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Eine neue Heimat...

Verfasst: Freitag 4. Mai 2012, 19:02
von Leah Katuri
Die Schritte waren gediegen, ruhig in der Stube, als sie die Lasche schloss und mit den Fingern über jene fuhr. Sie musste sich eingestehen, dass es nun vorüber war, dass sie diese Tortur nicht weiter begehen wollte. Der Blick fuhr herauf, ging durch die Kammer des Klosters. Die Steinwände, das Flackern der Kerzen...alles so vertraut wie eh und je...und doch war es anders. Es wäre das letzte Mal, dass sie jene Kammer sehen würde. Diesmal für immer. Wie oft hatte sie den Rückweg versucht, wie oft sich eingeredet, es würde an den Selbstzweifeln, der eigenen Mutlosigkeit liegen. Falsche Ritterlichkeit in falschen Zügen und Gutdünken; das war es, was sie stets hatte zurückgehen lassen. Doch sie musste sich eingestehen: Auch sie war ein Mensch, auch sie hatte Grenzen. Sie war nicht perfekt, nicht annährend jenes, was dieses ausmachen würde.
Die Reisetasche wurde angehoben und geschultert. Sie hatte bereits die Satteltaschen gepackt, die wenigen Dinge, die ihrer waren dort hineingelegt. Die Rüstung ordentlich zusammengepackt in Lederhüllen, damit sie weder Kratzer bekamen noch lärmten. Das Schwert unter der Satteldecke versteckt. Sie wollte als normale Reisende gelten, nicht als jemand, den man potentiell bedrohen und ausnehmen konnte...

„...in all der Zeit wie ich sagte, sind meine Gefühle geschwunden und ich musste mir eingestehen das es ein Fehler war. Ich liebe sie nicht mehr...

Der Satz brannte, brannte immer noch. Sie konnte es nicht vergessen, wollte es nicht. Genausowenig wollte sie stets sich konfrontieren mit dem, was geschehen war. Selbstmarterung hatte sie zuweilen genug ausgeübt und erlebt. Es war keine Flucht; vielmeh Selbstheilung, die sie brauchte. Sie konnte ihren Dienst weiterhin im Namen der Herrin ausführen, man würde ihr sicher eine Möglichkeit an anderen Orten geben. Vielleicht gar die Hauptstadt, doch so vermessen waren die Wünsche nicht. Sie wollte nur beschäftigt sein, vergessen zu können...und letztendlich auch vergeben. Sie wendete sich wortlos aus der Kammer und trat in den Kreuzgang. Es war früher Abend, die gängige Geschäftigkeit in den Hallen nahm ihren gewohnten Gang. Sie hielt sanft einen der Akoluthen auf und gab ihm ein Schreiben in die Hand, welches lediglich gefaltet war, ohne Siegel. Ein Schreiben, das später den Weg zu Svea finden würde, welches beschrieb, dass sie ihren Dienst nun endgültig auf dem Festland ausüben würde. Dass sie niemals ihre Verpflichtungen vergesse, sie sich ebenso in jedem Kloster melden würde auf ihrer Reise und dort den entsprechenden Vertretern helfe und beistehe, sofern Schutz und Rat benötigt seien... und dass sie sich bewusst sei, dass sie nun erst Recht mit jeglicher Folge leben müsste bezüglich der Ehetrennung von Herrn Katuri. Verzeihen erbäte sie, Verständnis...
Ruhig sattelte sie auf, während der Blick noch einmal über die Wände striff. Es blieb kein Gedanke hängen, der sentimentale Erinnerungen aufwarf oder dergleichen. Lediglich ein Durchatmen zeigte, dass auch jene Entscheidung nicht die leichteste auf Erden gewesen war. Sie gab einen Ort auf, den sie einst Heimat genannt hatte. Ein Ort, an dem sie sich Selbst, ihre Bestimmung gefunden hatte. Ein Platz, an dem sie alt werden wollte und es ihr doch nicht vergönnt war. Sie zog sanft an den Zügeln und wendete die Stute gen des Weges. Die Frühlingssonne versprach wärmere Tage und doch zog sie die Kapuze tief in die Stirn. Ihr nächstes Ziel.... eine neue Heimat.