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Dornige Wege
Verfasst: Donnerstag 9. August 2012, 22:01
von Corinne von Weissenstein
Seit Tagen schon weitete sie ihre Streifzüge von Adoran aus immer wieder, immer mehr in Richtung Kloster aus. Sie fühlte sich noch immer nicht bereit, sich den Menschen und dem unvermeidlichen Mitleid in ihren Augen wieder zu stellen, so hielt sie sich von ihnen fern. Doch aus irgendeinem Grund schienen all ihre Wege nach und nach auf das Kloster zuzuführen.
Drei Tage bewegte sie sich bereits in diese Richtung, seit zweien fühlte sie sich beobachtet und gestern hatte sie zum ersten Mal den Schatten gesehen, der ihr in einigem Abstand durch den Wald folgte. Sie sah Nachts niemals Feuer oder Rauch, aber tagsüber, während sie sich wieder bewegte um ihrer eigenen Trauer davon zu laufen, sah sie hin und wieder ein Stück blaue Haut oder schwarzen Stoff aufblitzen. Sollte das einer der viel beflüsterten Letharen sein? Sie schüttelte energisch den Kopf bis der Gedanke wieder verschwand. Spätestens morgen würde sie das Kloster erreichen, und damit Sicherheit. Nur eine Nacht noch atmen, eine weitere Nacht überstehen, nicht wirklich tief schlafend aber auch nicht wachend. Wie schwer konnte das schon sein?
Hinter ihr knackte es im Gesträuch und sie fuhr rasch herum, der Bogen wurde von der Schulter gerissen, doch es zeigte sich nichts. Kein weiteres Geräusch folgte und schon bald entspannte sie sich wieder. Einbildung... Alles Einbildung eines übermüdeten Geistes.
Verfasst: Donnerstag 9. August 2012, 22:58
von Qis´arx
Knick-Knack. Das Holz zerbrach unter ihren Füßen und missmutig spitzte sie ihre schmalen Lippen. Die hellblauen, schmalen Augen, blitzten kurz im Licht des Mondes auf, als jener sich durch das Geäst zu ihr hin kämpfte. Ihre Beobachtung wurde auf sie aufmerksam. Jedoch nicht weil sie es wollte, sondern weil sie unvorsichtig war und ihre Füße etwas berührten, was einen Laut erzeugte. Diesen ungeschickten Schritt verwischte sie allerdings mit der Reaktionsschnelligkeit, welche sie an den Tag legte. Und egal wie schnell sich die Adlige umdrehte, der Schatten hatte die Lethra bereits wieder vollkommen eingenommen und ließ ein leeres Waldstück zurück.
Sie konnte die kurze Panik in ihrem Gesicht regelrecht schmecken, und das war ihr der Besuch an jenem Abend, so nahe am Kloster, erneut wert. Lange müsse die Frau nicht mehr warten, lange wird es nicht mehr dauern, dann wird sie ihr offenbaren, was sie die letzten Tage so paranoid machte.
„Schritt für Schritt, Seele für Seele. Dem Ziel des Vaters immer näher...“
Verfasst: Freitag 10. August 2012, 14:07
von Corinne von Weissenstein
Immer wieder fielen ihr die Augen zu, während sie am glimmenden Feuer saß. Das Gefühl verfolgt zu werden hatte nicht nachgelassen, doch sie war so müde... so furchtbar müde. Immer wieder forderte der Schlaf sein Recht ein, ihr Kopf sank auf die Brust und sie fiel in einen wenige Augenblicke andauernden Schlaf. Sie war gelaufen solange sie konnte, hatte sich bewegt bis die Nacht zu dunkel geworden war um sich weiter durch den Wald zu begeben, ehe sie ein Feuer gemacht und rasch eine Hand voll Beeren gegessen hatte.
Ihr Körper war verspannt. Das war nicht weiter verwunderlich. Sie war dünner als gewöhnlich. Ebenfalls nichts was sie verwunderte. Diese Angst... dieses unbestimmte, stetig zunehmende Gefühl von Bedrohung, von Gefahr... ihre Sinne die danach brüllten wegzurennen, zu fliehen so lange sie es noch konnte... Nein, das war keinesfalls etwas, das sie akzeptieren konnte. Sie kannte diese Wälder, sie hatte ihren Bogen. Es gab nichts, womit sie nicht fertig werden würde!
„Temora steh mir bei und bring mich sicher ins Kloster“ flüsterte sie immer wieder leise vor sich hin. Durch ihr eigenes Gemurmel und das leise Rauschen der Blätter über ihrem Kopf fiel sie schließlich in einen leichten, flachen Schlaf. Morgen... morgen würde sie im Kloster ankommen und dort bleiben.
Verfasst: Samstag 11. August 2012, 19:41
von Qis´arx
„Seele, Seele komm' herbei. Komm' näher und zeig' mir allerlei. Seele, Seele lass' dich fangen, Seele, Seele du musst nicht bangen. Hab keine Scheu, greif meine Hände, keine Sorge, oh Seele, kleine Seele, dein Leben hat bald ein Ende. Ich werde dich greifen, die Pranken schlagen zu. Dein wertloser Leib wird sich hingeben und du hast deine Ruh'. Seele, Seele renne nicht, bleib da. Dein Schicksal ist bestimmt von Alatar.“
Ein kurzes Fauchen hallte durch den düsteren Wald. Der Wahnsinn der Adligen wurde somit weiter bestärkt. Doch diese Nacht, in dieser Nacht würde ihr wohl bewusst werden, dass die Begegnung mit dem Schatten, welcher sie verfolgte, nur noch wenige Herzschläge entfernt war.
Die kleine Lethra rannte durch die dunkle Nacht, das Laub raschelte und die Äste gaben ein direktes Knacken von sich. Qis'arx war schnell und ihr Gesicht war benetzt von einem fast schon irren Grinsen. Amüsierte es sie doch offensichtlich, wie ihre Beute regelrecht durchdrehte. Und so wurden die großen Kreise, welche die Lethra mit ihren Füßen nahm, noch eine Weile gezogen, bevor sie endlich zum Stehen kam und ihr dürrer, kleiner Leib auf die Lichtung kam. Die spitzen Züge wurden vom Mondlicht überdeckt und die Templerin Alatars war bereit. Sie streckte den rechten Arm zur Seite hin, rammte ihren Stab in den Boden und die Präsenz ihres Vaters zog im nächsten Windhauch mit.
Und so stand sie da, mit diesem makaberen Lächeln im Gesicht, untermalt von einem Hauch von Blutrünstigkeit, welche durch ein kurzes Zähne fletschen verdeutlicht wurde. Neben ihr, in gemächlichem Schritte, reihte sich ein schwarzer Panther ein.
Verfasst: Dienstag 14. August 2012, 00:10
von Corinne von Weissenstein
Zitternd kniete sie vor dem Schrein der Gerechtigkeit, ins Gebet versunken. Stille und das leise, stetige Plätschern des Wassers ließen die Angst der vergangenen Tage beinahe wie einen Traum erscheinen. Einen verdammt üblen Traum, der die dumme Angewohnheit hatte im Licht des neuen Tages nicht zu verblassen. Statt dessen schien die Erinnerung bei Tageslicht an Intensität zu gewinnen, ihr Herz in ein eisernes Band aus Angst und Panik zu schlagen, dem Wahnsinn deutlich näher als dem klaren Verstand. Dennoch glaubte sie unerschütterlich daran, dass es sich um eine Prüfung Temoras handelte. Sie vertraute, glaubte mit allem was sie ausmachte an ihre Göttin.
Ein knallendes Geräusch, einer Explosion nicht unähnlich schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Mehr aus Reflex denn aus klarer Entscheidung griff sie nach dem Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne. Knall. Eine zweite Explosion. Dann eine dritte und das unbestimmte Gefühl, das eine Hand an ihrer Kleidung zerrte. Vor Schreck ließ sie die Sehne los, der Pfeil schwirrte ins Dunkel des Waldes davon und bohrte sich in einen Baumstamm. Rasch wurde ein zweiter Pfeil auf die Sehne gelegt, flog los als die Lethra aus dem Schatten der Bäume trat und ritzte sie an der Wange. Nur eine kleine Wunde. Vollkommen harmlos, sollte man meinen.
Dann wurden ihre Beine schwächer... noch schwächer... verloren an Kraft bis sie schlussendlich zusammenbrach. Ein Tritt des männlichen Letharen und sie verlor das Bewusstsein. Blut rann aus einer Platzwunde an ihrem Hinterkopf in die hellblonden Haare, verklebten sie um die Wundränder herum, ihr Atem ging unregelmäßiger, das Herz flatterte. Dann... dann bestand ihre Welt statt aus gnädiger Ohnmacht aus Schmerzen. Schmerzen deren Quelle sie nicht auszumachen vermochte, doch gegen die ihr Körper sich mit aller verbliebenen Kraft wehrte. Wie dumpfes, dissonantes Dröhnen vibrierte die Qual durch ihre Nerven, obwohl ihr Körper nicht verletzt wurde. Sie wand sich und schrie, schrie, schrie in der Hoffnung den Schmerzen für immer zu entfliehen. Doch noch immer glaubte sie.
Die Stimme der Lethra wurde übermächtig, laut in ihren Ohren, das schändliche Lästern hallte, wurde irgendwie verstärkt während vor ihrem inneren Auge der Schrein zerfiel, verging... der Wald welkte und schlussendlich nicht mehr da war. Bis sie nur noch die Lethra sah, nur noch ihre verderbten, von Alatar verdorbenen Worte vernahm. Doch sie glaubte weiter. Sie flehte Temora um Schutz an, um Beistand. Beistand, der nicht gewährt wurde.
Dann ein Gefühl der Enge in ihrem Kopf, Wände aus purer Finsternis, die ihren Verstand zu zerquetschen drohten, doch noch immer nahm die Stimme der Lethra zu. In dem Moment als ihr Geist von der Finsternis zerquetscht und zerfetzt wurde, glitt die scharfe Spitze eines Stabes in ihre Brust, durchbohrte das schlagende Herz. Ein letztes Mal bäumte sich der schlanke Körper auf. Ein letzter, gellender Aufschrei der einem erstickten Gurgeln wich. Ein letzter Hauch von ihren Lippen. Dann schlossen sich die smaragdgrünen Augen – für immer. Endlich hatte die Qual ein Ende und sie lag still, während das Blut ihre Kleider tränkte.
Sorgfältig deponierte die Lethra den Körper der Adeligen so, das man sie für eine ins Gebet versunkene Frau halten musste. Dann verließen sie den Ort, der einst Frieden verheißen hatte, nahmen die schändlichen Klänge ihrer Sprache mit und hinterließen nichts als Stille. Stille, und eine noch immer warme und blutende Leiche.
Verfasst: Dienstag 14. August 2012, 12:36
von Aaron Prochska
Es waren die frühen Stunden des Morgens. Die Sonne stand an einem hellen sommerlichen Morgen gerade weit genug über dem Horizont als das die Farben weniger in einem Orange erscheinen. Langsam verdrängte die aufkommende Wärme des Tages die letzten Nebelschwaden als sich zwei Diener des Klosters auf den Weg machten.
Ziel war ein Schrein, der Schrein der Gerechtigkeit. Der Schrein der dem Kloster am nächsten war und dank der Lauffaulheit einiger Kirchendiener damit die größte Aufmerksamkeit erfuhr.
Eine Betende Person die die Nacht am Schrein verbrachte war an und für sich nichts ungewöhnliches. So gingen die Diener erst der Arbeit nach, stellten einige Kerzen auf, entfernten etwas Dreck von den Sklupturen und klaubten Blätter von den niedrigen Mauern. Sie entfernten Blut von den Steinen. Blut? - Die Diener hielten in Ihrer Arbeit inne, sahen sich um, betrachten den Pfeil im Baum und dann erst besahen sie die im Gebet verweilende näher um nach einigem hin und her panisch ihren Tod fest zu stellen. - Vom Grauen gepeinigt das an solchem Ort ein solches Verbrechen statt fand rannten sie zum Kloster zurück.
Die Sonne bewegte sich unerbittlich am Firmament und es wurde bald schon Mittag als die Klosterwache unter der Leitung des Inquisitors die Betrachtung des Schreins abgeschlossen hatte und der Leichnahm der jungen adligen aufgebahrt ins Kloster verbracht wurde.
Der Inquisitor verweilte noch lange an jenem Schrein dessen Tugend er so hoch achtete, die er so mystifizierte. Gerechtigkeit. - Eine Tugend so klar, so nah, so fern und so unendlich unscharf wie der Horizont am Meer an diesem Sonnigen Tag.
Verfasst: Mittwoch 15. August 2012, 15:20
von Qis´arx
„Sage mir, jämmerliches Wesen, wo ist Temora nun? Sie hält dein Herz in den Händen? Ich zeige dir in wenigen Sekunden wer wirklich dein Herz in den Händen hält und beweise dir, dass du dein ganzes Leben lang an eine Lüge glaubtest.“
Egal wie klein, egal wie lieblich die Züge, die Seele der Lethra schien regelrecht verdorben zu sein. Geprägt von Alatar, geformt von Ereignissen. Mit dieser bedrohlichen Fratze stand sie da, geschmückt mit einem abartigen Lächeln, welches sie nur für die Adlige formte. Ihre Hände hielten bereits den Templerstab in ihre Richtung, die Spitze berührte ihren Brustkorb und während sie noch ihre Predigten sprach, wurde das dunkle Holz von der Präsenz des Vaters umschlungen. Es würde in den nächsten Sekunden ein Ende finden und doch kam es einen vor, als würde die Zeit einen Moment inne halten. Der letzte Moment, der letzte Augenblick, der letzte Herzschlag. Tick, tack... und der Stab wurde vor gestoßen, als würde die Lethra Billard spielen und das Herz der Adligen sei die weiße Kugel. Ein letzter Schrei hallte durch den kleinen Wald, dann hörte man nur noch den dumpfen Knall des Körpers, wie er zu Boden ging, begleitet von einem rhythmischen Tropflaut, welchen der Stab erzeugte, der nun wieder in korrekter Position in ihrer Hand weilte. Die Präsenz Alatars war verschwunden und nun war es Blut, welches den Gegenstand umhüllte.
Die Lethra merkte noch, wie der Blick ihres Bruders auf ihr lag, als sie den Körper der Adligen, bevor er die Todesstarre erreichte, in betender Position auf der Bank formte. Eine letzte Handbewegung folgte, als sie den Kopf der Blonden tätschelte, fast schon liebevoll. Dann wendete sich ihr Leib ab und die blauen Kinder Alatars verschwanden wieder in der Dunkelheit der Nacht, so lautlos, wie sie auch gekommen sind.
Es schien alles perfekt gelaufen zu sein, so wirkte es zumindest die ersten Stunden. Aber als die Lethra das Axorn wieder betreten hatte, schienen ihre Augen ihr einen Streich zu spielen. Immer mal wieder verlor sich ihr Blick in Dunkelheit und mit einem übertriebenen Blinzeln, gepaart von dem Reiben durch die Augen, wurde all dies nicht besser. Selbst als sie an eine helle Stelle ging, penetrant ins Licht starrte, beflügelte sie das eher mit Unbehagen als mit Zuversicht. Die schmalen Finger tasteten sich langsam an ihrer Wange entlang und der kleine Schnitt, welcher von der Pfeilspitze erzeugt wurde, hatte eine leichte Schwellung angenommen. Das Gift erzielte seine Wirkung und die Lethra ließ ihrer Wut über jene Erkenntnis freien Lauf...