Die Ankunft in neue Gefilde
Verfasst: Mittwoch 26. September 2012, 22:15
Das Meer war schwarz wie Tinte, ebenso wie die Nacht wenig Licht mit sich brachte. Irgendwo weit oben hing eine Laterne und schwankte träge hin und her. Die Wellen teilten sich am Bug und dann und wann blitzten weiße Schaumkronen auf.
Vor diesem breitete sich ein Lichtermeer aus, das mit den Bewegungen des Schiffes auf und ab wankte. So viel Licht zeigten nur die Städte. Dörfer, die am Meer lagen, konnte man leicht übersehen in der Nacht. Oftmals brannte dort nicht ein Licht mehr zu dieser Unzeit.
Den Beobachter, der die Linke auf der Reling liegen hatte und ansonsten in aufrechter Haltung dastand, die bestiefelten Füße außerdem zu einem sicheren Stand versetzt, störte das leise Rollen des Schiffes nicht. Der Sturm, der zwei Tage zuvor wütete, verlangte weit mehr ab, als das ein wenig unruhige Gewässer vor der Stadt.
Die grauen Augen maßen die fernen Lichter mit einem abschätzenden Blick, verblieben dort, als sich Schritte näherten und neben ihm verharrten.
„Das ist Rahal, Herr. Seid Ihr sicher, dass Ihr dort an Land gehen wollt?“ Er hörte Unsicherheit in der Stimme, vielleicht sogar Angst.
„Ja. Danke, Kjel. Du hast gute Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, es wird auch zukünftig gute Arbeit von dir zu erwarten sein. Es bleibt bei dem Besprochenen.“ Mit einer tiefen Nicken zog sich der Mann wieder zurück.
Schweigend lauschte Hrathen den sich entfernenden Schritten. Er hatte denen, die wussten, wer er war, eingebläut, ihn wie einen Mann zu behandeln, der allenfalls gut betucht war, nicht mehr und nicht weniger.
Die Zeit seiner Ankunft half ihm dabei. Als das Schiff anlegte und er die Planke hinunter schritt, war es still am Hafen. Einige Wachen lungerten herum, kontrollierten seine Papiere, ließen ihn danach aber anstandslos passieren. Welchen Weg er in der Stadt nahm, bekam sonst niemand mit.
Sein Gepäck hatte das Ziel schon einige Tage vorher erreicht, wie er feststellen durfte, als er eintraf und zu seinem Zimmer gebracht worden war. Alles in allem versprach es ein interessanter Aufenthalt zu werden.
Er ließ seiner Heiligkeit von seiner Ankunft unterrichten, bat allerdings gleichsam darum ihn nicht zu wecken, sondern es auf den nächsten Morgen zu verschieben. Immerhin war er überpünktlich. Eigentlich war die Ankunft für den Wochenletzten vorgesehen gewesen.
Der Nachteil war gering gegenüber den daraus erwachsenen Vorteilen. Mitnichten hatte er vor irgendwem direkt auf die Nase zu binden, wer er war. Viel angenehmer war es doch zu sehen, wie die Menschen auf ihn reagierten, wenn sie ihn nur für einen einfachen, etwas besser gestellten Bürger hielten.
Er sollte am nächsten Tag nicht enttäuscht werden.
Von Übereifer bis hin zur gröbsten Nachlässigkeit war alles vertreten. Von Freundlichkeit bis Rotzigkeit. Von Hilfsbereitschaft bis Trotz. Auf jedes der extremsten Eigenarten legte er am wenigsten Wert. Das dazwischen sorgte für ein wenig Zufriedenheit.
Gleichzeitig machte er bereits jetzt schon die Bekanntschaft mit diesem und jenem, den man im Auge behalten sollte, und diese gedankliche Notiz war nicht im positiven Sinne gesetzt worden.
Er neigte nicht zu allzu großer Freundlichkeit, sein Humor hielt sich in Grenzen, obschon es einige Dinge gab, die ihn amüsierten. Frauen, zum Beispiel, die glaubten ihn leicht manipulieren zu können, oder Männer, die in ihrem Übereifer fast erstickten und damit gnadenlos auf die Nase fielen, sobald es ihnen gelang die Scheuklappen für einen Moment auf Seite zu legen.
Gelangweilt war stand er denen gegenüber, die allein mit haltlosen Frechheiten, Rotzigkeit und Trotz aufwarteten, wenn die Dinge nicht so verliefen, wie sie es sich erhofft hatten. Es zeugte weder von Kampfeswillen, noch von einem Ziel, dass diese Menschen vor Augen hatten. Ziellose Menschen waren im Grunde unzufriedene Menschen. Woher die Unzufriedenheit rührte, würde früher oder später gewiss noch ans Tageslicht treten und dann war es für ihn früh genug sich damit zu befassen. Bis dahin konnten das andere Leute tun.
Ganz gewiss war er kein Samariter, der arme geschundene Seelen verhätschelte.
Eines aber beruhigte ihn ungemein. Die Struktur, die Ordnung, die Konsequenz war hier überall zu spüren, zu sehen und mitzuerleben. Respekt und Gehorsam. Von all dem konnte sich der Pöbel im alumenischen Reich eine Scheibe abschneiden. Es gab nur eine Ausnahme, von der er gehört hatte. Eine, die ihn ärgerte. Eine, die nicht sein durfte.
Einmal mehr Hrathen begriff, warum sein jahrelanger Freund einen Gedanken gefasst hatte und diesen akribisch genau verfolgte, von langer Hand geplant. Damals, als es alles noch in den Anfängen steckte, hatte Hrathen sich oft gefragt, ob diese Entscheidung die Richtige war.
Mittlerweile gab es keine Zweifel mehr daran. Das war nun mehr als zehn Jahre her. Seitdem hatte sich vieles verändert und der Prozess würde auch in Zukunft noch einiges bewegen.
In der Vergangenheit verweilen hielt auf, jetzt wurde die zukünftige Geschichte geschrieben und er schwor sich ein Teil davon zu sein, ein wichtiger obendrein.
Der Wegbereiter.
Vor diesem breitete sich ein Lichtermeer aus, das mit den Bewegungen des Schiffes auf und ab wankte. So viel Licht zeigten nur die Städte. Dörfer, die am Meer lagen, konnte man leicht übersehen in der Nacht. Oftmals brannte dort nicht ein Licht mehr zu dieser Unzeit.
Den Beobachter, der die Linke auf der Reling liegen hatte und ansonsten in aufrechter Haltung dastand, die bestiefelten Füße außerdem zu einem sicheren Stand versetzt, störte das leise Rollen des Schiffes nicht. Der Sturm, der zwei Tage zuvor wütete, verlangte weit mehr ab, als das ein wenig unruhige Gewässer vor der Stadt.
Die grauen Augen maßen die fernen Lichter mit einem abschätzenden Blick, verblieben dort, als sich Schritte näherten und neben ihm verharrten.
„Das ist Rahal, Herr. Seid Ihr sicher, dass Ihr dort an Land gehen wollt?“ Er hörte Unsicherheit in der Stimme, vielleicht sogar Angst.
„Ja. Danke, Kjel. Du hast gute Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, es wird auch zukünftig gute Arbeit von dir zu erwarten sein. Es bleibt bei dem Besprochenen.“ Mit einer tiefen Nicken zog sich der Mann wieder zurück.
Schweigend lauschte Hrathen den sich entfernenden Schritten. Er hatte denen, die wussten, wer er war, eingebläut, ihn wie einen Mann zu behandeln, der allenfalls gut betucht war, nicht mehr und nicht weniger.
Die Zeit seiner Ankunft half ihm dabei. Als das Schiff anlegte und er die Planke hinunter schritt, war es still am Hafen. Einige Wachen lungerten herum, kontrollierten seine Papiere, ließen ihn danach aber anstandslos passieren. Welchen Weg er in der Stadt nahm, bekam sonst niemand mit.
Sein Gepäck hatte das Ziel schon einige Tage vorher erreicht, wie er feststellen durfte, als er eintraf und zu seinem Zimmer gebracht worden war. Alles in allem versprach es ein interessanter Aufenthalt zu werden.
Er ließ seiner Heiligkeit von seiner Ankunft unterrichten, bat allerdings gleichsam darum ihn nicht zu wecken, sondern es auf den nächsten Morgen zu verschieben. Immerhin war er überpünktlich. Eigentlich war die Ankunft für den Wochenletzten vorgesehen gewesen.
Der Nachteil war gering gegenüber den daraus erwachsenen Vorteilen. Mitnichten hatte er vor irgendwem direkt auf die Nase zu binden, wer er war. Viel angenehmer war es doch zu sehen, wie die Menschen auf ihn reagierten, wenn sie ihn nur für einen einfachen, etwas besser gestellten Bürger hielten.
Er sollte am nächsten Tag nicht enttäuscht werden.
Von Übereifer bis hin zur gröbsten Nachlässigkeit war alles vertreten. Von Freundlichkeit bis Rotzigkeit. Von Hilfsbereitschaft bis Trotz. Auf jedes der extremsten Eigenarten legte er am wenigsten Wert. Das dazwischen sorgte für ein wenig Zufriedenheit.
Gleichzeitig machte er bereits jetzt schon die Bekanntschaft mit diesem und jenem, den man im Auge behalten sollte, und diese gedankliche Notiz war nicht im positiven Sinne gesetzt worden.
Er neigte nicht zu allzu großer Freundlichkeit, sein Humor hielt sich in Grenzen, obschon es einige Dinge gab, die ihn amüsierten. Frauen, zum Beispiel, die glaubten ihn leicht manipulieren zu können, oder Männer, die in ihrem Übereifer fast erstickten und damit gnadenlos auf die Nase fielen, sobald es ihnen gelang die Scheuklappen für einen Moment auf Seite zu legen.
Gelangweilt war stand er denen gegenüber, die allein mit haltlosen Frechheiten, Rotzigkeit und Trotz aufwarteten, wenn die Dinge nicht so verliefen, wie sie es sich erhofft hatten. Es zeugte weder von Kampfeswillen, noch von einem Ziel, dass diese Menschen vor Augen hatten. Ziellose Menschen waren im Grunde unzufriedene Menschen. Woher die Unzufriedenheit rührte, würde früher oder später gewiss noch ans Tageslicht treten und dann war es für ihn früh genug sich damit zu befassen. Bis dahin konnten das andere Leute tun.
Ganz gewiss war er kein Samariter, der arme geschundene Seelen verhätschelte.
Eines aber beruhigte ihn ungemein. Die Struktur, die Ordnung, die Konsequenz war hier überall zu spüren, zu sehen und mitzuerleben. Respekt und Gehorsam. Von all dem konnte sich der Pöbel im alumenischen Reich eine Scheibe abschneiden. Es gab nur eine Ausnahme, von der er gehört hatte. Eine, die ihn ärgerte. Eine, die nicht sein durfte.
Einmal mehr Hrathen begriff, warum sein jahrelanger Freund einen Gedanken gefasst hatte und diesen akribisch genau verfolgte, von langer Hand geplant. Damals, als es alles noch in den Anfängen steckte, hatte Hrathen sich oft gefragt, ob diese Entscheidung die Richtige war.
Mittlerweile gab es keine Zweifel mehr daran. Das war nun mehr als zehn Jahre her. Seitdem hatte sich vieles verändert und der Prozess würde auch in Zukunft noch einiges bewegen.
In der Vergangenheit verweilen hielt auf, jetzt wurde die zukünftige Geschichte geschrieben und er schwor sich ein Teil davon zu sein, ein wichtiger obendrein.
Der Wegbereiter.