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Allerlei Gedanken

Verfasst: Samstag 23. März 2013, 13:04
von Nym
Tock - Tock - Tock. Wann hatte er das letzte Mal richtig durchgeschlafen? Der Lärm des Zeigers war nahezu unerträglich und doch war es unabdingbar die Zeit zu jedem Punkt genau im Auge zu behalten. Dadurch konnte er beispielsweise feststellen, dass es eine schiere Ewigkeit her war, dass er neben einer Frau im Bett geschlafen hatte und doch war das blonde Exemplar, welches sich im Schlaf immer dichter an ihn drängte, zumindest zu einem Teil schuldtragend was seine Schlaflosigkeit anbelangte. Es war falsch, vollkommen falsch. Wie lange war es her, dass er fortgegangen war? 5 Jahre? 6 Jahre? Damals war sie ein kleines Mädchen gewesen - sicher, für ihn würde sie das auch immer auf die ein oder andere Art sein - aber inzwischen war ohne Zweifel eine Frau aus ihr geworden, die Blicke auf sich zog. Und auch er hatte sich dabei erwischt, wie er sie auf eine Art und Weise angesehen hatte, die ihn mehr als nur beunruhigte. Konnte er sich wirklich einen Vorwurf machen? Deutlich wurde gegen das gemeinsame Schlaflager gesprochen, doch wer konnte ihren verfluchten Kulleraugen, mit denen sie zu früherer Zeit schon die versammelte Verwandtschaft kontrolliert hatte, etwas abschlagen? Was ihn jedoch am härtesten traf, war die Erkenntnis für einen einen anderen Menschen verantwortlich zu sein; ihn beschützen zu müssen. Ausgerechnet er, der im Rhythmus des Tag- und Nachtwechsels einmal den Pistolenlauf vor der Nase und dann wieder die Klinge an der Kehle hatte?

Tock - Tock - Tock. Der Versuch seine Gedanken auf ein angenehmeres Thema zu lenken, scheiterte kläglich als sie schlicht über den Flur wanderten und ohne Klopfen das gegenüberliegende Zimmer betraten. Es bereitete ihm schon Kopfschmerzen nur an die Person zu denken, die dort ihr sonderbares Lager aufgeschlagen hatte, war er doch zuvor nie einem Menschen begegnet, der ähnlich gewesen wäre. Auf der einen Seite war er geneigt ihr alles anzuvertrauen und es war nicht von der Hand zu weisen, dass sie mit ihrem Wesen aus seinem Haus erst ein Zuhause gemacht hatte. Andererseits ließen einige merkwürdige Bemerkungen ihrerseits ihn zweifeln, ob sie die Dinge um sich herum überhaupt vollständig realisieren konnte. Auch wenn er sich seine Meinung über die Dunkelhaarige noch nicht wirklich gebildet hatte, so spürte er ein zunehmend unangenehmes Ziehen wann immer er an ihre Nebenbeschäftigung dachte. Aedan, Brennan, Tzion. Allesamt anständige Männer mit guten Charakterzügen, tatsächlich mochte er sie auch, ..und doch wurde ihm übel, wenn er sich gezwungen die Frage stellte, wie viele der oben genannten man wohl in einer Fellhöhle unterbringen konnte.

Tock - Tock - Tock. In der Vergangenheit hatten ihn die Umweltgeräusche noch nie vom Schlafen abgehalten. Festzuhalten wäre allerdings, dass nicht das unaufhörliche Ticken des Zeigers ihn wachhielt, sondern es viel mehr der Tatsache geschuldet war, dass er gar keine Uhr hatte.

Verfasst: Donnerstag 28. März 2013, 20:58
von Naryella
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Alles was dem Raum in seiner Stille Farbe verlieh war das leise 'Tick - Tack' der Wanduhr die sich zwischen all den Folianten versteckte die in ihrer Unterschiedlichkeit die Regale füllten oder einfach aufeinandergestapelt im Raum standen. Die Luft war geschwängert vom Geruch nach Holz, Pergament und dem Stoff der roten, schweren Vorhänge die der Wand als Verkleidung dienten. Unscheinbar, in einer Ecke des Raumes die von zwei großen, schweren Ohrenbackensesseln bewohnt war, saß, beinahe so unbewegt wie der Rest des Mobiliars das vor sich hinzustarren schien als warte es auf etwas Lebendiges das seinem tristen Dasein Sinn verleihen würde, eine junge Frau.

Das frisiert gelockte, lange Haar glänzte weich im Schein der mal aufzüngelnden, mal sich duckenden Kerzen die wie dafür gedacht waren die harte Realität in warmes, angenehmes Licht zu tauchen um ihr die Illusion von Harmonie zu geben. Und dieses Licht brach sich in den grünen Augen, verlieh ihnen einen besonderen Glanz und schmiegte sich zärtlich an die Seide in die sich der junge Körper mit seiner dem Auge schmeichelnden, weiblichen Silouette gekleidet sah. Sie sah nicht glücklich aus sondern wie in diese allgegenwärtige Ruhe hineingezwungen. Sie hatte etwas von der Sehne eines Bogens der, spannte man ihn auch nurnoch um eine Haaresbreite, reissen würde.

Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die weite Welt wird enger Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.


Der kleine Holzverschlag von einem Gebäude schien, wenn es nach ihr ging, mehr zu beherbergen als bloß alte, staubige Bücher, prall mit Gedanken gefüllten Inhalts. Vor allem nannten ihn zwei von drei Seelen die unter seinem Dach schliefen ihr zu Hause. Dritte fürchtete sich bloß vor dem Wahnsinn der sich hier als verschwiegene Normalität zeigte und in Form zweckentfremdeter toter Tiere die als Kuschelersatz missbraucht wurden auftauchte. Wenigstens hatte sie dem einen Riegel vorschieben können war ihm ihre Anwesenheit doch gewichtiger als der Gestank von Verwesung der sich abendlich im Keller ausgebreitet hatte. Gefährlicher zeigte sich aber womöglich die staubkorngroße Distanz die durchscheinend und papierdünn als Trennwand zwischen krankem und gesundem Geist diente und von der falschen Perspektive aus gesehen ihren Nutzen verlor. Ob sowas ansteckend war?

Verfasst: Montag 1. April 2013, 15:26
von Naryella
Rastlos strichen die noch mädchenhaften Finger über ihre Unterlippe, während die Seelenspiegel dem Regen dabei zusahen wie er tränend an der Scheibe herabronn und die Welt zu diffusem Grau verschwamm. Durch das Glas gesehen war dahinterliegendes Halbdunkel ebenso trüb und grobmaschig in seinen Konturen und Farben wie ineinander verlaufende Tintenkleckse und so verklärt wie das Grün zweier junger Augen die statt zum Fenster hinaus ins eigene Innere sahen und damit ins Angesicht der von Angst in Unruhe gestürzten Gedanken. Die Musik des Hintergrunds bestimmte vertrautes 'Tick - Tack' des Perpendikels der Wanduhr das an steife Monotonie gekettet trist hin und herschwang. Hingegen reizvoll fing die Seide das Licht der tanzenden Flammen ein, mit ihrem Antlitz zu spielen als ginge sie nicht an was die Seele unter der unberührten Haut die sie verbarg bis zur Unbeweglichkeit einschüchterte.

Begleitet vom samtenen Rascheln des Stoffes letztlich, sank bald der schlanke Arm der jungen Frau zu ihrer Seite, dafür reckte sie anmutig das Kinn und ein Schritt, gedämpft von feinen Halbschuhen, trug die weiche Silouette welcher das lebensnahe Licht schmeichelte zum Fensterglas. Wenig später öffnete sie die Lippen und liebkoste die Scheibe mit warmem Atem. Durch die Dunkelheit in der sich letztes Sonnenlicht erloschen sah, zum Spiegel geworden, beschlug sie und wurde kindischer Art zum Träger eines Gedankens den aus zu sprechen sie noch nicht den Mut gefunden hatte, im Glauben sein Leben hinge daran wie an einer feinen Spinnwebe. Galt ihre Angst zu allerletzt denn mehr noch Rahal als diesem Haus? Oder wars der Blick gewesen der ihre unbescholtenen Seele das Fürchten lehrte?

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Verfasst: Freitag 5. April 2013, 04:31
von Naryella
Die Zeit war zu einer zähen, klebrigen Masse verkommen die um jeden Sekundenschlag kämpfte und irgendwie schienen die Tage nach einer Farbe und einem Glanz zu suchen die zwischen den tristen Händen zu Sand geworden und ihnen verloren gegangen war. Auf dem jungen Gesicht mit den weichen Zügen schien ein Lächeln zu einem seltenen Gast geworden, die grünen Augen wie von einer dunklen, lieblosen Wolkenfront verschattet. Zwischen den zarten Fingern fühlte sich Seide nurmehr an wie grobes Leinen, sogar süße Milch hatte ihren Geschmack verloren und jede Stunde war zu einem Geduldsakt verkommen.

Ihr war als Klopfe regelmäßig der stille Wahnsinn der vor dem Zimmer lauerte an ihre Tür und bat um Einlass wie ein Fremder der sich zum vertrauten Freund zu machen gedachte und wie man sie da sitzen sah, zu einer aufrechten, anmutigen Haltung erzogen während das warme Kerzenlicht wie die Hände eines Geliebten ihre Silouette umschmeichelten sah man ihr zu deutlich an wie sie bestürzt und in sich zurückgetrieben in Selbstvergessenheit geriet. Sie litt unter dem Blick Isens und der aufgesetzten, falschen Freundlichkeit die ihr Tag um Tag entgegenschlug wie blanker Hohn während sie ihrem Bruder zu Liebe darum bemüht war eine freundschaftliche Beziehung zu ihr auf zu bauen. Sie litt unter der Stille in der Nym sie allein lies obgleich er sie nicht gehen lassen wollte und auch Isen floh die Nähe der jungen, zarten Gestalt als ertrüge sie ihren Anblick nicht. Vielleicht fürchtet sie sich ja vor gesunden Geistern?

Aber nun verlies sie ihn und das Gemäuer das ihr diebisch manche Nacht gestohlen hatte, hinterließ bloß eine zärtlich anmutende, feingeschwungene Schrift, die sich auf sauberem Pergament niedergelegt fand, welches sich gefaltet unter seinem Kopfkissen verbarg. Wie ungern sie ihm nichts weiter von sich vermachte als bloß die harten Worte, weil sie sich kaum im Recht dazu sah einen Mann und wars auch ihr Bruder, zurecht zu weisen und auf diese Art vor den Kopf zu stoßen, sah man ihr noch an als ihre Kutsche Bajard bereits um eine gute Wegstrecke hinter sich gebracht hatte. Sie floh aber auch nur die eine Angst um sich einer Anderen zu stellen: Naryella hatte nie auf eigenen Beinen gestanden und selten für sich selbst entschieden.

Lieber Nym,

ungern lass ich dich allein zurück denn obgleich ich deine jüngere Schwester sein mag scheint mir das ich von uns Beiden trotz meiner unbescholtenen Jugend mehr Verstand und Rückrat besitze als du es tust und beinah seh ich mich gezwungen dich vor deinen eigenen Dummheiten zu bewahren. Ich habe mir redliche Mühe gegeben deinem Bestreben mit Isen gut Freund zu werden nach zu kommen doch scheint mir hierfür das Geschick zu fehlen - mag es nun an ihrem oder meinem Geist liegen, es soll mir alles gleich sein.

Bitte sieh zu das du dich um deine Angelegenheiten und vor allem um deine Verpflichtungen kümmerst, denn ich wünsche mir soviel mehr für dich als ein Haus in dem der Wahnsinn frei ein und ausgeht. So ungern ich es dir vorwerfen will, doch du bereitest unserer Familie mit deinem Verhalten Schande Nym und ich schäme mich deine Schwester zu sein. Jawohl Nym, ich schäme mich denn gleich wohin ich gehe trägt man mir zu was für ein Taugenichts du bist.

Ich weiß das es mir nicht zusteht dich zurecht zu weisen und gern hät ich getan was du von mir wolltest, aber mein Widerstreben gegen diese Umgebung ist zu groß und Vater würde dich umbringen wüsste er was ich weiß. Abgesehn davon, sagtest du nicht im Zorn als ich dich bat nach Rahal gehn zu dürfen, ich wäre alt genug und könne tun was ich wolle? Ich weiß das du es nicht so meintest und nehme dich dennoch beim Wort.

Ich wünsche dir alles Glück der Welt Nym, du wirst es brauchen.
N.

Verfasst: Freitag 5. April 2013, 08:57
von Daz Getwergelyn
In dieser Nacht war es, als habe eine gewisse Traurigkeit selbst von den unbelebten Objekten rund um das Haus Besitz ergriffen. Das angebrannte Skelett des Degenkünstlers saß zwar wie immer grinsend an seinem Platz, doch schien es nur noch ein Grinsen aus falscher, kalter Höflichkeit zu sein. Auch der hundehüttenartige Zwergenverschlag, der der Sippe Getwergelyn als Außenhandelsposten diente, versprühte nicht mehr den gleichen rustikalen Charme wie sonst. Selbst der kleine Nagel, der frech wie immer sein verbogenes Köpflein aus dem windschiefen Verschluss steckte, dem er als Türgriff diente, glänzte nicht so heiter wie sonst im hellen Mondlicht, sondern war oberflächenmäßig von einer gewissen, mattiert-depressiven Grundstimmung geprägt. Und die grob geschnitzen Holzbären auf dem behelfsmäßig gedeckten Dach sagten auf ihre stumme, doch kraftvoll zumsammengeleimte Art: "Ich klage an."

Verfasst: Freitag 5. April 2013, 12:31
von Isen Rauhnacht
Der Nagel am Tor zum Verschlag der Zwerge hatte lange geschwiegen, aber nun war es soweit. Als Isen an jenem Morgen vom Treppenabsatz in den Gatsch vor der Tür sprang, nutzte er die Gelegenheit und brach sein Schweigen und auch wenn er es nicht getan hätte, so hätte doch die Stimmung, die um das Haus von Nym herrschte, für sich gesprochen.

Ja, es war ganz und gar ihre Schuld und ihre Schuld allein gewesen, dass das Mamsell Schwester ihren Krempel gepackt und das Haus verlassen hatte, gab es doch keinen Zweifel über das liebevolle und freundliche Wesen hinter den weichen, von blonden Haarlängen umrandeten Gesichtszügen. Nein, niemand hätte je einen Anlass gehabt zu denken, dass ihr Auftreten und Gebahren nur das Resultat langwierigen Einstudierens gewesen sein könnte. Isen plagte ihr schlechtes Gewissen und das zurecht.

Jetzt, da selbst der Degenkünstler, den sie doch immer für ihren Freund gehalten hatte, sein Gesicht beim Anblick von Isen beschämt abwandte, musste sie sich eingestehen, dass sie unfähig gewesen war den guten Charakter von Nyms Schwester zu würdigen. Es wäre ihre Aufgabe gewesen dem Fräulein einen angenehmen und möglichst ruhigen Aufenthalt im Haus von Nym zu ermöglichen und stattdessen war sie durch ihre bloße Anwesenheit zu einer Plage geworden.

Es war nicht zu ändern, sie war fort und in einem kurzen Anfall von Vernunft kam ihr der Gedanke, dass Naryella abseits von ihrem schlechtem Einfluss, gewiss ein besseres Leben führen konnte, irgendwo …


Verfasst: Mittwoch 10. April 2013, 16:23
von Nym
[img]http://www.imagesload.net/img/Naryella_02.jpg[/img]

Immer und immer wieder hatte er die drei Worte gelesen und den gefalteten Zettel als Glücksbringer bei sich getragen; fast so, als würde er daran glauben stets mit 'Ja' antworten zu können, solange er nur nicht davon abließ. Zu einer richtigen Antwort hatte er sich bisher nicht durchringen können. Wenngleich diese Frage eine ungemeine Traurigkeit in ihm erwachen ließ, so war es doch ein Zeichen von Fürsorge und im Vergleich zu den Morddrohungen die regelmäßig in sein Haus flatterten geradezu Balsam für die Seele. Da waren einerseits die Piraten, die immer wieder einen anderen Grund fanden mit gezogener Waffe vor seinem Heim aufzutauchen obwohl er alles andere als wohlhabend war; andererseits ein wohlbekannter Diener des Rabendämonen der in einem Moment noch mit seinen Freunden lachend rätselte, wessen Mutter wohl die meisten Männer empfing, im nächsten aber mit unendlicher Grausamkeit nur die Wahl zwischen Gehorsamkeit oder Tod ließ.

Dann war da natürlich noch das alatarische Reich, insbesondere Althan, der neuerdings wieder Interesse an ihm zeigte, auch wenn sich dieses nur auf unbegründete Drohbriefe beschränkte. Dennoch, wie hätte Nym seiner Schwester in irgendeiner Weise böse sein können für die Entscheidung nach Rahal zu ziehen? Er selbst hatte diesen Fehler vor nur wenigen Mondläufen gemacht und es war doch nur natürlich die Nähe der Stärkeren zu suchen, wenn man selbst schwach und hilflos war. Es sollte eine gute Weile dauern und einige Ratschläge einer Klosterwächterin erfordern bis Nym hinter die Fassade das Alatar-Glaubens blicken konnte und ihn als das sah, was er war: Der Kult eines unzufriedenen Kindes, welches aus Eifersucht zu seinem Bruder so lange plärrte, bis es das bekam, was es wollte. Diese Erkenntnis, auch wenn er natürlich nie gewagt hätte sie gegenüber einem Alatargläubigen auszusprechen, spendete ihm Trost und gab ihm Auftrieb, wann immer er sich schwach fühlte.

Dennoch war er das ewige Weglaufen Leid. Genug Drohungen. Genug Furcht. Genug Unsicherheit. Es war genug. Und so beschloss er der Aufforderung des neuesten Briefes Folge zu leisten, die da lautete:

Heute Nacht vor dem Dorf - Alles oder Nichts.

Verfasst: Donnerstag 11. April 2013, 16:34
von Nym
Stille. Nachdem die ganze Erde gebebt hatte, Risse entstanden und schreckliche Wesen aus Feuer und Magma daraus hervorgebrochen waren, schien jetzt alles um ihn herum den Atem anzuhalten. Geduldig wartete er auf den anonymen Verfasser des Briefes, fröstelnd, nervös und dennoch auf eine sonderbare Art und Weise entschlossen.

Ein Pirat? Ein Rabendiener? Eine andere Schreckgestalt? Die Frage, wer an diesem Abend nach seinem Leben trachtete, sollte bald in Form eines bunt gekleideten Mannes beantwortet werden der ihm nur zu gut bekannt war. Es war kein Hass, sondern Romantik welche die beiden in diese Nacht, zu dieser Stunde, an diesen Ort geführt hatte. Diese Erkenntnis ließ den Zorn in ihm hell auflodern und dieses eine Mal konnte er den wohlbekannten Schmeicheleien des Direktors mit nichts anderem als der Wahrheit begegnen.

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Die Worte schienen Wirkung zu zeigen und für den Hauch eines Moments war er sicher, der Direktor würde die Entscheidung akzeptieren und friedlich seines Weges gehen. Weit gefehlt. Nichts war gefährlicher als ein gebrochenes Herz und so spitzte sich die Situation in rasender Geschwindigkeit zu, so dass Nym sich innerhalb kürzester Zeit in einer brenzligen Situation wiederfand.

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Der Ernst der Lage lag nun ernst und klar vor ihm wie ein eingespannter Bolzen auf einer Armbrust. Ein letztes Mal fragte der ehemalige Direktor des Kunsthauses weinerlich, zitternd und voller Emotion:
Liebst du mich?

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Der Schmerz war überwältigend und hätte der Getroffene lange genug gelebt, so hätte er vermutlich das ganze Fischerdorf, oder was davon noch übrig war, aus den Betten geschrien. Alles um ihn herum wurde dunkel und er sollte niemals die Ironie erkennen, dass der Bolzen der nun in seinem Herzen steckte, von seinen eigenen zwei Händen geschnitzt worden war.

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Ende.

Verfasst: Donnerstag 11. April 2013, 16:52
von Isen Rauhnacht

"Du hast mich vor dem Ertrinken gerettet." Mit diesen Worten schloss sich das Kapitel um die Briefe und damit um das Rätsel und wenn es nicht seine letzten Worte an sie gewesen wären, dann hätte sie es geglaubt.

Es war also Nym gewesen und Nym war tot. Sie hatte seinen Kuss nicht erwidert und er war tot. Sie hatte ihn nicht geliebt - sie hatte ihn nicht gerettet und unzweifelhaft bedingten diese Umstände einander. Die Erinnerung an ihre letzte Begegnung in der Hütte im Wald raubte ihr beinahe die Besinnung.

Es war unerträglich zu wissen, dass er allein gestorben war, dass sie nicht bei ihm gewesen, ihn nicht beschützt und nicht getröstet hatte. Sie war nicht mutig, aber für ihn wäre sie es gewesen. Sie wäre mutig gewesen und sie hätte ihn gerettet - egal wovor, egal wofür.

Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass nur sie es hätte tun können, was sie aber stattdessen getan hatte, war im Oger zu sitzen und Groll gegen ihn und seine Freunde zu hegen. Was sie stattdessen getan hatte, war an ihm zu zweifeln, darüber zu reden, dass sie ihn verlassen würde.

Etwas starb und etwas anderes erwachte. Sie hatte im Schankraum des Ogers geschlafen und als sie die Kneipe am nächsten Tag verließ, tat sie das nicht ohne das Multifunktionsrapier von Getwergelyn: Zum Braten, oder zum Töten.

Verfasst: Donnerstag 11. April 2013, 20:34
von Graulist Eisenjam
Auch der Degen hatte diese Nacht nicht ohne Schaden überstanden.
Ein eingerissener Fingernagel bereitete ihm großen Kummer.

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Verfasst: Freitag 12. April 2013, 17:45
von Naryella
Und sie schrieb weil sie nicht anders konnte...

Liebster Bruder,

ich weiß mir nicht anders zu helfen als dir zu schreiben obgleich ich mir schon bewusst
bin das du es nie lesen wirst. Meine Gründe um dich zu trauern fallen wohl unter die
Kategorie Egoismus. Es grämt mich das du mir genommen wurdest und hast du mir
auch nie gehört. Der Gedanke keinen Einfluss auf die Dinge nehmen zu können, keine
Sicherheiten zu haben, die so sehr zum schönen Schein des Lebens gehören, oder ge-
hörten, schürt in mir eine rechte Wut mit der ich nicht umzugehen weiß. Sie lässt mich
dich einen Narren und einen Taugenichts schimpfen und bringt mir nichts als Leid. Dein
Tod, mein lieber Bruder, hat mich zum Nachdenken angeregt. Du hast mich nie gefragt
und ich fürchte, du hättest es mir auch nicht geglaubt wenn ich dir versucht hätte zu
sagen das mein Geist nicht nur aus schönem Tant besteht und mein Bestreben, meine
Sehnsüchte oft in ganz andre Richtung schaun.

Ich werde nicht ewig traurig sein, weil du gelebt hast, weil du gestorben bist. Wohl
sterben wir alle so lange bis wir tot sind und während wir darauf warten, beschäftigen
wir uns mit einer Menge Kleinigkeiten. Wir halten uns an Liebe fest, obschon sie auch
nur eine Art Vorurteil ist, wenn du mich fragst. Wir suchen immerzu nach Wahrheiten, ohne
zu begreifen das es mehr als eine davon gibt und sich zwei nicht widersprechen.
Damit gehört mir alles was ich habe und nichts davon. Wenn ich irgendwann gehe,
halte ich es so wie du und lasse alles zurück. Leider hast du zuletzt wohl auch deinen
schlechten Ruf hiergelassen und den Tadel der an dir klebte wie Pech. Aber wie Alles ist
auch das nur die Wahrheit der einen und es wird Menschen geben die eine andere
Geschichte von dir erzählen würden.

Ich frage mich: Wie kann man etwas so Vergängliches wie das Leben mit soviel
Leidenschaft beschützen wollen, wo die Vernunft doch weiß das am Ende jeden Weges der
Streit ja doch verloren ist. Vermutlich ist es nur der klägliche Versuch uns einzureden, das
wir Einfluss hätten. Und wir wissen nicht ob wir nichts zu verlieren haben, bis alles verloren
ist. Was macht es da noch für einen Sinn sich zu fürchten? Und doch fürchte ich mich
und habe es immer getan. Vielleicht habe ich ein feiges Herz, aber es ist auch ein junges
Herz und wäre es ein Buch, so blieben ihm noch viele freie Seiten die zum Teil ich
selbst und zum Teil andere Hände füllen werden. Niemand weiß wer er morgen sein wird,
oder ob er sein wird, deshalb lohnt sich all das Grübeln nicht und ich hoffe du hast
während du noch warst, nicht zuviel Zeit damit verschwendet. Ich werde versuchen es
nicht zu tun, denn Jemand sagte mal: Der wahre Mensch leidet immer, er ist immer traurig
und seine Freuden währen nur wie Blitze in der Nacht. Leid, Irrtum und Widerstandskraft
würden das Leben lebendig halten. Möge dein Leben voll davon gewesen sein.

Da Vater dir nicht erlaubt hat zu sterben, hoffe ich das er über diesen letzten deiner
Fehltritte irgendwann hinwegkommt. Er hat ein stummes Herz und für Gefühl ist seine
Zunge taub wie du weißt, hoffe also nicht das er dir öffentlich viel nachweinen wird.
Nunja, ich schätze damit rechnest du sowieso nicht. Wisse das ich es habe, auch wegen
der Dinge die du nie getan und nie gesagt hast...

Ein letzter Gruß,
Naryella


...und sie verbrannte den Brief einschließlich ihrer Traurigkeit, nachdem die Worte aufs Papier gefunden hatten.