich selbst, fragt sich ob er es nun endlich tun soll. Soll er ihr wirklich folgen?
Er wusste nicht warum sie es tat, aber sie tat es damals und verließ dieses irdische Jammetal.
Der Wind weht durch das blonde Haar des Magisters als jener die Stufen zur Burg hinaufsteigt und sich wehmütig durch die Gänge der Burg quält.
Leise wimmert eine melancholische Melodie im Luftzug zwischen zwei Fenstern und die Vorhänge flattern energisch hin und her.
Mit jeder Stufe die er tiefer in den Keller stieg erinnerte er sich an die einzelnen Schritte die er tat um sein Ende vorzubereiten. Er isolierte sich vom Orden, dann vom Alka und zum Schluss vom rahalischen Reich, bis ihm kaum jemand blieb der ihn noch von seiner Freiheit abhalten konnte.
Die meisten starben sowieso weg oder würden in den nächsten Tagen ihr Ende finden.
Sehr viele verschwanden spurlos…
Es blieb nur noch Alin.
Aber mit Alin war er ohnehin zerstritten, was die Sache für Beide wohl einfacher machte. Er konnte sich ihr gegenüber ohnehin nicht öffnen, so erkaltet und von Hass zerfressen wie er war.
Er wäre womöglich auch kein großer Verlust für sie, so hoffte er es zumindest. Alleine dass er es sich so oft einredete war genug, um schlussendlich doch daran glauben zu können.
Sie würde es verkraften, sie würde ihn ebenfalls verachten und keine Träne nachweinen.
Er hoffte es zumindest.
Alle jene die er als Kameraden und Freunde bezeichnete, würden sicherlich Ersetz in ihren Reihen finden. Niemand war unentbehrlich, auch für ihn würde eines Tages Ersatz gefunden werden.
Tristan besieht sich selbst in einer gefrorenen Pfütze in einer Ecke der Treppe.
Er sah nicht anders aus als vor Jahren, aber mittlerweile konnte er genau diesen Anblick nicht mehr ertragen. Der Magister wurde einer der mächtigsten Magier Alathairs, doch konnte er sich selbst nicht besiegen, er konnte seinen Stolz nicht überwinden. Aus dem früher freiheitsliebenden Heimatlosen wurde nun ein mächtiger Sklave. Er war ein Vogel im goldenen Käfig, in welchem er es nicht mehr aushalten konnte. Man erwarte von ihm immer ein Liedchen für alle jene zu trällern, die vielleicht einen hohen Rang haben, aber in einem direkten Zweikampf schneller fallen würden als Tristans Blitze vom Himmel schlagen konnten. Er hätte jeden einzelnen töten können.
Doch irgendetwas hinderte ihn immer daran seinem Weltschmerz ausdruck zu verleihen.
Und das einzige was ihn davon abhielt war Saryas Hingabe für den Orden. Er wollte ihr Werk nicht noch weiter schädigen. „Es wird der Tag kommen da wird eure Rüstung durchlöchert und das sicher vom Rost oder Fraß der Motte!“, war der letzte Gedanke den er für Rahal und seine Hierarchie übrig hatte.
Im Grunde bereute er keine seiner Taten, bereute es nicht ihnen gezeigt du haben, wie schwach sie außerhalb ihrer Hierarchie sind. Ritter die im Kampf schnell fielen, Knappen die sich in Bajard beleidigen lassen und keinen Mut in den Knochen haben um ihre Würde zu verteidigen… Nein, das war kein Rahal mehr für das er streiten wollte. Eigentlich bereute er doch etwas: Sich damals mehr als nötig für Orden und Rahal eingesetzt zu haben. Aber womöglich war es eben einfach nötig, um in eine Position zu kommen, aus der man ihn nicht so leicht beseitigen konnte. Von dort aus konnte er seinen destruktiven Trieben freien Lauf lassen.
Nichts hinderte ihn daran, schließlich sah er ja auch was aus Rahal geworden ist, nachdem die letzten guten Kämpfer jenes verlassen haben. Er sah wie die Oberstadt einstürzte und wie viele der übriggeblieben Kämpfer gefallen sind wie die Fliegen. Und er sah dass es gut war.
Am Ende der Treppe zieht der Magister die Balronlederstiefel aus um den kalten steinigen Boden der Burg ein letztes Mal fühlen zu können, diese herrliche Kälte, die ihn an seine Zeiten als Studiosus erinnerte beruhigte ihn auf eine undefinierbare Art und Weise. Doch es reichte immerhin um die letzten Schritte bis zum Grabraum zu tätigen, um die letzten Schritte vor ihren Sarg zu setzen. Bald würde er ihr endlich folgen können und seine Freiheit finden können. Frei von Standesbarrieren, Erwartungen und Hierarchie. Frei von Sklaverei und Zwang. Frei von diesem unbändigen Hass und Zorn auf nahezu alles Leben auf dieser Welt. Anfangs machte ihn dieser Hass mächtig, doch mittlerweile wünscht er sich nahezu jeden der ihm vor die Augen tritt mit seinem Kryss auszuweisen, auch seine „Brüder und Schwestern“. Er konnte nicht nur Rahal und den Orden nicht mehr aushalten, er konnte es auch mit sich selbst nicht aushalten, konnte diese starke Verachtung gegenüber ihnen nicht ertragen…
Der Magister betrachtete seine Hände und erinnerte sich an die heroischen Geschichten der Vergangenheit, an alle Kämpfe die er gewann und die er verlor und auch an alle Momente, die das Leben lebenswert machten. Auch dachte er an alle Meilensteine auf dem Weg zur Macht. Es war ein weiter Weg, doch jede Reise hat ihr Ende. Diese „guten“ Zeiten waren vorbei, spätestens jetzt als er den Arkoritherdolch zwischen seine Rippen schlug und ... damit verstarb.
- Selene Ainaan
Schon lange hat der Magister immer wieder vor den Türen der Ordensburg gestanden und unnötig gezögert. Es war immer nur ein Schritt um die vollkommene Freiheit zu erlangen und seinen großen Ikonen zu folgen. Immer zögerte er es hinaus und suchte Ausflüchte, Ausreden und Gründe um sich nicht zu befreien. Doch die Lage wurde schwieriger und der Zorn in ihm wuchs.
Dieser Zorn machte ihn früher stark, immer stäker. Irgendwann zerfraß er ihn einfach.
Umso mehr ihm im Leben genommen worden ist, umso skrupelloser und radikaler in seinem Vorgehen wurde er.
Selene war nicht mehr als ein Portrait und ein Abschiedsbrief, welchen er in seinen Händen halten konnte. Die Erinnerung war schon lange verschwunden. Dieser Verlust brachte ihn auf einen düsteren Pfad, auf dem ihn Sarya führte. Sie führte ihn weit, doch als sie dann starb, war er ohne Führer und der Zorn und Hass kannte keine Grenzen mehr, er wurde nicht mehr gelenkt.
Auch wenn er immer versuchte so es herunterzuspielen und so zu tun als würde es ihm nichts bedeuten: Es ließ seine Verachtung gegenüber der Menschheit nur wachsen.
Sein Zorn richtete sich nicht nur gegen die Ketzer, sondern auch gegen die „Eliten“ Rahals und schließlich gegen sich selbst.
„Du bist ein guter Mensch, und gute Wesen haben es verdient, frohen Herzens zu sein.“
Guter Mensch? Er war ein Todesengel. Alle die ihm irgendetwas bedeuteten starben ihm einfach weg, einfach so. Die Ursachen waren verschieden, doch war das Ergebnis immer gleich: Er war der letzte Überlebende.
Doch wozu lohnte es sich noch zu leben?
Er hatte alles erreicht, hatte sich jeden Genuß bereitet und konnte nahezu alles und jeden töten.
Insbesondere seine Kampfkraft stieg ihm immer wieder zu Kopf und er fing an unvorsichtig zu werden und seine Meinung frei zu äußern, was insbesondere in Rahal nicht geduldet wurde, da er die Hierarchie in Frage stellte. Leider wurde er auch arrogant und selbstgefällig.
Einer der vielen Nägel die seinen Sarg zuschlagen sollten...
Und da stand er wieder nur und flüstert leise zu sich selbst, fragt sich ob er es nun endlich tun soll. Soll er ihr wirklich folgen?
Er wusste nicht warum sie es tat, aber sie tat es damals und verließ dieses irdische Jammetal.
Der Wind weht durch das blonde Haar des Magisters als jener die Stufen zur Burg hinaufsteigt und sich wehmütig durch die Gänge der Burg quält.
Leise wimmert eine melancholische Melodie im Luftzug zwischen zwei Fenstern und die Vorhänge flattern energisch hin und her.
Mit jeder Stufe die er tiefer in den Keller stieg erinnerte er sich an die einzelnen Schritte die er tat um sein Ende vorzubereiten. Er isolierte sich vom Orden, dann vom Alka und zum Schluss vom rahalischen Reich, bis ihm kaum jemand blieb der ihn noch von seiner Freiheit abhalten konnte.
Die meisten starben sowieso weg oder würden in den nächsten Tagen ihr Ende finden.
Sehr viele verschwanden spurlos…
Es blieb nur noch Alin.
Aber mit Alin war er ohnehin zerstritten, was die Sache für Beide wohl einfacher machte. Er konnte sich ihr gegenüber ohnehin nicht öffnen, so erkaltet und von Hass zerfressen wie er war.
Er wäre womöglich auch kein großer Verlust für sie, so hoffte er es zumindest. Alleine dass er es sich so oft einredete war genug, um schlussendlich doch daran glauben zu können.
Sie würde es verkraften, sie würde ihn ebenfalls verachten und keine Träne nachweinen.
Er hoffte es zumindest.
Alle jene die er als Kameraden und Freunde bezeichnete, würden sicherlich Ersetz in ihren Reihen finden. Niemand war unentbehrlich, auch für ihn würde eines Tages Ersatz gefunden werden.
Tristan besieht sich selbst in einer gefrorenen Pfütze in einer Ecke der Treppe.
Er sah nicht anders aus als vor Jahren, aber mittlerweile konnte er genau diesen Anblick nicht mehr ertragen. Der Magister wurde einer der mächtigsten Magier Alathairs, doch konnte er sich selbst nicht besiegen, er konnte seinen Stolz nicht überwinden. Aus dem früher freiheitsliebenden Heimatlosen wurde nun ein mächtiger Sklave. Er war ein Vogel im goldenen Käfig, in welchem er es nicht mehr aushalten konnte. Man erwarte von ihm immer ein Liedchen für alle jene zu trällern, die vielleicht einen hohen Rang haben, aber in einem direkten Zweikampf schneller fallen würden als Tristans Blitze vom Himmel schlagen konnten. Er hätte jeden einzelnen töten können.
Doch irgendetwas hinderte ihn immer daran seinem Weltschmerz ausdruck zu verleihen.
Und das einzige was ihn davon abhielt war Saryas Hingabe für den Orden. Er wollte ihr Werk nicht noch weiter schädigen. „Es wird der Tag kommen da wird eure Rüstung durchlöchert und das sicher vom Rost oder Fraß der Motte!“, war der letzte Gedanke den er für Rahal und seine Hierarchie übrig hatte.
Im Grunde bereute er keine seiner Taten, bereute es nicht ihnen gezeigt du haben, wie schwach sie außerhalb ihrer Hierarchie sind. Ritter die im Kampf schnell fielen, Knappen die sich in Bajard beleidigen lassen und keinen Mut in den Knochen haben um ihre Würde zu verteidigen… Nein, das war kein Rahal mehr für das er streiten wollte. Eigentlich bereute er doch etwas: Sich damals mehr als nötig für Orden und Rahal eingesetzt zu haben. Aber womöglich war es eben einfach nötig, um in eine Position zu kommen, aus der man ihn nicht so leicht beseitigen konnte. Von dort aus konnte er seinen destruktiven Trieben freien Lauf lassen.
Nichts hinderte ihn daran, schließlich sah er ja auch was aus Rahal geworden ist, nachdem die letzten guten Kämpfer jenes verlassen haben. Er sah wie die Oberstadt einstürzte und wie viele der übriggeblieben Kämpfer gefallen sind wie die Fliegen. Und er sah dass es gut war.
Am Ende der Treppe zieht der Magister die Balronlederstiefel aus um den kalten steinigen Boden der Burg ein letztes Mal fühlen zu können, diese herrliche Kälte, die ihn an seine Zeiten als Studiosus erinnerte beruhigte ihn auf eine undefinierbare Art und Weise. Doch es reichte immerhin um die letzten Schritte bis zum Grabraum zu tätigen, um die letzten Schritte vor ihren Sarg zu setzen. Bald würde er ihr endlich folgen können und seine Freiheit finden können. Frei von Standesbarrieren, Erwartungen und Hierarchie. Frei von Sklaverei und Zwang. Frei von diesem unbändigen Hass und Zorn auf nahezu alles Leben auf dieser Welt. Anfangs machte ihn dieser Hass mächtig, doch mittlerweile wünscht er sich nahezu jeden der ihm vor die Augen tritt mit seinem Kryss auszuweisen, auch seine „Brüder und Schwestern“. Er konnte nicht nur Rahal und den Orden nicht mehr aushalten, er konnte es auch mit sich selbst nicht aushalten, konnte diese starke Verachtung gegenüber ihnen nicht ertragen…
Der Magister betrachtete seine Hände und erinnerte sich an die heroischen Geschichten der Vergangenheit, an alle Kämpfe die er gewann und die er verlor und auch an alle Momente, die das Leben lebenswert machten. Auch dachte er an alle Meilensteine auf dem Weg zur Macht. Es war ein weiter Weg, doch jede Reise hat ihr Ende. Diese „guten“ Zeiten waren vorbei, spätestens jetzt als er den Arkoritherdolch zwischen seine Rippen schlug und ... damit verstarb.