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Vorbereitungen

Verfasst: Donnerstag 27. September 2012, 15:14
von Releana Kelbela
Ihre Finger strichen sachte über das weiche Leder des Gürteletuis. Geschickt löste sie die lederne Schnur, die es zusammen hielt und klappte die verborgene Tasche auf. Licht brach sich auf den Klingen aus feinstem Diamant, lief die Schneiden der Skalpelle entlang, glitzerte auf den Spitzen der verschiedenen Nadeln. Jedes Stück befand sich an seinem Platz, jedes Stück war in einwandfreiem Zustand, von eigentümlicher, kalter Schönheit. Sie hoffte dennoch, dass sie in den nächsten Tagen nicht zum Einsatz kommen würden. Zumindest nicht an seiner Heiligkeit. Mit einem besorgten Blick klappte sie das Mäppchen wieder zusammen, verschloss es mit der fein geflochtenen Kordel aus Wildleder sorgfältig und brachte es zwischen Rapier und Kriegsgabel an der Uniform an.

Ein weiterer Beutel wurde geöffnet, darin einige kleine Metalldosen. Dose für Dose wurde emporgehoben, der Füllstand und die Beschriftungen in der alten Sprache sorgfältig gemustert. Der Einsatz dieses Beutels wäre nicht ansatzweise so schlimm wie der des Bestecks, doch sie hoffte, dass ihr auch das weitgehend erspart bleiben würde. Dennoch, falls es erforderlich sein würde befand sich darin genug um von einem Magenleiden bis hin zu verschiedenen Verletzungen alles zu behandeln.

Stück für Stück überprüfte sie ihre Ausrüstung, ersetzte verbrauchtes und ergänzte alles notwendige, um sich vom Dienst in der Stadt umzustellen. Natürlich hatte sie wie auch ihr Adjutant die Hoffnung, dass sie überflüssig sein würde, aber sie würde dennoch hingehen wie sie an die Front zog. Er wusste darum, dessen war sie sich sicher, und genau darum ging sie davon aus, dass er es auch erwartete. Mit einem leisen Seufzen legte sie die Kettenrüstung und die dazu gehörigen Lederteile an, korrigierte die Schnallen und Verschlüsse bis sie bequem saß. Bedächtig streifte sie den Wappenrock über, strich ihn glatt und legte dann die beiden, überkreuzten Gürtel darüber an. Ruhig korrigierte sie den Sitz bis sie an alles heran kam, jeden Beutel ohne Anstrengungen erreichen konnte, dann nickte sie zufrieden und legte die Ausrüstung wieder ab. Sie würde noch einmal zu Fräulein Vanyaar gehen, die Rüstung auf mögliche, noch so winzige Schäden überprüfen lassen. Es durfte keinen Fehler geben. Nicht dieses mal.

Als sie schlussendlich auf der Liege lag, eine leichte Decke über sich gezogen, ließ sie den Abend noch einmal vor ihrem inneren Auge ablaufen. Ja, die Menschen denen ihre Loyalität galt, die waren es auch wert. Noch während sie daran dachte, fiel sie in den tiefen, traumlosen Schlaf der Erschöpfung. Der nächste Tag würde hart genug werden.