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Tagebuch
Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 13:14
von Hazar Sevinc Bashir
1. Eintrag
Oh, Eluive, warum kann ich es nicht ungeschehen machen?
Warum meine kleine Schwester? Warum nicht ich?
Mein Herz weint, während meiner Augen Tränen versiegt sind. Meine Mutter weint für die ganze Familie, beklagt den Tod ihrer jüngsten Tochter.
Ich weiß, tief in meinem Herzen, dass sie glücklich darüber ist, das mir nichts passiert ist, aber das tilgt nicht die Schuld, die ich auf mich geladen habe.
Es ist meine Schuld, das sie nicht mehr unter uns weilt, meine alleinige Schuld.
Und niemand kann sie mir nehmen, oder mir vergeben.
Nur Eluive kann mir vergeben, und meine Schwester selber.
Ich fühle mich leer, ich verspüre weder Hunger noch Durst. Das Haus ist nicht mehr das gleiche. Es riecht wie früher, die Gewürze erfüllen noch immer das Haus wenn meine Mutter kocht. Zimt, Kardamon, gemischt mit Fleisch, Reis, Brotduft.
Und doch ist alles anders.
Es wirkt hier alles viel leerer, viel trauriger.
Delilah war so voller Lebensmut, voller Freude, ihr Lachen hat die ganze Familie angesteckt. Wie oft haben wir unten auf den Teppichen und Kissen gesessen und bei Tee und frischem Gebäck erzählt und gelacht?
Der Teppich wirkt nicht mehr so farbenfroh wie damals, das Haus nicht mehr so freundlich.
Die Menschen haben sich nicht geändert, auch wenn die bunten Gewänder, die meine Mutter und ich sonst gerne trugen, im Moment in den Schränken hängen bleiben. Stattdessen tragen wir weiß.
Weiße Sari’s, weiße Kopftücher.
Immer wieder muss ich daran denken, wie wir getanzt haben.
Alle Frauen der Familie versammelt, die Männer sitzen im Halbkreis auf dem Teppich, rauchen Wasserpfeife, trinken Mocca und klatschen oder spielen ein Instrument.
Egal wie es für andre Aussehen mag, wir haben immer getanzt. Die kleinsten Mädchen lernen es schon, kaum nachdem sie Laufen konnten.
Musik und Tanz, bis die Knochen so alt sind, das unsere Frauen nicht mehr tanzen können.
Dann sitzen sie bei den Männern, und klatschen im Takt der Musik.
Momente des Glückes und der Freiheit, Musik und Tanz.
Weiße Sari’s, weiße Kopftücher...
Verfasst: Dienstag 12. Februar 2013, 01:18
von Hazar Sevinc Bashir
2. Eintrag
Ich musste die ganze Geschichte immer wieder erzählen.
Meinen Eltern, dem Dorfoberhaupt und als sie hörten, was ich zum Wind erzählt habe, auch dem hier lebenden Magier.
Ich hatte es selber für ein Hirngespinst gehalten, das mir mein Geist vorgaukelte, in Zeiten der Not. Oder ein Zeichen Eluive’s, das ich mich endlich auf den Weg machen soll.
Akram Ifrey, einer der Ältesten und gesegneter von Eluive mit der Gabe des Liedes, wog den Kopf nachdenklich, als er das hörte.
Ich fühlte mich unwohl, eigentlich wollte ich nur nach Hause. Nach Hause in mein Bett.
Mein Bett ist seit einiger Zeit mein Lieblingsort. Am liebsten möchte ich nur dort verharren.
Aber Akram’s Blick brachte mich schnell ins Hier und Jetzt zurück.
Er sagte, er müsse darüber nachdenken und ich solle am nächsten Tag wieder kommen.
Morgen schon wieder zu ihm, ich mag gar nicht.
Aber mein Vater, der dem Magier herzlich dankte, war froh darüber, so scheint es jedenfalls. Also will ich eine gute Tochter sein, und der Aufforderung nachkommen.
Noch immer kann ich nicht gut schlafen.
Jeder meiner Träume bringt die Augen meiner Schwester zum Vorschein. Jedes Mal erlebe ich diese Situation erneut.
Ich wache schreiend auf, schweißgebadet. Mein Körper zittert und ich kann nichts dagegen tun.
Und jede Nacht kommt meine Mutter in mein Zimmer, legt die Arme um mich und wiegt mich sanft wieder in den Schlaf.
Ich sehe, wie sehr sie leidet, und ich wünsche mir, ihren Schmerz lindern zu können.
Aber ich weiß nicht, wie ich mit meinem Umgehen soll, geschweige denn, mit ihrem.
Verfasst: Dienstag 12. Februar 2013, 01:26
von Hazar Sevinc Bashir
3. Eintrag
„Geh nach Menek’Ur!“
Das waren seine Worte, nachdem Akram mich begrüßt hatte.
„Geh nach Menek’Ur und suche den Ehrenwerten Talib Ifrey, bitte ihn, dich aufzunehmen, und geh zur Akademie.
Hör mir genau zu kleine Hazar, die Akademie heißt Akademie Leviathan. Bitte sie, dich auf zu nehmen, und lerne dort.
Lerne dich selbst neu kennen.“
Er sprach die Worte ganz ruhig, ein, fast Väterlicher, Blick lag auf mir.
Angst und Unsicherheit stieg in mir auf. Wieso ich? Ich sollte von Eluive gesegnet sein?
Ich, die Schuld am Tod ihrer Schwester hatte?
Wieso?
Magier waren Ehrbare Männer und Frauen, sie waren Personen, zu denen man auf sehen kann.
Und ich?
Wer bin ich, der das verdient?
Akram wollte meinen Vater bitten, mich gehen zu lassen. Er möchte, dass ich meinen Weg finde, und dass ich ihn gehe. Er verurteilt mich scheinbar nicht, aber er ist der Meinung, ich solle meinen Geist entfalten, und dies würde ich nur schaffen, in dem ich nicht an der Vergangenheit festhielt.
„Ein Umzug ist demnach der beste Schritt für dich kleine Nachtigall, weg von dem, was dich festhält. Vergiss deine Schwester nie, trage sie mit Stolz in deinem Herzen, aber befreie dich von Trauer und Schuldgefühlen.
Eluive wird deinen Weg leiten, vertraue auf sie und begebe dich alleine in ihre Hände.
Sie alleine weiß, was sie für dich auserkoren hat.“
Das sind seine Worte gewesen.
Ich habe sie jetzt noch im Ohr, auch wenn ich schon lange wieder zu Hause bin.
Wir sind zusammen zum Haus gegangen, und mein Vater und Akram haben sich direkt zusammengesetzt.
Sie haben lange geredet, einige Mocca’s und zwei Dattelweinflaschen später, riefen sie meine Mutter und mich hinzu.
Es war beschlossen worden.
Ich gehe fort.
Fort von meinem Heim, fort von meinen Eltern. Cousinen und Cousins warten auf mich. Fremde, und doch Blutsverwand.
Meine Reise soll in den kommenden Tagen los gehen. Weit ab in die Ferne, um neues zu lernen.
Vielleicht stimmt es. Vielleicht würden meine Schritte neuen Boden finden.
Eluive hat immer ihre Hände schützend über unser Volk gehalten, so vertraue ich ihr, und wage in ihrem Schutz den Aufbruch ins Unbekannte.
Verfasst: Dienstag 12. Februar 2013, 09:50
von Hazar Sevinc Bashir
4. Eintrag
11. Eisbruch 256
Ich bin angekommen.
Menek’Ur, eine große Stadt, umgeben von Wüste.
Die Männer und Frauen, die mich mitgenommen haben, haben ihre Handelswege in die Stadt gekonnt, und sicher hinter uns gebracht.
Ich bin die meiste Zeit aber nur schweigend nebenher geritten.
Sie waren sehr freundlich, und vor allem sehr Hilfsbereit, aber diese Reise hat etwas Endgültiges.
Ich freute mich die ganze Zeit darauf, endlich an zu kommen.
Und ich wurde so herzlich empfangen.
Alle in der Stadt, egal ob Blutsverwand oder nicht, begrüßen einen sehr freundlich.
Asiya hat mich zum Familienhaus geführt, und obgleich wir uns kaum kannten, hat sie direkt meine Neugier geweckt.
Mit einem kurzen Hand Wink, zog ein Wind auf, der die Türen geschlossen hat.
Die Gabe, etwas Selbstverständliches. Auch für eine Frau scheinbar.
Kaum im Haus, ging es zu wie in einem Ameisenhaufen.
Einer kommt, der andere geht, alle sind freundlich und freuen sich, sich zu sehen.
Aaminah brachte mir direkt etwas zu essen und etwas zu trinken, damit sich wenigstens mein Körper von der langen Reise erholen konnte. Auch zeigte man mir ein Bett, in dem ich mich ausruhen konnte.
Kaum da, lernte ich auch schon die Shokra Saymaa kennen.
Sie ist freundlich und Hilfsbereit, hat mir die Akademie gezeigt und mir alles erklärt.
So viele neue Eindrücke, auch wenn ich immer wieder die Geschichte erzählen muss, die mich hier her gebracht hat.
Es fällt mir immer noch nicht leicht, darüber zu sprechen, jedes Mal muss ich mich zusammen reißen.
Die Akademie ist beeindruckend.
Groß, und ein Hort des Wissens, jedoch momentan für mich unerreichbar.
Ich darf die Akademie nicht betreten, nicht, solange ich mich nicht bei dem Shanun vorgestellt habe und er mir die Erlaubnis dazu erteilt.
Aber erst einmal liegen andere Vorstellungen vor mir.
Den Rest der Familie muss ich kennen lernen, vor allem unser Oberhaupt.
Auch wenn ich es kaum erwarten kann, endlich durch die Bücher in der Akademie zu stöbern, und alles Wissen zu erlangen, dass es dort zu finden gibt.
Und ich freue mich schon auf den ersten Unterricht, wenn ich die Erlaubnis bekomme.
Immer wieder, während des Gespräches, lächelte Shaymaa und blieb mir eine Antwort schuldig.
Sie wollte mir nichts über die Gabe oder das nutzen erzählen, eigentlich hat sie recht damit, aber es hat meine Neugier eher angestachelt, als gedämmt.
Delliah hätte sich hier auch wohl gefühlt, denke ich.
Ich bin schon froh, hier zu sein.
Verfasst: Freitag 15. Februar 2013, 21:06
von Hazar Sevinc Bashir
5. Eintrag
15. Eisbruch 255
Ich durfte einen Brief an den Shanun schreiben.
Ich war so aufgeregt, Talib wollte ihn noch unterschreiben, ich hoffe, er ist auf dem Weg.
Shaymaa hat mir so viel erzählt, aber ich darf nicht weiter Fragen. Keine Details über den Eingriff ins Lied. Und meine Neugier wächst von Tag zu Tag.
Nicht, das mich nur das Interessiert, aber irgendwie komme ich immer wieder darauf zurück.
Ich muss lernen, mich zu beherrschen, besser gesagt, meine Neugier zu beherrschen.
Als ich heute durch die Wüste geschlendert bin, nur um etwas Sinnvolles zu tun, habe ich Yamaal kennen gelernt.
Shojen und ein Cousin.
Eigentlich war ich auf dem Weg von der Oase weg, es waren keine reifen Früchte mehr da, auf deren suche ich mich befand.
Stattdessen habe ich mir gedacht, ich sammle für Aaminah ein paar Kakteen einsammeln, ich habe gehört, sie kann Likör daraus machen.
Wie auch immer, mit meinem Körbchen und meinem alten Messer bewaffnet, befand ich mich also in der Nähe der Stadt.
Ich wusste, dass ich nicht weit weg gehen sollte von den Sicherheit gebenden Mauern, aber hier eine Kaktee, da eine Kaktee, bis ich Kampfeslärm hörte.
Ich beobachtete den Mann, von dem ich annahm, er sei Krieger. Ich selbst, natürlich nur in Aaminah’s Kleidern unterwegs, stand einfach ein wenig Hilflos da.
Yamaal war freundlich und hilfsbereit, auch wenn er wenig begeistert davon schien, dass ich keinerlei Rüstung trug um mich zu schützen.
Die Jahre, die ich nun schon auf eigenen Beinen unterwegs bin, brauchte ich nie eine Rüstung.
Ich habe gelernt, den Schlangen und Skorpionen aus dem Weg zu gehen, oder weg zu laufen, jedoch sind die Harpyien, hier in dieser Wüste so schnell und so aggressiv, das es schwierig werden könnte. Insoweit hat er also Recht.
Er möchte Aaminah bitten, mir eine Rüstung zu fertigen.
Wobei ich mir eigentlich verdienen möchte, was ich bekomme.
Aber wenn ich es recht bedenke, wirklich viel kann ich gar nicht. Meine Mutter hat versucht mir das Schneidern und Teppichknüpfen bei zu bringen, hat aber irgendwann aufgegeben.
„Kind, du hast zwei linke Hände“, pflegte sie dann immer zu sagen.
Heute betrachtet, wüsste ich nicht, wie ich sonst meinen Beitrag für die Familie leisten kann. Und dauernd nur Früchte sammeln… Ich weiß ja nicht.
Aber, Eluive wird meinen Weg bestimmen, sie wird schon wissen, was sie für mich bereithält.
Es war ein aufregender Tag. Der Ausflug durch die Wüste hat zwar meine Neugier wieder angefacht, aber ich muss es ertragen.
Wir haben uns lange darüber unterhalten, das Lied, die Möglichkeit, alles in seiner Umgebung nur durch die Kontrolle des Liedes.
Aber auch Yamaal wollte nicht zu viel verraten, wie zu erwarten war.
Immerhin habe ich ihm gesagt, was ich von Shoka Shaymaa zu hören bekommen habe.
Keine Informationen ehe ich nicht mit dem Shanun vorstellig geworden bin.
Weiter warten.
Ich hasse warten.
Verfasst: Dienstag 19. Februar 2013, 20:29
von Hazar Sevinc Bashir
6. Eintrag
19. Eisbruch 256
Ich bin jetzt schon aufgeregt.
Talib hat eine Antwort vom Shanun bekommen.
Ich darf mich bald vorstellen, und dann wird sich entscheiden, wie es für mich weiter geht.
*Anbei ist der Brief sorgsam in das Buch gelegt*
Abdul Quadir Omar hat geschrieben:Abdul überflog den Text, ehe er ein Schreiben an das Haus Ifrey entsandte.
Salam Alaikum Talib.
ich erwarte die Natifha Hazar Sevnic Ifrey am kommenden Samstag zur achten Abendstunde in der Akademia Leviathan.
Ferner mag Tranam Majidah in erfahrung bringen wie weit Hazar`s Verständnis über das Lied und die Gabe Eluives ist.
Wasser und Schatten mit Dir und Deinem Haus.

Ich bin sehr gespannt auf ihn.
Natürlich hoffe ich, dass sich für mich alles zum Guten wendet, und ich mich beweisen darf.
Aber dazu kommen noch viele andere Dinge, die im Haus passieren.
Celine wird eine Weile bei uns bleiben, als Natifah, mit unseren Regeln. Wir sollen ihr das Leben im Haus nahebringen. Das wird bestimmt sehr interessant. Vor allem kann sie mir bestimmt ein wenig über die Kräuter und Pflanzen erzählen, die sie so verarbeitet.
Da muss ich sie mal fragen.
Bald wird es eine Hochzeit geben in unserem Haus. Ich freue mich schon darauf, mal ganz abseits von den Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit.
Wie freundlich hier alle sind.
Ich wurde direkt sehr freundlich aufgenommen und fühle mich hier recht wohl.
Auch wenn ich meine Familie vermisse.
Wirklich sehr vermisse!
Sobald ich etwas nach dem Termin mit dem Shanun weiß, werde ich meinen Eltern ein weiteres Mal schreiben.
Bisher wissen sie nur, dass ich gut angekommen bin und dass es mir gut geht.
Das was es mir wirklich leicht macht, mich hier wohl zu fühlen sind Menschen wie Aaminah. Ihr Temperament und ihre gute Laune sind meistens ansteckend.
Auf dem Basar habe ich sie das erste Mal wirklich geschäftig gesehen und nicht nur im Haus.
Rija ist eine wirklich nette Frau. Ich freue mich darauf, dass sie bald zur Familie gehört.
Sie und Yamaal haben sich bisher nicht von meiner Neugier nerven lassen, dafür bin ich dankbar.
Morgen trifft sich Rija mit dieser Festländerin, eigentlich haben wir das auf dem Basar gemeinsam ausgemacht, aber ich darf die Akademie ja nicht betreten, solange ich keine Schülerin bin.
Vielleicht begleitet mich jemand?
Aber ich möchte auch keinen nerven, und sollte es in Eluives Willen sein, werden sich sicher noch einige andere Möglichkeiten bieten.
Ich weiß noch nicht.
Verfasst: Montag 25. Februar 2013, 14:29
von Hazar Sevinc Bashir
7. Eintrag
25. Eisbruch 256
Jetzt bin ich die letzten Tage zu gar nichts gekommen.
Die Vorbereitungen auf die Hochzeit, der Henna-Abend, die Hochzeit selber.
Es war so schön.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu schreiben.
Bei uns waren Hochzeiten eher selten.
Aber wir haben auch weniger Menschen bei uns gehabt, als hier. Menek’Ur ist schon sehr groß.
Das macht es auf der einen Seite sehr spannend, weil immer etwas passiert.
Und auf der anderen Seite.. Naja, ich kenne, glaube ich, noch lange nicht alle Ecken der Stadt.
Irgendwie bin ich viel öfter im Haus, als das ich mir die Stadt ansehe.
Aber ich habe heute einen sehr schönen Ort gezeigt bekommen.
Und wirklich, zum Erholen und ausruhen, seine Gedanken schweifen zu lassen, ist er wirklich schön.
Aber zurück zum eigentlichen.
Ich war überrascht, wie viele Festländer da waren.
Und Elfen. Aiwa, ich habe eine grüne Elfe gesehen. Was es nicht alles unter Eluives Augen gibt.
Ein schönes Antlitz hatte sie, ebenso wie die anderen Elfen.
Sehr fein und schön anzuschauen.
Nur manche davon scheinen eher schweigsam zu sein.
Ach, was schreibe ich hier eigentlich?
Das wichtigste, erfüllt mich nicht nur gleichermaßen mit Stolz und mit Ehrfurcht erfüllt ist die Tatsache dass ich seit gestern Tranam der Akademie Leviathan bin.
Ich kann gar nicht beschreiben was das für ein Gefühl ist.
Tranam…
Ab jetzt ist es sicher, mein Leben wird sich Grundlegend ändern.
Eine Mischung aus kribbeliger Vorfreude und der Angst, dem nicht genüge werden zu können, erfüllt meinen Bauch.
Und die erste Hausaufgabe haben wir auch schon direkt erhalten.
Da die Form der Darbringung uns überlassen ist, werde ich das ganze Schriftlich machen.
Es ist besser, wenn ich erst meine Gedanken ordne und dann alles aufschreibe. Zur Not kann ich dann im Unterricht ablesen.
Zumindest habe ich dann alles geordnet und auch etwas für später.
Es ist bestimmt interessant, in einiger Zeit wieder in das Buch zu sehen und seine gewonnenen Kenntnisse mit dem jetzigen Denken und Verständnis zu vergleichen.
Jedenfalls freue ich mich schon auf den Austausch mit den anderen Schülern.
Der Anfang ist schon gemacht.
Mit Shakur habe ich einen durchaus interessanten Gesprächspartner gefunden.
Ich freue mich schon auf die Diskussionen.
Auch wenn es mich durchaus amüsiert, wenn er beginnt zu stottern und dabei versucht seine Worte mit verschiedenen Gesten zu untermalen und letztlich mit den Worten: „Du weißt schon was ich meine“, endet.
Verfasst: Samstag 23. März 2013, 14:06
von Hazar Sevinc Bashir
8. Eintrag
23 Lenzig 256
Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe.
Zu lange…
Es ist viel passiert, und doch ist einiges noch immer ungewiss, noch immer ist manches in quälendem Stillstand.
Die letzten Tage haben sich mit Ereignissen überschlagen.
Ich wurde bedroht, wir wurden angegriffen.
Bajard ist kein freundlicher Ort für unser eins. Nicht, solange Dort Rabendiener ein und aus gehen, und das Land für sich beanspruchen.
Beanspruchen, und das obwohl sie nicht dort leben, obwohl sie eigentlich kein Anrecht haben.
Wir sollten nicht dort sein.
Der Angriff dieses Na’an, oder Azyr, oder wie auch immer er nun heißen mag, auf Gassur und Yamaal war mehr als deutlich.
Wir sollten uns darauf gefasst machen, dass jeder von uns, egal wer er war oder aus welcher Familie er kommt, angegriffen wird. Wahllos, nur weil wir Menekaner sind.
Ich habe mich über mich selbst erschrocken.
Erst muss ich mir eingestehen, dass dieser Angriff nicht passiert wäre, wenn ich nicht zu diesem Kräuterfeld gewollt hätte.
Auch wenn Gassur zumindest, es nicht so sieht.
Aaminah war vor Schreck erstarrt, kauerte am Boden, während ich versuchte, die Schändung der beiden bewusstlosen zu verhindern.
Egal was er vorhatte, dieser Rabendiener durfte nie an das Blut eines der unseren kommen.
Und an Yamaals Blut schien er durchaus interessiert zu sein. Unser Shojen..
Es stimmt mich nachdenklich, wenn ich ihn sehe, oder wenn ich Majidah sehe.
Beide so in sich gekehrt, beide so nachdenklich. Als würden sie beide sich gegen uns abschirmen.
Es ist schwierig sich mit ihnen zu unterhalten, und doch mag ich sie auf die eine oder andere Weise.
Was mich zu dem Punkt bringt, das wohl alle Liedwirker ein wenig seltsam sind.
Shakur..
Ein weiteres Beispiel für den Stillstand meines Lebens.
Was soll ich nur denken?
Ich habe mir solche Sorgen gemacht, als er nicht zu unserem vereinbarten Treffen erschienen war, und auch die Tage danach waren voller quälender Unruhe geprägt.
Und jetzt?
Ich weiss nicht.
Ich weiss nicht, was ich davon halten soll.
Zafer sagt, er habe ihn gesehen, aber er ist nirgends aufzufinden. Weder Suraya hat ihn ihm Bashir Haus gesehen, noch ist er an unseren Ruheorten zu finden. Und zu uns kommt er auch nicht.
Habe ich mich so geirrt?
Meine Entscheidung war gefallen und noch immer trage ich die Schärpe bei mir, die er mir gab, für die Nacht in der Oase.
Was mache ich nun?
Verfasst: Montag 25. März 2013, 17:54
von Hazar Sevinc Bashir
9. Eintrag
25 Lenzing 256
Die Sonne begrüßt die Wüste auf ihre alltägliche Art und Weise.
Das Leben erwacht auf Menek’Ur, die nächtliche Ruhe schwindet der täglichen Geschäftigkeit.
Und ich sitze hier, noch gehüllt in meine Decke, nach der kurzen Nacht, in der es an Schlaf gemangelt hat.
Die Decke ist noch schön warm, auch wenn das Klima eigentlich keine Decke nötig macht.
Ich war gestern Jagen. Aiwa, das erste Mal in meinem Leben, das ich eine Waffe in der Hand gehalten habe.
Und das nur, weil Celine mit einem kleinen runden Schild angekommen war, um sich für meine Hilfe zu bedanken. Eigentlich wollte ich das Schild…oder heißt es den Schild?... gar nicht annehmen.
Ich habe ihr doch gerne geholfen, und werde es auch weiterhin tun, wenn sie Fragen hat, oder Hilfe braucht.
Aber sie ließ sich nicht beirren und machte mir dieses Geschenk mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.
Alleine ihre Freude daran zu sehen, war schon dank genug, aber ich ließ mich breit schlagen.
Und dann sollte das Teil natürlich auch noch ausprobiert werden. Eine Waffe, ein Schild, die Lederrüstung von Aaminah, und die kleine Hazar verbreitet heilloses Chaos.
Aber es ist besser so.
Ich sollte wehrhaft werden, gerade in den Heutigen Zeiten ist das von Vorteil.
Alleine werde ich wohl nicht gehen, aber vielleicht nehmen mich die Männer ja mal mit.
Kaum war ich gestern Abend wieder zu Hause, und war gerade dabei, die Rüstung abzulegen, klingelte es.
Im ersten Moment dachte ich, es sei die verspätete Informantin, die zu uns kommen wollte, aber es war jemand anders.
Wie selbstverständlich stand Shakur vor der Türe.
Ohjeh, ich habe geglaubt, mein Herz klopft so wild, das er es hört. Ich war wirklich nervös, vor allem, weil er so ruhig war.
So distanziert.
Gar nicht so, wie ich ihn kenne. Als ich gefragt habe, wo er war, was passiert ist, sagte er nur, dass er wieder da sei, ob das nicht reiche…
Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, so viele Fragen gestellt, die nur er beantworten kann, aber ich weiß neda, ob ich überhaupt fragen soll.
Die wichtigste, ob ich daran Schuld trage, das er weg gegangen ist, verneinte er, was mich wirklich erleichtert hat.
Heute Abend wollen wir uns nochmal treffen. Vielleicht ist er dann besser gelaunt?
Vielleicht erfahre ich dann mehr?