... und das erste Mal, dass die Freiheit...
Verfasst: Sonntag 12. August 2012, 09:08
Wieder ein Lauf der Jahreszeiten hatte sich gerundet und es gab wenig was mich in meinem gewählten eintönigen Leben ablenkte. In gleichmütiger Regelmäßigkeit lenkte ich meine Schritte in die nahe gelegene Stadt, um noch ein wenig des Kontaktes zu pflegen.
Die Mitteilung meiner Eltern, dass ich diesen mir fremden Manne ehelichen sollte, ohne Liebe nur um die Höfe zu einen lies mich schwermütig werden und selten kam in dieser Zeit ein Lächeln auf meine Lippen. Tag um Tag reihte sich hintereinander, erfüllt mit Pflichten und Aufgaben welche mich erfüllten und mir so nicht allzu oft Zeit ließen noch tiefer Schwermut zu verfallen.
In den verwinkelten Gassen und Wege der kleinen Stadt gelang es mir noch immer regelmäßig mich zu verlaufen, obwohl ich das eher der Abwesenheit meiner Gedanken zuschreiben könnte. So ehrlich war ich mir zuzugestehen, dass ich oft abgelenkt war und einen Ausweg suchte aus meiner Lage.
So kams, dass ich eigentlich zum Marktplatz wollte und mich in einen der Wohnviertel wiederfand. Vor einigen Tagesumläufen machte ich am Friedhof nahe des Armenviertels die erfreuliche Bekanntschaft einer gerüsteten adeligen Dame. Gaben mir erst ihre höfische Sprache und ihre Haltung einen Hinweis auf solchigem wurde er nach einigen Sätzen bestätigt als wir uns einander vorstellten. Ihre Absichten waren nobel und ich wage die stille Hoffnung, dass sich durch ihr Wirken etwas ändern könnte, dennoch wer war ich, dass ich meine Meinung ihr offen zutragen würde? Ich konnte nicht umhin ihren Mut zu bewundern mit dem sie gegen die unseligen Wesen auf dem Friedhof eisern die Stirn bot. Alsbald trennten wir uns und ich machte mich hinauf ins Armenviertel, um das Leid und die Not mit meinen bescheiden Mitteln zu lindern.
Diese Menschen dort hatten weniger als nichts und mein Herz zog sich oft zusammen, wenn ich das Leid und Elend dort sah. Ich hielt mich nur tagsüber dort auf und auch nur am Rande, denn in diesem Viertel gingen Gerüchte um, dass schon Menschen verschwunden waren. Heute lenkten mich meine Schritte zu dem Haus der Heilerin, auch wenn dort seit vielen Monden niemand mehr praktizierte hatte ich mir dort doch eine Art Heim geschaffen. In der Tasche hatte ich meine wenigen Utensilien dabei, einige getrocknete Kräuter, wohl verwahrt in kleinen Beutelchen, eine Salbe die aus Schweinefett bestand und dem öligen Auszug einer Pflanze aus dem Kräutergarten meiner Mutter. Dieser Salbe wurden wundheilende Eigenschaften zugeschrieben, ich war sogar etwas stolz auf mich, denn diese hatte ich erstmals selbst herstellen dürfen unter ihrem wachsamen Auge. Dazu einige saubere weiße Bandagen und einen Wasserschlauch mit frischem Wasser aus dem Flusslauf nahe unserem Hause.
Ich war diesmal etwas aufgeregt, denn bei meinem letzten Besuche war ein Mann eingetreten, sein Arm zeigte eine schwärende Wunde und ich war unsicher, ob er es wirklich über sich gebracht hatte und den Verband nicht abgerissen hatte, so wie ich es einfach erwartete. Heute war wirklich einer der Tage die versprachen ereignislos zu werden. Keiner besuchte mich und so setzte ich mich hinaus auf die Bank und sah den Fischern bei ihrem Tun auf dem Flusse zu. Die Luft war so warm und ich wurde langsam schläfrig, ich unterdrückte ein Gähnen und hielt mir die Hand vor dem Mund und blinzelte die Müdigkeit weg. Es war warm heute, einer der letzten warmen Tage wohl in diesem Jahr. Nur ein wenig die Augen zumachen, etwas schlafen und ja und dann wieder aufbrechen um heimzukehren auf den elterlichen Hofe.
Ich wusste nicht wie lange ich gedöst hatte oder ich so müde war und tatsächlich ein kurzes Schläfchen gehalten hatte. Auf einmal fröstelte es mich, die Sonne war verschwunden und es war kühler geworden. Verschlafen blickte ich auf und erschrak, als ich den unfreundlichen Fremden keine zwei Schritt von mir entfernt sah. Oh ja, ich kannte ihn und mein Blick wanderte hinab zu dem schwarzgräulich aussehenden Verband an dem ich deutlich auf getrocknetes Blut erkennen konnte. Er war tatsächlich wiedergekommen und der Verband, starrend vor Dreck, war immer noch an seinem Platze. So musste die subtile Drohung, dass er bei einer schlechten Heilung den Arm abnehmen lassen müsse, natürlich nicht von mir, denn ich war ja weit davon entfernt solches zu bewerkstelligen, dennoch Wirkung gezeigt haben. So stand ich rasch auf und deutete ihm sichtlich nervös an, dass er mir ins Innere folgen dürfe.
Während er sich hinsetzte und ich wusste, dass er mit schmalen Blicke jeden meiner Handgriffe genau beobachtete, entfachte ich ein Feuer im Herd und setzte einen Topf mit dem Wasser auf, welches ich mitgebracht hatte. Das Wasser musste erhitzt werden und einige Zeit lang kochen, ehe ich es vom Herd nehmen konnte um es abkühlen zu lassen. Dies benötigte einiges an Zeit und selbiger begann ich nun mit einem feuchten Tuche den verkrusteten Verband einzuweichen. Immer wieder tauchte ich ein sauberes Tuch in das frische kühle Nass und lies in Tropfen, durch auspressen, dieses sich entleerend auf den Verband regnen. Als er komplett durchfeuchtet war hielt ich inne und wartete, nebenbei schob ich das nun kochende Wasser vom Herd und stellte es zum Abkühlen an das offene Fenster. Wir schwiegen meist, er wusste, dass mich seine Worte schon einmal in Angst und Schrecken versetzt hatten und ich schwieg wohl, weil ich wirklich nicht wusste welches Gesprächsthema ich bei einem Wirt (wobei ich vermutete es war ein Schurke, Mörder oder Halsabschneider) anschlagen sollte, immer wieder fuhr ich mir nervös über meine Lippen. Sicherlich wusste ich stand unter dem Schutz der adeligen Dame, doch sie war nicht hier und was hielt ihn davon ab mir nicht irgendetwas anzutun, wenn ich getan hatte um was er mich mehr oder minder harsch aufgefordert hatte. Solche Gedanken zuckten mir durch mein Kopf und ich wusste, dass meine Mimik ihm ein Spiegel meiner Gefühle in schillerndsten Farben offenbarte.
Vorsichtig löste ich den aufgeweichten Verband von seiner Wunde und warf ihn dann ins Feuer, dann goss ich von dem erhitzten Wasser etwas in eine Schale, tauchte erst zwei Bandagen in selbige ehe ich meine Hände darin reinigte. Wieder waren mir seine Augen die mich beobachteten mehr als bewusst. Die Ränder der Wunde schienen nicht mehr so gerötet und als ich leicht an den Seiten darauf drückte trat auch keine gelbliche Flüssigkeit mehr heraus, die Wunde roch auch nicht mehr süßlich und nach halb verwesten Fleische. Zufrieden mit der Betrachtung nahm ich nun die angefeuchteten Bandagen und lies etwas von dem noch warmen Wasser auf die Wundoberfläche tropfen, dann begann ich die Wunde vorsichtig zu reinigen. Ich konnte sie nicht nähen, da er viel zu spät zu mir gekommen war, als sie sich durch Dreck wahrscheinlich verunreinigt und so verschlechtert hatte. Ich hatte beschlossen die Wunde nach der Reinigung mit der von mir gefertigten Salbe zu versehen und erneut Bandagen anzulegen. So hörte ich nur unser beider Atem doch ich grenzte selbst das aus, um mich ganz auf mein Tun zu konzentrieren. Die Wunde war nicht tief vielleicht halb so tief wie mein Daumennagel, aber ungefähr eine halbe Hand lang. Da der Schnitt glatt war vermutete ich ein Messer und keine Riss-oder Bisswunde. So drückte ich die Wundränder etwas zusammen und legte einen gefalteten Verband darauf wo ich ihn zu verstehen gab, dass ich nun seine Hilfe benötigte jenen festzuhalten, damit ich die Bandagen herum wickeln konnte. Ich atmete fast erleichtert auf als es vollbracht war, die Sonne war untergegangen und das Armenviertel wurde zusehends belebter, wie ich mit Beunruhigung feststellte. Sein Blick folgte dem meinen und ein spöttischer Zug trat auf seine Mundwinkel, als könne er meine Gedanken lesen.
Unbehaglich sah ich ihn an, sein Gesicht war zwar verschwitzt, doch seine Augen zeigten keinen fiebrigen Glanz mehr wie noch vor ein paar Tagen. Sein Angebot war schroff hervorgebracht, als er sah wie unwohl ich mich hier fühlte, dennoch willigte ich ein heute nicht mehr heimzukehren sondern in der nahen Stadt zu übernachten. Ich verstaute meine Utensilien und schweigend, wenn auch peinlich berührt, dass er mein Unbehagen und Gedanken über seinesgleichen zu lesen schien folgte ich ihm hinaus in die Nacht und gelangte unbeschadet unter seinem Schutze zu den Toren der Stadt.
Die Mitteilung meiner Eltern, dass ich diesen mir fremden Manne ehelichen sollte, ohne Liebe nur um die Höfe zu einen lies mich schwermütig werden und selten kam in dieser Zeit ein Lächeln auf meine Lippen. Tag um Tag reihte sich hintereinander, erfüllt mit Pflichten und Aufgaben welche mich erfüllten und mir so nicht allzu oft Zeit ließen noch tiefer Schwermut zu verfallen.
In den verwinkelten Gassen und Wege der kleinen Stadt gelang es mir noch immer regelmäßig mich zu verlaufen, obwohl ich das eher der Abwesenheit meiner Gedanken zuschreiben könnte. So ehrlich war ich mir zuzugestehen, dass ich oft abgelenkt war und einen Ausweg suchte aus meiner Lage.
So kams, dass ich eigentlich zum Marktplatz wollte und mich in einen der Wohnviertel wiederfand. Vor einigen Tagesumläufen machte ich am Friedhof nahe des Armenviertels die erfreuliche Bekanntschaft einer gerüsteten adeligen Dame. Gaben mir erst ihre höfische Sprache und ihre Haltung einen Hinweis auf solchigem wurde er nach einigen Sätzen bestätigt als wir uns einander vorstellten. Ihre Absichten waren nobel und ich wage die stille Hoffnung, dass sich durch ihr Wirken etwas ändern könnte, dennoch wer war ich, dass ich meine Meinung ihr offen zutragen würde? Ich konnte nicht umhin ihren Mut zu bewundern mit dem sie gegen die unseligen Wesen auf dem Friedhof eisern die Stirn bot. Alsbald trennten wir uns und ich machte mich hinauf ins Armenviertel, um das Leid und die Not mit meinen bescheiden Mitteln zu lindern.
Diese Menschen dort hatten weniger als nichts und mein Herz zog sich oft zusammen, wenn ich das Leid und Elend dort sah. Ich hielt mich nur tagsüber dort auf und auch nur am Rande, denn in diesem Viertel gingen Gerüchte um, dass schon Menschen verschwunden waren. Heute lenkten mich meine Schritte zu dem Haus der Heilerin, auch wenn dort seit vielen Monden niemand mehr praktizierte hatte ich mir dort doch eine Art Heim geschaffen. In der Tasche hatte ich meine wenigen Utensilien dabei, einige getrocknete Kräuter, wohl verwahrt in kleinen Beutelchen, eine Salbe die aus Schweinefett bestand und dem öligen Auszug einer Pflanze aus dem Kräutergarten meiner Mutter. Dieser Salbe wurden wundheilende Eigenschaften zugeschrieben, ich war sogar etwas stolz auf mich, denn diese hatte ich erstmals selbst herstellen dürfen unter ihrem wachsamen Auge. Dazu einige saubere weiße Bandagen und einen Wasserschlauch mit frischem Wasser aus dem Flusslauf nahe unserem Hause.
Ich war diesmal etwas aufgeregt, denn bei meinem letzten Besuche war ein Mann eingetreten, sein Arm zeigte eine schwärende Wunde und ich war unsicher, ob er es wirklich über sich gebracht hatte und den Verband nicht abgerissen hatte, so wie ich es einfach erwartete. Heute war wirklich einer der Tage die versprachen ereignislos zu werden. Keiner besuchte mich und so setzte ich mich hinaus auf die Bank und sah den Fischern bei ihrem Tun auf dem Flusse zu. Die Luft war so warm und ich wurde langsam schläfrig, ich unterdrückte ein Gähnen und hielt mir die Hand vor dem Mund und blinzelte die Müdigkeit weg. Es war warm heute, einer der letzten warmen Tage wohl in diesem Jahr. Nur ein wenig die Augen zumachen, etwas schlafen und ja und dann wieder aufbrechen um heimzukehren auf den elterlichen Hofe.
Ich wusste nicht wie lange ich gedöst hatte oder ich so müde war und tatsächlich ein kurzes Schläfchen gehalten hatte. Auf einmal fröstelte es mich, die Sonne war verschwunden und es war kühler geworden. Verschlafen blickte ich auf und erschrak, als ich den unfreundlichen Fremden keine zwei Schritt von mir entfernt sah. Oh ja, ich kannte ihn und mein Blick wanderte hinab zu dem schwarzgräulich aussehenden Verband an dem ich deutlich auf getrocknetes Blut erkennen konnte. Er war tatsächlich wiedergekommen und der Verband, starrend vor Dreck, war immer noch an seinem Platze. So musste die subtile Drohung, dass er bei einer schlechten Heilung den Arm abnehmen lassen müsse, natürlich nicht von mir, denn ich war ja weit davon entfernt solches zu bewerkstelligen, dennoch Wirkung gezeigt haben. So stand ich rasch auf und deutete ihm sichtlich nervös an, dass er mir ins Innere folgen dürfe.
Während er sich hinsetzte und ich wusste, dass er mit schmalen Blicke jeden meiner Handgriffe genau beobachtete, entfachte ich ein Feuer im Herd und setzte einen Topf mit dem Wasser auf, welches ich mitgebracht hatte. Das Wasser musste erhitzt werden und einige Zeit lang kochen, ehe ich es vom Herd nehmen konnte um es abkühlen zu lassen. Dies benötigte einiges an Zeit und selbiger begann ich nun mit einem feuchten Tuche den verkrusteten Verband einzuweichen. Immer wieder tauchte ich ein sauberes Tuch in das frische kühle Nass und lies in Tropfen, durch auspressen, dieses sich entleerend auf den Verband regnen. Als er komplett durchfeuchtet war hielt ich inne und wartete, nebenbei schob ich das nun kochende Wasser vom Herd und stellte es zum Abkühlen an das offene Fenster. Wir schwiegen meist, er wusste, dass mich seine Worte schon einmal in Angst und Schrecken versetzt hatten und ich schwieg wohl, weil ich wirklich nicht wusste welches Gesprächsthema ich bei einem Wirt (wobei ich vermutete es war ein Schurke, Mörder oder Halsabschneider) anschlagen sollte, immer wieder fuhr ich mir nervös über meine Lippen. Sicherlich wusste ich stand unter dem Schutz der adeligen Dame, doch sie war nicht hier und was hielt ihn davon ab mir nicht irgendetwas anzutun, wenn ich getan hatte um was er mich mehr oder minder harsch aufgefordert hatte. Solche Gedanken zuckten mir durch mein Kopf und ich wusste, dass meine Mimik ihm ein Spiegel meiner Gefühle in schillerndsten Farben offenbarte.
Vorsichtig löste ich den aufgeweichten Verband von seiner Wunde und warf ihn dann ins Feuer, dann goss ich von dem erhitzten Wasser etwas in eine Schale, tauchte erst zwei Bandagen in selbige ehe ich meine Hände darin reinigte. Wieder waren mir seine Augen die mich beobachteten mehr als bewusst. Die Ränder der Wunde schienen nicht mehr so gerötet und als ich leicht an den Seiten darauf drückte trat auch keine gelbliche Flüssigkeit mehr heraus, die Wunde roch auch nicht mehr süßlich und nach halb verwesten Fleische. Zufrieden mit der Betrachtung nahm ich nun die angefeuchteten Bandagen und lies etwas von dem noch warmen Wasser auf die Wundoberfläche tropfen, dann begann ich die Wunde vorsichtig zu reinigen. Ich konnte sie nicht nähen, da er viel zu spät zu mir gekommen war, als sie sich durch Dreck wahrscheinlich verunreinigt und so verschlechtert hatte. Ich hatte beschlossen die Wunde nach der Reinigung mit der von mir gefertigten Salbe zu versehen und erneut Bandagen anzulegen. So hörte ich nur unser beider Atem doch ich grenzte selbst das aus, um mich ganz auf mein Tun zu konzentrieren. Die Wunde war nicht tief vielleicht halb so tief wie mein Daumennagel, aber ungefähr eine halbe Hand lang. Da der Schnitt glatt war vermutete ich ein Messer und keine Riss-oder Bisswunde. So drückte ich die Wundränder etwas zusammen und legte einen gefalteten Verband darauf wo ich ihn zu verstehen gab, dass ich nun seine Hilfe benötigte jenen festzuhalten, damit ich die Bandagen herum wickeln konnte. Ich atmete fast erleichtert auf als es vollbracht war, die Sonne war untergegangen und das Armenviertel wurde zusehends belebter, wie ich mit Beunruhigung feststellte. Sein Blick folgte dem meinen und ein spöttischer Zug trat auf seine Mundwinkel, als könne er meine Gedanken lesen.
Unbehaglich sah ich ihn an, sein Gesicht war zwar verschwitzt, doch seine Augen zeigten keinen fiebrigen Glanz mehr wie noch vor ein paar Tagen. Sein Angebot war schroff hervorgebracht, als er sah wie unwohl ich mich hier fühlte, dennoch willigte ich ein heute nicht mehr heimzukehren sondern in der nahen Stadt zu übernachten. Ich verstaute meine Utensilien und schweigend, wenn auch peinlich berührt, dass er mein Unbehagen und Gedanken über seinesgleichen zu lesen schien folgte ich ihm hinaus in die Nacht und gelangte unbeschadet unter seinem Schutze zu den Toren der Stadt.