Seite 1 von 1

Vergiss nie, wo du rein willst!

Verfasst: Freitag 29. Juni 2012, 03:21
von Graulist Eisenjam
Ein Schiff durchschnitt die Ünden - am Buge: ein Jüngling.
Da war es, als gerade die ersten Sonnenstrahlen den fernen Horizont erquickten, dass ihm der nahenden Küste gewärtig wurde und freudig netzte er den kirschroten Mund; sang, um seine Kameraden auf süße Art zu wecken:


Die Adoraner Luft
erfüllet herber Duft.
Von harz'gen Pinienzweigen,
die sich im Winde neigen,
tröpfelt herrlich-lau
kostbarer Morgentau.
Und helle Bächlein fließen
durch braungebrannte Wiesen
und zwischen Hügelein
im warmen Mondenschein.

Adoran-Morgen-Röte! Mit stoppeligem Mund
umschließ auch ich 'ne Flöte und tu ihr Liebe kund!

Verfasst: Freitag 29. Juni 2012, 03:42
von Karlmann
Einer dieser Kameraden ward Wendelin von Wengen genannt.
Seines Zeichens ein famoser Fechter, Astronom, Geologe aber auch Sprachkünstler ersten Ranges.
Und gerade an diesem Morgen, so war ihm, als rinne das Gold in seiner Kehle heiß.
Es trat also der junge Mann an die salzgespeiste Reling und hob an zu singen, die ersten Strophen eines Epos, das so zärtlich seine Seele rührte wie kein anderes - Von Heimat und auch Wegen, dem süßen Liebesstreben / von stillen Liedgezeiten und jungen Frühlingsmaidten -sollte sein Lied nun die Lüfte füllen:


Sie hüllen ihre Leiber,
in nasse Nebelkleider.
Ein feuchtes Alabaster,
durch braunes Birkenraster;
es schlängelt hart unt lind
ein weinend roter Wind.

Im süßen Horizont,
wie Cicres Gött'Affront,
stechen sie gen Himmel.
Doch unten im Gewimmel,
verheddert sich ihr Silch
Und Sterne weinen Milch -

- Und Weiden beugen bitter,
wenn ihre Zeit vergeht:
Denn ihrer Jugend Glitter,
ward längst vom Wind verweht -

- Und küsst gespreizte Schwerter
in lilienlanger Fülle
sie steigen immer härter
aus ihrer Rosenhülle.
In einem Bett aus Moosen
wachsen sie empor
nebst roten Herbst-Zeitlosen
bette ich mein Ohr.


Karlmann, ein Mitreisender, musste herantreten und den beiden Jünglingen seine Bewunderung aussprechen.

Verfasst: Freitag 29. Juni 2012, 03:44
von Graulist Eisenjam
Als die Sonne in hellem Mittag stand, schien Adorans Küste schon zum Besteigen nahe.
Auf Decke erhob sich ein herrliches Ringelreigen und männerchörlich erscholl:


Heiß dampft im Sonnenschein
Adorans weißer Wein
und schwüle Mittagshitze
Dringt in jede Ritze
im Wächterstübelein.

Dort fülln sich enge Gassen
mit stolz erhab'nen Massen
Die einen Weg sich bahnen
-am Markttag- abzusahnen.

Adorans Ritterschaft
Erquickt durch süßen Saft
Beim aus dem Sattel Gleiten -
Denn immerfort zu Reiten -
Kostet Manneskraft.

Adoran Mittags-Speise, wie schmeckst du mir so wohl!
Füllst mit auf liebste Weise, was in mir sonst so hohl!

Verfasst: Freitag 29. Juni 2012, 15:58
von der Degen
Es schnellte ein Degen aus seiner Hülle, stand plötzlich blank an Deck. Er sang:



Es ragen hohe Wipfel
Von Föhre, Esche, Tann'
Unter deren Gipfel
Manch regen wohl begann

Manniges Triebgewitter
Zittert jeden Ast
Die Knospen voll und bitter
finden keine Rast

Da steht der braune Bock
Röhrt in'n Wald hinein
Es ist ihm gegeben
die Stimme anzuheben
Um den Hirsch zu frei'n
Nun hebt sich an der Rock

Er bildet einen Saum
Und wie in einem Traum
Der Wald kann nur verschwinden
Im grünen Gräserschaum
vergeht des Waldes Flaum
Es heben sich die Linden -

In einem heißen Schwall
Kommt tropfend nun hienieder
in solchem Wasserfall
Tanzen unsere Lider

In Meerwachts Rosengarten
Von weiß, zu rosa, rot
Doch Himmeln folgt die Not
Bei Meerwachts Rosenarten

Im Rosenspiel zu Adoran
leckt müde an der Fluss
Von Fällen ist nichts geblieben
Als wie ein sanfter Kuss

Und eine zarte Blüte
' ohne Kuss nicht sein
Von Wassern erster Güte
Ist sie anzuspein

Drum herrscht dort ein Wasserspeier
Ist grau und auch devot
Schiefern formt sich seine Leiher
Der Gräfin zum Gebot

Wird sie sich nun anschicken

Ein Heer an tausend Männern
geht täglich auch mal ran
Ein Heer von tausend Kennern
Ja - wie dem Mann der Mann

Sich löblich zu erquicken

Sie schneiden jedes Köspchen
Sie pflügen Felder breit
Sie düngen jedes Röschen
Ist niemand 'von gefeit

Und doch muss es geschehen
Und zwar zu jeder Stund
Sonst wird all das vergehen
Wie Schnee im Männermund

An der steilen Küste
In Lehm und Vogeldreck
Heben sich die Brüste
Von Ländern höchstem Eck

Von Salz und lautem Brüllen
Die Wellen rauschen an
Der Fluss legt seine Hüllen
Und weil er's wirklich kann

Verbinden sich die Wasser
Zu manch neuen Laugen
Süß und salzig-bitter
Um sich aufzusaugen

So fließen Säfte wild
sie bringen eine Wende
Und formen an ein Bild
Vom Anfang und vom Ende

Ein Alpha und ein Sigma
So steht's von Anfang an
Das Eugen-Paradigma
Schlägt einen rauen Bann

"Eng ist immer gut
Und immer gut die Enge"
heiß wallend pumpt das Blut
sich zu langer Strenge.

Zum Meer hin aus,
All unser Begehren
Dem Meerwacht-Haus
All unser Verehren.

Verfasst: Freitag 29. Juni 2012, 16:19
von der Degen
Nun kannten die Männer kein Halten mehr und sangen rau, aus voller Kehle:

Adoraner Güteprobe
an dem Seidenrock
Adoraner Fleischesrobe
auf der ich gerne hock

Adoraner Höhlenforschung
geht mir schnell zu tief
immer dunkler, immer weiter
wo ich dann verlief.

Adoran du prächtige
wie du immer lockst
wenn ich in dir nächtige
wenn du auf mir hockst.

Adoran in rauen Wogen
wallst mit blauem Blut
mengenhafter durchgesogen
wird nun alles gut.

Adoraner Suppen-Kaspar / mit ner Nudel drin
Wohl nach dieser Eierspeise / stehtet mir mein Ding

dem adoraner Suppenfasser / fass ich immer an
das leck schwillt immer nasser / da muss mal einer ran

Adoraner Sternenfälle / was mach mich so breit
fallen in den Schoß mir helle / 's hat mich sehr gefreit.

Rauchig steigen Wolkenschwaden
aus diesem Reis empor
in auserwählten Himmelspfaden
küsste mich ein Mohr.

Adoraner Männervenus / öffne deine Schal -
Und empfang in deinem Innern / Perlen aus Rahal!

Verfasst: Samstag 30. Juni 2012, 20:46
von Graulist Eisenjam
Eilig stürmt der Bootskaplan - nur mit einem Badetuch bekleidet - an Deck und wendet sich, puterrot und reichlich erhitzt, an Karlmann:

"Gar selig saß ich in der Wanne,
da hört ich buhlen Mann und Manne!
Wie kann es sein, dass dies geschicht,
euch gab ich doch die Aufsichtspflicht!?"


Als er sich seines unstandesgemäßen Auftretens bewusst wird, setzt er - nach einer kurzen Pause - ein wenig entschuldigend hinzu:

"Es soll doch nun einmal nicht sein,
dass Bock und Hengst und Hahn sich frein!"

Verfasst: Sonntag 1. Juli 2012, 23:14
von Karlmann
Dieser zornige Kaplan trifft auf einen wirren Karloman.
Dessen Bestürzung ist nur von kurzer Dauer, sein Gemüt wird ihm zitronensauer. Lohend steht die Fede, er stellt ihn zur Rede:

"Wes Weges ich nun walze,
steht euch nun gar nicht an.
Ob mein Fleisch ich salze
oder meinen Mann...

... ich stehe, an diesem Küstenstreif.
Ob eine Fahn ich wehe, güldener dem Greif.
Drum hör mich peinlich an, du tüchernen Patron:
Mein Name ist Karlman, ich bring dir heißen Fron.
Zurück in deine Wanne, die kupfer-graue Eisenpfanne."