Seite 1 von 8
Wer bin ich, der widerspricht?
Verfasst: Sonntag 28. Oktober 2012, 19:19
von Malaika Leyla Ifrey
„Die Hochzeit von Zia und Majdy...“,
„Mein Vetter möchte um Pazia werben...“,
„Wir müssen die Hochzeit vorbereiten...“.
Seit ich Natisha und Fahima gefolgt war, mich einer Karawane angeschlossen hatte und endlich angekommen war hörte ich von allen Ecken nur von irgendwelchen Hochzeiten, Versprechungen und Werbungen. Während mein Unterbewusstsein locker die Füße auf den Tisch gelegt hatte, spitzelte meine innere Tänzerin immer wieder hinter dem Buch hervor, welches sie in der Hand hielt. Hochzeiten waren doch etwas sooo Schönes. Keine Frage, ich gönnte es jeder meiner Cousinen. Aber es war manchmal einfach nicht mehr zum aushalten. Mein Unterbewusstsein begann zu gähnen.
Ich zog mich um und setzte mir für heute zum Ziel, nicht den ganzen Tag vor meinem Schreibtisch und all den Stoffmustern zu sitzen. Es wurde Zeit, dass ich mich ein bisschen bewegte. Ansonsten würde ich noch aufgehen wie ein Hefekuchen durch all die leckeren Speisen, die überall im Haus verteilt waren. Meine innere Tänzerin freute sich darüber zwar immer wie ein Kind zu Weihnachten, mein Unterbewusstsein musterte mich jedoch bei jedem weiteren Bissen kritisch.
Mein Weg zur Oase war beschwerlich, was wohl vielmehr daran lag, dass ich mich nicht an den üblichen Weg halten konnte oder wollte. Die Abenteuerlust meines Unterbewusstseins ließ mich das falsche Tor wählen, welches mich vorbei an einem Nest Skarabäen führte. Ich wusste gar nicht, wie flink ich sein konnte. Nichts desto trotz hatte ich es heil in die Oase geschafft. Ein Ort, an dem es schön ruhig war. Ein Ort, an dem ich nichts von irgendwelchen Vermählungen, Hochzeiten und Verkupplungen hören musste. Mein Unterbewusstsein rückte die Brille zurecht und warf mir einen strengen Blick zu. Ich bahnte mir meinen Weg durch die Bäume hin zur Wasserquelle und ließ mich in den Sand sinken. Das kühle Wasser um meine Zehenspitzen tat gut. Es durchflutete meinen Geist und ließ mich für einen Moment entspannen. Nur die Stimme von Yamaal durchdrang meine Gedanken und ließ mich zusammenfahren vor Schreck. Meine Tänzerin schlug die Augen auf und begann schon ihre Lippen zu lechzen, während mein Unterbewusstsein die Brille etwas höher schob und neugierig zu ihm hinüber sah. Faszinierend war es schon, da ich gerade noch einen Moment lang über ihn nachgedacht hatte. Er entschuldigte sich sofort bei mir, dass er mich erschreckt hatte. Aber das war nicht seine Schuld. Beide – mein Unterbewusstsein und diese kindische Tänzerin – kicherten leise.
Shaymaa hatte schon einmal etwas bezüglich Yamaal angedeutet. Aber das seine Geschichte so schlimm war, sein Weg so hart, das hätte ich nicht gedacht. Er tat mir leid, für all das, was er mitgemacht hatte. Ich konnte verstehen, nachvollziehen, wie er sich fühlte. Es war ein schlimmes Gefühl, wenn sich der Dolch in das Herz bohrte und immer weiter gedreht wurde. Natürlich versuchte ich ihm gut zuzureden. Das war das Mindeste, was ich tun konnte – als Freundin. Mein Unterbewusstsein verdrehte die Augen, während sich die Tänzerin wieder resignierend in ihren Stuhl fallen ließ und sich an dem Schnaps bediente. Ich hoffte, dass ich gut darin war, mir selbst nichts anmerken zu lassen. Und ich glaube, es gelang mir auch ganz gut. Wieder meldete sich das Unterbewusstsein und tippte sich an die Stirn. Ob es mir damit etwas sagen wollte? Als ich bemerkte, wie meine eigene Sicherheit zur Unsicherheit wurde, meine Mauer zu bröckeln begann, verabschiedete ich mich. Natürlich wollte er mich nach Hause begleiten, aber ich wollte nicht. Nicht jetzt. Nicht in einem Moment, in dem ich selber nicht sonderlich stabil war. Ich bat ihn darum, alleine gehen zu dürfen. Er nickte unter der Voraussetzung, dass er vorangehen konnte, um den Weg zu säubern. Die kleine Tänzerin lugte doch wieder hoffnungsvoll hinter der Mauer hervor, verzog sich aber gleich wieder, als Yamaal ging. Meinetwegen konnte er säubern, was er wollte. Heute Nacht würde die Wüste meine Heimat sein. Ich musste wieder lernen zu der Malaika zu werden, die ich schon immer kannte. Kontrolliert, konzentriert, selbstbewusst und frei von jeglichen Gefühlen. Mein Unterbewusstsein lachte spöttisch und streckte mir die Zunge heraus. Und ich begab mich in die Wüste auf einen langen, langen Weg. Die Hochzeit? Die hatte ich so dermaßen ausgeblendet, dass ich nicht einmal mehr einen Gedanken daran verschwendete. Was mir im Nachhinein furchtbar leid tat.
Verfasst: Samstag 3. November 2012, 12:34
von Malaika Leyla Ifrey
Wie viel Glück oder gar wie viel Pech konnte eine Natifah eigentlich noch haben? Vielleicht hätte ich an diesem Tag einfach die Augen geschlossen lassen sollen, den ganzen Tag schlafen und alles vergessen, was am Vortag passiert war. Das war eigentlich auch mein Ziel gewesen; zumindest letzteres.
Jetzt, nachdem Shaymaa mir erzählte, dass Yamaal glaubte sie zu lieben, war nicht nur ich auf 180 sondern auch alles in mir. Mein Unterbewusstsein hatte sich irgendwo verkrochen und zitterte unter meiner Leber oder meiner Milz, meine innere Tänzerin warf alles durch die Gegend, was sie so fand. Ich selber war erschüttert, verwundert und gewissermaßen sauer. Auf mich, auf Yamaal und auf Shaymaa. Nicht, dass sie erst noch meinte, ich solle mich von Issam fernhalten, er wäre ein Herzensbrecher und Aufreißer, nein. Jetzt schien auch noch Yamaal derjenige zu sein, der mir erzählt hatte, er wäre zu Gefühlen seit Rasheda nicht mehr in der Lage und schwupps, war Shaymaa es auch gewesen, die mir etwas anderes sagte. Was bei Eluive sollte ich nur von all dem halten?
Natürlich, eines war sicher: Ich kannte Yamaal noch nicht allzu lange. Nichts desto trotz fühlte ich mich bei ihm geborgen und zuhause. Warum auch immer. Sein Familienname sollte eigentlich abschreckend genug für mich sein, aber ein Familienname machte keinen Charakter aus. Ich musste mich zusammenreißen. Also war es besser für mich, das Haus vorerst zu verlassen. Ich wollte weg, hinfort in die Wüste, zur Oase. Ich musste nachdenken, musste mich beruhigen und musste meinen Weg wieder finden. Ohne irgendwelche Gedanken an irgendwen. Wäre da nur nicht die Wut darüber in mir gewesen, dass ich allem Anschein nach entweder von Yamaal oder von Shaymaa belogen wurde. Es war nicht das Problem, dass ich nicht gut genug für Yamaal war. Sondern viel mehr, dass ich mich verraten fühlte. Ich stürmte die Straße entlang und hätte ich nicht doch noch bremsen können, wäre ich in ihn gerannt. Eluive, was habe ich dir getan. Meine innere Tänzerin lugte über all die zertrümmerten Sachen hinweg und riss überrascht die Augen auf. Auch mein Unterbewusstsein kroch hinter meinen Organen hervor und wurde neugierig.
Er hatte mich vermutlich schimpfen hören und mein anschließendes Seufzen vernommen, als er in meinen Blick fiel. Ob er mir helfen könne, das hatte er gefragt. Mein Unterbewusstsein fiel vor Lachen vom Stuhl. Er? Ohne ihn wäre ich doch gar nicht in dieser Misere gelandet. Wie auch immer, ich musste versuchen, mich zusammenzureißen. - Was mir nur leider nicht gelang, als er mich darum bat, ihm zu erzählen, was nur mit mir los sei. Ich erzählte. Und er bat mich, ihn zu begleiten.
In der Oase angekommen hatte er mir alles erklärt. Es läge nicht daran, dass ich nicht gut genug für ihn sei. Er kenne mich kaum, das mit Shayma sei... „auch ganz anders“. Unterbewusstsein und Tänzerin hatten sich vereint, sich ein paar Datteln geschnappt und hörten interessiert zu, während ich weiter versuchte, meinen Ärger zu verbergen. Ich entschuldigte mich bei ihm, ganz selbstverständlich. Immerhin hätte mir dies nicht passieren dürfen. Und damit ließ ich es auch gut sein. Wieder trugen mich meine Füße in die Wüste. Ich wollte alleine sein, meinen Gedanken freien Lauf lassen und vor allem eines wollte ich wieder erreichen: Ich wollte meine Mauer wieder aufbauen.
Wie ich dort dann in der Wüste saß, mein Unterbewusstsein sich das Kopftuch abband und sich in der Sonne wälzte, gestellte sich eine Wüstenwölfin zu mir. Ich zuckte zusammen, als ich sie direkt vor mir sah; war sie jedoch so zutraulich, dass sie sich neben mich legte und sich meinen Kummer anhören wollte. Und das konnte ich ausgiebig nutzen. Und es tat außerordentlich gut.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, dass ich mir selbst aus dem Weg ging. Ich stürzte mich in die Arbeit und hatte für den Abend beschlossen, ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Das hatte ich seit meiner Ankunft noch gar nicht so wirklich ausgiebig gemacht. Und bei einem Spaziergang würden sich meine Gedanken auch wieder beruhigen. Das wäre auch tatsächlich so gewesen, hätten meine Wege mich nicht direkt zum Brunnen geführt, an dem Shaymaa mit Yamaal und einer Blüte des Hauses der Bashir war. Während mein Unterbewusstsein wieder in Deckung ging, setzte sich die Tänzerin auf und riskierte einen Blick auf diese Situation. Ich wäre am liebsten weitergegangen, irgendwas in mir wollte sich der Situation jedoch stellen. Nach kurzen Gesprächen verschwand Yamaal, auch die Blüte der Bashir und ich war mit Shaymaa allein. Sie fragte mich nach Hilfe wegen dem Oberteil, das sie trug. Natürlich half ich, auch wenn ich innerlich am liebsten schreiend davonlaufen wollte. Also begleitete ich sie mit nach Hause in unser Familienhaus. Es fand sich jedoch nichts Passendes. Und da ich Issam versprochen hatte, ihm noch zu helfen, ging ich daraufhin in den Keller. Er wartete schon, hatte Mörser und Stößel bereit gestellt. Ich sollte die Trauben darin zerquetschen, damit er den Saft anschließend verwenden konnte. Und ich quetschte. So sehr, dass sich der ganze Saft aus der Traube auf dem Tisch verteilte. „Mit Gefühl, Malaika.“, meinte Issam und legte seine Hand auf meine, um mir zu zeigen, mit wie viel Druck sie pressen durfte. Sie machte sich anschließend an die Arbeit und presste einiges an Saft aus den Trauben, kippte diesen dann in ein Schälchen vor Issam.
Und ich konnte kaum glauben, was er dann tat: Er nahm das Schälchen und trank es. Ich hatte mir so viel Mühe gemacht, damit er Saft zum trinken hatte? War das denn zu glauben? Nichts desto trotz war es ein amüsanter Abend, ich konnte viel lachen und für einen Moment vergessen, was heute so alles passiert war. Ich verabschiedete mich anschließend von beiden und ging zu Bett.
Etwa eine Stunde hatte ich im Bett gelegen, bis ich wieder aufstand. Ich wollte und wollte einfach nicht einschlafen. Das wiederum bedeutete, dass ich mich noch einmal anziehen würde und durch die Stadt wandern würde. Das half meistens. Unterbewusstsein und Tänzerin gähnten, zogen sich die Decke wieder über den Kopf, während ich mich anzog und das Haus verließ. Ich setzte mich auf die Bank beim Brunnen und versank in Gedanken.
Yamaal war es, der mich aus den Gedanken riss. In Windeseile standen Unterbewusstsein und Tänzerin wie eine Eins auf der Matte und reckten neugierig ihren Hals. Er setzte sich zu mir und wir redeten erneut. Ich hatte mich nochmals entschuldigt und meinte, dass ich mich bei ihm einfach zuhause und geborgen fühlte. Diese Worte schienen irgendwas bei ihm auszulösen, denn er wurde auf einmal.. ruhiger und leiser. So etwas hatte bisher noch nie jemand zu ihm gesagt, meinte er. Es war mir egal, ob das schon mal jemand gesagt hatte. Dann war ich eben die Erste und auch die, die es tatsächlich so meinte. Ich versuchte ihm auch zu erklären, dass ich für mich einen Weg finden würde mit der Situation umzugehen. Es war ja nun nicht so, dass mein Herz schon tausend Sätze machte, wenn sie sich begegneten. Nachdem wir uns ausgesprochen hatten fragte ich ihn, ob er mir die Akademie zeigen würde. Und das tat er dann auch. Da ich wusste, dass man sich an der Akademie Leviathan nicht verhüllen durfte, legte ich mein Kopftuch ab. Yamaal wollte das nicht, er wollte für mich eine Ausnahme machen, aber ich hielt mich an die Regeln. Was ihm wiederum unangenehm war, so glaubte ich zumindest. Er sah mich nur für einen kurzen Moment an, sah zum ersten Mal mein unverhülltes Gesicht. Aiwa, ich war hübsch, das wusste ich. Und vermutlich auch eine Art Schock für ihn, mich ohne jeglichen Schutz, jegliche Mauern, die so ein Schleier und ein Kopftuch aufbaute, zu sehen. Die Faszination in meinem Blick zu sehen. Und so verging der Abend und ich konnte diesen Abend genießen, bis mich die Müdigkeit übermannte.
Verfasst: Montag 12. November 2012, 13:56
von Malaika Leyla Ifrey
Im wilden Galopp über den Strand,
du hörst nichts außer dem Rauschen des Meeres,
du siehst nichts außer der Unendlichkeit,
du spürst nichts außer der Magie des Moments.
Berühre den Wind und du weißt, was Freiheit bedeutet.
Wenn man es auf den Punkt bringen wollte: Ja, ich hatte mich verliebt. Ich wurde von einem Blitz getroffen, der so gewaltig einschlug, dass ich beinahe den Boden unter den Beinen verloren hätte. Es war nur ein Blick und ich wusste, wem mein Herz fortan gehören sollte. Diese dunklen Augen und diese mächtige, einschüchternde Haltung, die nur so vor Kraft strotzte. Mein Unterbewusstsein sah mich unsicher an und dem Gesichtsausdruck zufolge wollte es fragen, ob das tatsächlich mein Ernst sei. Meine kleine, innere und viewitzige Tänzerin hingegen schlug neugierig ihre Augen auf und konnte ihre Begeisterung selbst kaum zügeln.
„Er wird auf euch warten.“
Das wäre ja mal was ganz Neues, dass jemand auf mich warten würde. Aber – oh bei Eluive und all den lieblichen Geschöpfen auf dieser weiten Welt – ich wollte ihn, so sehr. Ich hatte in seine Augen gesehen und etwas Beruhigendes gespürt. Ich wollte ihn streicheln, berühren, besänftigen – umgehend. Ich hatte das Gefühl, dass wir zusammen gehören. Doch Yamaal war es, der meine Träume zerplatzen ließ. „Ich glaube nicht, dass das Klima auf Menek'Ur ihm allzu gut tun würde. Und du müsstest immer wieder hier aufs Festland, um ihn auszureiten.“
Ich seufzte. Er hatte im Grunde recht. Aber mit viel Geduld würde ich es mit Sicherheit schaffen, ihn an das ungewöhnlich warme Klima Menek'Urs zu gewöhnen. Und reiten? Ich würde ihm beibringen, die Stufen hoch und runter zu gehen. Erst langsam, dann schneller, ohne das er sich ein Bein bricht. Ich war mir meinem Entschluss immer sicherer, als ich zurück auf Menek'Ur war. Die Tänzerin applaudierte, während das Unterbewusstsein mit den Augen rollte und sich wieder einem Buch widmen wollte. Jetzt musste ich meinen Entschluss nur noch in Worte fassen und warten. Warten, warten, warten.
Verfasst: Montag 12. November 2012, 20:39
von Malaika Leyla Ifrey
Ich hatte mir eine ruhige Ecke in der Stadt gesucht und hatte mich auf den dampfenden Boden gelegt. Ich wollte für einen Moment an diesem Abend einfach nur allein sein, ganz gleich, was all die anderen von mir forderten oder verlangten. Ich ließ meine Gedanken schweifen und mit ihnen ließ ich all das los, was auf meinen Schultern lastete.
Niemals hatte ich am Vorabend gedacht, dass dieser Streit zwischen Issam und Talib solche Ausmaße nehmen würde. Niemals. Talib lag verletzt im Haus der Ifrey, glich nun vielmehr einer Mumie als einem lebendigen Lebewesen. Aaminah war jenseits ihrer Kräfte, die Arme hatte Talib in der Wüste gefunden. Und mir war irgendwie immer noch nicht ganz klar, weswegen er nun in die Wüste gegangen war. War es der Streit gewesen? Oder dachte er, die Yazir würden mit den Ifrey brechen, was wiederum bedeuten würde, dass seine Hochzeit annulliert sei? Nein, je öfter ich darüber nachdachte: Ich kam bei allem in der Welt nicht darauf.
Meine Gedanken lenkten sich kurz auf Yamaal. Obwohl die Situation so verwirrend war schaffte ich es dennoch ihm ein Lächeln zu entlocken. Ich mochte es, wenn er lächelte oder gar lachte. Denn das gab mir das sichere Gefühl, dass er die Qualen innerhalb seines Herzens vergessen hatte. Und ich wusste, dass der Weg der richtige war. Ich war ihm eine gute Freundin, heiterte ihn auf. Und das war das Wichtigste. Er erinnerte mich so oft an Sinan. Vielleicht war das der Grund, warum ich wollte, dass er loslassen konnte. Und ich war mir sicher, irgendwann würde auch die richtige Frau für ihn kommen, die ihm zeigen konnte, dass er wieder lieben und vor allem loslassen konnte. Die Erinnerung an sein Lachen trieb mir in all der Sorge für einen kurzen Moment ein Lächeln auf meine Züge. Es war schon immer faszinierend gewesen, dass ich mir viel lieber den Kopf um andere zerbrach, als um mich selbst. Was war denn mit mir?
'Vielleicht solltest du erstmal kochen lernen', stänkerte mein Unterbewusstsein selbstgefällig und mit hochnäsigem Blick. Meine Tänzerin lachte schallend und erwiderte daraufhin nur, ich solle aufpassen nicht mehr so tollpatschig zu sein, keiner wolle einen Tollpatsch als Frau. Ich rollte die Augen empor und ignorierte beide.
Und mit meiner Ignoranz kam die Sorge um Talib wieder. Ich wusste auch nicht, was man ihm sonst hätte Gutes tun können. Ich hatte ihm eine Suppe gekocht und versucht, ihm jene einzuflößen. Gar nicht so einfach, wenn jemand ohne wirklichem Bewusstsein vor einem liegt. Ich konnte nur hoffen, dass die paar Schlücke, die er für sich behalten hatte, helfen würden. Ich glaube, ich hatte mich noch nie in meinem Leben so hilflos gefühlt.
Wobei nein, das stimmte nicht. Als Fahima weggeschickt wurde war ich mindestens genauso hilflos. Im Anschluss hatte ich mich ja auf meinen Selbstfindungskurs begeben müssen. Ich öffnete die Augen wieder.
Ich sah eine Sternschnuppe quer über den Horizont sausen. 'Du darfst dir jetzt was wünschen, Tollpatsch.', meine innere kleine Tänzerin war sofort wieder parat und sparte sich ihre Ironie kaum auf. Ich schloss die Augen und schickte meinen Wunsch hinfort. Ich konnte von Glück sagen, dass ich nicht von der Sternschnuppe erschlagen wurde. Und wer wusste schon, was passieren würde: Vielleicht würde sie mir ja meinen Wunsch erfüllen.
Nachdem ich mehrere Stunden da gelegen hatte, man hätte auch glauben können, mich hätte der Blitz getroffen und ich sei umgefallen, so regungslos lag ich da, stand ich wieder auf. Ich musste ins Badehaus, meine Kleidung lag noch dort und ich sollte mich daran machen, diese zu waschen. Ich wollte gar nicht daran denken, welch lieblicher Geruch sich dort breitmachte. Ich konnte mir denken, dass niemand wirklich begeistert davon war, ein entspannendes Bad zu nehmen und den Geruch von Erbrochenem in der Nase zu haben.
Aber wenigstens wusste ich so, was Talib von mir hielt: Er fand mich zum brechen. Ich musste kurz schmunzeln bei dem Gedanken. Der Gute konnte ja gar nichts dafür.
Verfasst: Montag 12. November 2012, 22:54
von Yaamal Ifrey
Yaamal lag nach dem betreffenden Abend oben allein im Männerzimmer.. Er war müde, sein Kopf tat weh. doch der schlaf wollte sich trotzt mehrerer Kaktusschnäpse nicht einstellen.. Immer wieder mußte er an den ganzen Streit denken.. Majdy, Zia, die Hochzeit.. Talib, Issam.. doch immer wieder gingen ihm Momente mit ihr durch den Kopf..
Ihre Erste Begegnung wo er sie zum Haus der Yazir führte, später die Begegnung an der Oase , wo er ihr ein Teil der Früchte gab, damit sie nicht mit leeren Händen zurück kehren mußte. Wie sie ein langes Gespräch führten. sein langer Aufenthalt in der Wüste.. auch von Rashi hatte er ihr erzählt. Irgendwie fühlte er sich spontan zu ihr hingezogen.. sonst hätte er sicher nicht darüber mit ihr geredet.. wo er sie doch kaum kannte..
Einen Tag später dann fast so etwas wie eine Liebeserklärung von ihr... Yaamal war fassungslos.. er versuchte ihr sehr behutsam klar zu machen, daß er durchaus etwas für sie empfinden würde.. doch sein Herz immer noch jemand anderem gehörte. Er war nicht sonderlich gut darin.. er konnte ihren Schmerz erkennen, als sie wieder aus einander gingen..
Am nächsten Tag dann die Szene die sie ihm machte, weil sie gehört hatte, daß er durchaus Gefühle für Shaymaa hätte.. nur mit Mühe hatte er ihr klar machen können daß er nicht vorhatte Shaymaa zu heiraten. daß sie aber einiges mit einander verband, jedoch keine Liebe. Sie rannte fort in die Wüste und Yaamal reagierte nicht schnell genug.. er suchte sie überall aber fand sie nicht. So ritt er zruück zur Stadt, alamierte die Wachen die ausschwärmten. Doch Shaymaa war es dann wohl die sie fand..
Im Laufe der Zeit wurde ihr Verhältnis dann entspannter.. sie trafen sich recht häufig, ob nun zufälig oder gewollt und sie schien ihm verziehen zu haben, was sie ihm nach einiger Zeit dann auch sagte. Oft verbrachten sie ihre Zeit mit einander und noch nie hatte er so oft Lachen können mit einer Natifah. Ständig brachte sie ihn zum Lachen und das Lachen mit ihr tat ihm so gut. Langsam, fast unmerklich schien jedes mal wenn sie ihn oder er sie zum Lachen brachte seine Wunde die immer noch schwärte, ein wenig zu verheilen. Und er ertappte sich durchaus bei dem Gedanken daran was gewesen wäre wenn.. ja wenn er sie nicht abgewiesen hätte..?
Verfasst: Freitag 16. November 2012, 23:12
von Malaika Leyla Ifrey
Ich hatte die letzten Tage trotz der Umstände tatsächlich richtig gute Laune. Woher diese gute Laune kam konnte ich nicht einmal wirklich definieren. Ich kam mit meiner Arbeit gut voran, so gut, dass ich meine Nadel mittlerweile meisterhaft schneidern konnte. Und darauf war ich tatsächlich richtig stolz.
Auch, das Issam mich mit so einer großen Aufgabe vertraut machte, lockte meinen Stolz nur umso mehr hervor. Ich wusste, ich musste mir etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Immerhin ging es hierbei nicht um irgendwen.
Aber was genau war das richtige Geschenk? Ich zerbrach mir stundenlang den Kopf. Natürlich, eine Schwertscheide war ganz klar. Das hatte Issam schon festgelegt. Aber was genau würde diesen Waffengurt so besonders, so einzigartig machen? Ich durchsuchte das ganze Haus nach etwas, was ich gebrauchen konnte. Ein gesiegeltes Schreiben? Sollte ich das Emblem der Familie aufwendig nachgestalten und auf den Gurt sticken? Ich war mir überhaupt nicht sicher. Und ich war müde, sehr müde.
Ich lag eine Weile im Bett, das Gemurmel aus dem Wohnraum störte meine innere Ruhe und ich machte mir weiter Gedanken über das Geschenk. Was auch immer es werden würde, es musste wirklich, wirklich überzeugen. Ein Seufzen überkam meine Lippen. Meine Gedanken entglitten und widmeten sich den letzten Tagen.
Die Situation zwischen den Ifrey und Yazir hatte sich zugespitzt. Aber wie es mir schien, auch wieder entspannt, da Aaminah und ihre Schwester in unserem Haus zu Besuch waren. Warum auch immer, aber es schien sie nicht zu begeistern, dass Aaminah und ich uns so gut verstanden. So gut, dass wir uns gegenseitig unsere Schnittmuster beibringen konnten und wollten. Die Spannung zwischen Aaminah und Issam war kaum zu übersehen. Es überraschte mich, denn laut Shaymaa war Issam doch derjenige, der sich niemals auf eine Frau festlegen konnte. Ich musste schmunzeln. Ja, ich gönnte es ihm von Herzen und mit ihr hatte er eine fähige und vernünftige Frau an seiner Seite. Ich war mir nach meinem letzten Fauxpas sicher, dass ich mir für „so etwas“ noch deutlich Zeit lassen würde.
Ich musste schmunzeln, als ich über Issam und Faysal nachdachte. Allerdings kam mir gleich wieder die einäugige Schlange in den Sinn, was mein Gesicht entgleiten ließ. Faysals Beschützerinstinkt war bei seinen Cousinen sehr stark ausgeprägt, wenn man es so nennen konnte. Ich erinnerte mich an den Abend, als Rashid Issam um die Erlaubnis bat, meine Künste in Anspruch zu nehmen. Es war mir eine Ehre, er schien ein mächtiger Mann zu sein. Also gab ich mein Bestes und kam seinen Bitten nach. Seinen Turban wie auch seinen Gürtel zu reparieren und dann war da noch die kleine Überraschung. Um niemandem etwas von dieser Überraschung zu verraten oder zu zeigen quetschten wir uns in die kleine Umkleide. Faysal schien das Ganze nicht zu gefallen, zweimal stürmte er in die Umkleide und sorgte sich um mein Wohl. Nachdem ich das Ganze mit Erfolg hinter mich gebracht und Rashid zurück zu den anderen in den Wohnraum geschickt hatte, kam Issam nicht weniger später auf mich zugerannt.
„Hat er dir die einäugige Schlange gezeigt?“, ich wusste gar nicht, wovon Issam sprach und sah ihn nur verständnislos an. Geschockt wiederholte ich seine Worte, woraufhin auch Faysal wieder angerannt kam. Sie sahen mich an, als würde die Welt gleich untergehen und ich verstand nach wie vor nicht, was sie von mir wollten. Bei Eluive, welche Schlange denn? Und einäugig noch dazu? Alle Schlangen, die ich gesehen hatte, hatten zwei Augen.
Faysal klärte mich dann darüber auf, dass damit.. keine gewöhnliche Schlange gemeint war. Die Tatsache, dass es dem männlichen Geschlechtsteil entsprach trieb mir die Schamesröte ins Gesicht. Was glaubten die beiden eigentlich von mir? Und von Rashid? Mir blieb nichts anderes, als die beiden über alles aufzuklären. Seitdem hatte ich ein neues Wort, vor dem ich eine kreischende Phobie entwickelte: Einäugige Schlange. Wer bitte war auf so etwas gekommen? Vielen Dank an denjenigen, er hatte es geschafft, mir merkwürdige Träume zu bescheren.
Faysal hingegen schien sein Interesse an Khalida gefunden zu haben. Er wollte sie sogar davon überzeugen, dass sie ein oder zwei Kinder gebären sollte. Ich musste schmunzeln. Khalida von so etwas zu überzeugen war in etwa genauso sinnvoll, wie einem Zwergen Anstand beizubringen. Es würde niemals klappen. Khalida war Khalida. Ich konnte mir keinen einzigen Mann vorstellen, der an die Seite von Khalida passen würde. Einfach, weil sie etwas besonderes war. Sie war das beste Beispiel dafür, dass man alleine glücklich und zufrieden sein konnte, wenn man nur wollte. Ich seufzte wieder leise. Ja, vielleicht hatte ich ja auch irgendwann einmal Glück in meinem Leben. Ich hatte mir schon die unterschiedlichsten Szenarien ausgemalt, wie ich dem Mann meiner Träume begegnen würde und jedes Szenario ließ mich erneut schmunzeln.
Da gab es den Retter auf dem weißen Pferd. Er musste mich aus den aufkeimenden Flammen retten. Bei meinem Glück würde es bestimmt kein weißes, wunderschönes Pferd sein sondern ein faules, störrisches Lama.
Das zweite Szenario war die Liebe auf den ersten Blick. Dieses unendliche Bewusstsein dafür, dass man zusammengehörte, obwohl man sich doch gar nicht kannte. Flausen einer jungen Natifah, so hatte meine Mutter immer gesagt.
Das dritte Szenario war das kämpfen um die Liebe. Zwei verhasste Familien, ein daraus entsprungenes Liebespaar. Ich musste wieder leicht schmunzeln, während sich meine kleine Tänzerin scheckig lachte und mein Unterbewusstsein sich nur noch an den Kopf fassen konnte. Manchmal ging meine Fantasie wirklich mit mir durch. Und ich hatte glatt vergessen, mir Gedanken um das zu machen, was Issam mir aufgegeben hatte. Ich war mir sicher, bis zum Morgengrauen hatte ich eine Idee, die ich dann nur noch in die Praxis umsetzen musste. Aber vorerst musste ich schlafen. Denn eine schöne Natifah brauchte viel Schlaf, um noch schöner zu werden.
Verfasst: Samstag 17. November 2012, 21:01
von Malaika Leyla Ifrey
"Düsteren Frieden bringt uns dieser Morgen. Die Sonne birgt vor Kummer ihr Gesicht. Wir müssen uns um diese schlimme Dinge sorgen. Einige strafen, andere nicht.“
Romeo & Julia
Ich hatte es versucht. Ich hatte es versucht, alles zu klären. Aber diese grenzenlose Sturheit. Ich konnte es verstehen, ich konnte beide Seiten nachvollziehen. Ich war diejenige, die am meisten an Yamaals Worten zweifeln sollte. Immerhin hatte er mir weh getan. Ich war diejenige, die ihm dennoch Glauben schenkte und vor Issam trat. Mein Unterbewusstsein wurde kreidebleich und selbst meine innere aufmüpfige Tänzerin hatte sich verkrochen.
Ich spürte, wie meine Lunge brannte. Ich konnte nicht aufhören zu rennen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Messer in meiner Lunge bohren. Wenn ich könnte, würde ich fliegen. Mir die Freiheit verschaffen, die ich für diesen Moment brauchte. Wie viele mussten noch unter der Situation, unter der Sturheit zweier Familien leiden? Ich hatte mich rausgehalten so gut es ging. Ich hatte bewusst den Raum verlassen oder gar nicht erst betreten, wenn das Thema aufkam. Ich hatte es so gut wie nur möglich von mir ferngehalten. Aber irgendwie war ich es Yamaal auch schuldig, dass er eine Möglichkeit bekam, vor der Familie zu sprechen. Faysal schenkte meinen Worten von Anfang an keinen Glauben. Wie konnte ich auch nur davon ausgehen, dass ein Ifrey die Wahrheit sagte? Ich glaubte einfach an das Gute im Menschen.
Ich wollte weg. Weg von zuhause. Issam sah in seiner Gekränktheit nicht, wie sehr er mich mit seinen Worten verletzt hatte. Dachte er wirklich, dass nur er es war, der leiden würde? Er hatte wenigstens jemanden, den er lieben konnte. Er war nicht derjenige gewesen, der an sich selbst zweifelte, sich selbst in Frage stellte. Ja, ich war mittlerweile soweit gefestigt, dass ich mir keine Hoffnungen mehr machte. Es war besser für ich. Aber dennoch: Die Worte verletzten mich so sehr. Er glaubte tatsächlich, niemand sonst würde leiden. Er wusste nicht, wie sehr all das auf meinen Schultern lastete. Und dabei war ich diejenige, die am längsten von allen ruhig geblieben war.
Ich hörte die Harpien kreischen. Sie freuten sich, dass Frischfleisch an ihnen vorbeirannte. Wie durch ein Wunder konnte ich ihnen entwischen, über die Dünen hinweg. Mein Unterbewusstsein erlitt eine Herzattacke, während sich meine Tänzerin Luft zufächelte und alles aus der Distanz heraus beobachtete. Die Stadt entfernte sich immer weiter von mir, meine Füße trugen mich schneller und schneller hinfort. Der Skorpionstich schmerzte und schwächte mich zugleich.
Irgendwann sah ich nur noch Sterne und ich wusste, es war noch nicht so tiefe Nacht, als das die Wolkendecke über mir schon Sterne offenbarte. Mein Mageninhalt ergoss sich vor mir. Ich sackte auf die Knie und schleppte mich mit letzter Kraft in eines der Zelte. Unsanft landete mein Gesicht im Sand, ich schloss meine Augen. Es war still, sehr still um mich herum.
Verfasst: Sonntag 18. November 2012, 09:33
von Yaamal Ifrey
yaamal war zu Hause. Rija war oben bei Talib, Aaminah war dort und Soraya ein kleiner Sonnenschein der ihm gut tat, ihn von seinen Sorgen ablenkte. Zuvor hatte er auch Malaika getroffen.. mit ihr gesprochen. Sie suchte anschließend Issam, wollte mit ihm reden so daß man hoffentlich den ganzen unsäglichen Streit endlich beenden könne.. Soviel zu mindest zur Hoffnung.
Doch während er da saß und mit Aaminah sprach, fühlte er plötzlich einen Stich im Herzen.. und gleich noch einen. Es war kein Schmerz wie durch eine Verletzung aber dennoch sehr schmerzhaft und instintiv murmelte er ihren Namen "Malaika.. ich muß zu ihr!"
Rija eilte zum Haus der Yazir doch dort war sie nicht, Yaamal eilte davon und schon bei den Wachen am Ostttor wurde er fündig. Sie hatten gesehen wie sie trotzt der warnungen in die Wüste humpelte.
Yaamal ritt zunächst zur Badestelle im Norden, da er dachte daß sie vieleicht hier sein könnte um allein zu sein. Dann ritt er zur Oase. Dort war Nazeeya und Naadiah. Beide schienen sehr bekümmert, doch Malaika hatten sie nicht gesehen und so eilte er weiter kreuz und quer durch die Wüste.
Immer wieder schall sein Ruf durch die Wüste.. "Malaaaaaaaaaaaaaaiaaaaaaaaaa????" Doch es antwortete nur der Wüstenwind.
So kam er zum Lager der Ausgestoßenen, gleich der erste den er befragte, deutete auf ein leerstehendes Zelt, wo er sie fand. Ihr Fuß war geschwollen und sie war vollkommen ausgetrocknet. Er versuchte ihr etwas Wasser einzuflössen, doch sie trank so gierig daß sie sich verschluckte. So stopfte Yaamal ein Stück Tuch von seinem Turban in die Öffnung des Wasseschlauches.. so daß das kühle nass nur tropfenweise herauskam un führte es an ihren Mund. Es dauerte eine Weile dann war der Schlauch leer und sie ein wenig kräftiger.
Verfasst: Sonntag 18. November 2012, 11:11
von Malaika Leyla Ifrey
Ich war erschöpft gewesen und ich glaube, ich hatte noch nie so lange an einem Stück geschlafen. Aber wie sagt man so schön: Schlaf ist die beste Medizin.
Ich hatte es Yamaal zu verdanken, dass ich überhaupt noch aufwachen konnte. Eine Lehre für mich, dass ich mehr trinken sollte. Issam blieb stur und hatte seinen Stolz, er wollte, dass sich Yamaal vor der Familie rechtfertigte. Ich konnte nur hoffen, dass sich dieser unsinnige Streit irgendwann schlichten würde.
Bevor ich einen Korb zusammenrichtete setzte ich ein Schreiben auf und brachte es auf dem Weg zur Oase bei den Ifrey vorbei. Kurze, knappe Worte standen auf dem Pergament:
Salam Yamaal,
ich habe mit Issam geredet. Komm und stelle klar, was du klarzustellen hast. Dieser unsinnige Streit sollte beendet werden, aber dafür muss einer von euch beiden seinen Sturkopf ausschalten. Bitte.
Und mir geht es soweit wieder gut, ich konnte viel schlafen. Und Schlaf heilt ja bekanntlich.
Malaika
Verfasst: Dienstag 20. November 2012, 19:53
von Malaika Leyla Ifrey
Kannst du neben ihr liegen und ihr dein Herz geben.
Dein Herz, sowie auch deinen Körper.
Und kannst du neben ihr liegen und deine Liebe gestehen.
Deine Liebe, sowie auch deine Torheit.
Und kannst du vor dem König knien und sagen "Ich bin sauber, ich bin sauber".
Aber sag mir nun, worin lag mein Fehler, darin, dich zu lieben - mit meinem ganzen Herzen.
Eine weisse, leere Seite und ein anschwellender Zorn.
Du dachtest nicht nach, als du mich zum Rande des Abgrund schicktest.
Du wünschtest dir meine Aufmerksamkeit, aber hast meine Zuneigungen abgewiesen.
[Mumford & Sons – White Blank Page]
Ich hatte nach meinem misslungenen Ausflug in die Wüste viel Zeit zu schlafen. Schon als Faysal mich nach Hause gebracht hatte in meinem desolaten Zustand war mir mehr nach schlafen als sonst etwas. Ich hatte im benommenen Zustand einiges der Streitigkeiten von Yamaal und Faysal mitbekommen. Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich beide in Grund und Boden gebrüllt. Aber mir war es für den Moment egal. Ich wollte schlafen. Einfach nur schlafen. Und das gelang mir auch ganz gut.
Als ich am nächsten Tag nachmittags die Augen öffnete fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Ich hatte so viel Energie wieder aufladen können, aber ich fühlte mich, als hätte ich drei Wochen gefeiert. Dieser bittere Nachgeschmack in meinem Mund ließ mich auf einmal mehrere Gläser Wasser trinken. Ich spürte, wie meine Lebensenergie wieder aufgeladen wurde. Ich konnte den Tag also mit neuer Kraft beginnen. Natürlich war ich mir bewusst darüber, dass ich nicht gleich wieder Bäume ausreißen konnte. Aber für den Anfang sollte Wäsche waschen reichen. Was ich damit größtenteils verhindern wollte war das nachdenken. Ich hatte es satt, über die ganze Situation zwischen Yazir und Ifrey nachzudenken. Das war auch der Grund, weswegen ich zu Yette und Mia fuhr. Ich wusste, es war leichtsinnig. Aber um es in Worte zu fassen: Es war mir egal und die frische Luft tat mir gut. Eine Wache des Hafens begleitete mich und fragte mich, ob ich mir sicher sei. Sah ich so aus, als wäre ich mir nicht sicher gewesen? Ich hatte mich verliebt und wollte zu ihm. Man glaubt gar nicht, wie sehr einen ein Tier beruhigen konnte. Und doch: Der Mustang konnte es. So lange hatte ich mich auf diesen Augenblick gefreut und ich wusste, wir beide würden noch ganz dicke Freunde werden. Yette brachte mich wieder zurück zum Hafen und ich ließ den Mustang verladen. Ich wusste nicht, wie er auf den Transport reagieren würde, aber er schien es gut wegzustecken.
Am Brunnen traf ich auf Khalida und auch auf Faysal. Dieser war nicht sonderlich begeistert, mich auf dem Tier zu sehen. Im allgemeinen schien er den ganzen Tag über nicht sehr begeistert von meiner Anwesenheit gewesen zu sein. Was auch am Abend zu meinen deutlichen Worten ihm gegenüber führte: Wenn er ein Problem mit mir hatte, dann sollte er es mit mir klären. Dieses kindische Ignorieren und dieses eingeschnappte Wesen war nichts, womit ich auf Dauer umgehen konnte. Und auch nicht wollte.
Ich ritt meinen Mustang noch ein wenig aus, um diesem die Stadt zu zeigen und auch, um Khalida zu zeigen, wie schön er laufen konnte. Hinter den Stadttoren wartete Yamaal, mit dem ich im Anschluss, als Khalida weg war, noch sprach. Ich wusste nach wie vor nicht, was ich von allem halten sollte. Aber er war mir ein guter Freund, er sollte die Möglichkeit bekommen, die Missverständnisse aufzuklären. Ich sagte ihm, dass mich die Situation belasten würde, so sehr, dass ich schon darüber nachgedacht hatte, mich für eine Zwangsheirat zur Verfügung zu stellen, nur, damit wieder Ruhe einkehren konnte. Ich sah ihm an, dass er davon nicht sonderlich begeistert war. Jenes tat er dann auch kund. Ich verstand seine Worte erstmals gar nicht, bis er mir dann sagte, dass er an der Oase falsch reagiert hätte. Hätte er gewusst, wie viel wir gemeinsam lachen konnten, wie gerne er mit mir zusammen war, dann hätte er anders reagiert. Ich war verwirrt, was wollte er mir damit sagen? Ich verstand nicht. Ich wollte nicht verstehen. Er hatte mir doch deutlich zu verstehen geben, dass SIE in seinem Leben immer eine Rolle spielen würde. Ich hatte mich doch so schön damit abgefunden. Ich hatte gelernt mit all dem umzugehen und irgendwann musste ich nicht mehr lernen. Irgendwann war es für mich einfach gut gewesen. Und jetzt, nachdem meine kleinen Risse im Herzen verheilt waren, sagte er mir, dass er vielleicht doch mehr für mich empfand als Freundschaft? Mir war die Situation unangenehm. Ich konnte nicht mehr in seiner Nähe bleiben, ich wollte fort. Ich wollte nicht, dass er meine Verwirrung sah. Ja, ich konnte damit nicht umgehen.
Aber wenigstens hatte der Tag noch etwas Gutes: Yamaal suchte gemeinsam mit Harun unser Haus auf, der wiederum alles in ein klares Bild rücken konnte. Die Situation war auch sichtlich entspannter, als alle an einem Tisch saßen. Als dann irgendwann alle aufbrachen wollte ich zu Bett gehen. Irgendwie entschied ich mich jedoch dazu, ins Freie zu gehen und noch ein wenig Luft im Innenhof zu schnappen. Ich war sehr in Gedanken, sah den „Gast“ nicht einmal, bemerkte ihn auch nicht. Er klopfte an das Gitter und ich erschrak, sprang zur Seite und auf meinen lädierten Fuß, was doppelt so weh tat. Ich sprang auf einem Bein hin und her, hielt ihn mir und jammerte. Faysal kam sofort wieder angerannt, so übervorsichtig und fürsorglich wie er war. Ich meinte nur, dass Besuch da wäre und deutete zum Tor, zu dem ich dann auch ging. Es stellte sich heraus, dass ein weiterer Cousin den Weg zurück nach Hause geschafft hatte. Mir waren gleich seine dunkelbraunen Augen aufgefallen. Und er war groß. Und mindestens genauso verplant wie ich selbst, denn seine Schuhe wollten erst einmal gar nicht von seinen Füßen. Ich musste lachen und führte ihn ins Haus um ihn den anderen vorzustellen. Nachdem ich ihm dann noch ein paar Kleidungsstücke in die Hand gedrückt hatte ging ich schlafen. Die Worte von Faysal hatten mir gereicht und ich wusste für mich, dass er mich die nächsten Tage am besten in Ruhe lassen sollte.
Der nächste Tag war für mich noch weitaus vielversprechender. Ich begleitete Issam mit in den Palast. Issam wollte sich als neues Oberhaupt der Familie Yazir bei Ghadir vorstellen und um die Adoption von Faaith bitten. Ich mochte Faaith, sie war... ähnlich wie Khalida. Hart im nehmen aber im inneren ihres Herzens eine gute Natifah. Issam überreichte Ghadir unser Präsent und Ghadir schien davon tatsächlich angetan zu sein. Immerhin wollte er, dass ich ihm eine Rüstung fertigte. Natürlich würde ich das tun, immerhin war es eine Ehre für das Haus Omar zu schneidern. Wenn er meine Künste für sich beanspruchen wollte, dann durfte er das tun. Er bat mich auch, Akram, den Kalifen, in den nächsten Tagen im Palast aufzusuchen. Auch er würde neue Kleidung benötigen. Unterbewusstsein und Tänzerin richteten schon heimlich eine große Feier aus, während ich noch mit der Fassung rann. Meine Güte, war ich stolz auf mich. Aber ich musste mich zusammenreißen. Ich konnte nicht einfach aufspringen und mitten im Palast vor den Augen vor Ghadir zu tanzen anfangen. Das war ein Ding der Unmöglichkeit. Also musste ich warten, bis wir wieder auf dem Weg nach Hause waren. Natürlich setzte ich mich zuhause auch gleich an die Arbeit. Immerhin wollte ich das Haus der Omar nicht warten lassen. Und eine gute Rüstung benötigte doch einiges an Zeit und ich durfte mir hierbei keinen Fehler erlauben. Keinen einzigen.
Verfasst: Sonntag 25. November 2012, 11:03
von Malaika Leyla Ifrey
Ich lag unter dem Pavilion auf der Dachterrasse und konnte die Sterne zählen. Wie viele waren es? Unsagbar viele. Mein Abend im Palast war wunderschön gewesen. Es war so beeindruckend dort und obwohl ich so richtig Angst davor hatte, vor den Kalifen zu treten, war ich so positiv überrascht vom Verlauf des Abends.
Anfangs hatte ich ein wenig Zeit mit Ghadir, konnte ihm seine Rüstungen und Tränke überreichen und meine geschneiderte Rüstung auf korrekten Sitz überprüfen. Er bat mich, ihn zu begleiten und wir gingen weiter in den Palast rein. Ich starrte mit großen Augen umher, so prunk- und prachtvoll war der Palast. Meine Tänzerin seufzte leise, während mein Unterbewusstsein schon den Antrag stellte, im Palast einzuziehen. Ghadir zog sich zurück, um in die Rüstung zu schlüpfen. Ich wartete artig und erhob mich wieder, als er zurückkam. Ich spürte die Anspannung, die seinen Körper durchzog, als meine Hände ihn berührten. Nicht direkt ihn, aber die Rüstteile, die um seinen Körper lagen. Ich musste dies tun, ob ich oder er wollte oder nicht. Es schien, als würde ihm ein Stein vom Herzen fallen, als ich mit meiner Inspektion fertig war. Er ging wieder in einen separaten Raum, um sich umzukleiden. Währenddessen trat ich zu einem der Fenster hin und sah in den Innenhof des Palastes. Der Palastgarten war überwältigend, mir klappte die Kinnlade runter und ich kam aus dem Starren gar nicht mehr raus. Es musste wundervoll sein, hier zu leben.
Während ich aus dem Fenster sah kam Ghadir zurück und musterte mich intensiv. Ich drehte mich wieder um und war überrascht, dass er doch schon wieder zurück war. Ich sah ihm verlegen entgegen und entschuldigte mich für meine Neugier. Er lächelte jedoch, konnte meine Neugier verstehen. „Wenn du Zeit findest, kannst du mich gerne im Palast besuchen kommen, sofern ich zeitlich nicht eingespannt bin. Dann zeige ich dir den Palastgarten.“
Er konnte sich gar nicht vorstellen, welchen Tanz meine innere Tänzerin und mein Unterbewusstsein miteinander aufführten, so sehr freuten sie sich. Ich konnte meine Freude darüber auch nicht recht verbergen. Auch hier lächelte er wieder, bis sich seine Züge wieder verfinsterten, ernster wurden. Von jetzt auf gleich war der lächelnde Ghadir zu einem distanzierten Menekaner geworden, der mich zum Kalifen bringen wollte.
Am Ende des Abends war ich sehr stolz auf mich. Ich hatte die Familie gut im Palast repräsentiert und konnte den Auftrag, die Garderobe für den Kalifen herzustellen, mit nach Hause nehmen.
Verfasst: Sonntag 25. November 2012, 13:10
von Malaika Leyla Ifrey
» Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann. «
- Dietrich Bonhoeffer
Ich schlug die Augen auf und lächelte. Aus ganzem Herzen. Der Tag begann mit Sonnenschein und einer klaren, aber bestimmten Melodie in meinem Herzen, die ich schon jetzt anfing zu lieben. Ich trug das Lächeln weiterhin bei mir, mitten in meinem Herzen.
Leichtfüßige Bewegungen brachten mich hin zur Waschschüssel und ich tauchte meine Hände und den Schwamm in das kalte Nass. Gänsehaut legte sich über meine sonnengebräunte Haut, ich lächelte wieder. Konnten sich so Berührungen anfühlen? Kaum zu glauben, wie sehr ich mich danach sehnte, dies irgendwann herauszufinden. Ich nahm eines meiner Öle und bedeckte meine zarte, unversehrte Haut mit einem leichten Ölfilm. Der sanfte Geruch von Kokosnuss durchströmte den Raum und erweckte meine Geister zunehmend. Es war noch nicht wirklich hell draußen, die meisten schliefen noch, als ich mich wieder auf die Dachterrasse schlich. Wieder legte ich mich auf den Kissen nieder und starrte zum Horizont, wartete auf den Sonnenaufgang, der den Tag herbeirufen sollte. Fayza saß ebenfalls auf den Dächern und sah zu mir, legte ihren Kopf beiseite und miaute. Ich schloss die Augen, ich wollte für den Moment mit mir und meinen Gedanken alleine sein. Ich dachte an ihn. Konnte man hier von verliebt sein sprechen? Mein Herz begann, schneller zu schlagen. Und wieder lächelte ich. Ich spürte dieses Feuer in meinem Herzen, diese kleinen, lodernden Flammen, die immer stärker wurden, desto öfters ich ihn sah. Ich hatte alles vergessen, alles vergessen wollen, was mir jemals über Liebe und Verliebt sein erzählt wurde. Ich hatte alles für nichtig erklärt, was ich zuvor empfand.
» Wo Verliebte sich ansehen, erhält das Feuer ihrer Liebe neue Nahrung. «
- Gottfried von Straßburg
Ich dachte daran, wie ich die Treppen vom Schlafsaal herunterkam. Er nahm gerade ein Schluck Wasser, als er mich sah und verteilte es prustend über der ganzen Küchenzeile. Meine Tänzerin tanzte in mir kleine Pirouetten und klatschte dabei erfreut in die Hände. Mit solch einer Reaktion konnte eine Frau doch zufrieden sein. Ich sah in seinem Blick etwas weiches, einfühlsames. Ich wollte bei ihm sein, ich hatte dieses unterbewusste Ziehen in meinem Körper noch nie vernommen. Tausende, abertausende kleine Krabbeltierchen, die meine Adern und Venen erklommen und dafür sorgten, dass ich weiche Knie bekam, sobald ich ihn sah. Wie konnte das sein?
Ich erinnerte mich daran, als ich am selbigen Abend von der Bank in der Schneiderei fiel. Er war da und fing mich auf, hielt mich in seinen Händen. Ein Strom winzigkleiner Aale durchzog meinen Körper, mein Unterbewusstsein sah mich schockiert an und meine kleine, durchtriebene Tänzerin freute sich wie ein Honigkuchenpferd. Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst blicken sollte – letztendlich waren es jedoch die dunkelbraunen Augen, die mich fesselten und nicht mehr loszulassen schienen.
Der sanfte Pfotenhieb von Fayza riss mich aus den Tagträumen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und ich zog die Luft tief ein. War das wirklich alles möglich? Ich wusste nicht, wie er mich sah. Konnte er das Gleiche für mich empfinden? Konnte er mir zeigen, dass ich „gut genug“ war? Das ich es verdient hatte, als einzige, alleinige Frau geliebt zu werden? Ich setzte mich auf. War ich wirklich soweit, mich so intensiv auf dieses Gefühl einzulassen?
Verfasst: Sonntag 25. November 2012, 13:20
von Yaamal Ifrey
Yaamal seufzte tief..
schon seit Tagen hatte er sie kaum gesehen, außer kurzen blicken bei ehr offiziellen Anlässen. Doch außer einem Salam Alaikum konnten sie kein Wort mit einander wechseln. Er vermisste sie.. ihr Lachen fehlte ihm und ertappte sich bei dem Gedanken daß er seit einigen Tagen viel öfter an sie als an Rashi denken mußte. viel öfter mit der Gegenwart oder einer eventuellen Zukunft beschäftigt war als vergangenem hinter her zu trauern..
Doch seit dem er ihr seine Gefühle offen gelegt hatte, schien sie ihn zu meiden. Noch vor kurzer Zeit traf er sie dauernd wie zufällig.. aber seit diesem Abend, an dem sie regelrecht von ihm geflohen war, nichts mehr...
Er wollte sich noch nicht damit abfinden ihre Liebe verloren zu haben und grübelte wie er einen Weg zu ihr em Herzen finden könnte.
Da ergab es sich daß er Nephrit kennen lernte, eine kleine Natifah die im Hause Yazir lebte. Sie schien jedoch große Angst vor Männern zu haben, was Jumanah auch bestätigte.
Jedoch kam ihm eine Idee.. zwei Fliegen ähm Schwalben mit einer Klappe, dachte er sich grinsend.. und schon nahm er die Gestalt einer Schwalbe an. Dies hatte auch den Vorteil daß man durch offene Fenster hineinflattern konnte.. und so freundete er sich mit Nephrit an.. die allerdings bald zu spüren schien, daß dies keine so ganz normale Schwalbe war...
Deweil horchte er konzentriert ins Lied hinein.. versuchte ihre Liedstrukturen ausfindig zu machen.. Als er sie gefunden hatte, schickte er eine Botschaft zu ihrem Geist.. doch das anschliessende Rumpeln zeugte deutlich davon wie sehr sie sich erschrocken hatte. Er wollte ihr alles erklären und webte an einer Illusion.. Malaika sollte wissen daß er es war und so kam es daß sie wohl kurz vorm Einschlafen sah wie sich ein Vogel verwandelte und die Gestalt von Yaamal annahm.. Traum oder Vision.. was würde sie denken.. er hoffte sie würde die Botschaft verstehen.
Verfasst: Freitag 30. November 2012, 11:40
von Malaika Leyla Ifrey
Nach dem Aufeinandertreffen von Yamaal und mir saß ich lange in der Schneiderei. Ich war nachdenklich, ja, sogar fast traurig. Ich wollte weinen, aber irgendetwas ließ mich nicht weinen. Hatte alles soweit kommen müssen? Er hatte mir gesagt, er hatte mir doch gesagt, er könne sich auf nichts einlassen. Ich hatte ihn anfangs gern gehabt, so gern, dass man gemeinsam an etwas Besonderem hätte arbeiten können. Da kannte ich seine Geschichte noch nicht. Natürlich konnte ich seinen Verlust nachvollziehen. Mehr als er vielleicht vermutete, kannte er meine Geschichte nicht. Nie hatte sich jemand für meine Geschichte, meinen Verlust aufrichtig interessiert. Ich hatte schlicht und ergreifend gelernt, damit umzugehen. Ich hatte an dem Tag in der Oase verstanden, warum Yamaal so war, wie er war. Und hatte ihn mit all dem akzeptiert. Was hatte er denn von mir erwartet? Dass ich nach wie vor hinter ihm her lief wie eine läufige Hündin? Obwohl ich ihm nicht genügt hatte? Ich hatte ihm dort schon erklärt: Hätte es sollen sein, dann hätte er es in mir erkannt.
Nach seinen letzten Worten hatte ich das Gefühl bekommen, dass er es ernst mit mir meinte. Aber warum jetzt? Warum jetzt, wenn ich längst wieder einen Weg gefunden hatte, mit allem umzugehen? Warum jetzt, wo ich mein Herz längst wieder an die Liebe glauben ließ und daran, dass auch ich irgendwann jemandem reichen würde? War ich für ihn nur eine Art Ablenkung? Er hatte selbst zugegeben, dass er mit mir viel Lachen konnte, dass er immer weniger an das Vergangene dachte. Das war schön. Und es ehrte mich auch. Aber jetzt war ich in der Position, um ihm etwas zu sagen: Ich war eine Frau, die ihren Mann und vor allem die Liebe ihres Mannes, das Herz ihres Mannes, für sich alleine haben wollte. Ich glaubte ganz tief in mir an diese eine, aufrichtige Liebe, die zwei Menschen füreinander empfinden konnten. Und auch empfinden wollten.
Ich hatte mich ihm nicht entzogen, obwohl er mich mit seinen Worten gekränkt hatte. Worte, die er offensichtlich gar nicht so gemeint hatte, wie sie bei mir vielleicht ankamen. Er wusste nicht, was er in mir ausgelöst hatte. All die Zweifel, ob ich überhaupt genügsam war. Ob man so eine Natifah wie mich überhaupt mögen, ja, lieben konnte. Ich wollte kein Ersatz sein, keine Ablenkung von den Schmerzen. Ich wollte...
Meine Gedanken wurden unterbrochen, als Rasin vor mir stand. Ich sah zu ihm auf. War er es? War er es, der mir all das zeigen und geben konnte, was ich so verzweifelt verloren glaubte? Ich wusste es nicht. Er sah mich und meine Zweifel, hörte mir zu. Antwortete mir auf meine Frage. Ich sei wunderschön, hatte er gesagt. Es wärmte mein Herz, ließ es schneller schlagen. Dennoch fand ich innerlich in dem Moment keine Freude daran. Nicht so, wie ich es sonst getan hätte. Weil mich Yamaals Worte belasteten. Weil ich wusste: Nicht jeder war wie ich. Nicht jeder konnte einfach weiter machen und Freunde sein. Und damit würde ich einen sehr guten Freund verlieren. Zum zweiten Mal.
Die Bestätigung fand ich darin, als er mir unterkühlt entgegentrat. Er sah mich nicht an, vermied den sonst vorhandenen Blickkontakt. Er suchte nicht einmal danach, was mich dazu zwang, auch jenen nicht zu suchen. Ich kam mir deplaziert vor, unerwünscht. Ich spürte die Mauer, die er aufgebaut hatte. Von Freundschaft war keine Spur mehr zu sehen. Ich hatte ihn verletzt, so viel stand fest. Wie konnte er nur vergessen, dass er mir das Gleiche angetan hatte? War es allein meine Schuld?
Ich hatte den Mut, ihn um ein späteres Gespräch zu fragen. Doch als er seine Zustimmung gab und verschwand, wich jeglicher Mut aus meinen Knochen. Ich wollte ihm nicht noch mehr weh tun. Nicht noch mehr in seinen Wunden bohren und diese wieder aufreißen. Ich presste die Lippen zusammen und ging nach Hause, um für mich eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Ich hatte ihn verloren, indem ich nicht mehr den Anforderungen einer potenziellen Frau an seiner Seite entsprach. Er hatte mir anfangs deutlich gemacht, dass er sein Herz nie öffnen könnte, solange Rashi ein Teil von ihm war. Ich hatte das Beste daraus gemacht, war ihm trotzdem eine gute Freundin. Und was war der Dank dafür? Ich ließ mich auf die Bank fallen und weinte. All die angestauten Tränen, die ich über Wochen, Monate angesammelt hatte – sie liefen über meine Wangen. Ich nahm ein Pergament und begann zu schreiben.
Lieber Yamaal, ich weiß, ich bat dich um ein Gespräch, in welchem ich mit dir reden wollte. Doch glaube ich, würde ich die Worte nicht finden, würde ich vor dir stehen. Es tat mir weh, dich vorhin so zu sehen und zu wissen, dass ich Schuld daran trage. Verzeih mir bitte, dass ich auf deine Worte an der Oase weitergemacht habe. Ich weiß, ich habe dir etwas bedeutet. Aber nicht genug. Ich habe weitergemacht, habe mich weiterhin mit dir getroffen, obwohl es mir jedes Mal einen Stich versetzt hat. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich wollte dich nicht dafür leiden lassen, dass du deine Vergangenheit hast und wollte dir helfen, diese zu verarbeiten um irgendwann eine Frau zu finden, die dich von vorne herein so fesselt, dass du dir umgehend eine Zukunft mit ihr vorstellen kannst. Es ist töricht von mir zu erwarten, dass das, was uns verbunden hatte – diese tiefe, aufrichtige Freundschaft, weiterhin Bestand haben wird. Ich habe deinen Schmerz vernommen, was auch mein Herz schmerzen ließ. Ich gebe dir mein Versprechen, dass ich dich nicht mehr mit meiner Anwesenheit belästigen oder schmerzen werde. Brauchst du eine Freundin, bin ich für dich da. Du weißt, wo du mich finden kannst. Ansonsten werde ich mich von dir fernhalten. Malaika
Ich band eine Schleife um die Pergamentrolle und brachte sie zum verabredeten Treffpunkt. Auch, wenn es weh tat, aber ich hatte meine Entscheidung getroffen. Es war besser so: Für ihn. Ich würde mit all dem zurecht kommen. Das konnte ich schon immer gut. Für einen Moment sah ich über das Meer, als ich in dem kleinen Pavillion stand. Ich schloss meine glitzernden Augen und verdrängte meine Wut, die mich zum weinen bringen wollte. Mit gesenktem Blick drehte ich um und ging wieder nach Hause. Das Röllchen legte ich auf die Bank. Dort würde Yamaal die Rolle finden. Vermutlich hatten sie sich auch nur wenige Lidschläge verpasst...
Verfasst: Freitag 30. November 2012, 12:12
von Yaamal Ifrey
Yaamal seufzte tief als er ihre Zeilen las.. Er hatte sie nicht schon wieder verletzen wollen, doch sein Schmerz war zu tief.. er hatte eine dicke hohe Mauer um sich errichtet, versuchte keine Gefühle mehr zu zulassen..
Der Schmerz blieb trotzdem und würde wohl sein Leben lang ein treuer Begleiter sein. Es gab so vieles was ihr ihr noch sagen wollte.
Er wollte um ihre Liebe kämpfen, auch seine Schwestern hatten das von ihm verlangt. Doch niemand außer Sabeena wußte wie es um ihn wirklich stand.
Wie er tagtäglich darum kämpfte nicht in diesen abgrundtiefen finsteren Strudel zu fallen, der sich vor seinen Füßen aufgetan hatte, als sie ihn mit sanften, behutsamen Worten zurückwies.
Ja er wußte nun wie sehr solch eine Zurückweisung schmerzte auch wenn man noch so sehr versuchte den Schmerz zu begrenzen. Leise seufzend schrieb er eine kleine Notiz, übergab diese dann einem Flügeläffchen.. der sie dann Malaika bringen würde..
Liebe Malaika,
auch ich hoffe daß unsere Freundschaft bestand haben wird, doch wie du dir sicher denken kannst, ist der Schmerz im Moment noch sehr groß. Dennoch würde ich gerne mit dir reden.. dir erklären was in mir vorgeht. Mit meinem Verhalten wollte ich dich neda verletzen. Ich versuchte nur mich selbst zu schützen und errichte dicke hohe Mauern um mich herum.. Doch gegen den Schmerz nützen auch diese nichts.
In mir geht so vieles vor.. doch würde ich es vorziehen es dir persönlich zu erklären als in einem Brief, so du mich denn noch sehen willst.
