Seite 1 von 1

Winterregen

Verfasst: Donnerstag 6. Dezember 2012, 01:22
von Gast
Adoran, Drachenbrücke, Die Nacht vom 5ten auf den 6ten Alatner

Die Hände lagen auf dem kalten Stein des Brückengeländert, Regen ergoss sich schon die halbe Nacht, liess nach dem Besuch in Nilzadan nun ihr Barett halb herabhängen. Der Weg zurück nach Hause, zu Fuss, hatte sie vollständig durchnässt. Da half kein Umhang und keine Rüstung. Sie hatte gar nicht erst versucht sich gegen den regen zu schützen, noch in Berchgard hatte eine Stimme in ihrem inneren sie vor eine unumstössliche Wahrheit gestellt als sie in den wolkenverhangenen Himmel gesehen hatte.
"Da mäkste nix!"
Auch die Gedanken von Marius waren ihr in den Sinn gekommen, der sie in der Rekrutenzeit so gut er konnte geleitet hatte.
"Der Regen ist der beständige Freund eines Gardisten. Wenn es regnet bleiben alle zuhause, also geschieht auch nichts schlimmes."

Und wiedermal regnete es.
Dazu war es auch noch kalt.
Bitterkalt.

Dennoch hatte sie den Weg zu Fuss zurückgelegt und stand nun hier, sah auf das Wasser hinab. Die linke Hand spielte mit dem Ring den sie an der rechten Hand trug. Die Gedanken allerdings waren bei Rogar und Thrain. Und dann begannen jene Gedanken ein Eigenleben zu bekommen, wanderten hierhin und dorthin. Warum war sie hier? Des Goldes wegen?
Drehte auch sie sich im Kreis?
Was würde die Zukunft ihr bieten, und vor allem: Was erwartete sie nach dieser ungewissen Zukunft?
Die Kaluren hatten auf alles eine Antwort gehabt, hatten gewusst wohin sie gehörten, wohin sie nach dem Tode gingen und das sie ehrenhaft Seite an Seite mit Freunden und Vertrauten in die Schlacht ziehen würden.
Bei dem letzten hatte sie an den Gardisten denken müssen, an den Vorfall vom Vortag und musste sich eingestehen, das sie nichteinmal das letzte komplett bestätigen könnte.

Bitterkalt.
Manchmal ist das ein Gefühl das nicht nur von aussen, vom Regen, kommt.

Lange drehten sich die Gedanken der Gardistin so hin und her, betrachteten dies und das. Und als sie sich spät in der Nacht daran machte den letzten Teil des Heimweges anzutreten, sehnte sie sich nach einem heissen Feuer gegen die Kälte.