Focus, Fetisch, Gea
Verfasst: Freitag 17. August 2012, 02:56
Ein weit geschlagener Bogen:
Kaum hatte er eine der transzendenten Ebenen verlassen und seinen Fuss ins Diesseits begeben, schienen sich die Ereignisse schier zu überschlagen. Einen Grund mehr, dass Demoar sich seit Langem einen Moment gesehnt hatte, in Ruhe und Abgeschiedenheit darnieder zu sitzen und über die geschehenen Ereignisse etwas zu reflektieren.
Eigentlich war die Reise mit höchster Dringlichkeit angebrochen worden - eigentlich gebot die Sache selbst äußerste Eile. Viel zu groß war nach der Zerstörung Varunas die Gefahr, dass man sich in der neuen trügerischen Sicherheit Adorans ein warmes Nest bauen würde, um zu vergessen, was vorgefallen war, um die Sorgen und die Trauer dieser Tage hinter sich zu lassen und dann .. nachdem sich der Nebelrauch des Krieges gelegt hatte, eines Tages von einem gewaltigen Drachenwesen am Himmel auf den Harten Boden der Realität gezerrt zu werden:
Damals wie heute war Adoran keinen Deut besser gewappnet gegen die unvergleichliche Zerstörung, die den Mächten des Lichtreiches in Form dieses Drachen entgegen geschlagen war. Und dabei hatten die Versuche so viel versprechend begonnen. Die Völker der Lichteinigkeit hatten zusammengearbeitet, als seien sie von ihren Gottheiten höchstselbst darauf vereidigt worden. An allen Enden versuchte man, etwas über dieses Wesen in Erfahrung zu bringen, Schwachstellen ausfindig zu machen, Hinweise in Geschichtsbüchern zu erhaschen..
und doch würde jedweder Fortschritt mit einem Flügelschlag zunichte gemacht, mit einem Feuerodem brannte die Stadt, es starben hunderte tapferer Verteidiger und unschuldiger Bürger.. nur um wenig später auf ewig ein unheilvolles Dasein zu fristen.
All dieser Schrecken hatte bis heute nur die Linderung erfahren, die jedes Unheil durch den Schliff der Zeit erfährt. Demoars Befürchtung war lange keine blose Narretei mehr. Man würde Varuna wohl nicht vergessen, aber man hatte die drohende und unmittelbare Gefahr aus den Augen verloren. Jeden Tag hätte sich dieser Drache wieder in die Lüfte erheben können und eine weitere Stadt des Lichtreiches in Schutt und Asche verwandeln können.
Eben dies war der Grund für eine Reise, die ihren Ursprung in Eiligkeit gefunden hatte. Und aus einem dringlich einberufenen Konzil an der königlich-alumenischen Akademie der magischen Künste, das der Klärung der Ereignisse dienen sollte, wurden Wochen und Monate der Unterredung und Diskussion. Der Forschungen theoretisch, wie der praktischen Feldversuche. Immer wieder schlichen sich Ablenkungen ein und immer wieder geriet die Brisanz der Sache in das Hintertreffen.
Was also hätte sich nach all diesen Monaten an der Akademie noch besser anbieten können, als ein Abstecher nach Tiaresh? Eine Familienwiedersehen mit Una und Feoras.. und Mio und Lir. Und vielleicht waren auch Ayalis, Sorcha, Tarleed oder Leith bei ihnen. Seit viel zu langer Zeit hatte Demoar nichts mehr von seiner Familie gehört. Kein Brief, keine magischen Boten, die mühelos hätten große Distanzen überwinden können - keine einzige Nachricht. So also war der Schluss schnell gefasst, dass ein Schritt in die Transzendenz einerseits hätte mit einem Schritt hinaus nach Adoran enden können, oder aber mit einem Schritt in das Arbeitszimmer der Magierburg auf Tiaresh... und so sollte es kommen.
Die folgenden Monate sollten Demoar ein seit Langem verlorenes Gefühl der Zugehörigkeit und Nähe wiederbringen. Das Wiedersehen mit seinen Verwandten war herzlich und die Zeiten vergingen wie im Fluge. Nur die wenigen Unterredungen zwischen ihm und Feoras und Una, die sich mit Magie und den Unglücken um Varuna befassten, hielten Demoars Blick zumindest noch ein wenig auf das eigentliche Ziel gerichtet. Und so war zwar die Sache nicht vergessen... die Brisanz war aber schon angesichts der Länge, die seine Reise bisher gedauert hatte, vollends verwischt. Glücklicherweise waren es eben jene Alltagsgedanken, die sich nach einige Monaten des Lebens in Tiaresh einschlichen und Demoars Gedanken in die Ferne trieben. Eben jener Alltag war es gewesen, der eines Menschen Geist vom Hier und Jetzt emporhebt und ihn sich fragen lässt, was es sonst noch gibt - was sich dort draussen verbirgt, hinter dem was wir kennen und sehen. Und was dort verborgen war, wusste Demoar. Nicht dass er seinen Beweggrund vergessen hätte, er wusste noch immer weswegen er unterwegs gewesen war. Doch nun hatte er keinen Vorwand mehr, seine Rückreise weiter hinauszuzögern. Und mit jedem weiteren Tag, den er fernab von Adoran verbrachte, mehrte er seine Schuldgefühle, seine Reise nicht schon viel eher beendet zu haben. Und so fiel die Verabschiedung in Tiaresh sehr viel kürzer aus, als es seine Begrüssung gewesen war.
Auf seine Rückreise von Tiresh nahm er wenig Dinge mehr mit, als er hatte, als er dort angekommen war:
Ein Buch von Olbi dem Älteren.. und ein gedankenverlorenes Lächeln.
- "Zuweilen ist es der Blick ins hellste Licht, der uns danach die tiefste Dunkelheit beschert."
aus dem Tagebuch Demoar Llastobhars
Kaum hatte er eine der transzendenten Ebenen verlassen und seinen Fuss ins Diesseits begeben, schienen sich die Ereignisse schier zu überschlagen. Einen Grund mehr, dass Demoar sich seit Langem einen Moment gesehnt hatte, in Ruhe und Abgeschiedenheit darnieder zu sitzen und über die geschehenen Ereignisse etwas zu reflektieren.
Eigentlich war die Reise mit höchster Dringlichkeit angebrochen worden - eigentlich gebot die Sache selbst äußerste Eile. Viel zu groß war nach der Zerstörung Varunas die Gefahr, dass man sich in der neuen trügerischen Sicherheit Adorans ein warmes Nest bauen würde, um zu vergessen, was vorgefallen war, um die Sorgen und die Trauer dieser Tage hinter sich zu lassen und dann .. nachdem sich der Nebelrauch des Krieges gelegt hatte, eines Tages von einem gewaltigen Drachenwesen am Himmel auf den Harten Boden der Realität gezerrt zu werden:
Damals wie heute war Adoran keinen Deut besser gewappnet gegen die unvergleichliche Zerstörung, die den Mächten des Lichtreiches in Form dieses Drachen entgegen geschlagen war. Und dabei hatten die Versuche so viel versprechend begonnen. Die Völker der Lichteinigkeit hatten zusammengearbeitet, als seien sie von ihren Gottheiten höchstselbst darauf vereidigt worden. An allen Enden versuchte man, etwas über dieses Wesen in Erfahrung zu bringen, Schwachstellen ausfindig zu machen, Hinweise in Geschichtsbüchern zu erhaschen..
und doch würde jedweder Fortschritt mit einem Flügelschlag zunichte gemacht, mit einem Feuerodem brannte die Stadt, es starben hunderte tapferer Verteidiger und unschuldiger Bürger.. nur um wenig später auf ewig ein unheilvolles Dasein zu fristen.
All dieser Schrecken hatte bis heute nur die Linderung erfahren, die jedes Unheil durch den Schliff der Zeit erfährt. Demoars Befürchtung war lange keine blose Narretei mehr. Man würde Varuna wohl nicht vergessen, aber man hatte die drohende und unmittelbare Gefahr aus den Augen verloren. Jeden Tag hätte sich dieser Drache wieder in die Lüfte erheben können und eine weitere Stadt des Lichtreiches in Schutt und Asche verwandeln können.
Eben dies war der Grund für eine Reise, die ihren Ursprung in Eiligkeit gefunden hatte. Und aus einem dringlich einberufenen Konzil an der königlich-alumenischen Akademie der magischen Künste, das der Klärung der Ereignisse dienen sollte, wurden Wochen und Monate der Unterredung und Diskussion. Der Forschungen theoretisch, wie der praktischen Feldversuche. Immer wieder schlichen sich Ablenkungen ein und immer wieder geriet die Brisanz der Sache in das Hintertreffen.
Was also hätte sich nach all diesen Monaten an der Akademie noch besser anbieten können, als ein Abstecher nach Tiaresh? Eine Familienwiedersehen mit Una und Feoras.. und Mio und Lir. Und vielleicht waren auch Ayalis, Sorcha, Tarleed oder Leith bei ihnen. Seit viel zu langer Zeit hatte Demoar nichts mehr von seiner Familie gehört. Kein Brief, keine magischen Boten, die mühelos hätten große Distanzen überwinden können - keine einzige Nachricht. So also war der Schluss schnell gefasst, dass ein Schritt in die Transzendenz einerseits hätte mit einem Schritt hinaus nach Adoran enden können, oder aber mit einem Schritt in das Arbeitszimmer der Magierburg auf Tiaresh... und so sollte es kommen.
Die folgenden Monate sollten Demoar ein seit Langem verlorenes Gefühl der Zugehörigkeit und Nähe wiederbringen. Das Wiedersehen mit seinen Verwandten war herzlich und die Zeiten vergingen wie im Fluge. Nur die wenigen Unterredungen zwischen ihm und Feoras und Una, die sich mit Magie und den Unglücken um Varuna befassten, hielten Demoars Blick zumindest noch ein wenig auf das eigentliche Ziel gerichtet. Und so war zwar die Sache nicht vergessen... die Brisanz war aber schon angesichts der Länge, die seine Reise bisher gedauert hatte, vollends verwischt. Glücklicherweise waren es eben jene Alltagsgedanken, die sich nach einige Monaten des Lebens in Tiaresh einschlichen und Demoars Gedanken in die Ferne trieben. Eben jener Alltag war es gewesen, der eines Menschen Geist vom Hier und Jetzt emporhebt und ihn sich fragen lässt, was es sonst noch gibt - was sich dort draussen verbirgt, hinter dem was wir kennen und sehen. Und was dort verborgen war, wusste Demoar. Nicht dass er seinen Beweggrund vergessen hätte, er wusste noch immer weswegen er unterwegs gewesen war. Doch nun hatte er keinen Vorwand mehr, seine Rückreise weiter hinauszuzögern. Und mit jedem weiteren Tag, den er fernab von Adoran verbrachte, mehrte er seine Schuldgefühle, seine Reise nicht schon viel eher beendet zu haben. Und so fiel die Verabschiedung in Tiaresh sehr viel kürzer aus, als es seine Begrüssung gewesen war.
Auf seine Rückreise von Tiresh nahm er wenig Dinge mehr mit, als er hatte, als er dort angekommen war:
Ein Buch von Olbi dem Älteren.. und ein gedankenverlorenes Lächeln.