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Von Ruinen und einem Wolfsbau
Verfasst: Montag 25. Februar 2013, 04:17
von Soldan Falkenbach
In sich zusammen gesunken, mit einem Glas Wein und einer vor sich hin rauchenden Pfeife saß er im ersten Stock, den Räumlichkeiten des wohl einstigen Kommandanten. Zwei Tage fristete er nun hier schon sein Dasein und tat das was ihm aufgetragen wurde. Die Männer und Frauen trafen einer nach dem andren ein fast täglich kamen ein oder zwei neue Gesichter hinzu welche dafür vorgesehen waren jene Ruine zu besetzen und zu verteidigen, koste es was es wolle.
Soldan wusste wie gering die Chancen waren jene brüchigen Gemäuer im Falle eines Angriffs oder gar einer Belagerung erfolgreich zu halten. Er blickte aus dem Fenster hinaus als ein schwer gepanzerter Wachsoldat auf den schlecht ausgebauten Zinnen auf und ab schritt.
Viele Stunden hatte er bereits damit verbracht sich Gedanken zu machen was alles aus zu bessern wäre um im Fall eines Angriffs zumindest den Hauch einer Chance zu haben so die Gegner nicht mit schweren Belagerungsmaschinen anrücken würden. Wieder führte er die Pfeife wessen Bauch er mit Daumen und Zeigefinger umschlossen hatte an seine Lippen um einmal tief daran zu ziehen und einen Schwall Rauch gen der Decke zu blasen.
Die Männer waren ruhig und gelassen, sie wusste in welch schlechten Zustand diese Gemäuer waren und dennoch schienen sie nicht einen Gedanken daran zu verschwenden das jene Gemäuer im Falle eines Angriffs wohl den sicheren Tod bedeuteten. Soldan hingegen war sich dieser Sache äußerst bewusst. Diese lächerliche Palisade aus Holz.... das Kriegsgerät was diese Armleuchter für den Feind direkt vor der eigenen Festung aufgebaut hatten....die vielen Löcher in den Mauern....das morsche Holz auf der Wehranlage was bei zu viel Gewicht einfach nach gab.... all jene Dinge beunruhigten ihn und dennoch war er dem Befehl gefolgt und hatte hier Stellung bezogen und würde jenen Ort gegen den Fein verteidigen bis der letzte Besatzer der Feste gefallen wäre.
Hoffentlich hatte er den Ahad bezüglich seiner Bedenken überzeugen können, schnellst möglich jene Dinge auszubessern, welche für alle hier Stationierten den sicheren Tod bedeuten würde.
Morgen schon würde er das geschlagene Holz zu Leitern verarbeiten lassen, um damit auf die nicht mehr zugänglichen Anhöhen der alten Mauer zu gelangen, um sich zumindest jenen Vorteil im Falle eines frühzeitigen Angriffs zu verschaffen.
Wie lange das Tor aus Metall, das die Rahaler Handwerkszunft fertigen wollte noch brauchen würde, bis es hier vor Ort war um zumindest schon mal das Tor zu Sichern, würde sich in den nächsten Tagen wohl zeigen.
Das leere Glas fiel ihm aus der Hand und selbst das Klirren, konnte den müden Wolf nicht mehr aus den Träumen, zurück in die Wirklichkeit reißen.
Verfasst: Montag 25. Februar 2013, 16:32
von Alin
Das rechte Bein war angewinkelt und der rechte Arm hing locker über dem Knie. Das linke Bein lag ausgestreckt auf dem dreckigen Boden und diente als Bett für die linke Hand. Ihre Augen waren nur noch zur Hälfte geöffnet und wie jedes Mal, bevor der Schlaf sie holte, ließ sie Ereignisse der vergangenen Stunden erneut durch ihren Geist gleiten. Es war bereits ruhig geworden in der Anguren-Festung und niemand widmete sich mehr dem Neuaufbau, niemand diskutierte, kein nerviges Gerede erreichte ihr Ohr. Es war nur noch sie, die dort fast, in der staubigen Ecke, in den Schlaf gezogen wurde. Und doch wollten ihre Lider sich noch nicht komplett schließen, so viele Gedanken, so viele Empfindungen, all das musste sie doch unter einen Hut bringen können, damit sie endlich ihre Ruhe fand.
Was sollte das werden? Die Priorität in den Aufbau einer Festung legen, die zwar noch Potenzial aufwies, aber trotzdem einen riesigen Aufschwung an Arbeit verlangte? Sie sah sich bereits die Fliesen schrubben und die Löcher mit Lehm stopfen und wenn es ganz schlimm kommt, müsste sie vermutlich auch noch aus den Felddecken die Löcher flicken. Alles keine großen Arbeiten und doch nicht gemacht für ihre Hände. Sie dachte an Soldan:
Sie sah ihn bereits so oft Dinge aufbauen, mit voller Euphorie und sie sah sie alle auch zerbrechen, so wie die Freude in seinen Augen, als jede Bemühungen den Bach runter gingen. Sie würde es ihm wünschen, einen kleinen Erfolg in seinen alten Jahren. Sie wusste, auch er hatte einen Verlust erlitten, einen den sie nur zu gut nachvollziehen konnte und vermutlich noch viele andere, von denen sie nicht einmal etwas wusste. Sollte diese Festung es sein, die nicht zum Scheitern verurteilt ist? Und selbst wenn es so wäre, sie wusste genau, dass all dies hier nicht das ist, für was sie atmen wollte. Häuser wieder errichten, Schäden an Gegenständen beheben – all das war nicht sie. Alin wollte schon immer mitten drin stehen, sich mit Worten fechten, mit Dolchen schneiden. Ihre Talente waren für andere Dinge gedacht, für andere Handlungen bestimmt und doch nahm sie sich an diesem Abend vor, Soldan seinen Erfolg zu gönnen und ihn, der alten Tage wegen, zu unterstützen, so weit es ihr möglich war.
Verfasst: Dienstag 26. Februar 2013, 18:43
von Gast
Wenigstens die Küche blitz auch wenn der Rest eine Ruine ist…
Nie hätte sie sich sagen lassen, dass sie einmal ausziehen würde um in einem Soldatenlager zu putzen. Aber nach dem Besuch in der Ruine, hatte sie Soldat recht schnell davon überzeugt, dass sie die Küche putzen musste. Denn sonst würden die armen Soldaten ja nichts zu essen bekommen.
Daher hatte Less am morgen ihr Packpferd voll geladen bis in den letzten Winkel. Es türmten sich Eimer und Putzlappen über Kisten mit Essen und ein paar Decken.
Ganz oben auf hatte sie ihre eigene Tasche gelegt, drei Kleidersätze zum wechseln und ihr schönes warmes Reisekleid. Immerhin wollte sie am Abend auf die Weihe gehen.
Der Morgen verging nach dem weiten Fußmarsch recht rasch. Die alten Essensreste und Lebensmittel waren in drei großen Leinensäcken verschnürt und auch der grobe Dreck war zusammen gekehrt. Und nach einem hastigen Mittag ging es weiter, der Boden der nur so stand von Modder und Schlamm wurde geschrubbt. Vier mal musste sie neues Wasser aus dem großen Brunnen unten holen, bevor man den Boden als einigermaßen sauber bezeichnen konnte.
Manche Flecken waren sogar der Drahtbürste gegenüber Widerspenstig geblieben und hatten auch der Mehlkur stand gehalten. Also musste sie mit jenen Flecken auf dem Küchenboden Leben.
Als Soldan dann dazu kam, war ihre Arbeit erst einmal wieder beendet und nach einer Weile des Spielchens… wie bekommt man Less zum rot anlaufen, ging es auf zum Einkauf.
Fisch, Glas, Barren, Eimer, Holz alles Mögliche wurde in die Packtiere verladen und Less war nicht gerade glücklich darüber, dass sie wegen den ganzen Einkäufen das Schiff zurück nehmen mussten. Wieso wurde ihr immer nur so schlecht beim Schifffahren.
Nachdem dann auch dies hinter ihr lag und sie ihre Übelkeit in einem kleinen Nickerchen in dem einzigen Bett der Festung überstanden hatte. Ging es weiter, der Ofen musste geschrubbt werden und auch die Feuerstelle in der Küche war noch ein großer dreckiger Schandfleck.
Alles in allem war es ein Tag…der zumindest Sauberkeit in die Küche gebracht hatte, ab nun würde man für die Männer und Frauen der Festung richtiges Essen kochen können.
Verfasst: Dienstag 26. Februar 2013, 21:37
von Gast
Es war früh im Morgengrauen und etwas neblig als Diana vor der Zunft mit Orbis Hilfe endlich die einzelnen Koponenten des Metalltores auf ein Reitgespann geladen hatte an dem sie so lange gearbeitet hatte. Noch am Abend zuvor fertigte sie die letzten kleinkomponenten an.
Glücklicher weise erklärte Orbis sich bereit dazu auch mit dort hinzukommen und ihr zu helfen. Einige Holzkomponenten waren ohnehin aus seiner Hand und so wusste er auch damit am besten umzugehen.
So gingen die beiden den Weg richtung Angurenfestung den Diana so sellten ging. Es zog sie nie sonderlich weit aus der Stadt heraus und kaum ging sie mal weiter als vor die Tore Rahals. Somit begann sie ihren Weg auch mit einem leichten Murren welches ihr Orbis doch bald wieder vertrieb indem er mit seinem Schnitzmesser Karikaturen mancher bekannter Gesichter aus Rahal schnitzte, welche sie immer wieder zum Lachen brachten wenn er sie ihr zeigte. So verging der Weg auch wie im Fluge und so fand sie sich auch schon bald vor der Angurenfestung wieder.
Einige Helfer warteten schon dort und sie begannen gleich damit alles abzuladen und mit der Arbeit zu beginnen. Rahmen, Zugmechanismus so wie am Tor liegende, nicht mehr begehbare Holzdielen wurden ebenfallserneuert. Nach vielen Stunden schweisstreibender Arbeit, in denen mit mühe Stahlmassen in die richtige Position gebracht und befestigt wurden war es dann nun so weit. So wurde zu guter letzt der Mechanismus des Falltores justiert und ausprobiert. Zufrieden Räumten die beteiligten ihre Werkzeuge und und ihr restliches Proviant wieder zusammen und und gingen mit ihren Nutztieren ihrer Wege.
Verfasst: Mittwoch 27. Februar 2013, 11:48
von Morgan Duester
Pfeifend brach sich der schneidend,kalte Wind an den maroden Zinnen der alten Festungsanlage. Die halb verfallenen Wehrgänge wurden nur hier und da von einem knisternden Feuerkorb erhellt.
Morgan stand auf ihrem Posten, etwas über eine der Zinnen gebeugt und ließ wachsam ihren Blick wandern. Ab und an machte sie ein paar Schritte um sich an einer anderen Stelle zu postieren.
Auf den Wehrgängen konnte es bisweilen ziehen wie Hechtsuppe und so zog sie sich ihren alten Mantel noch etwas fester um den Hals und knöpfte ihn bis oben hin zu.
Kurz wanderte ihr Blick hoch zum Haupthaus auf dem sie am Vortag das deutlich in die Jahre gekommene Banner der Eisenwölfe gehisst hatte. Der Mond stand schon hoch am Himmel und beschien die Flagge, die einen stilisierten Wolfskopf zeigte. Das zerfledderte Banner flatterte leicht im auffrischenden Wind und wirkte mit seinen Flecken und Löchern mindestens genauso antik wie die ganze Festungsanlage.
Morgan musste etwas schmunzeln. „Alternde Krieger beschützen eine in die Jahre gekommene Festung...wie passend!“ murmelte sie vor sich hin und schritt weiter über den Wehrgang, ihren Rundgang fortsetzend.
In den letzten Tagen hatte sich einiges getan. Die Ausbesserungsarbeiten waren voran gegangen und irgendwer hatte sogar das Innere der Burg etwas vom Dreck, Staub und den Spinnenweben befreit, die sich über die Zeit in jeder Ecke angesammelten hatten.
Sie war sich auch bewusst darüber das diese Bemühungen wahrscheinlich nicht unbemerkt geblieben waren. Immer mal wieder schlichen Leute um die Burg. Morgan wusste nur zu gut das nicht alle Blicke die auf die Anlage gelenkt wurden von freundlicher Natur waren und so machte sie ihre Wachgänge stets in voller Rüstung.
Jeden Schritt auf den baufälligen Befestigungsanlagen musste man mit bedacht tun. Die Böden und Mauern hatten teils große Löcher und es war ein Leichtes sich auch ohne Feindkontakt die Knochen zu brechen wenn man unaufmerksam war.
Wieder blieb sie stehen und beugte sich über die Zinnen. Ihre Fackel etwas schwenkend um den unteren Rand der Mauer etwas auszuleuchten. Nichts.....Totenstille.
Manchmal hatte sie den Eindruck als bewache sie einen steinernen Sarg. Denn genau das war diese Burg auch. Ein Gefängnis für verlorene Seelen die sich an etwas fest hielten das schon lang vorbei war. Und im Angriffsfall würden sich diese Mauern als Todesfalle entpuppen so nicht einige längst fällige Arbeiten getan werden.
Wer auch immer diese Anlage entworfen hatte, hatte dies nicht nur getan um ein Bollwerk gegen den Feind zu errichten. Überall gab es Tore die im Verteidigungsfall nicht alle zu bemannen waren. Zumindest nicht mit ihrer Mannstärke. Und diese hölzerne Palisade. Nur ein betrunkener Oger mit dem Hirn einer Erbse konnte wirklich daran glauben das jene einen Feind aufhielte. Im Zweifelsfall würde sie sogar noch Deckung für den Feind bieten. Ohne Wehrgänge..lächerlich...
Morgans Gedanken drifteten ab. Als sie wieder aufblickte, fiel ihr Blick auf Soldan der schnellen Schrittes das schief in den Angeln hängende Haupttor verließ. Ein Bündel Stroh unter dem Arm , steuerte er die am Waldrand liegende Latrine an. Irgendwer hatte ein kleines, hölzernes Schild an die Latrinentür genagelt auf dem in krakeligen Lettern „ Klein-Adoran“ stand.
Morgan grinste wie sie ihn so in der Dunkelheit verschwinden sah. Klein-Adoran war vermutlich das einzigst sinnvolle das der Baumeister der Festung entworfen hatte. Auch wenn Morgan sich fragte ob die Latrine, da sie außerhalb der Mauern lag, nicht ebenso wie der vor der Mauer stehende Rammbock, eher für den Feind errichtet worden war. Damit er es auch schön bequem habe bei einer Belagerung.
Wie Morgan so über den Rammbock nachdachte, schüttelte sie nur den Kopf. Belagerungsgerät aufgebaut und bereit stehend direkt vor der eigenen Festung.
Sie hielt bisweilen ja ohnehin nichts von der Garde, was unterschiedliche Gründe hatte. Und der allgemeine Zustand dieser Anlage die deutlich zu stiefmütterlich behandelt wurde, tat ihren Vorurteilen keinen Abbruch.
Sie war sich sowieso nicht ganz klar darüber wie man sich das alles vorstellte. Viele derer die hier ab und an hergeschickt wurden um Wacht zu halten, waren junge Dinger. Nichtmal trocken hinter den Ohren. Bar jeder Erfahrungswerte und zu jung an Jahren. Es würde schlimm werden, würde es tatsächlich mal zu einer Schlacht kommen. Nun sie würde den Familien dieser kindlichen Soldaten sicher nicht sagen das ihre Zöglinge zerstückelt im Feld liegen. Das würde sie schön Soldan überlasen.
Knackend setzt sie einen Schritt vor den andern. Der hölzerne Boden knatschte bedrohlich unter Morgans Gewicht wie sie ihren Rundgang fort setzte.Kurz hielt sie inne und horchte in die Dunkelheit. Nichts...
Die Kälte kroch ihr langsam in die Glieder, es würde Zeit für eine Ablösung. Sie hatte in den letzten Tagen Doppelschichten geschoben. Nicht weil sie so versessen darauf war Wache zu schieben um sich zu beweisen für ihre letzten Verfehlungen. Nein...damit hatte es wenig zu tun. Sie wollte ihr Leben und die Sicherheit nur nicht in die Obhut von unzureichend ausgebildetem Personal geben.
Sie war die letzten Tage böse mit einigen der Prätorianer angeeckt. Einiges tat ihr Leid..anderes wiederum nicht. Sie hatte gelernt das nur der Unnachgiebige auf dem Felde bestehen kann und dieses Denken hatte sie über die Jahre so verinnerlicht das sie bisweilen einen zotigen und für andere beleidigenden Tonfall anschlug.
Sie würde sich am Riemen reißen müssen, wenn sie hier einen ruhigen Posten haben wollte.
Es war ihr unglaublich schwer gefallen sie zu entschuldigen. Umso verärgerter war sie über die Tatsache das die Frau mit der sie aneinander geraten war, ihre Hand nur sehr zögerlich angenommen hatte. „Wer die Hand nicht nimmt kriegt die Faust“ schoss es ihr durch den Kopf.
So etwas gab es bei Ihresgleichen nicht. Man versteckte sich nicht hinter einem Vorgesetzten oder schwärzte Leute an. Man klärte die Sachen. Ein Faustkampf und damit waren die Sachen bei den Eisenwölfen geregelt. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich. So hielten es die Kriegsreisenden von je her.
Aber diese neue Gesellschaft. Morgan hatte manchmal den Eindruck die Leute sprechen nicht die Mundart des einfachen Soldaten oder sie hatten sie abgelegt. Sie wusste das würde noch heiter werden.
Auch wenn Morgan zugeben musste das sie nicht in allem von diesen Leuten abwich. Die junge Gardistin mit der sie am Feuer gesessen hatte, war vielleicht unerfahren und jung aber zumindest schien sie das Herz am rechten Fleck zu haben. Bis aus dem Herz, ein Herz aus Eichenholz würde, würde es zwar noch Feinschliff brauchen aber das würde das Training schon mit sich bringen.
Sie würde ihrem Hauptmann der Tage den Trainingsplan vorlegen. Dann würde sich zeigen wer von den Leuten Soldat und wer Memme ist.
Ihren Gedanken nach hängend bezog sie Posten auf einem der zugigen Türme und würde ihn erst wieder verlassen so der nächste Tag graute.
Morgan hatte wie immer die Hundswache......und sie hasste sie!
Verfasst: Dienstag 5. März 2013, 12:07
von Morgan Duester
Die Kerze die an Morgans Nachtlager stand, war schon fast zur Gänze nieder gebrannt. Noch immer blätterte sie in dem kleinen Büchlein das ihr der Präfekt an die Hand gegeben hatte. Ihre Augen brannten bereits vor Müdigkeit. Aber Befehl war Befehl. Und der Wunsch des Präfekten sah vor das sie das Büchlein nach Dienstende studieren sollte. Also tat sie das auch.
Immer wieder wanderten ihre Augen über die Zeilen und immer mal wieder hielt sie inne, blätterte etwas zurück um einen Abschnitt nochmal zu lesen.
Die Zeilen wirkten fremd auf sie. Sie hatte ja keine Ahnung gehabt das man es in Rahal so genau nahm mit dem Glauben. Aber einige Zeilen fanden durchaus den Weg in ihren Geist und erweckten zumindest rudimentäres Verständnis für diese Sache.
Morgan hatte seit sie denken konnte im Feld gelebt und gedient. Mit dienen , hatte sie jedoch meist sich selbst, ihrem vollem Magen oder einen gut gefüllten Geldbeutel gemeint.
Irgendwas stimmte nicht. Seitdem Soldan die Kriegsreisenden in Rahal versammelt hatte, war alles nicht mehr so wie sie es kannte.Ihr alter Kamerad hatte sich verändert. Sogar ein Brandzeichen hatte er sich verpassen lassen. Wohl um seine Treue zum Präfekten und Rahal zu beweisen. Früher hatte ihr Haufen nur den eigenen Interessen gedient. Die schwarze Stadt und ihr Gott übten zweifelsohne einen gewissen Einfluss darauf aus wie sich alles entwickelte. Auch Morgan konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen.
Sie schmunzelte bei dem Gedanken daran „Sonst würdest du wohl auch nicht dieses dämliche Buch lesen“ murmelte sie mürrisch vor sich hin.
Sie war es gewohnt auf sich selbst zu hören und nun ertappte sie sich regelmäßig dabei wie diese Leute ein Interesse in ihr weckten. Dabei ging sie davon aus das sie die Neugier auf Dinge schon vor Jahren abgelegt hatte.
Morgan wusste das sie die Waffenkunst in allen nur erdenklichen Weisen gemeistert hatte und jetzt da das harte Leben auf dem Felde langsam seinen Tribut an ihr zollte, wurde sie nachdenklich?
Die Kriegsreisende klappte das Büchlein zu und starrt an die Decke der alten Halle. Nur hier und da warf das Feuer des Kamins fratzenhafte Schatten an die düsteren Wände und Steinbögen.
Es war schon seltsam! Sie hatte nie ein Ziel gebraucht in ihrem Leben und die, die sie mal gehabt hatte, waren im Lärm und Rauch der Schlacht allmählich verblasst. Und jetzt da sie hier angekommen war um das zu tun was sie schon immer tat, schien sie das nicht mehr auszufüllen.
Sie fühlte sich leer. Nicht das sie das nicht schon immer getan hätte. Aber diesmal war es anders.
Der Präfekt hatte ihr Dinge erzählt von denen sie nicht mal gewusst hatte. Von einer schwarzen Festung, den Sphären , Rittern , Ahads und vielen anderen Dingen mit denen sie sich niemals wirklich beschäftigt hatte.
All diese Sachen hatten sie nachdenklich gestimmt. Sie war immer davon ausgegangen das es schon reichen würde einfach in die Schlacht zu ziehen und zu töten um einen ruhigen Posten im Tode zugesichert zu bekommen.
Als Kriegsreisende war Morgan sich schon immer im Klaren darüber gewesen das sie sterben würde. Eher früher als später und das war ihr stets genug gewesen. Denn sie rechnete fest mit einer Entlohnung für die Führung ihres Lebens. Sie seufzte leise.
Sich etwas einzugestehen war ihr nie leicht gefallen. Doch nun da sie etwas genauer bescheit wusste verspürte sie etwas das sie glaubte längst verloren zu haben. Sie hatte tatsächlich Furcht. Furcht davor das es nicht mal nach dem Tod einen Platz für sie geben würde. Denn nach allem was sie nun gehört hatte, war sie all die vielen Jahre auf dem Holzweg gewesen. Sie dachte wie Soldan das die vielen Tode die sie gebracht hatte, schon von Krathor belohnt würden nach ihrem Ableben. Doch jetzt stellte der Präfekt ihr lediglich Folter und Qual in Aussicht, wenn sie so weiter machen würde.
Ein metallischer Geschmack machte sich in ihrem Mund breit. Sie hatte sich ohne das sie es merkte auf die Unterlippe gebissen bei dem Gedanken daran. Sie kannte die Folter nur zu gut und wusste das sie darauf verzichten wollte. Also hockte sie nun hier mit diesem Buch und versuchte einen besseren Weg für sich zu finden.
Die Frage Thanayas nach ihren Träumen hatten ihr Übriges dazu beigetragen. Dieses junge Ding wirkte so unbeschwert auf Morgan. War sie selbst auch mal so gewesen? Ihre Träume und Ziele im Leben waren mit dem Blutzoll der Schlacht hinweg geschwemmt worden und sie hatte Jahrzehnte nicht mehr daran gedacht. Warum also gerade jetzt?
Morgan ballt die Faust und schlug damit auf den steinernen Boden, auf dem sie mit ihrer Decke lag.
„Scheiße!“
Die Erkenntnis das sie ihr Leben vermutlich weggeworfen hatte umfasste ihr Herz wie eine eiserne Kette.
Der Präfekt hatte ihr gesagt das sie ungefähr nochmal so alt werden könnte, wenn sie dem Einen dienen würde. Vielleicht war es noch nicht ganz zu spät um noch etwas zu ändern. Und wenn doch so würde sie vielleicht wenigstens noch etwas Zeit schinden.
Sie klappte das Buch wieder auf.Ja sie würde versuchen etwas zu ändern. Und so las sie weiter bis ihre Augen irgendwann doch zu schwer wurden und sie einschlief....
Verfasst: Dienstag 5. März 2013, 13:02
von Thanaya
Die alte Festung.. Ruinen, abgebröckeltes Gestein, Wind der durch sämtliche Ritzen und Spalten zog, Kälte..
Es war soviel zu tun. Wieder einmal, nachdem die Festung in einem erbärmlicheren Zustand war, als davor, vor dem letzten Angriff.
Würde sich der ganze Aufwand überhaupt lohnen sie wieder herzurichten? Würde man ihre Mühen anerkennen und den Wert der Festung für das Reich?
Der Ahad versicherte Düstersee würde im Falle eines Angriffs bereitstehen. Und sollte es dazu kommen, würden die Truppen schneller bereitstehen, als von der weiter weg liegenden heiligen Stadt. Die Festung war ein Bollwerk an der Grenze des Reiches, die dazu dienen sollte zumindest Zeit zu schinden um die Siedlung und die Stadt zu warnen, damit dort die Truppen zusammengezogen werden können. Doch den Feind dort aufzuhalten schien .. zumindest momentan schier unmöglich.
Doch der Rundgang und die Planungen machten ihr Hoffnung. Und besondere Hoffnung machten ihr all die Menschen und Letharen die, welche mithalfen und so eisern an der Festung mithalfen.
Nie hatte sie gedacht, dass sie Söldnern mal sowas wie Vertrauen entgegenbringen könnte. Sie hatte sogar anfangs regelrecht an ihnen gezweifelt, ob sie nicht doch irgendwann für Gold die Seite wechseln würden im "passenden" moment. Aber die hatte sich getäuscht. Im Gegenteil waren jene Söldner es, die am emsigsten mithalfen und sogar bereit waren ihr Leben dafür zu geben.
Soldan.. Als sie ihn kennenlernte wusste sie nicht ganz was sie von ihm halten sollte. Er wirkte immer ein bischen distanziert, nett aber.. distanziert. Aber hier hatte sie die Möglichkeit mal öfter mit ihm zu reden. Und er hatte sogar Humor! Mit einem Schmunzeln dachte sie an den Holzwerker zurück.. Und er überraschte sie sehr. Immer war er an der Festung, immer am Arbeiten und Aufpassen. Der Respekt den sie für ihn empfand wuchs zunehmend.
Dann war da noch Morgan. Erst wusste sie bei ihr auch nicht so recht. Aber sie gehörte dazu, auch wenn es wegen ihrer Art manchmal kleine Reibereien gab. Aber Thanaya war überzeugt davon, dass sie sich einleben würde in die anderen Verhältnisse die hier herrschten, wenn man ihr dabei half. Und schnell empfand sie dann sogar so etwas wie Symphatie für die Kriegerin. Denn auch wenn sie manchmal etwas seltsam war, zeigte sie Seiten die Thanaya beeindruckten. Vielleicht konnten sie sogar gegenseitig voneinander lernen, Thanaya würde ihr etwas anderes zeigen, als dass, was sie bisher kannte. Und im Gegenzug konnte Morgan ihr etwas über Taktik beibrigen oder den Kampf. Als sie ihr das erste mal das Anegbot machte, wies sie es zurück. Aber vielleicht überlegte sie es sich ja nochmal.
Die alte Festung....
Verfasst: Donnerstag 14. März 2013, 11:55
von Morgan Duester
Heulend pfiff der Wind um die alte Festung die von ihrer Besatzung meist nur noch als „Der Wolfsbau“ bezeichnet wurde. Denn mehr war dieses Gemäuer nicht. Ein finsteres Loch auf dem man schnell das Gefühl bekommen konnte, auf verlorenem Posten seine Wacht zu stehen.
Viel Zeit nachzudenken unter unschönen Bedingungen!
In der Nacht hatte es wieder geschneit und überall auf den Wehrgängen hatte sich Neuschnee angesammelt. Morgan hatte gerade ihren frühen Rundgang beendet und sich einen warmen Tee aus der Küche geholt. Irgendwer war so weitsichtig gewesen und hatte einen Kessel aufgesetzt damit die Wachmannschaft , deren Schicht zu Ende war wenigstens mit etwas Tee die Kälte aus dem Körper vertreiben konnte.
Etwas missmutig schaute Morgan in den Teebecher und drehte ihn zwischen den dicken, schwieligen Fingern, dann nippte sie vorsichtig daran. „Mit etwas Schnaps würde der besser wärmen“ , ging es ihr durch den Kopf.
Kurz rieben ihre Zähne knirschend übereinander wie sie sich bei diesem Gedanken ertappte. Sie hatte nun schon volle zwei Tage nichts mehr getrunken. Bisweilen zitterten ihre Hände leicht und das Einschlafen wurde deutlich erschwert.
Immer wieder schreckte sie hoch, so sie gerade in den Schlaf gefunden hatte, oder fand ihn erst gar nicht. Die Erinnerungen an all die Dinge die sie gesehen und getan hatte, holten sie immer wieder ein.
Das war auch der Hauptgrund warum sie über die Jahre dem Schnaps immer zugänglicher geworden war. So wie ihr ging es vielen ihrer Brüder und Schwestern. Das Los eines Kriegsreisenden der einmal zu oft gesehen hatte, was die Schlacht aus Mensch und Verstand machen konnte.
Auf viele Dinge war sie nicht besonders Stolz und andere Dinge versuchte sie aus ihrem Kopf zu verbannen. Was war nur aus dem Mädchen geworden das vor vielen Jahren mit Träumen und Zielen ausgezogen war in die Welt, um all diese zu verwirklichen?
Morgan nahm noch einen Schluck aus ihrem Becher. Der Tee schmeckte fad und wollte ihr nicht so recht munden. Sie stellte sich an eines der Fenster und blickte hinaus auf den Hof. Auch hier war viel Schnee gefallen. irgendwer sollte ihn zusammen kehren. Morgan wusste das dies trotz Schichtende wohl wieder an ihr hängen bleiben würde.
Sie war es gewohnt die Drecksarbeit zu machen. Sei es in der Schlacht oder bei Dingen die der Lagerhaltung anbei fielen.
Sie war müde und der Entschluss endlich mit der Sauferei aufzuhören tat sein übriges. Über ganze Abschnitte ihres Lebens war dieses Zeug das Einzige gewesen was sie nach einem harten Dienst noch zusammen gehalten hatte.
Sie wirkte freudlos und noch mürrischer als sonst. Irgendwie konnte sie sich derzeit an so ziemlich überhaupt nichts erfreuen. Aber die Zeilen , das Buch, was ihr der Herr Präfekt gegeben hatte sich tief in ihren Verstand gefressen. Ja es lag mittlerweile sogar schon unter dem zerlumpten Kopfkissen ihrer Bettstatt. Sie las jeden Abend darin und mittlerweile konnte sie die Zeilen fast mitsprechen.
Immer noch schwebte die Verheißung, das sie ihr Leben vielleicht vergeudet hatte, wie ein schwarzer Schatten über ihr. Viele Jahre war sie damit zufrieden gewesen oder hatte zumindest nicht darüber nachgedacht aber der Präfekt hatte irgendetwas in ihr wach gerüttelt das sie tief in sich vergraben hatte.
Irgendwie war dieser Lethar ihr unangenehm auch wenn er augenscheinlich auf seine Leute zu achten wusste. Der Mann hatte genau die Worte getroffen, die Morgan eigentlich nicht hören wollte.
Er hatte ihr ganzes Weltbild mit einem Gespräch über den Haufen geworfen. All die Dinge die er ihr gesagt hatte und auch die Dinge die sie dem Buch entnommen hatte. Sie dachte ihr Weg des dienens wäre schon in Ordnung gewesen um wenigstens nach dem Tod einen Platz zu haben.
„Falsch gedacht“ murmelte Morgan vor sich hin und leerte ihren Becher.
Sie würde den Präfekten um weitere Bücher bitten. Sie wollte sich beweisen. Es besser machen. Schon allein um das Andenken ihres Bruders nicht zu beschmutzen. Dieser war für Rahal in viele Schlachten gezogen und er würde sich vermutlich im Grabe umdrehen so seine kleine Schwester es vermasseln würde.
Morgan stieg die steile Treppe zum Innenhof hinunter. Den leeren Becher stellte sie auf einen Fenstersims und schnappte sich einen Reisigbesen um den Innenhof vom frischen Pulverschnee zu befreien.
Zuerst würde sie sich das Trinken abgewöhnen um wieder einen freien Kopf für die Dinge zu bekommen die wichtig waren und dann würde sie sich darum kümmern dem Präfekten in Zukunft keine Schande mehr zu bereiten.
Das würde nicht einfach werden ging sie bisweilen doch lieber mit dem Kopf durch die Wand und regelte die Dinge mit ihrer Faust oder dem Schwert.
Sie wollte das wieder jemand stolz auf sie ist. Bisweilen tröstete sie sich mit dem Gedanken das es ihr egal war, was andere von ihr hielten. Das war auch so..andere Leute interessierten sie nicht.
Aber nachdem die Worte des Präfekten erst einmal den Weg in ihr Hirn gefunden hatten um sich dort im Verstand zu entfalten, war ihr eines nicht egal.
Es war ihr nicht egal was Alatar von ihrem Handeln halten würde!
Verfasst: Samstag 16. März 2013, 11:41
von Morgan Duester
Morgan schreckte aus dem Schlaf hoch und richtete sich auf.Kurz suchte ihr Blick leicht orientierungslos nach einem Haltepunkt im Halbdunkel des Flurs in dem sie Posten bezogen hatte. Der Schemel auf dem sie in einer der Ecke hockte knarzte unter dem Gewicht ihrer Person etwas als sie sich bewegte, eine alte Wolldecke hatte sie sich nur mehr zur Zier über die Plattenschultern der Rüstung gelegt. „Na toll schon wieder wach!“ raunte sie brabbelnd vor sich her und wischt sich über die Augen.
Es war angenehm warm in dieser Herberge. Kein Vergleich zu den zugigen Wehrgängen der Festungsanlage unweit von Düstersee. Dennoch fand Morgan kaum Ruhe. Eigentlich schlief man sich bei der Wache nicht seinen Stiefel zurecht und man hatte ihr in den vielen Jahren im Feld immer wieder eingeschärft wie fatal es enden konnte bei der Wache einzuschlafen.
Nun da sie aber zu dritt abgestellt waren heute Nacht über die Gefangene zu wachen, gab es Möglichkeit zumindest ab und an mal die Augen zu schließen.
Die große Kriegerin stand auf und ging die Stufen hoch in die zweite Etage. Dort hatten sie die Frau in einem Zimmer eingeschlossen. Bei jedem Schritt knarzten die hölzernen Dielen leise unter ihren Füssen. Oben angekommen horchte sie kurz an der Tür. „Alles ruhig“, stellte Morgan fest. Sie hatte es sich über die Zeit angewöhnt mit sich selbst zu reden. Wohl um der Einsamkeit der Wache vorzubeugen um zumindest ihre eigene Stimme dann und wann zu hören.
Bisweilen hielt es wach und half vorzubeugen die Schrecken, die eine dunkle Nacht so mit sich brachten auf Distanz zu halten. Morgan hatte schon Bäume wandern sehen..da wurden normale Geräusche schnell zu etwas das einem einen gehörigen Schrecken einjagen konnte und die Schatten der Nacht konnten den Sinnen boshafte Streiche spielen.
Sie ging wieder runter und hockte sich auf ihren Schemel. Warum war sie nur so unruhig? Lag es daran das sie das trinken drann gegeben hatte? Manchmal holten sie des Nachts die Dinge ein, die sie gesehen und erlebt hatte. Schnaps war da immer eine gute Medizin gewesen vorm Einschlafen.
Wieder wanderte ihr Blick die Treppe hoch. Da oben schlummerte der Feind auch wenn es Morgan schwer fiel zu glauben das diese Frau eine sonderliche Gefahr darstellen sollte. Aber der Ketzer kommt in vielen Gewändern und so hielt es Morgan für angebrachter nicht all zu viel persönlichen Kontakt mit dieser Frau zu halten während sie hier wache schob.
Thanaya sah das ganze scheinbar schon wieder etwas anders. Morgan hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache. Immer wieder hatte man ihr eingeschärft das Verbrüderung mit dem Feind schlimme Folgen haben kann. Ehe man sich versieht entwickelte man eine persönliche Bindung und wenn es dann an der Zeit war die Dinge zu tun die nötig waren, zauderte man vielleicht. Nein das würde ihr nicht passieren, sie schüttelte leicht den Kopf.
Sie fragte sich jedoch warum man die Frau so gut behandelte. Steckte man Feinde nicht normalerweise in den finstersten Kohlenkeller? Irgendwie schien sie einige Dinge wohl immer noch nicht ganz zu verstehen. Thanaya hatte ihr gesagt das Worte schärfer wären als so manches Schwert und das deckte sich auch mit dem was sie in dem Buch des Präfekten gelesen hatte. Jedoch blieb ein fader Beigeschmack. Solange Morgan zurück dachte hatte sie schon viele Gefangene bewacht aber diese hier war anders. Sie hatte ein weiches Bett und Morgan hatte dafür sorge zu tragen das ihr nichts passierte. Natürlich hatte man dem Feind den nötigen Respekt zu erweisen. Den hatte Morgan aber meist durch ihr Schwert verteilt.
Noch am Abend hätte sie der Frau am liebsten die Knie gebrochen damit sie nicht weglaufen konnte. Dann hatten sie sich doch etwas unterhalten, da die junge Gardistin anriet sie etwas durch das Haus zu führen und schon verschwand der Groll.
„ Da hast dus ..schon hat der Ketzer dir das Ohr vergiftet Morgan!“ maulte sie los und ging etwas in dem dunklen Flur auf und ab.
Morgan musste zugeben das sie nicht gerade wie der Feind aussah. War die Frau doch weder sonderlich bedrohlich von Statur, noch wirkte sie bemerkenswert boshaft. Siewar es gewohnt gegen Soldaten zu kämpfen. Im Feld waren die Seiten klar definiert aber hier schien die Abgrenzung irgendwie zu verschwimmen. „Brah! Fühlt sich eher an wie Kindermädchen spielen!“, lamentierte sie vor sich herum während sie so auf und ab ging.
Sie würde ihr nichts tun. Den Fehler hatte sie einmal gemacht. Es lag keine Ehre darin einfachen Menschen übermäßiges Leid zuzufügen. In der Vergangenheit hatte sie einmal blind auf Befehle gehört und sich an der Brandschatzung eines Dorfes beteiligt. Wie sich heraus gestellt hatte waren die Leute aber unbescholten und wurden nur ihres Lebens beraubt weil es dem Vorgesetzten gerade so in den Kram passte. An so was würde sie sich nie wieder beteiligen. Die Schreie klangen ihr bis heute im Traum hinterher und waren einer der Gründe warum Morgan kein Auge zu kriegte ohne gesoffen zu haben.
Morgan nahm wieder Platz auf ihrem Schemel und starrte mürrisch Richtung des Treppenaufganges. „Seis drumm“ Sie würde hier wache schieben bis ihr was anderes befohlen wurde zumal der Erhabene genau wusste was er tat. Da war sie sich sicher. Wenn sie genau zuschauen würde, würde sie noch vieles von ihm lernen können. Die Art wie hier Probleme gelöst wurden, kam ihr ab und an fremd vor. War sie doch eher eine Person der Tat. Die Gefangene konnte vermutlich von Glück reden das der Ahad so umsichtig war.
Morgan legte die Decke wieder um ihre Schultern. Vom Nebenraum drang das röhrende Schnarchen ihres Kameraden heran. „Irgendwie beruhigend!“ ging es ihr durch den Kopf. Karon hatte die einmalige Gabe immer schlafen zu können. Kurz hoben sich ihre Mundwinkel zu so etwas wie einem flüchtigen Lächeln.
Auch wenn sie nicht so recht schlafen konnte, war das seit langem der angenehmste Wachposten den sie jemals angetreten hatte.Und doch wollte sie zurück zur Festung.
Sie hatte das Gefühl angekommen zu sein auch wenn die Reise noch nicht gänzlich ihr Ende genommen hatte.
Verfasst: Samstag 16. März 2013, 12:44
von Karon Dorc
Es war nicht leicht für Karon nachzuvollziehen, wie der Umgang mit den Gefangenen gehandhabt wurde. Viel zu oft hatte er erlebt, dass die Gefangenen sich jeder List bedienten, um die Wachen niederzuschlagen und zu entkommen. Das war nichts, was er nicht nachvollziehen konnte. Lieber sterben, als in Gefangenschaft zu verweilen. Aber vermutlich sponn sie noch ihr Garn, um die Wachen zu überlisten. Die Jahre brachten Karon sehr viel Misstrauen und seine Worte sollten lediglich präventiv wirken und die Gefangene einschüchtern. „Je größer die Angst des Anderen, desto sicherer lebt man selbst“ – dachte er sich. Im Gespräch schien sie zwar nicht unfreundlich, aber er konnte es immernoch nicht glauben. Es muss doch einen Grund gegeben haben, warum sie als Feind bezeichnet wurde. Er weiss nur, dass er lieber der erste sein möchte, der zuschlägt, als selbst erschlagen zu werden. Das waren scheinbar Dinge, die nicht jeder nachvollziehen konnte..
Nachdem sich die Anderen zur Ruhe begeben hatte, ging er nochmals vor die Tür mit einer fast leeren Flasche Wein in der Hand. Der Blickt schweifte in die Ferne, als er dort stand. Ständig ging ihm durch den Kopf, dass die Gefahr nicht nur vom Inneren des Hauses kommen könnte, sondern auch von außen. Scheinbar war niemand gekommen um sie zu befreien – reine Furcht? Er hoffte es jedenfalls und vorallem hoffte er, dass die Nacht ohne überraschende Angriffe vergehen würden. Denn seine Augenlider wurden schon schwer und immer wieder versuchte er sich mit Ohrfeigen, die er sich selbst antat, wach zu halten.
Die Strukturen der Gemeinschaft waren straff organisiert von der er nun sein Sold bezog und von der er ein Teil geworden scheint. Soetwas hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Lange Zeit verdiente er sich seinen Sold mit kleineren Aufträgen, nachdem sein Goldgeber immer wieder wechselte. Er musste sich scheinbar dem anpassen, aber vielleicht konnte er es auch zu seinem Vorteil nutzen...
Dies waren die letzten Dinge, die in seinem Kopf herumspukten, bevor er wieder in die Herberge stiefelte und einmal kräftig an Thanayas Tür polterte... seine Wache war für diese Nacht beendet und er begab sich in eines der Zimmer um auch noch ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen.
Verfasst: Sonntag 24. März 2013, 01:03
von Morgan Duester
An diesem Abend wanderte kein Laternenschein über die Zinnen der alten Festung. Die alte Wehranlage wirkte verlassen. Im Innenhof der Festung lagen überall Gegenstände verstreut, wie als habe jemand überhastet alles mögliche zusammen gesucht. Hier lag ein Stiefel,dort einige Pfeile verstreut auf dem Boden.
Auch im Hafenviertel Rahals sah es nicht viel besser aus. Die Tür von Morgans Unterkunft stand sperr angelweit offen. Der Innenraum der kleinen Hütte war leer, kaum etwas wurde zurück gelassen. Außer ein paar Scherben von Tonkrügen und abgetragene Kleidungstücke. Alles deutete auch hier daraufhin das der Besitzer des kleinen Hüttchen schnell alle Habseligkeiten zusammengeklaubt hatte.
Als Morgan spät des Nachts endlich alles von Wert an einen sicheren Ort gebracht hatte, ein Feuer entfacht und sich einen Zigarillo angesteckt hatte, schweiften ihre Gedanken nocheinmal an das zurück was geschehen war.
Sie wagte kaum daran zu denken, geschweige denn im Flüsterton darüber zu sprechen, was sie heute erlebt hatte. Sie war sogleich von Ehrfucht ergriffen wie auch von vollkommener Panik.
Von einem Moment auf den anderen hatte sich ihr ganzes bisheriges Weltbild verzerrt und wurde auseinander gerissen. Alles schien aus den Fugen zu geraten. Alles woran sie dachte zu glauben war aufeinmal nicht mehr im Einklang.
Als der Alka von der Pranke des Herrn zerschmettert wurde, starb auch etwas in ihr selbst. Sie hatte gerade angefangen die Lehren des Einen für sich zu verinnerlichen und nun Das!
Sie hatte schmerzlich feststellen müssen das jeder für den Einen ersetzbar war. So auch der Alka selbst. Die Person die Morgan stets für das direkte Sprachrohr des Panthers gehalten hatte.
Das sie selbst entbehrlich war, daran hatte sie nie gezweifelt aber das dies auch für den Alka galt, war ihr unbegreiflich. Was die Sache noch viel schlimmer machte für sie war, das die umstehenden Leute es scheinbar mit absoluter kaltschnäuzigkeit hin nahmen. Es wurde Seitens der Temmplerschaft einfach damit erklärt das der Alka dem Wahnsinn anheim gefallen wäre und deswegen ersetzt wurde. Morgan hatte zuerst nicht gewagt diese Aussage in Frage zu stellen doch langsam schlichen sich Gedanken in ihr Hirn die sie nicht vertreiben konnte.
Wenn selbst der Alka fehlbar war, dann könnte es jeder sein der meint im rahalischen Reich etwas darzustellen. Waren sie alle, war Morgan auf dem Holzweg gewesen?
Hatte nicht auch sie den Befehlen des Alkas gehorcht und somit unwissentlich einem Wahnsinnigen gedient? Müsste sie in Zukunft dann nicht generell jede Order die sie von den Oberen bekäme in Frage stellen? Hatte sie ,obwohl sie es vermeiden wollte ihre Seele vielleicht doch unwissentlich Krathor zugespielt indem sie dem Alka folgte?
Morgan schwirrte der Kopf sie fühlte Angst in sich aufsteigen, Panik.
Selbst als Soldan anmerkte, das wenn Adoran angreifen wolle, jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, tat man das einfach ab. Die Garde würde sich schon darum kümmern. Morgan knirschte mit den Zähnen. Und was hatte die Templerin gesagt? Man hätte das alles aus Visionen bereits gewusst?
Man wusste das der Alka wahnsinnig war und hatte nichts unternommen? Morgan wurde den Verdacht nicht los das sie Lügnern gedient hatte. Jeder war ersetzbar. Es konnte jeden treffen.
Eilig schenkte sie sich etwas aus der Schnapsflasche ein. Eigentlich hatte sie es dran gegeben. Sie nahm an, so dem Panther besser dienen zu können. Aber jetzt da alles vor ihren Augen zerbrach befand sie den Zeitpunkt für richtig mit alten Lastern wieder anzufangen. Ihr wollte es einfach nicht aus dem Kopf gehen wie ruhig man drauf reagiert hatte.
An jenem Abend hatte sie sich mit den einzigen beraten, auf die sie sich scheinbar wirklich verlassen konnte. Ihre Waffenbrüder waren der selben Meinung und mindestens ebenso nachdenklich wie betroffen. Und so setzen sie ihren Plan in die Tat um. So weit weg wie irgend möglich, denn niemand von ihnen wollte ebenso ausgetauscht werden für etwas von dem sich anscheinend niemand sicher seien konnte ob es nicht doch eine Lüge war.
Noch lange hockte Morgan in dieser Nacht in ihrem Versteck und leerte die Schnapsflasche. Je leerer die Flasche wurde desto düsterer wurden ihre Gedanken.
In solchen Zeiten sollte man sich auf das besinnen was man war und nicht was man werden wollte.
In dieser Nacht starben Morgans Träume und Pläne für die Zukunft, die ihre Zeit in der Festung kurzzeitig wieder hatte aufflackern lassen.
Wieder einmal hatte sie ihren Platz in der Welt verloren.