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Feinschliff
Verfasst: Montag 17. September 2012, 22:33
von Severin Ethered
Erkenntnis
Der Blick glitt auf das Meer hinaus während ihm der forsche Wind das kurze Haar zerzauste. Innerhalb weniger Minuten hatten dunkle Wolken den Himmel verfinstert wie dunkle Vorboten auf ein nahendes Übel. Im Sand sitzend, die Beine ein Stück angezogen und die Arme auf den Knien abgelegt, betrachtete er den fernen Horizont. Was hatte er gesucht ? Was hatte er gefunden ? Die erste Windwalze erfasste die Küste und wirbelte die ersten Sandkörner von ihrem Platz nur um sie wenige Meter später schon wieder abzulegen. Immer wieder wiederholten sich die Worte in seinen Gedanken, gefolgt von dem krampfenden Gefühl der Unsicherheit.
So gerne spielte er und doch, dieses Mal, war er sich nicht sicher ob er seine Meisterin gefunden hatte. Sie durfte nicht wissen, niemals erfahren, wie gut sie war, niemals.
Immer wieder verirrten sich die Gedanken über die Bedeutung der letzten Erfahrungen und letzten Endes wusste er doch insgeheim, dass er einfach nicht bereit war loszulassen. Er musste die Herausforderung annehmen und kämpfen. Doch immer wieder ertönte die Vernunft, tadelnd im Hinterkopf. Zu leicht hatte er sich verführen lassen und zu eindeutig war das Ergebnis dieser wenigen Worte.
Allmählich senkten sich die ersten Tropfen in langen Bindfäden der Wasseroberfläche entgegen. Prasselnd auf die Wogen schlagend, war es nur eine Frage von Sekunden bis der Regen die Insel erreichte um auch diese in einen dichten Wasserfilm zu tauchen. Warm und erfrischend wirkte der Schauer, keineswegs kalt und gänzlich ohne Unbehagen auszulösen. Ganz und gar wie er ihm beschrieben wurde. Vielleicht war es genau das was er benötigte..
Er würde das Spiel ganz sicher wagen, selbst wenn der Preis ungewiss und so immens schien. Doch letzten Endes konnte er nur Gewinnen, etwas unbezahlbares das nur er herbeizuführen vermochte.
So war ihm letzten Endes doch zu Lächeln zu mute anstatt zu trauern, während er den Weg vom Strand zurück ging. Leise knirschten die Stiefel im Sand welcher nun am nassen Leder haften blieb. Ein paar Gläser Rum erschienen ihm jetzt genau richtig, schließlich gab es davon auf La Cabeza mehr als genug .. und dieser schmeckte sogar.
Verfasst: Dienstag 21. Mai 2013, 20:25
von Severin Ethered
Sorgsam drehte er das Kleinod zwischen den Fingern. Der Blick eher abwesend und kaum die feinen Schnörkel auf dem Ring fixierend. Der Sommer hatte die kalte Jahreszeit längst vertrieben, die Abende waren lang geworden und so saß er nun auf einem der Schlafzimmerstühle, auf dem Balkon. Die Bäume trugen längst wieder ihr grünes Dach, um den Boden darunter, vor dem Regen zu schützen. Die Luft kühl und frisch, die Hitze des Tages gewichen, erschien sie einfach angenehm zu atmen. Hier und dort wanderten seine Gedanken hin, ziel- doch nicht sinn-los. Leise prasselte das Wasser auf das Pflaster während sich ein kleines Rinnsal seinen Weg von der Dachkante gen Straße suchte, hier und da die erste Pfütze in einer Senke zu bilden.
Hatte er es diesmal besser gemacht ? Mit einem mal zerfetzte diese Frage jedweden Gedanken an etwas anderes. Die Schultern strafften sich, die Position im Stuhl wurde aufrecht, nahm er doch nun die Ellenbogen von den Knien um sich mit dem Rücken an der Lehne wiederzufinden. Lange Momente musste er so verharren, ehe er über die Schulter blickte. Der Wind sog die Gardinen halb zur Balkontüre hinaus, um ganz sanft an ihnen zu zerren. Ohne ein seufzen, ohne ein Schnauben, ohne ein Zeichen von Schwermut oder Reue drückte er sich auf. Die Schritte führten ihn in den Raum zurück, am Schreibtisch vorbei, direkt zum Nachtlager.
Die Decke auf einer Seite unlängst zerknüllt und zerwühlt, zauberte der Gedanke an die letzten Stunden, Tage, Wochen, Monate.. ein Lächeln auf seine Lippen. Wie herrlich unkompliziert all das erschien. All das was passierte und eben nicht musste.
Mittlerweile war das Haus zu einem wahrhaftigen Heim geworden. Hobel, Sägel, Hammer und Nagel waren unlängst verschwunden, dafür waren die Räume jetzt übersäht mit Gardinen, Kissen, Teppich, Blumentöpfen und anderen Dingen die ihren Platz finden mussten. Eine Aufgabe der er niemals müde zu werden schien. So ist es wohl mit der Heimat..
nie werden wir müde uns dafür einzusetzen, dafür zu arbeiten, dafür etwas zu riskieren…
Verfasst: Donnerstag 19. September 2013, 15:05
von Severin Ethered
Die Szenerie verschwamm ganz langsam. Er versuchte sich an dem Bild festzuklammern. Das warme Zimmer, der gedeckte Tisch, die verrückten Stühle. Geschirr stand noch herum und eine Flamme verschlang ganz langsam den Docht der Kerze. Der Geruch, den es eben nur zuhause gab, all das verblasste. Als würde sich die Türe vor ihm schließen, zugeworfen werden. Der Knall der sich schließenden Türe ließ ihn erschrecken. Die Lider öffneten sich und da war er wieder, in der Wirklichkeit. Die Muskeln bis in den letzten Winkel gespannt, starrten die Augen in kaltes, ödes, grau. Seitlich eingerollt, lag er auf dem Lager das ihm als Schlafstätte diente. Die Fugen des Gemäuers leicht aufgelockert von Moos, welches in der knappen Feuchtigkeit gedieh. Einzig gefüttert von schmalen Strahlen Lichtes, die durch eine Schießscharte fielen, erhellten nur zwei Kohlebecken die nähere Umgebung. Ein Hahn, dass Zwitschern der Vögel oder die Anwesenheit der Wachen verrieten die Uhrzeit immer wieder. Eine Beschäftigung, an einem Ort an dem es sonst nichts gab, außer die eigenen Gedanken. Die Augen brannten und längst war es vergebens, einen klaren Gedanken fassen zu wollen. Die Türe zum Keller war ins Schloss gefallen und hatte ihn geweckt. Egal ob sich eine Wache näherte oder nur die Schritte zu hören waren, ein jedes Mal schlug ihm das Herz bis zum Halse, in der Hoffnung und gleichzeitigen Sorge, etwas könnte passieren, etwas hatte sich verändert. Äußerte sich die Enttäuschung zu Beginn noch in einem Seufzen oder verziehen der Mundwinkel, war sie nun äußerlich nicht mehr wahrnehmbar. Alleine bestimmt durch den zarten Schmerz, dass der Wunsch eben unerfüllt blieb.
In diesem Spiel hatte es von Anfang an nur Falsch und Falsch gegeben. Egal in welche Richtung er sich bewegte, egal welchen Versuch er wagte, es war einfach nicht richtig. Von zwei Richtungen angezogen, vermochte er sich nicht zu entscheiden. Doch jedes zögern lies die Enttäuschung wachsen. Letzten Endes zwangen ihn die Umstände zu einer Entscheidung und aus reinem Herzen konnte er nicht anders handeln als genau das zu tun was ihn jetzt in diese Lage brachte. Keine Abneigung, keine Wut, kein Hass.. nichts war dort. Nur bloßes Verständnis für den Zorn der Gräfin. Trotz allen Zweifels hatte sie ihn immer verteidigt und ihm nicht nur eine Chance gegeben. Schützend, ganz selbstverständlich, hatte sie sich vor ihn gestellt, nicht nur einmal. Ein Bild für Gerechtigkeit und Tugend, welches sich nun knapp verlor. Ein Zeichen dafür wie bitter die Enttäuschung sein musste, wie sehr er sie verletzt hatte mit seiner Lüge. So beherrschte ihn nicht einmal die Angst über körperliche Unversehrtheit. Vielmehr fürchtete er sich ihr noch einmal unter die Augen treten zu müssen.
Aber was hätte er tun sollen ? Eine werdende Mutter davon jagen ? Nie war es einfach mit Lana gewesen, es würde nie einfach werden ! Doch als sie ihm gestand schwanger zu sein, war es das einzig Richtige. So hoch der Preis auch war, dieses kleine Bündel, seine Tochter verlangte diese Entscheidung und hatte ein Anrecht darauf.
„Krone und Reich zu Ehr“ – Die Worte rissen ihn völlig aus seinen Gedanken und so drückte er sich auf die Füße. Ein Lächeln rang er sich ab und neigte das Haupt vor dem Gardisten. „Benötigt ihr Wasser oder dergleichen, seid ihr versorgt ?“
Das simple Tagesgeschäft begann und so versuchte er die Schultern zu straffen und sich abzulenken. Wenigstens für ein paar Augenblicke.
Verfasst: Mittwoch 25. September 2013, 02:53
von Severin Ethered
Wie beschreibt man etwas Vergleichbares ?
Die Worte drangen an sein Ohr und doch vermochte er es nicht sie im Geiste in etwas zu verarbeiten, was er verstehen konnte.
„Zum Tode“ .. das waren die Worte gewesen.
Alles andere ging nur noch in einem Wasserfall unter, der sich plötzlich vor ihm auftat um alles mit sich zu reißen. Die Flut die dort ins Dunkel stürzte, gefüllt mit all den Gedanken der letzten Tage, verschwand einfach im nirgendwo. In Trance wurde er in seine Zelle gebracht während Schwester Llastobhar noch einige Worte sprach. Doch wo bis vorhin der tosende Sturzbach seiner Gedanken sich ergoss, war nun nur noch Leere. Gähnende Einöde die sich drückend verbreitete, bis auch am Horizont nur noch Staub und toter Bewuchs lag. In die hinterste Ecke gekauert, die eigenen Beine umschlungen. Alleine.
Ihm war schlecht..
Kalter Schweiss hatte sich über ihn gelegt nach dem er seinen Mageninhalt erbrach. Zitternd glitten die Augen wieder ins Leere. Bisher war er nicht einmal zur Überlegung gekommen, was gefordert wurde, viel zu sehr hatte ihn das Urteil getroffen.
Wieso hatte er sich gestellt ? Wieso all die Tage im Gefängnis ? Wieso seine Reue ? Wieso war er aufrichtig und ehrlich gewesen ? Zweifel die sich gierig in seine Gedanken schlugen, wie eine Klinge in weiches Fleisch.
Am Ende seiner Kräfte, fern ab der eigentlichen Szenerie, dämmerte er ein. Hier erst, spielte sich das ab was er im wachen Zustand nicht mehr fertig zu spinnen wagte.
Sein Verlangen, so sanft gesprochen. Doch die Entgegnung, blanker Hass, schäumende Wut. Eine Woge von dröhnendem Lärm ehe ein Knall alles beendete. Stille, Dunkelheit. Die Augen blickten wieder ins hier und jetzt, an eine Wand des Gemäuers.
Der Körper zitterte, vor Kälte und so schlang er den knappen Stoff seines Lagers um den eigenen Leib.
Auch wenn er vor Gericht zu diesem Tausch bereit war, es war nicht seine Entscheidung. Nun lag es an ihr darüber zu richten wem mehr Wert bemessen wurde. Wen würde sie retten, wen würde sie verlieren ? Was konnte sie ertragen ?
Erst er, nun sie.. auch sie konnte nur zwischen Falsch und Falsch wählen. Was immer sie tun würde, es würde sie den Rest ihres Lebens begleiten.
Vielleicht war es besser ein weiteres mal zu entscheiden. Der Schlussstrich, nach dem er sich gesehnt hatte. Jetzt war er greifbar, doch ganz anders...
Verfasst: Sonntag 29. September 2013, 14:13
von Severin Ethered
Unruhig ging er in der Zelle auf und ab, fast schon als wollte er einen Weg in die Fliesen treten. Doch es nützte nichts. Die Zeit verging dadurch nicht schneller. Der Graben nicht tiefer und der Ausbruch damit unwahrscheinlicher...
Dann und wann gesellte sich jemand aus der Wachmannschaft zu ihm, für ein paar Worte oder aber um ihn zu versorgen. Ein jedes Mal wenn er die Schritte hörte, hüpfte sein Herz und die Hände wurden feucht. Kurz darauf dann die blanke Enttäuschung, handelte es sich doch immer um Nichtigkeiten. Höflich, bestimmt und eben militärisch korrekt, doch niemals mit der ersehnten Neuigkeit.
Als Vaughain die Nachricht durch das Zellengitter streckte, hatte er es ihm aus der Hand gerissen. Wie ein Wolf aufs lang ersehnte Fleisch, so stürzte er sich auf das Papier. Mit dem Rücken zum Korporal, dass Papier in den Handflächen, als wollte er es vor der Umwelt abschirmen. Die Augen wanderten über die Lettern und der Herzschlag setzte so für einige Lidschläge aus. Der Atem hatte gestockt und erst der schmerzhafte Reiz, lies ihn erneut Luft holen. Seine Welt geriet ins wanken.
Sie gab das Kind ab..
Sie würde Inola ins Kloster geben.
War sie verrückt ?!
Vertraute sie ihm so sehr, dass sie diese Entscheidung treffen konnte ? Für einen Augenblick keimte Bewunderung auf, ehe diese der puren Furcht wich.
Mittlerweile fraß ihn diese Entscheidung auf. Zum einen wollte er endlich aus dieser Zelle heraus, auf der anderen Seite die Angst davor, seiner Frau noch einmal unter die Augen zu kommen.
Immerhin hatte er sie wegen ihres Temperamentes geheiratet. Quälend vergingen die Stunden in denen er seinen Gedanken nachhing, immer wieder versuchte zu schlafen und Zeit totzuschlagen. Eben mit mäßigem bis gar keinem Erfolg..
Verfasst: Montag 30. September 2013, 22:51
von Severin Ethered
Entscheidung
Wieder stand Vaughain vor der Zelle und doch hielt sich die Freude über das Wiedersehen in Grenzen. Denn dies bedeutete das er immer noch in Adoran saß. Doch einen richtigen Schlag ins Gesicht gab es erst während der gewechselten Worte.
Das Kloster weigerte sich das Kind zu nehmen..
Wussten sie überhaupt was auf dem Spiel stand? Die glückliche Fügung, der Umstand das ihm jemand die Möglichkeit gab, sich freizukaufen. Nichts anderes war dieses Urteil gewesen. Freiwillig hatte sich Lana in die Hände des Kloster begeben und nun, wollten sie das Kind nicht. Vaughain zählte die möglichen Optionen auf..
„Und es bedeutet, dass das Kloster eine gesuchte und bekannte Piratin beherbergt und ich vermutlich früher oder später los gehen muss um diesem Umstand Rechnung zu tragen. Und eure Frau hier her zu bringen“
Was war er nur für ein Narr gewesen? Frust, Wut, Verzweiflung.. all das bahnte sich einen kurzen Weg nach außen, so das der Teebecher, dieses seltene und kostbare Stück der Zellenausstattung, an der Wand zersprang.
So sollte er dem Kloster schreiben, sie Bitten das Kind zu behalten…
Würde er das können? Wäre er dazu im Stande? Ein weiteres Mal flehen, ein weiteres Mal betteln um das eigene Leben im Tausch gegen ein unschuldiges. Sein eigenes Fleisch, sein eigenes Blut..
Die restlichen Worte des Korporals vergingen irgendwo..
Still starrte er auf Feder, Tinte und Papier. Diese Frau war bereit alles für ihn aufzugeben und doch war dies einfach nicht genug. War er das wert ?
Selbst wenn sich diese Frage mit einem „Ja“ beantworten ließ, wären sie jemals wieder im Stande ein Leben zusammen zu leben ? Glücklich, unbeschwert ? Nein. Es würde immer zwischen ihnen stehen. Welche Mutter vergaß schon ihr Kind ?! Dieser stille Vorwurf den keiner aussprach, der doch stets immer mehr Raum einnahm und letzten Endes beide erdrückte, bis einer das Weite suchen würde. Schon jetzt war er greifbar..
Den Federkiel drehte er zwischen den Fingern, betrachtete die einzelnen Fasern und legte ihn dann wieder zurück. Nein.. diese Worte würden alle wofür er stand, wofür er lebte, woran er glaubte, mit Füßen treten. Er würde sie nicht schreiben.
Verfasst: Mittwoch 2. Oktober 2013, 12:54
von Severin Ethered
Ende
Zum Zeitvertreib warf er kleine Steinchen von einer Zellenseite zur anderen. Ziel war es sie so nah wie möglich an die Mauer zu bekommen, ohne das sie zurück sprangen. Noch spielte er nur mit sich selbst, doch wie lange war er dazu noch im Stande? Wie lange konnte er damit noch die Langeweile bekämpfen? Wann würde er beginnen, gegen seine zweite Persönlichkeit zu spielen? Unwillkürlich kratzte er sich am Bart und der Rhythmus kam durcheinander. Er musste furchtbar aussehen mit dem langen Haupthaar und den Barthaaren die ungekürzt wucherten.
Eine Tür wurde aufgezogen, Stoff raschelte und gleichzeitig erklang eine Rüstung. Die Gräfin erschien und wenig später, wurde er rasiert. Was für eine Demütigung…
Lilian hatte ihm das Vertrauen geschenkt, ihm eine Schale mit Wasser und die nötigen Utensilien gereicht und ihm Zeit für sich geschenkt. Wie viel hatte er ihr eigentlich zu verdanken? Es war schwer zu erahnen und schwer in Worte zu fassen aber ihre reine Seele stand außer Frage. Es stärkte ihn in seiner Entscheidung, denn auch sie nahm Risiken ganz bewusst in kauf, für ein klares und sauberes Gewissen.
Wenig später trug er einen Zopf und einen schief rasierten Bart.
Einen Zopf…wie ein Mädchen ! Es war nicht einmal ein Rollen der Augen wert.
Was hatte sich Herr Eichengrund dabei bitte gedacht?!
Auch wenn sein Gesicht stets wie in Stein gemeißelt wirkte, unnahbar und stoisch, so war da doch ein wacher Geist. Die Worte waren während der Tage persönlicher geworden, besonders nach dem Gespräch mit seiner „Ehefrau“… Elias Innes.
Die beiden benahmen sich wirklich so und das war ein gutes Zeichen unter Soldaten. Die Liebe um den anderen ist der größte Ansporn, über die eigenen Grenzen zu wachsen. Egal ob unter Soldaten, Gefährten oder Eheleuten.
Janarey. Die junge Frau war aus der Tür verschwunden und dann doch zurückgekehrt. War eine Verabredung geplatzt? Hatte sie einfach Mitleid? Sie raubte ihm schwere Stunden der Langeweile mit ihrem forschen Geist. So aufrichtig, so ehrlich und frei heraus. Jemand der sich eben nicht verbog für etwas..
Hatte er jemand vergessen? Ganz sicher, irgendjemand hatte sich immer um ihn gekümmert. Sowie eben auch Vaughain.
Vaughain.. seine Worte, seine Blicke, sie zeigten ihm auf das er den richtigen Weg gegangen war. Die Gespräche waren immer knapp und dem Geschäft gewidmet gewesen. Erst hier offenbarte er ein wenig von sich, genug von sich. Schade das sie sich fortan nur noch gegenüber stehen würden und nicht mehr nebeneinander.
In dieser Zeit hatte er mehr über das Regiment gelernt, als in seinem Dienst im Haus Dornwald. Erschreckend wie viel uns verborgen bleibt, wenn wir stets nur auf dem Pfad marschieren. Abseits der Wege, dass ist es was uns verändert, unsere Sicht auf die Dinge.
Die Türe schwang wieder auf, eine Frau im blau der Priesterschaft. Allmählich wurde es hektisch und mit einem Mal sollte er seine Sachen zusammen sammeln. Seine Kleider wurden ihm ausgehändigt und dann wanderten die Hände auf dem Rücken zusammen. Eisen wand sich um die Handgelenke, bevor er in die Nacht hinaus geführt wurde.
Frische Luft, Sterne und Adoran. Wäre es das letzte Mal das er diese Stadt sehen würde? Der Blick wanderte über die Fassaden als würde es genau so sein. Wie oft war er diese Straßen entlang gelaufen, wie viele Erinnerungen hingen damit zusammen? Eine würden verblassen, andere würden auf ewig mit ihm gehen.
Eskortiert von den Soldaten, mit ihrer Erlaucht an der Spitze, zusammen mit Hochgeboren von Schwertfluren, machten die Menschen freiwillig platz. Selbst in Bajard hingen die Menschen an den Fenstern, beobachteten die Szene mit Misstrauen. Seine Fesseln wurden gelöst und die Worte gesprochen die dieses Kapitel beenden sollten.
„.. sei euch hiermit die Freiheit gewährt, bedenkt jedoch das ihr aus dem Reiche Alumenas verbannt wurdet und eure Wiederkehr eurer Gesundheit nicht zuträglich sein wird.“
Ein letzter Dank an die Gräfin gerichtet und doch schien sie es nicht zu verstehen.. oder war sie einfach derart enttäuscht? Hatte sie je vollends verstanden warum er in ihren Dienst getreten war? Vielleicht irgendwann einmal.. vielleicht nie.
Zum ersten Mal in seinem Leben freute er sich ein Schiff zu betreten. Die knarzenden Planken, dass wankende Gebilde. Jetzt war er froh seine Füße auf dieses rettende Stück Holz setzen zu dürfen, denn es hätte ganz anders Enden können…