Seite 1 von 1
Ashlin Oknei - oder - Ein Unglück kommt selten allein
Verfasst: Montag 28. Mai 2012, 16:39
von Ashlin Oknei
Teil 1: Aufgeben kommt gar nicht in Frage!
Da hing die Mutter vom Balken der kleinen Kate am Rande des Nirgendwo.
Der Vater schon lange fort, kein Mensch wusste wohin, niemand konnte sagen ob er noch lebte, doch so wenig wies den Vater scheints kümmerte war es auch einerlei was mit ihm war.
Das wenige Ersparte war bald aufgebraucht und schnell stellte sich heraus, dass die Mutter nicht wusste wie man überlebte, ihr Leben verkam mehr und mehr zu Angst und Jammerei. Immer seltener verließ sie die Hütte war krank, müde, antriebslos und alsbald schaffte sie nicht mal mehr die Kate wenigstens einigermaßen sauber zu halten.
Dem Bruder hatten sie letzthin die Hand abgeschlagen und damit ein jeder sah, dass er ein Gauner war wurde ihm das Diebesmal in die Wange gebrannt. Dass sie ihm nicht gleich den Garaus gemacht hatten war eher ein Wunder, aber statt daraus zu lernen trieb er sich nun mit Saufbolden der schlimmsten Art herum und begab sich in Schlamassel der ihm wohl in absehbarer Zeit den Kopf kosten würde.
Die Schwester hatte einem stattlichen, fahrenden Spielmann, mit blonden Locken und rehbraunen Augen, mit schmeichelnder Zunge und um keine Lüge verlegen, die Röcke gelüpft und ihm damit allem Anschein nach so viel Vergnügen bereitet, dass er sie mit genommen hat. Wahrscheinlich hatte er sie nach ein paar Wochen schon satt gehabt und das dumme romantische Mädchen, das noch immer von der großen Liebe und dem ewigen Glück träumte irgendwo zurück gelassen.
Ashlin hatte Glück gehabt an diesem Tag, einen strammen Rammler hatte sie mit dem alten Bogen erlegt und war, zwar knapp aber doch, dem Wildhüter entwischt und somit einer Strafe wegen Wilderei entgangen. Den Hasen an den Ohren, einem zufriedenen Lächeln und einem Gruß auf den Lippen betrat sie mit Schwung die Hütte und prallte sogleich zurück als wäre sie gegen eine Wand gelaufen. Die Grußworte blieben unausgesprochen, das Lächeln erstarb, der Hase entglitt ihrer Hand und prallte dumpf auf den Boden, ihr Mund weitete sich zum Schrei und doch kam kein Ton aus ihrem Halse und die Augen, weit aufgerissen vor Schreck und Unglauben, konnte sie nicht abwenden obwohl der Anblick schrecklich war.
Da hing die Mutter vom Balken der kleinen Kate am Rande des Nirgendwo....
.... und Ashlin war allein; bis sich eine schwere Hand auf ihre Schulter legte.
"Hab ich dich du Luder!", tönte es nahe an ihrem Ohr. Der Atem der ihr dabei entgegenschlug stank nach Schnaps und Zwiebeln und ein wenig sauer wie nach Erbrochenem, der Wildhüter! Wie ein störrischer Esel schlug sie nach hinten aus und traf ihn, wohl mehr durch Glück als durch Können genau gegen das Knie, Ashlin nahm sich keine Zeit sich umzusehen, kaum hatte sich der Griff gelockert rannte sie los, nur mit dem was sie bei sich trug, und das war wahrlich nicht viel, und rannte, rannte, rannte bis sie keinen Atemzug mehr tun konnte ohne das Gefühl zu haben von einem Speer bis ins tiefste Innere durchbohrt zu werden. Nach langer aber erfolgreicher Suche fand sie einen Winkel in dem man sich gut verkriechen konnte und dort breitete sie ihre wenigen Habseligkeiten vor sich aus. Nicht mal ganz eine Krone, ihr alter Bogen der schon seit langem eine neue Sehne brauchte, eine Hand voll Pfeile, ein halbes Brot das sich sicher auch schon geeignet hätte Nägel in eine Wand zu schlagen, Käse den sie aber sofort entsorgte da er grün vom Schimmel war, und ganz gewiss kein Schimmel der edlen, leckeren Sorte, Nüsse, ein Beutelchen mit Beeren, ein paar Holzperlen, ihr Messer und ein Kamm. Zurück konnte sie nicht mehr. Wozu auch? Zum einen gab es in der Kate auch nichts zu holen was ihr geholfen hätte, zum anderen wollte sie nicht mehr sehen was die Mutter da getan hatte. Ashlin hatte kein schlechtes Gewissen die Mutter einfach da hängen zu lassen, schließlich hatte diese Frau, die ihr einst das Leben schenkte, auch keinen Gedanken daran verschwendet, dass Ashlin diesen Anblick würde ertragen müssen.
Am nächsten Tag also marschierte sie los, sie hatte so vieles noch nicht gesehen, war nie weiter als einen Tagesmarsch von zuhause weg gewesen und sie war sicher, irgendwo da draußen gab es Dinge die auf sie warteten und Eluive würde sie nicht vergessen.

Verfasst: Montag 4. Juni 2012, 09:47
von Ashlin Oknei
Teil 2: Eine Laune des Schicksals
Mehrere Tage war sie schon unterwegs und nachdem sie auf einen Weg gestoßen war hatte sie sich entschlossen diesem zu folgen. So gut sie jeden Baum und Busch zuhause kannte, so fremd war ihr inzwischen die Umgebung geworden.
Doch sie fühlte sich Frei, von Meile zu Meile wurde ihr Schritt nicht müder sondern forscher, die Neugier hatte sie gepackt was es wohl noch alles zu sehen gab. Nach einigen Tagen hatte sie einen Wasserfall gefunden, einen kleinen nur, weit abseits des Weges, aber das Wetter war warm und sie nahm im Auffangbecken des Gefälles ein Bad. Trotz der wärme des Tages war das Wasser kalt, kalt aber wohltuend und als sie sich unter den Fall stellte um sich das kühle Nass über Kopf und Leib fließen zu lassen entdeckte sie dahinter einen schmalen Spalt, ein Mann käme dort nie hindurch, aber sie gerade noch so. Sekunden Später stand sie, nackt wie Eluive sie geschaffen hatte, in einer Grotte in deren Mitte ein kleiner Teich war der blau schimmerte. Nein, nicht nur so ein wasserblau sondern ein sattes kräftiges Blau als hätte jemand Indigofarbe hinein geschüttet, aber nicht nur das, die Höhle war nicht dunkel, ein geisterhaftes Licht brachte die Wände zum funkeln und den Teich zum leuchten. Alsbald sah Ashlin, das an der nicht all zu hohen, aber Trichterförmigen Decke der Grotte eine kleine Öffnung war durch welche Sonnenlicht viel und somit für die geheimnisvolle und fantastische Farbenpracht sorgte. Sie beschloss ein Weilchen zu bleiben, schließlich hatte sie kein Ziel, der Wald ringsum war üppig und würde wohl so manche Köstlichkeit bereit halten und die Grotte war ein sicherer Schlafplatz.
Dachte sie zumindest bis sie sich unweit des schönen Ortes in einer Schlucht befand.
Sie hatte nur die Umgebung erkunden wollen, denn inzwischen konnte Ashlin sich durchaus vorstellen in diesem kleinen Paradies zu verweilen, die Grotte würde auch im Winter einen hervorragenden Schutz vor Kälte und Schnee bieten. Ein burghoher Steinschlag versperrte ihr den weiteren Weg, darüber hinweg konnte sie nicht klettern, das Geröll war viel zu lose und bot keinen sicheren Tritt, also würde sie sich wohl oder übel auf den Rückweg machen müssen. Nach nur wenigen Schritten und einer Wegbiegung verlangsamte sich ihren Gang, Reiter befanden sich fast am Ausgang der Schlucht und sollten das ein paar Halunken sein, saß sie aber mal richtig in der Falle!
Es war schlimmer. Mit einfachen Halunken wäre sie vielleicht noch irgendwie zurecht gekommen, doch was ihr nun entgegen kam war eine Gruppe bestehend aus fünf Letharen. Ashlin stolperte Meter um Meter rückwärts im klaren Bewusstsein, dass dort auch ein Ausweg war.
Einer rief ihr zu, das Gesicht zu einem so eiskalten Grinsen verzogen, dass es ihr kalt den Rücken hinunter lief, sie solle doch da bleiben, er uns seine Freunde hätten Lust auf ein kleines Spielchen und sie würden wirklich bedauern, wenn dieses kleine Spielzeug, ja so hatten sie Ashlin wirklich genannt, nicht mitspielen würde. Sie hatten sogar versprochen Ashlin dürfe danach gehen, mit dem kleinen aber bedeutenden Zusatz, wenn sie noch konnte. Sie wurde ergriffen, da half alles Strampeln, Keifen und um sich schlagen nichts, ein grober Strick wurde ihr um den Hals gelegt, geknotet wie ein Galgenstrick, und eine Stunde später wünschte sich Ashlin innig, sie würden den Galgenstrick einfach dazu verwendet haben sie irgendwo aufzuhängen. Die Tortur die sie bis zur totalen Entkräftung und darüber hinaus nun mitmachen musste war den Letharen aber köstlichste Unterhaltung! Sie lachten und Scherzten und trieben einander immer wieder zu neuen Grausamkeiten an. Nicht nur einmal legte sich während der "Spiele" die Schlinge so eng um den Hals, dass Ashlin nahe daran war zu ersticken, doch auch das ließen sie nicht zu, zu viel Vergnügen hatten sie noch an ihrem Spiel mit der jungen Frau.
Irgendwann erwachte Ashlin mitten auf einer Wiese, den Strick noch um den Hals, die Letharen waren weg, hatten sie geglaubt sie sei tot oder hatten sie nur das Interesse an ihrem Spiel verloren? Einerlei, jeder Knochen im Leibe tat ihr weh, das Seil hatte sich tief in die Haut ihres Halses gegraben, Blut sickerte aus ihrer Nase, ihrem Mundwinkel und aus unzähligen kleinen und größeren Aufschürfungen, Schnitten und Stichwunden, aber sie lebte.... noch.
Ashlin musste von dieser Stelle weg, immer wieder schoss ihr panisch durch den Kopf, dass die Peiniger zurück kommen konnten um ihr gänzlich den Garaus zu machen, aber sie war nicht fähig sich zu bewegen und irgendwann verlor sie erneut das Bewusstsein beim Versuch sich Millimeter um Millimeter über die Grasfläche zu quälen.
Wie lange sie dort nun wirklich gelegen und wer genau sie gefunden und weggeschafft, ob sie es gar selbst zu ihrem Lager zurück geschafft hatte konnte Ashlin niemals sagen, aber jemand war da gewesen, jemand hatte sich ihrer Wunden angenommen, sie mir Pasten und Säften behandelt und verbunden, hatte eine Suppe gekocht, Ashlin in Felle gewickelt und ihr ein paar Fetzen zum Anziehen da gelassen und sie erinnerte sich, zwar nicht an einzelne Worte, aber an ohne Unterlass gemurmelte Gebete an Eluive, die Mutter des Lebens.
Sie wurde wieder gesund, bekam aber niemals die Gelegenheit sich bei ihrem Unbekannten Helfer und Pfleger zu bedanken, denn sie hatte ihn oder sie niemals zu Gesicht bekommen. Was von diesem grausamen Erlebnis als stete Erinnerung, sich nie und nirgends zu sicher zu fühlen, übrig blieb, war die Narbe um ihren Hals, welche deutlich das Muster des Stricks zeigte.
Winterkälte und Frühlingserwachen
Verfasst: Freitag 20. Juli 2012, 13:55
von Ashlin Oknei
Winterkälte
Es war so kalt, so eisig, sie erinnerte sich nicht mehr daran wie es sich anfühlte Wärme auf der Haut, wärme in sich zu spüren. Das kärgliche Feuer, welches aus mehr Rauch als Feuer bestand, da sie nur nasses Holz und Äste unter der Schneeschicht hatte finden können vermochte nicht zu wärmen und so lies sie es aus gehen. Im Laufe ihrer Wanderschaft hatte sich aus dem alten Hemd eine Aneinanderreihung von Löchern und Flicken entwickelt, die Hosen waren abgenutzt, die Stiefel löchrig, sie konnte sich gut vorstellen, dass sie mit der Schicht aus Schmutz und dem verfilzten Haar einen Anblick jenseits von gut und böse bieten musste und so rieb sie sich mit Schnee das Gesicht und die Hände ab, es machte kaum einen Unterschied, sie stopfte das Haar unter ein Stück Tuch das sie zum Kopftuch gebrauchte.
Bajard, ein Dorf das von der einen Seite durch die eisigen Sturmwinde der See und von der anderen Seite von Wallhohen Schneeverwehungen eingebettet lag. Kaum ein Lebewesen war auf den zugeschneiten Wegen zu sehen, doch aus den Fenstern drang gelblicher Lampenschein und durch vereiste Fenster konnte Ashlin sehen wie eine Mutter ihr Kindlein an die Brust nahm um es zu stillen, ein Vater seinem Sohn den Umgang mit dem Schnitzmesser zeigte, eine Frau saß am Spinnrad, sie sah so einsam und traurig aus, doch ihre Wangen waren gerötet vom prasselnden Kaminfeuer.
Was für ein grausiger Laut zog da durch den Ort, ein Knarzen wie das Seufzen tausender leidender Seelen, ein jämmerliches Ächzen und der pfeifende Wind, mit einem mal packte sie etwas an der Schulter, sie schrie auf wirbelte herum, schlug mit beiden Händen nach was auch immer sie da angepackt hatte und floh, sie rannte bis ihr das Stechen in der Seite keinen einzigen schmerzfreien Atemzug mehr gönnte, bis sie glaubte ihre Lungen müssten bersten, da sie kaum noch Luft bekam, das Blut rauschte ihr in den Ohren, ihr Herz hämmerte bis unter die Schädeldecke, doch als sie sich umsah fand sie sich in einem geschützten Talkessel wieder, eine Feuerstelle war bereit entzündet zu werden und in einem geschützten Winkel im Felsen lag trocken es Holz. Selbst ein paar abgenutzte alte Kleider lagen in einem Bündel neben einer Decke aus Fell und einem Korb mit getrockneten Früchten und Nüssen und einem Laib Brot, der noch nicht mal ganz hart war.
Ashlin hatte einen Ort gefunden, an dem man sich kümmerte, irgendjemand sorgte dafür, dass ein Wanderer versorgt war, einerlei ob dieser wieder ging ohne etwas zu hinterlassen oder nicht. Durch den Lauf war es der jungen Frau wieder warm geworden und, ob der Gaben die sie in jenem Tal vorfand, wurde ihr auch nicht so schnell wieder kalt und als sie am Feuer, eingewickelt in das Warme weiche Fell langsam wegdämmerte wünschte sie sich von Eluive nur eines, nämlich am nächsten Morgen wieder erwachen zu dürfen, um auch für den nächsten Reisenden der hier unverhofft Schutz, Ruhe und Wärme fand etwas brauchbares hinterlassen zu können.
Frühlingserwachen
Sie wollte sich nie wieder so halb, so zerrissen fühlen, wie in dem Moment, als sie das erste mal ganz und sie selbst war, dem Moment als sie nicht nachdachte, in dem allein ihr Instinkt und ihr Gefühl die Führung übernommen hatten, und sie sich plötzlich bewusst wurde, was sie da tat, dass ihre Lippen auf denen des Druiden lagen, sie ihn küsste. Der Augenblick in dem die Welt um sie herum keine Rolle spielte und auf die Essenz dessen zusammenschrumpfte was das Leben bedeutete:
Liebe.
Keinen Tag war seither vergangen an den sie einander nicht näher kamen, sich einander öffneten, das voneinander zeigten, was unter allem verborgen lag, was andere von ihnen sahen.
Der Natur streifte das kalte Kleid ab und kleidete sich in tausenderlei grüntönen, übernacht blühten überall Blumen, Pilze schossen aus dem Boden, die Bäume blühten und versprachen dereinst eine reiche Ernte. Die Bauern der Lande beackerten ihre Felder und brachten Saat aus.
Wie fruchtbar dieses Land war versetzte Ashlin immer wieder aufs neue in Erstaunen und zugleich Freude, nie zuvor hatte sie solch ein Bedürfnis in sich gespürt all dies zu schützen.
Ashlin strich mit den Händen über die dunkelgrüne Lederrobe, rückte den Hüftköcher zurecht und lies den Blick über die Ansammlung von Hütten wandern, die den Hort der Waldgeister bildeten.
Sie lächelte sacht, hier war sie glücklich, sie hatte ihren Weg gefunden, hatte ihre Liebe gefunden, sie setzte sich für etwas ein und noch immer brachte sie alle paar Wochen etwas an die einst winterliche Lagerstatt im Talkessel.
Ashlin glaubte fest daran dass Eluive ihre Schritte dort hin gelenkt hatte und vergalt es fortan mit ihrem ganzen Dasein. Sie hatte sich den Waldgeistern angeschlossen, denen auch schon Xardrias angehörte, stellte ihre Leben und ihren Bogen in den Dienst der großen Mutter.
Verfasst: Samstag 13. Oktober 2012, 10:04
von Ashlin Oknei
Sommerhitze
Sie hatte sich losgesagt, von allem das ihr einst so lieb und teuer war. Die Waldgeister waren schon im Winterschlaf als der Saft des Sommers noch wild in ihr pulsierte. Nach dem sich ihr Weg von Xardrias‘ entfernt hatte war sie ihm auch nicht mehr begegnet, vielleicht besser so.
Sie lernte eine andere Seite ihres Lebens unter den Waldläufern kennen, sie waren nicht weich wie die Waldgeister, keine Baumfreunde wie die Waldelfen, es waren hartgesottene Mannen, mit ehrenvollen Ansichten und einem Willen so hart wie Eisenholz. Jeder für sich stark, doch gemeinsam oft uneins.
Der kleine Marder, hatte sich in dieser Zeit, in der die Tage kürzer und die Nächte kälter wurden zurückgezogen, verbrachte seine Zeit mit Falka, und Ashlin war froh, dass er sie hatte, dass sein Herz nicht so leer blieb wie das ihre, selbst Bertram konnte dieses Loch in ihrem Herzen nicht wirklich stopfen. Etwas fehlte und Ashlin wusste genau was. Die Festigkeit in ihrem Glauben. Irgendwann, irgendwo war zum ersten mal der Zweifel in ihre Gedanken eingetaucht. Es passierte so viel schlimmes, immer und immer wieder setzten ‚die Schwarzen‘ die Bevölkerung und Reisenden in und um Bajard in Angst und Schrecken, verbreiteten ihren Zorn und keiner schaffte es, sich ihnen wirklich entgegen zu setzen. Warum lies Eluive das zu, so viel Schmerz, so viel Leid und all das an ihren Kindern, alle die an sie glaubten, die auf sie hofften, lies sie stets jämmerlich im Stich. War sie so eine schwache Göttin? Oder war es ihr schlicht egal, schliesslich gab es immer genug Nachschub an Gläubigen, so wie sich die Menschheit vermehrte?
Doch in Ashlins Geist, in ihrem Herzen klafften immer tiefere Risse im Fundament ihres einst so unerschütterlichen Glaubens.
Herbststürme
Und dann lag da dieser Hühne von einem Mann im Dreck, direkt vor der Brücke nach Bajard hinein -kein Weg führte daran vorbei – umringt von jenen dunklen Gestalten, und als die berobte Frau auch noch nach diesem geschundenen und blutenden Bündel auf dem Boden trat, da riss etwas in ihr und für einen Augenblick war Ashlin wie sie....- voll Zorn. Der Pfeil löste sich von ihrer Sehne surrte auf die maskierte Frau zu, Ashlin konnte es sehen, doch bekam sie nicht mehr mit ob sie getroffen hatte, mit einem mal brach der Tumult in die Stille des Augenblicks, und schon im nächten Augenblick spürte sie klebrige Wärme ihren Rücken hinab laufen, den Schlag der ihr das Bewusstsein raubte hatte sie nicht einmal mehr gefühlt.
Schmerz explodierte erst in ihrem Kopf, dann in ihrem Rücken und zuletzt wie glühender Stahl in ihrer Handfläche. Attentäterin.... Auftraggeber .... Namen, Namen, Namen... Wie durch einen Schleier drangen die Worte in ihr Bewusstsein, was hatte sie nur getan!?
Sie wollte doch nur einem Mann, der schon am Boden lag, im eigenen Blut, ein wenig seiner Würde zurück geben, dass wenigstens einer ihn verteidigte während alle nur herumstanden und keinerlei Respekt zeigten, irgend etwas war geschehen als sie sah wie die Maskierte ihn trat, und nun sah sie wie der Dolch durch ihre Hand drang und wieder zurück gezogen wurde.
Sie durfte Bert nicht verraten, das war das einzige was sie denken konnte und so nannte sie einen Namen der bei den Rahalern doch eh schon in Ungunst gefallen war. Wolf, Wolf immer wieder Wolf, doch es schien als hatte keiner eine Ahnung wovon sie sprach, wen sie meinte. Ihre Hoffnung war einzig darin gelegen damit Bert zu schützen, um Wolf machte sie sich keine Sorgen, denn er hatte die Waldläufer im Rücken, er stand nicht allein da.
Die verschiedenen Gesichter zogen an ihrer Zelle vorbei, eine freundliche Frau, sie musste träumen, half ihr in frische, saubere Kleidung, dann wieder Fragen, Fragen und Schmerz, wieder er, in ihrem benebelten und vom Wundfieber getrübten Geist nannte sie ihn nur noch „den Peiniger“
Sie hatte die Zeit nicht mehr im Griff, wusste nicht wie viele Tage und Nächte vergangen waren als sie von einem Mann die Worte vernahm, von denen sie glaubte, sie wären das einzige was zählte, Heiligkeit wurde er von meinem Peiniger genannt: „Lasst sie Frei!“.
Der Befehl lautete Ashlin zur Grenze zu bringen und sie hinüber zu schubsen und ihrem Schicksal zu überlassen. Hatte sie die Torturen durch die Hand ihres Peinigers überstanden um jetzt irgendwo entsorgt zu werden und halt dort zu verrecken?
Ein Sonnenstrahl brachte sie dazu die Nase zu kräuseln und die Augen auf zu schlagen, es war so warm, sie fühlte sich so geborgen, spürte die Sauberkeit und das offene Haar an ihren nackten Leib, der gegen einen anderen Körper gelehnt war, Arme die sie wärmend und schützend umschlungen hielten. Ganz offenbar war das Fieber gesunken und einen Moment lang gab sie sich völlig diesem Gefühl – in Sicherheit und geborgen zu sein – hin. Doch dann wurde ihr schlagartig bewusst, in wessen Armen sie da nackt lag, im Baum hingen ihre inzwischen vom Feuer getrockneten Kleider und die kleine Flamme loderte noch immer in der Feuerstelle. Was war passiert? Was würde passieren wenn ER merkte dass sie wach war. Angst kroch in ihre Kehle und bildete einen dicken Klos, und noch etwas anderes, ein weiteres mal der süße Geschmack des Zorns der einem Kraft zu geben schien.
Verfasst: Mittwoch 17. Oktober 2012, 10:33
von Ashlin Oknei
Seit Tagen lag sie nun in ihrem Bett, die genähte Wunde unter ihrem Schulterblatt juckte wie verrückt, doch sie brachte nicht mal zum Kratzen jener genügend Energie auf.
Ab und an knabberte sie an einem Stückchen Dörrobst oder einer Nuss herum, aber zu mehr mochte ihr Appetit sie nicht überzeugen. Garan kümmerte sich rührend um sie, brachte ihr zu essen, zu trinken, versuchte sie aufzumuntern und ließ sie allein wenn er spürte, dass Ashlin das wollte. Sie sah ihm jedes Mal an, wie sehr er Einlass in ihre Gedanken und Gefühle wollte, wie schwer es ihm fiel zu gehen und sie allein zu lassen, wie sehr er sich sorgte, was er wohl vorfinden würde, wenn er zurück kam. Und doch ging er, denn alles was sie ihm geben konnte war eine Mauer des Schweigens, um das was in Rahal geschehen war, um das was in ihrem Kopf vor sich ging, um ihre Gefühle und den Grund weshalb sie sich immer wieder in ihrem Bett zusammenrollte und weinte und ihm nicht gestattete sie in den Arm zunehmen, sie zu trösten.
Die Kette um ihren Hals fühlte sich an wie ein Gewicht das ihr die Luft abschnürte. Sie war wunderschön und Gondros hatte sein ganzes Geschick in diese Arbeit gelegt und nur eine Woche zuvor hätte sie die kleinen Worte, die ein jedes Kettenglied zierten und zu einem Gebet voll Hoffnung an Eluive zusammengefügt worden waren, voller Liebe zu Eluive, aber auch zu Garan getragen. Es zeigte ihr deutlich wie sehr dieser Mann Ashlin respektierte und liebte und doch konnte sie ihn nicht teilhaben lassen.
Sie hatte gelogen, hatte ihn zwar schützen wollen, aber dafür den Namen eines Unschuldigen ausgesprochen. War des Einen Leben mehr wert als das des Anderen? Diese Lüge, ihre Zweifel an Eluive, an ihrem Glauben verwandelten das Kleinod in einen würgenden Strick um ihren Hals.
Tage lang hatte dieser Mann nur den Namen „Peiniger“, doch bereitete das was er tat ihr nicht einfach nur körperlichen Schmerz und sie fügte sich die wahre Pein gerade selbst zu? Sie wollte Garan schützen und ertrug den Schmerz den ihr Peiniger ihr bereitete, ertrug das Fieber und plauderte selbst in diesem nicht aus, wer der Mann war der sie freikaufen hatte wollen. Doch die Lüge wog so schwer und in ihr war so viel Zorn. Wut auf sich selbst für diese Schwäche, Wut auf Eluive, auf die Götter die die Schreckensherrschaft Alatars nicht beendeten.
Trabant Darkan Amon, er fand es seltsam seinen eigenen Namen aus ihrem Munde zu hören. Nach all dem was er für sie getan hatte. Nein nicht der Schmerz den er ihr zugefügt hatte zählte am meisten, sondern inzwischen überwog das, was er ihr nicht angetan hatte. Die Angst die sie vor diesem Mann hatte war zweifelsohne noch da, aber die Dankbarkeit dafür was er nicht getan hatte, die Behutsamkeit mit der er sie wusch, ihre Wunden behandelte und wärmte, gut taten, wie er sie bis nach Bajard trug, weil sie zu schwach war zu gehen, und den Leuten dort noch Ratschläge gab wie sie behandelt werden sollte, durchdrang ihre Gedanken wie Wasser einen Schwamm.
So etwas tat kein Mann der im Dienste Alatars eigentlich das absolute Böse darstellen sollte.
Er hätte ihr während der Folter die Haut abziehen können, so wie man es an seiner Schulter einst getan hatte, er hätte Fleisch aus ihrem Leib schneiden können, die blenden, sie...
Doch Darkan hatte ihr diese Schmerzen erspart, hatte Ashlin ihre Lügen nicht mal vergolten als Garan am Teich vor Rahal all die Unwahrheit aufdeckte. Darkan hatte sie nicht bei sich behalten um ihr erneut Schmerz zuzufügen, hatte Garan nichts getan obwohl er hätte können. Doch warum dieser geschundene Krieger all das tat war ihr völlig schleierhaft, nur eins hatte sich in ihren Geist gefressen, Darkan war nicht durch und durch böse, er war keine Ausgeburt der Dunkelheit, er hatte nicht seine Macht an ihr demonstriert und sie empfand eine Zärtlichkeit für ihn, die nun seine Abwesenheit in eine neue Ebene der Folter verwandelte.
Verfasst: Samstag 6. April 2013, 15:53
von Bertram Schattenlaub
Wo war sie nur? Wo war sein Eichhörnchen?
Das letzte Mal, dass er sie gesehen hatte war auf Lameriast, eine gemeinsame Jagd, der Ausflug mit Ashtar. Doch Ashlin hatte sich im Lauf des Abends in die Wälder zurück gezogen, vielleicht der Ruf der Natur. Nicht viel hatte sich Garan dabei gedacht, war sie doch ein freies Wesen und er hatte wenig Angst um sie.
Hatte er sich zu wenig Sorgen gemacht? Hätte er ihr nach müssen? Immer auf den anderen aufpassen, dies hatten sie sich geschworen. War es ein erneutes Versagen?
Verzweiflung kam in ihm auf, als er daran dachte. Das Bett in der Höhle war unberührt und auch im Gesellschaftshaus hatte sie keiner gesehen, sowas war noch nicht vorgekommen. Auch wenn Ashlin sich lange in den Wald zurück zog, sich um Tiere kümmerte oder stundenlang nach Hölzern für Bögen und Pfeile suchte, stets hinterlies sie ihm ein Zeichen oder irgend ein Fingerzeig, wo sie etwa war oder wann sie wiederkommen würde.
Diesmal jedoch nichts, im Gegenteil, die Höhle machte den Anschein als hätte sie fest damit gerechnet, am Abend wieder zu kommen. Es lag sogar schon Nahrung für das Abendessen bereit und auch der Napf des Kaetzchens war kaum gefüllt. So würde sie nicht die Höhle verlassen, wenn sie längere Zeit unterwegs sein würde.
Irgendwas musste passiert sein und natürlich wollte er so schnell wie möglich nach Lameriast und nach ihr suchen. Da war es ein großes Schock, als ihm der Fährmann sagte, was er schon nach der Flutwelle befürchtet hatte. Kein Schiff würde in Richtung Lameriast mehr ablegen, der Kontakt war abgebrochen und keine Nachricht mehr. Dort musste sie irgendwo sein.
Angst kroch in ihm hoch, was wenn sie sich nicht hatte retten können? Wenn sie tot war. Nein, daran durfte Garan nicht denken, sie war nicht tot. Das hätte er spüren müssen, wie man es eben spürt wenn ein Teil der eigenen Seele, ein Teil von ihm selbst und das war sie nun mal, vernichtet worden wäre, für immer ausgelöscht. Horteras hilf, sie darf nicht tot sein, sie ist nicht tot!
Eiskaltes Wasser! Das brauchte er jetzt. Er ging zum Bach und badete den Kopf im kühlen, frischen Nass. Nun war es wieder einfacher klar zu denken.
Sie lebt, es geht ihr gut, ich muss sie retten! Doch wie stelle ich es am besten an? Kein Schiff fährt von Bajard. In Adoran hat es sie richtig schwer erwischt. Aber wenn ich dort helfe, vielleicht geht von da aus eine Expedition nach Lameriast aus? Außerdem muss ich in Höhle alles zusammen packen. Wir müssen weg dort, wenn der Konflikt mit Rahal zunimmt ist es am Wegeskreuz nicht mehr sicher.
Ein schmerzhafter Stich im Herzen, als er daran dachte. Weg aus Höhle, umziehen, das wäre schlimm, schrecklich. Aber sie mussten in erster Linie an ihre Sicherheit denken und so nah an Varuna und an Rahal war man nicht mehr sicher.
Ashlin? Wo bist du mein Herz? Möge uns das Licht des Abendsterns wieder vereinigen. Ich liebe dich.