Seite 1 von 1

Eisblau

Verfasst: Montag 4. März 2013, 23:21
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/Naniel57.jpg[/img]

Sie stand da, wie vom Donner gerührt. Wieso hast du das getan? Wollte sie fragen, aber die Worte fanden keinen Weg von ihrem Geist zu ihren Lippen. Sie starrte auf ...dieses Gesicht... diese Lippen... diese Augen... Für den Moment war ihr Kopf so leer als hätte man ihr eine Kugel durch die Schädeldecke gejagd und ihr das Gehirn rausgeschossen. Was zurück blieb war wirrer, sich windender, heißer Qualm in den sich dieses Bild brannte wie Feuer in Holz. Und für einen Moment hatte ihr Herz ausgesetzt zu schlagen als bräuchte es eine Bedenkpause, dann spürte sie den heißen Atem des Wolfes im Nacken, sie spürte seinen eiskalten Blick auf ihrem Rücken. Er bohrte sich durch ihr Fleisch in ihre Seele.

Ich sehe keinen Weg...


Dann kehrten die Geräusche zurück und der Wind an dessen Händen der salzige Geschmack der blauen See klebte. Die Zeit war stehn geblieben und hatte sich selbst wieder eingeholt. 'Du gehörst hier nicht her... Du... wirst ein großartiger Ritter werden.' Hörte sie sich sagen und zwang sich zu einem Lächeln das auf ihrer Zunge schmeckte wie bittere Medizin. Aber hinter ihr saß der Teufel in seinem Wolfspelz und lachte höhnisch: Zu spät...

Ich bin verdammt wenn ich es tue und wenn nicht...

Ein großes Ganzes in dem ein Etwas fehlt oder das Etwas um das herum die ganze Welt fehlt. Sie konnte ihm jetzt die Hand geben, konnte den Kuss zurückfordern und in den warmen Wellen seiner weichen, angenehmen Seele versinken - oder sie tat es nicht und fröhnte dem Sturm der Insel.

Meine Tragödie ist nur... das ich dich verbrenne wenn ich mitkomme... während ich erfriere...

Schummriges Laternenlicht fiel auf sie herunter und zwang ihre Schatten auf das dunkle, dreckige Pflaster vor der Taverne wo sie miteinander verschmolzen. In der Luft lag der süßliche Geruch von Rum und Tabakrauch, gewürzt mit einer Prise Salz. Ausser den sich Gegenüberstehenden war die Straße leer und wie verlassen. Adoran hatte sie seid vier Tagen nicht mehr in seinen Gassen gesehn. Von heut auf Morgen begann ihr Bild dort zu verblassen wärend noch der Schnee fiel der das Festland nicht frei geben wollte.

Hier war es angenehm warm und die tropischen Bäume streckten sich weit nach dem Himmel aus. Im grünen Dickicht, das jetzt dunkel und gedrängt in tiefer Nacht dalag sah man bei Tag bunt gefiederte Vögel die sich anders kleideten als die Spatzen oder Finken Gerimors. An den hellen Sandstrand schmiegte sich das blaue, klare Wasser, dessen Wellen sich in ihrer Nähe an den Wänden des Hafenbeckens brachen. Vermutlich hatte man Naniel noch niemals so gesehn. Er hatte sie nicht nur aus dem Konzept gebracht, er hatte es völlig zerstört.

Die winternahen, eisblauen Augen starrten ihn an, hingerissen und entsetzt. Ein Mund der nicht wusste was er sagen sollte und Hände die nicht wussten was tun. Egal was es gewesen wäre sie hätte seine Träume zerbrechen können wie dünnes Spiegelglas und weil sie genau das nicht wollte war sie zur Handlungsunfähigkeit verdammt während ihr Herz ihr bis zum Hals schlug.

Ein Fisch kann einen Vogel lieben... aber wo würden sie leben? Das macht keinen Sinn... nein das 'hat' keinen Sinn...


Es hatte keinen Sinn sie zu bitten mit ihr zu kommen aber er hatte ihr ansehn können das sie sich ihm nicht gern verweigerte. Warum tust du mir das an? LaCabeza war Freiheit. Hier würde ihr nichts von dem was sie wirklich fürchtete, auflauern. Er wusste das sie eine Vorliebe für das weite Wasser hatte, hatte sie oft an dem kleinen Strandabschnitt der Adoran säumte gefunden während ihr Blick von diesem endlosen Blau angezogen wurde, das sich seidenweicher Sanftheit als auch nicht ungleich schäumend und vernichtend in seiner unbeschreiblichen Gewalt zeigen konnte.

Wie das Meer müsste ein Mann sein... muss das Leben sein...

Drei Tage hatte der Pirat sie eingesperrt in diese stinkende, kleine Zelle ohne das sie wusste was ihn dazu veranlasst hatte. Wie eine Maus in die Falle gelockt und von gleich vier der helfenden Hände gepackt, hatten vergangene Geister zum Spiel aufgefordert. Um sie gedrängt hatten ihre Schatten auf sie eingeflüstert und als er sie frei sein lies, wollte sie es bleiben. Naniel drängte ihn nicht sein Leben auf zu geben und er sie nicht LaCabeza zu verlassen während man in ihrer beider Augen wie in einem offenen Buch lesen konnte das sich, was der eine für den anderen wollte, nicht voneinander unterschied. Deshalb ging er und genau deshalb lies sie ihn gehn.

Auf der Suche nach dem Atem des Lebens, nach einer Berührung, einem anderen Geschmack vom göttlichen Rausch hatte sie nach LaCabeza gefunden - zwischen die Stühlen.

Verfasst: Dienstag 5. März 2013, 21:15
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/%C3%9Cberschrift_04.jpg[/img]


'Leg noch einmal Hand an mich und ich schwöre... du wirst das Ende nicht kommen sehn!'

Ein Versprechen mehr das ich nicht halten kann...

Sie hörte nicht was er sagte dafür war das Rauschen in ihren Ohren zu laut das nur von ihrem Herzschlag übertönt wurde. Es war Komponist und Orchester der Symphonie ihrer eigenen Todesangst die wie ein süßer Rausch durch ihre Venen hetzte. Sie musste ihn nicht verstehen, in seinem Blick lag eine Warnung die schneidender war als die Klingen des Krallenbewerten Handschuhs den er ihr wie einen Schraubstock um den Hals gelegt hatte. Als das Gespür des Bodens unter ihren Füßen zu verblassen begann wie eine entfernte Erinnerung war ihr Geist längst in dichten, klammen Nebel geüllt der die Realität in ein weiches, wattiges Schneegestöber verwandelte.

Und wieder war sie zur Handlungsunfähigkeit verdammt. Je mehr sie sich wehrte umso verhängnisvoller zog sich die Schlinge um ihren Hals dabei schrien ihre Lungen schmerzlich nach der milden, klaren Nachtluft. Naniel spürte seinen Schatten auf sich ruhen wie die übermächtige Präsenz einer gewaltigen, zerstörerischen Macht die ihr demonstrieren wollte das sie sich hier mit etwas angelegt hatte das ihre Möglichkeiten bei weitem überstieg. Wie hatte sie sich nur in so eine Scheisse reiten können?

Hätte Naniel sich nach einem sicheren Hafen gesehnt, wäre sie nicht auf LaCabeza geblieben. Ihr Problem war das sie die Gewässer nicht kannte und blindlinks auf ein Riff zugesteuert war das ihr vor Augen führte wie stürmisch das Meer tatsächlich sein konnte und wie schnell es einen verschlang.

Im allumfassenden Zwielicht des Hafengeländes fand sich unweit stehend eine weitere Gestalt. 'Lass sie sofort los!' Fordernd blitzte die scharfe Schneide eines Dolches im fahlen Mondlicht der unberührt vom Treiben sein kühles Antlitz auf die Insel warf. Aber Naniel war das Pfand das mit ihrem Leben die Drohung im Keim erstickte so das auch Leonie sich seinem Willen fügen musste während Naniel dabei war an seinem unbändigen Hass und seiner Kraft zu ersticken.

'...hast du das verstanden?' Viel deutlicher und greifbarer für ihr Bewusstsein brachten ihre Lippen nichts weiter zustande als ein atemloses 'ja'. Als er sie los lies traf sie für den Bruchteil eines Augenblickes auf einen Abgrund unter ihren Füßen, den ihr die vorübergehende Taubheit ihrer Beine vorgaugelte. Sie stolperte, fasste sich... wurde gefasst und rang nach Atem wie ein Verdurstender seine Hände nach Wasser ausgestreckt hätte. Ihr Körper gierte so sehr nach der ersehnten frischen Luft das sie Angst hatte doch noch zu ersticken. Folgend lichtete sich der Vorhang aus gedrängtem Nebel und ihre Sinne kehrten mit Klarheit zurück während ihr Herz so hart schlug als wolle es ihren Brustkorb sprengen.

Ungleich sanfter als zuvor fühlte sie das kalte Metall der gefühlskargen Klaue an ihrem Hals. Dort wo sein Finger über ihre Haut strich wurde es bald warm. Naniel bemerkte den Schnitt nur wie man ein Echo aus weiter Entfernung wahr nimmt. Er bekam was er wollte.

Eine Strähne meines Haares... ein paar Tropfen meines Blutes... was will er damit?
Was es auch ist... es kann nichts Gutes sein.


Sehr viel später, er hatte sie gehn lassen, die Mitternacht war vorüber, da lag ihr heißer Körper im kalten Sand abseits der Straßen, der Gassen und Häuser und aus tränenverklärten Augen starrte sie zum Himmelszelt. Ohne einen Gedanken war sie und ohne eine wirklich greifbare Emotion, eine die sie vielleicht hätte benennen können. Ihr war kalt wie der Himmel und heiß wie Hölle.

Wieso bin ich so zufrieden...
Weil du mich brauchst...
sagte der Wolf... Weil du mich brauchst...

[img]http://www.imagesload.net/img/Zusatz_01.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 7. März 2013, 12:11
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/Nym_01.jpg[/img]
Ein zittern in der Dunkelheit und in der Kälte des stummen Kellergewölbes das nur vom Geräusch ihres bebenden, unruhigen Atems erfüllt war, als lausche der Raum ihrer Angst und ihrer Verzweiflung wie einer lieblichen Melodie über die man die Welt vergisst. Sie spürte die kalten Eisenstreben in ihrem Rücken und an ihren Handgelenken und sie spürte die Seile die sie nicht davon loskommen liesen. In ihrem Kopf ein dumpfes, schmerzhaftes Pochen das sich ihrem Herzschlag anglich.


Und ich war ein Idiot und ich war blind...
Ich kann die Vergangenheit nicht hinter mir lassen...



In den gezähmten Augen lag der Ausdruck von Resignation - ein tiefes, stilles, weites Meer an dem kein Windhauch rührte. Sie spürte nach ihrem Herzschlag und sie spürte nach der Dunkelheit und fand beides einander bis hinein in ihre tiefsten Abgründe sich ansehend. Das Schaf war zum Wolf geworden und hatte ihr die Maske vom Gesicht gerissen die zerbrochen zwischen den Trümmern ihrer gestrandeten Hoffnung lag. Sie hatte alles aufgegeben, zurückgelassen wie ein totes Pferd von dem man absteigen muss wenn man von der Stelle kommen will. Und hätte sie es nur rechtzeitig gewusst, wäre sie stehn geblieben um auf ihn zu warten und sich von ihm ein Stück tragen zu lassen. Aber über der Straße war donnernd wie ein Gewitter eine Lawine aus Hindernis und Zweifel hereingebrochen und hatte sie unter sich begraben, die Träume mit bittersüßer Sehnsucht verschüttet.

[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster_02.jpg[/img]

Aber all das hatte an Wichtigkeit und Gewicht eingebüßt und verloren. Ein anderer hatte sie, und seine Fesseln waren so sicher wie die Gitter ihrer Zelle stark waren. Gerade in dem Moment als sie alles noch einmal umdrehn, alles noch einmal ändern wollte, die Karten neu mischen, ein paar Schritte zurück gehen. Sie hatte die falsche Richtung eingeschlagen, das falsche Haus passiert und die falsche Antwort auf eine Frage gegeben. 'Auf ein Glas Wein?' Sie hatte sich hinreissen lassen. Ihre Schritte traten nicht in sein Haus ein in der Absicht auf seinen Gefühlen einen bitteren Tanz zu tanzen, es war ihre eigene Verzweiflung und eine Suche nach Zerstreuung aber letzten Endes hatte sie den Dämon doch für sich sprechen lassen.

Ihn verletzt wo sie konnte weil sie selbst verletzt war, ihn gehasst weil sie hassen musste, ihm seine Erbärmlichkeit vor Augen geführt... weil sie selbst erbärmlich war.

Und ich war ein Idiot... und ich war blind... verzeih mir...

Ihre Gedanken waren frei und ungebunden. Verlies und Gewölbe und die Fesseln konnten sie nicht halten und so verliesen sie den Ort der stummen Wände in seiner ganzen Kälte und sie strichen noch einmal über... dieses Gesicht... sahen noch einmal in... diese Augen... und küssten noch einmal... diese Lippen...

Lass los...
flüsterte der Wolf... lass los, denn du brauchst ihn nicht, du hast mich...

[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster.jpg[/img]

Verfasst: Freitag 8. März 2013, 11:19
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/%C3%9Cberschrift_05.jpg[/img]

Als wäre es das himmlische Bollwerk der letzten Gnade lehnte sie wie eine Geliebte an der kühleversprechenden Mauer und während ihre Fingerbeeren forschend über die raue Oberfläche tasteten, etwas anderes als Leere zu empfinden, spürte sie wie sich ein dunkles Fieber in ihr aus zu breiten begann. Eine zehrende, lauernde Dunkelheit die sie zärtlich umfing, sich von ihrem Herzen in ihre Beine ausweitete und sich betäubend über ihre Seele legte um jedes Empfinden im Keim erstickt zu halten. Erinnerungen verblassten, wurden unscharf und bekamen einen Geschmack von Fremde.

Und wenn du gegangen bist, werde ich nicht lange sein.

Sie konnte sehn wie die Farben seines Bildes verblassten und mit ihm aller Rest an Widerstand und Stärke in den Abgrund und ins Vergessen stürzte. Sie sah sie fallen, sah wie das Bild rau wurde und spröde und wie es begann von der Leinwand zu bröckeln. Es würde nicht gleich passieren aber es hatte schon begonnen. Der Wolf war so nah. Aus der Dunkelheit und aus den Schatten starrte er ihr direkt in die Seele und sie ahnte das er das Fieber sehn konnte, das er sehn konnte wie sie begann ihm zu glauben. Sein hämisches, selbstzufriedenes Lächeln schnitt sanft wie Papier, aber brannte ungleich schmerzlicher auf ihrer Haut.

Süßes Gift...
Kalt wie der Himmel und heiß wie die Hölle...


Du verdienst diesen Schmerz. Du verdienst... mich. Du bist ein schwarzes Schaf. Du brauchst den schwarzen Wolf. Er würde niemals glücklich werden mit dir. Du bringst ihm das Verderben... Du bringst die Finsternis in sein Leben. Du bist schlecht, Naniel... Lauernd umschmeichelte sie das Whispern der Worte wie ein Hauch. Dämmernd und nachhallend flackerten sie in ihrem Geist auf als wären sie eine Kerze die sich vom Wind beugen lässt und sie spürte noch einmal seine Lippen auf ihrer Stirn als wolle er die Wunde lindern die er geschlagen hatte. Es ist ein Gnadenakt meinerseits, dass ich mich dir annehme. Aber du musst dir keine Sorgen machen, ...du wirst das bekommen, was du verdienst.

Mit sanfter aber unbändiger Gewalt trat er die Tür zu ihren Ängsten auf und sie spürte noch das vibrieren des Holzes, schmeckte das metallische Brechen der Scharniere, hörte das Donnergrollen des Aufschlags weil sie zu Boden stürzte. Und die Dunkelheit drang herein wie ein Sturm und löschte die Kerzen und löschte die Hoffnung und löschte den Schmerz wie kaltes Wasser das sich zischend und dampfend über die brennende Glut eines Kohlebeckens ergießt. Du kannst loslassen... Und sie senkte die Arme die sich so qualvoll nach dem Bild ausgestreckt hatten das so grausam entfernt von ihr unerreichbar war. Das Licht der Sehnsucht verlosch zu einem Dämmern und lag flackernd im sterben.

Halt mich Dunkelheit wenn ich schon das Licht nicht haben kann...

[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster_03.jpg[/img]

Verfasst: Mittwoch 13. März 2013, 15:47
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/Nym_02.jpg[/img]

Über die letzten Tage woben ihre Finger an einem seidenen Netz um die hoffnungslose Schwärze eines Abgrundes zu überwinden und sie wob es mit Lügen und sie wob es mit Schauspiel. Während sie knüpfte begannen ihre Hände zu bluten und ihr Geist krümmte sich unter dem gewaltigen Schatten den das Gespinst auf sie herab zu werfen begann. Jeder Schritt auf den dünnen Seilen ein Spiel mit dem Leben ein Spiel mit dem Tod, ein Spiel mit dem Verstand. Und der Raum kleidete sich in endlose Leere und in Finsternis, verbarg geizig jeden Ausweg der sich vielleicht anders gezeigt hätte als ein lichtloses Nichts.

Ein züngelnder Funke im fahlen Zwielicht über einer Schlucht unter dem ihre Lügen sich aus ihrer Haut zu schälen begannen und Wahrheit sein wollten. Blendene Masken wohin sie sah und sie wurde blind und sie wurde taub und ihre Hände wollten dem Netz entfliehen das Gefallen an ihr gefunden hatte und sie nicht mehr frei gab. Ein drohendes Donnergrollen in der Schwärze und im Nichts das ihre Seele erschütterte und nach dem Teufel in ihr schrie um ihn am Leben zu halten, genährt mit Lügen, gepflegt mit Hass, umschmeichelt von einer starken, sanften Hand die sich wie ein surreales Vibrieren nach ihrem Rücken ausstreckte und ihr Herz berührte um es mit Eis und Kälte zum verstummen zu bringen und zu zerbersten.

[img]http://www.imagesload.net/img/Nym_03.jpg[/img]

Wie ein Eindruck von Vergangenheit, als wische man mit einem schmierigen Tuch über eine Fensterscheibe um die Gegenwart verblassen zu lassen, so war es wenn er kam und wenn sie mit ihr sprach. Aber der Regen fiel und wusch sie sauber wenn das Wort verklungen war und seine Silouette verblasste und wurde zu einem Traumgespinst das ihr noch dämmerte wenn sie in der Lüge ihre Wahrheit zurück fand. Und sie wusste noch das da etwas war das aussah wie sie und sich bewegte wie sie und das etwas Reines daran war wenn ihre Wellen auf seine trafen um ineinander zu versinken. Aber es schien so weit fortgetragen dieses Bild das sie es nicht mehr greifen konnte wenn er nicht unmittelbar vor ihr stand. Und wenn ihre Füße sie von ihm fortrugen begann sie im Kampf zu vergessen wofür sie focht. Sie spürte das Vergessen und sie spürte wie sich die Münze drehte, wie das Bild der Welt sich veränderte, das Starren in ihre Seele das sie dem Licht entfremdete wahrhaftig wurde. Sie begann sich dem Klima der brennenden Wüste an zu passen die ihr Selbst zu einer flirrenden Silouette verschwimmen lies.

[img]http://www.imagesload.net/img/Nym_04.jpg[/img]

Sie hatte versucht es zu verdrängen, zu vernichten, es mit Küssen zu töten und sie hasste sich und sie hasste die Welt die verblasste wenn sie in der einen war und sich zurückstahl wenn sie die andere verließ. Irgendwo dazwischen schien sie verloren zu gehn, verblich wie die Farben von altem Leinen, gefangen wie ein Schatten zwischen Licht und Dunkelheit drohten sie die Gewalten mit denen sie in Streit geraten war zu zerreissen. Ich brauche dein Glück... Und es dämmerte ihr das sie ihn loslassen würde, das sie ihn los lassen musste um ihn nicht mit in die Tiefe zu reissen, denn sie wurde zur Lüge und sie wurde zu den Worten des Anderen der sie betrog und sie wie weiches, heißes Eisen mit Gewalt verdrehte. Du bringst ihm das Verderben... Du bringst die Finsternis in sein Leben. Du bist schlecht, Naniel...

[img]http://www.imagesload.net/img/Nym_05.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 17. März 2013, 17:27
von Naniel Finion
Ein kräftiges Rauschen von Wasser flüsterte in die Stille und in die Dunkelheit wärend der Schatten des Berges über ihr zu wachen schien und über der höchsten Spitze thronte der Mond in einem fast formvollenden Rund. Aber sein kaltes Licht konnte sie nicht berühren denn er konnte nicht über den Felsen sehn der sich ihm in den Weg stellte wie um sie vor seinem kühlen Glanz zu bewahren. Und sie war wie das Wasser das sich erst tosend die steile Felswand herabwarf um vom Aufprall gedämpft in einer Gischt aus sprudelndem, schäumendem Nass schnell seeeinwärts zu fließen und bald darauf zur Ruhe zu kommen. Unlängst war ihr die winterliche Nachtluft unter die dünne Kleidung gekrochen und sie war klamm vom Schnee der ihrem erhitzten Körper nicht hatte trotzden können und geschmolzen war um vom sich dunkler färbenden Stoff bereitwillig aufgesogen zu werden.

[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster_04.jpg[/img]

In den Städten, gleich in welcher, bekam man sie kaum noch zu Gesicht und vor allem das Fischerdorf Bajard mied sie als ginge die Pest darin um. Wie Licht das durch eine ausgewechselte Fensterscheibe fällt die sich matt und trüb gezeigt hatte und jetzt in getöntem Glas erneuert schien kleidete sich etwas in ihr in einem von neuer Kraft beseeltem Licht in das ein milder Glanz von Farbe zurück gekehrt war. Ein einziger klarer Gedanke seid Tagen, nein Wochen, hatte explosionsartig den Schatten bis in den hintersten Winkel verdrängt der sich zu ihren Füßen und bis in ihr Herz und ihren Verstand ausgebreitet hatte wie eine Krankheit. Und all dem Fieber waren nur wenige Worte eine Medizin gewesen 'Der einfachere Weg... ist meistens der Falsche...'

Und bis ich begriff das meine Wahl auf den einfacheren Weg gefallen war... glaubte ich er wäre mein Schwerster... Und auch wenn aller Anschein meine Erkenntnis Lüge strafen will weil ich blind dafür war... war es doch nur Selbstvergessen in dem ich ihn beinahe fallen lies um auf zu geben...


Man sah ihr an wie erleichtert sie war. Viel öfter fiel wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht auch wenn die Nächte von schweren Träumen geplagt waren die sie aufschrecken liesen. Meistens ganz klamm dann das Gewand und ihre Haut glänzend vom Schweiß der Angst. Wenn man genau hinsah erkannte man die Furcht noch am Tage in den winterblauen Augen, wie verblasste Erinnerungen und jedes Lächeln schien seine eigene kleine Bürde zu tragen. Es war noch nicht ausgestanden aber Flamme und Wille waren zurück und sie waren stärker denn je.

Denn da ist nichts das mich stürzen kann, ausser ich selbst...
Und da ist nichts was du mir nehmen kannst, wenn ich es nicht zulasse...


Während der Zeit in der sie in den Abgrund gestarrt hatte, hatte dieser tief in sie hinein gesehn und sie hatte Dinge getan die Unrecht und die grausam gewesen waren, die nicht ihrer Natur entsprochen hatten. Sie hatte sich schlecht gefühlt und geglaubt das dieses Gefühl seine Ursache darin fand das sie tatsächlich schlecht war. Mitlerweile hatte sie begriffen das es sie nicht verletzte weil sie ein Monster war, sondern weil sie es nicht war. Und alles Heil der Welt würde ihr nichts nützen, das wusste sie nicht bloß weil Eliana es gesagt hatte sondern weil sie wieder bei klarem Verstand war, wenn sie sich selbst nicht verzeihn konnte.

Wofür es sich zu kämpfen lohnt ist niemals einfach und die Waffen zu strecken um es sich leichter zu machen ist keine Option.

Verfasst: Dienstag 19. März 2013, 11:20
von Naniel Finion
[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster_06.jpg[/img]

Ihre Lungen schrien nach Luft als wollten sie bersten unter der Kälte des Wassers die wie ein Pfeil von der kraftvollen Sehne eines gespannten Bogens durch ihren Leib schoß um sie zu zwingen ihr Todesurteil zu unterschreiben - sie sollte atmen. Vor ihren Augen war die Welt zu einer verschwommenen Illusion verblasst, gebrochen durch das Mondlicht das die aufgewühlte Oberfläche des Meeres durchschnitt. In ihrem Rücken Sand und Erde und nur eine Handlänge von ihr entfernt das Leben und alles in ihr brüllte und tobte und schrieh nach ihr während sie vergebens versucht war nach ihm zu treten, ihn zu schlagen, an seiner Kleidung zu reissen. Weit entfernt von ihr jeder klare Gedanke und gefrohren in der eisigen Umklammerung des Winters, im Schaum der See die sich an der Küste brach und am flachen Ufer wo er über ihr kniete wie Richter und Henker zugleich. Er war vorbereitet gewesen auf den letzten Kampf den sie glauben würde zu fechten noch ehe er sie in die Fluten gezerrt hatte. Nie hatte ihr Herz so schnell und so kraftvoll geschlagen, als wäre es eine Armee aus tausend Mann die erbittert gegen den Untergang einer Übermacht kämpfte und noch nicht glauben konnte das sie verloren war. Ihr Herzschlag war zu den trommelnden Fäusten des Todes geworden der an ihre Tür klopfte um sich ihren Verstand zu holen und ihre Seele ein zu fordern.

Und gerade als sie aufgab weil die Kälte ihr die Kraft aus dem Körper sog und ihre Glieder steif wurden während etwas in ihr zerbrach wie feines Spiegelglas und das Wasser ihre Tränen verschluckte riss er sie ins Leben zurück. Wir sind keine Fische Naniel... wir können unter Wasser nicht atmen...

Im nächsten Moment sah sie sich über ihm stehn als habe sie ihm die Position geraubt, die Rollen getauscht, das Stück ihrer eigenen Tragödie umgeschrieben. Wie das letzte Häufchen Leben, zu einer Fratze aus Angst und Furcht verkommen, kroch er vor ihr im Staub und im Dreck seiner eigenen Grausamkeit, seines eigenen wirren Geistes und dem Gift das er gesäht hatte und das Land war verdorben und zu einer wüsten Einöde verkommen die jedes Gefühl und jedes Leben das nicht vom Hass zerfressen war in seiner triefenden Bosheit ertränkte. Aus jeder Wunde die sie ihm vergolten hatte triefte das Blut und mischte sich mit dem Schmutz des Bodens zu ihren Füßen während ihre Lunge sich mit dem Geruch seiner Todesangst und seiner Schmach füllten. Und dann fuhr ihr der Schrecken ins Gebein und in ihren Traum, füllte ihn aus mit Schwärze bis er bar jeden Gespinstes war bis auf das ihrer Augen. Sie waren das Abbild der Rache und des Hasses, bis zur Gänze gefüllt mit Tod, Verderben und Bosheit. Da war nichts mehr von ihr übrig...
[img]http://www.imagesload.net/img/Zwischengefl%C3%BCster_01.jpg[/img]
Als der Anblick sie unsanft aus dem Schlaf in die Wirklichkeit jagde war sie so von Sinnen und mit Angst erfüllt das ihr schwindlig war. Sie sah nichts und was sie hörte drang wie von weiter Ferne an ihr Ohr, wie ein anbrechender Tag der über die Dämmerung nicht hinaus findet. Ihr Herz raste als läge es im Wettstreit mit der Zeit und dem Raum der sich um sie herum zu krümmen schien aber sie spürte auch dass das Jetzt zurückgekehrt war und das die Wirklichkeit sie wieder hatte. Nichtsdestotrotz brach der Damm der die Tränen barg die sie geschluckt und zurückgehalten hatte und an denen sie jetzt zu ertrinken drohte. Sie lies es zu, noch ehe ihr Atem sich beruhigte und der schreckensträchtige Nebel ihr Bewusstsein ganz frei gegeben hatte, war sie blind vom salzigen Nass welches das winterliche Blau in ihren Augen in einen tränenden Bergsee verwandelte.

Es gibt für alles seine Zeit... eine Zeit zu schlafen und eine Zeit zu wachen... eine Zeit zu weinen und eine Zeit der Tapferkeit...

Dann spürte sie die Arme die sich um sie legten und die Hände die nichts wollten als sie zu trösten und sie hörte die vertraute Stimme an ihrem Ohr die ihr Ruhe und das Gefühl von Sicherheit zurück gaben. Und jetzt war sie dankbar ihres eigenen Mutes wegen denn sie hatte nie eine Nacht im selben Raum verbracht wie ein Mann und sie hatte sich davor gefürchtet und beinahe die Einsamkeit der Hilfe vorgezogen. "Vertraust du mir?" Hatte er sie gefragt und sie hatte behauptet sie täte es aber in Wahrheit war es nur ein Versuch gewesen, denn ihr Vertrauen war restlos erschöpft. Wenn einer das Bisschen das sie mühsam vom Boden des Kruges kratzen musste, verdient hatte, war er es denn er war die rettende Hand gewesen und er hatte Wort gehalten und nichts weiter getan als über ihren Schlaf zu wachen. Auch jetzt tat er nichts als sie zu halten während sie krampfend wie ein hilfloses Kind, dessen Welt man im Staub zertreten hatte, mit den Tränen rang um ihren Mut wieder zu finden.

Ich werde nie wie du sein... hier endet mein Hass...

Und sie spürte wie er erlosch, sah dabei zu wie die Flamme kleiner wurde und sich vom Wind beugen lies der ihr seinen Atem verwehrte. Dann hörte sie die eigenen Worte wie ein Echo das aus einer zerronnen Vergangenheit wieder auferstand.

Du bist nicht sein Richter... du willst Ritter werden? Dann benimm dich wie einer!

Siehst du mich so? Mit einem blutenden Messer über ihm stehn?! Wäre ich dann noch besser als er es ist... ich bin keiner Mörder... ich bin kein Richter... ich bin kein Henker...


Sie verstand seine Wut denn sie hatte ihr selbst ins Angesicht gesehn und wenn es ein Recht gegeben hätte zu hassen wäre es doch einzig ihres gewesen. Den Balsam aus Frieden und Ruhe brauchte sie jetzt, keinen Hass und keinen Streit mehr und trotzdem verzieh sie ihm das es ihn zürnte. Sie war nicht des Leides wegen durch das Leid gegangen, die Münze zeigte ihr zweites Gesicht. Es war nicht bloßer Zufall und nicht schlichte Dummheit gewesen, sondern eine bittere Lektion. Sie stellten den Preis für das Begriffene das in einer dunklen Ecke ihres Geistes ein Licht entzündete. Mit jeder Phaser ihres Seins ahnte sie den Herzschlag der Wandlung eines Weges auf dem sie den ersten Schritt gegangen war.

[img]http://www.imagesload.net/img/Kellergefl%C3%BCster_05.jpg[/img]

So viele Fragen die sie gestellt hatte. An den Orden der Temora an die Menschen in den Städten die sie besucht, die sie beobachtet hatte... aber hatte sie überhaupt jemals wirklich zugehört? Oder war es einfach nicht ihre Zeit gewesen zu verstehn?