MacDraig
Verfasst: Mittwoch 18. Januar 2006, 23:17
CALAN
Calan saß tief in seinen, aus Wolfsfell gefertigten, Mantel an einer kleinen Feuerstelle. Bei ihm waren noch vier weitere Krieger, die ebenso wie er, ihrer dicken Wintermäntel eng um die Körper geschlungen hatten. Die kleine Lichtung, auf der sie ihr kleines Lager für die Mittagszeit errichtet hatten, war in strahlendes weiß gehüllt. Immer wieder stießen die Männer weiße Wölkchen hervor, wenn sie die kalte Luft ausatmeten.
Der alte Morgan MacMurry, einziger noch Mitüberlebender von Calans Clan, den MacDraig, rieb sich die Hände über dem niedrig gehaltenen Feuer. „Es wird Zeit“ brummte der schon leicht Ergraute. Die drei Begleiter, alles junge aber erfahrene Kämpfer im Umgang mit Axt und Klinge vom Clan der MacConnells, nickten stumm.
Die MacConnells hatten seit der Zerschlagung und der darauf folgenden Hetzjagd nach den überlebenden Mitgliedern der MacDraigs, den letzten Hochländern aus Calans Clan Zuflucht gewährt. Die MacConnells und die MacDraigs hatten schon immer in guter Beziehung zueinander gestanden. Ein festes Freundschaftsband hatte zwischen Chief Wulf MacDraig und Chief Gwyn MacConnell bestanden.
Es waren jetzt schon 7 Jahre vergangen seit der Fehde zwischen den MacDraigs und den feigen McRaasay zu einem Clankrieg ausgeartet war. Clanskrieg konnte man es eigentlich nicht nennen, das die MacRaasay des Nachts über die schlafende Siedlung der MacDraigs hergefallen waren, wie ein Rudel wilder Wölfe. Auch die abgelegenen Höfe die den MacDraigs angehörten wurden in der selben Nacht überfallen und nieder gebrannt. Alles in allem war es ein vernichtender Schlag für Calans Clan gewesen.
Sein Vater, der Chief Wulf, seine Mutter Dana, auf deren öffentlichen Ohrfeigung des Chief MacRaasay der Überfall geschah, und seine drei älteren Brüder Mychael, Dylan und Rob wurden bei dem nächtlichen Angriff getötet worden. Sullivan sein jüngerer Bruder war seitdem verschwunden. Nur wenige hatten sich retten können und Calan war das Glück, wenn man es so nennen wollte, gnädig gestimmt. Er war in dieser Nacht mit dem alten Morgan und vier weiteren Clansmitgliedern in den weiten Wäldern des Hochlandes gewesen um Vorräte für den bevorstehenden Winter zu jagen.
„Das Handelsschiff wird bald anlegen,“ riss ihn die raue, mürrische Stimme Morgans aus den Gedanken „und es sind noch einige Meilen, die wir durch die Wälder hinunter zur Bucht marschieren müssen.“ Calan nickt schwach und tat es seinem alten Lehrmeister gleich und erhob sich. Morgan hatte, als die rechte Hand von Chief Wulf, die Ausbildung von Calan anvertraut bekommen und Calan konnte sich keinen Besseren, außer vielleicht sein Vater selbst, vorstellen, der diese Aufgabe hätte bewältigen können.
Schnell würde das Feuer gelöscht und die fünf, in Wolfsfell gehüllten, Gestalten marschierten weiter durch den tiefen Schnee.
Die Jahre danach waren eine ständige Wanderschaft, wenn der Winter hereinbrach suchten sie Unterschlupf auf einem Gehöf der MacConnells und noch bevor der Frühling den Winter richtig vertreiben konnte waren die letzten Krieger der MacDraig wieder unterwegs. Ständig in Bewegung um nicht auch noch von den Suchtrupps der MacRaasay gefunden zu werden.
Eigentlich wäre s jetzt an Calan gewesen den Rest des Clans, der nun von etwa 180 Mannen auf eine Anzahl von dreißig besunken war, zu führen. Doch hatte er mit seinen 19 Lenz bei weitem nicht die Erfahrung dazu und das wusste er auch. So hatte er es Morgan überlassen, die Truppe zu führen.
Man hatte die Hilfe von Chief Gwyn, der ihnen angeboten hatte sie bei der Rache zu unterstützen, abgelehnt. Doch hatte schließlich Morgan, auf Calans drängen hin, die ganzen Jahre über erfolgreiche Angriffe gegen die freiliegenden Höfe der MacRaasay führen lassen.
Doch wurden sie mit der Zeit immer weniger, einige starben bei Hinterhalten oder Angriffen auf die MacRaasay und manch Alter fand noch einen friedlichen Tod im Schutze der MacConnells. Alle wurden sie begraben unter einer alten Eiche, die in der Nähe der Ruine des Dorfes der MacDraigs stand.
„Und nun sind nur noch wir beide übrig“, brummte er missmutig, sein Herz mit tiefer Trauer erfüllt.
Sie hatten die gut sieben Meilen in Richtung der Küste zügig zurück gelegt und sich im Schatten des Waldrandes gehalten um vor ungewollten Blick unentdeckt zu bleiben, aber die freie Fläche bis hin zu den Klippen selbst im Auge behalten zu können. Endlich kam der Späher, den sie voraus geschickt hatten zurück.
Er nickte knapp und erklärte mit tiefer Stimme: „Es ist in Sicht, aber es wird noch eine Weile dauern bis sie vor Anker gegangen sein werden und ihre Beiboote gen Küste senden.“ Morgan gab darauf hin Anweisung, das man sich noch etwas ausruhen sollte, bevor sie das letzte Stück hinunter in die Bucht zurücklegen würde.
Calan lehnte sich an einen Baum und versuchte den Wolfsfellmantel nochmals enger um seinen Körper zu schließen. Dann schloss er die Augen und war wieder in seinen Erinnerungen gefangen.
Calan hatte seinen zwanzigsten Sommer überstanden und war nun schon ein Jahr mit den anderen auf der Flucht. Nur der Größe der Insel hatten sie es zu verdanken, das sie noch nicht aufgespürt worden waren.
Jetzt lag er auf dem Bauch im Schnee, wie die anderen Krieger seines Clans, und spähte in das kleine Tal hinunter. Unter ihnen in der senke lang ein scheinbar in friedlicher Winterlandschaft dahin träumender Hof der MacRaasay. Er zählte drei Wohnhütten eine kleinere Stallung und ein weitläufiges Gatter in dem wohl im Sommer Vieh gehalten wurde.
Von Süden, Osten und Norden her war das Tal an den Hängen von dichtem Tannenwald umschlossen und zum Westen hin führte normalerweise ein Weg in das große Dorf, über den noch vor einigen Wochen Karren in die große Siedlung gezogen worden waren oder auch umgekehrt. Doch war dieser nun wie das Land rings umher von Schnee verschlungen worden.
Calan blickt hoch zu den Schornsteinen aus denen weißer Rauch empor stieg und er fragte sich womit die Bewohner der Hütten wohl gerade beschäftigt waren und wieder keimte die blinde Wut in ihm auf. Er stellte sich vor wie dort unten die Mörder seines Vaters gesellig beisammen saßen, bei heißem Met und gebratenem Fleisch. Wie sie tranken und lachten und sangen, keinen Gedanken daran verschwendend, wie sie hinterhältig des Nachts das gesamte Dorf der MacDraigs auslöschten und niederbrannten. `Bald werdet ihr nicht mehr dort unten sitzen, singen lachen und trinken´, dachte er sich voller hass auf die stinkenden MacRaasay.
Sie hatten nicht mehr lange warten müssen bis die Dämmerung herein bracht und auf Morgans Befehl hin sie sich gebückt Richtung Tal vorarbeiteten. Jeder hatte seine Waffe, bereit sie einzusetzen, in der Hand. Auch Calan und bei dem Gedanken daran was nun dort unten geschehen würde begann er leicht zu zittern. Sicher hatte er schon die Waffe gegen andere Männer geführt, auch hatte er schon Krieger sterben sehen, doch noch nie war durch seine Waffe ein Mann zusammen gesunken und nicht wieder aufgestanden.
Er umklammerte seine Axt mit beiden Händen und schritt nun schneller aus, so das auch der Rest der Truppe schneller wurde. Morgan erhöhte selbst noch einmal sein Tempo um neben Calan zu gelangen. „Drei Gruppen,“ raunte er so das jeder es hören konnte und leiser fügte er nur für Calans Ohren bestimmt hinzu: „Du wirst mich begleiten.“
Als sie den Hof erreicht hatten, war das Tal schon fasst in völlige Dunkelheit gehüllt. Mit dem Licht der Kerzen drang auch die Geräuschkulisse aus dem Inneren der bewohnten Hütten. Calan, Morgan und die anderen Clanskrieger aus ihrer Truppe bauten sich um die Eingangstür des größten Gebäudes auf. Nach der Größe zu beurteil konnte es gut zehn bis fünfzehn Menschen Platz bieten.
Calans Herzschlag ging immer schneller, als er wieder daran dachte was nun geschehen würde. Er konnte sich kaum noch zurückhalten, um nicht einfach durch die Tür zu stürmen und Rache für den schrecklichen Verlust seiner Familie und seines Clans zu nehmen. Endlich war es soweit, vor jedem Eingang der drei Hütten hatten sich die MacDraigs aufgestellt und warteten auf das Zeichen von Morgan MacMurry.
Morgan hob den Arm und ließ ihn blitzschnell wieder sinken und unter dem lauten Gegröle der Krieger wurden die drei Türen der Wohnhütten nach innen aufgesprengt und ein blutiges Spiel um Leben und Tod.
Calan kam als dritter in den Raum und sah wie eine verwirrte Gruppe Männer von ihren Stühlen sprang und nach ihren Klingen und Äxten griffen. Morgan hieb schon mit seinem Breitschwert nach dem erst besten Ziel das sich ihm bot. Sein Opfer sackte vor ihm zusammen und Calan sprang an seine Seite.
Wild schwang Calan seine Axt mit beiden Händen geführt in die Richtung eines vollbärtigen Hochländer, der gerade im begriff war sein Schwert in die Höhe zu reißen. Doch kam er nicht mehr zur Vollendung seiner Bewegung, den Calans Axt traf von oben herab seitlich in die Halsgegend. Einen tiefen Schnitt fast bis zur Brust reichend war von der Wucht seines Schlagens in den Körper des Vollbärtigen gerissen worden und der Getroffene fiel leblos zu Boden...
„Calan“, die Stimme des grollenden MacMurry riss ihn abermals aus den Gedanken. „Wir müssen uns beeilen.“ Calan nickte knapp und erhob sich aus seiner halb sitzenden Haltung. „Verdammte Kälte.“ Sein mürrischer Fluch war kaum zu vernehmen. Nicht das ihm Kälte jemals sonderlich viel ausgemacht hätte, doch dieser Winter schien aber doch entschieden zu kalt zu werden. Vielleicht eine Art Vorbote für das was noch vor seiner Heimat lag, die er nun verlassen würde.
Zwei ihrer Begleiter traten aus der Deckung und begannen den Vormarsch, dann folgten Morgan und Calan. Den Abschluss bildete der letzte ihrer Begleiter.
Der Abstieg in die Bucht war ohne Probleme verlaufen und Calan stieg auf eines der Boote. Als er sich herum drehte merkte das ihm Morgan nicht folgte. Als er ihm begriff war etwas zu sagen, schüttelte MacMurry sachte den Kopf: „Nein Calan. Ich werde nicht mit dir gehen, für mich ist es zu spät von hier fort zu gehen und eine neue Heimat zu finden. In meinem Herzen würde ich mich immer einsam fühlen. Du bist noch jung und wirst einen Flecken Erde für dich finden an dem du bleiben willst.“
Wehmütig blickte Calan zu seinem letzten Weggefährten zurück. Doch wusste er das Morgan recht hatte, er hatte sein ganzes Leben hier verbracht und auch wenn er von den McRaasay verfolgt werden würde, würde er sich hier glücklicher fühlen als in der Fremde.
Calan machte einen Satz, um aus dem Boot zu springen. Schon war er Morgan der ihm im selben Moment entgegen trat. Beide umschlangen sich aufrechtstehend und klopften sich aufmuntern auf den Rücken. Dann traten sie von einander weg und reichten sich zum Abschied nochmals die Hand.
Als die Boote ablegten stand Calan in Richtung des Ufers blickend da und hob noch einmal die Hand. So viele Gefühle und Gedanken jagten in seinem Kopf umher. Die drei Krieger des McConnell-Clan hatten sich schon abgewannt und waren im Begriff den Rückweg anzutreten. Einzig Morgan stand da, starr, ohne jede Regung und blickte Calan in die Augen.
`Wenn Sullivan noch lebt, werden Morgan und er sich finden´, dachte sich Calan. Das war sein einziger Trost, um das zurücklassen des alten MacMurry zu entschuldigen.
Als er das Handelsschiff bestieg und zurück blickte sah er das auch Morgan endlich den Rückweg angetreten hatte. Calan beschlich das Gefühl den Alten verraten zu haben. Als hätte er hin im Stich gelassen. Doch hatte es Morgan nicht anders gewollt und seine Zukunft lag irgendwo vor ihm in der Fremde, das wusste er.
Calan saß tief in seinen, aus Wolfsfell gefertigten, Mantel an einer kleinen Feuerstelle. Bei ihm waren noch vier weitere Krieger, die ebenso wie er, ihrer dicken Wintermäntel eng um die Körper geschlungen hatten. Die kleine Lichtung, auf der sie ihr kleines Lager für die Mittagszeit errichtet hatten, war in strahlendes weiß gehüllt. Immer wieder stießen die Männer weiße Wölkchen hervor, wenn sie die kalte Luft ausatmeten.
Der alte Morgan MacMurry, einziger noch Mitüberlebender von Calans Clan, den MacDraig, rieb sich die Hände über dem niedrig gehaltenen Feuer. „Es wird Zeit“ brummte der schon leicht Ergraute. Die drei Begleiter, alles junge aber erfahrene Kämpfer im Umgang mit Axt und Klinge vom Clan der MacConnells, nickten stumm.
Die MacConnells hatten seit der Zerschlagung und der darauf folgenden Hetzjagd nach den überlebenden Mitgliedern der MacDraigs, den letzten Hochländern aus Calans Clan Zuflucht gewährt. Die MacConnells und die MacDraigs hatten schon immer in guter Beziehung zueinander gestanden. Ein festes Freundschaftsband hatte zwischen Chief Wulf MacDraig und Chief Gwyn MacConnell bestanden.
Es waren jetzt schon 7 Jahre vergangen seit der Fehde zwischen den MacDraigs und den feigen McRaasay zu einem Clankrieg ausgeartet war. Clanskrieg konnte man es eigentlich nicht nennen, das die MacRaasay des Nachts über die schlafende Siedlung der MacDraigs hergefallen waren, wie ein Rudel wilder Wölfe. Auch die abgelegenen Höfe die den MacDraigs angehörten wurden in der selben Nacht überfallen und nieder gebrannt. Alles in allem war es ein vernichtender Schlag für Calans Clan gewesen.
Sein Vater, der Chief Wulf, seine Mutter Dana, auf deren öffentlichen Ohrfeigung des Chief MacRaasay der Überfall geschah, und seine drei älteren Brüder Mychael, Dylan und Rob wurden bei dem nächtlichen Angriff getötet worden. Sullivan sein jüngerer Bruder war seitdem verschwunden. Nur wenige hatten sich retten können und Calan war das Glück, wenn man es so nennen wollte, gnädig gestimmt. Er war in dieser Nacht mit dem alten Morgan und vier weiteren Clansmitgliedern in den weiten Wäldern des Hochlandes gewesen um Vorräte für den bevorstehenden Winter zu jagen.
„Das Handelsschiff wird bald anlegen,“ riss ihn die raue, mürrische Stimme Morgans aus den Gedanken „und es sind noch einige Meilen, die wir durch die Wälder hinunter zur Bucht marschieren müssen.“ Calan nickt schwach und tat es seinem alten Lehrmeister gleich und erhob sich. Morgan hatte, als die rechte Hand von Chief Wulf, die Ausbildung von Calan anvertraut bekommen und Calan konnte sich keinen Besseren, außer vielleicht sein Vater selbst, vorstellen, der diese Aufgabe hätte bewältigen können.
Schnell würde das Feuer gelöscht und die fünf, in Wolfsfell gehüllten, Gestalten marschierten weiter durch den tiefen Schnee.
Die Jahre danach waren eine ständige Wanderschaft, wenn der Winter hereinbrach suchten sie Unterschlupf auf einem Gehöf der MacConnells und noch bevor der Frühling den Winter richtig vertreiben konnte waren die letzten Krieger der MacDraig wieder unterwegs. Ständig in Bewegung um nicht auch noch von den Suchtrupps der MacRaasay gefunden zu werden.
Eigentlich wäre s jetzt an Calan gewesen den Rest des Clans, der nun von etwa 180 Mannen auf eine Anzahl von dreißig besunken war, zu führen. Doch hatte er mit seinen 19 Lenz bei weitem nicht die Erfahrung dazu und das wusste er auch. So hatte er es Morgan überlassen, die Truppe zu führen.
Man hatte die Hilfe von Chief Gwyn, der ihnen angeboten hatte sie bei der Rache zu unterstützen, abgelehnt. Doch hatte schließlich Morgan, auf Calans drängen hin, die ganzen Jahre über erfolgreiche Angriffe gegen die freiliegenden Höfe der MacRaasay führen lassen.
Doch wurden sie mit der Zeit immer weniger, einige starben bei Hinterhalten oder Angriffen auf die MacRaasay und manch Alter fand noch einen friedlichen Tod im Schutze der MacConnells. Alle wurden sie begraben unter einer alten Eiche, die in der Nähe der Ruine des Dorfes der MacDraigs stand.
„Und nun sind nur noch wir beide übrig“, brummte er missmutig, sein Herz mit tiefer Trauer erfüllt.
Sie hatten die gut sieben Meilen in Richtung der Küste zügig zurück gelegt und sich im Schatten des Waldrandes gehalten um vor ungewollten Blick unentdeckt zu bleiben, aber die freie Fläche bis hin zu den Klippen selbst im Auge behalten zu können. Endlich kam der Späher, den sie voraus geschickt hatten zurück.
Er nickte knapp und erklärte mit tiefer Stimme: „Es ist in Sicht, aber es wird noch eine Weile dauern bis sie vor Anker gegangen sein werden und ihre Beiboote gen Küste senden.“ Morgan gab darauf hin Anweisung, das man sich noch etwas ausruhen sollte, bevor sie das letzte Stück hinunter in die Bucht zurücklegen würde.
Calan lehnte sich an einen Baum und versuchte den Wolfsfellmantel nochmals enger um seinen Körper zu schließen. Dann schloss er die Augen und war wieder in seinen Erinnerungen gefangen.
Calan hatte seinen zwanzigsten Sommer überstanden und war nun schon ein Jahr mit den anderen auf der Flucht. Nur der Größe der Insel hatten sie es zu verdanken, das sie noch nicht aufgespürt worden waren.
Jetzt lag er auf dem Bauch im Schnee, wie die anderen Krieger seines Clans, und spähte in das kleine Tal hinunter. Unter ihnen in der senke lang ein scheinbar in friedlicher Winterlandschaft dahin träumender Hof der MacRaasay. Er zählte drei Wohnhütten eine kleinere Stallung und ein weitläufiges Gatter in dem wohl im Sommer Vieh gehalten wurde.
Von Süden, Osten und Norden her war das Tal an den Hängen von dichtem Tannenwald umschlossen und zum Westen hin führte normalerweise ein Weg in das große Dorf, über den noch vor einigen Wochen Karren in die große Siedlung gezogen worden waren oder auch umgekehrt. Doch war dieser nun wie das Land rings umher von Schnee verschlungen worden.
Calan blickt hoch zu den Schornsteinen aus denen weißer Rauch empor stieg und er fragte sich womit die Bewohner der Hütten wohl gerade beschäftigt waren und wieder keimte die blinde Wut in ihm auf. Er stellte sich vor wie dort unten die Mörder seines Vaters gesellig beisammen saßen, bei heißem Met und gebratenem Fleisch. Wie sie tranken und lachten und sangen, keinen Gedanken daran verschwendend, wie sie hinterhältig des Nachts das gesamte Dorf der MacDraigs auslöschten und niederbrannten. `Bald werdet ihr nicht mehr dort unten sitzen, singen lachen und trinken´, dachte er sich voller hass auf die stinkenden MacRaasay.
Sie hatten nicht mehr lange warten müssen bis die Dämmerung herein bracht und auf Morgans Befehl hin sie sich gebückt Richtung Tal vorarbeiteten. Jeder hatte seine Waffe, bereit sie einzusetzen, in der Hand. Auch Calan und bei dem Gedanken daran was nun dort unten geschehen würde begann er leicht zu zittern. Sicher hatte er schon die Waffe gegen andere Männer geführt, auch hatte er schon Krieger sterben sehen, doch noch nie war durch seine Waffe ein Mann zusammen gesunken und nicht wieder aufgestanden.
Er umklammerte seine Axt mit beiden Händen und schritt nun schneller aus, so das auch der Rest der Truppe schneller wurde. Morgan erhöhte selbst noch einmal sein Tempo um neben Calan zu gelangen. „Drei Gruppen,“ raunte er so das jeder es hören konnte und leiser fügte er nur für Calans Ohren bestimmt hinzu: „Du wirst mich begleiten.“
Als sie den Hof erreicht hatten, war das Tal schon fasst in völlige Dunkelheit gehüllt. Mit dem Licht der Kerzen drang auch die Geräuschkulisse aus dem Inneren der bewohnten Hütten. Calan, Morgan und die anderen Clanskrieger aus ihrer Truppe bauten sich um die Eingangstür des größten Gebäudes auf. Nach der Größe zu beurteil konnte es gut zehn bis fünfzehn Menschen Platz bieten.
Calans Herzschlag ging immer schneller, als er wieder daran dachte was nun geschehen würde. Er konnte sich kaum noch zurückhalten, um nicht einfach durch die Tür zu stürmen und Rache für den schrecklichen Verlust seiner Familie und seines Clans zu nehmen. Endlich war es soweit, vor jedem Eingang der drei Hütten hatten sich die MacDraigs aufgestellt und warteten auf das Zeichen von Morgan MacMurry.
Morgan hob den Arm und ließ ihn blitzschnell wieder sinken und unter dem lauten Gegröle der Krieger wurden die drei Türen der Wohnhütten nach innen aufgesprengt und ein blutiges Spiel um Leben und Tod.
Calan kam als dritter in den Raum und sah wie eine verwirrte Gruppe Männer von ihren Stühlen sprang und nach ihren Klingen und Äxten griffen. Morgan hieb schon mit seinem Breitschwert nach dem erst besten Ziel das sich ihm bot. Sein Opfer sackte vor ihm zusammen und Calan sprang an seine Seite.
Wild schwang Calan seine Axt mit beiden Händen geführt in die Richtung eines vollbärtigen Hochländer, der gerade im begriff war sein Schwert in die Höhe zu reißen. Doch kam er nicht mehr zur Vollendung seiner Bewegung, den Calans Axt traf von oben herab seitlich in die Halsgegend. Einen tiefen Schnitt fast bis zur Brust reichend war von der Wucht seines Schlagens in den Körper des Vollbärtigen gerissen worden und der Getroffene fiel leblos zu Boden...
„Calan“, die Stimme des grollenden MacMurry riss ihn abermals aus den Gedanken. „Wir müssen uns beeilen.“ Calan nickte knapp und erhob sich aus seiner halb sitzenden Haltung. „Verdammte Kälte.“ Sein mürrischer Fluch war kaum zu vernehmen. Nicht das ihm Kälte jemals sonderlich viel ausgemacht hätte, doch dieser Winter schien aber doch entschieden zu kalt zu werden. Vielleicht eine Art Vorbote für das was noch vor seiner Heimat lag, die er nun verlassen würde.
Zwei ihrer Begleiter traten aus der Deckung und begannen den Vormarsch, dann folgten Morgan und Calan. Den Abschluss bildete der letzte ihrer Begleiter.
Der Abstieg in die Bucht war ohne Probleme verlaufen und Calan stieg auf eines der Boote. Als er sich herum drehte merkte das ihm Morgan nicht folgte. Als er ihm begriff war etwas zu sagen, schüttelte MacMurry sachte den Kopf: „Nein Calan. Ich werde nicht mit dir gehen, für mich ist es zu spät von hier fort zu gehen und eine neue Heimat zu finden. In meinem Herzen würde ich mich immer einsam fühlen. Du bist noch jung und wirst einen Flecken Erde für dich finden an dem du bleiben willst.“
Wehmütig blickte Calan zu seinem letzten Weggefährten zurück. Doch wusste er das Morgan recht hatte, er hatte sein ganzes Leben hier verbracht und auch wenn er von den McRaasay verfolgt werden würde, würde er sich hier glücklicher fühlen als in der Fremde.
Calan machte einen Satz, um aus dem Boot zu springen. Schon war er Morgan der ihm im selben Moment entgegen trat. Beide umschlangen sich aufrechtstehend und klopften sich aufmuntern auf den Rücken. Dann traten sie von einander weg und reichten sich zum Abschied nochmals die Hand.
Als die Boote ablegten stand Calan in Richtung des Ufers blickend da und hob noch einmal die Hand. So viele Gefühle und Gedanken jagten in seinem Kopf umher. Die drei Krieger des McConnell-Clan hatten sich schon abgewannt und waren im Begriff den Rückweg anzutreten. Einzig Morgan stand da, starr, ohne jede Regung und blickte Calan in die Augen.
`Wenn Sullivan noch lebt, werden Morgan und er sich finden´, dachte sich Calan. Das war sein einziger Trost, um das zurücklassen des alten MacMurry zu entschuldigen.
Als er das Handelsschiff bestieg und zurück blickte sah er das auch Morgan endlich den Rückweg angetreten hatte. Calan beschlich das Gefühl den Alten verraten zu haben. Als hätte er hin im Stich gelassen. Doch hatte es Morgan nicht anders gewollt und seine Zukunft lag irgendwo vor ihm in der Fremde, das wusste er.