Seite 1 von 1

Summa Combativa - aus dem Leben einer Magierin

Verfasst: Dienstag 3. April 2012, 11:44
von Sophia Coram
“Das Leben ist ein Kampf! Merk dir das Tochter!” hallten die strengen Worte ihres Vaters in ihrem Kopf wieder. Und nach allem was sie seit ihrer Ankunft auf dieser Insel erlebt hatte, fing sie langsam an zu begreifen, was das wirklich hieß.

Von der eigenen Familie verstoßen zu werden, war schon ein Kampf.
Sie kämpfte um Fassung und Haltung, während man sie zum Hafen brachte um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich weit weit weg fahren würde.
Lieber hätte sie schreien und flehen wollen, dass sie zuhause bleiben wollte. Und wäre es ihre Hand oder ihr Fuss gewesen, den ihre Familie nicht hätte ertragen können, so hätte sie ihn sich sicher abgehackt. Aber wie sollte man ein Seelensiegel, gegeben von den Schicksalsmächten, auserwählt von Eluive, los werden?
Nein, sie war, was sie war!

Andere Familen hätten wohl jubiliert und hätten es als große Ehre angesehen, eine Magierin in der Familie zu haben, die einmal das Reich mit allen Kräften verteidigen würde und hohes Ansehen genoss. Aber hier, am äußersten Ende des Reiches, war sie nur “sonderbar” und für eine sonderbare Tochter hatte ihr Vater keine Verwendung. Er würde sie nicht gut verheiraten können um eine gewinnbringende Allianz schließen zu können und so waren die Jahre ihrer Ausbildung für ihn nun nur noch verlorene Zeit und vor allem verlorenes Geld. Noch länger solle sie ihm nicht auf der Tasche sitzen und vor allem, sollte niemand merken, dass sie “sonderbar” war, sonst könnte sein Ruf ja darunter leiden und der ging ihm über alles, selbst über das Leben seiner Tochter offenbar.

Und so war sie damals auf jenes Boot gestiegen, das sie nach Gerimor brachte. Jener merkwürdigen Insel, auf der alles so anders war, wo sie um alles kämpfen musste und auf der sich ihr Schicksal erfüllen sollte.

Verfasst: Sonntag 8. April 2012, 11:42
von Sophia Coram
Langsam verrieb sie die Kräuter in ihrem Mörser. Apfel und Ginseng, beides zunächst sehr klein geschnitten, dann im Mörser vermengt und gerieben. Es war sicher schon das dutzendste Mal heute, dass sie dies tat. Anschließend würde sie die geriebene Masse in einen kleinen Kolben geben und mit etwas Wasser langsam zum Köcheln bringen. Exakt 10 Minuten musste es auf kleiner Flamme vor sich hin blubbern bis es die richtige Farbe angenommen hatte, dann würde sie es in eine kleine Flasche füllen und verkorken.
Jeder Handgriff wurde langsam und konzentriert ausgeführt. Nur nichts daneben schütten und das Mischungsverhältnis musste stimmen, sonst konnte es später nicht seine heilende Wirkung entfalten. Je länger sie diese Handgriffe durchführte, einen nach dem anderen, immer im selben Muster, desto sicherer wurde sie, erkannte schneller ein falsches Mischungsverhältnis, konnte besser einschätzen, ob die Flamme zu heiß war, ob der Trank zu lang oder zu kurz köchelte. Es war fast schon wie eine Meditation für sie geworden. Doch sich zu sicher zu fühlen bedeutete auch, schneller Fehler zu machen, fahrlässig zu werden.

Im Moment lenkte sie vor allem eines ab... die Stimme in ihrem Kopf, die ihr stetig einflüsterte, sie sei viel zu faul gewesen und könnte schon viel weiter sein, mit mehr Ehrgeiz und wenn sie nicht ständig an einen gewissen Mitschüler denken würde. Und die Stimme hatte sicher auch Recht, das gab sie zu.
Wenn sie Tag und Nacht hier im Keller der Kräuterkunde nachgehen würde, würde sie sicherlich schon weit anspruchsvollere Tränke brauen können, als nur simple Heiltränke. Außerdem wollte sie sich eigentlich nach dem Fiasko bei der Götterlehre nochmal im Glaubenshaus genau erkundigen und ein paar Nachhilfe Stunden nehmen. Und an ihre quasi nicht vorhandene Erfahrung im Kampf wollte sie gar nicht denken. Bei einer Bedrohung konnte sie sich im Moment weder durch Geschick im Umgang mit einer Waffe, noch auf magischem Wege richtig schützen. Sie war zu unerfahren mit der Waffe und zu leicht abzulenken um auch nur einen halbwegs starken Feuerball zusammen zu bringen. Gut, es reichte um davon zu laufen, aber wer wollte das schon, wenn es nicht unbedingt sein musste?

Nein, von ihr wurde weit mehr erwartet als Schülerin am Konzil des Phönix! Und sie erwartete auch von sich selbst mehr. Doch hier war sie eben nicht mehr in ihrem Elternhaus, wo man alles für sie erledigte und sie sich ausschließlich ums lernen kümmern musste. Hier musste sie selbst sehen, dass sie etwas zu Essen und zu trinken bekam, dass sie selbst ihr kleines Häuschen sauber hielt, musste ihr Bett selbst machen und den Nachttopf selbst ins Meer schütten. In der ersten Zeit in Adoran taten ihr oft abends alle Knochen weh und sie sank noch mit den Kleidern am Leib erschöpft in ihr Bett. Heute war es schon leichter geworden, aber sie empfand es immer noch als ablenkend. Vielleicht, wenn sie eines Tages eine angesehene Maga war, vielleicht Beraterin der Gräfin oder gar des Herzogs, vielleicht würde sie dann eine Haushaltshilfe einstellen. Sie musste schmunzeln bei dem Gedanken. Ausgerechnet sie als Beraterin der höheren Adelsschicht. Nun, wenn jemand sie jetzt so sehen könnte, würde er sie wohl höchstens milde belächeln.

Doch zumindest hatte sie bereits den Statthalter von MenekUr kennen gelernt und mit ihm zusammen einen Kaktusschnaps getrunken. Das konnte sicher auch nicht jeder behaupten, den Vertreter, den Statthalter, des Emirs von MenekUr zu kennen, in sein Haus eingeladen zu werden und mit ihm getrunken zu haben. Ja, das erfüllte sie in der Tat mit Stolz und sie freute sich bereits auf einen weiteren Besuch der Wüsteninsel. Sie wollte so gerne noch viel mehr lernen von Land und Leute dort. Die Sitten und Gebräuche, vielleicht sogar ein paar Brocken menekanisch. Sie würde sich zumindest noch erkundigen, wie man sich begrüßte und verabschiedete auf MenekUr, denn sie empfand es einfach als Geste des Respekts jemanden in seiner Sprache zu begrüßen. Aber gerade dieses stolze Volk verlangte sicher einiges an Feingefühl. Es war wie ein Tanz auf rohen Eiern, aufregend, aber gefährlich. Sollte sie einen Fehler machen, wollte sie sich das Temperament dieser stolzen Menschen lieber nicht vorstellen.

Aber nun genug mit den Träumereien!
Sie hatte da noch eine Kiste Äpfel und eine Kiste Ginseng, die heute noch zu Tränken gemacht werden sollten, also zurück an die Arbeit!
Und so begann sie wieder mit schnippeln und reiben, köcheln und abfüllen bis in die späten Abendstunden. Und ab und an hörte man ein leises fluchen aus dem Keller, wenn sie mal wieder etwas verschüttete, einen Kolben zerbrach oder aus Unachtsamkeit der Trank zerkochte.