Seite 1 von 3
Das neue Leben
Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2013, 19:05
von Alin
Und sie merkte wie es sie zerriss, als sie die letzten Zeilen des Briefes las und ihre Beine den Halt verloren. Langsam sackte der kleine Leib in sich zusammen und die hageren Finger krallten sich um das Stück Papier in ihrer Hand. Es fiel ihr schwer zu atmen, zu sehen, zu hören, zu fühlen. Als würden alle Sinne gleichzeitig die Lust verlieren und die Funktionen aufgeben. Stunden saß sie da, verkrampft, verlassen. Und anstatt dass sich ihr Leib wieder aufrichtete, sie weiter lebte, weiter atmete, zog sie das Pergament ein weiteres Mal vor ihr Gesicht, ein weiteres Mal las sie diese Zeilen, in der Hoffnung es würde etwas anderes dort stehen, etwas, was diese Nachricht ändern würde – was ihre Welt wieder reparieren würde. Doch vergebens. Zwei Stunden, vier Stunden, acht Stunden, 16 Stunden. Wieso stand immer wieder da selbe auf diesem Papier und wieso war es immer wieder der selbe Schock, der sich in ihren Leib zog und sie mehr und mehr hinab riss. Sie hatte ihn verloren, endgültig, es war niedergeschrieben auf dem Papier, ersichtlich an den Ruinen seines Heimes, ihres Heimes. Und nach zwei Tagen, als sich der Magen wieder meldete, die Kehle nach Wasser schrie und das Pergament schon halb zerstört war, wurde es ihr klar – es würde sich nichts ändern, es ist real, so real wie ihr Körper, der nach Nahrung schrie. Der Augenblick, in dem sie das Begriff, war der Augenblick, wo in ihrer Seele etwas kaputt ging. Sie stand auf, schrie in die Weiten Ost-Gerimors hinein und schlug wild um sich, warf Steine auf die letzten Überreste ihrer Existenz und ließ ihre Kehle bluten. Bewegungen, die so nahe am Verrückt-sein grenzten. Schläge, die den Leib schädigten, ohne Rücksicht. Wie konnte er nur, wie konnte sie nur und wieso wagte es sich, all das zu zerreißen, mit seiner elenden Existenz!
„Denn so sehr habt Ihr Recht in Euren Worten getragen, dass mir die Erkenntnis erwuchs, das diese Welt zu fremd und fern würde, je weiter ich meine Kunst die Aufmerksamkeit schenkte, die mehr hätte Euch gelten sollen...“
Wochen waren bereits vergangen und das Leben konnte doch irgendwie weiter gehen, auch wenn sie nicht wirklich wusste wie und die Nächte sie weiterhin nicht schliefen ließen. Die Füße sie durch die Nacht trieben, die Straßen Rahals, der neuen-alten Heimat. Hier würde sie nie etwas an ihn erinnern, keine Ecke, kein Stück Pflasterstein, konnte sie mit ihm in Verbindung bringen. Er würde sie hier nicht heimsuchen, er würde nur noch ihre Träume belagern und ihr den Schlaf rauben, aber auch das konnte sie hinnehmen. Und so saß sie, wie fast jede Nacht am Hafen der alatarischen Stadt und hielt die Kette in die Höhe, sie funkelte im Mondlicht und trieb ihr den Glanz in die Augen, während jene zeitgleich den Sternenhimmel streiften.
„Wann immer Ihr Euren Blick ins Firmament richtet, lasst diesen Anblick nicht von Trauer trüben.“
Und doch, obwohl die Tage es erträglicher machten, fielen ihr diverse Schwächen auf, Defizite, die sie vorher nicht aufwies. Seine Ableben hatte etwas in ihr zerstört, ihren Geist geschwächt und einen Hauch Wahnsinn auf die Wunde gelegt und die Heilung ging voran, schlich sich tiefer ein und blieb liegen. Mit schnellem Schritt rannte sie durch die Straßen, die Nacht in ihrem Rücken, völlig außer Atem, wie vom Blitz gestochen und als sie die nächste Kurve nahm, rannte sie ihrem nächsten Zukunftsschritt in die Arme. Die schwarzgekleideten Männer starrten sie an, diese Augen würde sie nie vergessen, nie würde sie das Gesicht vergessen, diese Stimme, die sie ansprach und diese Arroganz, die sich mit in diese mischte. Es war kein freudiges Wiedersehen, denn ihre Züge zeigten für einen Bruchteil der Sekunde die tiefste Verachtung für die Männer, welche fast vollkommen im Nachtschwarz verschwanden. Doch sie schenkte ihnen nur einen kurzen Blick, bevor sie erneut den Schritt aufnahm und in die Richtung der Schneiderei rannte, wo ihr Weg auch enden sollte. Und ihr lief ein Schauer über den Rücken, denn sie merkte sie .- die Schatten, welche nun ihren Weg verfolgten, eine Pest, welche sie loswerden wollte.
„Wir werden uns begegnen, in einem anderen Leben, unter einem anderen Namen.“
Und als sie die Schneiderei betrat und bereits Kerzen deren Inneres erhellten, waren auch noch andere Gäste anwesend, die warteten, geduldig. Ein Moment, der sie durchatmen ließ, sie war nicht zu spät. Trotz der Gesellschaft im großen Handelsraum, würdigte sie erst einmal niemanden eines Blickes. Soziale Kontakte wurden strickt umgangen, so auch unnötige Begrüßungsfloskeln. Erst die Unterhaltung zwischen zwei Personen, in diesem Moment die eine so unscheinbar, lockte sie dazu den Kopf zu heben und hin zu sehen. Und da stand er, belagert von der Angestellten, welche ihm wohl ein Geschenk machen wollte und welche nicht merkte, wie unpässlich er das fand. Er stand einfach da und war nichts besonderes und doch lockte er ihr Interesse. Sie wusste noch nicht wie er heißt und doch würdigte sie ihm einen Gruß, denn er war es, der ihr das erste Mal wieder ein Schmunzeln ins Gesicht brachte.
„Doch die Wahrheit geschieht, auch wenn der Moment Euch vielleicht unendlich fern zu sein scheint. Lebt wohl.“
Verfasst: Samstag 23. Februar 2013, 16:46
von Alin
Viel Zeit verging und der Tod begleitete sie nicht mehr auf Schritt und tritt. Nun war es eine andere Gesellschaft, in welcher sie sich einbürgerte, eine Gesellschaft, die ihr noch mehr den Wahnsinn in den Verstand trieb. Sie war es nicht gewohnt, so oft und so lange mit den selben Haufen an Seelen immer wieder an einem Ort zu weilen und so öfter das geschah, um so mehr ging etwas zu Bruch. Es entstanden Dinge im Verstand der anderen Leute, welche sie nicht als nützlich empfand und welche sie auch keines Falls auf Dauer respektieren konnte. Die Frage, welche sie ihr allerdings stellte, als sie des Nachts wieder durch die Städte zog, um eventuelle Dinge aufzuschnappen, war: War es die Distanz zum Sozialen, welche sie weiterhin meiden wollte oder war es die Distanz in die Richtung, dass irgendwer irgendwann wüsste wer sie ist?
Ihre Füße hielten inne und ihre Atmung ging schneller als gewöhnlich. Die Nacht war schon so weit angebrochen, dass die Vögel ihren Teil zum baldigen Sonnenaufgang beitrugen und es nicht mehr lange dauern würde, bis die Schatten ihre Schritte verlassen. Ihre Augen ruhten eine ganze Weile auf dem Feldweg, der sich vor ihr offenbarte und erneut schossen ihr Gedanken durch den Kopf, welche jedoch nur kurz ihr Gesicht mit Wut füllten, bevor sich das Bein wieder zu einem Schritt voran setzte und sie durch die Nacht sprinten ließ.
„Keine Abhängigkeit.“
Der Leib beugte sich herab und die Hände zogen jeweils einen Dolch vom Waffengurt. Der schnelle Schritt nahm an Geschwindigkeit zu und die Arme rissen sich in die Höhe. Und man hörte sie sich die Klingen über Leiber zogen, kurze Schreie erzeugten, bevor eine Seele verging und nach und nach Körper zu Boden fielen und einen dumpfen Laut hinterließen. Die letzte geschädigte Leib, den ihre Hände ergriffen, drückte sie mit einem kleinen Kraftaufwand gegen den nahestehenden Baum. Fremdes Blut zog dabei seine Bahnen über ihr Gesicht und all die Harmonie, die ihre Augen hätten schaffen können, tropfte zu Boden, wie die rote Flüssigkeit, die ihr Kinn erreichte. Sie betrachtete die Furcht in den Augen des Banditen. Seine gefurchte Stirn, seine Augen, seine Lippen – welche um Erbarmen flehten und kein Wort des Spottes mehr übrig hatten und welche jedoch keinen Laut für das Ohr der Frau erzeugten.
„Ihr werdet sehen...“
- Lasse dich nicht durch mein Gesicht täuschen,
denn ich trage tausend Masken, die ich fürchte abzulegen,
und keine davon bin ich.
Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich,
als sei alles sonnig und heiter in mir, innen wie außen,
als sei mein Wesen Vertrauen und Kühl.
Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist eine Maske.
Darunter ist nichts entsprechendes,
darunter bin ich wie ich wirklich bin:
Verwirrt, voller Angst und allein,
aber ich verberge das, weil ich nicht möchte,
dass es irgend jemand merkt.
Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Panik,
und fürchte mich davor,
mich anderen überhaupt auszusetzen.
Eine lässige, kluge Fassade,
die mir hilft etwas vorzutäuschen,
die mich vor dem gewissen Blick sichert,
der mich erkennen würde.
Verfasst: Mittwoch 27. Februar 2013, 02:40
von Alin
- Sinn - 27. Eisbruch 256
Ich wusste nicht wie spät es war, ich war eigentlich froh, dass die Müdigkeit mich nicht so sehr in ihren Bann zog, dass ich dem Kutscher noch mein Wunschziel mitteilen konnte. Die letzten Tage waren anstrengend, in manchen Momenten konnte ich kaum atmen und in anderen fühlte ich mich von der Luft regelrecht bedrängt. Und als mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, stolperte ich aus der Kutsche, direkt in die Arme der Nachtschwärmer, die sich trotz des tiefen Einbruches der Dunkelheit noch immer über die Straßen schlichen. Ich fragte mich was sie wollten und ich betete, dass sie mich nicht mit irrelevanten Dingen belästigten. Meine Beine schliffen sich so schwächlich über den Boden, dass ich sogar Gras und Matsch mit mir zog. Ob die Herrschaften an der Kutsche dies mitbekamen? Ich wusste es nicht und es war mir auch egal. Ich wusste nur eines, noch zwei Schritte und ich könnte mein Haus sehen.
Mein Haus, die einzige positive Errungenschaft in den letzten Tagen. Ich zog die Tür auf und das recht vorsichtig, es kam gar ein leichter Zweifel in meinem Verstand auf. Wirklich mein Haus oder bei wem war ich nochmal eingebrochen? Die jämmerliche Einrichtung und die zwei Felle auf dem Boden zeigten mir allerdings wieder die Realität. Egal. Ich zog mir die Schuhe aus und ließ mich vorne weg auf die Felle fallen, Ich bohrte mein Gesicht in das Fell und atmete tief durch. Wie lange hatte ich nicht mehr richtig geschlafen? Es musste eine Woche sein, in der ich andere Sachen in den Vordergrund rückte. Die ersten Tage dachte ich, mich würde nie wer irgendwie einbinden und nun wusste ich vor lauter Einbindung nicht mehr, womit ich zuerst anfangen sollte. So groß war kein Pergament, um all das zu notieren, was ich noch tun musste. Aber ich wollte nicht sagen, dass sie aufhören sollen, dass ich nicht mehr dazu komme zu essen, zu schlafen. Ich redete mir ein, jede Stunde einmal, dass ich es schaffen würde.
Oh dieses muffige Fell war der Himmel auf Erden. Der Geruch widerte mich an und doch war es eine gewisse Erfüllung zu wissen, dass ich am nächsten Tag nicht zum Wirt gehen musste und ihn für die Nacht entlohnen, die ich eines seiner Betten nutzen durfte. So viele Gedanken quälten mich, die Müdigkeit zerriss mich und trotzdem lag ich ewig da und dachte an all das was geschah. Ich wusste einfach nicht, ob mich das alles ekelt oder ob ich es schätzen sollte, wie sehr ich mich doch, nach und nach, in das soziale Umfeld Rahals einbrachte. Was ich allerdings wusste war, wenn ich weiter diesen Weg gehen wollte, weiter – mit anderen Seelen gemeinsam, dann müsste ich meine sturköpfige Schnute zügeln. Was sagte Florentine noch?
Beherrschung, Fräulein Alin, Beherrschung.
Ich begriff einfach nicht, wie man sich beherrschen sollte, in manchen Situationen. Oh wie oft hätte ich gerne meine Hand erhoben, wie in damaligen Zeiten, wenn mir was nicht passte. Wie gerne hätte ich für jede Dreistigkeit Ohrfeigen fliegen lassen. Aber nein, Beherrschung. Das hatte damals nie jemand zu mir gesagt, als ich mich um Kopf und Kragen trank. Aber ich glaube doch, dass ich sie da auch benötigt hätte. Was ich mich nun allerdings um so mehr fragte, wieso kam er mir gerade in den Kopf. Ich glaube er war der Grund, warum ich der Frau, die eigentlich doppelt so groß war wie ich – so kam es mir auf jeden Fall vor – nicht an die Kehle gesprungen bin. Eine einzige Handbewegung... Ich wollte nicht mehr so sein, nur manche Dinge rissen mich so sehr in meine verjährte Gestalt zurück, dass ich vergessen hatte, wie weit man denn mit Worten mehr verletzen konnte, als mit einem bloßen Schlag ins Gesicht.
Mir wurde es nach und nach in dieser Nacht klar, zum einen müsste ich unbedingt und wirklich dringend, dieses Fell waschen, auf dem ich nächtigte, auch wenn meine Müdigkeit den Geruch übertünchen wird und zum anderen musste ich die Charakterzüge ablegen, welche mich auf meinem neuen Weg nicht weit bringen werden. Ich verabschiedete mich in dieser Nacht von der Säuferin, der Raufboldin, dem Großkotz und dem Kind in mir. Ich verabschiedete mich von der alten Alin und umarmte mein neues Leben, wenn auch meine Arme recht langsam in die Höhe gingen, um es zu umschlingen. Doch sie bewegten sich, denn ich wusste, würde ich mich weiter an meinem alten Ich festhalten, fehlte nicht mehr viel und ich würde vergehen, wie die kleine Kerze vor meinen Augen, die langsam den letzten tropfen Wachs zeigte.
Beherrschung, Kontrolle, Standfestigkeit.
Verfasst: Montag 11. März 2013, 02:23
von Alin
- Ich lebte viele verschiedene Leben.
War sehr oft ein anderer Mensch.
Ich lebte mein Leben in Verbitterung.
Und erfüllt mein Herz mit Leere.
Und jetzt sehe ich, sehe ich zum ersten Mal,
dass kein Verbrechen darin besteht, freundlich zu sein.
Nicht jeder ist darauf aus, dich übers Ohr zu hauen.
Vielleicht, ja nur vielleicht, wollen sie dich einfach nur besser kennenlernen
Nun ist es soweit.
Liebling, du musst dein Leben nicht in Angst leben.
Und der Himmel ist frei,
Frei von Furcht.
Ich möchte nicht in Angst und Schrecken leben.
Will mich fühlen, als ob ich schwebe,
anstatt andauernd vor
Angst und Schrecken zu explodieren.
Ich habe so viele verschiedene Leute im Kopf.
Frage mich, was sie an mir am ehesten ertragen.
Ich habe es satt, alles haben zu wollen
und mit fast nichts zu enden.
Und wenn es Zeit erreicht ist
und die Lichter ausgehen
Weiß ich, ein Licht wird weiter brennen,
wenn sie mich ausblasen.
Ich möchte völlig schwerelos sein,
den Rand des Großartigen berühren.
Möchte nicht völlig treulos sein,
völlig treulos.
Wenn die Zeit erreicht ist.
Wenn die Lichter ausgehen.
Wenn die Zeit erreicht ist.
Und die Lichter ausgehen.
- „Dann sage mir doch bitte, was ich für einen verdammten Grund hätte, dich in die Pfanne zu hauen?!“
„Profit? Keine Ahnung, Alin! Was weiß ich denn, ehrlich. Ich weiß nicht, was ich im Moment überhaupt irgendwem glauben soll..“
„Irgendwo solltest du mal anfangen, ich versuche es bei dir ja auch.“
Die folgenden Nächte konnte sie nicht schlafen, ob es nun daran lag, dass vor ihrem Haus ein Besoffener seine Freudenlieder sang, nein, vermutlich waren es die Gedanken an dieses Gespräch, wessen Worte sich immer wieder in ihren Kopf hämmerten. Kopfschmerzen lösten sich aus, bei jeder einzelnen Silbe, jedem neu begonnenen Satz und irgendwann versuchte sie gar mit einem Kissen als diese schwachsinnigen Dialoge hinfort zu drücken, den Gedankengang zu beenden, vergebens. Das Kissen flog im hohen Bogen durch den Raum, riss ein paar Bücher mit sich und mit einem genervten Ausdruck im Gesicht schlief sie ein, wachte auf und das ganze ging, bis die Sonne ihren restlichen Teil zu dem Drama beitrug und die Frau sich mit Augenringen von den Fellen aufrichtete.
Der Muskelkater zog sich durch ihre Arme, über ihre Schulterblätter, ihren Rücken herab, bis zum Steiß. Nicht nur, das ihr Kopf sie verrückt machte, nein, auch ihr Leib, der durch die Arbeit in der Festung geschädigt war, hatte sein Laster zu tragen. Und wenn sie daran dachte, am morgigen Tage, ohne Schlaf und ohne Kraft in den Knochen, das Krafttraining zu absolvieren, welches die Garde Rahals vorschrieb, sackte der Leib nur um so mehr wieder ins Fell zurück. Welch Qual wohl noch in jenen Tagen auf sie zukommen würde, fragte sie sich und hätte sie dort bereits gewusst, was am Abend geschieht, hätte sie die Tür wohl nie geöffnet.
Er starrte sie an, er starrte sie an, wie er sie immer anstarrte. Mit diesem ruhigen Blick, der sie in den Wahnsinn trieb und sie wollte ihn töten, ihm an die Gurgel springen, war er doch in ihren Augen der Grund für alles, er war an allem Schuld, niemand sonst. Wie einfach war es immer, sich das einzureden, irgendwann selbst daran zu glauben, wieso sollte sie jenen Gedanken also ablegen. Und so stand sie da, von Wut zerfressen, Tristan Wulfram vor ihr, welcher nicht einmal im Ansatz irgendwas in diese Richtung offenbarte. Seine Ruhe widerte sie an, er widerte sie an. Sie wollte ihm alles sagen, in für jeden seiner Fehler erstechen. Auferstehen lassen, erstechen und doch kannte sie ihn zu gut und sie wusste, wenn es zu einer Schlacht kommen würde, wäre nicht er es, der zu Boden geht. Aber sie wollte es nicht auf sich sitzen lassen, das ließ ihr Stolz nicht zu. Sie würde ihm die Meinung sagen, sei es drum, dass sie mit Schäden dieses Gespräch wieder verlassen würde, er hatte in ihre Augen nicht verdient ohne ihre Strafe davon zu kommen, wie kalt sie ihn auch lassen würde. Er würde sie wiedersehen und sie ihn und dann würde sie abrechnen, endgültig.
Verfasst: Donnerstag 4. April 2013, 23:32
von Alin
- Ich habe mich unzählig tausende Male gesucht in mir.
Und tausende Male in tausenden Tagen der Ruf nach dir.
Doch ich kann dich nicht sehen, kann nicht verstehen was geschieht,
und ob's dich noch gibt in mir.
Jetzt kann ich es sehen,
jetzt kann ich verstehen,
es geschieht dass ich erfrier in mir.
Das Haus das mich hütet, die Knospen und Blüten sind finster und kalt.
Der Stoff den ich trage von schneeweißer Farbe, verschnürt mir den Hals.
Ich würde gern schreien, mich von allem befreien,
zum Sprengen der Ketten der Angst.
Doch alles was Hoffnung bringt liegt in der Ferne wie Sterne.
Ich breche zusammen.
Schelmish - Weiße Fesseln
Sinn - 4. Wechselwind 256
Stumpfe Laute gaben meine Füße von sich, als sie mein Heim betraten und die Tür leise ins Schloss fiel. Ich fühlte mich immer noch leer und all das, was ich dachte geglaubt zu haben und was ich dachte zu wissen, war zu in kleine Scherben zerbrochen. Scherben, welche ich nicht zusammen setzen konnte, auch wenn ich es wollte und meine Finger sich immer und immer wieder daran schnitten. Ich setzte noch zwei Schritte, bevor mein rechter Fuß abknickte und ich zu Boden sackte. Noch ein paar Meter rutschte ich über den Boden, bevor ich mich an die kalte Hauswand lehnte und alles nochmal vor meinem inneren Auge abspielte. Es war jedoch nichts, was das Scherbenmeer in meinem Kopf behob. Die Gedankengänge wurden schlimmer, dramatischer und ich wusste nicht mehr, wo ich mich befand, was ich hier tat und wieso ich mich all dem hingab. Die Leere kehrte zurück, so wie die Hände in mein Gesicht wanderten und sich dort am Haaransatz festkrallten. Wie konnte ich noch dienen, wenn so Dinge in meinem Leib solch Wellen schlugen? Ich wusste es nicht und auch die Nacht ließ mich nicht schlauer werden.
Es war zur Zeit niemand da, mit dem ich hätte reden können, so wie mir der Mund gewachsen war. Jeder hatte seine eigenen Lasten zu tragen, meine Last war die Unstimmigkeit im Reich, die nach und nach auch zu der meinen wurde. Auch wenn recht selten offen darüber gesprochen wurde, war die Machtgier mancher so präsent, dass es nur Blicke waren, die ich mit gewissen Personen austauschen musste. Es waren nur leider keine Personen, mit denen ich sie unbedingt hätte austauschen wollen. Die Gruppierungen formten sich und ich hegte eigentlich kein Bedürfnis, mich in irgendeine zu binden und doch wusste ich, ich hatte es bereits getan. So hatte ich mein Leben nicht geplant, so wollte ich es nicht führen. Der Abend, welchen ich heute durchlebte, war für mich ein Schlag ins Gesicht, mehrere Schläge, nacheinander, mit Klingen zwischen den einzelnen Fingergliedern. Ich wusste nicht einmal genau, was mich so sehr störte, aber irgendwas war da, was meine ganzen Blickwinkel durcheinander brachte. Vielleicht betrachtete ich die Art und Weise des Dienens falsch?
Es machte mich wahnsinnig, dass ich mir in dieser Nacht nicht selber in den Hintern treten konnte. Dieses verlorene Gefühl wollte ich abschütteln. Ich könnte doch nicht so viel Ärgernis in mir tragen, über Handeln mancher Hände und selbst nicht fähig sein, mich zu erheben und voran zu gehen!
Nun steh' schon auf, Alin, du bist nicht abhängig von irgendwem, du kannst aufstehen, du kannst gehen und du kannst atmen und du benötigst dazu keine Seele, die dir hilft, nun steh' auf und stehe für das ein, was dich ausmacht!
Erinnerungen, sie sammelten sich und alles verdrängte schlich sich wieder ein. Ein freudloses Lächeln formte sich auf meinem Gesicht und auch wenn es mein Herz überschüttete, gestand ich mir ein, dass ich schon so viel überstanden hatte und auch das mich nicht in den Tod holen wird. Es ist wohl noch nicht die Zeit...
Verfasst: Mittwoch 17. April 2013, 13:57
von Alin
Sinn- 17. Wechselwind 256
Das Leben nahm seinen Lauf und ich gliederte mich in den Strom mit ein. Wie ein kleiner, unbeholfener Fisch, der von der Masse mitgezogen wurde. Ich lächelte, ich lachte und ich gab all das von mir, was man erwartete. Die Häuser und Städte richteten sich wieder zur voller Größe und ich bewegte mich in ihrem Schatten mit. Immer seltener erwischte ich mich dabei, wie die Ereignisse meine Seele einholten und meinen Strom stoppten. Nur wenn es so war, dann war es nicht einmal so, dass ich einfach stehen blieb, nein, ich flog etliche Meter nach hinten und war wieder bemüht, im sprinteten Schritt das Leben wieder einzuholen.
Ich befasste mich damit, das Haus wieder einzurichten, so wie es schon immer eingerichtet war. Jedes Kissen, jedes Buch, schob ich an genau die Stelle zurück, an welcher es vor dem Beben stand. Es gab mir die Normalität zurück und ließ das Lächeln in meinem Gesicht weniger falsch wirken. Die Bruder Wroth halfen mir, wo sie konnten und ich verstand nicht einmal wieso. Sie überschütteten mich bei ihrer Arbeit mit Komplimenten, womit ich rein gar nichts anfangen konnte und doch verleiteten sie mich dazu, über den Sinn dahinter nachzudenken. Wieso macht man sowas?
Nachdem ich die Peinlichkeit aus meinem Gesicht gewischt hatte und die beiden Männer sich verabschiedeten, glitt mein Blick eine Weile aus dem Fenster zum Nachbarhaus. Es wirkte alles so. als wäre nie etwas geschehen und ich war zufrieden, weil noch alle die da waren, die auch da waren, bevor die Beben begonnen hatten. Doch im tiefsten Inneren wusste ich, dass sich doch alles verändert hatte und das Ganze nur die Scheinwelt ist, in welcher wir uns verbergen. Fernab des Leides, welches wir alle vor einer kurzen Zeit noch erlebten.
Leid, welches mich auch am vergangenen Abend einholte. Ich glaube ich hatte noch nie so ein vertrautes Gespräch mit Florentine geführt. Ich ärgerte mich darüber, das vertraute Gespräche eigentlich nie gute Informationen bedeutete und doch tauschten wir unser Vertrauen und ich ließ immer mehr Seelen in meinen Leib hinein, in meine Seele blicken, in die Verwirrung, die sich dort nach und nach stapelte. Das verwunderliche daran war nur, dass jene Seele, welcher ich alles offenbaren würde, eigentlich gar nichts weiß. Ich wusste auch nichts über sie und doch war mein Vertrauen dort am größten. Meine Brauen zogen sich zusammen und verwirrt starrte ich noch eine gute halbe Stunde auf das Nachbarfenster, wo sich allerdings nichts regte und doch sorgte es für Entspannung in mir.
Verfasst: Samstag 20. April 2013, 13:27
von Alin
20. Wechselwind 250
Ich öffnete die Augen und sah diesem zerbrechlichen Geschöpf entgegen, welches mir mit den hellblauen, fast schon weißen Augen entgegen blickte. Voller Neugierde und Freude, die sich auch auf seinen Lippen abzeichnete. Ich glaube ich hatte noch nie ein glücklicheres Gesicht, als in diesem Moment. Meine Augen wurden glasig und das Strahlen zog sich über jeden einzelnen Zug, den mein Gesicht zu bieten hatte. Ich hatte noch nie etwas schöneres gesehen. Ich beugte meinen Kopf vor und benetzte das zarte, feine Gesicht mit kurzen Küssen. So vorsichtig, als handle es sich um das letzte rohe Ei der Welt. Die Laute, welche es von sich gab, klangen wie Musik in meinen Ohren, welche alle Gedanken in meinem Kopf erhellten und mein Herz erweichten. Ich liebte, sofort und es liebte mich, ich fühlte es, ich sah es.
20. Wechselwind 256
Ich öffnete die Augen und sah dem Stein entgegen, welcher sich schon mit Moos überzogen hatte. Die Sonne war noch gar nicht aufgegangen und ich saß bereits seit einigen Stunden dort. Ich hörte den ersten Vögeln zu, welche ihr Lied pfiffen und diesen Moment lieblicher machten, als er eigentlich war. Es handelte sich nur um einen einfachen Stein, welchen ich vor Jahren herschleppte. Ich suchte ihn, diesen Stein, unter Tausenden. Nun sah man nichts mehr von ihm, obwohl ich ihn damals noch als besonders empfand. Langsam wippte ich etwas vor und wischte das Moos mit der rechten Hand etwas zur Seite. Das Symbol, welches ich mit purer Gewalt in den Stein drosch, war noch vorhanden, auch wenn man es nicht mehr erkannte. Ich selbst kannte deren Bedeutung und der Rest war irrelevant. Ich selbst war auch die Einzige, die wusste, was sich unter diesem Stein befand oder zumindest einst dort ruhte.
20. Wechselwind 250
Meine Wange schmiegte sich an den Kopf des Mädchens. Meine Augen waren geschlossen und ich lauschte der ruhigen Atmung, dem Herzschlag, welchen ich mir einbildete zu hören und ich wusste noch immer nicht, ob ich träume. Dieser Geruch, dieses ganze Bild, es prägte sich in meinen Kopf und ich wusste, ich würde niemals mehr an meiner Entscheidung zweifeln. Ich bemerkte, wie sich die kleinen Finger über mein Gesicht tasteten und sich alsbald in meinem Haar verfingen. Ich war noch so jung und doch war ich mir sicher, dass ich dieses Kind schützen könnte, wie kein anderer. Ich drehte nur sehr langsam meinem Kopf und pustete sachte gegen die kleinen Glieder. Oh wie sehr kann das Glück einen überrennen, dachte ich, es tat schon fast weh.
20. Wechselwind 256
Die Sonne ging langsam auf und warf dünne Strahlen in den dichten Wald hinein. Strahlen, welche nach und nach Licht auf den Stein warfen. Ich hob meine rechte Hand und legte das Vergissmeinnicht auf der Spitze des Felsens nieder. Langsam zogen sich dann meine Beine an, welche ich mit den Armen fest umschlungen hielt und mein Kopf bettete sich auf den Knien. Ich begann langsam zu erzählen, wie mein letztes Jahr war, was ich erlebte und am wichtigsten, ich beteuerte nach jedem dritten Satz, dass es mir gut ginge. Langsam schlossen sich meine Lider und schwermütig zog ich Luft in meine Lungen.
20. Wechselwind 250
Ich beugte mich vor und legte ihren Körper behutsam in ein Traum von Bett nieder. So langsam, als würden die Federn ihren Körper sonst zerspringen lassen. Als sie dort so alleine lag, musste ich mich beherrschen, sie nicht sofort wieder zu nehmen und in meinen Armen zu halten. Ich wollte nicht mehr von ihr lassen, sie war ein Teil meiner Seele geworden und ich wollte sie für kein Gold der Welt eintauschen und sie nie wieder verlieren.
Ich schnitt mir eine Haarsträhne ab und pflochtete jene mit Lederband und Stoff zu einem kleinen Armband. Ein Armband, was mehr war als nur ein Gegenstand, es war ein Teil von mir, an ihr, auch wenn ich sie nicht hielt. Behutsam griff ich ihr Handgelenk und knüpfte es an ihr zierliches Ärmchen. Und als ich mich dann wieder zurück zog, mit dem Leib, fühlte ich mich gleich wohler und ich bildete mir ein, sie sah auch zufriedener aus als zuvor, sie wäre nicht mehr nackt, sie trug mich.
20. Wechselwind 256
Meine Hände knautschten das kleine Armband diverse Male mit der Hand und nach und nach, nachdem ich erneut beteuerte, dass es mir gut geht, fingen die Tränen an zu laufen. Meine Hände glitten hinauf und ich schob immer wieder meine Handballen über meine Augen und schüttelte den Kopf. Die Sonne hatte dabei bereits den höchsten Punkt am Tage erreicht und es breitete sich eine Hitze aus, die vermutlich nicht einmal als solche zu definieren war und doch kam sie einen, nach so einem langen Winter, unerträglich vor.
"Mein Glück."
Sprach ich als letztes zum Stein, zur Erdfläche und zum Wald hin, bevor ich mich langsam aufdrückte, die offenen Emotionen verscheuchte und dem Leben wieder mit der eisernen Maske entgegen trat. Meine Schritte würden weiter gehen, als erstes in die Untergründe der Erde...
- [img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/motheranddaugzc8qxr65am.jpg[/img]
Verfasst: Dienstag 30. April 2013, 12:53
von Alin
30. Wechselwind 256
Es schien mir alles so unreal. Nicht etwa, weil wieder irgendwelche negativen Ereignisse mein Leben ereilten, nein, eher deswegen, weil genau das nicht der Fall war. Mir ging es gut, seit Tagen ging es mir richtig gut und ich konnte das Lächeln aus meinem Gesicht einfach nicht verbannen. Man muss natürlich zugeben, dass ich mich ein wenig langweilte, weil recht wenig los war, aber ich habe mir eingeredet, dass beschweren da nichts bringt und wenn ich dran dachte, was alles so geschieht, wenn es mal nicht langweilig ist, schätzte ich die Langeweile doch ein wenig.
Ich betrachtete mich im Spiegel und starrte penetrant auf die grüne Phiole an meinem Hals. Ich war regelrecht gebannt von deren Schönheit und zeitgleich trieb es einige Gedanken in meinen Kopf, die mich etwas wirr stimmen, wenn ich sie zusammensetzte mit den Dialogen, welche ich mit dem Überbringer jener Gabe die letzten Stunden führte. Es war ein ewiges hin und her und es war ein Sprung von Freud zu Leid und wieder zurück. Seltsamerweise kam mir nun alles viel einfacher vor, nachdem die wichtigsten Dinge anscheinend geklärt waren und doch machte mich irgendwas verrückt, ich wusste nur noch nicht genau was es war. Meine Finger fummelten an der Öffnung der Phiole herum, bevor ich dann eine klare Flüssigkeit einfüllte. Er wünschte sich einen Zweck, den sollte sie haben und doch hoffte ich, als ich die Kette wieder verschloss, dass ich ihn nie nutzen müsste.
"Wann hast du die Kette in Auftrag gegeben?"
"Schon vor den Beben."
Ich verstand es nicht, das passte alles so gar nicht zu seinem Verhalten und seine Worten. Oder wollte er mir erklären, er ist einfach zu unfähig dazu, sich ordentlich auszudrücken, in diese Richtung? Ich schüttelte meine Gedanken ab und wieder formte sich ein Lächeln in meinem Gesicht, es war mir nämlich eigentlich egal, ich war zufrieden und dieser kurze Gedanke würde das auch nicht ändern. Er brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und ich glaube, er wusste gar nicht, wie viel ich ihm zu verdanken hatte. Er war in meinen Augen so viel mehr wert, als er vielleicht jemals wissen würde, auch wenn die Nützlichkeit, welche ich ihm überreichte, vielleicht ein wenig darauf hingewiesen hatte.
Es war ein Schwert, ein Diamantschwert, in welches ich den Splitter Alatars einbauen ließ. Ich wollte ihn an seiner Seite wissen, für die kommenden Wege, die kommende Zeit, die er durchstehen müsse. Mein bitterer Beigeschmack war in dem Fall auch der Gedanke, dass er diesen Weg eventuell ohne mich gehen müsste, wo ich ihm zumindest etwas geben wollte, was ihm keiner nehmen würde, was keiner verbieten würde und was zumindest einen Teil von mir in sich trug, wenn auch nur recht grob betrachtet.
Ich sah in seinen Augen, wie schockiert er darüber war und wie fassungslos und ich wusste noch nicht genau, wie ich das deuten sollte, sein dankendes Wort daraufhin und seine Geste, jene konnte ich besser zuordnen. Als er dann auch meine Hand griff und ich den ersten Schock bei dieser Geste überwunden hatte, schoss mir wieder der Gedanke durch den Kopf, den ich so oft bei ihm hatte:
Du weißt gar nicht, dass ich nur wegen dir noch laufe...
Und das wusste er wahrlich nicht, vermutlich konnte er auch deswegen diese große Gabe nicht nachvollziehen, welche ich ihn machte und dabei war es für mich ein kleiner Tropfen auf den großen Stein.
- Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.
Voltaire
Verfasst: Samstag 4. Mai 2013, 23:00
von Alin
- Das Feuer war da doch jetzt ist es aus.
Zu viele Tränen, zu wenig Applaus.
Die feuchte Asche klebt noch da und wo früher Hoffnung war,
ist jetzt nichts mehr,nur noch schmutziger Schnee von gestern
Wenn ich in den Spiegel seh', wird mir schlecht.
Denn mein Gesicht ist so hart ist so kalt.
Ich wollte siegen, wollte groß sein.
Meine Gefühle wollt ich los sein.
Und jetzt steh ich hier und bin allein.
Megaherz - Herz aus Stein
"Er ist besser für dich."
Ich konnte es nicht mehr hören, ich konnte ihn nicht mehr hören. Ich hatte jedes Mal das Bedürfnis, ihm ins Gesicht zu schlagen. Jedes Mal aufs Neue und jedes Mal wollte ich mich einfach umdrehen und ihn stehen lassen. Er sollte sehen wie es ist, wenn das eintrifft, was er jeden Tag aufs Neue an meinen Kopf warf. Selbst als ich mich in andere Gewänder warf, ein anderes Gesicht annahm, drängte sich immer wieder dieses Gespräch in meinen Kopf. Ich betrachtete das Regimente, schmunzelte, war vergnügt und im Inneren habe ich getobt. Ich wollte ihn schlagen, ihn anschreien und ich wusste sowieso, das es rein gar nichts bringen würde. Er versteht es eh nicht, wie oft sollte ich es ihm noch erklären und wie lange würde ich das noch mitmachen? Vermutlich ewig und das kotzte mich besonders an.
"Such' dir besser wen anders."
Halt die Schnauze! Dachte ich mir, als ich durch den Wald rannte und ich wieder wusste, wo Norden und wo Osten ist. Ich rannte und rannte und schlug jeden Banditen nieder, der dachte ich sei die beste Beute. Ich hätte auch die Kutsche nehmen können, aber dieser Aggressionsabbau tat mir gut. Den Räubern wiederum nicht, aber das war ja nicht mein Verlust. Zwar war ich damit beschäftigt zu rennen, aber die paar Groschen, welche sie bei sich trugen, riss ich mir trotzdem unter den Nagel. Wer hat, der hat, dachte ich mir. Desweiteren dachte ich mir, dass auf der anderen Seite alles so sorgenfrei wirkte und ich mir Gedanken um diesen Kerl machte, immer mal wieder aufs Neue und er mich immer wieder aufs Neue in den Wahnsinn trieb. Ist das Hass-Liebe oder was?! Er kotzt mich an und ich hoffte für ihn, er labert mich gar nicht erst wieder mit dem Müll zu, soll er doch sehen wo er bleibt, ohne mich... Vermutlich fällt es ihm nicht einmal auf.
"Ich versteh' dich nicht."
Du verstehst nicht, warum ich dich will? Ich verstehe nicht, warum du mich willst! Und dann schrie ich in den Wald hinaus, voller Wut und irgendwas anderem, was ich nicht definieren konnte und ich hegte trotz dessen das Bedürfnis bei ihm zu sein, obwohl ich ihn gerade so sehr fort wünschte. Ich hasste es, dieses Gefühl, alles, meine Schwäche!
Verfasst: Dienstag 7. Mai 2013, 02:29
von Alin
- Wie lange war ich in diesem Sturm?
So überwältigt von der gestaltlosen Form des Ozeans
Das Wasser wird schwieriger zu betreten
mit den Wellen, die über meinem Kopf schlagen
Wenn ich dich nur sehen könnte wäre alles in Ordnung
Wenn ich dich sehen könnte würde sich diese Dunkelheit in Licht wandeln
Und ich werde über das Wasser laufen
Und du wirst mich auffangen, wenn ich falle
Und ich werde mich in deinen Augen verlieren
Und alles wird gut sein
Und alles wird gut sein
Ich weiß, du brachtest mich nicht hier zum Ertrinken
Aber warum bin ich dennoch 10 Fuß tiefer und umgedreht?
Knapp zu überleben ist mein Zweck geworden,
denn ich habe mich so daran gewöhnt unter der Oberfläche zu leben.
Lifehouse - Storm
"Wir erleben nun jeden Tag ein Abenteuer, ja Alin?"
"Das ist richtig toll, Alin!"
"Ich muss einfach jeden Tag herkommen, Alin!"
"Das war das beste Abenteuer was ich je hatte, Alin!"
Ich lag auf dieser Strohmatte am Fluss und starrte in die Sterne. Ich erinnerte mich an meine Tochter und an die kurzen Momente, welche ich mit ihr verbringen durfte. Ich erinnerte mich an ihren Geruch und an ihre hellen, strahlenden Augen. Es kam mir sogar vor, als würde ich ihre Berührungen noch fühlen können, wenn ich nur daran dachte. Mir liefen stumme Tränen übers Gesicht und doch musste ich lächeln. Ich hatte mich damit abgefunden, auch wenn es mich noch immer zum Weinen brachte, wenn ich mit intensiver damit befasste. Ich konnte kaum atmen und kaum einen anderen Gedanken fassen, wenn sie in meinem Kopf war, aber ich konnte mittlerweile lächeln. Ich wusste allerdings auch, das ich alles geben würde, um sie noch einmal in den Armen halten zu können. Leider war mein Verstand auch so weit zu wissen, dass auch das nicht möglich war. Ich drehte langsam den Kopf nach rechts und wendete meine Augen vom Himmel ab, nur um über den Boden zu starren, der sich vor mir offenbarte, den Gras beim Wehen zuzusehen und den kleine Käfer zu verfolgen, welcher wohl sein Loch suchte. Ich erinnerte mich an den heutigen Abend und ich erinnerte mich an all das, was ich wohl nie mit eigenem Blute haben würde...
Er hatte mich an diesem Abend so oft angestrahlt und so oft wirkte er so glücklich, dass ich kurze Zeit sogar Angst hatte, er platzt. Selbst als ich in der Küche stand und ihm im Schlafzimmer walten ließ, erhellte das Kinderlachen im zweiten Stock mein Herz. Es war so seltsam vertraut und ich wusste gar nicht so recht damit umzugehen. Auch als er meine Hand griff, mich umarmte oder sich an mich schmiegte, nur um mir mitzuteilen, dass er auf mich aufpassen würde, zerriss es mir eher das Herz, als dass es mich glücklich hätte machen können. Ich konnte so ein Erlebnis nicht mit meinem eigenen Kind teilen und für kurze Zeit hasste ich alle, die jenes Glück hatten. Aber er war so unglaublich süß und auch wenn ich wusste, er würde nie mir gehören, nahm ich mir vor, ihm ein paar tolle Stunden zu bereiten. Es musste sich allerdings in Maßen halten. Denn zum einen würde das auf Dauer sicher seltsam wirken und zum anderen... gab es da auch noch einen anderen Mann in meinem Leben, der irgendwie auch wie ein acht Jahre alter Junge war, nur im Körper eines ausgewachsenen Mannes.
Als ich mitten in der Nacht nach Hause kam, da lag er da auch schon und schnaufte in meine neuen Kissen. Ich betrachtete ihn eine ganze Weile und stand neben dem Bett, als wäre ich irgendwie vom Schlag getroffen worden. Mir fiel wieder ein, dass die Zeit mit ihm begrenzt war und das ich vielleicht nicht einmal alles sehen würde, was er je erreicht. Das ich vermutlich nie das Glück haben würde, mit ihm über sowas wie Kinder nachzudenken oder ihn davon zu überzeugen, eines zu wollen. Ich stand da und fragte mich, warum ich mir trotz allem kein anderes Leben wünschte und ich konnte es mir wie immer selbst nicht beantworten und ich würde es ihm erneut nicht beantworten können, würde er mich fragen. Ich hob langsam die Hand in die Höhe und zog kurz behutsam über sein Gesicht. Auch wenn er es nicht verstand und ich es nicht erklären konnte, würde ich an seiner Seite weilen und auf ihn achten und ich werde in seine Klinge laufen, sollte es seine Aufgabe sein. Ich werde nicht warten, bis er zielt, bis er handelt, ich laufe hinein und werde ihn der stützende Arm sein, den er vielleicht gerade noch nicht einmal kennt. Denn mindestens einer von uns wird das für Alatar wiederspiegeln, irgendwann, was nahe der Perfektion grenzt...
Verfasst: Freitag 10. Mai 2013, 02:50
von Alin
Und ich werde schweigen und ich werde das sein, was du von mir erwartest. Und ich werde schweigen und ich werde das sein, was du von mir erwartest. Und ich werde schweigen und ich werde das sein, was du von mir erwartest.... Immer wieder sprach ich diesen Satz zu mir, während ich im Bett lag und meine Arme um das Kind schlang. Ich konnte nicht schlafen und starrte die Wand gegenüber an. Das ruhige Atmen des Jungen, welcher in meinen Armen lag, beruhigte mich zwar, aber die Gedanken wollten sich nicht abstellen. Ich musste nach einer gefühlten Ewigkeit etwas bitter lächeln, denn ich war mir nicht sicher was ich zur Zeit schlimmer fand: Die Tatsache, dass ich eine Woche den Rand halten sollte oder etwa die Begebenheit, dass ich die Woche darauf einem Volk dienen musste, welches nicht einmal im freundschaftlichen Bündnis zu dem Reich stand, in welchem ich mich heimisch fühlte. Im großen und ganzen fand ich zur Zeit alles zum brechen und ich fragte mich bereits am ersten Abend, wie ich die kommenden Tage überstehen sollte, ohne durchzudrehen. Nicht durchdrehen, nicht ausrasten, das war eigentlich mein Ziel. Ich wünschte mir nur, dass es nur diese Emotionen wären, welche mich begleiteten, aber zur Zeit war die Trauer und der Kummer viel größer als die Wut. Gefühle, die nicht einmal hätten da sein dürfen, wenn man nach den Lebensweg Alatars ginge. Doch waren sie präsent und ich wusste nicht, wie ich sie abstellen konnte und was ich auch nicht wusste, ob ich jemals fähig sein würde das zu sein, was man von mir erwartete. Ich hatte versagt und ich stürzte wieder in den Abgrund, aus welchem ich mich doch vor kurzen erst zog. Ich hatte versagt....
Am ironischsten fand ich die Tatsache, dass er zu mir sagte, falls ich ihn nicht mehr ertragen würde, dass ich mich dann lösen sollte. Verwirrend wenn man bedenkt, dass ich mir eine gute Stunde anhören durfte, dass alles was ich mache falsch war, das ich nicht fähig bin in der Öffentlichkeit zu wandern und ein gutes Bild zu wahren. Ich hatte vermutlich, musste ich mir eingestehen, irgendwann auch nicht mehr zugehört, letztendlich lief es nur darauf hinaus, dass ich eine Schande wäre. Eine Zumutung und ich mich ändern müsse und das so, dass ich nach jener Änderung nicht mehr ich selbst sein werde. So sagte er es zwar nicht, aber es würde alles darauf hinaus laufen. Ich wusste es und falls er es wusste, nahm ich an, es war ihm egal und langsam begann ich damit, dass es mir auch egal war. Ich hasste mich langsam selbst und als ich mich am nächsten Morgen im Spiegel anblickte, konnte ich diesen Anblick auch nicht lange ertragen. Die Haare wurden recht schlicht zusammen gebunden und auch achtete ich nicht groß darauf, ob alle Strähnen mit in den Zopf fanden. Es war mir egal, ich glitt in eine Gleichgültigkeit ab, welche mich selbst ab und an erschreckte. Ich nahm es jedoch hin, ich nahm alles hin und auch wenn nicht, wen interessiert schon was ich will? Ich betrachtete den Jungen, der immer noch in meinem Bett schlummerte und es weichte mein Herz ein wenig auf, doch ich bekam den Kummer nicht mehr aus den Augen...
Ich legte die Bücher bereit und überflog die Zeilen, welche ich in jene schon schreiben musste, weil ich irgendeine, eigentlich irrelevante Sache, nicht in Gesten packen konnte. Ich gab einen verächtlichen Laut von mir und wieder stellte ich fest, wie zu wider mir das Ganze war. Es kam alles in mir hoch und ich realisierte gar nicht, wie ich wütend die Bücher durch den Raum warf, den Stuhl umriss und wild um mich schlug und mein Wille, nicht zu versagen, mich sogar vom Schreien abhielt. Ich hasste es, ich hasste mich und ich hasste alles um mich herum. Ich setzte einen Tritt nach, schleuderte den Stuhl damit durch den Raum und erst als der Hund bellte, weil das Möbelstück ihn erwischte, wachte ich auf aus meiner Trance und blinzelte. Ich rannte auf den verschreckten Kerl zu und legte meine Arme um ihn herum und selbst hier sagte ich kein Ton, ich bemühte mich bei ihm nur nicht, ihm mit Arm-Gefuchtel etwas auszudrücken, Er akzeptierte meine Umarmung und sein Leid war vergessen, meines jedoch hatte gerade erst begonnen und ich betete zu Alatar, dass ich daran nicht zerbrechen würde, was ich jedoch bezweifelte und was das Gebet doch etwas lächerlich wirken ließ...
- Mein Kopf dreht sich heute Nacht,
Ich brauche jemand der mich auffängt
Ich hab’s versucht, aber nichts hat gewirkt
Ich will nicht aufhören, ich will nicht sagen ich habe genug.
Heute Nacht lege ich das Feuer
Heute Nacht reise ich mich los
Three Days Grace - Break
Verfasst: Sonntag 12. Mai 2013, 03:38
von Alin
Es ging alles so schnell. Es blieb nur einen kurzen Moment Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob es das alles wert war, um nun in so einer Situation zu enden. Meinen letzten Blick richtete ich auf Dazen, bevor ich nichts mehr sah und alles um mich herum heiß wurde. Feuer hüllte mich ein und ich wollte schreien, ich wollte fliehen und ich konnte nichts von alledem. Das Feuer zerriss mich und die Angst, welche ich in diesem Moment in mir trug, erinnerte mich nur daran, dass ich so nicht sterben wollte. Es war noch nicht Zeit zu gehen, nicht hier, nicht jetzt, nicht ohne... Es roch verbrannt und es war unerträglich heiß, obwohl die Flammen meine Augen nicht mehr blendeten und ich mir sicher war, dass sie Abstand genommen hatten. Mir fiel das Atmen schwer und ich merkte zwar, das irgendwie an mir herum gefummelt wurde, aber wirklich was gesehen hatte ich nicht. Erst als die lauten Worte an mein Ohr drangen, riss es mich wieder aus meinen Gedanken heraus und ich wusste, das ich noch am Leben war und nicht bereits mit einem Schritt beim Tod stand. Die vertraute Stimme, die allerdings in einer Tonlage sprach, welche mir nur schnell wieder ins Gedächtnis rief, was hier eigentlich geschehen war.
„IHR LASST DIE FINGER VON IHR!“
Ich erinnerte mich zurück an die Zeit, wo ich allen Befehlen trotzte und mich vor Sophie stellte, wo ich jede Strafe annehmen wollte, Hauptsache ihr würde nichts geschehen. Ich ließ mich peitschen für diese Frau, demütigen durch Worte und ich nahm das alles hin, weil für mich eine treue Seele theoretisch so großen Wert besessen hatte. Nun war ich schwach, zerstört und das durch jene Frau, für welche ich vor nur so kurzer Zeit mein Leben gegeben hätte.Ich verstand die Welt nicht mehr, die Treue der Menschen, es wollte nicht in meinen Kopf. War Freundschaft doch nur eine so stupide Sache, welche keinen Wert für die Seelen besaß? Um so länger ich darüber nachdachte, um so wütender wurde ich. Auch wenn ich nicht fähig war meinen Leib zu bewegen, wäre ich am liebsten aufgesprungen, was ich nicht konnte, wäre zu ihr hingerannt, was mir nicht möglich war und hätte ihr einen Dolch über die Kehle gezogen, was meine Kraft nicht zuließ. Ich war so wütend und schockiert zu gleich, ich würde es nie wieder in rechte Worte stecken können. Das würde nie wieder gut gemacht werden können, ich hätte sterben können. Sterben an einem Ort, an dem es nicht geschehen sollte, durch eine Tat, durch die es nicht passieren sollte, für einen Menschen, geleitet von Rachegelüsten und nicht durch den Menschen, für welchen ich mit einem Lächeln mein Leben lassen würde. Sie hatte nicht nachgedacht und das, so schwor ich mir, würde ihr Verhängnis sein. Sie hatte mir in den Plan meines Endes rein gefuscht, meines Todes, welchen ich schon hundert Mal in meinem Kopf auf und ab spielte und sie war kein Teil davon!
Ich hatte mich daran gewöhnt nichts mehr zu sagen und als ich mit dem Kopf auf seinem Schoß lag und dem Schlaf langsam entgegen ging, war ich froh um jede Strafe die er mir gab, um jede Last, die er mir aufdrückte und um jede einzelne Sekunde, in welcher er bei mir war. Denn wie sollte ich diese verrückte Welt, als so verrücktes Wesen, sonst noch überleben...
- Es sind die letzten Zeiten,
die Zeiten der Entscheidung
über Leben und Tod,
über Himmel und Hölle,
Errettung und Verlorenheit.
Seien wir vorbereitet
auf Sein Reden und Handeln,
auf Sein Wirken,
Sein Gericht.
Haben wir keine Angst
vor dem Feuer,
dem Feuer Gottes...
Arne Baier
Verfasst: Sonntag 12. Mai 2013, 04:42
von Gast
Sie wurde niedergeschossen, musste im eigenen Blut baden, und wäre fast gestorben. Warum? Weil sie „Mitglied der Gesellschaft“ war. Je mehr sie versucht hatte, zu differenzieren, nicht alle Rahaler zu kategorisieren und wegen ihres Glaubens – womit sie sich nicht identifizieren konnte – zu hassen, umso mehr wurde ihr dieses Vorhaben erschwert. Ein Bolzen steckte in ihrer Schulter, der andere traf ihren Oberschenkel. Sophie sah ihr Leben vor dem geistigen Auge vorbeiziehen: Das Bild ihrer lächelnden Tochter stach ihr durch den Kopf, Namehas Stimme im Hintergrund, wie sie nach ihr rief, Luninaras versonnenes Lächeln, während sie ihre Pfeile schnitzte, Mitglieder der Gesellschaft, und selbst Graulist, mit seiner exzentrischen Art. War es vorbei? Nein! Zähneknirschend hielt sie sich wach. Bloß nicht die Augen schließen. “Ich würde selbst Alin, Thanaya und Menos verteidigen, wenn Regimentsmitglieder sie angreifen würden“, entgegnete sie dem Letharen-Schützen schwerfällig. “Ich scheiß' auf Glaubens- und Reichsfragen! Mich interessiert nur das Wohl meiner Freunde!“ Die Lunge brannte, und jeder Atemzug fiel ihr durch den stechenden Schmerz der Einschusswunde schwer. “Dann verlasst die Gesellschaft“, erklang seine vor Zorn grollende Stimme.
Thalia und Sentor, vor Kurzem hatten sie das Land erreicht, ersuchten Hilfe. Sie fanden die Mine Bajards nicht. Sophie zeigte sich kooperativ, und führte sie ins Bergwerk. Von diesen beiden kürzlich Kennengelernten wurde sie mit blutenden Wunden hinausgeführt. Die Sicht der Magiekundigen verschwamm, alles sah aus, wie durch einen dichten Nebel geführt. Und sie befürchtete, jeden Augenblick das Bewusstsein zu verlieren. Die Wunden schmerzten so stark, dass sie nicht einmal für einen Regenerationszauber die notwendige Konzentration aufbringen konnte. Erst bei Graulist fand sie die Möglichkeit zur Ruhe; ob die vermeintlichen Schmerzlinderungstränke, die sie hastig, wie Wasser, getrunken hatte, tatsächlich welche waren, oder nicht – zumindest halfen sie der verwundeten Magierin, ihre Aufmerksamkeit von dem beißenden Ziehen auf Schulterhöhe und im Oberschenkel kurzweilig abzuwenden. Lange genug, um durch Illusionsmagie ihren Schmerz umso deutlicher zu betäuben. Sentor und Graulist zogen ihr die Bolzen aus dem Fleisch; sie stöhnte, unterdrückte den Schmerzensschrei, und verließ sich auf die Fertigkeiten der beiden Männer, sowie auf Magie und Heiltinkturen.
Nach der Wundbehandlung machte sich Sophie auf den Weg in Richtung Herberge; die Überfahrt nach Hause, und zur Insel zurück, wäre viel zu anstrengend gewesen. Sie wollte einfach nur ins Bett. Kaum, dass der müde Wirt an der Theke des Gasthauses zu Bajard ihr den Schlüssel des Schlafraumes der Frauen überlassen hatte, entkleidete sie sich vorsichtig, ließ sich rücklings auf das unterste Bett der Dreieretage fallen, und starrte lange ins Nichts. Wider Willen, denn auch der Schlaf zerrte an ihren Augenlidern. Viele Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf, doch eine Emotion dominierte: Hass. Glühender Hass. Sie hatten Sophie nicht anhören wollen, diese 'Drecksletharen'; sie gab sich die größte Mühe, hinter jedem Menschen, jeder Kreatur etwas Positives, und Gutes, zu sehen. Aber sie wurde dafür niedergeschossen, und hätte fast mit dem Leben zahlen müssen – dies als vermeintlicher Dank für bemühte Empathie. Waren sie es wert, diese 'gottverdammten Pantherfratzen'? War Rahal es wert, dass sie dermaßen leiden musste?
Selbst die Academia Arcana hielt sie nicht davon ab, an diesem Abend Rache erfolgen zu lassen – in den Farben ihrer Akademie, die – eigentlich – sinnbildlich für eine wissenschaftsorientierte, glaubens- und gesinnungsfreie Schule stand: “Ich habe am 'Oger' rahalisches Pack gesehen“, entgegnete sie Graulist zur späten Stunde mit einem sich ungewöhnlich anfühlenden, bösartigen Grinsen auf den Lippen. “Wollen wir es den hässlichen Letharen gleichtun, und Bajard – in der Gruppe, weil alleine wären sie zu feige – zur Pantherfratzen-freien Zone erklären?“, fügte sie hinzu. Und das Gefühl der bald erfolgenden 'Rache' fühlte sich berauschend an. Der alte 'Degen' zögerte nicht, und folgte ihr. An der Taverne angekommen, folgte eine Hasstirade der nächsten. Sie spürte Abscheu, Hass; obwohl diese Frau ihr vor Kurzem das Leben gerettet hatte, als Althan sie von Garde und Letharen mitnehmen ließ, um als vermeintliche 'Zielscheibe' zu fungieren: Alin!
Eine „Gardistenhure“ hatte sie diese genannt. Zuvor wurde Samisha vertrieben, als sie sich nach Bajard aufgemacht hatte, in der Hoffnung auf Rache, ebenfalls mit harschen Worten, die die Freundschaft plötzlich bröckeln ließen. “Den Letharen habt Ihr es zu verdanken, dass ich fortan auch so denke; sie sagen: 'Ihr seid Mitglied der Gesellschaft, also müsst Ihr sterben', ich sage: 'Ihr seid hässliches Rahalerpack, also müsst Ihr sterben'; klingt nachvollziehbar, oder?“, und sie wurde sich ihres Spotts im Tonfall nicht einmal gewahr. Der Hass machte sie blind. “In Zukunft ist für mich nur ein toter Rahaler ein guter. Wenn Euer Reich so scheiße ist, und auf jegliche Differenzierung verzichtet, um es sich leicht zu machen, und Leute in Schubladen wirft, wähle ich auch den einfachen Weg: Ihr werdet sterben. Ich werde alles und jeden auslöschen, der auch nur annähernd etwas mit Eurem beschissenen Reich zu tun hat!“ Und schon ließ sie zwei Feuerwesen aus purer, manifestierter Feuerenergie neben sich erscheinen. Sie glühten bedrohlich in der nächtlichen Dunkelheit und wandten ihre Blicke zu Alin herüber. “Ich zähle bis zehn, und wenn sich diese Gardistenhure hier nicht verpisst hat, wird sie sterben“, fauchte sie kalt. Der Countdown lief. Niemand zeigte Anstalten, sich zu erheben, und Sophie sah mit süffisantem Blick den beiden Feuerwesen zu, wie sie Alins Körper in ihren Flammen verschlangen.
Mitgefühl empfand sie. Sie hätte mit ihr reden können, oder? Was die 'Drecksletharen' am Vorabend mit ihr angestellt hatten, betraf sie im Grunde nicht. Aber sie wollte Feuer mit Feuer bekämpfen: Wenn diese Wesen nicht in der Lage waren, zu differenzieren, und sie gleich töten wollten, nur, weil sie Mitglied einer Gesellschaft war, der der Krieg erklärt wurde, würde sie nachziehen: “Ich werde jeden gottverdammten Rahaler richten. Sie jagen. Bis auch der Letzte im Dreck liegt“, knurrte sie in einem weiteren Anflug aufkeimendem Wahnsinns auf. Einerseits; andrerseits dachte sie an Alin. Nicht als Mitglied der Garde, als Rahalerin, sondern als Mensch, als Freundin und ihr Herz machte einen Sprung.
“Alin, was habe ich getan...“
Verfasst: Sonntag 12. Mai 2013, 13:01
von Graulist Eisenjam
Graulist der Degen hatte seine ganz eigenen Motive.
Maskiert, verkleidet und in eine mottenzerfressene, graue Wollrobe gehüllt, folgte er der Magierin als jämmerliche Lumpengestalt auf einer ausgehungerten Schindmähre. Er würde ihr helfen, die wahnsinnigen Rachenpläne umzusetzen, obwohl er ihre Beweggründe nicht teilte, ja nicht einmal so richtig verstand.
Er wusste, wo es Kämpfe gab, gab es auch Beute. Sein Degen war sein Beruf.
Verfasst: Sonntag 12. Mai 2013, 13:38
von Malena Rosenstein
Müde war sie vom Abend gewesen, noch immer trotz der langen Nacht. Das Lied was sie Spielte um Sophie ausser Gefeht zu setzen war hart für sie, war sie doch gewohnt dieses für die masse zu verwenden und nicht nur für eine einzelne Person.
Natürlich merkte sie erst viel zu spät das sie diese Melodie noch nicht unter kontrolle hatte und so wurde auch einer des Ordens geschwächt. Dennoch würde sie sich heute am Abend entschuldigen für ihr tun. Doch Sah sie in jener Situation keinen anderen Sinn Sophie jene Melodie um die Ohren zu werfen.
Malena empfand es als gute tat. Den was wäre gewesen wenn sie sie nicht Schwächen hätte können. Doch nun war alles gut gegangen, so ofte sie.