Ein Tagebucheintrag
Verfasst: Samstag 10. November 2012, 15:03
Nie bin ich in der Lage gewesen Schlösser ohne den entsprechenden Schlüssel zu öffnen; bin nie in der Lage gewesen mich selbstständig aus den Kerkern zu befreien, die für Nächte und manchmal Monate, meine bescheidene Behausung gewesen sind. - Menek'Ur, voll von kriechendem Getier; voll von Sand; voll von verstaubten Ölaugen, die sich, in ihrer blinden Adoration des Gesetzes, einer Lappalie keine Nachsicht zu schenken im Stande sehen. Kommt mir vor, wie eine Aberration oder aber eine krankhafte Neigung zur Ordnung, die ich nicht teilen kann und will. Und noch viel weniger bin ich gewillt ihnen die angedrohte Geldstrafe zu zahlen und ferner die willkürlich verhängte Haftstrafe abzusitzen. Und da also im Übrigen meine Tasche nicht durchsucht wurde, meine Sachen allesamt am Körper geblieben und ganz besonders mein dickes filziges Haar – ganz wie erwartet – weiterhin auf meinem Köpfchen sitzt und nicht entwirrt wurde, um etwaige Nädelchen zu finden, die ich immer bei mir trage; so ist es mir also, wider Erwarten und zu meiner eigenen Verblüffung und Freude, ja Freude!, gelungen die Schlösser, nach einigen missglückten und von boshaftem Geschrei begleiteten Fehlschlägen, zu entsperren. Mein Gesicht, das gleich diesem Büchlein, einem Tagebuch meiner vergangenen Kämpfe oder masochistisch geprägten Zärtlichkeiten ähnelt, ist wiedermal um ein Kapitel bereichert. Die Nase ist krumm – gebrochen, wie ich glaube – und mein Gesicht, das derweil gewaschen wurde, war, zumindest in der gestrigen Nacht, über und über mit Blut gesprenkelt. Meine Erinnerung reicht nur soweit, als dass ich, unter'm Versuch meine Beine in die Hand zu nehmen und davonzulaufen, vorn über kippte und sich, in Folge des Sturzes, der sich unweigerlich abgespielt haben musste, ein roter Nebel um mein Bewusstsein waberte. Aber man will sich nicht beklagen, denn – wenn auch demoliert und im Stolz verletzt – bin ich ohne die besagte Haftstrafe und ohne die weitaus 'gefährlichere' Geldstrafe davongekommen.
Und trotzdem muss ich gestehen, dass meine Füße mich nie wieder zu diesem ekelerregenden Völkchen tragen werden.
Und trotzdem muss ich gestehen, dass meine Füße mich nie wieder zu diesem ekelerregenden Völkchen tragen werden.