Seite 1 von 1

Das Leben des Dorin

Verfasst: Sonntag 6. Januar 2013, 11:20
von Dorin Donnerkeil
Oft sitzt Dorin mitten im dunkeln vor einer Gesteinsformation oder einem unscheinbaren Haufen Schotter und erinnert sich gern an die Zeiten, in denen er mit seinem Zwillingsbruder Progrim und dem Rest seiner Sippe die Tiefen Wege beschützt hatte. Doch diese Zeiten waren nun vorbei, hatte sein Onkel Yorgrum, insgesamt hatte er drei Onkel väterlicher Seits und eine bereits zu den Steinen gegangene Tante mütterlicher Seits, hatte beschlossen das ein Teil der Donnerkeil Sippe zurück nach Nilzadan kehrt oder vielmehr bliebe um die Mauern mit frischem Blut zu versorgen.

Die oberen Ebenen waren keineswegs schlecht, man konnte halbwegs ohne die Axt unter dem Steingemach schlafen, das sich Bett nannte. Doch vieles war für ihn ungewohnt, fremd und neuartig. Vorallem die Großlinge! Ohja...die Großlinge waren schon etwas gewesen, die meisten von ihnen so kurzlebig, dass es Dorin vorkam als würde er kurz in die Tiefen Wege gehen und wenn er wieder käme wäre die gesamte Ordnung der Großlinge umgeworfen und er hätte wieder neue Gesichter kennenzulernen, neue fast schon melodisch klingende Namen der Großlinge lernen müssen.
Ja, diese 'Menschen' waren schon seltsam, die meisten von ihnen waren noch Kinder, denn wo kein Bart da auch kein höheres Alter! Und eben jene Großlinge oder auch Gigrims wie man sie mit dem Akzent aus den Tiefen Wegen beschrieb waren es, die fernab der sicheren Höhlen lebten.

Draußen da wo es keine Decke gab, sondern nur Luft und eine helle Scheibe am Himmel. Dorin wird nie den ersten Tag vergessen, als er seinen ersten Schritt aus der Mine tat und geblendet zurückstolperte. Seine Augen waren ein so helles Licht nicht gewohnt, selbst Nilzadan war ihm fast schon zuhell gewesen. Als er jedoch wieder sehen konnte und die schmerzenden zu Spalten verengten Augen es zuließen etwas zu erhaschen, fiel ihm die Kinnlade runter. Endlose weiten, soviel grün, Luft die seltsam rein und unbehaftet war, fast schon jungfräulich wirkte, wenn er an die intensiven abgestandenen Gerüche in Nilzadan dachte.
Die Eindrücke übermannten ihn und schließlich fiel der Blick zum Himmel, wo die gehässige helle Scheibe alles auf so grausame Weise erhellte. Da stellte er erst fest, dass es nichts gab was ihn schützte. Die Gefahr von oben konnte er in den Stollen und Schächten jederzeit kalkulieren, doch hier gab es vieles was dort, wo normalerweise Stein war, herumfleuchte. Schwebende Insekten oder vielleicht auch Ratten, die einfach durch die Luft über ihn jagten und gemeine Laute von sich gaben.

Dorin stolperte zurück in die Mine und klammerte sich an den nächst besten Fels, den er finden konnte. Ihm war schwindelig geworden, fast schon übel. Alles drehte sich und er dankte dem ehrwürdigen Väterchen dafür, dass er ihm diesen Felsen geschenkt hatte um sich daran festzuhalten und die Übelkeit zuüberstehen. Früher hatte er Gesichten von seinem Großvater gehört, dass es Kaluren gegeben haben soll, die in den Himmel, ja so war das gemeine Wort für dieses blaue Nichts mit der hellen blendenen Scheibe, gefallen waren.

Jetzt wo sich Dorin mit dem Gedanken ablenken konnte, ließ die Übelkeit nach und ihm wurde so einiges klar. Wenn die Kaluren in den Himmel fielen hieß es, dass da etwas sein muss das sie dorthin zieht. Somit waren die Großlinge irgendwann auch einmal klein gewesen und über die Dekaden hinweg mussten sie sich gestreckt haben und dadurch irgendetwas verloren haben, dass sie kurzlebiger machte.
Ebenso war ihr Teint wesentlich rosiger bis sogar sehr dunkel, die gesunde Blässe, die ein Kalur an den Tag legte war gewichen. Dorin nickte und bemerkte erst jetzt das die Übelkeit gewichen war, er küsste den Stein an dem er sich fest hielt und dankte dem ehrwürdigem Väterchen erneut.

Doch für das nächste mal würde er vorbereitet sein, denn es gab eine Sache die typisch für Kaluren und insbesondere einen Donnerkeil war - Er gab niemals auf.

Verfasst: Montag 7. Januar 2013, 10:50
von Dorin Donnerkeil
Vorbereitungen

Dorin war wie im Wahn als er alles durchdachte, nichts sollte fehlen oder schiefgehen, denn ein Kalur war ebenso ein Meister der Planung, denn eben jene hatten das, was viele andere nicht hatten – Zeit.

Er hatte sich alles genau überlegt, gegen die blendende Sonne, ja so hatte er später erfahren hieß diese gehässige leuchtend-helle Scheibe, würde er seine Augen zum Teil abschirmen müssen, eine Kappe mit Krempe statt seines gewohnten Helms müsste genügen, doch konnte er sie in soweit schon darauf vorbereiten, dass er sich in helleren Teilen Nilzadans aufhielt und seine Schlafstätte mit einigen Laternen und Kerzen ausschmückte. Er begann allerdings recht vorsichtig um nicht direkt zu erblinden, zwei kleinere Kerzen sollten für den Anfang genügen und als es erträglich für seine Augen wurde und der Schmerz nachließ steigerte er sich je um eine Kerze oder Laterne.

Gegen die Übelkeit half nur Bier und sehr viel Wiederholungen an der Oberfläche, denn hierfür fiel ihm kein geeigneter Weg ein, seinen Körper an die anderen Umstände zu gewöhnen.

Blieb nur noch die Gefahr von oben oder vielmehr die Gefahr in den Himmel zufallen. Hierfür gab es nur eine logische Lösung – mehr Gewicht! Denn je mehr Gewicht etwas hat, desto schwerer wird es, es vom Boden anzuheben oder gar zuwerfen. Noch mehr Metall am Körper wäre eine Lösung gewesen. Doch hatte Dorin schon längst gewusst, was das Väterchen ihm hatte sagen wollen. Ein Stein mit hohem Gewicht auf kleinstem Raum.

Dorin war nicht in vielem bewandert, doch eines hatte ihn schon immer fasziniert – Steine. Sein ganzes Leben konnte er schon Steine anstarren und in seinem Kopf die verschiedenen Geschichten die sie zu erzählen hatten vor seinem inneren Auge abzuspielen Einmal wollte man sogar einen Suchtrupp nach ihm aussenden, weil er ein halbes Jahr damit zugebracht hatte verschiedene Kiesel anzuordnen, zu betrachten und ihre Geschichten nachzuvollziehen oder ihnen eben eine anzudichten, dies war allerdings in jüngeren Jahren. Später wurde er von verschiedenen Kaluren weiter darin geschult, da es für einen Zwergen selten etwas wichtigeres gab als den Stein, hatte auch jeder Kalur eine eigene Beziehung und sein eigenes Wissen über Steine, was nicht unbedingt jeder bereitwillig mit Dorin teilen wollte.

Doch jetzt wusste Dorin wo er hinwollte, er wollte zu dem Felsen zurückkehren, der ihn den Schutz gewährt hatte und ihn am Boden hielt als es ihm schlecht ging und ihn von seinem Elend in dem Moment ablenkte. Den ganzen Felsen mitzunehmen wäre utopisch und vor allem Verschwendung gewesen, darum bediente er sich mit dem ersten Stück, das er mit Hilfe seiner Picke herauslösen konnte. Der Fels selbst war sehr hart und ließ entließ nur ungern einen Brocken aus seinen Fängen, doch Dorin gab nicht auf. Das Stück welches schließlich herausgesprengt wurde wies trotz allem immer noch ein gutes Gewicht auf. Dorin war überrascht, dieser Stein war sehr viel schwerer als er aussah. Er nahm den Stein mit nach Hause und hielt ihn in seiner Schlafstätte vor seine Augen, schön würde ein Bildhauer diesen Stein keineswegs bezeichnen, einige spitze Ecken und auf ein paar scharfe Kanten ließen den Stein eher gefährlich als nützlich wirken. Dorin musste in diesem Moment laut auflachen, sodass er fast erschrak als der Hall seines Gelächters zurück zu ihm kehrte. „Sieht eher gefährlich als nützlich aus...“ Mrâ so etwas ähnliches soll Yorgrum damals zu Dorins und Progrims Vater gesagt, als er das erste mal die beiden erblickt hatte. Dorin nickte, dieser Stein hatte es in sich, eine härte fast so wie Diamant doch viel schwerer und dementsprechend nicht verwertbar als Schmiedematerial, da die nötige Flexibilität fehlte und der Stein nicht auf Hitze reagieren würde. Die Farbe ist deutlich heller gewesen, jetzt wo er den Stein so vor sich sah, bemerkte er den grünlichen Schimmer, den der Stein an den glatten Stellen aufwies, an den restlichen Stellen war er schlicht dunkel, doch fiel das Licht im richtigen Winkel darauf kam auch hier ein Grünstich zum Vorschein. Dorin brummte zufrieden, die Schönheit war nur für den willigen Betrachter zusehen, für den schnellen flüchtigen Blick war der Stein einfach nur hässlich.
Doch für Dorin wurde der Stein mehr, eine Quelle der Inspiration durch seine bloße Schönheit, ein Glücksbringer und ein treuer Freund. Doch diese Geschichten sollten später folgen.
Jetzt brauchte der Stein lediglich noch einen Namen, diesen hatte Dorin jedoch schon gehört als der Stein den Felsen verließ:

Flinti.

Verfasst: Dienstag 8. Januar 2013, 14:18
von Dorin Donnerkeil
Der erste Tag an der Oberfläche

Nun war der Zeitpunkt erreicht an dem Dorin erneut an die Oberfläche treten wollte um sich diesem grauen und vor allem seiner Angst stellen, in den Himmel zufallen. Immerhin hatte er jetzt Flinti, einen Stein von unaussprechlicher Schönheit und gegen die Übelkeit ein dunkles Starkbier seiner Mutter dabei. Dorin atmete tief durch, als er am Ende des Schachts dieses grelle Licht sah, das dort hinein schien und gehässig darauf zu warten schien, dass Dorin hinaustrat.

Dorin stutzte, machte sich dieses Licht etwa über ihn lustig? Nein, das konnte er doch nicht auf sich sitzen lassen und rannte einfach los. Er musste schlagartig die Augen schließen als er draußen angekommen war, zu hell schien ihm die Sonne ins Gesicht, doch dieses mal war er darauf gefasst gewesen und öffnete langsam seine Augen. Erst waren es noch Schlitze, dann geweitete Spalten und schließlich hatte er seine Augen ganz geöffnet und sah sich um, da sie nicht wie beim ersten mal zu schmerzen begannen. Dorin brummte und watschelte langsam los um diese neue Welt, fernab der seinigen, zu erkunden.
Er war beeindruckt von der Bauart der Menschen und den Werken die sie aus dem Felsen geschlagen hatten, wahrlich Cirmiasgefällig. Einige Bauten mussten über Jahrzehnte hinweg, was für Menschen eine wirklich lange Zeit war in ihrer Lebensspanne, erbaut worden sein oder vielmehr aus dem blanken Berg geschlagen worden sein. Für Menschen, wie Dorin befand, eine herausragende Leistung die seine Anerkennung verdiente, allerdings würde der Erbauer oder die Erbauer schon sehr alt sein wenn nicht sogar in Cirmias großer Schmiede eingegangen sein oder wo auch immer sie hinkamen nachdem sie das Ende der Lebensspanne erreicht hatten. So stapfte er weiter durch die Stadt im Berge und wurde weiterhin nicht enttäuscht, denn die Großlinge die hier lebten waren alle freundlich zu ihm, was ihn erst seltsam aufstieß ihm nach einer Weile jedoch gefiel.

Er blieb jedoch wie vom Schlag getroffen stehen, als er die Mengen an Wasser vor sich aufragen sah und schwimmende, seltsame Bäume die aus dem Wasser wuchsen und statt Blätter Stoff an ihren Ästen hingen hatten. Ja Bäume hatte Dorin schon gekannt, immerhin benötigte man auch unter Tage ab und an mal dieses vergängliche Material. Doch diese Mengen an Wasser waren seltsam und noch viel seltsamer war, dass einige der Großlinge törichter weise auf den Bäumen, die aus dem Wasser wuchsen, herum kletterten. Das mussten noch unerfahrene Menschenkinder gewesen sein, doch Dorin wagte es nicht sich dem Wasser weiter zu nähern. Zu groß war die Gefahr, dass er ins Wasser fiele und das würde einen Tod nach sich ziehen, den kein Kalur erleben wollte.


Unter vielen Kaluren war der Glaube vorhanden, dass im inneren eines jeden Kaluren eine Flamme brenne, Esse vor sich hin schuerte oder eine ganze Schmiede betrieben wurde die den Körper eines jeden Kaluren am laufen hielt und würde ein Kalur vollständig unter Wasser getaucht werden würde die Flamme unwiderruflich erlöschen. Darum ist es auch möglich, dass ein Kalur geringe Mengen von Wasser auf der Haut vertragen kann, was eine monatliche Katzenwäsche, so man diese für nötig erachte, möglich machte. Dorin war einer jener, die so eine Wäsche gelegentlich vollzogen, jedoch nicht ohne im Anschluss eine stark-riechende Fettsalbe aufzutragen, die seine Haut quasi vor zu viel Wasser schützen sollte und auch ansonsten einen eigenen Schutz gegen Verbrennungen bewirken sollte.
Eben jener Glaube war mit ein Grund dafür, warum das kalurische Bier so immens stark sein konnte. Der Alkohol entfacht erneut die Flamme und nährt sie. Manch einer wusch sich sogar damit.
Für Dorin war dies jedoch Verschwendung, denn das eigens gebraute Bier, nach dem Rezept seiner Mutter, war ein starkes-dunkles Bier mit einer Viskosität wie Sirup. Der Nährwert war ebenfalls so enorm hoch, dass ein Becher voll genügte um den Tag zu überstehen, natürlich nur in Notzeiten, denn dafür war es von der Großmutter mütterlicherseits gedacht worden.


Dorin musste etwas unternehmen, diese Kinder durften nicht ins Wasser fallen und er sah sich eilig nach einem 'erwachsenen' Großling um. Es war einiges Los an dieser Wasserstelle, doch keiner der Großlinge wirkte alt genug als das er erwachsen sein konnte. Dann sah er einen Mann, bereits ergraut und die Augen zusammengekniffen, spindeldürr und in Lumpen gekleidet. „Das musste der Sippenchef sein!“ schoss es Dorin durch den Kopf und eilte zu dem Alten, dieser schien Dorin aber gar nicht wahrzunehmen und er räusperte sich „Mrâ Herr über die Großlinge dieser Sippe! Du musst die Kinder vom Baum holen!“ woraufhin Dorin hinter sich zum Wasser deutete. Der Alte antwortete jedoch nur mit einem sehr hohen „Was habt ihr gesagt Herr? Ich höre nicht mehr so gut...habt ihr vielleicht eine Goldmünze?“ Dorin brummte, das war doch wohl ein Scherz, verlangte dieser Großling etwa Gold von ihm und wenn ja, wofür!? „Großling du missverstehst da was, da draußen auf dem Wasser, auf den Bäumen spielen Kinder deiner Sippe!“ brummte Dorin ihn an. Der alte hielt sich die Hand ans Ohr um seine Hörfähigkeit zu verbessern und schüttelte dann den Kopf „Ich verstehe euch immer noch nicht Herr!“ Dorin lief rot an, sprach er denn so undeutlich? Kurz bevor er erneut los bölken konnte stand ein deutlich jüngerer Großling neben ihm und fragte ihn „Das ist ein Greis Kalur, warum brüllst du den armen Mann an?“
Als Dorin dem Großling erklärt hatte, in was für einer Notlage er sich befand lachte der Großling auf, doch bevor Dorin ihm für seine Unverschämtheit eine langen konnte hob jener beschwichtigend die Hände. „Herr Kalur, ihr habt da etwas grundlegend missverstanden. Ihr befindet euch am Hafen und diese 'Bäume' sind Schiffe, die Kinder sind Dockarbeiter und sind meistens in der Lage zu schwimmen“
Dorin schüttelte den Kopf, ließ sich jedoch erklären worum es sich bei diesem 'Meer', den 'Schiffen' und 'Dockarbeiter' handelte. Dann hob er direkt die Hände als wolle er alles was gesagt wurde von sich stoßen „Ihr seid doch alle wahnsinnig! Niemand beherrscht das Wasser, das Wasser stellt eine reine Gefahr dar! Was macht ihr denn, wenn es durch den Fels dringt und eure Wohnhöhlen frisst!?“ Der Mann lachte erneut „So etwas passiert nicht, manchmal kommt das Wasser allerdings von oben“ Dorin schüttelte erneut den Kopf „Das ist nicht möglich...ihr beliebt zu gemeinen Scherzen, nehme ich an, Großling“ Der Dockarbeiter schüttelte erneut den Kopf „Es nennt sich hier zu Lande Regen und es kommt vor“

Dorin stieß den Mann von sich „Euren Schabernak, Herr Dockarbeiter, treibt mit jemand anderem!“