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Die letzte Fahrt...

Verfasst: Samstag 21. Juli 2012, 17:08
von Jeanette Mignus
Aufgestanden, gewaschen, fertig gemacht. Das war’s dann. Der letzte Tag hier.
Eilig holte Jeanette einige Beutel hervor, um ihre ganzen Klamotten, Erinnerungsstücke und Arbeitsmaterialien einzupacken.
Nie wieder würde sie in Lameriast Erze schürfen.
Nie wieder den Fischgestank in Bajard riechen. Warum auch? Tammy und Nancy waren weg. Arak war weg. Alle waren weg.
Wozu dann noch hier bleiben? Die Arbeit ist nun auch nicht die, die sie einmal war.
Es sollte nach Hause gehen…
Nach zahlreichen Stunden band sie nun den letzten Beutel zu. Ein Schiffsarbeiter half ihr, das Gepäck im Schiff zu verstauen. Das war’s nun… Das Schiff fuhr los.
Jeanette setzte sich sogut es ging nach oben, um einen guten Überblick zu bekommen. Sie sah wie das Fischerdörfchen immer kleiner wurde… und am Ende ganz verschwand.
Die Schiffsfahrt war ziemlich ruhig. Sie würde schon einige Tage dauern. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf.
Der Tod des Vaters, warum beide Schwestern verschwunden sind… warum Arak plötzlich weg war und ihr gemeinsames Haus. So viele Fragen und keine Antworten.
Spät am Abend ging sie in ihre Kabine, legte sich zu Bett. Es war ihr zu stürmig draußen. Die ganzen Blitze und der Donner, das mochte Sie nicht. Die Nachtkerze wurde angezündet, das Buch gezückt und sie begann zu lesen.
Plötzlich ertönte ein lauter Knall. Sie sprang sofort auf als ihr die Wanddekoration entgegen kam. Schnell zog Jeanette sich ihre Schuhe an und raßte nach draußen.

“Was ist los? Was ist passiert?!” schrie sie die Schiffsarbeiter an.
“Madame, gehen sie wieder rein! Es ist alles in Ordnung!”

Jeanette verzog ihr Gesicht. Natürlich war nichts in Ordnung. Das merkte sie dem Mann an. So aufgebracht wie er war konnte nichts in Ordnung sein.
Sie machte sich selbständig und schaute sich um.

“Ach du heilige…” Da blieben ihr die Worte weg. Da hängt das Schiff doch tatsächlich in riesigen Felsen fest. Wie zum Teufel kann man so eine Felsenbucht übersehen? Wahrscheinlich war der Sturm daran schuld. Der Wind war ziemlich heftig.

Sie drehte sich um, wollte eilig in ihr Zimmer um die nötigsten Sachen zu holen. Kaum an der Treppe angekommen, begegnete ihr schon das Wasser.

“Das war’s.” dachte sie sich.

Kein Mensch weit und breit. Keine Insel. Kein Festland. Nur diese Felsenbucht. Unmöglich würde das Schiff hier wieder heil rauskommen. Sie hockte sich in eine Ecke, ließ die Hände in ihr Gesicht fallen, beobachtete die vielen Menschen, die wild hin und her rannten, und versuchten irgendwie zu helfen. Aber wozu? Das hatte keinen Sinn mehr…

“Madame, warum sitzen sie hier?! Sie müssen mitkommen!”

Jeanette schaute kurz zu der Frau auf die sie aus ihren Gedanken holte, erhebte sich dann und ging mit ihr. So langsam waren auch alle anderen Personen vom Schiff gekommen. Vorsichtig durchquerten sie die ganzen Felsen und trafen auf eine Höhle, die sie dann bewohnten. Es war kalt und nass. Sie setzte sich auf den Boden, zog ihre Beine an und ließ den Kopf auf ihre Knie fallen.
Wie sollten so viele Menschen hier überleben? Die Essensvorräte versinken gerade. Auf dieser Bucht gibt es keinerlei Lebewesen, keine Pflanzen. Fischen war hier leider nicht möglich. Nur Stein. Der Sturm legte sich. Sofort schlief sie dann ein.

Kaum wurde sie von den Sonnenstrahlen geweckt, hörte sie auch einige Männer schreien.

“Hallo? Ist hier jemand? Wir brauchen Hilfe!”

Aber das nützte nichts. Wer sollte denn schon ‘zufällig’ hier sein?
Da saß sie nun, alleine. Ab und zu ging sie hinaus, beobachtete das Meer. Der Magen knurrte. Der Durst war groß...


Sollte irgendjemand jemals diesen Ort besuchen, werden viele Knochenteile der Verhungerten zu finden sein.