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Briefe an Rilas

Verfasst: Donnerstag 23. August 2012, 12:08
von Artis Avaryn
… Die Tage sind lang und eintönig. Die Hitze erschlägt ein gänzlich und jeder Atemzug, den meine Lunge tätigt, fühlt sich an, als würde die Luft vorher noch diverse Massen an Geröll durchwandern. Die Burg ist leer, kein Geist tummelt sich mehr dort, abgesehen von dem meinen. Ich traf vor einer halben Ewigkeit nur Soldan Falkenbach. Er erkundigte sich nach dir. Das übliche Gerede, die üblichen Antworten. Irrelevanter Quatsch, mit welchem ich dich nicht belasten werde und doch teile ich dir mit, dass er dir offenkundig nur das Beste wünscht. Seine Wege haben ihn nun nach Rahal getragen und es scheint so, als wäre sein Glauben ebenfalls hinter jenen Mauern gebunden. Aber wer weiß wie es nun ist, wie ich bereits erwähnte, es ist ewig her.

Wir hatten am gestrigen Abend die erste Übungsstunde in der Fakultät. Ich war gelangweilt, die einzige Sache, die mich zur Zeit erheitert ist, dass der Scolar Kethyrr recht intelligent zu sein scheint und das meinen Drang zum 'gewinnen' erweckt. Auch wenn es natürlich indirekt kein Wettkampf ist, spornt es mich jedoch mehr an, sehe ich es als solchen an. Die nächsten Stunden kommen nun nach und nach, was bedeutet, dass auch nach und nach mein Können steigen wird. Sollten wir uns je wiedersehen, hoffe ich doch, dass du zumindest im Ansatz gewisse Anerkennung für mich übrig hast. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass mein Wissen sich so ausweitet, wie das deine.Allerdings scheint ganz Alathair mir genau auch davon abzuraten. Dein Ruf eilt dir voraus und glaube mir, er ist eindeutig verbesserungswürdig. Ich wende das Thema meist recht geschickt, dass man mit mir so wenig wie möglich über dich spricht. Und doch wird jedes Mal von mir angemerkt, wie sehr ich dich schätze.

Ich habe begonnen die ganzen Dinge zu verkaufen, welche du in deiner Burg lagerst. Die Goldvorräte sind alle weg, ich habe sie nicht einmal zu Gesicht bekommen und da du deine Pläne vermutlich nicht mehr in die Tat umsetzen willst, muss ich wohl auch nicht Tonnen an Holz und Stroh in den Ecken lagern. Was das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass all jenes so wenig Gold bringt, dass es einen wahrlich nicht an Leben erhält. Ich nahm an, ein gewisses Startkapital dadurch zu erschaffen, jedoch waren meine Annahmen falsch. Die meisten Dinge haben kaum Wert. Und doch verlassen sie nach und nach, im Tausch gegen ein paar Münzen, deine Gemäuer.

Ich weile recht oft in Rahal, nicht etwa, weil ich die Gesellschaft Soldans genießen möchte, sondern weil die Seelen, welche dort wandern, mein Geist erheitern und ab und an auch auf die Probe stellen. Es ist nicht nur der stumpfe Glaube an einen Gott, hinter manchen Gesichtern steckt viel mehr, wo es sich doch wahrlich lohnt, näher hin zu sehen. Die Arkorither und die Letharen faszinieren mich und nehmen meine Gedanken fast gänzlich ein. Jeder von ihnen ist anders. Es gibt die, die vollkommen apathisch ihr Ziel verfolgen, dann gibt es andere, die zwar sicherlich auch das selbe Ziel verfolgen, aber die Durchführung ganz in ihre eigene Hand nehmen und sie nicht von irgendeiner anderen Hand bestimmen lassen. Ein freier Geist in einem doch recht bestimmten Weg. Wie du also merkst, ruht meine Neugierde noch immer bei solch Dingen, die erst auf den zweiten Blick komplexer erscheinen. Sollte ich das Vergnügen haben, einen jener noch detaillierter kennen lernen zu dürfen, wirst du der erste sein, der davon erfährt. Zur Zeit waren es nur kurze Gespräche oder kurze Begegnungen, die ich genießen durfte. Zu kurz, viel zu kurz.

Egal wo deine Füße dich hin getragen haben, egal wie weit sie mit dir gegangen sind: Kehre alsbald zurück und das unversehrt. Bis dahin sollen es meine Briefe sein, die dich über das Leben auf Alathair informieren, auch wenn jenes Schreiben heute ausschließlich über mein Leben berichtete, wird das auch einmal anders sein...