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Kameraden unter sich

Verfasst: Mittwoch 3. April 2013, 19:30
von Nachtwind
Nach einem langen, nicht unbedingt angenehmen Tag voller Dienstbeflissenheit, kehrte ich nach Bajard ein. Stundenlanges Rumstehen sorgte für schmerzende Füße. Mein Rücken litt, ebenso wie meine Nerven, an Überreizung. Es war das reinste Wespennest gewesen. Alles ging drunter und drüber. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, welcher Eindruck bei dem Zurückkehrten entstand. Aber was sollte mich das kümmern. Damit würde ich mich nicht rumschlagen müssen. Eher mit anderen Problemen, die mir gar nicht schmeckten. Einer, der seine Loyalität über Bord geschmissen hatte, und ein anderer, der sie nie besaß.
Also nutzte ich doch gleich die Gelegenheit und quetschte die zu dem aus, was ich schon in Erfahrung gebracht hatte. Allein die Reaktion sagte mir schon einmal, dass diese Information nicht gelogen war, die im Osten angekommen war. Tatsächlich war es auch nicht weiter schwer nachzuvollziehen, welchen Weg sie genommen hatte.
Was in eine Richtung funktionierte, tat es vermutlich auch in die andere. Das zu beweisen war wiederum eine ganz andere Sache. Was mich aber stutzig machte, oder vermuten ließ, dass es sich so verhielt, war der vorletzte Abend. Das was ich zu sehen bekommen hatte, bevor ich den Heimweg antrat, sorgte für einige Grübeleien. Es war also nötig, mit jemandem zu sprechen. Amüsant fand ich indes den Vorschlag, den ich gleichzeitig zu dem was ich in Erfahrung brachte, erhielt. Als ob das in meinem Interesse lag. Nachher ging was schief und ich würde letztlich das Problem am Bein haben. Kam gar nicht in Frage. Ich hatte da ganz andere Pläne und überließ das lieber denen, von denen ich ausging, dass es auch einen Weg nahm, der mir weit mehr zusagte. Abgesehen davon hatte ich diesen Leuten nichts zu schenken. Ich hatte eher vor ein bisschen auf Risiko zu gehen. Mal sehen, ob sich der Einsatz lohnte. Das Spiel war das meine. Ich musste nur die Steinchen schlau setzen, um den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen.

Mein guter teurer Freund. Oder der, der von sich behauptete, einer zu sein. Dumm für ihn, dass ich das Spiel schon lange genug spielte, um es nur zu gut zu kennen. Gar nicht so unähnlich, was mich noch mehr amüsierte, zumal ich die Schwierigkeiten, die er hatte, nicht teilte. Und ja, er steckte in Schwierigkeiten. In massiven Schwierigkeiten. Da schaffte er es doch tatsächlich, dass er zwei Reiche gegen sich aufbrachte, und ahnte womöglich nicht einmal davon. Ich könnte mir natürlich den Spaß machen und ihn warnen, um es etwas spannender zu gestalten und einfach zuzusehen, was dann geschah. Tatsächlich wollte ich mein Hab und Gut darauf verwetten, dass er den nächsten Fehler beging.
Eigentlich war es schon beleidigend, fast enttäuschend, wie leicht es gewesen war, dahinter zu kommen. Aber so lief das, wenn man gute Verbindungen hatte, sie über Wochen, Monate oder Jahre aufgebaut hatte und das Vertrauen entsprechend vorhanden war. Meist schauten sie dann ja nicht mehr so genau hin. Selten hielt sich in so einem Augenblick die Wachsamkeit. Der Mensch war und ist eben ein Gewohnheitstierchen.
Es gab nur einen gravierenden Unterschied zwischen uns: Ich hatte meinen Platz gefunden und würde ihn verteidigen, ihn ausbauen und festigen. Und mein teurer Freund verlor ihn gerade in jeder Beziehung. Wie bedauerlich. Wirklich, es tat mir in der Seele weh.