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Das Ableben der Laina Celeste

Verfasst: Mittwoch 26. Dezember 2012, 21:02
von Garrett Ryvaendl
15. Eisbruch 255, nach alathairischer Zeitrechnung.

Langsam brach die Nacht herein, die Schatten nahmen zu und verschlangen die Welt. Nebelschleier legte sich wie ein Grabtuch über die Felder, als wisse er genau von den Leichen die in den Tiefen des Erdreichs vermoderten. Gefallene aus alten Kriegen, Kämpfer für eine höhere Sache. Sie alle verrotteten in der Erde. Wurden Nahrung und Lebensraum hunderter Mikroorganismen. Ein totes lebendiges Biotopia. Ihr Tod war der Boden neuen Lebens. Der fruchtbare Dünger der Welt.

Ruhe legte sich über die Welt, nach und nach wurden die hektischen Stimmen des Tages verschlungen. Stille. Die Stille der Nacht. Schnell leerten sich die Straßen von den üblichen Reitern, Händlern und Kutschern. Nur ein einsamer, ergrauter Bauer trieb seinen Karren durch vom Regen aufgeweichte Straßen, die den Namen nicht im geringsten verdient hatten. Seine Glieder schmerzten, der kalte Wind peitschte ihm ins Gesicht, die Finger die schon seit Stunden die Zügel der alten Stute hielten wurden langsam steif. Er hatte den Tag auf einem der größeren Märkte verbracht, hatte sein Getreide verkauft und einen guten Preis gemacht. Müdigkeit machte sich in ihm breit, kämpfte darum die Oberhand zu gewinnen. Die Augenlider wurden allmählich schwer. Schlaf. Schlaf. Das laute Wiehern und Aufbäumen seines Pferdes riss ihn unsanft aus seinen Träumen. Da war eine Gestalt, eine dunkle Gestalt am Wegesrand. Ein fast vom Nebel verschluckter Schemen. Der Alte rieb sich durchs Gesicht. Angst stieg in ihm auf. Mit zitternden Lippen rief er in die Dunkelheit. Doch das was aus seiner Kehle drang war eher ein heiseres, verwaschenes Jammern denn ein Rufen. "W-wer ist da?" Der Schemen wandte sich zu ihm um. Langes weisses Haar wehte im Wind, ein unangenehmes, kantiges Gesicht blickte ihn an. Die Gestalt musterte den Alten einige Sekunden, Sekunden die dem durchgefrorenen Bauern wie eine Ewigkeit vorkamen. "Ich bin auf der Durchreise, wäre es vielleicht möglich das ihr mich ein paar Meilen mitnehmt?" Eine tiefe, müde Stimme, bedacht so freundlich wie ihr möglich zu klingen. Wer war dieser Mann?
Und was würde er tun wenn er seiner Bitte nicht nachkommt? Es waren gefährliche Zeiten, die Leute starben wegen geringerem als einer verweigerten Mitfahrt. Noch immer am ganzen Leib zitternd, nickte der Alte und gab dem Schemen Antwort. "S-sicher, guter Mann. Steigt nur auf." Fast lautlos in großen Schritten näherte sich der Schemen, schwang sich auf den Karren, nahm neben dem eingeschüchterten Fahrer Platz und reichte diesem lächelnd, die in dunkle Handschuhe gehüllte Hand. "Garrett Ryvaendl.", stellte sich der Fremde in all seiner Höflichkeit vor. Der alte Bauer stutzte, das Gesicht des Fremden es war jünger als er annahm, sicher war es von einigen Narben gezeichnet doch zu jung für dies weisse Haar. Als ihm sein Starren auffiel, räusperte er sich, sah wieder auf die Straße vor ihm und gab der Stute den Befehl weiter zu traben. Weißes Haar. Nur Garrett kannte den Grund dafür. Nur er wusste von den Kräutermixturen, den alchemistischen Tränken, die er in fast tödlichen Dosen zu sich nahm. Sie ließen ihn seine Dämonen vergessen, ließen ihm die Chance zur Flucht. Der Flucht in einen traumlosen dunklen Schlaf ohne Erinnerungen. So farblos und grau er im inneren durch seine Vergangenheit wurde, so farblos und grau machten ihn am Ende die Drogen. Ein ausgemergeltes müdes Gesicht, Augen die sich hinter dunklen Ringen verbergen und weisses pigmentloses Haar. "Ihr seid zu später Stunde unterwegs, ich hätte nicht gedacht das ich nach Sonnenuntergang noch ein freundliches Gesicht auf dieser Straße treffen würde.", versuchte Garrett das Eis und die Anspannung zu zerbrechen. "I-ich bin Bauer, MiLord. I-ich k-k-komme vom Markt in..." "Nenn mich nicht so." "W-wie?" "Ich bin kein MiLord, ich bin nicht besser als der nächste Bettler." "J-ja, wie ihr wünscht, Mi- mein Herr."
Der Bauer nickte hastig und wich ein Stück zurück, seine Anspannung war noch immer spürbar. "Du bist also Bauer, richtig?" "Ja, mein Herr." "Liegt dein Gut hier in der Nähe?" Der Alte nickte abermals. "J-ja, mein Herr. Etwa eine Meile von hier. I-ich bitte euch wir haben nicht viel, ich habe Frau und Kinder. Verschont mich." Warum dachte dieser alte Narr nur das ihn töten will?, fragte sich Garrett, aber er war es gewohnt, dass die Leute ihm mit Argwohn begegneten. Er atmete aus, seufzte leise, fast nur für ihn hörbar und erklärte dem Bauern anschließend ruhig und langsam, dass er nicht vorhabe ihn zu töten. Das er seinen Lebensunterhalt mit der Jagd auf Ungeheuer verdiene und eben einen Hof von gierigen Goblins befreite und nicht vor habe ihm oder seiner Familie ein Haar zu krümmen. "Ehrlich gesagt, könnte ich sogar deine Hilfe gebrauchen.", erklärte sich Garrett. "Ich hörte von einer alten Ruine in der Nähe der Klippen, weisst du wo das ist?" "Sicher, ich würde euch aber nicht raten zu dieser Stunde die Ruinen aufzusuchen. Es heisst das die weisse Frau, der gequälte Geist einer in der Hochzeitsnacht ermordeten Frau diesen Ort heimsucht. Ein Vetter von mir hat Sie dereinst gesehen, ihm ist das Blut in den Adern gefroren." Die Leute erzählten viel. Vor allem erzählten Sie Unsinn. Früher war er einst an diesem Ort gewesen, wegen seiner Abgeschiedenheit und Ruhe. Nie zuvor hatte er etwas von einer weissen Frau gehört. Doch Gerüchte haben eine eigene Magie, kaum tauchen Sie auf, gab es sie schon immer.


Blitze zucken über den Nachthimmel, ihr grelles Licht gibt den moosbewachsenen Steinsäulen der Ruinen verzerrte Formen, ähnlich riesger Knochen die aus dem nassen Erdreich ragen. Umgestürzte Säulen, Überreste von Mauern die den alten Standpunkt des Tempels erahnen ließen waren im Halbkreis um einen alten von Efeu überwucherten Brunnen verteilt. Wind heulte wie ein Klagen der Toten durch die Mauern, erzeugt gespenstisches Jaulen. Eine Kriegerin schritt, die Hand auf dem Schwertknauf der in der Scheide an ihrem Gürtel hängenden Klinge durch die engen Gassen aus Schutt hindurch zu den Klippen, unter der sich in tiefem Grollen die Wellen brachen und gegen die scharfen Felsen des Riffs schlugen. Der Regen nahm zu, traf trommelnd auf ihren Brustharnisch. Sie ignorierte es, ignorierte die Kälte, spürte sie nicht. Der Regen hatte inzwischen ihr blondes Haar durchnässt, ließ es dunkler, fast kupfern wirken. Die Kälte tief in ihre Lungen ziehend, strich sie sich mit der linken die nassen Strähnen aus dem Gesicht hinter ihre Ohren. Ein Blitz fuhr durch die Wolkendecke, gefolgt von einem bedrohlichen Donnern welches sich an den Mauern brach und verzerrt wieder hallte wie ein Drohen der Götter.

Mit durchnässten Stiefeln stapfte der weissharige Krieger durch den aufgeweichten Waldboden, kletterte über einige umgestürzte Bäume hinweg und trat zwischen 2 Sträuchern hindurch auf die Lichtung. Blinzelnd ob des ihm entgegen peitschenden Regens erblickte er die Ruinen der alten Tempelanlage. Sein Umhang, sein Harnisch, ja seine ganze Kleidung hatte sich inzwischen vollgesogen vom Regen. Er hasste es. Durchnässt bis auf die Knochen ging er langsam voran, versank bei jedem Schritt leicht im schlammigen Boden. Ein Salamander der auf dem Kopf einer umgestürzten Statue lag beäugte ihn skeptisch und entschied sich als er schweren Schrittes näher kam für die schnelle Flucht ins hohe Gras. Garrett ließ seinen Blick über die Ruinen, die zerbrochene Vergangenheit hinweg schweifen.
Geister. So ein Unsinn. Hier ist weit und breit kein Zeichen von der weißen Frau. Ein Blitz. Eine gleißende Gestalt. Weißes Licht. Oder gibt es Sie doch? Das helle Licht verschwindet und gibt das Gesicht der weißen Frau Preis. Seine Lippen verformen sich zu einem angewiderten Lächeln. Laina. Er kannte Sie, hatte ihr einige Narben zu verdanken. Erinnerungen zuckten wie grelle Blitze vor seinen Augen auf. Er erinnerte sich an ihren letzten Kampf, erinnerte sich an ihre Worte über den Abschaum den Sie zum Vergnügen tötete. Schwächere, in ihren Augen unwürdig zu leben. Ja, Sie hatten schon einmal die Klingen gekreuzt. In dieser Nacht vor den Toren Bajards. Auch Sie erkannte ihn und verzichtete spontan auf unnötige Höflichkeiten, griff auf ihren Rücken und zog den Zweihänder, der schon der Tod so vieler Unschuldiger war aus der Scheide. Garrett ihrer Liste hinzuzufügen würde ihr ein Vergnügen bereiten, dem so schnell nichts nachkommen würde. Garrett ging einige Schritte rückwärts, bis er festen Stand auf einer umgefallenen Mauer fand. Der schlammige Untergrund würde ihm das Kämpfen erschweren, er musste flink sein. Sein Vorteil lag in seiner Schnelligkeit, er wurde von keinem Panzer behindert. Doch durfte er auch nicht übermütig werden, ein Treffer von ihrem Zweihänder und die dunklen Raben würden sich seiner annehmen.“Also stimmt es doch dass jegliches Gewürm bei Regen an die Oberfläche kriecht um zertreten zu werden.“, sprach Sie mit kalter Stimme in welcher eine tiefe Verachtung mitschwang. Garrett ließ sich davon nicht weiter anstacheln, doch hielt er sie im Auge, im Fokus. Es war nur eine Frage von Sekunden wann Sie zum Streich ansetzen würde. „Und was ist mit dir? Suhlen wir uns wieder im Blut von Bettlern und Waisen?“ Ein kaltes Lachen erklang als Antwort. „Wie lustig so etwas gerade von dir zu hören. Weisst du ich habe mich über dich erkundigt, ich erkundige mich über jeden meiner Feinde. Warum hältst du dich so verbissen für etwas besseres? Du bist nur ein Hund, der für jeden abgenagten Knochen seine Würde verkauft. Ein heruntergekommener Söldner, der zu vergessen versucht wo sein wahrer Platz ist. Tief in deinem inneren, hinter deinem falschen Vorhang aus Idealen, weisst du es, du bist ein Sklave. Du bist ein Werkzeug. Du bist wertlos.“
Er bleckte die Zähne einem Wolf gleich, seine Hand fuhr langsam auf seinen Rücken um nach dem Knauf seines Diamantschwertes zu greifen.“So, will das Hündchen also spielen? Na dann werfen wir doch mal den Knochen!“, noch während Sie die Worte sprach setzte Sie zum Sprung an, die Klinge über ihren Kopf gerissen. Garrett zog das Schwert, verlagerte das Gewicht auf sein rechtes Bein und parrierte den Schlag, lenkte ihn nach rechts ab, die Wucht des Angriffs brachte ihn leicht ins schwanken. Ihre Blicke trafen sich, ihre kalten blauen Augen bohrten sich in die seinen. Sie wollte ihn ergründen, wollte diesen Kampf genießen, wie sie guten Sex genoss. Und er würde Sie spüren, intensiver als es die meisten Männer je würden. Er würde spüren wie sich ihre Hände um seinen Hals legen, wie sich ihre Augen in die seinen bohren und sich daran ergötzen wie sein Licht erlischt, wie der Blick in seinen Augen langsam stumpf und verschwommen wird. Sex und töten. Das Beenden von Leben konnte genau so erfüllend sein, wie das zeugen. Garrett hingegen fand wenig Spaß am töten, er hatte schon genug Blut vergossen dass es für 2 Leben reichte. Doch er wusste, dass er den Frieden nach dem er sich so sehnte, nie erfahren würde. Alles ist dazu verdammt zu sterben. Ohne Ausnahme. Der Wind drehte, blies Laina entgegen, blähte ihren Umhang auf und ließ ihn hektisch wehen. Schon bald würde der Sturm über Sie hereinbrechen. Erneut setzte Sie zum Schlag an, dieses mal parierte er zu spät, rutschte auf dem nassen Untergrund und fiel zu Boden. Die Chance für Laina und Sie würde sie sich nicht entgehen lassen, Sie warf sich auf ihn, hob die Klinge über ihren Kopf und fand auf seinem Brustkorb Platz. „Nun wirst du sterben und vergehen. Ich werde dich verbrennen mit meinem Feuer. Du wirst Asche werden. Kein namenloses Grab. Nein, nicht für..“ Ein fester Schlag traf Sie in der Nierengegend, er griff nach ihren Oberarmen und riss sie nach hinten, drückte Sie in den schlammigen Untergrund. Der Regen lief sein Gesicht herunter, tropfte auf das ihre. Ihr Oberkörper hob und senkte sich schnell, bebend vor Wut, vor Erregung. Ihr Atem kondensierte in der kalten Luft. Mit zusammengebissenen Zähnen blickte Sie ihn an, blickte ihn das müde Gesicht des weissharigen. So lag Sie unter ihm im Schlamm, ihre Hände wühlten sich durch ihn hindurch, versuchten ihr Schwert zu fassen zu kriegen. Garrett verhinderte es indem er das Schwert nahm und es außerhalb ihrer Reichweite schleuderte. Das Gewicht des Zweihänders schmerzte in seinen Muskeln. Sie schrie, fluchte, spuckte ihn an. Ihre Hand ballte sich zusammen und fand im Dreck unter ihnen etwas anderes. In einer schnellen Bewegung schlug sie ihm mit dem Stein auf den Hinterkopf, er sackte zusammen, fiel auf ihren Körper. Sie holte Luft, saugte die kalte, feuchte Luft in ihre Lungen, ehe Sie ihn von sich drückte, dann versuchte sie langsam wieder auf die Beine zu kommen. Garrett lag vor ihr, sein Gesicht lag im Dreck. Wie passend für einen Wurm. Sie verzog den Mund und trat ihm mit ihrem Stiefel hart in den Bauch. Er krümmte sich, stöhnte. Nun war es an der Zeit das Spiel zu beenden, den Hund zu richten. Langsam ging Sie von ihm weg, ihr Blick fand ihre Klinge, den Zweihänder im hohen Gras nahe der Klippe wieder. Sie würde ihn vierteilen, ihn ausweiden und er würde um Gnade winseln. Erschöpft bückte sie sich nach ihrem Schwert, hob die schwere Waffe vom Boden auf, sah über ihre Schulter zu Garrett, der sich langsam auf den Bauch drehte und versuchte aufzustehen. Sie drückte sich vom Boden ab und der Sturm brach herein. Das aufgeweichte Erdreich forderte sein Opfer, rutschte und brach ab. Laina verlor das Gleichgewicht fiel nach hinten, bekam in letzter Sekunde noch eine Wurzel zu greifen. Unter ihr fiel das Erdreich, fielen Steine in die See. „Nimm meine Hand.“ Was? Wieso tat er das? „Nimm meine Hand verdammt noch mal!“ Wieso sollte er mich retten wollen? „Komm schon, gib mir deine andere Hand!“ Dieses Gesicht, dieses müde Gesicht, es sorgte sich. Um mich? Garrett rutschte auf dem Bauch näher zur Klippe, streckte seine Hand soweit es ihm nur möglich war nach ihr aus. „Das Leben ist keine gerade Straße, sie ist ein verzweigter Weg.“ „Hör auf zu reden und gib mir deine Hand.“ „Ich..“ „Mach schon!“ „...habe das alles nicht gewollt.“ Ihre Augen schlossen sich langsam, ein letztes Ausatmen und sie ließ los, flog ihrem Ende, ihrer Erlösung entgegen und verschwand in der Dunkelheit der See. Noch lange blickte Garrett in die Tiefe, suchte nach einem Zeichen von ihr, doch Sie war verschwunden. So starb Sie also. Laina Celeste, Trabant der rahaler Stadtwache, in den Tiefen der Meere, in der Dunkelheit ihrer eigenen Nacht. Ruhig stand Garrett am Abgrund, blickte zum Horizont. Ein namenloses Grab sagte Sie. Er griff nach ihrem Schwert und rammte es in den Boden. Dein Grab. Dann drehte er sich um und ging.

Verfasst: Freitag 22. Januar 2016, 18:32
von Gast
Totgeglaubte leben länger

15. Eisbruch 255

“Rahal hat mich zu einem mordenden Monster gemacht.”

“Leben… Ich verdiene es nicht mehr. Zu viele habe ich durch mein Schwert genommen.”

Während sich Laina, nach dem erbitterten Duell gegen ihren einstigen Erzfeind Garrett, mühsam an einem, vom Regen befeuchteten, Vorsprung festhielt, schwirrten ihr Gedanken durch den Kopf, ihre gerechte Strafe im Tod wiederzufinden. Einen Sturz aus dieser Höhe würde sie nicht überleben. Unter ihren schwebenden Füßen hatte sich dichter Nebel gestaut, während eine Mischung aus kaltem Wind und Regen das Gesicht der blondhaarigen Frau quälte. Die tränend brennenden Augen offen zu halten entpuppte sich als mühsam. Ein letztes Mal sah sie zu ihrem Widersacher empor, der ihr tatsächlich die Hand gereicht und sich zu helfen bereit gezeigt hatte, bevor sie ihren Halt lockerte und in die Tiefe fiel. Für einen kurzen Moment überkam sie im freien Fall der tröstende Gedanke, dass nach einem schmerzhaften Aufprall alles vorbei sei, sie lächelte Garrett an.

Der menschliche Instinkt tendiert dazu, reflexartig zu reagieren: Kaum, dass sich ihr Kopf damit abgefunden hatte, eine der zahlreichen, gesichtslosen Seelen für Kra’thors Schlund zu werden, riss sie die Augen auf und griff nach einem weiteren Vorsprung. Kurz konnte sie dadurch ihren Sturz federn, bevor ihre Hand abermals vom glitschigen Gestein rutschte und sie weiterfallen ließ. Brust, Bauch und Beine schürfte sie sich an den Spitzen blutig auf, ihre Zähne knirschten vor Schmerz aneinander, doch es gelang ihr immer wieder nach einem Stück Stein zu greifen, um den Fall zu bremsen, der für die junge Frau ansonsten den sicheren Tod bedeutet hätte. Unsanft, und nach mehreren Stößen des Kopfes, fand ihr Rücken schließlich Halt auf matschigem Boden. Der Leib war von vielen Schnittwunden geprägt. Kurz, bevor die Kraft ihre Augenlider verließ, sah sie nach links und rechts. Zahlreiche, tote Körper türmten sich, einer regelrechten Totenschlucht gleich, auf und sie hatte offenbar ihren Anhänger auf dem Leib einer leblosen blonden Frau verloren. Das Schmuckstück, welches sie definitiv als Laina Celeste, dem alatarischen Reich angehörig, ausweisen konnte. Wie ein Echo hörte sie mehrere Schritte durch ihren verletzten Kopf dröhnen, ehe sie gänzlich das Bewusstsein verlor.

Als sie die schmerzenden Augen langsam öffnen konnte, fand sich Laina in einer Hängematte wieder. Die Umgebung wurde klarer und zeigte nach und nach die Konturen dichten Blattwerks, das von Bambusrohren gehalten wurde; offensichtlich war sie die unangekündigte Besucherin eines provisorischen Waldzelts. “W-Wo bin ich?”, murmelte sie und drückte sich ihre Hand an den vor Schmerzen pochenden Kopf. Danach spürte sie einen Finger auf ihren Lippen, den sie mit erschrocken schielenden Augen musterte. Unsicher glitt ihr Blick über den zugehörigen Arm und dessen Ursprung zeigte wiederum die Form eines bekannten Gesichts. “Fey”, wollte die Verletzte vor Freude jubeln, was sich wegen des angedrückten Fingers auf ihrem Mund allerdings als mühsam entpuppte. Die junge Waldläuferin und Blutsschwester lächelte sie sanftmütig an. Ein Kopfschütteln signalisierte Laina stumm, zu ruhen und nicht zu sprechen. Sie nickte, während sich Tränen der Freude in ihren Augen sammelten und ihr Blick ununterbrochen der jungen Frau galt, die ihre Wunden versorgte. Offensichtlich sollte der Kampf gegen Garrett nicht ihr letzter sein, auch, wenn sich die Zukunft der jungen Blondine fortan schlagartig ändern würde.