Licht eines Lebens
Verfasst: Montag 25. Juni 2012, 14:13
Ein neues Buch
Alienor saß an ihrem Arbeitstisch in der Nähstube, die Chandra ihr auf dem Silberglockenhof eingerichtet hatte und starrte auf die leere Seite. Die Hand mit dem Federkiel bewegte sich nicht. Wie lange saß sie nun schon so da?
Es war doch so viel passiert in den letzten Monden, dass sie damit eigentlich das neue Buch beinahe schon füllen könnte. Und doch hatte sie noch nicht eine Zeile niedergeschrieben.
Sie ließ ihren Blick ein wenig zur Seite wandern und zu dem anderen Buch, welches neben dem Neuen lag. Es sah ziemlich mitgenommen aus. Der Einband war an manchen Stellen abgescheuert und es war übersät mit Wasserflecken. Sie schlug die erste beschriebene Seite des alten Buches auf. Manche Buchstaben waren gänzlich ausgewaschen, die Worte teilweise nicht mehr zu entziffern. Dennoch wusste die Schneiderin noch immer jedes Wort welches sie in diesem Buch niedergeschrieben hatte.
„Ich verstehe immer noch nicht ganz, wie es soweit kommen konnte...“
Die erste Zeile ihres Tagebuchs. Sie hatte es sich damals zugelegt, als es so viele Dinge gab die ihr Seelenleben aufwühlten und sie einige Gedanken einfach niederschreiben musste. Um sie zu sortieren, um sie los zu werden. Es war also eigentlich nicht ein Tagebuch im klassischen Sinne. Sie schrieb nicht all ihre Erlebnisse nieder.
Und nun hatte sie sich ein neues Buch zugelegt. Dabei befanden sich noch gar nicht so viele Einträge in dem Alten. Platz wäre noch genug gewesen. Doch unabhängig davon, dass es durch den erlittenen Schiffsbruch beinahe zerstört worden war, lebte sie nun ein anderes Leben, sodass Alienor es nicht mehr als richtig empfand all ihre Gedanken zu den neuen Entwicklungen in das alte Buch zu schreiben.
Allein der Einband verriet was sich in ihrem Leben alles verändert hatte. Er war deutlich schlichter, das Papier von einfacherer Qualität. Der Reichtum, den sie in Breitenstein besessen hatte, war verloren. Allerdings war dies keinesfalls etwas dem sie nachtrauerte. Und bedachte man, in welchem Zustand sie sich befunden hatten, als sie nach dem erlittenen Schiffbruch in Gerimor an Land gegangen waren, so hatte sich doch mittlerweile wieder so vieles zum Besseren gewandelt.
Sie konnte so viele Erlebnisse in dem neuen Buch niederschreiben. Aber darum ging es nicht bei ihren Aufzeichnungen. Wieder drohten die ungewollten Gefühle in ihr aufzusteigen und Alienor schloss die Augen um sie niederzukämpfen, zu verbannen. Nein, sie wollte nicht darüber nachdenken. Auch wenn diese Gedanken und Befürchtungen sie vermutlich bewogen hatten, dieses neue Buch zu erwerben. Aber sie wollte es nicht niederschreiben. Wollte nicht einmal darüber nachdenken! Denn sie wollte es nicht wahr haben und es niederzuschreiben würde den Ahnungen die sie beschlichen schon ein Stück Wahrheit verleihen. Sie war noch nicht bereit sich dem zu stellen, was ihre Überlegungen womöglich ergeben würden.
„Ich hoffe ich enttäusche ihre Erlaucht von Dornwald nicht...“
begann die Schneiderin schließlich zu schreiben.
„Die Einblicke die ich bisher in ihren Haushalt erhalten habe, gefallen mir sehr gut. Ich glaube ich würde mich dort sehr wohl fühlen. Leider habe ich aber noch nicht alle Mitglieder des Haushalts kennen gelernt. Ich bin bedauerlicherweise nicht so oft in der Residenz in Adoran, wie ich es gerne würde. Alleine deshalb befürchte ich schon die Erwartungen nicht zu erfüllen. Auch habe ich noch nicht alle Arbeiten erledigt, welche ich für ihre Erlaucht vornehmen wollte und um die sie mich gebeten hat. Ich verbringe derzeit fast meine gesamte Zeit auf Chandras Hof. Es gibt sehr viel zu tun, seit der Frühling Einzug gehalten hat und ich verdanke ihr so viel.
Immerhin scheinen mittlerweile die letzten Auswirkungen der Verletzung meiner Hand verklungen zu sein. Sie war noch eine ganze Weile lang steif, doch ich habe jede freie Minute genutzt um zu meiner alten Geschicklichkeit zurück zu finden. Insbesondere seit mich ihre Erlaucht zur Probe in ihren Haushalt aufgenommen hat. Schließlich kann es ja nicht sein, dass sich eine Gräfin mit weniger als absoluter Perfektion und meisterlicher Handwerkskunst zufrieden geben muss. Nun hoffe ich nur noch, das meine Entwürfe ihr auch zusagen werden...“
Alienor legte den Federkiel ab und las was sie geschrieben hatte. Die Worte waren wahr genug für den Augenblick...
Alienor saß an ihrem Arbeitstisch in der Nähstube, die Chandra ihr auf dem Silberglockenhof eingerichtet hatte und starrte auf die leere Seite. Die Hand mit dem Federkiel bewegte sich nicht. Wie lange saß sie nun schon so da?
Es war doch so viel passiert in den letzten Monden, dass sie damit eigentlich das neue Buch beinahe schon füllen könnte. Und doch hatte sie noch nicht eine Zeile niedergeschrieben.
Sie ließ ihren Blick ein wenig zur Seite wandern und zu dem anderen Buch, welches neben dem Neuen lag. Es sah ziemlich mitgenommen aus. Der Einband war an manchen Stellen abgescheuert und es war übersät mit Wasserflecken. Sie schlug die erste beschriebene Seite des alten Buches auf. Manche Buchstaben waren gänzlich ausgewaschen, die Worte teilweise nicht mehr zu entziffern. Dennoch wusste die Schneiderin noch immer jedes Wort welches sie in diesem Buch niedergeschrieben hatte.
„Ich verstehe immer noch nicht ganz, wie es soweit kommen konnte...“
Die erste Zeile ihres Tagebuchs. Sie hatte es sich damals zugelegt, als es so viele Dinge gab die ihr Seelenleben aufwühlten und sie einige Gedanken einfach niederschreiben musste. Um sie zu sortieren, um sie los zu werden. Es war also eigentlich nicht ein Tagebuch im klassischen Sinne. Sie schrieb nicht all ihre Erlebnisse nieder.
Und nun hatte sie sich ein neues Buch zugelegt. Dabei befanden sich noch gar nicht so viele Einträge in dem Alten. Platz wäre noch genug gewesen. Doch unabhängig davon, dass es durch den erlittenen Schiffsbruch beinahe zerstört worden war, lebte sie nun ein anderes Leben, sodass Alienor es nicht mehr als richtig empfand all ihre Gedanken zu den neuen Entwicklungen in das alte Buch zu schreiben.
Allein der Einband verriet was sich in ihrem Leben alles verändert hatte. Er war deutlich schlichter, das Papier von einfacherer Qualität. Der Reichtum, den sie in Breitenstein besessen hatte, war verloren. Allerdings war dies keinesfalls etwas dem sie nachtrauerte. Und bedachte man, in welchem Zustand sie sich befunden hatten, als sie nach dem erlittenen Schiffbruch in Gerimor an Land gegangen waren, so hatte sich doch mittlerweile wieder so vieles zum Besseren gewandelt.
Sie konnte so viele Erlebnisse in dem neuen Buch niederschreiben. Aber darum ging es nicht bei ihren Aufzeichnungen. Wieder drohten die ungewollten Gefühle in ihr aufzusteigen und Alienor schloss die Augen um sie niederzukämpfen, zu verbannen. Nein, sie wollte nicht darüber nachdenken. Auch wenn diese Gedanken und Befürchtungen sie vermutlich bewogen hatten, dieses neue Buch zu erwerben. Aber sie wollte es nicht niederschreiben. Wollte nicht einmal darüber nachdenken! Denn sie wollte es nicht wahr haben und es niederzuschreiben würde den Ahnungen die sie beschlichen schon ein Stück Wahrheit verleihen. Sie war noch nicht bereit sich dem zu stellen, was ihre Überlegungen womöglich ergeben würden.
„Ich hoffe ich enttäusche ihre Erlaucht von Dornwald nicht...“
begann die Schneiderin schließlich zu schreiben.
„Die Einblicke die ich bisher in ihren Haushalt erhalten habe, gefallen mir sehr gut. Ich glaube ich würde mich dort sehr wohl fühlen. Leider habe ich aber noch nicht alle Mitglieder des Haushalts kennen gelernt. Ich bin bedauerlicherweise nicht so oft in der Residenz in Adoran, wie ich es gerne würde. Alleine deshalb befürchte ich schon die Erwartungen nicht zu erfüllen. Auch habe ich noch nicht alle Arbeiten erledigt, welche ich für ihre Erlaucht vornehmen wollte und um die sie mich gebeten hat. Ich verbringe derzeit fast meine gesamte Zeit auf Chandras Hof. Es gibt sehr viel zu tun, seit der Frühling Einzug gehalten hat und ich verdanke ihr so viel.
Immerhin scheinen mittlerweile die letzten Auswirkungen der Verletzung meiner Hand verklungen zu sein. Sie war noch eine ganze Weile lang steif, doch ich habe jede freie Minute genutzt um zu meiner alten Geschicklichkeit zurück zu finden. Insbesondere seit mich ihre Erlaucht zur Probe in ihren Haushalt aufgenommen hat. Schließlich kann es ja nicht sein, dass sich eine Gräfin mit weniger als absoluter Perfektion und meisterlicher Handwerkskunst zufrieden geben muss. Nun hoffe ich nur noch, das meine Entwürfe ihr auch zusagen werden...“
Alienor legte den Federkiel ab und las was sie geschrieben hatte. Die Worte waren wahr genug für den Augenblick...