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Das Ableben von Serra.

Verfasst: Donnerstag 2. August 2012, 18:12
von Serra
Serra verbrachte ihre Kindheit in einem kleinen Dorf, weit fernab von Gerimor. Ihre eher mittelständische Familie, welches wohl auch ziemlich Unüblich nur aus den beiden Elternpartien bestand war in jenem Dorf angesehen und gerne Willkommen.
Der Vater war vom Beruf ein Zimmermann, reiste öfters in die umliegende Städte um bei den Adligen seine handwerklichen Fähigkeiten zum Dienst anzupreisen. So ist es die Aufgabe der Mutter gewesen, neben ihrer meisterlichen Tätigkeit als Schneiderin Serra zu erziehen.

Man kann vom Glück sprechen, Serra hatte eine strenge, aber auch wohlgesonnene Kindheit. Es ist eine Familientradition, den Beruf eines der Eltern zu erlernen und weiterzuführen, schon im frühen Kindesalter wurde dem Mädchen den Umgang mit Nadel und Faden und anderem Geschirr zum Schneiderhandwerk nahegelegt. Allerdings nur mit mäßigen Erfolg, zur Perfektion den Titel einer Meisterin tragen zu dürfen, fehlte ihr einfach das 'gewisse' Etwas. Ihre Schnitte und Nähte wirkten nahezu langweilig, schlicht und im einfachsten Fall nachgeahmt. Ebenso lässt dies auch das Gesamtbild der hergestellten Kleidungsstücke beurteilen.

Nach längerer Diskussion und ewigen Überlegens kamen beide Eltern zu dem Entschluss, die mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsene Serra soll um das Schneider-Handwerk zu perfektionieren, das Dorf verlassen, eine Reise antreten nach Gerimor. Auf jenem Lande bei einem der dort ansässigen Schneider neue Techniken erlernen, Fähigkeiten in der Kunst mit Nadel und Faden zu Fördern.
Die naive junge Frau ist sogleich in wenigen Tagen den Wunsch nachgegangen, das Dorf zu verlassen, die lange Reise auf sich zu nehmen und mit der Hoffnung keine Enttäuschung für den Stolz ihrer Mutter zu sein.


Die Eltern haben all hart Ersparte für die lange Reise auf sich genommen, damit die junge Frau auf dem Passagierschiff eine ruhige und unbeschwerte Fahrt verbringt. Mit ein paar Habseligkeiten im Gepäck betritt Sie dann nach einer gefühlten Monatelangen Reise endlich festes Land unter den Füßen, das Land Gerimor. Das kleine Dörfchen nannte sich Bajard und wie ein Glückstreffer, war am selbigen Abend an jener Örtlichkeit ein monatlich stattfindender Markt. Es war eine Leichtigkeit den Stand einer Schneiderin ausfindig zu machen. Eine ganze Weile werden die vielen ausgelegten Waren angesehen, eher ein prüfender wie musternder Blick. Die Säume der Kleider waren meisterhaft gefertigt, ein feiner und gerader Schnitt, im ganzen Betrachtet ein traumhafter Anblick. Schon bald nach dem der Trubel der vielen Kunden und Interessenten vergangen ist, wurde die Verkäuferin auf die schüchterne junge Frau aufmerksam, welche immer noch mit Interesse die feinen Stoffe betrachtet. Die Verkäuferin war zugleich auch die Herstellerin der schönen Kleider, ihr Name war Verdania Zac. Nach nur einem kurzen Gespräch signalisierte Serra schon bald ihr Gesuch an einer Schneidermeister in, den Wunsch der Mutter nachzukommen.
Man verabredete sich zu einem weiteren Gespräch, welches sich sogleich auch schon als Anstellung für eine Lehrlingsausbildung in der Schneiderei von der Meisterin Zac entpuppte.
Auch hierbei tritt nicht der erwartete Erfolg ein, dennoch mit voller Eifer und Tatendrang werden all die Aufgaben erledigt, die man ihr Aufträgt.

Mit der Zeit werden viele Kontakte geknüpft, Serra beginnt Freundschaften zu schließen, wird bei ihren Mitmenschen angesehen und lernt das Land Gerimor kennen. Auch ihre Liebe findet Sie hier, zu einem gewissen Menschen. In ihrer Heimat hatte Sie es eher Missachtet, es wäre Furchtbar gewesen, die Mutter zu enttäuschen und aus dem vorgenannten Dingen das Handwerk ruhen zu lassen. In Gerimor war es anders, die Mutter war weit fernab, ein Besuch war nicht abzusehen, lediglich der Briefkontakt blieb erhalten, Unwahrheiten oder das weglassen von eigentlich wichtigen Informationen lässt den Ärger und das groß der Enttäuschung vorerst Ruhen.
Die Zuneigung und Liebe zu der Person würde das ganze wohl noch auf die Spitze türmen lassen, denn der Mensch war vom gleichen Geschlecht. Es würde das Bild der Familie gänzlich Zerstören, die Tradition wird nicht fortgeführt, keine Hochzeit, kein Kinderkriegen, mit einer Frau ist dies unmöglich. Man wird von fremden Menschen schief angesehen, von manch einem sogar verspottet.
Die ihr nah stehenden und Freunde die, die junge Schneiderin erst auf Gerimor kennen lernte, beteuerten ihr Beistand und trotz der anfänglich aufkeimenden Zweifel sich für die Liebe zu entscheiden, erstmalig gegen den Willen der Mutter.

Ihr Name ist Sophie Tangran, wie sich schon baldigst herausstellt, für Serra auch der erste Kontakt zugleich zu einer Magierin, jedoch geplagt von Enttäuschungen aus vorangegangenen Liebschaften.
Die naive und junge Schneiderin setzt alles daran, Vertrauen zu gewinnen,hegt zum einen ein Interesse für ihre Arbeit, als Lehrerin an der Academia Arcana und dem Liedwirken selbst, aber auch der bedingungslosen Treue. Man habe den Anschein, als hätte man sich gesucht und gefunden.
Schon nach nur wenigen Monaten tritt der Tag der Verlobung ein, auch wenn es nicht einfach ist, jemanden zu Finden wer die Hochzeitszeremonie durchführt, die Trauung und aber auch die passende Örtlichkeit, die beiden Groß-Reiche auf Gerimor würden eine solche Hochzeit gänzlich ablehnen.


Schon nur nach kurzer Zeit wird Serra den Mut fassen, die Heimreise antreten zu wollen, um den Eltern von ihrem Glück berichten. Sie hoffte stets, das ihre Mutter es verstehen würde, bislang gab es kaum eine Aufregung, niemand Beschwerte sich über die gleichgeschlechtliche Liebe. Kaum an der heimatlichen Anlegestelle angelegt, winkten ihr schon bekannte und vertraute Gesichter zu, aber dennoch war das Ziel der jungen Frau bei den Eltern anzukommen, nach der langen Abwesenheit. Die Freude daheim war groß, Serra hatte viel zu Berichten schon gleich dabei fiel der Mutter der rote Rubinring auf. Es hieß nun, Rede und Antwort zu stehen, man wollte alles genau Wissen, um so mehr Sie von ihrer Verlobten Berichtete, umso größere wurde die aufkeimende Wut beider Eltern.

Es war schon gegen Abend, als das Thema ihrer Verlobung angesprochen wurde, im Hauptraum wurde der Kamin schon angesteckt, der den Raum in ein warmes Licht erfüllt.

„Ich Liebe diese Frau, ich möchte nicht mehr von ihrer Seite weichen!“ , einer der vielen Sätze, die auf widerstand und Abscheu der Eltern stoßen.

„Du kannst doch nicht, … eine Gleichgeschlechtliche Liebe ist verboten, ...“

Für Serra schien die Lage wie Aussichtslos, stößt auf harte Gegenwehr, schafft es zu keiner Überzeugung ihrer Eltern. „Ich hasse euch, ihr gönnt mir nie etwas. Nie! Ihr seid nicht länger meine Eltern“, schreit sie vor Zorn und Verzweiflung,
„Ich will Euch beide nie wieder sehen!“ , waren die letzten Worte, die das Kind ihren Eltern unter Tränen entgegen schrie.

Eilig hastet Serra ins Dorf, zurück zum Hafen.
Doch dort kommt alles anders, wie erwartet das nächstbeste Schiff zur Heimreise anzutreten, hatten dort die Mannschaftsboote der Piraten angelegt und begannen das Dorf zu Plündern, Brandschatzen und scheinbar besinnungslos und gleichgültig die Dorfbewohner und alles was sich in die Quere stellt ab zu schlachten. Für Serra ein tragisches Verhängnis, dass Sie direkt einem der Piraten, wörtlich gesagt, in die Arme läuft, der bereits mit angelegtem Schießeisen einen tödlichen Schuss abgibt. Unter Tränen und in einer Blutlache erliegt Serra dann ihren Verletzungen und Blutungen.

Verfasst: Freitag 3. August 2012, 20:38
von Gast
"Wann ist das Leid endlich vorbei", erklang Sophies leise Stimme. Unruhig hatte sie sich die Nacht im Bett umher gewälzt. Mit einem Blick aus dem Fenster realisierte sie, dass bereits der Morgen angebrochen war: Erste Sonnenstrahlen brachen durchs Glas und Vögel zwitscherten ihre Melodien. Als das Licht ihr Gesicht kitzelte, wandte sie sich herum und schwang den Arm um die freie Bettseite. Was in Vorfreude geschah, fand in einem tiefen Seufzer ein Ende: Serra lag nicht neben ihr. Nie mehr.

Trauer drohte sie erneut zu übermannen. Am Vortag wurden bereits genug Tränen vergossen. Nur mit der Hilfe von Freunden und eindringlicher Zusprache ihres älteren Bruders gelang es der jungen Dozentin, den Schmerz des Verlustes zu ertragen. Serra war seit Langem der erste Mensch gewesen, den sie nicht nur liebte, sondern dem sie auch zu vertrauen gelernt hatte. Selbst die Hochzeit stand vor der Tür - "Doppelhochzeit", schlug Simantun ihr vor, und die Vorderfreude war groß.

Je länger sie den Blick auf dem bestickten Kissen verweilen ließ, das sie ihrer Verlobten geschenkt hatte und die verspielte Aufschrift "Für mein liebstes Serrchen" trug, umso stärker spürte sie ihren Magen rebellieren. Mit steigender Nervosität kündigte sich neuer Kummer an. Vieles erinnerte sie an ihre verstorbene Partnerin. Sie musste das einsam wirkende Haus dringend verlassen. Anstatt sich jedoch von den wieder aufkeimenden Tränen leiten zu lassen, hielt sie inne, und bereitete eine Tragetasche mit Reiseproviant vor. Ihr junges Kätzchen legte den Kopf schief und betrachteten die Hektik des ansonsten gelassenen Frauchens verwundert. "Schau' mich nicht so traurig an, Maumau, ich bin rechtzeitig zum Abendessen zurück", rang sich Sophie zu einem kurzen Lächeln durch und kraulte dem neugierigen Tier den Kopf. Als hatte die Katze verstanden, sprang sie wieder vom Tisch herunter und ließ einem abgenutzten Wollknäuel verspielte Aufmerksamkeit zukommen.

Nachdem der Riemen der großzügig gefüllten Tasche um die Schulter geschwungen war, machte sich Sophie in Richtung Fuachtero auf. „Na, der Sommer ist wohl zu heiß für dich“, witzelte der Kutscher zu Bajard, als die Eisinsel zum Ziel ernannt wurde, und das Gefährt setzte sich unter Poltern in Bewegung. Es sollte ein langer Tag werden: Von Rahal aus segelte schließlich das Schiff in Richtung Norden, und dort wiederum angekommen, schien der Kapitän Sophie wiederzuerkennen. „Ach, du bist es, Kleine – willst wieder dein Mädel besuchen gehen“, stellte er vermeintlich fest und lachte kehlig, doch keinesfalls feindselig, auf. Sophie bemühte sich um ein gequältes Lächeln, nickte stumm, und ging an Bord. „So, da wären wir. Keine halbe Stunde hab' ich gebraucht! Ha! Das ist mal 'n Rekord“, brummte der dickbäuchige Alte der jungen Magierin, mit stolz gestreckter Brust, zu. Eine großzügige Handvoll Gold übergab sie dem gut gelaunten Schiffsmann, der wiederum verwundert den Kopf schief legte. „Das sind zehn Kronen. Warte hier auf mich“, erklang Sophies seriöse Stimme in seinen Ohren, und etwas überrumpelt wirkend, nickte der hochgewachsene Kerl. „Sicher, Kleines; wenn auf 'nen alten Seebären Verlass ist, dann auf mich“, bekräftigte dieser seine Worte mit der tiefen Bass-Stimme und winkte der zierlichen Gestalt mit erhobener Pranke nach. „Aber sei vorsichtig, Kleines, 's Kaff soll neulich von Räubern regiert werden“, rief er besorgt, und sah die Silhouette der Magierin langsam in der angebrochenen Dunkelheit verschwinden.

Tatsächlich sah nichts mehr so aus, wie früher: Wo einst kleine, verträumte Häuser zu einem näheren Blick einluden, standen nun Palisaden mit aufgespießten Totenköpfen, und die idyllische Siedlung glich eher einem unheimlichen, kürzlich aufgerichteten Lager. Sophie drückte sich mit dem Rücken an die Palisade, und spähte vorsichtig durch den Eingang. Davor hatte sie mit einem Zauber der Illusion ihre Nachtsicht geschärft. Mit geschlossenen Augen, und der erforderlichen Konzentration für die Wahrnehmung des Liedes, verschaffte sie sich Ruhe. Einst hatte sie es gehasst, die Klänge zu fühlen, die sie zum Wirken bemächtigten, und geriet oftmals sogar in Panik, als sie partout nicht aufhören wollten. Nun gab ihr jenes Empfinden jedoch ein Gefühl der Geborgenheit. Sie wusste somit, dass sie nicht ungeschützt war. Das Lager wurde spärlich durch Fackelschein erhellt, und in der Dunkelheit war Sophie in ihrem Kapuzen-Mantel nur schwer auszumachen.

Weiterhin spähte sie durch den Eingang, und als sie eine weibliche Räuberin hinausschleichen sah, gelang es ihr, durch weiteres Wirken, den Bewegungsapparat der jungen, mit Doppelmessern gerüsteten Frau, zu hemmen. Sie ruderte verwundert mit den Armen, doch die Beine wollten sich partout nicht mitbewegen. „Was soll 'n der Scheiß!? Hey, ich finde das nicht lustig... Oh“, ein Speer aus Eis, der blutig aus ihrem Bauch herausragte, hielt sie davon ab, ihre Stimme weiter erklingen zu lassen. Langsam ließ Sophie den Speer verschwinden, und sah die junge Räuberin tot in ihrer Blutlache sinken. Sie brauchte einen Moment, um sich zu fassen: Der beißende Gestank von Blut stieg ihr in die Nase, und das Bild der hinterhältig erstochenen Räuberin ließ ihr Herz wild schlagen. Nie hatte sie einen Menschen getötet; nur langsam gewann sie neuen Mut, um mit zitternder Hand die getötete Frau auszuziehen, und in deren Kleidung zu schlüpfen. Befestigte ebenso die Doppelmesser an ihrem Gürtel und zog wieder die Kapuzen-Robe an.
Es war schwer, die verbliebenen Klangfragmente der Toten zu vernehmen, doch nutzte sie diese, um immerhin ihre Stimme zu verstellen. In der tiefen Dunkelheit hätte ohnehin niemand schnell ihre falsche Identität feststellen können.

„Hey, Puppe, besuchst du mich nachher in mein' Zelt“, erklang die kecke Frage eines nach Fisch stinkenden Räubers, der nass und offensichtlich vor Kurzem in den nahen Bach gesprungen war, um sich zu erfrischen. „Na sicher, Süßer“, antwortete Sophie, und es war schwer, die Verwunderung zu unterdrücken, zumal sich die übernommene Klangsignatur der falschen Stimme ungewöhnlich rauchig, selbstbewusst und verführerisch anhörte. Der Mann klopfte ihr grinsend auf den Po, und ging weiter, offensichtlich zufrieden mit der Antwort.
Anschließend wäre die verkleidete Magierin fast in einen weiteren Banditen gerannt: „Hey, Lara, wolltest du nicht draußen nach 'm Rechten sehen“, fragte der kräftige Mann, schlecht gelaunt, und ließ seine Fingerknöchel knacken. Als Sophie dieses widerliche Geräusch vernahm, senkte sie den Blick auf seine Hand, und sah Serras Verlobungsring am passenden Finger. Starr für den ersten Moment, kämpfte sie gegen eine Mischung aus Zorn und Trauer in ihrem Inneren an. Tränen schlichen sich ihr in die Augen, und sie knirschte mit den Zähnen. „Serra“, murmelt sie wehmütig, und drückte sich mit geweiteten Augen eine Hand an den Mund – es war ihr herausgerutscht. „Du hast die Kleine gekannt, der ich neulich 'nen Kopfschuss verpasst habe“, ertönte wieder die skeptische Stimme des Räubers vor ihr. Sophie antwortete nicht, und das Atmen fiel ihr schwer. Sie musste ihren Zorn kontrollieren. „Lara, was ist? Tut sie dir jetzt leid, oder was“, fragte der Bandit nachdrücklich und versuchte Sophie an den Schultern zu packen.

Die zierliche Hand der jungen Magierin schnellte hervor, quetschte dem Banditen die Augen zu, und während sie ihn hasserfüllt ansah, wurden ihre Fingerspitzen immer heißer. Er schrie um Hilfe, ruderte mit den Armen, und langsam schmolz ihm die Gesichtshaut weg. Schließlich erfühlte Sophie den hautlosen Schädel des toten Mannes, sein Schreien ging in ein gequältes Gurgeln über, und er fiel tot zu Boden. Unter dem aufkeimenden Hass schenkte sie dem Gestank verbrannter Haut wenig Beachtung, zog ihm grob Serras, mit Rubinen verschönerten, Verlobungsring aus dem Finger, und richtete sich wieder auf. „Habt ihr das gesehen? Die hat unseren Boss getötet! Das ist nicht Lara! Das ist 'ne verdammte Hexe! Tötet sie“, rief ein weiterer der sechs Banditen, die sich bei dem Hilferuf ihres offenkundigen Anführers um Sophie versammelt hatten, und langsam mit ihren Säbeln näherkamen. Flammen zischten durch die Nacht, tauchten das Lager in ein bedrohliches Licht, und ließen die Zelte zu Asche niederbrennen. Ganze Wände aus Feuer hinderten die grobschlächtigen, unachtsamen Räuber daran, sich Sophie zu nähern. Einer ergriff gar die Flucht, war jedoch nicht schnell genug, um einem Feuerball zu entkommen, der für ein ähnliches, unappetitliches Schicksal, langsam vom menschlichen Muskelkorsett wegschmelzender Haut, sorgte. Gequälte Schreie hallten durch die Nacht, während die junge, erfahrene Elementar-Magierin ein regelrechtes Inferno entbrannte.

„Ihr werdet dafür büßen, Serra getötet zu haben. Ich werde euch alle zu Asche niederbrennen“, knurrte Sophie unter erhöhtem Atemtempo. Knapp gelang es ihr, einem Hieb auszuweichen; der junge Räuber hatte sich auf ruhigen Sohlen von hinten genähert, und sein Säbel verletzte ihre Wange, hinterließ eine blutige Schnittwunde. Kurz nach dem Ausweichen, gab sie dem Mann einen Tritt in den Bauch, der ihn rücklings auf den Boden schmetterte. Die Kapuze warf einen unheimlichen Schatten auf ihr Gesicht, und mit emotionsloser Miene sah sie den zitternden, jungen Menschen an. „B-Bitte, das ist unsere einzige Möglichkeit, zu überleben. W-Wir... Wir hätten deine Freundin verschont, hätte sie uns einfach ihr Gold gegeben, ich schwöre es dir! Ah“, schrie er auf, starrte zu Sophie hoch, die ihre linke Hand nach ihm ausgestreckt hatte, und drei spitze Eisklingen aus seinem Kopf sprießen ließ, um sein – durchaus ehrlich klingendes – Flehen zu beenden.

Im Lager wurde es ruhig. Es waren keine Stimmen mehr zu hören, nur das Knistern der Flammen drang durch die Nacht. Eine Rauchdecke legte sich über den Ort, der zuvor ein friedliches Dörfchen zeichnete, und mit einem wehmütigen Blick auf den zurück erbeuteten Verlobungsring wandte sich Sophie mit wallendem Kapuzen-Mantel dem Hafen zurück. Tränen schossen ihr über ihre Wangen, und sie sprach kaum ein Wort mit dem besorgt wirkenden, dickbäuchigen Kapitän, der tatsächlich auf sie gewartet hatte. Der Weg führte sie zurück nach Hause; ihr Durst nach Rache war gestillt, doch ließ das Machtgefühl keinesfalls die klaffende Wunde in ihrem Herzen verheilen: Serra war endgültig fort.

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Verfasst: Freitag 3. August 2012, 22:46
von Fiora Talaen
<<Vertraue Sophie.. sie wird wieder kommen...>>


Noch immer hingen ihre Gedanken an diesem Satz. Vielleicht hatte sie sich dabei übernommen, woher sollte sie schon wissen, was noch passieren konnte und einen weiteren Rückschlag würde Sophie wohl nicht ertragen. Viel zu oft wurde sie schon enttäuscht, viel zu oft wurde sie verletzt, im Stich gelassen oder hinters Licht geführt. Sophie war viel zu zart, um einen weiteren Verlust wegzustecken. Hätte sie vor ihrer Abreise nochmals nach ihr sehen sollen? Sie machte sich starke Vorwürfe, dass sie das nicht getan hatte. Sie hatte zwar Menos darum gebeten, dass er nach Sophie sehen sollte und ihr erzählen sollte, dass sie eine Zeit lang unterwegs war, doch war das nicht das Gleiche. Viel zu lange hatte sie die kleine Sophie im Stich gelassen, wo sie ihr doch immerzu beistehen wollte. Und nun, wo es ihr so schlecht ging, wo sie Serra so sehr vermisste, da konnte sie nicht da sein und sie ablenken. Aber ihre Verpflichtungen konnten nicht warten.. viel zu lange schob sie es schon vor sich her. Sie hatte zwar größtenteils das Familienerbe abgegeben und lies es von anderen verwalten, doch gewisse Dingen obliegten ihr weiterhin - leider.

Sie strich sich gedankenverloren durch die dunkelroten Haare und hielt sie sich einen Moment lang vor die Augen. Mittlerweile fühlte sie sich völlig Fehl am Platz..als würde das eine Rolle sein, die sie spielte. Sie war immer wieder froh, wenn sie zurückkehren konnte und sie selbst sein konnte. Die Frau, die sie nie hätte sein sollen, der sie sich jedoch viel mehr verbunden fühlte. Und genau auch diese Frau war es, die mit Sophie verbunden war.. die Frau, die diesen Schmerz, den Sophie empfand, verstehen konnte... weil sie selbst genug verloren hatte.. Sie konnte nachvollziehen, wie Sophie empfand.. während ihre Liebste weg war... aber was würde Sophie tun, wenn das Schlimmste eintreffen würde? Was ist, wenn Serra nie wieder zurückkehren würde..? Sie strich mit den Fingern gedankenverloren über das Gesicht, ehe sie die Augen bedeckte. Sie mochte sich nicht ausmalen, was Sophie für Höllenqualen durchmachen würde... ob sie daran zerbrechen würde..? Würde sie verrückt werden... völlig ins Gegenteil wandern... würde sie... aggressiv werden.. wütend... wie damals.. auf diese andere Frau, die sie so belogen und betrogen hatte..? Sie schüttelt etwas verzweifelt den Kopf.. Sie wollte keinesfalls, dass Sophie derlei Dinge durchstehen musste..

Für sie selbst war Sophie schon immer ein reiner Kristall gewesen.. viel zu gut und naiv für diese Welt.. benutzt und verbraucht von den bösen Menschen dieser Welt... nicht verstehend, was diese Menschen mit ihr da tun... verzweifelte sie daran.. Seit dem ersten Moment, dass sie diese kleine, zarte Person sah.. weckte Sophie in ihr einen Beschützerinstinkt... und auch damals hatte sie Sophie beschützt.. sie wollte Menschen helfen.. und opferte sich dabei selbst für auf.. so war Sophie. Sie zögerte nicht lang für das Gute einzustehen.. denn sie war selbst... 'gut'. Doch was wäre, wenn sie daran verzweifeln würde.. dass ihr immer schlechtes widerfährt, obwohl sie eigentlich so eine gute Person ist? Würde sie 'verderben'? Würde sie schlechtes tun... würde sie zu einem dieser Menschen werden, zu denen sie eigentlich gar nicht passt...? Der Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht..

Sophie sollte erblühen.. sie sollte glücklich sein und strahlen... dass die ganze Menschheit von ihrem lieblichen Wesen eingenommen wird.. und einfach auch glücklich sein muss, weil es ansteckend war. Stattdessen war sie ständig depremiert, traurig, melancholisch... sie weinte viel.. sie litt viel... in letzter Zeit trank und rauchte sie sogar. All das wollte sie Sophie ersparen, sie wünschte ihr Glück - doch sie stürzte nur.. wie konnte sie diesem gefallenen Stern nur aufhelfen... wie konnte sie Sophie wieder zum strahlen bringen..?

Sie seufzte schwer und in Gedanken sponn sie das Geflecht noch weiter....
Und was ist.. wenn Serra wirklich... nicht mehr kommt.. wird sie dann nie wieder blühen können..? Hat der Stern dann ausgestrahlt..? Ist Sophie dann dazu verdonnert ein Leben in Qualen zu leiden... verfolgt von dem schmerzlichen Verlust der geliebten Personen auf ihrem Weg..?
Natürlich.. war das der Lauf der Dinge.. und jeder Mensch ging damit anders um.. sie selbst war sicher kein gutes Beispiel für Verarbeitung so eines Schmerzes.. sie war selbst Meisterin im Verdrängen.. aber das wollte sie Sophie ersparen.. sie war einfach.. zu zerbrechlich.. für diese Welt....


Schnell steckte sie den Kopf aus der fahrenden Kutsche heraus und gab eine knappe Anweisung nach vorne zu ihrem Kutscher.


<<Beeilt Euch bitte werter Herr.. ich will heute noch ankommen und habe einiges zu tun.. und mein Weg führt mich bald wieder zurück.. da gibt es etwas Wichtiges, um was ich mich kümmern muss... sonst ist es vielleicht zu spät...>>


Ein leises Seufzen ging noch von ihrem Lippen aus, ehe sie sich zurücklehnte und starr aus dem Fenster sah...


"Verzweifel bitte nicht Sophie.. du bist nicht allein... es gibt noch genug Menschen, die dich lieben... vertraue darauf.. "