Und wer seid Ihr?
Verfasst: Montag 30. April 2012, 20:06
Und wieder stellt jemand sie, diese kleine Frage.
„Und Ihr seid…?“
Natürlich will man nur meinen Namen wissen, aber manche Leute können einfach nicht mehr direkt sprechen. Ich frage zurück:
„Ihr wollt wirklich wissen, wer ich bin?“
Ein Hauch von Unsicherheit wird mit einem Lächeln, das wohl sympathisch sein soll, überspielt, gefolgt von einem Nicken.
„Dann solltet Ihr etwas Zeit mitbringen. Habt Ihr Zeit?“
Wieder in Nicken, da scheint es jemand ernst zu meinen.
„Dann will ich Euch eine Geschichte erzählen. Es war einmal – wie könnte es auch anders sein – da wurde einer Familie in einem kleinen, unwichtigen Ort ein Sohn geboren. Sagen wir, es war das vierte Kind, wobei schon eines in jungen Jahren an einer Krankheit gestorben ist. Stellt Euch die Mutter vor, schwach von den Qualen der Geburt und doch glücklich, seht den Vater, wie er mit einem Stolz, den nur Väter empfinden können, seinen ersten Sohn anblickt, die beiden Schwestern, beide noch sehr jung, die sich an den Händen halten und neugierig das schreiende Wesen betrachten, das ihr Bruder ist.
Jahre vergehen.
Aus dem schreienden Säugling ist ein aufgeweckter, lebenslustiger Junge von sechs Jahren geworden, der seinen Schwestern gerne Streiche spielt. Sein schwarzes Haar – er hat es wohl vom Vater – trägt er am liebsten kurz geschoren, damit es ihn nicht stört. Lange Haare sind außerdem für Mädchen. Am liebsten klettert er auf Bäume vor der kleinen Stadt und beobachtet die Reisenden auf der nahen Straße, wie sie sich der Stadt nähern oder sie verlassen. Die Straße windet sich wie ein weißer Fluss durch die braune Ebene der frisch gepflügten Felder. Der Junge sitzt auf einem Ast und döst. Woran er wohl gerade denken mag? Man weiß es nicht, doch es müssen schöne Gedanken sein.
Jahre vergehen.
Wir sehen einen Knaben von vierzehn Jahren durch einen Herbstwald laufen. Unter seinen Sohlen knirscht nasses braunwelkes Laub. Er läuft und läuft, ohne sich umzusehen, er kennt den Weg und er hat Eile. Auf der Lichtung wartet sie schon auf ihn. Sie ist zwei Jahre älter als er, Welten in diesem Alter, aber das stört die beiden nicht. Woran er bei ihrem Anblick wohl denken mag? Man weiß es nicht, aber es müssen schöne Gedanken sein.
Zeit vergeht.
Ein Junge sitzt auf einem Baum und weint hemmungslos. In den Händen hält er ein bunt gefärbtes Tuch, auf dem ein Name eingestickt ist. Immer wieder dreht er es in den Händen, drückt es an die Brust.
Jahre vergehen.
Aus dem Jungen wird langsam ein Mann, das verrät nicht nur der Bart, der jetzt auf seinen Wangen sprießt, nein, auch seine Augen scheinen sich verändert zu haben. Sie blicken jetzt ernster und wachsamer in die Welt. Und er trägt ein Schwert. Er trägt die Farben Gold und Blau auf seinem Wappenrock. Seht, wie er mit stolzgeschwellter Brust auf und ab marschiert, den Befehlen mit Eifer gehorcht. Kronprinz und Reich zur Ehr, zur Ehr! Wie er durch die Straßen wandert, wohl wissend, dass ihm so manches Mädchen nachsieht. Aber, sagen wir, es kümmert ihn nicht, denn er strebt einem bestimmten Haus zu, aus dem fröhlicher Gesang zum Geklapper von Geschirr ertönt.
Zeit vergeht.
Die Alarmglocken hallen herüber. Hastig wird die Uniform angezogen, das Mädchen hilft ihm, die Riemen des Harnischs zu schließen. Dann hinaus, zu den Truppen. Varuna brennt, er sieht den gewaltigen Flammenschein einer zweiten Sonne gleich bis hier. Gedränge und Geschubse, Rufe und Befehle, Waffengeklirr und Hufgetrappel rings um ihn. Schritt für Schritt trägt es ihn näher an die Stadt heran, an die Hitze, den Gestank, an den Feind. Da! Der Feind! Angriffsbefehle und Trommelsignale, los jetzt, los! Das Schwert aus der Scheide gezogen, einen Schrei auf den Lippen, keine Worte, nur ein tiefer, urtümlicher Schrei. Rechts und links prallen Freund und Feind aufeinander, aber er rennt weiter. Aus dem Staub nähert sich ein Reiter. Er trägt eine schwarze Rüstung mit tiefblauem Mantel. In der rechten Hand schwingt er ein ebenfalls schwarzes Schwert. Ehe der junge Mann sich wehren kann, hat der Reiter ihm das schwarze Schwert in den Schädel gerammt.
Wer ich bin? Ich bin dieser Reiter. Mein Name ist Viridian. Ich trage kein Schwarz mehr, doch ich tue immer noch, was ich damals tat. Denn es ist und bleibt mein Handwerk. Meine Berufung. Mein Schicksal. Ich bin ein Kämpfer.“
„Und Ihr seid…?“
Natürlich will man nur meinen Namen wissen, aber manche Leute können einfach nicht mehr direkt sprechen. Ich frage zurück:
„Ihr wollt wirklich wissen, wer ich bin?“
Ein Hauch von Unsicherheit wird mit einem Lächeln, das wohl sympathisch sein soll, überspielt, gefolgt von einem Nicken.
„Dann solltet Ihr etwas Zeit mitbringen. Habt Ihr Zeit?“
Wieder in Nicken, da scheint es jemand ernst zu meinen.
„Dann will ich Euch eine Geschichte erzählen. Es war einmal – wie könnte es auch anders sein – da wurde einer Familie in einem kleinen, unwichtigen Ort ein Sohn geboren. Sagen wir, es war das vierte Kind, wobei schon eines in jungen Jahren an einer Krankheit gestorben ist. Stellt Euch die Mutter vor, schwach von den Qualen der Geburt und doch glücklich, seht den Vater, wie er mit einem Stolz, den nur Väter empfinden können, seinen ersten Sohn anblickt, die beiden Schwestern, beide noch sehr jung, die sich an den Händen halten und neugierig das schreiende Wesen betrachten, das ihr Bruder ist.
Jahre vergehen.
Aus dem schreienden Säugling ist ein aufgeweckter, lebenslustiger Junge von sechs Jahren geworden, der seinen Schwestern gerne Streiche spielt. Sein schwarzes Haar – er hat es wohl vom Vater – trägt er am liebsten kurz geschoren, damit es ihn nicht stört. Lange Haare sind außerdem für Mädchen. Am liebsten klettert er auf Bäume vor der kleinen Stadt und beobachtet die Reisenden auf der nahen Straße, wie sie sich der Stadt nähern oder sie verlassen. Die Straße windet sich wie ein weißer Fluss durch die braune Ebene der frisch gepflügten Felder. Der Junge sitzt auf einem Ast und döst. Woran er wohl gerade denken mag? Man weiß es nicht, doch es müssen schöne Gedanken sein.
Jahre vergehen.
Wir sehen einen Knaben von vierzehn Jahren durch einen Herbstwald laufen. Unter seinen Sohlen knirscht nasses braunwelkes Laub. Er läuft und läuft, ohne sich umzusehen, er kennt den Weg und er hat Eile. Auf der Lichtung wartet sie schon auf ihn. Sie ist zwei Jahre älter als er, Welten in diesem Alter, aber das stört die beiden nicht. Woran er bei ihrem Anblick wohl denken mag? Man weiß es nicht, aber es müssen schöne Gedanken sein.
Zeit vergeht.
Ein Junge sitzt auf einem Baum und weint hemmungslos. In den Händen hält er ein bunt gefärbtes Tuch, auf dem ein Name eingestickt ist. Immer wieder dreht er es in den Händen, drückt es an die Brust.
Jahre vergehen.
Aus dem Jungen wird langsam ein Mann, das verrät nicht nur der Bart, der jetzt auf seinen Wangen sprießt, nein, auch seine Augen scheinen sich verändert zu haben. Sie blicken jetzt ernster und wachsamer in die Welt. Und er trägt ein Schwert. Er trägt die Farben Gold und Blau auf seinem Wappenrock. Seht, wie er mit stolzgeschwellter Brust auf und ab marschiert, den Befehlen mit Eifer gehorcht. Kronprinz und Reich zur Ehr, zur Ehr! Wie er durch die Straßen wandert, wohl wissend, dass ihm so manches Mädchen nachsieht. Aber, sagen wir, es kümmert ihn nicht, denn er strebt einem bestimmten Haus zu, aus dem fröhlicher Gesang zum Geklapper von Geschirr ertönt.
Zeit vergeht.
Die Alarmglocken hallen herüber. Hastig wird die Uniform angezogen, das Mädchen hilft ihm, die Riemen des Harnischs zu schließen. Dann hinaus, zu den Truppen. Varuna brennt, er sieht den gewaltigen Flammenschein einer zweiten Sonne gleich bis hier. Gedränge und Geschubse, Rufe und Befehle, Waffengeklirr und Hufgetrappel rings um ihn. Schritt für Schritt trägt es ihn näher an die Stadt heran, an die Hitze, den Gestank, an den Feind. Da! Der Feind! Angriffsbefehle und Trommelsignale, los jetzt, los! Das Schwert aus der Scheide gezogen, einen Schrei auf den Lippen, keine Worte, nur ein tiefer, urtümlicher Schrei. Rechts und links prallen Freund und Feind aufeinander, aber er rennt weiter. Aus dem Staub nähert sich ein Reiter. Er trägt eine schwarze Rüstung mit tiefblauem Mantel. In der rechten Hand schwingt er ein ebenfalls schwarzes Schwert. Ehe der junge Mann sich wehren kann, hat der Reiter ihm das schwarze Schwert in den Schädel gerammt.
Wer ich bin? Ich bin dieser Reiter. Mein Name ist Viridian. Ich trage kein Schwarz mehr, doch ich tue immer noch, was ich damals tat. Denn es ist und bleibt mein Handwerk. Meine Berufung. Mein Schicksal. Ich bin ein Kämpfer.“