Seite 1 von 1
Neue Gesichter
Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2012, 14:31
von Vincent Elias Vhelvet
Jetzt lag er da…
Er hörte nur das leise Lachen, dass aus dem Schankraum an sein Ohr drang, etwas dumpf, etwas verschwommen… es musste der Alkohol sein.
Ein weiterer Tropfen aus der Rumflasche fand den Weg in die Kehle, rann mit einem leichten, brennenden Schmerz die Kehle hinab und löschte für den Moment den pulsierenden Schmerz in seinem Bein.
Er schloss die Augen und das leise Lachen verschwamm mit dem Herzschlag, eine leise Stimme die in seinem Kopf wiederhallte… „Du solltest dich schonen“… Neyla – es musste der Alkohol sein.
Die Brust hob und senkte sich, als sich die Augen wieder öffneten und ein leiser Atemzug von seinen Lippen drang. Zwischen den Fingern seiner Rechten schwang die fast leere Flasche mit Rum, was ein rhytmisches, schwappendes Geräusch verursachte.
Was war das, was hier passierte…
Er warf den Blick in die dunkle Ecke und eine Silhouette formte sich in den Schatten. Eine schmale Gestalt, ohne Gesicht, ohne Details, nur die Form der Haare und der Ansatz der Gesichtskonturen erinnerten ihn an die Wirtin...
Die Gestalt verfloss mit den Schatten und ein drückender Schmerz im Schädel, paarte sich mit dem Schmerz in seinem Bein… es musste der Alkohol sein, oder doch das Rauschkraut? Was tat er sich eigentlich an…?
Was war das, was hier passierte?
Er spürte die Blicke der Menschen auf sich, nur weil er an Krücken ging. Sie machten ihm Platz, sie lächelten ihm aufmunternd zu, zuvor war er Luft, nicht mehr und nicht weniger.
Geheuchelt, nicht mehr und nicht weniger…
Nur Geheuchelt…
Das war es, was es so Besonders machte. Kein Lächeln, kein Aufmuntern, mehr ein Stein. Sie sei so… sagte sie… ein Stein… und trotz allem, konnte er damit mehr anfangen, als mit allem Anderem – es war ehrlich.
Ein weiterer Schluck des Gesöffs ran seine Kehle hinab, gefolgt von dem leisen, kratzendem Geräusch, als die Finger über die Stoppeln an seinem Kinn wanderten.
Er würde fast schon sagen... er ist dankbar, dass dieser Drecksack ihm ins Bein geschossen hatte. Er hatte es fast schon vergessen, wie es war, wenn da mehr Menschen waren, als nur er selbst… vielleicht würde er den Bastard doch nicht umbringen… etwas Gutes hatte es ja. Langsam drehte sich der Kopf des Mannes und der Blick fiel zum Fenster hin… es war dunkel und nur der Mondschein tauchte das kleine Zimmer in einen gräulichen, lieblosen Ton. Und wie ein weiterer Lidschlag das letzte Licht verschlang, so wurde es auch um seine Gedanken dunkler…
Das Brennen in der Kehle… das Dröhnen des Kopfes… säuselnde Stimmen an seinem Ohr… ein pochendes Loch in seinem Bein… und trotz allem, hoben sich die Mundwinkel in Gedanken an den Abend… es musste der Alkohol sein.
[img]http://1.bp.blogspot.com/-AVRwHwVHHNM/TqbpkgShPaI/AAAAAAAASpo/XQomhnb_cts/s1600/lonely%2Bbed.jpg[/img]
Verfasst: Freitag 28. Dezember 2012, 18:48
von Fiora Talaen
Immer wieder überflogen ihre Augen die wenigen Zeilen, die auf dem Zettel niedergeschrieben worden sind. Irgendwann wand sie ihren Blick beiseite. Eigentlich hatte sie gehofft, behaupten zu können, dass das Zeug zufällig dort gelandet ist oder jemand anders es war - aber schon vor dem Versuch, hatte er sie wohl durchschaut. Ein leises Knurren durchhallte die leere Schenke, als sich ihre Hand zu einer Faust ballte und das Papier in ihrer Hand dabei zerknüllte.
Warum war sie eigentlich so wütend? Etwa auf sich selbst..? Oder gar auf ihn..?
Vermutlich traf beides sogar zu...
Zornig auf sich selbst, weil sie immer wieder die gleichen Fehler machte... weil sie immer wieder ins Feuer fasste und sich verbrannte und noch immer nicht wusste, dass es heiß ist und weh tat..
Wütend auf ihn, weil ... weil...?
Die Antwort blieb sie sich schuldig, in ihrem Inneren saß sie und lauerte.. aber sie wollte es sich nicht schon wieder vor Augen führen. Es war ihr einfach gleich...
Nur ein neues Gesicht...
Eines von Vielen..
Sie zogen vorüber und hielten kurz inne und verschwanden wieder. So war es nun mal mit den Menschen.. wenn etwas glänzte und funkelte, hielten sie inne und betrachteten es... teilten einige Augenblicke ihres Lebens damit... bis sie etwas anderes sahen, dass ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.. dann verschwanden sie wieder..
Sie war die Letzte, die jemand festhalten würde..
Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2013, 13:23
von Vincent Elias Vhelvet
Das dumpfe Geräusch von Holz auf Holz hallte durch den leeren Schankraum, als sich der Mann in langsamen, humpelnden Schritten auf die Treppe zubewegte.
„Alessio Moranys“ hatte sie gesagt...
Was für eine komische Frau sie doch war.
Die äußere Hülle steinern, aber offenbar war sie doch verletzlicher und ängstlicher, als er Anfangs vermutet hatte.
Er spürte ihre Blicke in seinem Rücken und wenn er sie dann doch mal ansah spiegelte sich Besorgnis in ihren Augen wider.
Besorgnis um ihn?
Der Humpelnde erreichte den Ansatz der Treppe und die braunen Augen blickten die einzelnen Stufen hinauf. Die Augen waren müde, gezeichnet von dunklen Ringen unter den Lidern, der Bart ein deutlicherer, dunkler Schatten auf den wettergegerbten Zügen, Brennen im Hals, ein Pochen im Kopf, das unaufhörliche Stechen in seinem Bein.
Nein, ihm ging es nicht gut, aber er wollte seine Fassade aufrecht erhalten.
Er hatte niemanden gebraucht, der sich um ihn kümmerte und doch erwischte er sich selbst dabei, wie die Gedanken zu der Wirtin schwanken.
Vertraute sie ihm letztlich doch?
Sie hatte seinen Namen verraten… dieser Kerl, er würde sicherlich nicht zögern auch sie über den Haufen zu ballern, wenn er es wüsste, zumindest sagte man das.
Wofür ging sie dieses Risiko ein?
Der Mann schaffte sich die erste Treppe hinauf, indem er sich leicht vorbeugte und sich an der Treppe abstütze. Das lädierte Bein wurde nachgezogen. Unter anderen Menschen hätte er sich niemals so zerbrechlich die Treppe hinaufgeschleift, aber es war so leichter für ihn… und immerhin war niemand hier – niemand, der diese Gebrechlichkeit sehen konnte.
Unter Menschen, wenn die Schänke gefüllt war, kämpfte er sich stets aufrecht die Treppen hinauf.
Alles nur wegen diesem Drecksack… Alessio Moranys.
Unweigerlich drang ein brummender Laut des Missmutes von seinen Lippen und er schüttelte den Kopf.
Er verharrte für einen Moment auf der Treppe und er lenkte den Blick über die Schulter zu dem Tresen hin. Ein Blick auf den leeren Hocker, wo sie immer saß. Sie ging auf Reisen, sagte sie… und wieder, ertappte er sich dabei, wie sich ihre Gestalt vor seinem inneren Augen abzeichnete.
Er bemerkte immer wieder, wie sie dazu ansetzte ihm zu helfen, nur um es dann wieder zu lassen…
Weitere Stufen wurden von dem Mann erklommen, wobei jede der hüpfenden Bewegungen, unter der er die Treppe erklomm, ein neuerlicher Schmerz durch das durchlöcherte Unterbein schoss.
Wem machte er was vor… diese Frau… diese Wirtin, sie kümmerte sich um ihn. Er sah die steinerne Facette, die unter unterschwelligen Blicken der Besorgnis bröckelte. Die kleinen Bewegungen, unter denen die weiblichen Finger zu ihm hin wanderten, nur um dann doch einen anderen Weg einzuschlagen.
Die letzte Stufe wurde erklommen, er atmete aus, der Blick ging zur Zimmertüre, ehe auch der letzte Wege bestritten wurde. Die freie Hand legte sich auf die Türe, sie wurde aufgeschoben und unter seiner Brust spürte er die Decke seines Bettes…
Egal, was er in der Welt erzählte… wer er war, was er war, oder was er tat…
In Gedanken lauschte er ihrer Stimme, erinnerte sich an die Unterhaltungen, die Gesten, ihre Bewegungen, ihr Aussehen… er wollte sich nicht selbst belügen.
Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2013, 13:24
von Vincent Elias Vhelvet
[Doppelpost bitte löschen]
Verfasst: Donnerstag 3. Januar 2013, 12:45
von Fiora Talaen
Mit geschlossenen Augen lauschte sie in die Stille hinein. Sie hörte nur das leise, ruhige Atmen... in gewisser Weise beruhigte sie selbst das. Es war eine Seltenheit für sie, dass sie mal gut schlafen konnte. Oft erwachte sie aus einem dunklen Traum, der sie verfolgte - Nacht für Nacht... und mit jedem Erlebnis - kam noch etwas dazu, dass sie des Nachtes heimsuchte. Und doch hatte er es geschafft, es zumindest für eine Nacht zu vertreiben... sie konnte zwar lange nicht einschlafen, aber als sie dann schlief, beschäftigte sie im Traum etwas anderes, wie sonst...
Egal, wie sehr sie sich auch wehrte, ihr Verstand gewann doch nie gegen ihr Herz. Sie war einfach ein gefühlsstarker Mensch, sie konnte versuchen, es zu unterdrücken und dennoch platzte es irgenwann aus ihr heraus. Sie hätte sich damit begnügen können, ihm einfach im Stillen zu helfen und als Dank die Unterhaltungen miteinander entgegen zu nehmen. Aber als die Worte zu ihr vordrangen, zerbröckelte die steinere Fassade zu einem Teil dann doch und egal, wie sehr sie ich dagegen wehrte und innerlich kämpfte, letztendlich gab es für sie nur eine richtige Antwort...
Schon, als sie bei Berti war, wusste sie nicht, warum es sie eigentlich dort hingetrieben hatte. Sie sprach mit ihm über das, was er getan hatte und bat ihn um etwas... der Gedanke ihn wegen so einem Unfug vielleicht nicht mehr wiedersehen zu können, depremierte sie eben. Immer wieder fand sie Entschuldigungen... Ausreden...
<<Ich mag ihn eben..>>
Sie konnte in dem Moment selbst nicht glauben, dass sie diese Worte über ihre Lippen gleiten hat lassen. Aber sie kannte Berti lange genug und vielleicht würde er ihre Bitte wahrnehmen und sich auch dran halten, wenn er wusste, was es für sie bedeutete..
Warum sie ihm dann den Namen verraten hatte...? Sie wollte ihn einfach nicht belügen und wenn er ihn suchte, würde er ihn früher oder später auch finden... Was machte es für einen Unterschied, wenn sie ihm dabei etwas entgegen kam..?
Ob Berti sauer sein würde? Wohl eher nicht... er liebte doch das Risiko.. und an seinem Leben hing er sowieso nicht... es änderte also nichts.. zwischen ihr und ihm..
Aber er verstand... was sie ihm damit sagen wollte.. als sie den Namen nannte. Sie hatte ihm gesagt, dass sie nichts sagte, bevor sie lügte... und das stimmte auch so.. in gewisser Weise waren gewisse Tugenden eben doch noch in ihr vertreten und von denen konnte sie auch nicht abweichen... es war einfach fest in ihr verankert..
Langsam öffnete sie die Augen und sah gerade voran. Irgendetwas an ihm.. ließ sie manche Zweifel vergessen... sie lauschte gerne seiner Stimme... sie wollte ihm vertrauen... doch der Kampf in ihr.. würde wohl noch einige Zeit brauchen, bis er sich entschieden hätte.. und dennoch gab sie ihm wenigstens eine Chance... und daran spürte sie schon... dass sie den Kampf vermutlich schon verloren hatte..
Nur ein neues Gesicht.. und doch hatte er es geschafft, dass sie es nicht mehr aus ihrem Kopf bekommen konnte...
Verfasst: Donnerstag 3. Januar 2013, 17:23
von Alessio Moranys
Lethargisch stiefelt der breitschultrige Pirat durch Bajard. Er hört jeden seiner Schritte, und die Kettenrüstung auf seinen Schultern, deren Gewicht der erfahrene Kämpfer als zweite Haut wahrnimmt, lässt im Rhythmus ein bedrohliches Rascheln erklingen. Seine übliche Maskierung über Nase und Mund tragend, nähert er sich der Herberge. Monoton schweift der Blick der orange-braunen Wolfsaugen über den Platz. Ein Grinsen zuckt an seinem Mundwinkel hoch. "Du bist ein Arschloch", hallte Neylas Stimme durch seinen Kopf. Wie Recht sie doch hat! "Dummerweise hast du den Falschen überfallen. Tu' mir den Gefallen und lass' ihn in Ruhe."
Er lenkt seine Aufmerksamkeit zum Lagerfeuer herüber. Ivys Grab. "Ivy...", murmelt er, und sein Gesicht zeigt eine der seltenen, berührten Mienen. Nicht einmal die Krallen eines ausgewachsenen Drachen durch seinen Bauch schmerzen in diesem Augenblick so stark, wie der Verlust seiner Partnerin. Die Bilder, wie sie vom Letharen, vor seinen Augen und öffentlich in Bajard, gevierteilt wurde, lassen ihn immer noch nicht los. Und seinem Reich dient er. Brüllt "Heil Alatar" herum. Hauptsache den Stärkeren angehören. Es fühlt sich falsch an: Er macht gemeinsame Sache mit den Peinigern seiner geliebten Frau. Mit den Mördern der einzigen Frau, die er nicht als Gegenstand behandelt und nach einer Liebesnacht zum Teufel gejagt hat. "Kra'thor", lautet der nächste, unausgesprochene Gedanke. Und er lächelt. Selbst über die Tatsache verwundert, dass der irgendwann sichere Tod sein Gemüt beruhigen und Frieden schenken würde. Er würde Ivy wiedersehen. "Mach nichts Dummes, Berti", vernimmt er erneut Neylas Stimme im Kopf. Nichts Dummes machen... Mal sehen...
Verfasst: Mittwoch 16. Januar 2013, 12:24
von Vincent Elias Vhelvet
Die einfache, hölzerne Krücke stach sich tief in den weichen Boden unter der Last des Mannes. Die unruhige, angestrengte Atmung formte feine Schwaden, die die Kälte in diesen Gefilden reflektierte. Das Gesicht des älteren Mannes war eingefallen, die dunklen Augen gezeichnet von Erschöpfung und Müdigkeit. Seine Bekanntheit zwang ihn dazu, sein Gesicht mit der ledernen Maske zu verbergen und den Schatten zu nutzen, um einen Blick auf seine Augen abwenden zu können.
Er hatte niemandem was gesagt, was er vor hatte, aber warum sollte er auch? Wer würde ihm zu hören, seine Schwester? Vermutlich nicht… sie hatte nicht diese Bindung, zu diesem Ort, wie er.
Neyla, mit diesem Namen in seinem Kopf, formte sich das der Wirtin mit dem blauen Haar vor seinem inneren Auge und ein kehliges Knurren drang von spröden Lippen.
Hatte sie ihn in den vergangen Tagen schon aufgegeben? Er wusste um ihre Gedanken, wohl auch um ihre Ängste und ihr Misstrauen, auch wenn sie nie wirklich ausgesprochen wurde, konnte er lesen, was auf ihren Zügen passierte, wenn er bei ihr war.
Und er kam nicht drum herum, sich dem Gefühl von Sehnsucht gewahr zu werden, er vermisste sie, aber hätte er mit ihr gesprochen, wäre vermutlich nicht mehr übrig geblieben als Besorgnis.
„Vergiss’ mich nicht, Kleine.“ raunte der Mann kehlig und leise in den dunklen Wald hinaus, während er sich Schritt für Schritt den Trampelpfad entlang bewegte, bis die kleine, einsame Hütte sich abzeichnete, die einst sein Zuhause war.
Knarrend schob er die Tür auf und warf einen Blick in das Innere und das schwache Mondlicht tauchte die Hütte in einen lieblosen, gar gespenstigen, grauen Ton.
Er brauchte kein Licht, um zu erkennen, das nach seinem Weggang noch mal jemand hier war, sie hatten ihn gesucht. Die einfachen Möbel waren umgeworfen, Kessel lagen auf dem Boden, die Feuerstelle zertreten und zerstört. Der Vorhang, der das Schlafgemach der Familie von dem kleinen Wohnbereich trennte war zerrissen.
Mit dem Blick über die Utensilien dachte er an die lange Zeit, die er damit verbrachte, sich um seine Mutter zu kümmern. Nichts anderes hat er getan, als Tag für Tag für sie zu Sorgen, nachdem sein Erzeuger das Leben seiner Familie zerstört hatte. In seinem Inneren gewann wieder der Zorn an Stärke und er erinnerte sich an die Menschen. Er hing sich in seinen Gedanken an die Bilder, wie sein Dolch die Kehlen der Händler und Raufbolde zerschnitt. Wie das warme Blut über seine Finger rann und die gurgelnden Laute seiner Opfer ihm eine gewisse Genugtuung schenkte. Rachsucht, absolute Rachsucht und trotz allem, war er nicht zufrieden…
Dieses Kapitel war vorbei, seine Mutter war tot, seine Schwester wieder bei ihm und vielleicht sogar diese Frau, an seiner Seite… war sie wirklich an seiner Seite? Für den Moment war es egal… er konnte es hier sowieso nicht ändern. So wanderten die behandschuhten Finger in die Gürteltasche und er zog mehre Phiolen heraus. 5 Stück an der Zahl. Schwungvoll warf er die Phiolen in die Ecken des Hauses und ein recht scharfer Geruch von Alkohol machte sich in dem Haus breit.
Dieses Kapitel war vorbei.
Er warf einen letzten Blick in die einzelnen Teile des Hauses und wendete sich zum Gehen. Ein langer Atemzug löste sich von seinen Lippen, als er die letzte Phiole gegen die Hauswand warf. In einer schleichenden Bewegung zog er ein weiteres Utensil aus der Tasche, eine Fackel. Er klemmte sie zwischen die Oberschenkel und schlug mit den Feuersteinen Funken, bis die Fackel Feuer fing. Die Fackel flog in Richtung des Hauses und eine explosionsartige Hitzewelle schlug ihm entgegen, als sich das Gebräu entzündete.
Die Flammen züngelten weit in die Höhe und spiegelten sich in den dunklen, gläsernen Augen des Mannes wieder. Und wie er dem Teil seiner Vergangenheit beim Brennen zusah, wanderten seine Gedanken in die Gegenwart und Zukunft.
Er hatte noch kein neues Zuhause gefunden, oder doch? Zumindest bot ihm die Wirtin einen Platz an, wo er schlafen konnte und nicht nur das… sogar noch ihre Wärme und Nähe. Die Worte von Gefühlen waren unausgesprochen, aber das, was in seinem Inneren passierte, konnte er nicht leugnen.
Und mit diesem Gedanken schlang sich ein seltsamer Druck um sein Herz und die abwesenden Auge sanken langsam zu Boden, und auch hier, sah er die züngelten Flammen sich widerspiegeln, auf dem kalten, nassen Waldboden.
Würde sie verstehen? Macht sie sich Sorgen? Hat sie schon vergessen? Und wenn, wie sollte er damit umgehen? Hrm… Fragen über Fragen und grotesker Weise wanderten die Mundwinkel in die Höhe und formten ein Grinsen…
„Du alter Narr… ein Mörder, ein Lügner und ein Dieb… diesmal bist du das Arschloch…“
Er wäre gerne offen zu ihr gewesen, aber… es war nicht nur anfängliches Misstrauen, denn als das abflaute, spürte er nur die Angst… die Angst mit dieser blutigen Wahrheit die Wirtin von sich zu stoßen.
An sein Ohr drangen plötzlich laute, aufgeregte Rufe und es riss ihn aus den Gedanken. In langsamen, humpelten Bewegungen verschwand die dunkle Gestalt im Unterholz…
[img]http://sanitarian.net/wp-content/uploads/2011/05/eye-burn1-300x225.jpg[/img]
Verfasst: Donnerstag 17. Januar 2013, 15:37
von Fiora Talaen
*Die Sonnenstrahlen blendeten sie etwas, als sie auf der Strasse entlang zur Taverne ging. Da erkannte sie plötzlich eine etwas höher gewachsene Gestalt vor sich. Er drehte sich zu ihr um und schenkte ihr noch ein Lächeln, ehe er weiter voran ging. Schnellen Schrittes lief er zielsicher durch die kleinen Gässlein zwischen den Häusern im Hafenviertel. Sie rief immer wieder seinen Namen und versuchte ihn aufzuhalten, ihm mitzuteilen, dass er auf sie warten sollte. Ihre Füße wurden immer schneller, doch der Abstand zwischen ihnen wurde nur größer - egal, wie sehr sie sich auch bemühte. Und es schien, als würde er ihr Schreien gar nicht wahrnehmen. Sie streckte die Hand nach ihm aus, doch sie konnte ihn nicht fassen. Nach und nach wurden die Helligkeit von einer Dunkelheit abgelöst, die sie langsam einzuhüllen drohte. Die ferne - ihr doch so bekannte Gestalt - verschwamm darin und dann fiel sie...*
Schweißgebadet erwachte sie aus einem weiteren Alptraum, der sie nun über die Tage des öfteren schon heimgesuchte hatte. Sie wischte sich mit einer Hand über die Stirn und ließ sich erneut zurück in die Laken sinken..Tagelang hatte sie ihn nun nicht gesehen. Als er zuletzt in der Taverne war, hatte er lediglich etwas getrunken und war dann ohne ein Wort verschwunden. Vielleicht hatte er seine Meinun geändert oder hatte genug von ihr..? Letztendlich kannte sie ihn noch zu wenig, um ihn wirklich zu verstehen oder zu durchschauen. Vielleicht war es aber auch etwas anderes, was ihn forttrieb - ohne ein Wort zu sagen.. Am Anfang versuchte sie sich keine Gedanken darum zu machen und lebte einfach weiter in den Tag hinein, doch immer wieder - vor allem des Nachtes - spielten sich Szenen vor ihrem geistigen Auge ab. Selbst, wenn sie schlief, schien der Gedanke sie nicht mehr loszulassen und es quälte sie. Die Schlaflosigkeit hatte sie wieder eingeholt und tagsüber hatte sie keinen Kopf für die wirklich wichtigen Dinge. Oft übermahnte sie Sorge, aber auch Wut und Zorn.. In der kurzen Zeit hatte er doch etwas erreicht bei ihr. Sie hatte sich an seine Nähe gewohnt und an seine Worte.. und sich nun darauf einzustellen, dass er nun vielleicht auch nicht mehr wieder kommen könnte... depremierte sie zutiefst..
Und dann...
...kam sie gestern in die Taverne hinein. Sie öffnete nicht... wollte lediglich ein wenig Ordnung schaffen. Da hörte sie wieder das gleichmäßige, raue Atmen, dass die Stille durchdrang und doch beruhigend auf sie wirkte. Zögerlich durchschritt sie den Raum und als sie dann ein Fußpaar in einer Ecke erahnte, führten sie ihre Beine - wie von selbst - dorthin. Als sie dort angekommen war, lenkte sie ihren Blick über ihn. Der Zorn war wie verflogen... sie war einfach froh, dass er wieder da war - in einem Stück. Er sah unheimlich erschöpft aus und er stand vor Dreck.. aber er war zurück... und seit Tagen zeichnete sich auf ihren Zügen wieder ein ehrliches Lächeln auf die erschöpften Gesichtszüge...