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Das Ende des Hortes des Wissens..
Verfasst: Freitag 16. November 2012, 09:58
von Gast
Es war eine äußerst dumme Situation in die sie sich manövriert hatte,
selbst noch im späten Dämmerlicht und wenigen Fackelschein war sie sich der silbrig glitzernden, äußerst nahen Hellebarde bewusst. Sie musste kein zweites Mal hinsehen um zu wissen, dass diese durchaus kein Spielzeug war.
Auch der leichte Druck im Rücken, bekundete die Anwesenheit mindestens einer weiteren bedrohlichen Waffe in ihrer Nähe.
Ein neuerlicher tiefer Atemzug, viele Wahlmöglichkeiten blieben ihr nun wahrlich nicht mehr, schnell war die Entscheidung getroffen und kurz darauf – zumindest einer der Männer für eine geraume Weile ausgeschaltet.
Dennoch war da noch etwas, dass sie nicht sehen oder auch einschätzen konnte, ein kleiner gewagter Schritt zur Seite. Erleichterung, als kurz darauf schon der Druck am Rücken nach lässt, wenn auch nur für den Moment eines Herzschlages, das vertraute Geräusch einer sich öffnenden Phiole war ihr nicht entgangen, gerade als sie das Gebräu aus ihrer Nähe schaffen wollte, trat ein weiterer Mann heran.
‚Lasst meine Männer frei‘,
Mist! Das war wohl der Augenblick in dem die kleine Ablenkung ihre Wirkung verloren hat. Für aufsteigende Verzweiflung war es zu spät und auch das Geräusch von sich schnell nähernden Hufschlägen sorgte dafür, dass die Konzentration vollends dahin war.
Auch der Reiter befand sich in ihrem Rücken, aber auf die Worte des Wachtmeisters hin, musste sie sich gar nicht umdrehen, um zu wissen, dass es nichts Gutes hieß.
‚Übung sofort beenden!‘.
Nur langsam fuhr sie herum, nicht dass sie nun doch noch mit einer gebrochenen Nase aus der Übung gehen würde, bevor sie bemerkten, dass sie ein Teil davon war.
Der Bericht des Reiters sorgte dafür, dass sie recht schnell jegliche Gedanken an die Übung vergessen hatte, beim Zurückschlagen der Kapuze sollte nun auch der Letzte bemerkt haben, dass sie ganz sicher keine zwielichtige Gestalt war.
Bücher.. die Bibliothek.. ihr Zuhause..
‚Befehle Frau Oberstleutnant?‘,
Ja, verdammt, das Pack ausrotten bis auf die letzte Seele und dann retten was zu retten ist.
Nach einem kurzen Blick in die Runde war ihr trotz des Berichtes klar, dass keiner von ihnen zögern würde, das auch zu tun. Die Versuchung in dem Augenblick war wirklich groß, dennoch gab es da etwas, was wohl weitaus wichtiger war, auch wenn es ihr ordentlichen Stich versetzte.
In kurzer Zeit war die Wachmannschaft auf beide Städte aufgeteilt, die Tore hinab gelassen, jeder ging seiner Aufgabe nach.
Luftaufklärung.
Für den Moment eines flüchtigen Wimpernschlages allein, genug Zeit um die aufkeimende Verzweiflung, ebenso wie die unendliche Wut zu bemerken.
Die wachsamen Knopfaugen des Adlers beobachteten aus weiter Höhe, jede Bewegung am Boden und kaum aufgestiegen in die Luft, war zumindest das Ziel der Reise unverkennbar.
Kaum am Ort des Geschehens angekommen, schlug dem Tier auch schon die Hitze der lodernden, alles vernichtenden Flammen entgegen, aber keine Menschenseele war mehr zu erblicken. Es dauerte mehrere Flügelschläge, bevor es gelang den Blick von den Flammen zu lösen, doch auch nach weiteren Runden über das Gebiet war Niemand mehr zu entdecken.
Es sollte der Beginn einer äußerst langen Nacht sein.. Eine Nacht der schlechten Nachrichten, die nicht abreißen wollten. Ebenso wie ein nie enden wollendes Pendeln zwischen den Wachmannschaften…..
… Steffan trat an diesem Abend seinen Wachdienst gerade noch rechtzeitig an, die Nacht zuvor war lang gewesen, er hatte sie noch einmal hin gelegt , fast wäre er zu spät gekommen! Abgehetzt hatte er unterwegs noch das Barett gerichtet, ein prüfender Blick über die Rüstung hinweg. Doch schon als er sich dem Tor näherte und den vereinzelten Kameraden begegnete, bemerkte er, dass ihm etwas unendlich Wichtiges entgangen zu sein schien. Leise wurde sich auf der Mauer ausgetauscht, schnell war er auf den neusten Stand gebracht.
Keiner war heute auch nur in der wirklichen Nähe des Herzogtums gewesen und trotzdem schien eine bedrohliche Wolke über ihnen zu hängen. Etwas das die Stimmung der Wachmannschaft die ganze Nacht begleiten sollte, ohne greifbar zu sein…
[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/burnitallawa0xhpq1tew8.jpg[/img][/url]
Zur ungefähr selben Zeit, konnte ein vielleicht neugieriger Wandersmann, ein letzter Schaulustiger, der erst jetzt die Erzählungen aufgeschnappt hatte, eine Gestalt in der Nähe der Bibliothek beobachten.
Am Waldesrand schien sie sich ebenso wenig zu bewegen, wie die Bäume, die sie umgaben. Lediglich der Wind, der durch die Blätter fegte, die Flammen zu einem weiteren Knistern anheizte und ebenso mit den Haaren der stillen Beobachterin spielte, konnte verraten, dass es sich hier keineswegs um einen der Gefährten des Waldes handelte.
Fast schon unheimlich konnte eine längere Beobachtung wirken, erst als auch die letzte Flamme nur noch ein Glimmen war, die Sonne längst schon wieder die Wacht des Mondes getauscht hatte, war die Gestalt verschwunden.
Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter.
~ Ralph Waldo Emerson
Verfasst: Samstag 17. November 2012, 12:10
von Gast
'Feuer!'
'Arkorither, fackelt das Ding ab!'
Die Befehle der beiden Heerführer waren eindeutig. Der Richterspruch gefallen. Das Urteil endgültig. Die Bibliothek würde brennen.
- Gleich brennt es lichterloh.
Bist Du bereit?
Keine Bücher mehr.
Kein Tee mehr.
Keine Gespräche mehr.
Keine Treffen mit dem Diakon.
Nicht hier wohl.
Was willst Du tun?
Bist Du bereit?
Es geht los.
Willst Du nicht zusehen?
Halt' die Klappe.
Sie schenkte dem Gebäude keine Beachtung, sondern hielt die Augen auf die Frau gerichtet, die vor der Bibliothek jeden Augenblick durch die Hand des Clericus für Alatar geopfert werden würde. Blut und Hülle für den Herrn, die Seele ohne Wert, vielleicht noch dienlich als neues Spielzeug für den Abtrünnigen.
Wie sie da lag, starr in den Nachthimmel blickend, hatte sie sicher nicht erwartet, dass ihr Weg in die Bibliothek sie direkt ins Verderben führen würde. Aber vielleicht hatte sie das Potential, an diesem Ort, in dieser Nacht zu einem kleinen Kunstwerk zu werden. Keine Regung im Körper, die Augen voller Angst im Wissen des nahenden Todes, das Gesicht von Blut gezeichnet. Ihr Kopf wurde zurückgezogen, die Kehle sichtbar präsentiert.
Die dumpfen Klänge eines aufkommenden Tumults, als sich flüchtig Feindkontakt abzeichnete, begleitete ihre letzten Momente. Nach einem kleinen Stich in ihren Hals, die Luftröhre verletzt, stimmte sie mit leisem Gurgeln ein, als sie um Atem rang, während im Hintergrund das leise Knistern erster Flammen zu vernehmen war. Zuckende Blitze, die sich den Flammen anschlossen, unterstrichen den Weg des Clericus um das Opfer herum.
Ein entstehendes Kunstwerk … Bild und Melodie in einem.
Der Dolch wurde ihr in den Bauch gestoßen, ein Schnitt bis zum Brustbein hinauf, ein Griff hinein in den eröffneten Raum, die …
- Zerstört...
Was?
Das ist als würde man einen Topf Farbe über ein Bild kippen.
Wovon redest Du?
Vergiss es.
Einen Augenblick noch verlor sie sich im leeren Blick der Frau, die gerade ihr Leben ausgehaucht hatte, dann wandte sie sich ab.
Noch immer hatte sie keine Augen für die Bibliothek, die inzwischen fast vollständig von Flammen eingehüllt war. Ein kurzes Straffen der Schultern, als sich das Gefühl einstellte, die im Rücken spürbare Hitze des Feuers würde sich wie ein Mantel um ihre Schultern legen. Die Heerführer hatten zum Sammeln aufgerufen, und dann schon wieder Feindkontakt, wieder warten bis Ruhe und Ordnung eingekehrt war.
'Wie fühlt Ihr Euch Florentine? Nun wo das Haus Eurer Gefangenschaft brennt?'
Sie sah zur Seite über die Schwarzberobte hinweg...
- Florentine? Ich kann mich nicht erinnern Ihr je gestattet zu haben mich beim Vornamen zu nennen. Was erlaubt die sich eig...
Lass gut sein. Sieh' hin. Hör' hin. Fühle.
...und weiter über die Schulter nach hinten auf das brennende Gebäude.
- Fühlen?
Ja, wie fühlst Du Dich?
Erleichtert, denke ich. Sie ist nicht hier und die Bücher sind sicher.
Keine Genugtuung?
Es ist nur Feuer ... in einem leeren Haus. Sinnlos.
Nicht für alle anderen.
Ich weiß.
Die Frage der Arkoritherin blieb unbeantwortet. Schweigend betrachtete sie das sich bietende Spiel alles verzehrender Flammen.
- Was nun?
Nichts. Es hat sich nichts geändert. Ich mache weiter.
Sie gibt Dir jetzt schon an allem die Schuld.
Ich weiß.
Sie wird sicher versuchen...
Das will ich doch hoffen.
Du bist wahnsinnig.
Ach was.
Der erneute Aufruf zum Sammeln zwang sie den Blick, wenn auch schwerfällig, wieder voraus zu richten. Aufstellung beziehen. Einige letzte Worte. Befehl zum Abrücken. Kein Blick zurück.
- Würde auch nichts ändern.
Was?
Nichts.
Vor den Toren der heiligen Stadt die Truppenauflösung.
Eine leichte Berührung am Arm ließ sie wissen, dass jemand bereit war den Heimweg anzutreten. Das 'Gehen wir?' aus ihrem Mund glich eher eine Feststellung, als einer Frage, wurde aber von einem kurzen Nicken dennoch bestätigt. Leicht hoben sich die Mundwinkel zu einem sachten Lächeln, versteckt und ungesehen hinter der getragenen Maske, als ihre Begleitung bereits davon huschte, und sie zusehen musste den Anschluss nicht zu verlieren.
---
Am nächsten Morgen konnte man in der Nähe der Bibliothek vielleicht eine Gestalt beobachten, den Mantel eng um sich geschlungen, die Hände tief in den Taschen vergraben, die Kapuze weit ins Gesicht gezogen. Am Waldrand, reglos an einen Baum gelehnt stand sie dort, betrachtete das ausgebrannte Haus und lauschte dem Knarzen und Knacken, wo Holz und Stein noch immer in Bewegung waren und nachzugeben drohten.
Lange sah sie auf das letzte Glimmen von Stein und Holz, ehe sie sich letztlich zurückzog und zwischen den Bäumen verschwand.
- Du wirst wohl ein wenig warten müssen.
Ich hab' keine Eile.
Verfasst: Sonntag 18. November 2012, 10:56
von Gast
Brennen würde sie also nun doch noch, schneller als erwartet, jedenfalls für ihn. Ein harter Zug umspielte seinen Mund als er sich weiter daran machte Schriften für den Markttag anzufertigen. Er hatte Lilian gewarnt, mehrfach, dass sie ihre Schritte bedenken sollte, dass sie nicht in Erwägung ziehen sollte zu fliehen.
Verärgert sah er auf die Schriftzeichen ohne derer wirklich bewusst zu sein, sie war ein Gast gewesen und wurde als solcher behandelt, keine Ketten, kein Kerkermeister und niemand der sie folterte.
Das "Warum?" ihrer Flucht beschäftigte ihn nach wie vor. Nur fünf Tage hätte sie noch ausharren müssen, doch stattdessen hatte sie das Vertrauen welches Ahad Hrathen in sie gesetzt hatte, nun endgültig verspielt.
Er legte die Feder beiseite und lehnte sich zurück in die Polster. Sollte sie einen Fluchtversuch wagen, würde sich der Tempel ihrer annehmen dürfen, nun es war nicht nur ein gewagter, sondern ein gelungener Fluchtversuch. Gehörte sie nun dem Tempel?
Wie würde es weiter gehen?
Die Bibliothek brannte, doch die Bücher die kostbaren Bücher waren gerettet worden. Das Gebäude war Althan ziemlich gleichgültig, es waren nur Steine die aufeinandergerichtet waren, das Wissen war für ihn von unschätzbarem Wert und dieser Schatz befand sich nun sicher verwahrt im Palast seiner Heiligkeit.
All seine Mühen mit Lilian schienen in Flammen aufgegangen zu sein, der sonderbare Umgang miteinander, der gegenseitige Respekt und die Gespräche. Er würde ihr Zeit lassen, denn nun galt es vieles für sie zu verarbeiten und zu lernen. Erst wenn man etwas verloren hat, weis man wie wertvoll der Besitz, der so alltäglich geworden war, gewesen ist. Denn wenn man sich um etwas nicht kümmert, dann verliert man es schneller als man denkt.
Nichts würde so sein wie es war, die Wut und der Hass auf die Seinigen würde hell in ihr lodern und sie so ob sie es will oder nicht näher zum Alleinen bringen.
Die Bibliothek hatte sein Interesse mit ihrer Zerstörung verloren, es war eh unumgänglich gewesen und er und Lilian hatten gewusst, dass es früher oder später dazu kommen würde, kommen musste.
Wieder beugte er sich vor und begann konzentriert zu schreiben.
Wie dem auch sei... früher oder später würde man sich wiedersehen auf die ein oder andere Weise.
Verfasst: Montag 19. November 2012, 11:21
von Gast
*Tropf, tropf… Tropf….*
Im gleichen Rhythmus fielen die kleinen Tropfen stetig, durch eines der unzähligen Löcher an der Decke und vermischten Asche und Trümmer am Boden zu einer recht unansehnlichen dunklen Masse. Eine ebenso dunkel gekleidete Gestalt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen kauerte in einer der von dem Feuer unberührten Ecken, die Beine an den Körper gezogen und eng umschlungen.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Gestalt sei leblos, oder aber an Ort und Stelle eingeschlafen. In einem verirrten Lichtschein jedoch, konnte man durchaus bemerken, dass der Blick der bernsteinbraunen Augen dem Weg der Wasserperlen aus einem Loch direkt in ihrer Nähe verfolgte.
*Platsch, platsch …. Platsch…*
‚…Ich habe mir Sorgen gemacht…‘
Sie hätte es zu Ende bringen sollen, sich erst gar nicht auf ein Wort einlassen. Ihr noch nicht einmal einen Atemzug gönnen! Aber sie war nicht alleine gewesen. Auch wenn sie nicht zu sehen war, war sie sich der ganzen Zeit über, durchaus der kleinen und stillen Beobachterin bewusst gewesen.
Sie gab es ungerne zu, dennoch wusste sie durchaus, dass sie den Rest ihrer Beherrschung gerettet hatte.
*Tropf, tropf… Platsch*
Es herrschte gespenstische Stille, alleine der Rhythmus der in der kleinen Pfütze am Boden landenden Tropfen war zu vernehmen. Nicht, das es hier jemals sehr laut gewesen wäre und doch hatte die Stille früher einmal eine beruhigende Wirkung, heute aber… lauerte in dem Ort, der ihr einmal der Liebste gewesen war, etwas Bedrohliches, Unheimliches.
‚Er hat Macht über dich.‘
Eine simple und einfache Feststellung, in der so verdammt viel Wahrheit steckte!
In all der Dunkelheit waren drei Trümpfe verblieben, kleine, kaum wahrnehmbare Lichtschimmer. Sie würde dafür sorgen, dass keiner von ihnen sinnlos erlischt…
Langsam verließ die inzwischen tropfnasse Gestalt die Trümmer der Vergangenheit, leise etwas vor sich hinmurmelnd..
Von den meisten Menschen nicht verstanden,
da stand einst in den umkämpften Landen,
ein Haus zum Stöbern, Träumen, lesen.
Es ist das Einz’ge seiner Art gewesen.
Gab’s Licht und Schatten am selben Ort,
dann verschmolzen sie zum Zwielicht dort,
so konnt’s geschehen bei Tag und Nacht,
dass es Feinde einander hat näher gebracht.
Doch viele schrie’n: ‚ So war’s nie gedacht!‘
Es wurden schändliche Taten vollbracht,
auch wurden verachtende Worte gesprochen
und bestehende Regeln zu oft gebrochen.
Wo Licht und Schatten dem Zwielicht wichen,
da hat sich die Zwietracht eingeschlichen,
und wo man einst vom andern Glauben lernte,
da führte der Zwist zu verdorbener Ernte.
Von den meisten Menschen nicht verstanden,
da stand einst in umkämpften Landen,
ein Haus zum Stöbern, träumen und lesen.
Es ist das Einz’ge seiner Art gewesen.
(Von Verlusten .. ein ganz herzliches Dankeschön an die wunderbare Autorin des kleinen Verses)
Auf Höhe des kleinen Wäldchens war die Dunkle Gestalt verstummt und ihr Schemen verschmolz mit unzähligen anderen Schatten…
Verfasst: Montag 26. November 2012, 13:21
von Gast
Die Luft war in der letzten Zeit durchaus als scharf zu bezeichnen.
Wenn man nicht aufpasste, konnte sie gar schneidend werden.
Mit dem ersten Messer, das im wenigen verbliebenen Licht silbrig schimmerte, hatte sie ja noch gerechnet.
Beim zweiten jedoch, hing sie völlig selbstvergessen den Gedanken nach, der Luftzug, den die viel zu nahe Klinge in der Luft verursachte, war ihr nicht entgangen und spätestes das dumpfe Geräusch, welches verkündete, dass ein Ziel getroffen worden war, riss sie aus ihren Tagträumereien.
Nicht das nicht viele die Kunst des Messerwerfens beherrschten, aber gerade an diesem Ort, war sie sich schon recht sicher, wer der Verursacher des fliegenden und eindeutig nicht hier her gehörenden Gegenstandes war.
Ein einziger Vorwurf.
In ihrem Blick, ihrem Verhalten, ihren Worten.
Dabei hatte sie sich doch an alles gehalten!!
Wie gerne, hätte sie ihn da vom Pferd geholt und ihn qualvoll ersticken lassen, es wäre eine Genugtuung gewesen ihm dabei zu sehen zu können wie er sein Leben aushaucht!
Auch brennende Adern wäre eine Verlockung gewesen, sie hatte sich sowas von Zusammengerissen, nichts dergleichen zu tun!
Statt dessen war sie als Bittstellerin aufgetreten, sie hatte nichts in der Hand.
Rein gar nichts.
Jegliche Pläne waren dahin gewesen, das Einzige was sie sich nicht verkneifen konnte war ein Denkanstoß mit auf den Weg zu geben. Es war doch nur das geschriebene Wort!!
Natürlich war ihr Bewusst, dass das Wort manchmal mehr bewegte als Taten…
Aber das er so empfindlich darauf reagieren würde?!?
Sie glaubte viel eher an einen Vorwand, etwas das gesucht worden war um den Willen durchzusetzen, der schon längst bestand!
Ganz sicher war sie sich, einmal mehr benutzt worden zu sein.
Allerdings brachte ihr das nun sehr wenig. Sie glaubte ohnehin ihre eigene Wahrheit.
Völlig nachdenklich fuhren die Finger langsam über die Kerbe des angekohlten Regalüberrests.
Sie selbst, davon war sie fest überzeugt, hatte ihren Preis bereits gezahlt. Da war es doch nur gerecht, wenn auch sie nicht so einfach davon kam?
Trotz ihrer ersten Reaktion auf die Strafe, sie konnte immer noch nicht fassen, dass das sein Ernst war, konnte sie nun nicht umhin es von einer anderen Seite zu betrachten.
Ihre Worte hatten einen nachhaltigen bitteren Beigeschmack hinterlassen.
Der weitere Vorwurf war nicht abzuschütteln und schien sie wie ein dunkler Schatten zu begleiten...
Der böse Traum
Der dichte Nebel und Gestalten,
sich in meinem Traum entfalten.
Dunkles Moor und tiefer Sumpf,
blicke hindurch, bin abgestumpft.
Kann nicht´s anderes mehr sehen,
diese qualvollen Bilder entstehen.
Kreaturen ohne jegliches Gesicht,
ich steh im dunklen, sie im Licht.
Ich versuchte rüber zu schleichen,
konnte nicht, vom Fleck weichen.
Ich rief umsonst, sie hörten nicht,
ich stand im Schatten, sie im Licht.
Der Versuch, nach vorn zu gehen,
ich scheiterte kläglich, blieb stehen.
Plötzlich war alles verschwunden,
denn die Sonne, zog ihre Runden.
Verfasst: Montag 26. November 2012, 16:54
von Gast
Die Hände in den Manteltaschen vergraben, die Kapuze tief im Gesicht, führten ihre Schritte sie etwas abseits der Wege durch die Wälder. Sie hing ihren Gedanken nach, begleitet von raschelnden Blättern und dem leisen Knacken kleiner Zweige unter ihren Füßen und über ihrem Kopf dem vom Wind getragenen leisen Knarzen der Äste und Rascheln der wenigen verbliebenen Blätter, die sich mit letzter Kraft sträubten dem Drängen des nahenden Winters nachzugeben.
Sie war in herzliches Gelächter ausgebrochen, so sehr, dass ihr die Tränen in die Augen getreten waren und sie hatte deutlich Mühe gehabt die notwendige Beherrschung aufzubringen ihr Lachen nicht mit den Händen zu ersticken. Aber sie hatte es geschafft, hatte sich zurückhalten können, hatte ihr die Belustigung anstatt mit Händen mit ehrlichen Worten ausgetrieben. Das würde zwar nicht zur Einsicht führen, sie würde sich auch weiterhin alles so zurecht drehen wie es ihr gelegen kam, Augen und Gedanken weiterhin verschlossen halten vor allem, das Zweifel hervorrufen könnte, aber immerhin hatte sie ihr was zum nachdenken mitgegeben.
- Hör' auf zu träumen. Gib' Acht.
Ich hab's gehört.
Ein leichtes Kribbeln im Nacken, als auch das verstärkte Rascheln von Laub und der Klang zertretender Zweige, verrieten ihr nur zu deutlich, dass sie nicht mehr allein war. Mit einem leisen Seufzen zog sie einen Dolch mit längerer und schmalerer Klinge als üblich unter dem Mantel hervor. Dann drehte sie sich um und sah den drei zerlumpten, nach Gold gierenden, Gestalten, entgegen.
- Das muss auch heute sein, wo ich versprochen habe keine Dummheiten anzustellen.
Du kannst sie ja fragen, ob sie heute nicht doch lieber ihrer Wege gehen wollen.
Guter Vorschlag.
Ein leises Zischen, als sich der Erste doch mit stumpfer Klinge näherte.
'Das heißt dann wohl nein.'
Ein schlichte Feststellung, dann ein erneutes Seufzen als die eigene Waffe tief in die Seite des Angreifers drang und er mit einem Aufschrei zu Boden ging, die anderen beiden wachsamer geworden zurückwichen.
- Dir ist schon bewusst, dass du vergessen hast die Frage zu stellen?
Uhm... Mein Fehler.
'Verzeiht. War keine Absicht. Ich werde ihn wieder zusammenflicken, in Ordnung?'
In abwehrender Geste hob sie beide Hände an, ganz langsam lief dabei ein wenig Blut von der Klinge über ihre Finger - schimmernd, warm und anziehend. Für einen Moment schloss sie, von einem tiefen Atemzug begleitet, die Augen.
- Konzentrier' Dich!
Schon gut.
Sie kniete sich neben den am Boden liegenden Verletzten, wischte die blutige Klinge an seinem lumpigen Hemd ab und legte sie dann griffbereit zur Seite. Die anderen beiden Gestalten hatten sich inzwischen verstört zwischen die Bäume zurückgezogen und starrten aus sicherer Entfernung ungläubig auf das Geschehen. Dann angelte sie nach dem Beutel an ihrem Gürtel, der die notwendigen Heilerutensilien enthielt. Auf einem sorgsam ausgelegten Tuch wurden Heilerbesteck, Verbandsmaterial und eine kleine Flasche Alkohol ausgebreitet, dann zog sie sich langsam ein paar Handschuhe über und nahm die Wunde in Augenschein, die sie ihm zugefügt hatte. Eine Weile überging sie sein Gezappel, Geschrei und den panischen Blick in seinen Augen, ehe es ihr zu lästig wurde und sie bemüht ruhig und erklärend zu ihm sprach.
'Ihr müsst schon stillhalten, sonst kann ich Euch nicht helfen.'
'Nimm' deine dreckigen Finger von mir, Du Miststück.'
Ein Kreischen, ein Gurgeln, Stille.
- Florentine!
Was denn?!
Reiß' Dich endlich zusammen!
Mach' ich doch.
Und wie nennst Du das da?
Ach verdammt.
Ärgerlich sah sie auf den Mann hinab, der neben der Wunde an seiner Seite zu allem Überfluss nun auch noch eine Klinge in seinem Hals zu stecken hatte. Alle Mühen umsonst. Wütend zog sie die Klinge aus seinem Hals und säuberte sie penibel an einem Tuch. Knurrig packte sie die so sorgfältig vorbereiteten Heilerutensilien wieder zusammen und band den Beutel wieder an den Gürtel und erhob sich. Ein herrischer Wink zu den beiden entsetzten Gestalten im Hintergrund ihren Begleiter einzusammeln. Dann wandte sie sich ab und setzte ihre Weg schlecht gelaunt fort.
- Das ist alles ihre Schuld. Und seine Schuld. Und deine Schuld!
Ach?
Soviel zu keine Dummheiten machen.
Immerhin hast Du es ein paar Stunden durchgehalten.
Das ist eindeutig nicht mein Tag heute.
Verfasst: Donnerstag 6. Dezember 2012, 10:17
von Gast
Nimm mich mit bis zum Horizont, zeige mir das Ende meiner Welt…
Immer wieder hatten sie ihre Schritte in der letzten Zeit hier her geführt,
eine dunkel gekleidete Gestalt inmitten von ebenso düsterer Asche, dem was einmal ein großer Inhalt es Lebens gewesen war.
An manchen Tagen konnte man kurz darauf den Besuch einer zweiten Gestalt der alten Gemäuer feststellen und obwohl es sich stets um die gleiche Statur zu handeln schien, wechselte doch ihr Farbenbild.
Nicht ganz so Düster wie die, der ersten, brachte sie manches Mal noch ein wenig Farbe ins Spiel.
...nimm mich mit bis zum großen weiten Meer, gib mir meine Hoffnung zurück...
Am heutigen Tage jedoch, blieben weitere Schritte in dem alten, bröckelnden Gemäuer aus.
Die erste Besucherin weilte alleine in den äußerst zugigen Mauerresten.
Auffallend hell, die unschuldigen weißen Blütenblätter der tanzenden Pflanze vor der am Boden sitzenden. Ganz ohne, dass es auch nur für das Auge sichtbar wäre was sie in diesem einsamen Tanz gefangen hält, dreht die Schneeweiße Blüte weiterhin schwebend um sich selbst.
… nimm mich mit bis ans Ende meiner Zeit, zeige mir warum die Welt sich dreht...
Der Blick der bernsteinbraunen Augen folgt eine Weile dem Tanz der Blüte, träumend, es wirkt fast als würde sie gar nicht wahrnehmen was vor ihr geschieht.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt dann doch einmal Bewegung in die Verhüllte, kurz darauf vollführt die Blüte ihre Drehung nicht mehr einsam, zwei Tanzpartner haben sich an ihre Seite gesellt.
.. Und es ist..
Zeit zu gehen, eine neue Welt zu sehen.
Du hast jahrelang vergessen wer du bist …
Einer fast ebenso hell wie Blüte, der Andere schimmert in einem kühlen Goldton.
…Sei bereit deine Seele zu verstehen, und sei bereit dich an das Schicksal zu verlieren.
Sei bereit hinter diese Wand zu sehen, und sei bereit ein Stück der Mauer zu zerstören...
Jäh endet der Tanz, der drei stillen Gesellen, die Blüte landet mit einem nicht geraden sanften Aufprall in der Asche am Boden, die sich dabei fluchtartig in alle Richtung verteilt, das Barett und den noch schwebenden Brief mit Asche besprenkelt, während die eigenen Blütenblätter weiterhin verschont weiß in der Dunkelheit zu leuchten scheinen.
... Und es ist...
Leise, rappelt sie sich auf, die Blüte bleibt am Boden zurück, während der Rest, ohne ihn zu säubern wieder den Weg in die Tiefen der Taschen findet.
…Zeit zu gehen, eine neue Welt zu sehen.
Du hast Jahrelang vergessen wer du bist,
es ist alles da, was dein Herz begehrt.
Wenn du willst, gehört die Welt noch heute dir…
Kaum eine Minute später verlässt die Gestalt hastig die Ruine, in eine völlige andere Richtung als an all den andern Tagen zuvor, im Schatten der westlichen Wälder hat sie sich bald darauf jeglicher Blicke von möglichen Beobachtern entzogen.
[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/80d4a55372e09d51xfdwbgrlu.jpg[/img][/url]
Verfasst: Donnerstag 20. Dezember 2012, 22:41
von Gast
Noch am Abend des 20. Alatnar war der Anfang von etwas Neuem geschaffen worden, so beständig wie das Wetter würde er sein.
Blieb nur zu hoffen, dass die richtige Kleidung beim Ertragen der Wetterlagen nicht ausging.
Und noch während eine dunkel gekleidete Gestalt noch lange bis in die Nacht hinein, im geschundenen Gemäuer über den neu gewonnenen Anfang grübelte, wurde ein kleine Antwort hinterlassen, für Jemanden der weitere Rätsel aufgab.
Ein kleiner, völlig unscheinbarer Pergamentsfetzen, die säuberlich herausgetrennte Seite eines Buches.
Wenige Zeilen darauf, an einen Ort geschoben, der zuvor die Nachricht enthielt:
Hin und wieder liegt sie auf der Lauer,
und betrachtet alle Adler genauer,
sucht sie doch einen der Besten,
aus dem düsteren Westen.
Graue Schatten in dunkler Nacht,
erschweren ihre Wacht.
So bleibt am Ende,
die Frage der Wende.
was wenn sie ihn doch einmal fände?
Verfasst: Sonntag 13. Januar 2013, 15:36
von Gast
Wenn Schatten sich im Licht wälzen,
wenn roter Mond brennt flammengleich,
wenn Sterne in der Luft zerschmelzen,
die Finsternis fängt Sonnenreich.
Leise knistert die einsame Kerzenflamme , kaum vermag sie die Dunkelheit aus dem kleinen Raum zu vertreiben, die Karte im flackernden Licht wird auf den Kopf gedreht, macht eine weitere Wendung und geht schließlich begleitet von einem lauten ‚Rums‘ mit vielen weiteren Pergamenten und Büchern zu Boden.
Ein anderes Pergament wird herangezogen und unter einer Liste von schon vielen Dingen, die nicht sonderlich liebevoll darauf geknüllt wurden, findet sich ein ‚Rösser‘ ein, dann verweilt die Feder auf dem Pergament.
‚Wie geht es Kaylem?‘
Langsam breitet sich die Tinte auf dem Pergament aus.
Das Bunt der Erde,
schwimmt im Grau,
das Meeresblau erstickt im Schwarz,
das Blumenbeet wird Leichenschau,
die Sonne strahlt wie dunkler Quartz.
‚Wir sind immer für ein Gespräch bereit. Keiner der Unseren wird euch noch etwas tun.‘
Ein Fluchen, dann wird der Stuhl nicht gerade sanft nach hinten geschoben, die Karte aus dem Wust am Boden wieder hervor gefischt und zurück auf den Schreibtisch gelegt.
Konzentrier dich, verdammt noch mal.
‚Ich reiche dir meine Hand, du musst sie nur ergreifen.‘
Wieder starren die bernsteinbraunen Augen auf die Karte, als wenn diese die Antwort auf vielerlei Dinge geben könnte. Mit einem leisen Seufzen zieht ein Kohlestift mehrere eher wirre Linien über die Karte, ehe auch dieser ein jähes Ende in einer der Raumecken findet.
‚Ich habe eine Liste.. auf der steht euer Name.‘
Die Arme verschränkt, wird ein ganz bestimmter Punkt der Karte ins Auge gefasst, wieder erfolgt ein tiefes Durchatmen.
Die Welt versinkt in Dunkelheit,
das blasse Kerzenlicht erlischt,
das Weltenall ist nicht weit,
wenn Farben sind vermischt.
‚Sieht so aus als wären wir einer Meinung.‘
Leises Murmeln… Heerschau, Heerschau, verdammig noch eins.
‚..ich habe ihn mit dir gereizt. Es geht ihm viel näher, als es sollte.‘
Da, wo noch kurz davor der Kohlestift einen großen Kreis gezogen hatte, frisst sich langsam aber sicher ein kleines Flämmchen durch die Karte, hinterlässt ein sich ausbreitendes Loch, ausgefressen mit schwarzem verkohlten Rand.
Der Blick nach oben grenzenlos,
das Unten weicht der Ewigkeit,
dem Ende fehlt der Gnadenstoß,
das Licht gefangen in der Zeit.
Mit einem Donnern kracht der Stuhl zu Boden, kleine hungrig lodernde Flammen verzehren den Rest der Karte, bis auf dem Steinschreibtisch ein letzter kleiner Aschehaufen davon zeugt, dass hier einmal mehr gewesen war.
‚Die Einladung bleibt bestehen.‘
Und wenn es das Letzte war, was sie tun würde..
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