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Die Feder des Raben.

Verfasst: Dienstag 20. März 2012, 21:01
von Gast
Teil I

Der letzte Ausflug in die verlassene Stadt lag ihm noch schwer in den Knochen. Die eisige Kälte und der anhaltende Schneeregen ließen ihn kurz aufstöhnen. Asgerat fragte sich, warum er immer wieder an diesen Ort zurückkehrte. Eigentlich war es ihm zuwider und ein besonders mutiger und begabter Kämpfer war er auch nicht. Dennoch war er wieder zurückgekehrt. Er redete sich in Gedanken ein, dass er es müsste, um seine Miete und seine sonstigen Ausgaben zu bezahlen können. Es war zwar nicht besonders viel, doch manchmal fand er an den Kadavern der Untoten Schmuckstücke oder andere mehr oder minder wertvolle Gegenstände, welcher für einen meist nicht nennenswerten Preis bei Händlern oder Hehlern verkaufen konnte. `Sie werden es nicht eh nicht mehr brauchen, schließlich sind sie schon tot`. Diesen Gedanken wiederholter er so oft, bis das schlechte Gewissen aufgab und ihm die Tatsache, dass es eigentlich Diebstahl ist, nicht mehr so deutlich spüren lies. Ein halblautes Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken. Er war noch einige Schritte vom großen Haupttor Verunas entfernt, doch dies schien die "Bewohner" nicht aufzuhalten. Als er mit seinem Blick versuchte den Ursprung des Geräusches auszumachen, erkannt er einen verwesten Körper der mit langsamen und schlurfenden Schritten auf ihn zu torkelte. Asgerat war sich bewusst, dass er nicht der beste Kämpfer sei, aber er blieb dennoch gelassen. Schließlich war es der Grund warum er hier war. So redete er es sich zu mindestens ein. Natürlich hätte seine Goldmünzen auch anders verdienen können. Ihm wurden sogar Angebote gemacht. Er hätte in Bajard als Fischer arbeiten können oder sogar der Garde Rahals beitreten können. Aber er war zurückgekehrt. Hierher. Nach Veruna. Der näher kommende Untote ließ ihn erneut den Gedanken verwerfen. Asgerat war erstaunt wie 'schnell' sich das Wesen näherte. Entweder war er länger in Gedanken gewesen, als er annahm oder irgendetwas war sonderbar mit diesen Ding. Ohne weiter darüber nach zu denken zog er sein Schwert und hob sein großes Schild vor sich. Er wartet bis der lebende Kadaver bei ihm ankam und zum Schlag ausholte. Als sein Gegenüber die knochige Hand mit überschaubarer Geschwindigkeit auf ihn zu schnellen ließ, machte er einen ausfallenden Schritt zur Linken und ließ das Schwert in seiner rechten Hand halbwegs Geschickt auf den Arm des Angreifers nieder. Das Knacken des Unterarmknochen des Zombies war deutlich zuhören, als sein Schwert diesen mit einiger Mühe durchtrennte. Gedanklich verfluchte er sich selbst, das Schwert vor seinem Ausflug nicht zum Schmied gebracht zu haben. Es war durch die vermehrten Einsätze in der letzten Zeit stumpf und schon bald würde es seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen können. Doch dazu war es jetzt zu spät. Die Tatsache, dass das durchtrennen des Armes mehr Kraft als erwartet in Anspruch genommen hat lies ihn kurz ärgerlich keuchen. Sein Angreifer hingegen schien den Verlust seines Arms nicht wirklich zu bemerken und begann mit seinem noch Verbliebenem auf Asgerat ein zu schlagen. Mehr oder minder gekonnte parierte Asgerat die Schläge und versuchte selbst einige Treffer zu landen welchen den wandelnden Toten endgültig außer Gefecht setzen würden. Nach einer gequälten langen Minute gelang es ihm endlich seinem Widersacher den Kopf abzutrennen und ihn somit niederzuringen. Er verbrachte einen Moment damit mit seinem abgenutzten Schwert in den Überresten des Kadavers vor den Toren herum zu stochern. Es - er vermag es nicht zu sagen, ob es sich hierbei mal um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat - weilte schon seit mehreren Wochen nicht mehr unter den Lebenden und er konnte deutlich sehen wie die Aasfresser alles für sie interessante von Körper genagt hatten. Für ihn schien es nichts von Interesse dabei zu sein. Ein kalter Schauer lief ihn über den Rücken und erneut fragte er sich warum er zurückgekehrt war. Er hasste diesen Ort und doch war etwas reizvolles in ihm. Etwas, das er nicht beschreiben konnte. Ob es wohl die Geschichte diese Ortes war? Kopfschüttelnd verwarf er den Gedanken und blickte nun auf die Tore Verunas. Die Sicht war durch den hartnäckigen Schneeregen getrübt. Dennoch war er froh über die Kälte. Nicht auszudenken welche Gerüche und Dämpfe an einem warmen Sommertag über dieser Stadt liegen würde. Asgerat atmete tief ein, als müsse er sich versichern, dass die Kälte die Gerüche der Kadaver und Untoten fest im Griff hatte. Mit einem Gedanklichen 'Nicken', setzte er sich in Bewegung und steuerte zielstrebig auf das Haupttor der verlassenen Stadt zu. Da dies nicht sein erster 'Besuch' Verunas war, wusste er was ihn erwartete. So hoffte er zu mindestens. Doch heute schien alles 'anders' zu sein. Er wusste nicht woher das Gefühl kam. Aber er konnte es deutlich spüren. Obwohl sich alles in ihm gegen ein weiteres Vordringen in die verlorene Stadt wehrte fühlte er sich von diesem Ort magisch angezogen. Mit einem großen Schritt ließ er den Enthaupteten Untoten hinter sich und er machte sich auf den Weg in das innere der Stadt. Mit einer Mischung aus Furcht und Neugierde stand er nun unter den Toren, keine Ahnung was ihn erwartete...