Das Ende, Strafe, Qualen und eine Wiedergeburt

Viola Ser´Rhal

Das Ende, Strafe, Qualen und eine Wiedergeburt

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Ende ... immer wenn etwas Endet, beginnt etwas Neues. Ein Ende ist meistens schmerzhaft, es tut meistens sehr weh und oft bringt es Folgen mit sich. Doch egal wie schmerzhaft ein Ende auch sein kann, es beinhaltet auch gute Dinge ... und manchmal ist ein Ende einfach nur gut und endlich erreicht.

Ihre Augen öffneten sich matt und sie blickte über den Rücken in den Spiegel. Sie war splitternackt und betrachtete ihren Hintern, jedoch nichts aus Selbstverliebtheit, sondern um zu sehen ob die roten Striemen gewichen waren. Teilweise waren sie das sogar, jedoch nur um einigen blauen Stellen Platz zu machen, der Anblick ließ die junge Frau das Gesicht verziehen. Das Sitzen fiel schwer diese Tage und auch wenn sie eine etwas engere Hose anzog oder ihre Lederrüstung, schmerzte der wunde Hintern sehr, aber es war das Ergebnis wert gewesen. Endlich war es vorbei, endlich hatte es ein Ende gefunden ... ein Ende das schmerzhaft zu erreichen war. Sie hatte ihre Sucht abgelegt, sie hatte das Verlangen verloren, zu stehlen und sie fühlte sich freier, neugeboren vielleicht sogar. Viola drehte sich nun, zog die weite Pluderhose an und betrachtete sich im Spiegel. Immer noch war der Anblick der sich ihr hier darbot ungewöhnlich, immer noch konnte sie nicht recht glauben dass sie nun Erwachsen war, jedenfalls körperlich. Die ganzen Tage über hatte sie das alles immer noch für einen schlechten Traum gehalten, doch jeder Blick in den Spiegel, jeder Blick auf ihre Brust und jeder Blick auf ihre Weiblichkeit bestätigte dass, was schwer zu begreifen war, sie war eine Frau. Der Fluch hatte teils etwas Gutes an sich, Viola war dabei sich mit dem Gedanken anzufreunden, nun einen erwachsenen Körper zu haben und einige Vorteile bot eben dieser auch. Dann sah sie wieder kurz auf ihren Hintern, verzog die Miene und dachte an den gestrigen Tag.

Falk ... er war es gewesen. Er war es, der ihr half und auch wenn es auf eine brutale und fast schon grausame Art und Weise geschehen war. Er willigte ein ihr zu helfen, nachdem Viola zu ihm getreten war und ihn um Hilfe gebeten hatte, weil sie diesen Kampf gegen ihre Sucht alleine nicht bewältigt hätte. Falk hatte eingewilligt und gestern hatte es begonnen. Sie sollte ihm folgen, hinauf ins Bad und ihre Hose ablegen, sich vorbeugen ... und sie hatte geahnt was kommen würde. Es war ein harter Stock den er mit sich führte und der schmetternd auf ihrem Hintern oder ihrem Becken landete. Bei jedem Schlag musste sie mitzählen, musste sein Brüllen ertragen, dass sie den Clan entehrt hatte, dass Blut an ihren Händen klebte und dass sie eine Mörderin war. Jeder einzelne Schlag schmerzte so sehr, dass Viola stellenweise fast in das volle Bad gekippt wäre, hätte Falk sie mit einer Hand nicht am Hemdkragen festgehalten. Tränen füllten ihre Augen bei den wuchtigen Schlägen und kleine, bunte Sterne explodierten vor ihren Augen, doch immer zählte sie mit. Dann plötzlich, auf einmal wie aus dem Nichts, ließ er los, lies Viola fallen mitten ins Wasser und verschwand. Sie sollte warten, er hatte gesagt er würde gleich wiederkommen. Ihr Hintern brannte, es waren fast unerträgliche Schmerzen und selbst das kühle Wasser linderte diese nicht. Sie blieb inmitten des Beckens und starrte dann abwartend zur Tür, durch die Falk nach einer Weile trat. In seinen Händen trug er ein Tier ... ein Hund. Das Tier war tot, da bestand keinerlei Zweifel, doch was dann folgte, wollte Violas Verstand erst nicht begreifen. Falk nahm ein Messer und schnitt dem Hund den Hals auf, trennte ihm beinahe den Kopf ab und das Blut spritzte nur so. Es traf die Wände, den Boden, das Wasser, Falk selbst und auch Viola. Es schien einfach kein Ende zu nehmen, alles war voller Blut. Dann ließ Falk den Kadaver fallen und setzte sich an den Beckenrand und starrte sie an. Er tat nichts weiter, er starrte nur. Seine eisblauen Augen hebten sich von der blutigen Umgebung ab, doch waren diese Augen wissend, sie waren schuldzuweisend und sie schienen sich in Violas Seele zu bohren.

Langsam verstrich die Zeit, er starrte nur und Viola wurde nervöser. Das Blut um sie herum, sie konnte es Tropfen hören, sie könnte spüren wie es teilweise an ihrer Haut hinablief und wie es dann Kleben blieb. Sie konnte den stechenden Blick Falks spüren, wie er auf sie starrte, auch wenn Viola nicht hinblickte. Ihr Atem begann schneller zu werden, sie wurde nervöser, das Blut, es schien immer fortwährend zu fließen, es wollte nicht still bleiben, immer und immer weiter. Dann konnte sie langsam die tiefe Stimme Falks hören, wie er sie beschuldigte, wie er sie Mörderin nannte, wie er ihr sagte dass sie stahl nur um dann zu töten. Die Worte kreisten in ihrem Kopf sie fasste sich an diesen, ihr Atem ging nun immer schneller, fast schon rasselnd. Sie kniff die Augen zusammen, sie wollte das alles nicht, er sollte ruhig sein, er sollte endlich den Mund halten. Doch die Worte bohrten sich immer tiefer in ihren Verstand und vor ihren Augen sah sie nun plötzlich den leblosen Körper des Jungen. Sie konnte sehen wie seine leeren, toten Augen ins Nichts starrten und doch waren sie irgendwie auf Viola gerichtet. Blut lief aus seinem Hals, sie spürte wie das Blut an ihrem Körper wieder zu laufen begann, sie schwitzte stark. Es war wie ein Schleier der sich über sie legte, wie etwas was ihr die Sicht raubte, sie murmelte schnelle Worte, er sollte aufhören, Falk sollte endlich schweigen. Je mehr er sprach, desto wütender wurde sie, sie ballte ihre Fäuste sie hasste ihn. Ja sie hasste Falk, sie wollte ihn umbringen, hier und auf der Stelle, sie würde ihn töten, genauso wie diesen Jungen, er sollte nur endlich ruhig sein. Sie presste die Augen dichter aufeinander, Tränen liefen in Strömen aus diesen, doch sie merkte es nicht, für Viola war es nichts anderes als Blut, welches ihren Körper hinabrann.
Sie wollte schreien, sie wollte Brüllen. Sie zitterte immer mehr, immer stärker wurde es und sie konnte Falks Worte immer deutlicher hören, ehe sie die Augen öffnete und ihn anstarrte. Falk hatte sich das gesamte Gesicht voll mit Blut beschmiert. Er starrte sie eindringlich an. „Wasch es mir ab ...“ waren seine Worte gewesen. Und fast, wie in Trance, begann sie die Hände ins Wasser zu tauchen, schöpfte Wasser und wusch das Blut vom Gesicht. Es dauerte lange, sehr lange bis sie es halbwegs geschafft hatte, doch mit der Zeit war das nicht mehr Falks Gesicht dass sie wusch, sondern dass des Jungen ... und auf den Zügen ein Lächeln ... ein Lächeln des Vergebens.
Plötzlich spürte sie einen Ruck und sie wurde aus dem Becken gehoben. Mit einem mal war sie wieder bei sich, spürte die erbärmliche Kälte der sie die ganze Zeit ausgesetzt war und sah zu Falk hoch. Dieser sagte sie solle sich abtrocknen und ihn dann rufen. Doch kaum hatte er das Zimmer verlassen, da überkam Viola alles, jeder einzelne Moment aus dem Bad stieg noch einmal hoch und würgend begann sie sich zu übergeben.

Der Abend klang aus. Falk hatte ihr frische Kleidung mitgebracht und war mit ihr nach Varuna gegangen. Er hatte sich mit ihr hingesetzt, ihr gesagt dass ihr Vergeben sei und dass dieser Tag heute eine Neugeburt für sie war. Viola wie sie früher einmal existierte, war für Falk nicht mehr da, sie war im Bad gestorben. Viola selbst starrte den Hühnen an, die Augen gefüllt von Tränen über die Güte. Sie konnte in diesem Moment nicht sagen wie dankbar sie war, sie hatte einfach keine Kraft dazu. Doch wie sie heute in den Spiegel sah, lächelte sie stumm. Falk hatte Recht gehabt, mit dem gestrigen Tage war die alte Viola gestorben ... und Platz war für die Neue geschaffen worden, eine ältere und reifere Viola und sie würde Falk nicht noch einmal enttäuschen. Sie schloß die Augen und vor ihrem Auge sah sie das kleine, junge Mädchen, welches sie gewesen war. Jenes Mädchen mit dem kalten, leeren und matten Blick, und sie lächelte. In diesen Tagen war sie nicht nur körperlich gewachsen ... auch ihr Geist wurde reifer, zwar noch sehr langsam aber es war das, was es sein sollte; ein Ende und ein Neubeginn.
Viola Ser´Rhal

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Ruhe. Sie saß still auf den Fellen und ließ die Ruhe auf sich einwirken. Sie hatte das geschäftige Treiben in der Taverne hinter sich gelassen. Die Worte der beiden Elfen lagen ihr noch allzugut in den Ohren, als sie mit ihnen über ihren Fluch sprach und die Worte der Elfen gaben ihr Mut und auch etwas Trost. Es war Trost der gut tat. Eigentlich hatte sie keinerlei Grund dazu, sie war endlich eine Hinrah, sie war endlich ein vollwertiger Teil des Clanes. Und doch ... schmerzte etwas in ihrer Brust. Falk hatte es gesagt, hatte gesagt die alte Viola sei tot und die neue Viola sei geboren ... das waren seine Worte gewesen. Doch wenn Viola in den Spiegel im Zimmer starrte, dann sah sie das gleiche Bild wie vor einigen Tagen; eine kahlköpfige junge Frau die für eine Tat büßte, die etwas getan hatte was laut Aussagen des Clans tot war. Genauso war es mit dem Verbot alleine fortzugehen, immer noch hatte sie nicht gesagt bekommen nun alleine fortgehen zu dürfen ... wo war sie neugeboren wenn man ihr immer noch solches Misstrauen entgegenwarf? Sie kniff die Augen zusammen ... sie durfte gar nicht erst so anfangen, die letzten Tage hatte sie sich sehr ihren Emotionen hingegeben, hatte vor Freude gelacht, geweint vor Trauer und gebrüllt vor Wut .
Der gestrige Abend tat da keinerlei Abstriche, als sie von Laila auf dem Dach des Clans vor versammelter Mannschaft gegen sie antreten sollte im Nahkampf ... und das obwohl sie noch niemals in ihrem Leben eine Klinge geführt hatte. Sie hatte gnadenlos verloren, kassierte Treffer für Treffer ein und konnte ihre Wunden lecken. Es waren jene Momente in denen die Traurigkeit, der Trotz und all das wieder aufkeimten und stärker wurden, auch wenn sie wohl nicht annähernd berechtigt gewesen waren.

Sie rollte sich auf den Fellen zusammen. Wieso gab ihr Inneres nicht einfach Ruhe? Sie hatte sich früher nie soviel Gedanken gemacht und trotzdem, als sie wieder in den Spiegel sah, starrte sie dort nur ihre Vergangenheit an ... so blutig und verdorben, dass sie nur die Augen schloss. Es würde irgendwann die Zeit kommen, hatte Aurora gesagt, da würde sie wieder ihre Haare haben und das Verbot würde aufgehoben werden. Doch wann war dieses irgendwann? Misstraute man ihr immer noch so sehr? Sie würde es irgendwann merken ... irgendwann.
Viola Ser´Rhal

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Sie trat durch die Strassen Varunas, die Kapuze des Mantels war ins Gesicht gezogen und nur der schmale Mund und ihre Nase ließen sich erkennen, ohne dass man in den Schatten der Kapuze sehen musste. Ihre Schritte richteten sich zielstrebig auf eine bestimmte Stelle hin, eines ihrer zwei Ziele. Die Straße die sie eingeschlagen hatte führte weg von dem geschäftigen Treiben Varunas, immer weiter in die Seitenstraßen der Stadt, wo man sich nicht weiter aufhielt, wenn man ein wenig Gold hatte. Sie war diesen Weg vor über einem Mondzyklus schon einmal gegangen, damals um eine Sucht zu befriedigen, Blut war geflossen ... heute war sie hier um sich klar zu machen dass es vorbei war.

Ihre Schritte wurden etwas schneller, je näher sie dem Bettlerviertel kam. Und kaum hatte sie es betreten, da blickten die aufmerksamen Augen auf, blickten sie an und da sie nun eine junge Frau war und zudem gut gekleidet, kamen sie auch vorsichtig näher; zu ihrem Leidwesen. Viola hatte sich geändert, doch in manchen Dingen war sie rabiat geblieben und so kassierte jeder Bettler der näher an sie kam einen Tritt mit ihren Stiefeln oder wurde fortgeschoben, ihr Ziel war wo anders, eine weitere kleine Gasse. Als sie jene erreicht hatte, und die Bettler von ihr gelassen hatten, sah sie auf die kalten Wände der Gasse und schloss kurz die Augen. Dies war der Ort ... jener Ort an dem sie gemordet hatte. Sie verharrte lange stumm hier, blickte die Stelle an, sie spürte Reue, ja ... aber keine Schuld oder gar Angst mehr ... es war besiegelt.

Ihr nächstes Ziel war die Bibliothek Varunas und eine bestimmte Person. Viola konnte immer noch nicht selbst lesen und so hatte sie in den letzten Tagen einen der dort befindlichen Lehrlinge befragt, ob er ihr nicht bei der Suche helfen konnte. Dieser schien angetan auf ihre Frage, war dabei immer sehr nahe an ihr dran und lächelte ihr zu, auch wenn Viola nie wirklich verstand wieso aber es war nett von ihm dass er half. Er hatte für sie nach dem Thema der Flüche geblättert, gesucht und am Ende war er sogar fündig geworden. Heute wollte er ihr wieder einige Flüche aufzeigen, welchem ihrem ähnlich waren ... und sie wusste jetzt schon es würde ein langer Tag werden in Varuna.
Viola Ser´Rhal

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Wie schön die letzten tage doch gewesen waren. Viola lag mit einem zufriedenen Lächeln auf den Fellen und sah verträumt an die Decke hoch. Fröhlichkeit erfüllte sie, wie sie es fast noch nie getan hatte. Sie war nun bereits eine lange Zeit ein festes Mitglied im Clan, wurde von allen akzeptiert und hatte mehr Vertrauen denn je zu den Clansmitgliedern gewonnen. Es war eine Zeit des Glückes, anders konnte man es wohl nicht bezeichnen. Auch war sie nun schon seit einiger Zeit körperlich eine Frau, und auch hier hatte sie fast keine Probleme.

Und doch ... etwas war anders. Es war etwas, was in der Luft lag. Man meinte zu ihr, es sei der nahende Frühling. Überall fanden sich die Verliebten zusammen, Mah und Leif, Erinna und Argo, Cailly und Falk, Erik und Luciana ... und insgeheim war sie sich auch sicher dass Aurora und Sven bald miteinander zusammenfinden würden. All sie verband etwas, was man Liebe nannte ... etwas was Viola fremd war. Natürlich liebte sie ihre mah und alle Mitglieder des Clans, aber so wie sie es verstanden hatte, war diese Liebe anders. Wenn sich die Erwachsenen näher kamen, sich küssten, sich in ihre Zimmer zurückzogen um alleine zu sein ... es war nicht so dass es Viola die Fröhlichkeit nahm, sie kannte dieses Gefühl nicht und es war ihr eigentlich auch ganz recht so, wenn sie bedachte wieviel Schmerz Liebe manchmal bringen konnte. Sie musste nur manchmal horchen, wenn sich die Päärchen stritten oder ihr Leid über den Partner beklagten ... sie war sich sicher, sie wollte keinen Mann, sie wollte nicht verliebt sein ... und sie würde sowieso kein Mann wollen, auch wenn Aurora und Freia das immer versuchten anders darzustellen, so war sie den meisten Männern am Ende wohl eh einfach nur zu still und zu ruhig.

Ihr Geist war mit diesen Tatsachen einverstanden, doch ihr Körper nicht so recht. Sie verstand den erwachsenen Körper immer noch nicht vollständig, er wirkte viel anders, viel empfindlicher als ihr junger Kinderkörper. Ihr wurde heiß, wenn sie an manche Dinge dachte und irgendwie fehlte ihr etwas, an ihrem Herzen ... irgendetwas war dort fortgekommen, so hatte es den Anschein. Mah hatte gesagt, der Körper würde manchmal so reagieren, auch wenn man es nicht unbedingt will, doch Viola wusste auch niemanden, um darüber zu sprechen. Viele dieser Dinge waren ihr einfach peinlich, oder sie waren nicht richtig ... sie kam nicht klar damit, dass ihr Geist erst langsam zur Frau heranreifte, ihr Körper aber schon längst bereit war, sich dieser Welt als Frau zu stellen.
Es waren jene seltenen Stunden, in denen sie ihr Erwachsensein verfluchte ... in denen sie am liebsten wieder Kind wäre und sich zu Freia kuscheln wollte.

Sie schloß die Augen und döste ein wenig vor sich her. Irgendwann würde sie schon lernen damit klar zu kommen und solange würde sie trotz allem die Fröhlichkeit auskosten, die sie gerade erfüllte ... sie war viel zu lange fortgeblieben.
Viola Ser´Rhal

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Tage wie der gestrige waren Tage, die sie innerlich verfluchte. Es waren solche Tage, die erst einfach nur schön und harmonisch waren, nur um dann wieder mit einer Reihe von Fragen und Grübeleien abzuklingen.
Leif ... dieser Name kreiste in ihrem Kopf umher, wiederholte sich. Gestern war es zu dem Gespräch gekommen, welches wohl schon länger hätte stattfinden sollen. Leif wollte wissen, wieso Viola ihn mied, ob es nur wegen der Sache mit Aurora gewesen wäre, dass er einen Fehler gemacht hätte und wieso er keine Chance von ihr bekam.
Sie hatte ihm geantwortet, hatte ihm von ihren Probleme erzählt, davon wie schnell alles für sie ging und sie glaubte, er verstand. Sie redeten eine ganze Weile miteinander, und Viola fühlte wieder innerlich, dass Leif sich nicht nur sehr anstrengte, sondern dass sie sich in ihm getäuscht hatte und dass er seine Strafe bekommen hatte. Sie gab ihm noch einmal die Chance, ihr zu zeigen, dass er ein guter Vater sein würde.

Und dann waren da noch immer ihre Gefühle, die Gespräche mit Aurora und auch ihre Träume. Sie hatte sie immer wieder, aber Aurora meinte, es würde sich allmählich alles wieder einfangen. Doch gerade bei den Gesprächen mit Erinna, hatte sie es wieder immer mehr gefühlt, immer wieder hatte sie daran denken müssen. Aber es würde sich bessern ... es würde sich wieder ändern, da war sie sicher.
Viola Ser´Rhal

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Dieses Weibsbild! Was bildete sie sich eigentlich ein?! Viola schnaubte, aber wieso, das wusste sie nicht. war es vielleicht die Tatsache dass sie getroffen war? Dass sie sich heute Abend etwas einstehen musste, was ihr eine Fremde direkt ins Gesicht sagte? Sie war in Varuna gewesen, hatte dort Freia und Leif getroffen, welche noch dort standen und einige Waren verkauften, wenn auch zu ungewöhnlicher Zeit. Sie hatte sich mit den beiden unterhalten, Leif stolz ihre neue Armbrust präsentiert und da war sie ihr auch das erste mal aufgefallen; diese junge Frau. Sie mochte vielleicht so alt wie Viola es körperlich war und hatte bei Freia Sachen gekauft. Sie hatte der Fremden kurz zugenickt, nicht mehr, und sie dabei angesehen ... doch ihr Blick hatte etwas tiefes an sich was Viola kurz nicht behagte. Sie schüttelte den gedanken jedoch alsbald weg und verabschiedete sich von ihrer Mutter und Leif, den Weg in Richtung Grimwould einschlagend.
Sie hatte Varuna kaum passiert, als sie ein Räuspern hinter sich hörte. Sie drehte den Kopf und sah sie, die junge Frau die sie ansah, im fahlen Licht ihrer Laterne. Sie konnte ihren Blick erkennen, wie sie Viola direkt aber ruhig ansah, wie sie in ihre Augen schaute, es hatte kurz etwas unheimliches an sich. "Wie alt bist du?" die Frage traf sie hart ... denn sie konnte es an den Blicken der Frau sehen. Natürlich hatte Viola gesagt sie sei erwachsen, doch die Frau schüttelte den Kopf. "Körperlich ja ... aber deine Augen sagen etwas anderes", die Augen ... der Spiegel zur Seele ... und sie wusste innerlich dass sie recht hatte. Immer wenn Viola in den Spiegel schaute daheim, dann sah sie eine erwachsene Frau, jedoch schauten sie immer noch die gleichen Kinderaugen an, wie damals. Vielelicht war es der Grund gewesen, wieso sie die Frau angegiftet hatte, wieso sie ruppig und frech wurde ... weil sie wieder erinnert wurde was sie doch war. Sie hatte sich von ihr abgewandt, war nach grimwoukd gestolpert und hatte geflucht ... geflucht über Dinge über die mehr Wahrheit enthielten als sie doch zugeben wollte.

Daheim lag sie in den Fellen, die Beine eng an den Körper geschlungen. Die letzten Nächte waren unruhig gewesen, immer wieder suchten sie Träume heim. Keine Alpträume aber befremdliche, mit denen sie nichts anfangen konnte ... und als sie dann letztendlich schlief kamen sie wieder.

Alles verschwommen, nur sie und die Gestalt welche sich ansahen. Ihr Gesicht leicht in den Schatten gelegt aber doch vertraut, jene Gestalt. Beiden strichen sie sich über den Rücken, so vertraut und warm. Der Moment in dem sie sich hingab, sich in die Arme legte und die Lippen auf ihren eigenen spürte, der Kuss der so innig und ewig zu dauern schien, die Hand die über ihre Seite dabei strich und der anmutende, wunderschöne Geruch der die Luft erfüllte. Diese kleine Ewigkeit, bis die Lippen sich trennten und sie in das Gesicht hochsah, so vertraut und schön, dass sie lächeln musste. Dieser Fehler der nur in ihren Träumen da war ... während sie sich beide hinlegten und entkleideten ....

Und es verflimmerte, es trat etwas neues vor ihre Augen ...

Dunkelheit, nichts als geborgene Dunkelheit. Wärme und Schutz, so natürlich. Sie schlang ihre Beine und Arme dichter an ihren Körper, lächelte. Sie fühlte Bewegungen, fühlte Dinge und Emotionen, alles so fremdartig und neu. Sie konnte nichts sehen, sie wusste nur dass sie hier sicher und geborgen war. Dann der geäänderte Blickwinkel, wie sie selbst mitansehen konnte, wie sich das Geschehen änderte und sie plötzlich nicht mehr aus ihren Augen sah sondern aus denen eines Beobachters. Und dieser sah Cailly an ... wie sie da saß und ihren Bauch streichelte ... jener Ort an dem sie grade gewesen war ... Geborgenheit, Sicherheit und Ruhe, wie es nur ein Kind im Mutterleib verspürte, war das der Wunsch der sich in ihr regte? ...

Er. Nur er und sein ruhiger Blick. Wie er sie ansah und grimmig dreinblickte. "Du wirst niemals deinen Frieden finden ... du wirst ewig darunter leiden" die Worte klangen so fern und vergangen, genau wie der Anblick seines Gesichtes, der Klinge in seiner Hand. Er war ein Teil ihres alten Lebens gewesen und nun stand sie diesem gegenüber. Er lächelte grimmig, nickte ihr zu und wandte sich ab, verschwand in der Ferne. Sie drehte sich ... langsam, sehr langsam und wollte gehen, doch jemand stand vor ihr. Ein Mädchen ... jung ... klein, langes schwarzes Haar und ein bleiches Gesicht. Sie sah sich selbst an ... jenes Mädchen welches sie gewesen war. Ihr altes Leben in Person. Sie erwartete alles, sie hatte dieses Mädchen in ihren Träumen getötet und immer gequält weil sie es hasste, dafür dass sie da war. Doch diesesmal sah sie nur hoch und lächelte sie an. Sie lächelte offen und herzlich und lachte hell und fröhlich, ehe sie verblasste

Und Viola lächelte ebenfalls im Schlaf.
Erinna Hinrah

Beitrag von Erinna Hinrah »

Abends zuvor

Erinna las in einem Buch, insgeheim aber lauschte sie Viola und Cailly. Viola erzählte von ihren Träumen, dass sie jemanden küssen würde in den Träumen, auf Caillys Frage wer es denn sei, winkte Viola ab und meinte es wäre nicht wichtig. Nachdenklich ruhte Erinnas Blick kurz auf Viola. Also hatte jene auch so Träume wie Erinna.

Sie blätterte in ihrem Buch ehe sie es Cailly zuschob, sie hatte gehofft das dadurch auch mit Viola zusammen ein Frauengespräch würde. Auf den letzten Seiten hatte sie fast Fehlerfrei einen ihrer Träume detailiert aufgeschrieben. In Gedanken sah sie den Traum wieder vor sich.

Ein Mann der sie küsste, so zärtlich, sehnsuchtsvoll. Sie hatte im Traum den Kuss erwiedert und die Wärme durch den Körper fliessen spüren. Das angenehme Ziehen im Unterleib. Sie hatte geträumt wie beider Hände langsam über die Körper gewandert waren und beide waren nackt. Im Traum hatte sie eine gewisse Härte gefühlt nahe ihres Unterleibes und den Schmerz dann der sich anfühlte als würde es etwas zerreissen. Ihr Blick im Traum zeigte das sie in Fellen lag, der Mann über ihr. Als sie wachgeworden war, hatte sie gedacht nie wieder laufen zu können, und als habe sie gar nicht geschlafen, so erschöpft und doch so wohlig fühlte sie sich immer nach den Träumen.


Oft sass sie neben Viola und streichelte unbewusst ihre Seite, sie spürte die Nähe zu Viola und doch liess sie sich nicht eine spur anmerken. Sie kannte Falks Einstellung und gerade bei ihm akzeptierte sie jene.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Ruhig hatte ihr Blick in den Augen von Viola gelegen. Einfach nur vollkommen ruhig und doch schienen ihre kindlich grossen dunklen und doch tief blauen Augen durch Violas Seele zu sehen. Ein Gedanke nur auf reine Vermutung heraus formte sich in ihrem Kopf.

Der Körper war älter als der Geist der jungen Frau. Die Augen verrieten es ihr deutlich. Sie musste nicht erst Rituale oder magische Dinge durchführen um das zu sehen. Sie hatte oft genug in ihrer Familie gehört das es möglich war durch Zauber das Alter zu verändern, jedoch niemals die Seele. Alle in ihrer Familie waren magisch begabte, oder besser gesagt fast alle. Sie selber war es vielleicht auch, doch achtete sie nicht auf sowas.

Magie war für sie nichts natürliches. Sie schöpfte ihre innere Kraft, welche das auch immer war, aus der reinen Natur. Ihre voellige Ruhe, ihre innere Stärke, waren alles reine Produkte der Natur. Dieser kindliche Ausdruck in Violas Augen, die trotzige Art abzustreiten, die Körperhaltung waren ihr Hinweis genug und doch blieb sie nur bei einer Vermutung.

Freias Art zu reagieren und Leifs agressionen ihr gegenüber bestätigten ihren Verdacht nur um so mehr, aber doch lies sie es dabei beruhen. Sie wusste selber wie man Dinge die unabänderbar waren abstritt. Sie selber vermied es das Andere Fremde von ihrem Knie etwas merkten, oder von dem Tot ihres Sohnes, oder gar den Experimenten die weit in der Vergangenheit lagen, die durchgeführt wurden, damit alle Llastobhars so aussahen wie sie jetzt aussahen.

Voellig ruhig nahm sie die Agressionen ihr gegenüber hin, mitgefühl mischte sich in ihr Herz und doch schwieg sie. Sie leiss es über sich ergehen, das Leif ihr körperlich drohte, dass er drohte ihr eventuell wehzutun. Sie konnte die abneigende Haltung zu gut verstehen, war sie doch nur eine wildfremde Frau die etwas gesehen hatte, was man nicht wollte das man es sah.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Turbulent, vielleicht konnte man die letzten Tage so am Besten bezeichnen. Viola nickte sich stumm zu als sie auf den Palisaden von Grimwould hockte. Ihr Blick glitt ruhig in die Ferne, waren ihre Gedanken doch ganz woanders. Soviel Zeit war wieder vergangen. Die Sache mit Eri, ihr Weggang auf unbestimmte Zeit, das Auffinden der kleinen Nele, alles war so schnell passiert und das jüngste Ereignis lag gerade einmal einen Tag zurück.
Kurz lächelte sie schmal und sah an sich hinab, Viola; Tochter von Leif und Freia, ja seit heute war sie die richtige Tochter der beiden, denn mit dem heutigen Tage hatte sie Leif und Freia gesagt, dass sie von ihnen gerne adoptiert werden würde. Das Lächeln wurde kurz breiter, wie sehr sie sich doch gefreut hatten, wie sie strahlten und wie sie danach feierten und lachten … ohja Viola hatte ganz schön zur Metflasche gegriffen, obwohl sie wusste dass sie keinen Alkohol vertrug und eh selten trank. Das Ergebnis war teils präsent, denn sie konnte sich nicht mehr wirklich an alle Einzelheiten erinnern, was vielleicht auch besser so war.

Ihr Blick glitt wieder in die Ferne. Sie dachte über einige Menschen nach. Erinna … sie hatte sie in Bajard getroffen, sie wirkte wie ausgewechselt. Fröhlich, lachend und so voller Sanftheit, wie Viola ihre Schwester schon lange nicht mehr erlebt hatte. Alle waren sie dagegen gewesen, dass Erinna fort ging für diese Zeit; doch Viola nicht. Sie sah dass es ihr gut tat, sie sah dass sie die Abwechslung brauchte und dass sie Erinna wieder zu dem machte, was sie so sehr vermisst hatte, eine oftmals herzensfrohe, junge Frau.
Dann strich sie sich eine Strähne beiseite, ehe sie an Aurora dachte. Die junge Frau die mehr als eine Freundin geworden war für sie. Jemand, zu dem sie ging wenn sie den Drang hatte mit jemanden zu reden, der älter war als sie. Auch wenn Aurora in manchen Dingen nicht wirklich viel weiter war als Viola, so war sie doch sehr froh, dass Auri da war. Sie konnte sich mittlerweile gar ein Leben in Grimwould ohne sie nicht recht vorstellen.
Dann waren da Freia und Leif … ihre Eltern. Freia, die seither ihre Herzensmutter gewesen war, immer bei ihr gewesen war und es auch immer sein würde, egal was geschehen würde und wie schwer die Tage auch sein mochten. Leif, mit dem sie einige Startschwierigkeiten gehabt hatte, der jedoch einer der herzensgutesten Menschen war, die Viola jemals kennen gelernt hatte. Ein Vater, auf den sie stolz sein konnte und es auch war.
Sven … der Hüne … Auris Liebe. Sie lächelte nun wieder kurz. Sven, der Tollpatschige. Er ähnelte den anderen Tiefländern sehr und doch war er auf seine Art anders. Viola hatte ihn lieb gewonnen, und umso mehr freute sie sich, dass er endlich seinen Weg zu Auri gefunden hatte.
Falk … der Jarl des Clans der für sie immer mehr zu einem Freund wurde, als eine Person die sie fürchtete. Sie konnte ruhig mit ihm reden, sie wusste er würde zuhören und er hatte immer einen Rat für einen, wenn man ihn brauchte. Er war es, der für Viola die höchste Instanz in Grimwould widerspiegelte und sie war bestrebt, Falk eines Tages zu zeigen, dass sie eine Schützin war auf die er stolz sein konnte.

Und am Ende … ja am Ende sah sie kurz über die Schulter als sie meinte etwas gehört zu haben. Aber sie sah nur das kleine Mädchen mit den schwarzen Haaren, dünn und bleich. Es lächelte offen und winkte ihr zu … es war Stolz auf Viola, das konnte man in ihren Augen sehen. Sie lächelte ebenso, blinzelte und starrte dann wieder auf die leere Stelle, auf die sie die ganze Zeit geblickt hatte.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Mit einem lauten Aufkeuchen viel die Frau zurück. Ihr Gesicht war verzerrt vor Schmerzen und sie klammerte ihre Hände an den Pfeil, der ihr in der Brust steckte. Kraftlos versuchte sie ihn herauszuzerren, als ob dies die Tatsache verwische würde, dass der Pfeil sich tief in das Fleisch gebohrt hatte. Sie keuchte, hustete und gab dann auf. Ihre Augen richteten sich nach oben als zwei schwere Lederstiefel neben ihrem Gesicht zum stehen kamen. Sie starrte hoch, die Augen schmerzhaft verzogen und doch wimmerte sie, als sie das metallene zischen des Schwertes hörte, welches gezogen wurde. Sie versuchte sich zurückzuziehen, doch ging alles viel zu schnell für sie, als das Schwert sich zielstrebig neben den Pfeil in die Brust bohrte. Ein letztes Aufseufzen, die Augen geweitet, ehe ihr Leben ausgehaucht war. Einer der beiden Stiefel setzte sich auf dem Brustkorb der Toten ab und ruckartig wurde das Schwert wieder aus dem Körper gezogen. Viola sah runter auf den leblosen Körper, ohne Mitleid, ohne wirkliche Reue. Diese Banditin hatte sie wohl für einfache Beute gehalten und war auf sie los, doch hatte sie nicht damit gerechnet, dass Viola wehrhafter war als sie vielleicht auf den ersten Blick wirkte. Der Fehler der Banditin war es gewesen, zu fliehen und ihr Zeit zu geben einen Pfeil einzuspannen, der Rest hatte sich dann erledigt. Sie scheidete das blutige Schwert und trat ihren Weg weiter, sie machte sich nicht die Mühe, den Körper in den Wald zu ziehen oder dergleichen, sie würde keine Kraft verschwenden für ein solches Pack.
Sie hatte sich gefragt wie andere reagiert hätten, vielleicht mit Gnade? Die Banditin nur verwundet und sie dann Varuna übergeben? Sie laufen lassen? Das alles stand außer Frage für Viola … in jenen Momenten spürte sie die gewohnte eisige Kälte in ihr, jene welche sie als Kind in sich hatte und welche sich ab und an auch heute noch wieder bemerkbar machte.

Gerade die letzten Tage hatte sie jene Kälte gespürt. Die Enttäuschungen und Rückschläge, die Antwort von Fuchs, ihre falschen Hoffnungen, der Anblick ihres Vaters der fast erfroren wäre, all dies hatte sich in sie gefressen und in den letzten Tagen wieder etwas Altgewohntes aus ihr gelockt. Ganz würde sie sich niemals ändern, das war ihr klar, immer würde ein alter Teil in ihr bleiben, der Nähe, Familie und Liebe als fremd und abscheulich betrachtete, der das Einzelgängertum liebte. Doch war dieser Teil sehr klein geworden, und darüber war sie froh gewesen. Sie hatte die Nähe zu ihrer Familie wieder mehr in den Vordergrund gerückt, hatte den Kontakt zu Leif gesucht und sah mit einem freudigen Lächeln dem Blutritual entgegen. Nach eben diesem Ritual würde sie gänzlich ein Teil der Familie sein, eine richtige Tochter, auch wenn sie das für Leif und Freia zweifelsohne schon war. Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, sie hatte gestern mit Leif gesprochen, er hatte gesagt dass Freia ihren Namen im Schlaf gesagt hätte, dass Viola doch mal wieder bei ihr nächtigen sollte. Sie nickte innerlich, ihr fehlte die abendliche Nähe zu Freia auch. Zwar war Erinna nun wieder hier und schlief mit ihr zusammen in einem Zimmer, doch war dies nicht das Gleiche. Das Kind in ihr sehnte sich nach der Nähe der Person, die sie als Mutter akzeptiert hatte und sie hoffte dieses Verlangen bald stillen zu können.

Sie erreichte den Nebelwald, atmete tief ein und aus und schloss die Augen kurz, sie fühlte sich mit einem mal freier, entspannter und ruhiger. Zweifelsohne, die Vergangenheit lag fern von ihr, ferner denn je. Sie blickte nun nach vorne, in die vertraute Umgebung ihrer neuen Heimat, ihrer Familie. Wen interessierte schon was hinter ihr lag, wenn sie nun endlich eine Perspektive und Zukunft hatte. Sicher und zufrieden stapfte sie gen Grimwould, der Abend war noch jung.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Alles schlief, Grimwould lag in der Nacht. Alle hatten sie sich zur Ruhe gelegt nach diesem schönen, gemeinschaftlichen Abend, wo getrunken, gesungen und gelacht wurde, es war wahrlich ein schöner Abend, so fand ihn auch Viola. Der ganze Clan war fast vollzählig und die Stimmung war einfach nur ausgelassen und heiter. Sie hatte sich auch hingelegt, wollte einfach nur ihren Träumen nachgehen, doch ein Schmerz in ihrem rechten arm ließ sie nicht entspannen. Sie verzog die Miene kurz und zog das lange Hemd etwas höher, dass sie statt des Nachthemds trug; ein Verband aus Leinenbandagen war dort zu sehen, welcher sich leicht rot gefärbt hatte. Sie seufzte, die Wunde war wieder aufgebrochen. Sie richtete sich möglichst Leise auf und trat hinaus in die Nacht. Eine frische Brise begrüßte sie, während sie zum Brunnen hinab ging und die Bandage reinigte und auch die Wunde säuberte. Sie blickte kurz auf diese, ein länglicher Strich einmal quer über den Unterarm gezogen, und ein wenig weiter darunter der nächste, jedoch verheilt. Die Wunden waren präzise, einfach, sie waren selbst zugefügt. Viola hatte sich selbst überschätzt, und das Vergangene unterschätzt. Falk hatte damals ganze Arbeit geleistet, die Sucht war weg, sie war fort gewesen. Doch nichts hält für die Ewigkeit. Sie hatte es gespürt, die letzten Tage, es war wieder gekommen, das unruhige Gefühl, es war fast wie früher, nur diesesmal gab es zwei Unterschiede; sie war Willensstärker und die Sucht war es, die wiederkam und nicht ihr Wille. Sie hatte es unter Kontrolle, sie hatte nicht mehr jene Ausfälle, die ihr Handeln übernahmen, sie war stark und doch, war es nötig.
Sie hatte sich die Wunden zugefügt, der Schmerz erinnerte, er gab ihr die Erinnerung, was auf dem Spiel stand, wenn sie sich hingab und es half. Sie hatte den Dolch immer präzise angesetzt, hatte ihn dann einmal entlang gezogen und den brennenden Schmerz ertragen, der sich breit machte. Sie hatte niemanden etwas gesagt; weder Falk, noch Freia, noch leif, noch Erinna, noch Auri, noch Sven … gar niemand wusste es. Sie wollte nicht dass sich alle wieder Sorgen machten um sie, sie wollte nicht dass alle wieder denken, sie könne rückfällig werden, sie wollte nicht dass sie auch nur die geringste Angst bekommen würden um sie. Sie war Erwachsen, egal wie alt ihr Geist war und sie konnte alleine damit fertig werden.

„ Du machst genau die gleichen Fehler … vertrau dich ihnen doch an …“

Sie macht eine herrische Bewegung mit dem rechten Arm und bereute es gleichzeitig wieder als die Wunde brannte. Es hatte nichts mit Vertrauen zu tun, rein gar nichts! Dies war etwas, was sie nun selber angehen musste und sollte. Falk würde vielleicht auf falsche Gedanken kommen und ihre Eltern … Freia hatte genug Sorgen wegen ihrer Schwangerschaft und Leif wollte sie nicht unnötig sorgenvoll machen. Sie hasste es, wenn er sich Sorgen machte um sie, gerade wo er sich immer solche Mühe gab zu zeigen, wie sehr er Viola doch liebte, auch wenn sie das schon gut genug wusste und ihn dafür liebte. Stumm wusch sie weiter die Wunde aus und band dann die Bandage wieder fest um die Wunde. Sie würde verheilen, genau wie die andere, genau wie die nächste und es würde irgendwann verschwinden.

Sie seufzte leise während der Verband schmerzend auf das Fleisch drückte. Sie hatte viel Trost gefunden die letzten tage, so fiel ihr dies alles auch nicht schwer, im Gegenteil, sie nahm ihre Kraft aus Abenden wie diesen. Und aus ihren Mitmenschen und dazu gehörte seit einem Tag auch Alvis, der Bruder von Sven. Sie hatte den Hünen lieb gewonnen, hatte lange mit ihm geredet, hatte Nähe zu ihm gefunden, die ihr gut tat und er sah die Dinge wie sie; keine Liebschaften oder dergleichen, alleine war man besser dran. Sie hatte das ganze mit einem Nicken quittiert, hatte gelächelt und sich gefreut neben Sven noch einen Mann im Clan zu kennen, mit dem sie sich gut verstand.

„Aber du magst ihn mehr als Sven …“

Genug! Das war ein Feld, welches sie noch lange nicht betreten hatte und auch nicht betreten würde.

Jedenfalls sagte sie sich das noch mehrmals, als sie einschlief.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Stark, unbezwingbar, erwachsen. Viola hatte sich selten so gut wie in den letzten Tagen gefühlt. Sie hatte die Kraft gehabt der aufkommenden und neu erwachten Sucht entgegenzutreten, sie war glücklich bei ihrer Familie zu sein und irgendwie freute sie sich auch immer sehr, wenn sie Alvis abends in der Taverne antreffen konnte. Sie fühlte sich einfach nur herrlich und der heutige Abend war auch sehr angenehm. Viola hatte sich vom Clan verabschiedet um nach Bajard zu schlendern, es war zwar eine kleine Strecke, doch der heutige Abend war zu angenehm um mit der holprigen Kutsche zu fahren, außerdem konnte ihr etwas frische Luft nicht schaden. Sie hatte Varuna passiert, war in den Waldweg nach Bajard eingebogen und genoss die Ruhe, diese trügerische Ruhe. Sie war zu schön um wahr zu sein, viel zu schön. Sie hatte die Gestalt nicht bemerkt die im Dickicht hockte, die sie beobachtete und welche Viola dann auch passierte. Das was folgte, war zu schnell um darauf zu reagieren, sie hörte nur noch das Surren des Pfeiles, wollte sich drehen doch dann geschah es und mit einem dumpfen Ruck wurde sie vorgeschleudert, ihre Augen weiteten sich und sie stand einen Bruchteil von Sekunden einfach nur da, bewegte sich nicht, dann war ihr Körper am Zug, und der Schmerz, der nun Realisiert wurde. Ihr ganzer Rücken wurde erst taub, und dann brannte ihr ganzer Körper, sie schrie laut auf, ein markerschüttender Schrei und sie fiel zu Boden, wie ein nasser Sack. Sie konnte sich nicht an die nächsten Sekunden erinnern, wusste nur dass eine Gestalt an sie herantrat, sich hinabbeugte, ihren Beutel entfernte und dann ging. Die Gestalt ignorierte Viola, tat als wäre sie nicht da und verschwand, ließ sie zurück.

Mit dem Schmerz kam nun die Panik, die Furcht und eine neue Welle des Schmerzen. Dies alles war so unbekannt, so neu und fremd. Viola weinte, sie jammerte und schrie sich die Seele aus dem Leib. Sie hatte bei Kämpfen immer eine Rüstung an, welche ihre Treffer abfing, doch dieses mal war der Treffer nur durch einfachen Stoff geglitten und hatte Pein mit sich gebracht. Sie spürte wie ihr warmes Blut den Rücken hinablief, sie würde hier verrecken, sie durfte hier nicht sterben. Sie kniff die Augen zusammen, ihr Rücken fühlte sich leblos an, trotzdem schaffte sie es, sich aufzurichten, all ihre Kraft legte sie in ihre Beine, richtete sich auf und eine neue Schmerzenswelle durchzuckte sie. Sie verzog das Gesicht und schrie auf, doch blieb sie stehen; standhaft und tapfer. Sie ging weiter, der Weg schien sich in die Ewigkeit zu strecken und immer wieder fiel sie, als der Schmerz sie zu Boden rang. Sie sank auf die Knie, schürfte sich die Haut auf und verletzte sich immer mehr. Sie wimmerte, sie weinte und schrie nach Freia, als sie liegenblieb. Bajard schien so ewig fern, sie würde niemals ankommen. Es war jener Moment an dem sie spürte, was sie wirklich war, dass sie immer noch ein Kind war, dass sie nicht so stark und mächtig war, wie sie immer dachte. Sie war noch ein kleines Kind, ein Kind was Hilfe bedurfte. Sie wollte nicht sterben, nicht jetzt schon. Sie nahm all ihre Kraft entgegen und richtete sich auf, schleppte sich in Richtung Bajard. Sie schaffte es, mit letzter Kraft brach sie vor der Kutsche der Stadt zusammen, konnte noch verschwommen die Gestalt Erinnas sehen und dann kam die Schwärze.

Sie wachte wieder auf, sie spürte ein festes Ziehen an ihrem Rücken. „Es wird weh tun …“ und dann wurde sie wach, als der Pfeil aus der Wunde gezogen wurde. Ihr Rücken fühlte sich an, als ob er sich jeden Moment in zwei Teile reißen würde, sie brüllte auf, weitete die Augen. Sie konnte Erinnas Hände spüren, ihre Stimme, dann kam die Dunkelheit wieder, doch nicht lange. Stimmen ertönten um sie herum, nun die Stimme von Caillean, Leif, Ronya, eine fremde Stimme, Argos. Sie bekam nur wenig mit, doch die Worte „ausbrennen“ ertönten, ihre Augen öffneten, sie starrte benommen vor, konnte Caillean sehen, wie sie Viola aufrichtete und sie festhielt. „Hör zu Viola, der Schmerz wird kurz sein und in einer Sekunde schläfst du und wirst in Grimwould aufwachen.“ Ihre Augen weiteten sich, ihr ganzer Körper zitterte und ihr Atem ging hektischer, immer schneller, sie wusste was folgte, sie wusste es ganz genau. Sie hörte Argos Stimme, sah matt beiseite, doch Caillean drehte ihr Gesicht weg, hielt ihre Hand und ließ Viola verharren. Sie wartete, der Moment schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, doch dann drückte ihr jemand etwas glühend heißes auf die Wunde. Die Schmerzen die sie nun erfüllten waren nicht beschreibbar, es war ein glühender, unvorstellbar grausamer Schmerz. Sie schrie sich die Seele aus dem Leib, ihre Augen verdrehten sich und dann brach sie zusammen, als der Schmerz ihren Körper ganz übermannte.

Sie schlief, sie schlief unruhig. Sie zuckte schmerzhaft auf, war sie tot? Nein … der Tod musste anders sein, nicht so unruhig, nicht so schmerzhaft. Immer wieder spürte sie den zuckenden Schmerz durch ihren Körper ziehen. Sie lauschte, hörte Stimmen, so fern, so dumpf. Sie spürte wie man sie zudeckte, wie man ihre Wunde freilegte und wie man ihr über den Körper strich, so vertraut und geborgen waren all diese Momente. Sie lauschte … „Was denkst du, ist er auch da?“ Viola erkannte ihre eigene Stimme und sie zuckte zusammen, ehe sie ruhiger wurde. War er hier? Sie wusste es nicht, sie konnte nur hoffen. Sie wusste dass Leif bei ihr war und Freia, sie spürte sie … doch war er es auch?


„Halt durch … dann wirst du ihn bald wieder sehen“
Alvis Hinrah

Beitrag von Alvis Hinrah »

Der Tag begann wie viele Tage vor diesem. Alvis ging in die Minen um Erze aus den widerspenstigen Fels zu schlagen. Dabei konnte er in Ruhe über viele Sachen nachdenken. Seinen Brottr Sven und seine Verlobte Aurora.. Wie er im Clan aufgenommen wurde seit er dem Ruf gefolgt war. Über Viola, die ihn viel Stärke verlieh. War sie es doch die immer ein offenes Ohr für ihn hatte. Sie war auch diejenige die sich scheinbar mehr um ihn kümmerte als viele andere im Clan. So vergingen die Stunden in der Mine. Als er nach Grimwould zurück kehrte und in die Taverne ging, sang gerade Argos ein Lied und einige saßen gemütlich ums Lagerfeuer herum.

Er entschloss sich nach einiger Zeit dazu, sich doch lieber seinem Arbeitstisch zuzuwenden. Er ging gerade in den Keller um einige Sachen in die Vorratskistne zu legen als Argos die Treppen herunterstürzte und nur schrie: "Rauf zu Falk! Viola ist angeschossen worden!"
Einige Sekunden konnte er diese Information garnicht verarbeiten. Schliesslich rannte er die Treppen nach oben und so schnell es ging rannten sie nach Bajard.

Dort angekommen wurde Viola in einem Haus behandelt. Er musste vor der Türe Wache stehen und dürfte keinem Fremden Einlass gewähren. Es brannte förmlich in ihm. Ging es ihr gut? Konnte er ihr nicht helfen? Sicher, die Vernunft sagte ihm das er nichts tun konnte, dennoch wünschte er sich nichts mehr als nach ihr zu sehen.

Leif war bei ihr, er war es auch der sie zurück nach Grimwould brachte und dort weiter behandelte. Sofort machten sich einige auf die Suche nach dem Täter, allerdings ward dieser schon über alle Berge. So blieb ihnen nichts übrig als die Jagd aufzugeben und zu warten.


Alvis brannte vor Wut. Ein hinterhältiger Dieb schoss ihr in den Rücken, nur für ein paar jämmerliche Goldstücke.. Er wünschte sich nichts mehr als Rache. Er würde dem Täter all seinen Zorn spüren lassen. Er würde nicht mit einem Schuss niedergehen.. Er würe Leiden müßen.. Leiden weil er Viola das angetan hatte..
Als er sich in die Felle legte und immer noch voller Zorn über das Geschehene nachdachte kam ihm ein Gedanke. Ein Gedanke der ihn mehr beschäftigten sollte als er es eigentlich wollte.
War das der Hass den ein grosser Bruder empfindet wenn seiner kleinen Schwester ein Unglück passierte? Oder war es was ganz anderes?
Empfindet er tatsächlich mehr als nur die Liebe unter Clanangehörigen bei ihr?

Es war eine unruhige Nacht für ihn, so dass er bereits vor dem ersten Lichtstrahlen aufstand und in den Wald ging. Sollte er sie mehr mögen als er sich das eingestehen will? Aber wie konnte das sein? Sicher, äußerlich war sie bereits eine Frau, aber war sie nicht eigentlich ein Kind?

Wie sollte er jemanden so etwas sagen? Wie würden die anderen reagieren? Er schüttelte den Kopf und schwor sich mit niemanden darüber zu reden. Ausser vielleicht dem Jarl- er müßte ihm doch einen Ratschlag geben können.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Es war alles dunkel um sie herum. Sie konnte ihren Atem spüren, fühlen wie ihre Brust sich hob und wieder senkte, sie war am Leben. Ihr Rücken schmerzte immer noch sehr, und doch war alles dumpfer geworden. Seit dem sie gefühlt hatte wie jemand sie berührt hatte, eine fremde Stimme ihr beruhigendes zuflüsterte und sie diese Wärme in ihrem Körper gespürt hatte. Alles war etwas angenehmer geworden, auch wenn sie sich noch lange nicht gut fühlte. Sie schlief fiel, gab sich der Schwäche hin, nuschelte im Schlaf vor sich hin und drückte das warme, weiche Fell an sich. Sie wollte nicht mehr stark sein, sie wollte nicht mehr die Unbesiegbare sein, sie wollte ein Kind sein, befreit von allen Sorgen … doch das war sie nie gewesen, sie kannte dieses Gefühl nichtmal, wieso sehnte sie es sich dann in diesem Moment so herbei, wie etwas, was ewig fort lag und in Erinnerungen hinaufkroch? Wieder war es der Schlaf der diese Gedankengänge unterbrach und sie einzuholen versuchte, sie war einfach noch zu schwach. Nichtmal richtig Essen konnte sie, heute hatte ihr Leif versucht etwas Suppe einzuflößen. Das Ergebnis war gewesen, dass sie alles wieder in die Schüssel gebrochen hatte und die Tränen in ihre Augen schossen. Ihr Magen krampfte sich zusammen und Schmerzen erfüllten ihren Körper, welcher matt zurücksank ob der Schwäche. Sie war noch nicht gesund, und sie fühlte sich elendig.

Der Schlaf war gekommen, hatte sie übermannt, auch wenn sie nicht unbedingt schlafen wollte. Er war nicht erholsam, er war anstrengend und oft war sie müder als vor dem Schlafen, wenn sie ihre Augen öffnete. Doch der Schlaf brachte auch Träume mit sich, Albträume wie auch normale Träume. Sie konnte sich nun von Außen her beobachten, lauschte ihrem eigenen Atem und öffnete dann matt die Augen. Sie wusste genau dass sie noch träumte, denn sie konnte sich ohne Mühe aufrichten, die Schmerzen waren nicht da und es war noch etwas anders. Sie konnte in ihrem Schoß etwas spüren und als sie hinabblickte, sah sie auf eine kleinere Gestalt, welche hoch sah. Viola kannte dieses Mädchen, sie hatte keinen Namen für sie gefunden, aber sie war ein teil von ihr, oder etwas was sie einst war. Wie oft hatte sie in Träumen dieses Mädchen gesehen, ihrer Stimme gelauscht? Sie war da, in ihr, seit dem Abend an dem Falk sie in die Wanne geworfen hatte und ihr die Sucht ausgetrieben hatte, war sie da. Sie sah Viola an und lächelte leicht. „Du wirst dich bald erholen … man kümmert sich um dich. Bald wirst wieder steh’n können“ Viola sah nur stumm war, sie musste nicht reden, es war alles nicht nötig. Das Mädchen legte den Kopf schief. „Manchmal geht alles zu schnell … du fühlst dich wie ich mich fühlen würde, weil du nicht Erwachsen bist, Erwachsener als ich … ja aber du bist dass, was in dir schlummert und nicht was dich darstellt.“ . Viola schloss die Augen, atmete tief ein und sah kurz zu Boden. „ Weißt du … ich glaub alles wird wieder gut … sie sind für dich da und wenn du bald wieder stehst, dann kannst du ihn auch wieder sehen … du magst ihn, nicht wahr?“

Sie riss die Augen auf, schreckte auf aus den Träumen. Ihr Körper quittierte diese Hektik mit einer kleinen Schmerzwelle die durch ihren Körper jagte und sie keuchend zurücksanken ließ. Sie war schweißgebadet und ihr Atem ging schneller. Träume, nicht mehr waren das alles. Sie lehnte sich zurück und starrte in die Dunkelheit, nicht mehr als Träume …

„Und du magst ihn doch … mehr als du zugibst“
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Tief ein- und ausatmen, die Luft spüren wie sie die Lungen füllten und sich entspannt zurücklehnen. Es ging ihr langsam wieder besser, die letzten Tage der Ruhe hatten ihr Werk getan, sie war erholt gewesen, konnte allmählich wieder Essen zu sich nehmen, wenn auch nur in nicht zu riesigen Mengen, und laufen konnte sie auch wieder ohne größere Krafteinbrüche. Es war sicherlich die Ruhe gewesen, die ihr die nötige Kraft gegeben hatte, doch seit gestern Abend war da noch etwas … nein nicht etwas, jemand. Viola lächelte dünn, als sie daran dachte, wie es alles seinen schnellen Lauf genommen hatte. Sie war erwacht, am frühen Abend und Alvis war bei ihr gewesen, hatte ihr etwas Wasser und Suppe hochgebracht. Sie hatten miteinander geredet, eher belanglos, bis Viola es immer mehr merkte, immer mehr die Gefühle spüren konnte, die sie nur in seiner Gegenwart verspürte. Sie hatten sich beide gesetzt, sich angesehen und ein wenig geredet, völlig ruhig und doch, da war etwas, was sie auch bei Alvis förmlich spüren konnte. Sie hatte angefangen ihm zu sagen, wie nahe sie dem Tod doch gewesen war und dass sie es sich nie verziehen hätte wenn … und dann war es sowieso vorbei, sie versuchte Ausflüchte von sich zu geben, ehe sie die Wahrheit sagte, ihm sagte dass sie froh war ihn zu sehen und an ihn gedacht hatte. Er hatte ihre Worte erwidert und dann hatte sie es einfach getan: sie war aufgestanden, zu ihm gegangen und hatte ihm einen Kuss auf die Wange gegeben, sich schnell wieder umgewandt und zur Tür raus. Sie lehnte sich an diese, hörte ihr Herz klopfen und kurz schien sich alles zu drehen; was bei den Geistern hatte sie da getan? Sie wusste, dass sie das nicht durfte, nicht einfach so … die Tiefländer hatten ihre Bräuche und Viola konnte selbst nicht richtig einordnen, wieso sie so reagiert hatte. „Weil du ihn liebst.“ Diese Stimme war nicht aus ihrem Kopf gekommen, sondern direkt aus ihrem Mund, es waren ihre eigenen Worte und sie seufzte. Was machte sie sich vor? Sie liebte Alvis, auch wenn sie sich gesagt hatte, sich niemals zu verlieben aber am Ende war es wie Auri und Freia sagten; was interessiert es die Liebe was man will?

Alvis hatte so reagiert, wie sie es instinktiv erwartet hatte. Er sagte ihr dass es nicht ginge, dass dieser Kuss von ihr falsch war, solange er nicht den ersten Segen von Leif hätte. Die Worte taten weh, sie hatte sich dazu durchgerungen ihrem Herz zu folgen, und nun solch eine Antwort, doch Alvis lächelte matt. Er sagte im gleichen Zuge dass er diesen Segen bei Leif einholen wolle, jetzt, aber nur, wenn sie es wirklich wollte. Viola schloss die Augen atmete tief ein, wollte sie das? War sie bereit ihren Gefühlen zu folgen? Narrten sie diese auch nicht? War das Liebe … ? Alle Fragen hatten ein „Ja“ zur Antwort und sie nickte Alvis lächelnd zu. Dieser machte sich auch gleich auf dem Weg zu Leif, und Viola verharrte eine lange Zeit oben im Zimmer, stumm wartend dass er zurückkommen würde, mit einer Antwort ganz gleich wie diese ausfiel. Aber er kam einfach nicht und so ging Viola vorsichtig und noch etwas schwach auf der Brust raus. Die kühle Abendluft umhüllte sie, als sie Alvis unten im Hof stehen sah und seine Wange sah nicht gerade feierlich aus. Sie wusste sofort wer das war, wer ihm eine verpasst haben musste, Leif. Also war es gescheitert, sie war sich sicher, ihr Vater hatte den Segen nicht erteilt. Doch zu Violas Überraschung meinte Alvis, er hätte den Segen erhalten, auch wenn er die nächsten Tage starke Schmerzen haben würde. Viola fiel im gleichen Zug ein Stein vom Herzen, sie strahlte Alvis an und drückte sich fest an ihn, fast wie von selbst suchte sie seine Nähe und es kam sogar zu einem ersten, sehr zögerlichen Kuss der beiden.

Viola lag nun in den Fellen, sie wurde zur Bettruhe von Leif verdonnert, doch dies war ihr Recht gewesen. Sie starrte verträumt an die Decke und lächelte seelig. Ihr ganzer Körper schien sich leicht und wohlig anzufühlen, nichtmal die Wunde tat weh, Schmerzen waren in diesen Momenten ein Fremdwort für sie. Sie war einfach nur glücklich, glücklich wie schon lange nicht mehr.

„Und ich hatte doch recht …“
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