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Gedankengut einer Piratin

Verfasst: Donnerstag 20. Dezember 2012, 19:28
von Svetlana Ethered

Der Tag neigte sich dem Ende entgegen.
Die scharfe, starke Briese vom Meer fegte über den Hafen Cabezas.
Wie so oft, war der Tag mit vielen Dingen zugestopft gewesen, und immer war etwas zu tun gewesen.
Doch im Moment überschlugen sich die Ereignisse.
Zuviel für ihren Geschmack, und zu viel für ihre Prinzipien.
Rauben, Morden, Überfälle, Betrug, andere Gaunereien waren für Lana nicht ein Problem gewesen.
Streit, Machtgerangel, aye, das gehörte dazu.
Aber wer, im Namen aller sieben Höllen, war so idiotisch und machte alles ernst?
Sie hatte sich des Öfteren selber verschiedene Szenarien ausgemalt, wie sie ihren Stand verbessern konnte, sei es, in ihrer alten Gemeinschaft oder wo anders.
Aber sie wäre nicht so naiv gewesen, und hätte nach einem versuchten Mord, ihr Werk nicht zu Ende gebracht.
Sie hatte sich bisher an ihre eigenen Regeln gehalten. Sie hatte diese nach außen präsentiert, hatte Inselfremden erklärt, das die Cabezianer ein loser Haufen waren, die aber gegen den Feind beieinander standen, die sich verteidigten, die, wie eine Crew auf See gegen den Sturm kämpften.
Aye…Naiv..
Wer war der Feind?
Adoran?
Rahal?
Nein, der Feind waren sie selber.

Wenn man nur tief genug im Dreck scharrte, erkannte man alle Fehler.
Das war ihr, nicht das erste Mal, aber das erschreckendste Mal, heute bei einem Gespräch mit Maya aufgefallen.
Rahaler, die Cabezianer versuchen zu töten, mit wem konnte man gut darüber sprechen?
Mit einer Rahaler Akorotherin.
Verschiedene Dinge brachte dieses Gespräch zum Vorschein.
Die Vergangenheit lebte immer noch in den Köpfen aller, selbst neue Cabezianer wurden im Nachhinein damit konfrontiert.
Und, Maya wollte sich um die Sache kümmern. Kümmern, das Thasar nicht der gerechten Strafe entging, dafür das sie Aki ins Leben zurück hatte holen müssen.
Doch der nächste Schlag in Lana’s Gesicht folgte Postwendend.
Aki hatte versucht Rohnja abzustechen. Die Frau, die er liebte, und für die er sterben wollte.
Die Frau, mit der sie sich selber so gut verstand.
Und nun hatte Rohnja ihr Gedächtnis verloren und erkannte sie nicht mal wieder.
Grüßte mit „Seinen Segen“, wollte Glaubensunterricht, lebte in Düstersee.

Unter vielem Gesindel würde man sagen, der größte Feind eines Menschen war sein Gewissen.
Gewissen?
Auf Cabeza?
No!
Bartos jagte Nameha und Tamara Kugeln in den Arsch, Aki stach Rohnja ab, und der Rest hatte sich in irgendein Rattenloch verkrochen.

Jeder tut was er will…
Vertraue niemandem…
Rette deinen eigenen Arsch…
Kehre vor deiner eigenen Türe…

Vielleicht sollte Svetlana aufhören, zu versuchen, viele Dinge ins reine zu bringen, sollte aufhören damit, einzuschreiten, wenn sie sich gegenseitig an den Hals gingen?
Sie mochte viele aus dem Haufen, einige mehr, andere weniger, aber alles waren sie Inselbewohner. Und es war doch nicht zu viel verlangt, erst mal das Hirn einzuschalten?
Oder doch?

Leute Überfallen, Festländer, wie am Anfang, mit Bartos und Sim, aye, no Problema, aber das eigene Pack anzugreifen mit der Absicht zu töten?
Das war wie auf hoher See die Nägel aus den Schiffplanken zu klauen…
Selbstmord und Todesurteil für die ganze Crew….!



Verfasst: Montag 24. Dezember 2012, 12:30
von Svetlana Ethered
Es war ruhig geworden.
Zu Ruhig.
Ruhe bedeutete, dass entweder was im Busch steckte, oder es mal gut lief.
Letzteres war im Moment eher weniger denkbar.

Es war tiefe Nacht.
Die Wellensittiche waren mal ruhig, schliefen alle irgendwo im Dschungel, nur vereinzelte fiepser und quietscher waren zu hören.
Es war ein guter Abend gewesen, einer, wie sie ihn schon lange nicht mehr hatte.
6 Frauen in Alessio’s Weinkeller… und das ohne Alessio.
Leona, Kiara, Sophie, Tamara, Nameha, Rohnja und sie, ganz ohne Streit, ohne querelen.
Im Gegenteil, sie hatten ernsthaft diskutiert, und genauso gelacht und gescherzt.
Ein guter Abend…..

Noch immer war ihre erste Kokosrumflasche 3/4 voll, das Zeug war süßer als das, was sie sonst trank, aber es schmeckte sehr gut, nichts zum hinunter schlingen.
Der Mond bot nur schwaches Licht, stand er nur Fingernagelbreit am Firmament.
Sie schloss die Türe auf, ließ den Blick schweifen, und ein kurzes Lächeln huschte über ihre Züge, ehe sie die Türe wieder abschloss und sich auf den Weg nach unten machte.
Das Wasser des Schwimmbeckens reflektierte den Schein der Laternen, die an den Wänden hingen.
Es war still hier unten.
Die Geräusche von oben und draußen klangen nur dumpf herunter.
Sie lenkte ihren Weg zu dem kleinen Podest, wo einige Weinregale standen, der Meerblaue Teppich die Mitte bildete, und darauf stand die Wasserpfeife, die sie bisher recht selten genutzt hatte.
Ruhig stellte sie ihre Flasche auf das Podest, ging ins Schlafzimmer, wo Jose schon im Bett lag und schlief, zog sich Stiefel und Lederhose aus und schlüpfte in einen bequemen Rock.

Ruhig setzte sie sich auf die Kissen auf dem Podest, zog eine kleine Holzkiste mit Wildkraut hervor und stopfte den kleinen Kopf der Pfeife damit.
An der Kerze, die auf dem Regal stand entzündete sie die pfeife und zog genüsslich den Rauch tief in die Lungen.
Sie lehnte sich nach hinten an das Regal, schloss die Augen und lies die Gedanken schweifen.



Nameha….
Warum versteckte sie sich?
Warum hatte sie Angst vor Bartos?
Sie hatte sich mit ihm angelegt, von Anfang an. Die beiden konnten sich einfach nicht leiden, was in Ordnung war, aber jetzt den sprichwörtlichen Schwanz einziehen war das falscheste, was sie tun konnte.
Außerdem es war zu schade, ihre Talente zu vergeuden, auch wenn Meha wirklich einen Vogel hatte.
Vielleicht hatte der Arschtritt geholfen.
Das Gespräch, was sie mit Nameha geführt hatte, war eigentlich recht produktiv gewesen.
Vielleicht würde Nameha tun, was sie besprochen hatten, und wirklich nach Berchgard gehen um dort die Augen und Ohren für das Netzwerk sein.
Lana musste abwarten.
Die ersten Steine waren gelegt, jetzt kam es auf die Rothaarige an.

Sophie….
Drakon….Drakon…? Wer auch immer das war, einer von den schwarzgerobten, mit denen sich die Magierin angelegt hatte.
Was genau gewesen war, außer ein Kräftemessen, wusste sie nicht, aber das war auch nicht schlimm. Sophie war Cebezianerin, wie die Piraten, also bot Lana ihr ihre Hilfe an, wenn es nötig sein sollte.
Hingegen das Gespräch über Neutralität und das schwarz-weiß denken Rahals oder Adoran war aufschlussreich gewesen.
Sophie war einer ganz ähnlichen Meinung, auch wenn das schwangere Gehirn im Moment wohl eher nach Zucker und Schokolade lechzte.


Ein schmunzeln huschte über Lana’s Züge, und sie zog ein weiteres Mal tief den Rauch in die Lungen. Einige Momente hielt sie den Rauch in den Atemwegen, ehe sie ihn langsam durch die Nase wieder frei gab.


Magie.
Sie hatte sich hier noch nie mit Magie beschäftigt. Sie konnte natürlich keine Wirken, aber sie wusste aus ihrer alten Heimat, wie Mächtig Magier werden konnten.
Naja, gut, auch wie Größenwahnsinnig und Egozentrisch, aber Mächtig.
Vielleicht würde sich das ein oder andere Gespräch noch ergeben.
Und letztlich war es immer gut jemanden zu kennen, den man um Rat fragen konnte.



Tamara….
Die Katze… Neben Rum und Gold konnte man sich zwischendurch wirklich gut mit ihr unterhalten.
„Ihr solltet wirklich was für die Führung eurer Stadt tun“
„Tamara?“
„Ja?“
„Du lebst hier, aye?“
„Ja, tue ich, ich habe sogar einen Bürgerbrief“
„Dann bist du Cabezianerin, und dann sag nicht, wir sollen was für uns tun, du gehörst genauso dazu, du bist ein Teil hiervon“
„Aber ich bin keine Piratin“
„Ja, und?“
„Nagut, wir.. wir sollten was tun...“

Der Anfang des Gespräches war schon mal recht gut.
Es folgte weiteres über die Struktur der Stadt, die Stadtführung und was alles gerade nicht so gut lief.
Letztlich musste erst was in den Köpfen der Cabezianer passieren, ehe man über irgendwelche Strukturellen Veränderungen nachdachte.


Rohnja…
Sie wirkte fast wie die alte.
So, wie Lana sie kennen gelernt hatte.
Wild, ungezähmt, kess und ein wenig verrückt.
Lana mochte es, sie wieder so zu sehen, und nicht ständig bedrückt und nachdenklich.

Rohnja hatte Tagebuch geführt.
So hatte sie sich ihr altes Gedächtnis wieder angelesen.
Und da stand wohl einiges über alle möglichen Leute drin. Was natürlich ihre Neugier weckte. Was wohl über sie in den Büchern stand?
Vielleicht würde sie die mal zu Gesicht bekommen, da Rohnja schon länger auf Cabeza lebte, wäre das sicher sehr interessant.

Sie musste eh noch unter vier Augen mit Rohnja sprechen. Aber das zu einem besseren Zeitpunkt, wenn mal nicht so viele Leute um sie herum wuselten.


Das Wildkraut war aufgeraucht, schwer hing der kalte Rauch im Keller, und es tat seine Wirkung bei der Piratin.
Wohilg streckte sie sich, trank den Rest des Raumes aus und erhob sich.
Zeit für’s Bett.
Zumindest für heute.
Der Tag war lang genug gewesen, und neben dem Rausch, der sich wie ein leichtes kribbeln in ihr Gemüt gelegt hatte, schlich sich die Müdigkeit ein.

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2012, 18:34
von Svetlana Ethered
Warum wurde sie das Gefühl nicht los, das Azyr was mit dem Besuch Florentine’s zu tun hatte?
So viele Leute aus Düstersee kannte sie doch gar nicht.
Bisher war sie nur selten in Düstersee oder Rahal gewesen, nicht das sich das nicht ändern konnte, aber die Bürgermeisterin hatte gezielt nach einer Frau namens Maria gesucht.
Irgendwer musste ihr ja den Tipp gegeben haben, aber das ließ sich klären, immerhin wusste Lana ja, wo sie Azyr finden konnte.
Nicht, das es schlimm war, aber sie musste vorsichtig sein.
Solche Gerüchte in den falschen Ohren, und das Regiment würde nach ihr suchen lassen.

Es machte ihr nichts aus, gesucht zu werden, aber die Informationsquelle Adoran war leider versiegt, sie musste sich was Neues ausdenken.
Und im Kerker zu landen, war nicht das, worauf sie erpicht war.
Das sie das Risiko, auf beiden Seiten mal im Kerker zu landen, einging, war ihr durchaus bewusst.
Aber immerhin gab es zumindest auf Adoraner Seite, jemanden, von dem sie wusste, das er versuchen würde, sie aus dem Knast zu holen.
Wenn er es denn mitbekam…


Mit angezogenen Beinen saß sie auf der Matte am Strand La Cabeza’s, in der Hand eine Flasche Wasser….
Wasser….!
Kurz schüttelte sie den Kopf. Aber gestern war genug Alkohol geflossen.
Der Gedanke an den voran gegangenen Abend ließ ein schmunzeln auf ihre Lippen huschen.
Sie beobachtete das rauschende Meer, wie sich die Wellen brachen und in kleinen Schüben den Strand umspülten.
Die salzige Meerluft war angenehm und mittlerweile waren ihre Kopfschmerzen in den Hintergrund gerückt.
Am Anfang des Abends, hatte sie damit gerechnet, dass sie mit den Chica’s ein, zwei oder drei Flaschen Rum leeren würde, und dann wieder Heim fahren, aber natürlich kam es anders, als gedacht.
Maya, die irgendeine Frau angriff, ein herumschreiender Soldat, der anfangs eher unsympathisch erschien, ein nörgeliger Verletzter.

Nach einem Abstecher der drei Piratinnen, um in Ruhe, ohne lauschende Ohren, einige Dinge besprechen zu können, was nur die Piraten etwas anging, kehrte der gemütliche Teil des Abends ein.

Am Ende saßen nur noch Azyr, Rohnja, Darkan, ein Kerl, dessen Namen sie schon wieder vergessen hatte, und sie in der Taverne. Selbst Neyla hatte sich irgendwann verabschiedet.
Darkan, der herumschreiende Soldat, stellte sich als nicht ganz so unsympathisch heraus, wie sie anfangs gedacht hatte, eher im Gegenteil.
Es war nett sich mit ihm zu unterhalten, zu scherzen und ihn ein wenig zu reizen.
Immer wieder war ihr Blick im Laufe des Abends über das silberne Auge gewandert.
Narben trug er viele, und jede erzählte die Geschichte eines Mannes, der sich dem Krieg verschrieben hatte.
Und nichts destotrotz war sie der Meinung, dass hinter dieser hartgesottenen Fassade, ein interessanter Kern steckte.
Sie würde sich überraschen lassen, ob sie ihn wieder sah und ob er seine Worte wirklich wahr machen würde.
Doch erst mal hieß es, sich um Florentine‘s Bitte zu kümmern.
Schon wieder Adoran….

Verfasst: Sonntag 30. Dezember 2012, 11:11
von Svetlana Ethered
„Kommst du wieder her?“
Stille… sie kannte die Antwort, tief in ihrem inneren kannte sie sie.
Er sah zu Boden, ehe er antwortete:
„Vielleicht…Lana, du hast es versaut“
Ohja, das hatte sie. Sie hatte einiges versaut.
„Im versauen bin ich gut“, erwiderte sie leise, sie hasste es.
„Eine beschissene Entschuldigung“
„Hm, das war auch keine“
Er drehte sich um und seine Silhouette verschwand in der Dunkelheit La Cabeza’s.
Lediglich seine Schritte waren noch einige Momente zu hören.
„Ach, Severin….“, entfuhr es ihr leise, ehe sie sich der Türe zuwandte und sie aufschloss
Es war besser so…
War es das wirklich?


Das Haus war leer. Stille herrschte.
Vielleicht sollte sie mal darüber nachdenken, sich für genau solche Momente eine Katze oder irgendwas anderes Felliges anzuschaffen.
Sie schob den Gedanken beiseite. Keine Haustiere, zu viel Aufwand.
Und vor allem, wer kümmerte sich um sie, wenn die Toro ihren Tribut forderte und Jose und Lana wer weiß wie lange nicht zu Hause waren?

Den Kleiderschrank nach was bequemen durchwühlend, warf sie einen kurzen Blick auf’s leere Bett.
Wo war Jose nur?
Rumtreiber…
Rum…
Verdammt, im Gegensatz zu sonst war sie die letzten Tage echt harmlos was das trinken anbelangte.
Heute die drei Schlucke Rum, gestern…naja, gut, die Flasche, aber in Gesellschaft trinken macht eh mehr Spaß.
Wenn die Gesellschaft nicht bei Wasser und Brombeertee blieb.
Kurz schüttelte sie den Kopf, ehe sie eine kurze Stoffhose aus dem Schrank nahm und sie gegen die Lederhose eintauschte.
Sie war nicht müde, auch wenn es schon tiefe Nacht war.
Eine Rauchen… Das war jetzt gut.
Sie schlenderte die Treppen wieder hoch, kramte aus ihrer Kiste ein kleines Holzkästchen hervor, und aus diesem ein Wildkrautröllchen.
Sie entzündete es an einer der Laternen und sog den Rauch tief in die Lungen, während sie sich auf den Stuhl vor dem Kamin lümmelte.
Sie fühlte sich schlecht.
Der Gesichtsausdruck des Adoraners hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt.
Die kleinen Flammen im Kamin züngelten fröhlich und unbeirrbar vor sich hin, das Holz knackte leise.
Wieder zog sie am Krautröllchen, der süßliche Duft breitete sich in der Küche aus.
Sie musste sich überlegen, wie sie weiter machen wollte.
Wohin ihr Weg sie führen sollte.
Jetzt wo Rohnja in Düstersee und nicht mehr als Claudia in Adoran war, fehlte in Adoran ein Spitzel.
Das könnte sie machen, der Weg stand frei. Vielleicht nicht beim Zecher, vielleicht auch nicht in der viel zu selten besuchten Bibliothek.
Das Regiment kannte sie unter Maria, die, die mit ihnen Jagen ging. Auch anderen Adoranern, unter anderem diesem Adeligen, war sie als solche Bekannt.
Aber das war auf Dauer zu Gefährlich.
Jeder kannte sie unter Maria. Unverkleidet, lediglich einen falschen Namen nennend.
Egal ob in Bajard, Adoran oder Rahal.
Eigentlich hatte sie gerade gar kein Interesse daran, sich wieder nach Adoran zu begeben.
Auch wenn sie sicher war, das Severin sie nicht erkennen würde, wenn sie dort war, so musste sie es nicht heraus fordern.
Sie kannte ihre Neigung zu dummen spontan Handlungen.
Vielleicht kam Nameha weiter.
Ihre Augenlider wurden schwer.
Den Stummel des Röllchens warf sie in den Kamin, erhob sich jedoch nicht wieder.
Eine bleierne Schwere legte sich auf ihren Körper.
Sie genoss den Rausch, lehnte den Hinterkopf an die Wand und schloss die Augen.

War sie wirklich gerade dabei, Ordnung in ihr Leben zu bringen?
Ein kurzes schmunzeln huschte über ihre Lippen. Da hatte jemand einen schlechten Einfluss auf sie.
„Ich wollte nie jemanden wie dich in meinem Leben haben“ huschten ihre eigenen Worte durch ihren Kopf.
Ja, das wollte sie nicht, aber jetzt war’s zu spät.

Verfasst: Dienstag 1. Januar 2013, 13:29
von Svetlana Ethered
Rahal…Hafentaverne…
Warum? Keine Ahnung, Cabeza war still und in Rahal war immer jemand zu finden.
Tja, so auch dieses Mal.
Allerdings war sie ein wenig überrascht.
Schwarze, kurze Haare, eine Weinflasche auf dem Tisch. Der Mantel in einem beige.
Unverkennbar.
So oft hatte sie sich an diese Schultern gelehnt, ihren Kopf in seine Armbeuge gelegt.

Als die Türe hinter ihr im Schloss zufiel, und ihr Blick an dem Rücken des Mannes hängen blieb, erstarrte sie.
„Guten Abend“, grüßte sie in den sonst Menschenleeren Raum hinein.
Severin schien sich zu verkrampfen, als er ihre Stimme erkannte.
Nur langsam wanderte sein Blick über die Schulter.
Sie sah ihm die Anspannung an, seine ganze Haltung, sein Gesichtsausdruck.
„Soll ich wieder gehen?“ Die Frage war ernst gemeint, doch er verneinte.
Er schob mit dem Fuß den Hocker ihm gegenüber ein wenig nach hinten, und forderte sie auf, sich zu setzen.
Ihre Schritte waren schwer, ihr Gang behäbig, sie wusste, was folgen würde.
Das Gespräch war lang, voller Eingeständnisse.
„Jose ist ein toller Kerl. Und du…“, sie brach ihren Satz ab.
„..der Idiot, der dich liebt, und der für dich Kopf und Kragen riskiert, nur um in deiner Nähe zu sein“, vervollständigte er ihren Satz.
„Verdammtes Piratenweib“, er wurde laut, die Anspannung, die man förmlich greifen konnte, fiel aber noch immer nicht von ihm ab. Aber immerhin schien er sich Luft zu machen, etwas von dem, was sich an Gefühlen angestaut hatte, kam an die Oberfläche, und sie vermutete, dass es nur die Spitze des Eisberges war.

Es tat ihr leid, ihn so zu sehen, es tat ihr leid, dass sie an alledem Schuld trug.
Während des gesamten Gespräches saß er absolut angespannt und verkrampft vor ihr.
Immer wieder fuhr er sich mit den Händen durchs Gesicht, als könne er Gedanken vertreiben oder Erlebnisse weg wischen.

Als er ging, sah sie ihm noch eine Weile nach, starrte förmlich auf die geschlossene Türe.
Dann huschte ihr Blick ziellos durch den Raum, als sie die Schnapsflasche auf dem Thesen erblickte.
Sie erhob sich, sah sich nochmal um, ehe sie sich die Flasche schnappte und aufs Etikett sah.
‚Rahaler Hafenwasser‘ stand drauf.
Scheiss egal was es war, es würde jetzt in ihrem Magen landen.
Sie entkorkte die Flasche und kippte den halben Inhalt der Flasche herunter.
Widerliches Zeug.
Irgendwas Obstgebranntes.
Wenn es auffallen würde, würde sie es….Nein, verdammt.
Sie würde die Flasche nicht bezahlen.
Wer ließ auch eine Flasche Schnaps aufm Tresen stehen, in einer Taverne die offen ist?
Selbst Schuld.
Die leere Flasche stellte sie brav wieder zurück, und machte sich auf den Rückweg.
La Cabeza.
Still war es immer noch, ihre Schritte hallten leise, unterbrachen die Stille, die abgesehen von dem Kreischen der Papageien und dem Meeresrauschen herrschte.

„Du kannst zu mir nach Düstersee kommen, wenn du den Kopf frei kriegen willst…“
„Der Idiot der dich liebt…“
„Wenn er dich anfasst gibt’s hier ein Blutbad…“
Was hatte sie nur getan?
Aber die viel bessere Frage war: Was würde sie noch tun?
Immer brachte sie sich selber in Schwierigkeiten.
Eigentlich sollte sie sich auf andere Dinge konzentrieren.




Nächster Morgen

Schlecht gelaunt stand sie in der Küche und versuchte ihren Kopf wieder frei zu kriegen.
Es klopfte.
Langsam drehte sie ihren Blick zur Türe.
Wer kam auf die Scheiss-Idee, so früh was von ihr zu wollen?
Als sie die Türe öffnete, stand eine gut gelaunte Nameha vor der Türe.
„Ich hab Neuigkeiten, die dich interessieren werden“, sagte sie und ohne eine Aufforderung, betrat sie die Wohnung.
Lana machte Platz, und die beiden setzten sich nach unten auf die Kissen.
„Dem Regiment fehlt eine Köchin“, sagte die Rothaarige.
„Ah, du hast Vaughain kennen gelernt“
„Ja, den und die 1 Maat vom Regiment, diese Lilian“
Ein kurzes schmunzeln huschte über ihre Lippen.
Meha hatte immer eine tolle Art, sich auszudrücken, sie war dabei so einfach und klar, naja, klar für diejenigen, die sie verstanden.
Sie mochte die Leidensgenossin. Meha hatte zwar mehr als nur einen Vogel, aber das war in Ordnung.
Nameha erzählte von ihrem Gespräch mit Lilian, was sie erreicht hatte, und was sie noch vorhatte.
Es war gut, die kleine verrückte dahin zu schicken.
Sie hatte für die kurze Zeit viel erreicht, auch wenn der Auftrag seltsam war.
Ein Auftrag von Lilian.
Diese Magierin schien auch gerne auf andere Wege zurück zu greifen, als Lana ihr zugetraut hätte.

Garun Ernard, Hauptmann der Rahaler Garde….
Wie sagte Meha das so schön?
Trinkt er lieber Bier oder Wein?
Welche Weiber hat er im Bett?
Was hat er so vor?

Lana musste mit Rohnja reden.
Und vor allem, mussten sie entscheiden, welche Informationen sie weiter gaben, welche unkritisch waren, die Magerin aber nicht skeptisch werden ließen, musste geklärt werden.
An Informationen zu kommen, war sicher nicht das Problem, die Frage war eher, wollten sie das?

Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2013, 13:45
von Svetlana Ethered
Völlige Geräuschlosigkeit.
Nur ihr eigenes Atmen und das Rauschen ihres Blutes in den Ohren. Mehr nahm sie nicht wahr.
Es war vorbei.
Er war weg.
„Ich komme die Tage nochmal um den Rest meiner Sachen zu holen“, damit verschwand er.
Als die Türe hinter ihm ins Schloss fiel, fühlte es sich an, als hätte ihr jemand einen Dolch ins Herz gerammt.
Eine Konstante ihres Lebens war weggebrochen.
Hinterließ ein Loch, hinterließ leere und Einsamkeit.
Sie blieb auf dem Stuhl sitzen, in genau der Position, die sie innehatte.
Den Rücken an die Wand gelehnt, die Fersen an der Kante der Sitzfläche.

Er hatte sich alles ruhig anhört, alles was sie zu sagen hatte.
Sie sah ihn bei allen ihren Worten kaum an, sie vermutete zu wissen, wie er reagieren würde.
Letztlich lag sie falsch, was es noch schlimmer machte.
„Jose, ich will dich nicht verlieren…Nicht ganz“
„Nicht ganz?
„Unsere Freundschaft..“, auch wenn sie wusste, wie dämlich sie gerade klang, die Worte mussten raus.
„Weißt du was? Ich gehe…“, er war ruhig, so ruhig.
„Du willst ausziehen?“
Keine Antwort. Stattdessen verschwand er in den Keller.
Mit einem geschulterten Bündel kam er wieder die Treppen hoch.
In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie in Zukunft mit völliger Ignoranz leben musste.
Vielleicht irrte sie sich wieder, aber sie vermutete es stark. Immerhin kannte sie ihn ein wenig.
Ihr Magen krampfte sich zusammen, ihr fehlten die Worte.

Nichts hatte bestand.
Nichts blieb auf ewig.
Und alles würde weiterhin durch ihre Finger rinnen, wie Sand.

Es dauerte lange, bis sie den Blick von der Türe wenden konnte.
Und das einzige Wort, das ihr durch den Kopf ging war: „Scheisse“.
Hier würde nichts mehr so sein, wie zuvor.
Sie hatten sich alles zusammen aufgebaut. Anfangs, als sie nach Cabeza gekommen waren, schliefen sie am Strand, unterhielten sich Stundenlang, lachten, scherzten.
Er hatte von Anfang an, einfach den Arm um sie gelegt beim Schlafen, auch wenn sonst nichts gewesen war.
Sie wusste, dass er sie immer mehr gemocht hatte. Als sie sich für Severin entschieden hatte, hatte er sich Leonie ausgesucht.
Und trotzdem waren sie immer für einander da gewesen.
Als Leonie ihn betrogen hatte, war Lana da gewesen.
Als Severin sich lange hatte nicht sehen lassen, war er für sie da gewesen.
Sie würde ihn vermissen. Sie vermisste ihn jetzt schon.

Und trotzdem musste es irgendwie weiter gehen.
Sie wusste nicht, was kommen würde, was geschehen würde.
Sie wusste auch nicht, wie er oder sie selber reagieren würden, wenn man sich auf Cabeza traf.
So groß war die Insel ja nicht.

Ein weiteres pochen an der Türe, schreckte sie aus ihren Gedanken hoch…

Verfasst: Freitag 4. Januar 2013, 07:03
von Svetlana Ethered
Ein weiteres pochen an der Türe, schreckte sie aus ihren Gedanken hoch…



Ein kräftiges Pochen, ein prägnantes Pochen.
Drei Mal.
Der erste Gedanke, der ihr durch den Kopf schoss war: „Warum geht’s hier zu wie in nem verdammten Taubenschlag?“
Dann jedoch erhob sie sich schwerfällig. Schlurfend ging sie zur Türe, drückte diese auf und ihr eher unbegeisterter Blick wanderte hinaus.
Mit einem freundlichen Lächeln stand der Krieger vor ihrer Türe.
„Guten Abend“, grüßte er sie mit einem Kopfneigen.
„Buenas Tardes Amigo“, ihre Antwort war knapp, sie machte einen Schritt zur Seite und ließ ihn herein.
Er spürte sofort, das etwas nicht in Ordnung war, so betrachtete er sie mit sorgenvollem Blick.
„Geht’s dir gut? Alles in Ordnung?“, echte Besorgnis schwang in seiner Stimme mit.
Er überraschte sie doch immer wieder.
„Aye, schon gut“
Jetzt machte sich eine Spur Skepsis in seinem Blick breit.
„Du musst nicht mit mir reden, wenn du nicht willst, aber sag nicht, es sei alles in Ordnung, wenn man merkt das das nicht stimmt“.
Seine Worte waren weich und sanftmütig.
Ein leises seufzten entrann ihrer Kehle.
Er streckte die Arme aus, legte die Hände auf ihre Schultern und zog sie an sich.
Seine Berührungen waren nicht bestimmend oder fordernd, eher sanft wie ein Angebot.
Sie gab dem Zug nach, lehnte sich an seine Brust, spürte das Muskelspiel unter dem Hemd und hörte das Herz pochen.
Einige Momente verharrte sie einfach regungslos, schloss die Augen.
Dann begann sie alles zu erzählen. Von Severin, von Jose, wie sie sich fühlte und was ihr durch den Kopf ging und er hörte einfach zu.
„Du bist eine tolle Frau Lana, mach dir nicht so viele Sorgen, ich bin für dich da“.
Was für ein Satz aus diesem Mund.
„Jaa, naja“, langsam löste sie sich von ihm und sah zu ihm hoch.
Ein aufmunterndes Lächeln lag auf seinen Lippen, und unweigerlich musste sie grinsen.
Schrecklich dieser Mann.
„Wollen wir uns setzen oder die nächsten Stunden hier herum stehen? Und willst du was trinken?“
Sie versuchte das Thema zu wechseln und es funktionierte.
„Wir können uns gerne setzen, und ja, wenn du was mit Geschmack hast, würde ich das gerne nehmen“
Ahja, Sachen mit Geschmack hatte sie sicher, aber nichts was er trinken würde. Irgendwann würde sie mal was ohne Alkohol kaufen müssen.
„Hm, du ich hab nur Wasser, oder Bier, Likör, Rum, Wein und sowas“
Ein klapps auf ihren Hintern erfolgte, gepaart mit einem schelmischen Grinsen auf seinen Lippen.
„Dann nehme ich Wasser, ist auch in Ordnung“.
Der Rest des Abends war noch recht angenehm.
Sie unterhielten sich Stundenlang, über alles Mögliche.
Seltsam!
Wie er es schaffte, dass sie ehrlich war, war faszinierend. Und vor allem sehr gefährlich.
Sie musste aufpassen, sehr gut aufpassen.
Ihre Worte mussten mit Bedacht gewählt werden, sie durfte sich nicht verraten.
Das was sie alles plante, und wo sie überall war, oder ihre Ohren hatte.
Zu Jose konnte sie immer ehrlich sein.
Ein Pirat, die gleiche Seite, das gleiche Ziel.
Darkan war Rahaler, Adjudant und stand wie ein Fels in der Brandung vollkommen hinter seinen Überzeugungen.

Verfasst: Sonntag 6. Januar 2013, 13:26
von Svetlana Ethered
Endlich hatte sie mit Rohnja sprechen können. Ein Austausch, zwischen den beiden war immer gut. Nicht nur aufs Geschäftliche bezogen, sondern auch privat.
Das freche Weibsbild war mittlerweile eine gute Freundin geworden.
Sie freute sich auf Gespräche, sie lagen auf einer Wellenlänge.
Sie waren ehrlich uns so funktionierte das auch mit dem Netzwerk.
Rohnja war, neben Nameha und Jose, die einzige, der sie wirklich vertraute.
„Würdest du einer Piratin vertrauen?“
Eine gute Frage. Die meisten würden mit einem ganz klaren NEIN antworten. Und damit hatten sie auch Recht.
Nicht mal Piraten untereinander vertrauten sich.
Meistens jedenfalls.
Wie dem auch sei, sie musste sich ein wenig umhören.
Sie hatten beschlossen, weder Azyr noch Darkan heimlich zu befragen, sondern alles unabhängig zu machen.
Zu viele Wissende waren auch nicht gut.
Auch wenn die beiden vielleicht keinen Verdacht geschöpft hätten, war es zu unsicher.

So machte sie sich auf den Weg zur Taverne.
Was trinken und sich umhören war immer ‘ne gute Idee. Und der Rum von Neyla war auch immer passabel.
Tja, soweit kam’s nur nicht wirklich.
Kurzes Geplänkel der Anwesenden, eine kurze Unterhaltung mit Lessaja, dann breitete Vincent schon wieder schlechte Laune aus.
Dieser Kerl war unmöglich.
Und trotz seiner Provokationen war sie eigentlich recht ruhig geblieben.
Naja, den Rum über seinen Kopf schütten, konnte und wollte sie sich nicht verkneifen, aber wer irgendwas nach ihr warf und dann noch so gezielt auf ihren Kopf, hatte es nicht anders verdient.
Seine aufschäumende Wut brachte ein amüsiertes Grinsen auf ihre Lippen.
Die Worte, die seinen Mund verließen, spien vor Wut und Hass, auf der einen Seite war’s lustig, auf der anderen Seite, musste sie sich selber zusammen reißen.
Niemand drohte ihr. Schon gar kein Krüppel.
Tief durchatmend griff sie zu ihrer Rumflasche, trank einen Schluck, und versuchte das zeternde Kerlchen zu ignorieren.
„Ich werde dir meine Krücke auf deinem verdammten Schädel zertrümmern“, trotz der Tatsache das Neyla versuchte ihn zu beruhigen, und ihn zur Türe hinaus zu schieben, tobte er immer noch.
Irgendwann war genug.
Wäre sie nicht in Rahal, wo sie sich versuchte an die Gesetze zu halten, hätte er an diesem Abend die zweite Erfahrung mit einer Steinschloßpistole gemacht.
Aber irgendwann würde es soweit sein…
Sollte er schimpfen, sollte er toben, wenn er dumm genug war, sich mit dem zweiten Cabezianer anzulegen, war es sein eigenes Problem.

-Cabezianisches Blut ist dicker als anderes-

Jeder geht seinen eigenen Zielen nach. Und die Adoraner sind auch nicht so unschuldig wie sie tun.
Bajard war hervorragend geeignet um alle Schattenseiten zu beobachten.
Und jeder wusste das, aber trotzdem kamen sie alle her.

Verfasst: Dienstag 8. Januar 2013, 23:29
von Severin Ethered
An diesem Abend konnte er nicht einfach wieder gehen. Als er sie ansprach, reagierte sie nur langsam, abwesend, in Gedanken beschäftigt. Schon nach kurzer Zeit war ihr anzumerken das etwas vorgefallen war. Schwer nur, rückte sie damit heraus. Die Stimmung war gedrückt und dankbar kam sie seinem Vorschlag nach. Nun lag sie in ihrem Bett und schlief unruhig, warf sie sich doch immer mal wieder von einer Seite zur anderen.
Still harrte er an ihrer Seite, sich nur dann und wann über sie beugend um ihr das Haar aus dem Gesicht zu schieben oder ihr beruhigend über die Schulter zu streicheln.
Ihre Worte berührten ihn, ihre unerschütterliche Treue gegenüber ihren Freunden. Es beeindruckte ihn zutiefst wie sehr sie zu denen hielt die ihr Lieb und Teuer waren.
Lag es einzig daran das sie Piraten waren, so wie sie ? Oder lag es wirklich daran das es wahre Freunde waren denen sie vertraute ?
Immer wieder dachte er über diese Dinge nach ehe sie wieder träge aus ihrem Schlaf erwachte und damit seine Gedanken kurzzeitig vertrieb.
Erst gen Morgen war er nicht mehr im Stande die Augen offen zu halten. Ganz langsam sackte er nach vorne bis er letzten Endes, seitlich neben ihr auf dem Bett lag. Ruhig und gleichmäßig gingen seine Atemzüge während er in einen tiefen Schlaf fiel.
Dieser Abend hatte ihn beruhigt, ihm die Wut genommen die er seit so vielen Tagen empfunden hatte. Ihre Entscheidungen hatten ihr viel abverlangt und für einen kurzen Augenblick war es ihr deutlich anzusehen.
Ganz sicher würde sie ihn beim aufstehen finden, gekleidet wie am Vorabend, war er doch nicht von ihrer Seite gewichen.

Verfasst: Donnerstag 10. Januar 2013, 20:53
von Svetlana Ethered
Nun lag sie im Bett.
Was für ein Tag… Was für Tage…
Das Haus war, wie so oft in letzter Zeit, still. Die leere Seite neben sich war mehr als ungewohnt.

Glaubensunterricht in Düstersee…
Bei allen Teufeln und Dämonen, waren die Rahaler verrückt.
Sie hätte zwischendurch am liebsten laut aufgelacht und nach der, im Mantel versteckten, Rumbuddel gegriffen.
Wie sie sich gegenseitig zerfleischten weil keiner die Meinung des anderen hören wollte.
Herrlich.
Es war besser gewesen, als sie erwartet hatte.
Das war viel mehr wert gewesen als irgendwo nach neuen Erkenntnissen zu suchen.
Man setzte sich einfach still in den Tempel und viele Abgründe taten sich einfach von selber auf.
Der Inhalt des Unterrichts war in ihrem Falle eher zweitrangig gewesen.
Sie konnte eh nicht verstehen, wie man sich so ereifern konnte für einen Glauben, für einen Gott, der nichts tut.
„Wir ebnen den Weg für seine Ankunft“, oder was auch immer die Worte von Althan gewesen waren.
Ja, klar.
Hrathen, Serafina, Althan und Azyr, diese Diskussion war den Abend wert gewesen.
Ein schmunzeln huschte über ihre Lippen, dann drehte sie sich im Bett auf den Rücken, zog die Decke enger um sich und starrte auf die dunkle Kellerdecke.
So gut der Abend angefangen hatte, so schlecht hatte er geendet.
Was auch immer Azyr getan hatte und was auch immer zwischen ihm und Rohnja vorgefallen war, er brauchte sich nicht so auf zu spielen.
„Adjudant, müssen wir DIESE LEUTE wirklich hier erdulden?“
Diese Leute? Erdulden? Im ersten Moment hatte sie gedacht, sie hätte sich verhört.
„Diese Leute?“
„Ja“, bestätigte er.
So eine Frechheit. Und Bartos stieg, wie zu erwarten, drauf ein.
Ende vom Lied war, das Bartos abzog und Azyr hinterher, um ihm eine Nacht in der Düstersee-Zelle zu verschaffen.
Und was war Darkans Antwort gewesen?
„Wenn er wegläuft, brech ihm die Beine“
„Ich fass es nicht…“, Kopfschüttelnd machte sie sich selber auf den Weg nach Cabeza, irgendwann würde der alte Seebär schon da auftauchen. So wie sie Bartos kannte, würde er einen Weg finden, entweder Azyr los zu werden, auf welche Art und Weise auch immer, oder aus der Zelle auszubrechen.
„Wenn du mich bei der Arbeit siehst, verurteile mich nicht direkt..“, an diesen Satz musste sie denken, schob ihn aber beiseite.
Sie wollte gerade nicht darüber nachdenken.

Ein kurzes Grinsen huschte über ihre Züge, als sie an das neue Strandgut der Insel dachte.
Herrjeh, kaum gerade stehen können und schon frech werden.
Seine Art passte hervorragend hier her.
Konnte noch interessant werden, mal sehen, wie er sich hier entwickelte, wenn er erstmal ein paar Tage da war. Bisher schien er nur zu beobachten und die Situation einzuschätzen. Sie kannte das Gefühl noch sehr gut. Als sie hier neu her gekommen war. Aber sie hatte den Vorteil gehabt, die überlebenden der Crew zu haben.
Er war alleine.


Dann wich der amüsierte Gesichtsausdruck einem eher besorgten.
Was war mit Rohnja und Azyr geschehen?
Als die Freundin im Tempel ihre Hand ergriffen hatte, war sie überrascht gewesen.
Sie hatte geahnt das irgendwas passiert war, sie kannte Rohnja mittlerweile recht gut, und wusste das ihr bedrückter Gesichtsausdruck irgendwas damit zu tun hatte, das es mal wieder zwischen den beiden gekracht hatte.
Die Frage war nur, wie sehr?
Egal was passiert war, sie würde für Rohnja genauso da sein, wie diese es für sie gewesen war.
Und zur Not würde sie Rohnja einfach abfüllen und einpacken und nach Cabeza bringen.
Sie hatte Platz im Haus, und noch zwei Einzelbetten, zwar auseinandergenommen, aber durchaus wieder aufbaufähig.
Und genügend Rum…..nein, genügend Rum konnte man gar nicht haben.



Wieder drehte sie sich herum, lag auf der Seite und blickte über die leere Fläche neben sich.
Der Anblick der Schachtel und des Ringes tauchten vor ihren Augen auf.
Wie schön der Ring war. Ein eingefasster großer Rubin in Form eines Totenschädels. Ein schmales Lächeln huschte über ihre Züge.
Eins musste man ihm lassen, hartnäckig war er. Er hatte sie damit völlig überrascht.
„Ich möchte, dass du meine Braut wirst“
Seine Mine war eher nachdenklich, aber sie hatte den Hoffnungsschimmer sehen können.
Gebannt blickte er sie an, während sie nach den richtigen Worten suchte.
Als sie versuchte ihre Lage zu schildern und ihm so klar zu machen, dass sie ihn nicht heiraten konnte.
Aber, egal was sie sagte, sie machte es nur schlimmer.
„Lana, es gibt nur eine Entscheidung. Ein Leben mit dir an meiner Seite oder ganz ohne dich. Ich kann nicht zurück fahren, ich will dich bei mir haben“
Sie musste den Blick senken. Sie konnte ihm gerade nicht in die Augen sehen.
So packte er das Kästchen mit dem Ring wieder ein, nickte und erhob sich.
„Du bist nicht mehr die, die ich kennen und lieben gelernt habe“, diese Worte schnürten ihr die Kehle zu.
Sie konnte nichts mehr erwidern, ihr fehlten tatsächlich die Worte.

Er ging.
Die Türe fiel in’s Schloss. Und beide, egal auf welcher Seite der Türe, litten.
Einige Schritte eilte sie ihm nach, bis sie an der Türe ankam. Legte die Hand auf den Türgriff, aber sie konnte nicht.
Am liebsten hätte sie schreien wollen, toben, irgendwas. Aber sie lehnte nur die Stirn an die Türe und flüsterte der Türe zu. Sie wollte das er glücklich werden würde.

Wie einfach alles hätte sein können.
Aber nein, sie machte es sich und vor allen anderen auch noch extra schwer.
Ein leises seufzten erklang.
Ihre Hand wanderte zu dem freien Kopfkissen, strich einmal darüber, um die Falten zu glätten.
Er fehlte hier.
Er fehlte ihr.
„Du musst mich jetzt noch nicht heiraten, mir reicht es, dich an meiner Seite zu haben“.
Und das trotz allem.

Mit diesen Gedanken, und der Hand auf dem leeren Kopfkissen, übermannte sie der Schlaf.

Verfasst: Dienstag 15. Januar 2013, 16:53
von Svetlana Ethered
Als sie Heim kam, schlief er friedlich.
Das geschwollene Gesicht und die aufgeplatzte Lippe erschienen im flackernden Licht des Kamins noch grausamer.
Dazu führte es also…
Ihre Wut hatte sich nicht gelegt, auch nicht, nach dem kleinen Kampf in der Bajarder Bank.
Das der Kerl Kira angemacht hatte, war ihr egal gewesen, es hätte auch eine Bauernmagd gewesen sein können.
Der Kerl war perfekt um ein bisschen ihres Ärgers heraus zu lassen.
Scheiß Kerle.
Leider lag er viel zu schnell im Dreck, sie hätte sich einen ausgiebigeren Kampf gewünscht.
Aber Rohnja’s Entermesser war zu schnell und die Piratin traf zu gut, als das sie selber hätte mehr als einen Schuss abgeben können.
Sie würde aus dem heutigen Abend ihre Konsequenzen ziehen. Irgendwie.
Ne Weile von der Insel gehen, war vielleicht keine schlechte Idee.
Immerhin hatte sie mehr als ein Angebot für einen Schlafplatz.
Aber auch das würde nichts bringen.


Die Moral der Geschichte war simpel und einfach.
Bleib alleine, dann passiert sowas nicht.
Feste Bindungen, Gefühle, Vertrauen… Dinge, die sie aus ihrem früheren Leben ausgeschlossen hatte.
Ausgeschlossen seid sie lernen musste, was Verlust bedeutet.
Damals hatte sie sich geschworen, besser aufzupassen, keine Kompromisse mehr einzugehen.
Leben oder Sterben.
Bis..
Ja, bis sie auf die Toro kam. Jarons Worte hallten noch immer durch ihren Kopf.
„10 Jahre im Dienst der Toro oder du gehst über die Planken“, dabei war seine ganze Art ruhig gewesen.
5 Jahre als Steinstatue, anderen Wesen unterlegen, wach im Geist, aber unfähig etwas zu ändern und dann 10 Jahre auf der Toro.
15 Jahre ihres Lebens in dem die Freiheit eingeschränkt oder abgeschafft war.
Und jetzt?
Nicht mal ein Jahr war herum. 9 ½ weitere Jahre.
Das Schiff, die einzige Bindung, der große Käfig ihrer selbst.
„Freiheit ist nur eine Illusion“ hatte sie damals zu Bartos gesagt, als sie, früh morgens beide im Krähennest gesessen hatten.
Alle anderen hatten noch ihren Rausch ausgeschlafen, nur der Alte und sie waren wach und fit gewesen.
Freiheit ist eine Glaskugel. Zerbrechlich und begrenzt.
Und in dieser Begrenzung gibt es weitere. Weitere, die man sich selber auferlegt.
Und sie hatte, obwohl sie es nicht wollte, sich ebenfalls Grenzen auferlegt.
„Komm mit mir, wir heuern wo anders an, und lassen alles hinter uns. Nur du und ich“, so verlockend der Gedanke gewesen war, hatte er sie mit Argwohn erfüllt.
Waren die Geschichten über die Toro wahr?
Magie war mächtig, Dämonen, Götter, Trugbilder.
Sie war nie einem Wahn des Glaubens verfallen.
Glauben tat man das, was real war. Magie war undurchsichtig, verworren, gefährlich. Und vor allem Undurchschaubar.
Aber sie war real.
Sie hatte gesehen, was Magier mit ihren Gedanken vollbringen konnten. Kein Messer der Welt, keine Pistole konnte gefährlicher sein, als ein starker Geist.
Sie hatte sich ihre Glaskugel eingeschränkt, hatte mehrere Wände neues Glas zugelassen, und als sie sie vorsichtig wieder entfernen wollte, fiel alles zusammen. Zerbarst, flog ihr als Splitter um die Ohren.
Und jetzt musste sie fegen. Alle Scherben aufsammeln, ordnen.

Aber jetzt war die Gelegenheit, sich von selbstauferlegten Zwängen zu befreien.
Ein Stück Kontrolle wieder zu erlangen, ein Stück mehr Freiheit.



Verfasst: Freitag 18. Januar 2013, 19:59
von Svetlana Ethered
In der Ruhe liegt die Kraft.
Völlig ruhig lag sie da. Das Kissen unter ihrem Kopf schmiegte sich weich an den wilden, schwarzen Haarschopf.
Manchmal braucht man seine Zeit.
Das weiße Bärenfell war weich und kuschelig. Ihr Blick hing gedankenverloren auf dem prasselnden Kaminfeuer.
Dieses Mal fehlte der Alkohol und das Wildkraut komplett.
In Gesellschaft war es etwas anderes, aber zu Hause, alleine, hatte sie sich schon länger nicht mehr betrunken.
Im Gegenteil.
Ihr Vorrat an Tee und Saft wuchs. Erschreckenderweise. Sie konnte mehr als 5 verschiedene Teesorten anbieten.
Natürlich war ihre Auswahl an Alkoholischem sehr viel größer, aber eine immer wildere Mischung entstand im Laufe der Zeit.
Eigentlich wollte sie ja nur mal für nicht mehr als 10 Tassen Tee haben, damit ihr Besuch auch mal was anderes als Wasser bekam.

In diesem einen Falle, war es überraschenderweise eine mehr oder minder glückliche Fügung gewesen, das ihre Möglichkeit, Tee anzubieten, von Vorteil war.

Was ging in diesem Kopf vor?
Wie gut konnte er mit Piratischem Gedankengut umgehen?
Das es nicht unbedingt schlau ist, sich mit ausgerechnet einem Priester darüber zu unterhalten war zwar klar, aber diese Herausforderung, nicht nur irgendeinem Gläubigen, sondern ausgerechnet diesem Gläubigen ihre Gedanken an den Kopf zu knallen, regte eine gewisse Vorfreude in ihr.
Es war mal was ganz anderes, abseits von den Hierarchien und Strukturen Cabeza’s.
Sie sollte sich einen Temoragläubigen suchen.
Wer war da Priester?
Sie war neugierig, was die dann so zu sagen hatten.
Sie hatte sich bisher noch mit keinem der beiden Glaubensrichtungen auseinandergesetzt, aber es wurde langsam Zeit.
Die Neugier war zu groß, herauszufinden, wer für was stand, wer welche Gebote und Verbote hatte.
In ihrer Sichtweise durch Glauben eingeschränkt, wenn man das so nennen konnte, waren sicherlich beide Seiten.
Aber wie hatte sie damals mit Sophie festgestellt?
Wenn beide Seiten sich Prügeln, suchen wir uns einen gemütlichen Stuhl und trinken einen Kokosrum.
Und dennoch machte es sie neugierig.
Alleine der letzte Glaubensunterricht war interessant gewesen, interessant, weil es viel offenbarte, selbst wenn man die Lehren Alathars nicht kannte.
Und bald würde ein weiterer Unterricht stattfinden, mal sehen was sich dort auftat.

Warum fand kein Unterricht im Temoratempel statt?
Da musste sie sich jemanden suchen.
Aber wer war da Priester?
Einfach ein Schreiben an den Tempel war viel zu einfach. Eigentlich war sie ja nur zum Glaubensunterricht gegangen, weil Rohnja nicht alleine sein wollte.
Und nun ergaben sich Gelegenheiten die sie einfach nicht verstreichen lassen wollte.
Einfach mal sehen, was die Zukunft so lustiges für sie bereithielt.

Verfasst: Samstag 2. Februar 2013, 12:53
von Svetlana Ethered
„Hast du die See von Anfang an so geliebt wie jetzt?“
Eine bizarre Frage, aber nicht völlig unberechtigt.
Sie war eine Landratte gewesen, viele Jahre und ihre erste Fahrt zur See würde sie nie vergessen.
Gekotzt hatte sie, über der Reling gehangen, kreidebleich und ausgelacht von den Matrosen.
Die ersten Tage waren die Hölle gewesen, erst nach und nach hatte sich das Gefühl zurück gezogen, das sie den Mageninhalt ins Wasser spucken lies.
Die Tatsache, dass sie eine große Klappe hatte gepaart mit der Fähigkeit, recht fix in der Takelage unterwegs zu sein, verschaffte sie sich allerdings innerhalb der ersten Fahrt ein klein wenig Respekt der anderen.
Wenn sie heute darüber nachdachte, legte sich unweigerlich ein grinsen auf ihre Lippen.
Seitdem war sie selten an einem Ort geblieben.
Eine Nacht an Land, manchmal auch zwei. Landgänge, in denen sie mit den Kameraden nicht nur Feierte und Soff, sondern auch Kontakte pflegte, zum einen zu ihrem alten Mentor, zum anderen zum Schmugglerring ihrer Heimatstadt.
Irgendwann wurde die Kontaktpflege seltener.
Sie war raus, seitdem sie nicht mehr ansässig war.
Ein Umstand, der sie eigentlich nie gestört hatte.

In den heutigen Zeiten aber, dachte sie immer wieder mal daran.
„Ich muss die Bücher noch alle auspacken und einsortieren“, murmelte er, während sie ihm dabei zusah, wie er Schränke rückte und Schrankinhalte von einem zum anderen Ort trug.
„Hast du auch Bücher über den hiesigen Adel?“
Eine Frage, die sie sich nicht verkneifen konnte.
„Ja, irgendwo in einer der Kisten“
„Die darf ich mir bestimmt mal ansehen?“
„Ich will gar nicht wissen, was du damit wirklich willst, aber tu, was du nicht lassen kannst“.

Immer seltener ließ sie sich auf der Insel blicken.
Sie suchte nach neuen Herausforderungen, neuen Begebenheiten, neuen Informationen.
Sicher, sie hatte dabei im Hinterkopf, das alles was sie tat den ihren Nutzen würde, jedoch war sie auch manchmal froh, nicht immer die gleichen Gesichter zu sehen.
Mal hier, mal dort, immer dort, wohin sie der Wind wehte.
Manchmal kehrte sie des Nachts heim, manchmal schlief sie auf der Toro, manchmal in Adoran, je nachdem wo sie gerade Lust zu hatte.
Konnte und wollte sie sich nicht dauerhaft von irgendwas lösen, so tingelte sie zwischen ihren vorgegebenen Persönlichkeiten hin und her. Immer Kleider für den passenden Auftritt in der Tasche.

Ihr Vorrat an Haarfärbetinkturen wuchs, und dezimierte sich mittlerweile fast täglich.
Irgendwann würde sie wieder die Lust daran verlieren, aber daran dachte sie im Moment nicht.
Im Moment genoss sie ihr Leben einfach.

Verfasst: Dienstag 12. Februar 2013, 20:24
von Svetlana Ethered

Das Steinchen, das sie frustriert vor sich hin getreten hatte, landet kullernd und platschend im Hafenbecken.
„Der Preis ist zu hoch“, murrte sie leise, wohl wissend, dass sie genau das zu erwarten gehabt hatte, als sie das Gespräch gesucht hatte.
Wieder einmal zog es sie auf die Toro, flink kletterte sie auf das Krähennest und liest sich, den Rücken an den Mast gelehnt, einfach auf den Boden rutschen.
Der Wind zog und zerrte an ihren Haaren, die, endlich mal wieder, schwarz und offen, dem Zug nachgaben.
Für einige Momente ließ sie sich den Wind um die Nase wehen, atmete den salzigen Duft der Freiheit tief in die Lungen.
Sie hatte gewusst, welcher Preis am Ende zu zahlen war, irgendwie. Die Frage war nur, ob sie das wollte.

Kaum wieder auf der Insel, begannen die Schwierigkeiten von vorne.
Eigentlich war das falsch, sie hatten nicht erst begonnen, sie schwelten, wie die Glut, schon die ganze Zeit.
Freud und Leid lagen eng beieinander, und waren manchmal unabdingbar miteinander verknüpft.
Der Frust, den sie in sich trug, gepaart mit den aufregenden Neuigkeiten des ignoriert werdens und der wunderschönen Hochzeit, bei der sich so viele Menschen einfach nichts zu sagen hatten, führte nicht gerade dazu, das sich ihre Laune hob.

Aber nichtsdestotrotz blieb sie erst einmal auf der Insel.
Es würde nicht schaden, hier zu bleiben, es würde nicht schaden, die Augen auch hier offen zu halten.
Sonst würde sie ja von hier gar nichts mehr mitbekommen.
Außer das, was Rohnja oder Nameha ihr erzählten.
Außerdem hatte sie die Insel schon irgendwie vermisst.


Lana hatte sich erst mal darum gekümmert, zu erfahren, ob es Möglichkeiten gab, zur Lösung.
Die gab es.
Jetzt musste die andere nur dem ganzen zustimmen.
Eigentlich hatte sie sich aus allem heraus halten wollen. Das war ihr soweit, auch halbwegs gelungen. Sie war da, wenn man sie brauchte, das reichte.

Wie hatte ihre Mutter immer zu sagen gepflegt?
Es gibt kein größeres Leid als das was man sich selbst antut.
Wie recht sie gehabt hatte.

Verfasst: Sonntag 3. März 2013, 12:41
von Svetlana Ethered

Die erste Regung beim Erwachen brachte ihr einen dröhnenden Kopfschmerz ein.
Sie kniff die Augen zusammen und brummte leise.
Möglichst langsam hob sie den Oberkörper an, und blieb einige Momente aufrecht sitzen.
Nur langsam wich der aufkommende Schwindel wieder, jedoch der Schmerz blieb.
Ganz langsam und schwerfällig erhob sie sich, wankte zum Wasserbecken und schlufte einfach mit ihrem seidenen Unterhemd ins Wasser.
Das kühle Nass tat tut.
Vorsichtig betastete sie ihren Kopf, die Stelle an der sie die Flasche getroffen hatte, war ein wenig angeschwollen, und wahrscheinlich auch der Grund für den Kopfschmerz.
Die Erinnerung kehrte langsam zurück.
Was für ein Abend….





Roland, die 20 Kronen, Nym, die Flasche, die Schüsse.
Scheisse, was für ein Chaos.
Ein grinsen schlich sich auf die Lippen der Piratin.
Sie hatte bei Jose’s spiel mitgespielt, und hatte sich verkaufen lassen. Für ein Abendessen mit Nym.
Der Name und die Person dahinter, waren ihr wohl bekannt, sie hatte durchaus schon erahnen können, dass es ein lustiger Abend wird.
Da die Absprache mit der Taverne durch den Umbau des Gebäudes hinfällig geworden war, war auch ihre Anstellung und ihre Bezahlung hinfällig.
So schlüpfte sie, auf Rolands Bitte hin, in das verhasste blaue Kleid, und spielte einfach mit.
Die erste Reaktion von Nym amüsierte sie. Er war verwirrt und sichtlich unangetan. Dann schwenkte seine Laune um (herrjeh, war dieser Kerl launisch), und er wurde freundlich.
Doch kaum war Roland weg, ging das erwartete los.
Anfangs noch wie zwei Tiger, die einander umkreisten, bis er die Initiative ergriff.
Das sie seine Verletzung berührt hatte, war nicht geplant gewesen, wusste sie doch nichts von der Wunde am Nacken.
So fand sie sich auf seinem Schoß wieder, noch immer den Weinkelch in der Hand haltend. Eigentlich wollte sie nur ein wenig spötteln über Rolands Beschreibungen, Nym sei süß wie Honig und würde es schaffen, sich von jeder Frau schlagen zu lassen. Soweit kam es dann aber nicht mehr.
Der Wein, versetzt mit Rauschmitteln, die Flasche, die auf ihren Kopf zuraste, und der sie im letzten Moment noch versuchte auszuweichen, was den schlag zwar nicht abfing oder ins Leere gehen ließ, aber zumindest hatte sie nicht die volle Dröhnung abbekommen.
Wut stieg in ihr auf.
Sie wollte sich von ihm lösen, von ihm weg springen, aber er hielt sie und beide fielen auf den Boden. Sie zuerst, er obendrauf. Der Aufprall und das Gewicht des Mannes raubten ihr für einige Momente den Atem.
Doch gleichsam mit dem neu befüllen ihrer Lungen mit Luft versuchte sie den Mann los zu werden. An die Pistole zu kommen, war in diesem Moment unmöglich, einer der Gründe, warum sie Kleider so hasste.
Er griff nach ihren Handgelenken und presste sie auf den Boden, zischte ihr zu:
„Halt still ich will dich nur was Fragen..“
Ein Witz, Fragen stellen, hätte er auch ohne diesen Zampano gekonnt.
Natürlich, es ging letztlich um Hayden.
Lana wusste, dass sie tot war, aber das musste er ja nicht wissen. So erklärte sie ihm, sie sei als Verräterin vor den Rat gekommen, und er solle auf sie hören und die Insel nicht mehr betreten.
Bajard war das eine, aber auf Cabeza würde sie ihn nicht mehr entkommen lassen.
Die Situation löste sich auf, sie ging.
Er war sichtlich geknickt, jedenfalls tat er so.
Seine Wechsellaunigkeit war furchtbar und seine Schauspielerei noch mehr.

Direkt auf dem Schiff angekommen, riss sie das Kleid vom Leib, kramte aus ihrer Tasche ihre andere Kleidung und zog sich um.
Die Pistole wieder in den Stiefelschaft schiebend, da wo sie hin gehörte.
Ihr Weg führte sie geradewegs zu Sophie, der Laden war noch immer geöffnet, und sie wusste, das Piraten Sitzfleisch haben können, wenn es nur genügend Rum gab.
Und siehe da, Roland war auch wieder im Laden.
Ihre Wut stieg ein weiteres Mal in ihr auf, und sogleich griff sie nach ihrer Waffe, die sie auf den Mann richtete.
„Richte Nym einen schönen Gruß aus, no, direkt zwei“, mit diesen Worten warf sie ihm das Kleid auf den Schoß, die Pistole noch immer auf ihn gerichtet haltend.
„Du darfst dir eine Körperstelle aussuchen, die getroffen wird.“ Ihre Worte waren ruhig, aber es tobte noch immer in ihr.
Roland, völlig verdattert, versuchte aus der Situation heraus zu kommen, versuchte sie mit Worten abzulenken, und seinen Hintern damit zu retten.
Aber sie musste Sophie den Gefallen tun, kein Blut im Laden zu vergießen, so packte sie Roland am Kragen und zog ihn mit sich hinaus.
Kaum vor der Tür, versuchte er wieder mit Worten abzulenken, bis sie anfing bis drei zu zählen. Bei drei angekommen würde sie einfach wahllos schießen, das hatte sie ihm erklärt.
Mit dem Dolch in seinem Ärmel hatte sie nicht gerechnet.
Der erste Schuss fiel, in Richtung seines linken Fußes, aber er bewegte sich flink, richtig flink, so dass die Kugel ihn nur streifte.
Er packte sie, und die Hand mit dem Dolch wanderte an ihren Hals.
‚Verfluchter Mistkerl‘, dachte sie und hieb ihm ihren Ellbogen an die Brust.
Jose, der dabei stand, hielt die Waffe auf den Mann gerichtet, wie immer war der schwarzhaarige völlig ruhig und berechnend, er wusste, das seine Gelegenheit zum Schießen noch kommen würde.

Und das tat es dann auch. Das Handgemenge der beiden löste sich, als sie einen Schritt zurück trat um das Diamantene Entermesser zu ziehen, und er griff nach weiteren Wurfdolchen.
Hätte Jose in dem Moment nicht geschossen, wären die Messer sicherlich in ihre Richtung geflogen, und wer weiß, ob sie auch nur einem davon hätte ausweichen können.
Roland taumelte getroffen zurück, und diese Gelegenheit nutzte sie, um ihm den Dolch aus den Händen zu treten.
Noch einmal wollte sie die Waffe nicht an ihrem Hals haben.
„Verschwinde von hier“, zischte sie ihm zu, und das tat er dann auch. Er wusste wohl, dass diese Situation nicht seine war. Jedoch ging er nicht ohne das Versprechen, dass sie sich wieder sehen würden.




Sie stieg aus dem Wasser.
Der Schmerz hatte sie zwar kaum gelegt, aber immerhin konnte sie sich jetzt halbwegs normal bewegen.
Das Unterhemd legte sie zum Trocknen über einen Stuhl, zog sich dann wieder ganz an, und machte sich daran, die Wohnung ein wenig auf zu räumen.
Unpiratisch, aber zwangsläufig.
Letztlich war der Abend noch gut ausgeklungen, hatte sie bis mitten in der Nacht noch mit Jose und Sim bei Sophie gesessen und geredet.
Ihre Wut war gänzlich verflogen, es war nur die Vorfreude auf ein weiteres Treffen mit Roland geblieben.
Hinter ihm, wie hinter vielen Förderern der Kunst, steckte mehr, als es den Anschein hatte.