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Ein Neubeginn, oder auferlegtes Schicksal?
Verfasst: Montag 22. Oktober 2012, 10:51
von Orhohn
Ein heftiger Hustanfall riss Orhohn aus seinen unruhigen Schlaf. Mit weichen Knien verlies er das Schlafzimmer des Gasthauses und atmete tief die frische, kühle Morgenluft ein – in der Hoffnung sie möge ihn wachrütteln.
... ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang
... klang es in seinem Kopf nach. Luminaras Worte, soweit er sich noch daran erinnern konnte, waren mehr als einleuchtend. So viele Jahre hatte er sich seinem mageren Schicksal hingegeben, sich nur geärgert und den Frust wortwörtlich hinuntergeschluckt.
..warum einer Arbeit nachgehen, die einen nicht erfreut?
An Freude konnte Orhohn derweil nicht denken, sein Magen rebellierete und ihm wurde immer wieder schwarz vor Augen. .. hatte er zuviel von Graulists freiem Wein getrunken? Das waren doch nur zwei Flaschen gewesen! Der Direktor,.. da war doch etwas – Kunst, Männer,.. Malerei – sein prall gefüllter Goldbeutel versicherte Orhohn, dass etwas vereinbart gewesen war, aber blos was? Zumindest gutes Gold brachte es, .. schaden würde es sicher auch nicht.
Mehr taumelnd als gehend, suchte Orhohn den ganzen Vormittag vor Bajards Toren nach Grünzeug, wobei er das meiste des Gerupften wieder verwarf. Mit ein paar Büscheln Fingerhut schwankte er wieder zurück zum Fischerdorf, dabei immer wieder seinen achsotollen Lehrmeister verfluchend, dessen Arroganz und Unwissen ihn in diese missliche Lage geführt haben muss. Vielleicht liese sich noch etwas Ginsengwurz finden – ob solch ein Sud ihn stärken könnte, oder hatte er auch hierbei nur stumpfsinniges gelernt?
Weiber,.. nichts als Ärger!
Hoffentlich fände er baldig Luminara in der Freien Herberge an, denn wenn sie ihn schon sichtlich angesteckt hat, solle sie ihm zumindest auch wieder beim Loswerden helfen! Sie,.. .. oder zumindest irgendwer anderer.
Kurz, für einen Moment, überkam Orhohn der Gedanke, dass dies vielleicht eine weitere Folge sei, von seinem Erlebnis neulich,.. Jedoch, dieser damalige unbeschreibliche Moment hatte rein gar nichts mit seinem jetztigen Elend zu tun, und so verwarf er diesen Gedanken, während er eine undefinierbare Masse aushustete.
Verfasst: Samstag 27. Oktober 2012, 12:17
von Orhohn
Verkatert und immer noch verschlafen dreinsehend erwachte Orhohn auf der Holzbank am Balkon. Fast hatte er es ins Bett geschafft!, dachte er während er sich streckte und laut gähnte.
Was für Tage! Wenn ihm die ihm nicht die gefälligen Götter gut gelaunt gewesen waren, was sonst hätte ihm die letzten Tage soviel Gutes gebracht? Gleich wohin er kam und agierte, sein Bauch, sein Goldbeutel ja sogar sein Kopf füllte sich mit brauch- und verwertbarem Inhalt. Gut,.. dass er sich die Mühe gemacht hatte der rothaarigen Janya zu imponieren und sogar zu helfen ging nach hinten los. Und sie schien die Nacht bei diesem schwafelnden Hochnasegeborenen von und zu Yota verbacht zu haben, der ihr seinen "Rapier" zeigen wollte - statt bei ihm selber. Ja, aber sonst hatte er seit sehr langer Zeit kaum einen Frust oder Ärger mehr, der auf seiner Seele wie Gemüt lastete.
Ach Frauen,.. so eigen!
Er verstand Nym schon gut, dass sich jener sich rächen wollte. Aber so eigenartig? Wenn er eine als Giftuntermischerin bezichtigte, der Knüppel wäre Orhohns Wahl der Lösung. Aber ein Haarfärbemittel?! Auf was für eine schwierige Tat hatte er sich da eingelassen.... Welch ausgeklügelten Plan musste er sich hierzu ausdenken, um dieser unbekannten Verena die Tinktur – lebendig! - über den Kopf zu leeren? Wobei seine Gedanken hierbei immer wieder beim Holzprügel endeten.
<<Ich glaube nicht, dass du ihr auf die Finger schaust wenn sie anfängt zu mischen.>>
Ja,.. da hatte Luninara irgendwie schon recht. Auch wenn Orhohn nicht nur das Gefühl, sondern nun auch schon die Bestätigung hatte, dass in Sophie weit mehr steckt, als das was der Ausschnitt ihres Kleides Preis gibt. Aber irgendwen musste Orhohn finden, er hatte endlich nicht nur die Möglichkeit, ja auch den Willen gefunden, sich nicht mit einem simplen, einfachen Dasein abzugeben. Da ist doch noch viel mehr in dieser simplen Welt, voll mit von Phanoidans Gut benachteiligter Gerstalten, als er mit seinen Augen bisher gesehen hatte. Und diese Erkenntnis schien ihn seit Wochen, seit damals, zu verfolgen. Oder irgendetwas musste er finden,.. .. vielleicht in den vielgepriesenen Büchern? Sophie konnte ihm schon mehr über diese Bibl,.. Bioth,.. Bücherei nahe einem Kloster berichten. Ob er dort fündiger würde?
Verfasst: Freitag 2. November 2012, 10:32
von Orhohn
Welcher Gott auch immer Orhohns Treiben verfolgt hatte, er dankte ihnen allen, denn simpler Zufall konnte dies alles nicht sein! Die lange und mühsame Reise gen Adoran, um Mischmeister Mordok etwas Pilzpulver andrehen zu können – wobei ihm jener wieder weit mehr für die eigenen Reagenzien abnahm – endete weit ergiebiger, als es sich der dickliche vorstellen konnte. Denn nicht ohne Grund war Lilian, die Hüterin des Wissens bettlägrig im Heilerzimmer nebenan, mit genau solchem auf ihren Schoß ruhend, wonach er gesucht hatte: Wissen um mehr. Die Schnapsflasche teilte er nur allzu gerne, und die Erwartung auf die "Farben der Alchemie" trieb ihn die Tage immer wieder ungeduldig an, um nach Nachrichten für ihn zu erfragen. Er sollte wohl auch hierbei sein Schicksal selber mehr in die Hand nehmen...
Welch verlockendes Angebot von der Leiterin Derya! Ein eigenes Zimmer, Zutaten und Reagenzien,.. soviel er für seine Versuche auch benötigen sollte! Aber dennoch hielt sich seine Begeisterung in Grenzen. Abermals eine Gesellenschaft? Und so freundlich jene Dmae schien, machte sie dennoch einen strengen Eindruck, als wolle sie sehr geordnet die Handwerkszunft führen. Das klang dann schon fast wieder nach den Verhältnissen, aus den er unlängst entwichen war. Und ausserdem, bei soviel Kundschaft, die dort ein und aus ging, käme er sicher nie dazu sein Ziel zu realisieren endlich einmal gut Lesen zu können. Und vielleicht verstand er dann endlich, was die teils seltsamen Worte der "Gebildeten" um ihn herum bedeuten.
Wie nervös er doch war! Ganz allein gelassen im Museum, und dann kam eine – seine erste! - Besucherin, und dann noch dazu die großstämmige Thyrin Lidwina, in Fellen gehüllt und haufenweise hölzernen und knöchrigen Schmuck an ihr hängend, als sei sie selber eins von Graulists Kunstwerken. Dabei war sein Wissen über die eine Kunst so bescheiden, dass er nach allen Erinnerungsfetzen griff, die er in den letzten Tage aufgeschnappt hatte. Den ewigen Kampf der beiden Krebse hatte er noch am ehesten verstanden, wie auch die vielen Aktbilder an der Wand, welche aber der Ahnenruferin sichtlich nicht gefielen. Dann ihre seltsame Gestik, den ersten Weinschluck ins Feuer zu giessen, welch Verschwendung! Und dann noch für die sowieso schon krepierten Vorfahren... ..welche ihm an sich nichts hinterlassen hatten, zumindest war er sich seines besonderen Erbes nicht bewusst. Ihre Geschichten über die Geister taten ihr übriges, dass er weiter nervös wie fast schon paranoid allerlei Stumpfsinn daherbrabbelte, was aber dennoch einen gewissen Eindruck hinterlies: die Barbarin schien nicht nur seine Worte zu hören, sondern auch aufzunehmen! Beeindruckt von seiner eigenen künstlerischen Leistung, kam er im Keller so richtig in Fahrt, als er ausschwenglich über Karlsmanns Heldentat sprach, wie jener im tagelangen Kampf den Blutwolf niederstreckte und somit ganz Bajard rettete. Genau die passende Geschichte für solch eine Wilde...
Verfasst: Freitag 9. November 2012, 14:19
von Orhohn
Zufrieden stopfte Orhohn die Kleidungsstücke in die Truhe. So viele gute Stücke, mehr als er je gehabt hatte. Ailidian hatte gute Arbeit geleistet, und all die Komplimente die er dafür bekam – er war ja sowas von stolz! Die Arbeit im Kunstlerhaus lohnte sich jeden Tag immer mehr, all der Wein, dies Gold und der stetige Strom an herbeigelockten Besucherinnen – sowas gefiel ihm!
Stolz oder erfreut, nein das waren einige Bajarder nicht auf Nym, was Orhohn nicht sonderlich gefiel. War Nym doch ein netter Kerl, ein guter Kamerad und ausserdem, ... gerade jene die dieser Schwangeren am meisten nachtrauerten und sich Vorwürfe machten, schienen sie nicht einmal gekannt zu haben. Ja, es war und ist kein Freudensfest, wenn sich ein Rabendiener sein Opfer holt – aber tat ein solcher das nicht auch aus irgendeinem bestimmten Grund? War die schwangere Frau vielleicht selber daran schuld, hatte sie gar selber einen Pakt mit dem Dämonen geschlossen? Orhohn wusste da genau so wenige Antworten, wie die Umherjammernden, außer dass er Roland sicherlich vermisst hätte und er selbst sein Leben für so eine Unbekannte aufs Spielsetzen würde, so ganz ohne Belohnung.
Wäre dieser verfluchte Herbstregen nicht, oder dieses immer wiederkehrende Ohrensausgetöne, es gäbe kaum noch Grunde zum Murren. Schnaps zum Ohrenputzen half derweil nicht, und dieses mitschwingende Hintergrundgeräusch, ähnlich eines musikalischeren Abends in einer vollgerammelten Taverne, störte schon sehr. Vor allem wenn er sich mit anderen unterhalten wollte, denn wer mochte es schon gerne immer wieder von einem scheinbar Schwerhörigen angebrüllt zu werden?
Orhohns duchscheinender Blick , das wäre es - was für eine meisterliche magische Manipulation! Wenn er sowas beherrschte, er säße nur noch gierig gaffend vor der Bank und würde allen Frauen noch mehr nachstarren. Aber Sophie hatte ihm erläutert, dass es nicht ganz so klappen würde, wie es sich in seiner Fantasie vorgestellt hatte. Ganz hatte er das mit dem Illusionsding nicht verstanden, mit Magie hatte er noch nie was am Hut gehabt, aber der Gedanke daran erfreute ihn immer noch.
Seine Fortschritte in der Alchemie und Lesekunde gingen noch nicht weiter, auch wenn er nach unzähligen Tagen endlich die Bibliothek gefunden hatte, besser gesagt aus deren Stall heraus, gelotst von der herabrufenden Stimme Shalas. Wie und warum hatte sie diesen Ort vor ihm gefunden? Sie musste noch wiffer sein, als er ihr es beim ersten Treffen zugetraut hatte, als Nym wieder mal von der halben, domestizierten Tierwelt verfolgt und angegriffen wurde. Zumindest war sie so gütig Orhohn der Stifel wegen hinzuweisen, und ihm eine kleine Führung durch die Bücherei zu geben. Sogar das ersehnte Buch fand er mit ihr, den Farben der Alchemie – mit exemplarischen Anhang!
Alles hätte so schön werden können,.. er mit dem lehrreichen Buch auf seinem Schoß, daneben oder gar ebenso drauf die mit Sommersprossen besprenkelte und die Hüterin fröhlich vor dem Zitronenkuchen. Aber nein, diesmal machten ihm die Göter einen Strich durch die Rechnung. Wer wen und überhaupt warum wie entführt worden war, das begriff Orhohn noch immer nicht, nur dass Lilian nicht erfreut der "Einladung" des rahalanischem Rudels gefolgt war. Schwergerüstete und Robenträger können sehr überzeugend wirken! Das damit aber ebenso die Hüterin seines Wissens, nachdem er gesucht hatte, ebenso aus seiner Reichweite gebracht wurde, verstand er hingegen schon. Sollte er sich da raushalten und schweigen, so wie es ihm Nym geraten hatte? Aber es ging doch hierbei um etwas, dass Orhohn wollte, nachdem er innerlich gierte, auch wenn er eher bei Braten und Bier erst so richtig zu Sabbern anfing. So überlies er dem göttlichen Schicksal den weiteren Verlauf, und machte sich nach auf Adoran zur Magierakademie der Stellvertretenden Leiterin Lilian, so wie es ihm die andere Stellvertretenden Leiterin Sophie der anderen Akademie erählt hatte. Kompliziert, diese Magier! Den Weg kannte er noch gut, verhalf er doch schon einst mal der Künstlerschar das wortwörtlich herrliche Abbild der Magierin Feruins dorthin zu schleppen, nur um nach der spontanen Aktionskunst, das zu seinem Initiationsritual in die Künstlerschaft wurde, jene schwere Statue noch weiter zu schleppen. Der Magier, oder war es der Hausmeister?, war offensichtlich ebenso schwerhörig wie Orhohn, stellte er doch seltsame Fragen, vor allem nachdem sich Orhohn verplappert hatte. Gerne hätte er jenen noch nach dem beschwerlichen Ohrenrauschen gefragt, jedoch hatte es der Robenträgende dann recht eilig gehabt, so dass Orhohn unbeantworteter Frage das Gelände des Konziles verlies. .. der Tag war wieder mal lange geworden, aber zumindest hatte der angedepschte Zitronenkuchen noch gut geschmeckt!