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Ein Wolf im Schafspelz?

Verfasst: Montag 14. Januar 2013, 11:14
von Amira Torreas
„Irgendwie bekomm’ ich ihn nicht aus dem Kopf…“

Die schmalen Lippen öffneten sich um ein leises Seufzen zu entlassen und die Augenlider öffneten sich halb. Wie lange war er nun schon weg? Zwei Stunden, drei Stunden… oder ging vielleicht gerade schon wieder die Sonne auf?

Die junge Wirtin hatte sich ein Bett aus zwei Stühlen gebastelt, das Zimmer, indem sie normalerweise schlief war vermietet. Es macht ihr nichts aus, sie fühlte sich hier wie daheim. Es war warm, sie hatten Essen und Trinken. Es war zwar nicht das Bequemste, aber allemal besser als irgendein kahles Herbergszimmer.

„Sei’ nicht so naiv.“

„Was hat es mit naiv zu tun… er… gefällt mir eben.“

„Soviele Menschen lerne ich kennen… man hört Komplimente, Zusprüche… was hatte das schon zu bedeuten?“


Die Gedankenströme in ihrem Kopf wollten nicht so recht abreissen, es war als würden sich zwei Menschen in ihrem Kopf prügeln. Gedanken überschlugen sich, Bilder verschwommen mit der Erinnerung an den vergangenen Abend.

„Ist er vielleicht doch anders?“

„Aber was sollte an ihm anders sein? Ich will gar nicht wissen, mit wie vielen Frauen er so umgeht… ich muss ihn mir doch nur ansehen – der könnte doch jede haben.“

„Und wenn nicht… ich bin doch nicht blöd, wie er mich angesehen hat. Er war sogar besorgt… für einen Menschen, den er gar nicht kennt?“

Sie zog die Beine etwas an den Körper heran und schlang die Arme um die Knie, nur um dann das Kinn darauf zu betten. Die kleinen Fußzehen schauten unter der Decke hervor, die sogleich von ihr ins Auge gefasst wurden. Sie wackelte etwas mit den Zehen und schüttelte leicht den Kopf, so gut es ihre Position eben zuließ.

„Hör auf damit, Amira… hör auf, an ihn zu denken… wie viele betrunkene Gäste haben dir schon Komplimente…“

„Aber er war doch gar nicht betrunken!“

„Oder doch?“

„Bestimmt nicht!“

Unweigerlich brummte sie etwas in sich hinein und mit einem kleinen Zug der Finger fand die Decke wieder den Weg über die Zehen.

„Ich bin bestimmt nur ein Zeitvertreib… der ist doch ein Pirat… und sagt man nicht über die, die Scharren Frauen um sich?“

„Vielleicht ist er ja anders… er war wirklich nett und… ausserdem glaubt er auch an Alatar, was ja viele andere von der Insel da nicht machen.“
„Steig’ einfach nicht drauf ein, die Zeit wird alles Nötige tun…“

Ein letzter, hörbarer Atemzug drang von ihren Lippen, als die Augenlider abermals das Licht der Taverne verschlangen und in ihrem Kopf wollte sie die Stimmen ruhen lassen. Sie musste auch langsam mal schlafen und trotz allem ging ihr das Gesicht dieses grobschlächtigen, großen Kerls nicht aus dem Kopf…

Verfasst: Montag 14. Januar 2013, 16:19
von Alessio Moranys
Da lag er nun. Weder in seinen Fellen im Kellerbereich seines Hauses auf der Insel, noch in der deutlich bequemeren Hängematte im Obergeschoss. Er war gar nicht auf La Cabeza, und verbrachte die Nacht im örtlichen Gasthaus zu Düstersee. Ein netter Abend ging vorüber. Er kannte offenbar nicht alle Menschen des westlichen Reiches. Und doch lag ihm viel daran, ein Bündnis herzustellen. Rahal war stark, zweifellos. Er war dabei, als es mit einer Gruppe rahalischer Streiter in Richtung Temora-Orden ging. Die Kampfkraft des kleinen Trupps hat ihn verblüfft, und Adrenalin schoss dem jungen, breitschultrigen Piraten durch den Kopf, als er während der Schlacht einen Schuss aus seiner doppelläufigen Muskete nach dem anderen abfeuerte. Diese Koordination, dieser Zusammenhalt; alles stimmte, es war der perfekte Sieg.

In der Regel war Alessio nicht dafür bekannt, Schwierigkeiten beim Einschlafen zu haben. Notfalls wurde eine Flasche Rum leergetrunken, und die Müdigkeit fand sich wie von selbst. In dieser Nacht jedoch blieb er gerne wach. Warum? Was hielt ihn auf? Ihr Gesicht. Seltsam, dass er sich neuerdings um Frauen kümmerte. Nameha schoss ihm durch den Kopf, anschließend formte sich in seinem Geist die Silhouette der aufgeweckten Wirtin von neulich: Amira. „Die Frage ist eher, mein Freund, welche Frau du auf La Cabeza noch nicht hattest“, ertönte die gedankliche Stimme seines Kameraden Jaron, und er musste grinsen. Verlegen grinsen. Irgendwie war diese Zeit vorbei; insgeheim sehnte er sich nach einer zweiten Ivy. Ivy... Wie der Lethar sie vor öffentlichem, bajarder Publikum zerstückelt hatte... Dieses Bild hatte sich für immer in seinen Kopf gebrannt. Und dennoch machte er gemeinsame Sache mit den Peinigern seiner ehemaligen Frau. Eine der Wenigen, die es schafften, durch die kaltherzige Fassade zu dringen, um sprichwörtlich sein Herz zu berühren, um den wahren Menschen hinter Muskete, Pistole, Schießpulver und Doppelklingen kennenzulernen.

Eindeutig die Macht führte ihn nach Rahal. Mit Alatar konnte er sich identifizieren. “Hier im Westen wird ein nutzloser Bettler - der sich weigert, etwas für das Reich zu tun - einfach ausgelöscht. Klingt für mich nachvollziehbar. Ebenso, dass kontrollierter Zorn stark macht. Stärker, als Mitgefühl“, erklärte er Amira seine Motivation für den Glauben im unheimlich überzeugten, kalten Tonfall. Und sie hatte Recht: Auf der Insel sollte er sich zurückhalten; die meisten Freibeuter genossen das, was ihre Bezeichnung bereits impliziert: Die Freiheit. Sich einem Glauben zu widmen, wäre sie für bloß Unterwerfung. Sie verstand ihn, Amira, seltsamerweise: Ein derart gutmütig wirkendes Gemüt verstand den Glauben Alatars... Es wunderte ihn, und er würde darüber nochmals mit ihr reden wollen.

Verfasst: Dienstag 15. Januar 2013, 12:11
von Amira Torreas
Doch eher ein zahmer Wolf?

Was für ein Abend… was für eine Nacht…

Eigentlich wollte sie sich nur neue Kleider beschaffen und am Abend ihre Taverne öffnen, doch offenbar sollte alles anders kommen. Die Mundwinkel hoben sich und formten ein weiches Lächeln auf den schmalen Lippen, sie spürte das Gefühl von Glück, wenn sie an den Mann dachte.

Sie hätte nicht gedacht, dass das, was passierte, wirklich einmal passieren würde, aber wer hätte ihr das schon sagen können? Und wie ihre Gedanken die einzelnen Szenarien des Abends in ihrem Kopf nachformte, sanken die Mundwinkel langsam nach unten.

Es hatte tatsächlich weh getan, zu hören, wie er mit diesen Frauen auf dieser Insel umging und dann auch noch ihr Aussehen. Alle wohl gestandenen Frauen, mit ansehnlichem Körperbau und dem gleichen, südländischem Temperament wie ihm. Sie war… wenn sie ehrlich zu sich selbst war… wohl kaum das, was den meisten Männerfantasien entsprach… wie auch Menos einmal zu ihr sagte. Dazu kam noch, dass sie eben vom Festland war… und keine von diesen „Piratenbräuten“.

Trotz allem hatte sie den Mut dann doch gefasst, ihm zu sagen, wie es ihr geht, eigentlich nicht einmal um ihm wirklich einen Vorwurf zu machen, sie war ja eigentlich selbst Schuld, sich etwas darauf einzubilden, was er tat. Die netten Worte, die Komplimente, die Geste, die Blicke. Sie war keines von diesen „Püppchen“, das war sie nicht… wenn er seinen Spaß wollte, konnte er ihn haben. Er war ihr keine Rechenschaft schuldig, nichts war er ihr schuldig… sie wollte nur nicht… das erste Mal, gleich feststellen, dass sie zu dumm war, Wahres von Falschem zu trennen..

Und sie sprach zu ihm, ihre Worte waren erstaunlich zornig… so kannte sie sich selbst nicht einmal… und zu allem Überdruss spürte sie dann auch noch den Kloß im Hals, auf den sich dünne Träne in ihren Augen sammelten. Eigentlich wollte sie nicht, dass sie ihn so sieht, aber es ging wohl kein Weg daran vorbei.

„Kann ich dir vertrauen?“ „Wirst du mich hintergehen, oder sterben...?“

Was für komische Fragen… sie verstand es, irgendwo… auch wenn ihre Leben nicht unterschiedlicher sein konnten, sie wollte gar nicht wissen, was bei diesen ganzen zwielichtigen Gestalten alles passierte, aber trotz allem wusste sie nicht so recht, was sie erwidern sollte und ehe sie auch nur den Satz zu Ende gesprochen hatte, stürzte sich der Hüne auf sie.

Wieder wanderten die Finger über ihre Lippen, als sie sich an die Situation erinnerte.

Diese großen Hände, die sie berührten, wie er sie an sich zog und seine Lippen die ihren berührten. Für den Moment blieb fast ihr Herz stehen… sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, aber es fühlte sich gut sein. Es war erstaunlich feinfühlig und die grobschlächtigen Hände schenkten ihr ein Gefühl von Behagen und Schutz. Es waren seine Berührungen, die den Strudel aus Emotionen in ihrem inneren zu beruhigen schien, und obwohl sie derlei Erfahrung nicht kannte, schaffte sie es sich einfach von ihm führen zu lassen und die Küsse so zu erwidern, wie es ihr richtig erschien.



Mit diesem Gespräch und vor allem dem Ausgang, war sie glücklich… ja, wirklich glücklich, auch wenn sie wusste, dass es nicht leicht werden würde mit ihm.
Und dazu noch die ganzen Worte seiner… Freunde, die sprachen, als wäre sie gar nicht da. Sie täten ihr leid... und es verschaffte ihr ein mulmiges Gefühl. Nein… sie wollte nicht schon wieder irgendwie Zweifeln.

„Pass’ auf mich auf, Alessio.“ waren ihre Worte beim Abschied und er versprach es ihr – sie vertraute ihm. Sie war nicht dumm, vielleicht naiv genug, anfänglich sich in irgendetwas hineinzusteigern, aber nicht dumm genug, nicht zu wissen, dass sie sicherlich ein komisches Paar bilden würden. Ihr ging’ es nicht um Schutz… nein… es ging darum, was sie ihm schenkte. Ihr Vertrauen…

Und wie sie sich dann in der Realität, fortgerissen von ihren Gedanken, wiederfand, wurde sie sich abermals dem weichen Lächeln auf ihren Lippen bewusst. Sie zog’ die Beine an den Körper heran und bettete den Kopf seitlich auf den Knien.

„Ich denk an dich, großer Mann…“ ein leises Glucksen klang auf ihre Worte hinter den schmalen Lippen… „.. mein großer Mann…“ und mit dem Gedanken an den Piraten schlossen sich langsam die Augen… der Weg war seltsam, aber sie war glücklich..

Verfasst: Dienstag 15. Januar 2013, 15:41
von Alessio Moranys
Er war nie der Typ, der sich schnell öffnen konnte. Die Meisten lernten lediglich seine kalte Maske kennen - die des Jägers mit den gefühllosen Wolfsaugen; den breitschultrigen, skrupellosen Piraten, der nicht einmal mit der Wimper zucken würde, um das zu bekommen, was er sich wünschte, was er verlangte. Und dann gab es Ivy, die es schaffte, seine Maske abzulegen - die kleine, zierliche Schurkin mit der dunklen Haut, den rotbraunen Haaren und einem Faible für großzügig konsumiertes, cabezianisches Wildkraut. Entgegen der Tatsache, dass er dafür berüchtigt war, eine Frau nach der anderen ins Bett zu schleppen, entsprach auch Ivy keinem Schönheitsideal. Er brauchte nicht lange, um festzustellen, dass eine ansehnliche Hülle zwar verlockend war, allerdings erst das Innere zu wahrer Verführung verhalf. Und das liebte er am Wesen der Frau, die ihm kaltblütiger nicht hätte genommen werden können: Sie war verrückt, anders...

Alessio starrte sein Spiegelbild an. Er trug lediglich seine Hose am Leib, das zu Rasta-Strähnen geflochtene, schwere Haar lag ihm auf den breiten Schultern, und er ließ den Blick der fast orangefarbenen Wolfsaugen über die Zwillingsgestalt schweifen, die ihn gerade mit einem strengen Blick bedachte. Was sahen die Frauen in ihm? Er repräsentierte nicht das Bild eines Mannes, nach dem sich das weibliche Volk sehnte: Zwar hatte er sich über die vielen Jahre des Kampftrainings einen muskulösen Körper erarbeitet - er war der sprichwörtliche 'Schrank' eines Mannes -, allerdings sah er seine Gestalt nicht frei von Fehlern; viele blasse Narben zierten ihn, eine diagonale, wulstige, auffällige Narbe brach über seinen Oberkörper, an seiner Wange wirkten weitere drei parallele, narbenförmige Überbleibsel auffällig, die von einem verheerenden Drachenpranken-Hieb stammen konnten, und seine Hände waren von den vielen Kämpfen unangenehm kratzig, rau. Der Bauchansatz entlockte ihm kurz ein Grinsen; er konnte einfach keinen Hehl aus der Tatsache machen, dass er fettreiches Essen, vor allem Fleisch, liebte und ebenso nicht sparsam mit Alkoholkonsum umging. Die eine oder andere Flasche Bier am Tag, musste zum Essen einfach sein.

"Lessi, mach' auf", hörte er an der Tür rufen. Mit weiten Schritten stiefelte er auf diese zu, öffnete sie und ließ den Jäger eintreten, der ihm einen blutigen Beutel mit frisch erjagtem, präpariertem Fleisch auf den Esstisch warf. Wortlos verschwand der junge Bogenschütze wieder, nachdem der Pirat ihn mit einem großzügig gefüllten Goldbeutel entlohnt hatte. Er warf eine dicke, mit üppigem Fettrand versehene Fleischscheibe in die Pfanne, und führte diese über das Gitter, worunter ein Feuer knisterte, um das proteinreiche Wildsteak zu braten. Reichlich Öl und - typisch für das Kulinarische der Insel - scharfe Gewürze, wie Jalapeño-Scheiben, Knoblauchzehen und gemahlener Chili wurden hinzugefügt. Der Duft stieg ihm in die Nase und ließ Gedanken an Amira aufkommen. Amira... Mit einem Grinsen erinnerte er sich an die Wildplatte, welche sie ihm im Gasthaus Dustersees serviert hatte. Seine spärlichen Fähigkeiten in der Kochkunst waren sicherlich nicht mit den ihren gegenüberzustellen. Er konnte lediglich Fleisch blutig braten, und Gewürze drüber streuen. Kein Vergleich mit dem regelrechten Geschmackserlebnis, das Amiras Gericht provoziert hatte. Diese kleine, zierliche Wirtin... Sollte sie Ivys Rolle übernommen und den Freigeist des breitschultrigen Hünen gezähmt haben? Er spürte seinen Leib ungewöhnlich zittern, als er ihr zuraunte, dass sie ihn nicht hintergehen, und bloß nicht sterben sollte. Wenn er sich die wenigen Male bisher verliebt hatte, hatte er es mit Enttäuschungen zu tun. Er erinnerte sich an Lola, die mit ihm spielte und an Ivy, die im Reich des Rabengottes wandelte...

Sicherlich würden sie ein ungewöhnliches Paar darstellen; die zierlich-quirlige Wirtin aus dem westlichen Düstersee, und der grobschlächtige Freibeuter, mit einem deutlichen Hang zum Glauben Alatars. Niemals hätte er gedacht, dass es ihm die Frauen dermaßen schwer machen würden; es kreisten zahlreiche Gedanken durch seinen Kopf, und die Hoffnung, bald wieder Amiras Stimme zu hören, ihr Gesicht zu sehen, stimmte ihn versöhnlich. Nachdem er es sich am Esstisch bequem gemacht hatte, und ein scharfes Fleischmesser durch das zarte, fettige, blutig angebratene Wild gleiten ließ, bedachte er erneut seinen Spiegel - über die immer noch nackte Schulter sehend - mit einem nachdenklichen Blick. Er spürte seinen - mit der eigenwilligen, exzentrischen Rasta-Frisur gezierten - Kopf regelrecht rattern: Wie würde es weitergehen? Würde sich der Spieß nun umdrehen? Bisher war er derjenige, der den Frauen den Kopf verdrehen, und sie um den sprichwörtlichen kleinen Finger wickeln konnte. Der Gedanke daran, dass nun langsam die vermeintliche Rache, seitens der Frauenwelt, erfolgen würde, ließ ihn bitter schmunzeln, ohne die Nachdenklichkeit in seiner Miene zu ersetzen. Es war offensichtlich, dass sich ein neues Kapitel in seinem Leben aufgetan hatte...

Verfasst: Montag 18. März 2013, 16:19
von Amira Torreas
  • Ich wünschte, dass ich unseren ersten Kuss verpasst hätte
    Denn du hast all deine Versprechen gebrochen
    Und was denkst du, wer du bist?
    Herumzurennen und Narben zu hinterlassen,
    Herzen in deinem Glas zu sammeln
    Und Liebe zu zerstören
    Mit der Kälte in deiner Seele
    Was denkst du, wer du bist?


Was sollte das nur. Lange genug hatte sie Zeit sich von ihm zu lösen, Woche für Woche, in der er nicht auftauchte, rang sie mit der zerdrückenden Sehnsucht in ihrem Herzen.
Was hatte sie nur falsch gemacht? Alles eine Lüge.
Sie dachte er würde sich verändern, wie naiv konnte sie sein? Jeder hatte sie gewarnt, selbst seine eigene Schwester hatte sie gewarnt.
Nun hatte er ihm den Rücken gekehrt, das grobschlächtige Gesicht der Spiegel seiner kalten Seele. Wer war dieser Mann?
Alles hätte sie ihm offenbart, ihm geglaubt... drei kleine Worte, ein zweischneidiges Schwert. Etwas, das ihr Kraft gabt, Geborgenheit schenkte und sich nun doch als kalte Lüge entpuppte. Er konnte sich nicht ändern - wollte er es überhaupt?
Jetzt war es vorbei... und es blieb nicht mehr übrig als der Schatten in ihrem Herzen.
Sie hatte versucht einen Wolf zu zähmen, sie wurde gebissen und zurück bleibt nur nur die Narbe - mehr war es nun auch nicht mehr wert.

Verfasst: Montag 18. März 2013, 17:36
von Alessio Moranys
Es war vorbei.

Er hatte tatsächlich gedacht, sich ändern zu können. Wollte Jaron glauben, als er sagte, es sei etwas Schönes, wenn die geliebte Frau – nach einer langen Zeit auf See – am Hafen warten, und sich auf die Rückkehr des Mannes freuen würde. Es wäre ein schönes Gefühl, jemanden daheim zu wissen, der einen empfängt. Ja, ablehnen wollte er diese Worte nicht; irgendwie stimmten sie doch. Aber ihm fehlte etwas – er fühlte sich wie eingesperrt. “Sie versucht, einen Wolf zu bändigen. Lässt du dir die Freiheit rauben?“, fragte man ihn skeptisch. Er hatte zugestimmt; und das Ganze als Spiel, als Herausforderung angesehen, sich auf etwas Festes einzulassen. Aber es ging nicht, wie er mit jedem vergehenden Tag feststellen musste. “Du lügst diese arme Frau an, weil du ein Spiel daraus machst?“, fragte ihn sein Bewusstsein, aber er musste bei der stummen Antwort einen Mundwinkel anheben, um ein Grinsen zu unterdrücken. Ja, das Risiko war reizvoll, und er konnte auf Dauer nicht das verheimlichen, was er im Grunde war; hinsichtlich der Liebe verhielt er sich kalt, wie ein Stein. Er brauchte Abwechslung, keine Bindung. “Du bist und bleibst ein Arschloch, Amigo“, entgegnete ihm ein Freund mit einem Grinsen und klopfte ihm auf die Schulter. Wie Recht er doch hatte. Vermutlich...