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Der Weg des Wahnsinns...
Verfasst: Montag 19. März 2012, 13:06
von Tyr´riaxan
... Die Erschütterung des Aufpralls durchfuhr die Muskeln des sehnigen Körpers des hochgewachsenen Letharfen.
Schnaufend kam der Säbelschwinger wieder auf die Beine, während alte Wunden auf seinen rechten Arm wieder aufplatzten und neben den neuen Schnitten ihr Blut vergossen. Die blubbernde Lava im Hintergrund verschmolz mit der schnaubenden Atmung des Trainierenden. Jeder nur erdenkliche Nerv trug den Schmerz weiter, doch er ermahnte sich selbst. Die filigranen Finger krampfartig zu einer Faust umschlossen machte er langsame Schritte von dem Stein weg...
... Keine Schwäche....
... Nutze den schmerz, Lass den Zorn daraus erblühen...
Hallten die Worte seiner Schwester Qis'arx in seinem Kopf wieder, als die grünen Augen den Felsen wieder fixierten. Kurz schlossen sich die Lider, woraufhin sich die sehnig muskulöse Brust des Letharfen einmal deutlich hebte, nur um sich dann wieder zu entspannen und in den alten Rhythmus der Atmung zu verfallen.
Keine Schwäche!
Der angehende Lethrixor riss unter einem Schwall von Adrenalin und verbissener Entschlossenheit die Augen auf und brechte voran. Kurz bevor der Körper wieder erneut gegen den Stein zu schlagen drohte spannte sich einmal mehr die Muskulatur an, um die Erschütterung abzufangen. Wieder schlug der dunkelhäutige Körper mit der Wucht des Spurtes gegen den Felsen, doch diesmal wurde der Aufprall von einem zornigen Schrei untermalt, welcher in dunklen Höhlen widerhallte.
Die blutende Seite des Letharfen hinterlies einen blutigen Abdruck auf dem Stein, während er zurück taumelte und unter einem weiteren Schwall der betäubenden Schmerzen das Gleichgewicht verlor und zu Boden stürzte.
KEINE SCHWÄCHE!
Rauschten die zornigen Worte wieder durch die felsigen Hallen des Axorns, gepaart von einem kräfitgen Schlag in den Staub des Bodens. Zielstrebig fand der Säbelschwinger darauf wieder auf die Beinen. Das Blut rauschte in seinen Ohren, unterdrückte die umliegenden Geräusche… dunkelgrünen Augen glänzten nun mehr in Zorn, der Körper betäubt, die Sinne benebelt... er war einer des auserwählten Volks… er würde nicht versagen…
… und Tyr’riaxan sprintete erneut auf den Felsen zu, die Gedanken erloschen, die Augen blind, nur der taube Schmerz und den benebelten Zorn in den Venen.
Verfasst: Dienstag 17. April 2012, 15:35
von Tyr´riaxan
Die feinen, elfischen und markanten Züge des Letharfen spiegelten sich im Wasser. Sie waren entspannt, sie wirkten etwas eingefallen, waren jedoch fern von der militärischen Maske, oder gar der Verzerrung von Emotionen.
Die grünen Augen wanderten über das unklare, wässrige Spiegelbild auf der Oberfläche, der Glanz des Blickes nachdenklich, fast müde – Augenringe, die die ohnehin dunkle Haut noch dunkler erschienen ließen, sprachen ebenso mehr für Müdigkeit als für die Nachdenklichkeit.
Fernab von dem Zentrum des LethAxorn war er vor dem Wasserloch auf die Knie gefallen, an sein Ohr drangen nur das dumpfe Gluckern der Lavaseen und Flüsse, sowie das undefinierbare Krächzen von den seltsamen Kreaturen, die in den Höhlen lebten. Jedoch keine Schritte, keine Laute, nichts vernahm er von seinen Geschwistern.
Er hatte gelernt die Schmerzen zu unterdrücken, dass sie nicht seinen Körper manipulieren konnten, oder gar seine Nerven betäuben, doch sein Körper begann sich seinem Willen zu widersetzen.
Die Arme fühlten sich schwer an, obwohl sie nur neben ihm lagen. Die Haut und die sehnige Muskulatur durchzogen von der Spannung der schmerzenden Erschöpfung, jede verwachsene, wulstige Narbe an seinem Leib schien sich gegen ihn aufzulehnen und mit schmerzendem Pochen gegen seine Sinne zu schlagen.
Der Stich in seiner Seite, fühlte sich an, als hätte die Klinge gerade erst sein Fleisch durchstoßen, zog sich brennend und stechend durch die Muskulatur seines Bauches. Und selbst seine Füße konnte er nicht mehr orten, der Schmerz seiner durchlöcherten Fersen betäubte die Sehnen seiner Füße… sie waren für ihn nur noch schmerzende Klumpen.
Träge schlossen sich die Lider des Letharfen und er versuchte sich zu konzentrieren. Doch der Schmerz lies sich nicht länger manipulieren…
Die Worte seiner höheren Geschwister hallten in seinen Gedanken wieder, die demütigenden und erniedrigenden Worte. Er war nur ein wertloses Stück Fleisch, das sich nicht unter Kontrolle hatte. Er peinigte sich selbst, um seinen Willen zu stärken, seinen Körper zu stählern, seine Sinne zu trainieren, doch die Worte rissen an seiner Maske.
Er war nur ein wertloses Stück Fleisch, das wusste er, musste er sich doch erst beweisen, aber nutzlos…?
Er spürte wie etwas an ihm zerrte, die Flamme des Zorns, der sich an den betäubenden Schmerzen und dem Klang der Worte seiner Geschwister labte. Er hatte zu oft die Kontrolle verloren… seine Gedanken von dem Zorn manipuliert, seine Handlungen manipuliert…
Er hatte sogar seine Mentorin angegriffen… es wusste zwar niemand… hat sie sich deshalb von ihm losgesagt?
Der Zorn in seinem Inneren wuchs, Zorn, über seine eigene Dummheit, seine eigenen Verfehlungen. Er spürte wie die Emotion Spannung in seine Muskeln jagte. Seine Gedanken löste und wirr werden lies. Der unkontrollierte Zorn war es, der an die Mauern seiner Gedanken krachte, erst schwach, doch mit jedem der Gedankengang, schien die Wut an mehr Kraft zu gewinnen…
Wertlos…
Nutzlos…
Schwach…
Dumm…
… die Lungen entließ die Luft gepresster von den schmalen Lippen, die Schmerzen waren verschwunden und an sein Ohr drang das Geräusch der Rüstung, was seine Finger verursachten, als die Anspannung seiner Muskeln sie in eine Faust zwangen.
Kontrolle…!
Eine Schneise seiner Gedanken durch den betäubenden Zorn, welcher seine Sinne benebelte und an der Kontrolle seines Körpers zerrte. Er sah einen Schatten vor dem Inneren Auge, eine weiche Berührung in seinen Gedanken, sie verschwand,
und der Kopf bewegte sich ruckartig nach unten und er spürte das kühle Nass des Wasserlochs auf seiner Haut. Die zarte Berührung der Kälte auf den verkrampften Zügen des Letharfen und es schien, als würde das Wasser selbst durch sein Inneres spülen und den Zorn mit sich nehmen.
Er zog den Kopf ruckartig aus dem Wasser, die langen, nassen Haare klatschten dumpf auf den Stoff seiner Robe und der Säbelschwinger zog lange, mit einem scharfen Laut die Luft ein.
Seine grünen, müden Augen betrachteten wieder sein verschwommenes Ebenbild. Er starrte es einfach nur an …
… er trägt nicht länger die Ketten seiner Vergangenheit, was er in dieser Gesellschaft spürte, es gab niemanden, der ihm half, seinen Zorn zu zügeln und die daraus resultierenden Regungen zu kontrollieren, er musste es selbst lernen...
… der Zorn sollte ihm Kraft geben, sie ihm nicht nehmen…
Verfasst: Montag 7. Mai 2012, 14:49
von Tyr´riaxan
Es war gerade die Sonne aufgegangen, als der Letharf in die Tiefen des Leth’Axorns hinunter gestiegen war. Das leise Rasseln seiner Rüstung begleitete seinen Schritt, hallte in dem Aufgang wieder, dann umschloss ihn auch schon die kalte Umarmung des Höhlensystems, und er atmete auf.
In ruhigen Schritten steuerte er das Zentrum an, die Lethrae und Letharfen waren wie immer damit beschäftigt ihren Arbeiten nachzugehen, schenkten sie dem angehendem Lethrixor ein Nicken, was er auch erwiderte, aber sein Fokus lag auf etwas Anderem.
Die gepanzerten, langen Finger griffen nach dem Zettel, der bei den Berichten und Notizen hing, ohne ihn jedoch abzureissen.
Es wusste was darauf stand, doch so oft er die Zeilen auch las, blieb das drückende Gefühl von aufkeimendem Zorn in seinem Inneren nicht aus, woraufhin sich die freie Hand des Letharfen unweigerlich zur Faust ballte.
Er hatte dieses Männchen gestraft, dafür das er nicht nur eine Gläubige gegen seinen Bruder hetzen wollte, sondern auch dafür, dass er den Tempel mit seinen Lügen und Intrigen beleidigte und damit seinen Vater. Hätten seine Geschwister ihn nur nicht auffliegen lassen… zwar kannte ihn Asgerat, aber dennoch hätte er niemals nachweisen können, das er es gewesen war.
Er war verwundert, wie viel Aufruhr so ein kleiner Angriff verursachte. Natürlich wusste er, dass manche Menschen sich versuchten mit Gesetzen zu schützen, aber bislang hatte diese Form der Justiz ihn nie erwischt.
Trotz allem hoben sich seine Mundwinkel und er entblößte die Zähne unter einem Grinsen, was auf den dunkelhäutigen, feinen Zügen, die die Regungen kaum kannten, etwas grotesk wirkte.
Es war ein gutes Gefühl gewesen, wie er den Schädel des Menschleins gegen die Wand schlug. In seinem Kopf hallte der dumpfe Schlag wieder, wie die Knochen gegen das Holz knallten, gedämpft durch die Haut, die aufplatzte und den roten Lebenssaft seines Opfers vergoss. Ein Keuchen, angsterfüllte Blicke, der Zorn in seinem Inneren, den sein Feind zu spüren bekam, die Knochen des Männleins brachen unter seiner Gewalt, gaben unter der harten Wand nach… das Knacken in seinem inneren Ohr, gemischt mit einer Wiederholung des dumpfen Aufschlags… es war ein gutes Gefühl…
Die Zeilen, auf die er schaute wurden wieder klarer, als seine Gedanken an den Abend versiegten.
Nun musste er sich verantworten, für das was er getan hat... das, was das Weibchen Thanaya hätte tun sollen. Welch Ironie, wenn er hörte, dass er sich an die Garde hätte wenden sollen, aber eine Frau der Garde selbst es war, die es nicht schaffte den Mann seinen Versuchen entsprechend zu bestrafen.
Hier war vieles anders, daran musste er sich gewöhnen – das Gericht war die Bürokratie. Er konnte nicht länger ohne Weiteres einen Menschen richten, zumindest nicht hier in dieser Gemeinde, oder wie auch immer es tituliert wurde.
Er wendete sich von dem Zettel ab, um die Utensilien zusammen zu suchen, die er benötigte um seine Strafe zu bewältigen.
Eine Schale, ein paar Bandagen, mehrere Rollen Pergament… mehr würde er nicht brauchen, so stapfte er dann durch das Axorn…
In den Gemeinschaftsräumen angekommen, lies er sich in der Ecke der Höhle auf einem großen, flachen Felsen nieder, der als Sitzmöglichkeit diente, die Utensilien wurden auf dem Steintisch vor sich gebettet. Die Räume waren soweit leer, nur ein Letharf, der damit beschäftigt war die Vorräte aufzufüllen und zu sortieren, aber das kümmerte ihn nicht weiter. Wortlos und frei von Gedanken öffnete er die Riemen seiner gepanzerten Handschuhe, sowie die, der Armpanzerung. Die Ketten schoben sich rasselnd über- und nebeneinander, als er das schwarz, gefärbte Metal auf den benachbarten Felsen legte. Einen Moment lang betrachtete er seine Arme, die dunkle, blaue Haut, unter der sich die sehnige, trainierte Muskulatur abzeichnete, die Haut selbst uneben durch die unzähligen Narben, die er sich mit dem Training selbst zufügte und sie wieder und wieder aufriss.
Mit seiner Rechten umgriff er das Heft seines Säbels, welchen er an der linken Seite trug, begleitet von dem leisen, säuselnden Geräusch, als das Metall die Umarmung des Leders verlies.
Einen kleinen Moment lang, betrachtete er das Klingenblatt, sein eigenes Ebenbild leicht verschwommen, nur an der scharfen, klaren Kante wurde das Bild schärfer. Er drehte seinen Unterarm und die Spitze setzte nahe der Ellenbeuge an und schon umarmte er den scharfen, spitzen Schmerz, als die Klinge die Haut des Unterarms trennte und einen langen Schnitt, bis nahe an seine Schlagader, hinterließ. Er spürte wie die sein Körper das Adrenalin ausstieß, seine Atmung zunahm, als er beobachten konnte, wie das dunkelrote Nass sogleich aus der Wunde quoll. Der Säbel wurde quer auf den Tisch gelegt.
Er führte den Arm neben sich, mit der Rechten die Schale darunter mit der er das Blut auffing. Der Schmerz zog an seinem Arm, lies die Muskeln schwerer werden, die Finger taub, aber die Züge des Letharfen zeigten keine Regung… er beobachtete nur still, wie sich das Blut über seine Hand rannte, sich an den Fingerkuppen sammelte um dann letztlich in das hölzerne Gefäß zu tropfen und es langsam zu füllen.
Er schob den Behälter nun unter den blutenden Arm und strich mit der Rechten das erste Stück Pergament glatt.
Noch wollte er nicht den Lebenssaft benutzen, der sich in dem Gefäß sammelte, zuerst nutzte er die blutende Wunde. Langsam zog der Zeigefinger der Rechte eine Bahn über den Schnitt, sodass es sich auf der Kuppe sammelte, dann setzte er lediglich die Spitze des Fingers auf das Pergament und akribisch formte der Finger die erste Zeilen. Die menschlichen Zeichen nur langsam geschrieben, seine Gedanken fern vom Schmerz, darauf konzentriert das menschliche Alphabet zu verstehen und formen, hatte er immerhin erst vor kurzem gelernt die Handelssprache zu Blatt zu bringen…
Ich werde nicht dafür Sorgen, dass der ehrenwerte Ala'thraxor durch meine Taten von Würdenträgern aus Düstersee belästigt wird.
… die Zeilen wurden dünner, blass in der Färbung. Das Geräusch der fallenden Bluttropfen drang an sein Ohr und die Taubheit in seiner Linken wurde mehr und mehr von einem schmerzendem Druck untermalt, nachdem er mehr und mehr Blut verlor.
Er schnauft aus und griff nach den Bandagen, um sie dann um den Oberarm zu legen und sie fest zu schnüren. Etwas unbeholfen nur mit einer Hand den Knoten zu binden, wobei er ein Ende des Stoffes mit seinen Zähnen fixierte. Zwar benebelte der andauernde Schmerz nicht seine Sinne, doch spürte er das fehlende Blut an einem leichten Schwindel.
Nachdem er den Arm abgebunden hatte, wickelte er eine weitere Stoffbandage um den Unterarm, um den Schnitt entsprechend der Länge zu verbinden.
Seine Rechte hob sich und wischte mit einem langen Zug über die elfischen Züge, wobei das restliche Blut, welchen keinen Platz auf dem Pergament fand, unweigerlich an seiner Haut kleben blieb.
Ich werde nicht dafür Sorgen, dass der ehrenwerte Ala'thraxor durch meine Taten von Würdenträgern aus Düstersee belästigt wird.
Fanden die Zeilen wieder seinen Platz auf dem Pergament, nachdem er den Zeigefinger nun in das Gefäß tauchte um seine Kuppe mit dem Blut zu bespicken.
Wieder und wieder wiederholte der Letharf die Zeilen und brachte sie auf das Medium, wobei immer wieder kleine Tropfen auf die geschriebenen Zeilen tropften und sie leicht verwischten.
Nach einigen, weiteren Zeilen nutzte er eine kleine Pause, um die Bandage zu lösen, die den Arm bislang abband, gefolgt einem leichten Kribbeln in den Fingerkuppen, als das Blut wieder ungebändigt durch seine Adern schoss und die Betäubung davon trieb. Der verbundene Schnitt nicht mehr als ein leichtes, schmerzhaftes Pochen, wenn sich sein Unterarm anspannte.
Ich werde nicht dafür Sorgen, dass der ehrenwerte Ala'thraxor durch meine Taten von Würdenträgern aus Düstersee belästigt wird.
Der Letharf hatte inzwischen die Zeilen einige dutzend Mal auf mehrere Seiten Pergament gebracht und die dunkelrote Flüssigkeit in der Schale neigte sich dem Ende.
Weitere Zeilen wurden geschrieben… etwa als er bei dem vierten Dutzend angekommen war, begannen die Finger die Schale mehr oder weniger auszureiben, bis das Blut nicht länger reichte, um eine weitere Zeile zu schreiben.
Er hob den Blick und schaute zur Seite um einen Moment lang den arbeitenden Letharfen zu betrachten… ein Blick zurück auf seinen Säbel, dann wieder auf die eher schwächliche Gestalt. Sollte er ihn zum Aderlass beten…
Die Flügel der schmalen Nasen erbebten leicht, als die Luft hörbar aus seiner Nase drang… nein… er würde kein anderes Blut brauchen, um diese Strafe und Anweisung zu beenden… die Anweisung, die Zeilen einhundertmal zu Pergament zu bringen… mit seinem eigenen Blut und seinen Fingern.
Also griff er wieder nach seinem Säbel, nachdem er das Gefäß auf den Boden gestellt hatte, die Fingerkuppen in Richtung des Behäters gewandt. Diesmal führte die Linke die Klinge, was unter der Anspannung der Muskeln den Schnitt wohl unter der Bandage etwas aufquellen lies und ihm eine weitere, spitze Umarmung des Schmerzes schenkte. Wieder setzt er die Klinge an und die Spitze schnitt durch die Haut, in das Fleisch, nicht zu tief, aber tief genug, dass auf seinen Schnitt wieder der dunkle Lebenssaft hervorquoll. Wieder beobachtete er, wie sich die Holzschale langsam mit dem Blut füllte, während er den Säbel zurück auf den Tisch legte.
Der Schmerz des frischen Schnittes, unterdrückte den in der Linken, sodass dieser nun mehr eine Form von bleibendem Druck war.
Er hob die Rechte wieder über den Tisch und führte die Bewegung der Zeilen fort, wobei nun aber die Schwerkraft nun ihren Tribut zollte und vereinzelnte Tropfen auf den Tisch, seine Beine, oder sogar auf das Pergament fielen.
Dem Letharf war es egal… die Fingerkuppen etwas unruhiger in der Bewegung, weniger akribisch, obgleich er sich bemühte schnell zu schreiben. Der ständige Zug der Schmerzen, die seine Bewegungen den Schnitt strapazierten, dazu das rebellieren seines eigenen Körpers gegen den Blutverlust… er hatte es bald geschafft.
Der ständige Schmerz lockte seinen Zorn, zerrte an seinem Wahnsinn und mit einem Mal keuchte der Letharf auf und die Stirn schlug auf den harten Stein. Das Blut floss weiter bahnte sich den Weg über das Pergament, während die Stirn auf dem kalten Stein des Tisches lag… er musste die Wunde versorgen…
Also hob der Letharf wieder den Kopf und nahm eine weitere Bandage um nun auch den rechten Schnitt zu verbinden.
Die Fingerkuppen waren inzwischen auch taub geworden, was es dem Letharf schwer machte, die Zeilen noch leserlich auf das Blatt zu bringen…
Ich werde nicht dafür Sorgen, dass der ehrenwerte Ala'thraxor durch meine Taten von Würdenträgern aus Düstersee belästigt wird.
Wieder und wieder hallten die geschriebenen Worte in seinem Kopf wieder, während die Augen die alten Zeilen begutachtete um sie nachzuzeichnen. Die Gedanken waren inzwischen soweit dem Schmerz erlegen, dass er sich nicht mehr auf die Sprache und die Bedeutung konzentrieren konnte… es war nur noch ein Malen, die tauben Fingerkuppen in unruhiger, stockender Bewegung.
Ich werde nicht dafür Sorgen, dass der ehrenwerte Ala'thraxor durc…
… die letzten beiden Zeilen, das Blut war getrocknet, er hatte es fast geschafft, seine Augen waren inzwischen müde geworfen und die Bandagen links und rechts waren rötlich-braun gefärbt… eine Färbung die für das getrocknete Blut sprach. Die Fingerkuppe des Zeigefingers legte sich in zittriger Bewegung auf die Spitze des Säbels und nur unter einem leichten Druck, gab die Haut auch schon nach, und wieder floss das kostbare, rote Gut.
Die letzten Zeilen mit dem blutendem Finger, er spürte es nicht mehr… er spürte nicht mehr, wie sein Finger über das Pergament wanderte, oder etwa die raue Struktur des Mediums. Er spürte auch nicht die Wärme oder Kälte der Flüssigkeit, er hörte nur das leise, kratzende Geräusch, als sein Finger über das Pergament wanderte. Seine Arme nur noch Stücke schmerzendes Fleisch, im Einklang mit dem Kampf gegen den Blutverlust…
Es war geschafft… der Letharf schloss die Augen und lies den Kopf auf den Steintisch fallen… er brauchte Ruhe… der Tisch hier und da benetzt mit Blut, einzelne Pergamente kaum mehr leserlich, durch die Blutschmiere, genauso auch die Haut seiner Arme und Finger, dunkler in der Farbe, als der Rest seines Körpers, die Haut benetzt von frischem, oder gar schon verkrustetem Blut… er brauchte Ruhe.
Die letzten Gedanken in seinem Kopf, bevor er seinem Körper die Ruhe gönnte, waren die Berührung von lethraeischen Fingern auf seinem Oberarm…
Verfasst: Montag 7. Mai 2012, 17:01
von Ked´harra
Sie rüttelte leicht an seinem Arm, die Sauerei, die er dort aber angerichtet hatte, sprach für sich selbst.
"Bei Vaters Zorn, warum müssen die Letharfen nur ständig so übertreiben?" grummelte sie leise vor sich hin. "Warum richten sie bei allem was sie tun immer den größtmöglichen Schaden an? Unpraktisch veranlagt sind sie!"
Damit holte sie auch schon ein Fläschchen mit Heiltrank heraus und weiterhin leise vor sich hin schimpfend, wurden die Bandagen abgerollt, etwas von dem Trank darüber geträufelt und den Rest goß sie ihm in den Mund, nachdem sie den Kopf unsanft gedreht hatte und mit den Fingern der freien Hand den Mund soweit geöffnet, dass der schlanke Hals des Fläschchens gerade hinein passte.
Mit einem letzten nun aber weitaus sanfteren Blick auf den immer noch Schlafenden, räumte sie die blutigen Bandagen weg und schlich sich wieder davon. Andere Aufgaben warteten auf sie, als dem Letharfen das Händchen zu halten.
Verfasst: Mittwoch 1. August 2012, 23:14
von Tyr´riaxan
Die langen, dunklen Finger tasteten über die scharfgeschnittenen, animalischen Züge, unter den Kuppen die unregelmäßigen Erhebungen der Narben auf seiner rechten Gesichtshälfte.
Das war das Geschenk der Gemeinschaft an ihn, dieses Narbengeflecht, welches eine Rune formte - das Zeichen eines Lethrixors, ein Säbelschwinger der Semeinschaft.
Er war hoch gestiegen in seinem Ansehen als Lethrixor, und er konnte auch die Worte, sowie die Blicke seiner höheren Geschwister erkennen, die durchaus hier und da wohlwollend waren.
Der Ala'thraxor sagte einst, dass jeder Lethar seine Schwächen hätte, es war nur wichtig mit ihnen umzugehen und sie kontrollieren zu können.
Hatte der junge Lethrixor eine neue Schwäche an sich erkannt? Er war zu Beginn des neuen Weges in der Gemeinschaft immer zu jähzornig, konnte sich nicht kontrollieren. Es hätte ihn schon das Leben gekostet, hätten einige der Geschwister nicht Potenzial in ihm gesehen. Es war soweit gekommen, dass der Zorn ihn mehr Kraft kostete, als es ihm gab - aber auch daraus hatte er gelernt, gelernt sich zu kontrollieren, den Zorn, den Hass und die Schmerzen zu nutzen.
Nun aber, offenbarte sich etwas Anderes... ein größeres Ego? Selbstüberschätzung? Wie konnte es passieren, wusste er doch, was er war, selbst sein Tod war irrelevant, solange es den Vater und die Gemeinschaft auf dem Weg weiterbrachte.
Natürlich wusste er, dass er seinen Säbel schwingen konnte, doch der Gedanke an seine eigene Überheblichkeit lies ihn wieder den Schild in seinem Gesicht spüren, unter dessen Schlag er im Dreck landete und das Bewusstsein verlor.
Er hatte versagt, gerade wegen seiner Überheblichkeit...
... gegen einen kleinen Menschen, der nichtmal einen Gott anbetete, sondern lediglich einen Dämon.
Der Letharf hatte die Hingabe für sein Training zurückgeschraubt, mehr Aufmerksamkeit seinen Geschwistern geschenkt, den Neuen bei ihren ersten Schritten geholfen...
Heute starrte er lediglich gegen die kahle Felswand.
Heute schämte er sich für sein Versagen, verbarg gedemütigt sein Gesicht.
Er hatte seinen Gegner unterschätzt, sich selbst überschätzt und leichtfertig werden lassen.
Ein leises knurren drang hinter den verschlossenen Lippen hervor. "Zweifel sind die Saat zu unseren Schwächen!" - halten die Worte in seinem Kopf wieder.
Der Vater hat nicht gewollt, das seine Seele dem Raben geopfert wird - manchmal ist das Versagen des einzelnen ein Schritt für die Gemeinschaft.
Der Junglethoryx hatte recht...
Er musste wieder einige Schritte zurück machen, den Weg zur Perfektion nicht vergessen, das ewige Streben.
Er nickte schlicht zu sich und richtete den Blick in die dunkle Schönheit des Höhlensystems - auch das Versagen war ein Teil unseres Weges.
Keine Zweifel...
Keine Schwäche...
[img]http://img138.imageshack.us/img138/6113/icecavebytatchitd55zi1g.jpg[/img]
Verfasst: Mittwoch 19. Juni 2013, 20:19
von Tyr´riaxan
Der Beginn des Wahnsinns…
“Schnell, ungesehen und todbringend sollt ihr sein, meine Brüder und Schwestern. Stählt eure Körper, sie sind nichts als ein Werkzeug. Formt euren Geist, denn er ist von Ihm, dem Einen, geleitet.“
Der Schmerz war abgeklungen, doch das, was zurück blieb, war grenzenloser als das, was er kannte. Wahnsinn, der reine Wahnsinn.
„Stürz dich in die Lavagrube!“
Eine leise, säuselnde Stimme, mal von weiblicher Natur, mal von männlicher Natur. Unnachlässig spürte er das pulsieren des Splitters in seinem Herzen. Keine Ruhe, kein Fokus, immer nur flüsternde Worte in seinem Geist, spürbarer Zug in seinen Muskeln, als schiene etwas versuchen die Kontrolle über ihn zu erlangen.
Er hatte sich zurückgezogen, eine der letzten Höhlen des Axorns, die von nichts mehr besucht worden waren, außer von irgendwelchen echsenartigen Kreaturen. Immer wieder wurde die Stille der Höhlen von den gellenden, gepressten Schreien des Letharfen durchbrochen, als der pulsierende Hass und Wahnsinn in seinem Inneren aufkeimte und bedrohlich gegen seinen Geist schlug.
“Stählt euren Körper, stählt euren Geist. Soll der Zorn und Hass eure Adern verbrennen, auf dass ihr brennt, wenn das Lied erlöschen soll“
Kontrolle, nicht mehr als Kontrolle, er würde nicht versagen, er wurde auserwählt, ein Ala’thraxor der neuen Ära. Der Schädel schlug gegen die steinerne Wand, während sich die metallernen Klauen in die Kopfhaut bohrten. Wie eine ferne, taube Berührung durchstieß der Schmerz seinen Geist, ein Schlag zurück in die Realität. Ein Kribbeln auf dem Kopf, als die Wurzeln des dunklen Haares der Kraft der Muskeln erlagen und aus der Kopfhaut gerissen wurden.
“Kontrolle über den Panther, sonst vernichtet er dich!“
“Lauf Lethrixor! Lauf!“
Die Augen aufgerissen, die feingeschnittenen, elfischen Züge, malträtiert von der Vergangenheit, die runzelige, vernarbte Haut, die ihn immer daran erinnerte, was er gewesen war - ein Lethrixor.
Der Wahnsinn… wieder schlug der Schädel gegen den Stalagmiten und unter schweren, schnaufenden Atemzügen rann das Blut von der Stirn dickflüssig entlang des Nasenbeines, wo es sich sammelte und zu Boden fiel.
Wieder war es kein richtiger Schmerz, wieder nur ein stumpfes Gefühl, als würde er neben sich stehen, während die säuselnden Worte in seinem Kopf, ein Teil der Seele von Mael’Rayat, nicht aufhören wollten, genauso wenig wie der Geistpanther nicht mit dem Versuch aufhörte die Kontrolle über seine Muskeln zu erhaschen. Wie feine Nadelstiche kribbelte es in den einzelnen Muskelpartien, jedoch war der Schmerz, den er in der Vergangenheit erlitt nichts gegen die Schmerzen der Prozedur als sich der Geisterpanther in seinem Inneren einnistet.
Weitere Haare erlagen den krallenden Händen, als Ausgeburt des Wahnsinns der in seinem Geist tobte. Pulsierend dröhnten die Stimmen in seinem Kopf, die er abermals mit einem weiteren Schädelstoß gegen den Stalagmiten zu vertreiben versuchte.
Das Blut rann über die schmalen Lippen, und mit dem Geschmack des eigenen Blutes schnürte es ihm die Kehle zu, als würde eine unsichtbare Hand versuchen ihn zu erwügen. Aufgerissen, von wahnsinn getrieben ruckten die Augen durch die Dunkelheit, tatsächlich war es seine die ihn würgte.
“Jämmerlich…!“
Keuchend und schnaufend kämpfte er einen Kampf, einen Kampf gegen sich selbst, nicht dieser Macht zu erliegen, nicht zu versagen, doch nichts hielt die schneidend, scharfen Krallen davon ab in die dunkle, elfische Haut zu ritzen. Blut floss über den Schädel, über die Stirn, zog eine wabende Linie über das maltretierte Gesicht, die Dunkelheit umfing sein Blickfeld und er stürzte.
“Formt euren Geist, denn er ist von ihm, dem Einen, geleitet“
„Versager!“
Vor seinen Augen blitzten Gesichter, Gesichter mit toten Augen, menschliche Gesichter, die an ihrem eigenen Blut zu ersticken drohten. An ihrem Hals die gepanzerte Klaue des Letharfen. Sein Blut kochte, er fühlte sich, als würde er selbst in Schlacht stehen. Es dürstete ihn nach Blut, Ketzerblut.
Das Bild verschwomm und er sah einen kleinen, grünlichen Splitter auf ihn zurasen, blitzschnell, kaum einem Aausweichen möglich, durchbohrte er sein Auge und plötzlich aufkeimender Schmerz in seinen Augen warf ihn zurück in die Dunkelheit.
“Steh auf Tyr’riaxan…“
Ein klarer Gedanke, nicht mehr als ein paar Worte, doch etwas an das er sich klammern konnte. Ausreichend um die Kontrolle über seine Muskeln zu erlangen und die Klauen in den Boden zu schlagen. Schleichend kroch er über den Boden, während unter dem ewigen Schnaufen das Blut langsam verebbte...
“Oh… er lernt laufen…!“
Knarzend, rasselnd drückte er sich in den Stand, stolperte in Richtung der Höhlensysteme, das Gesicht vollkommen kalt und fern jeder Emotion, während die malachitfarbenen Augen unter den grünlichem Schimmer des Geistpanthers umso hasserfüllter wirkte…
Neue Macht… ein neuer Weg.. und wieder wird der Wahnsinn auf die Welt losgelassen…
Verfasst: Mittwoch 10. Juli 2013, 17:00
von Tyr´riaxan
Schmerz lag in seinen Gliedern nach dem Kampf, in seinem Rücken lag der dunkle Qualm der Stadt Düstersee, ein Zeichen, dass die Feuer endlich gelöscht waren. Es war geschafft, mit einem großem Tribut. Kameraden die er kannte, egal ob Mensch, oder Lethar.
Ein nötiger Tribut... ein weiterer, großer Tribut lag in seinen Klauen. Der gewaltige Körper der Echse, Therxil, sein treuer Begleiter, seit dem er zum Lethrixor geweiht wurde.
Nur die Macht des Geistpanthers, der Zorn, der Hass, gab ihm überhaupt noch die Kraft, das mächtige Tier zu bewegen und jedes, leise, gequälte Schnattern der Echse spornte ihn nur weiter an.
Weit abgelegen vom Schlachtfeld lies er letztlich den Körper nieder und auch die Gestalt des Ala'thraxors fiel in den, vom Regen aufgeweichten Boden. Die schützenden Schuppen an der Seite der Echse waren aufgerissen, und unbändig quol der rote Lebenssaft aus der Wunde hervor, nur um dann in den Boden zu sickern und den Saum der zerfetzten Robe des Ala'thraxors zu durchtränken.
Der Brustkorb des Tieres hob und senkte sich schwer, wobei jeder der Atemzüge von dem leiseren, gequälten Schnattern begleitet wurde. Alles hatte sie mit erlebt, seitdem ihm diese Echse zugewiesen wurde. Sie war noch genauso unerfahren wie er, doch das Tier entwickelte sich zu einem treuen Begleiter. Sie folgte seiner Stimme, wusste wie sie sich im Kampf zu verhalten hatte... so oft hatte er auf diesem mächtigen Tier gekämpft, dass sie sich seinem Kampfstil angepasst hatte.
Nun lag er hier, Therxil, der treue Begleiter. Die schwarzen, großen Auge waren zu ihm hinaufgedreht, die letzten Blicke zu seinem Herren. Für die einen waren sie nur Nutztiere, doch entwickelte sich zwischen Tier und Herr doch eine Art Bindung. Eine Bindung, die trainiert werden wollte, gepflegt werden wollte, damit sie als Einheit auf dem Schlachtfeld agieren konnten.
Die gepanzerten Handschuhe rutschten von den Fingern, woraufhin sich die Hand langsam auf dem geschuppten Hals niederlegte. Es schien, als würde es das wilde Tier beruhigen, ein leises, schnaubendes Geräusch der Echse und er konnte spüren, wie der Puls langsamer wurde.
"Du hast mir gut gedient, Therxil... du kannst aufgeben."
Ein letztes, schwächliches, schnatterndes Geräusch ging von dem Tier aus, im Ansatz bleckte sich ein letztes Mal die wulstige Oberlippe in die Höhe, was sonst immer an das groteske Lächeln erinnerte, wenn die Echse ihre langen Zähne entblößte. Vielleicht sollte es eine Art aufmuntern sein? Vielleicht auch einfach nur das letzte Aufbäumen...
Tyr'riaxan spürte, wie sich der sehnige Hals entspannte, und die Echse ihren Kampf aufgab, sich noch einmal in die Höhe zu rappeln. Ein letzter, schnaufender Atemzug, ein letzter Lidschlag... dann war es vorbei.
Seine Finger strichen ein letztes Mal über den beschuppten Hals, klopften wenige Male auf die Muskeln, wie er es immer tat, um Therxil zu beruhigen... dann drückte er sich in die Höhe.
"Du.. hast mir gut gedient..."
Letzte, flüsternde Worte, ein leichtes Nicken, dann ging er in die Nacht, ohne sein Begleiter...
[In Gedenken an meine Echse, die ich nach nun mehr 400 Tagen in der Schlacht um Düstersee verloren habe]
Verfasst: Dienstag 6. August 2013, 14:05
von Tyr´riaxan
Das Rauschen in seinem Kopf war unerträglich. Was hatte er hier nur zu suchen? Es war ein schmaler Grat der Beherrschung seinen Kopf nicht in dem Wirr Warr an Stimmen auf den Tisch zu schlagen.
Warum hatte er die Einladung der Statthalterin angenommen?
Er sah die Menschen, er sah sie Lachen, er sah sie Lächeln, er sah sie Grinsen, während die ewigen plappernden Stimmen nur mehr und mehr zu einem einzigen Matsch an dissonanten Tönen wurden.
Sein Inneres bebte unter zermürbender Anspannung, während er nach außen hin für die meisten wohl nicht mehr war, als der stille Beobachter. Er spürte das Brennen von Galle in seiner Kehle, Muskeln die sich verspannten und drohten ihm die Luft abzuschnüren, wobei es ihm nur unter einem krächzenden Würgen gelang den Knoten zu lösen.
Er spürte den Splitter Mael’Rayats in seinem Herzen pochen, der Matsch der Stimmen immer wieder durchbrochen von den säuselnden Stimmen, die nach dem Blut der Menschlein schrien. Widerliches… Fleisch… töten, sollte er sie.
Welch Ironie diese Menschen waren… hier heulten sie, schrien vor Schmerzen, sahen ihre Kameraden elendig durch die Klinge der Feinde verrecken… und was war das Resultat? Sie betäubten ihre Sinne mit diesem Gesöff, was sich Alkohol nannte.
Ein Segen? Ein Fluch? Sie starben auf den Schlachtfeldern wie die Fliegen, trotz allem sahen sie alle so unbekümmert aus… manchmal erinnerten sie ihn an irgendwelches Viehzeug, dass gar nicht wusste, was mit ihm passiert, aber zugleich spürte er auch etwas, das seit geraumer Zeit nicht mehr der Begleiter auf seinem Weg war – Einsamkeit.
Unter der verborgenen, schweren Atmung, die äußerlich, durch Rüstung und Robe verdeckt blieb, sehnte er sich tatsächlich nach dem, was ihn vor einigen Monden noch vor der Selbstverstümmelung bewahrte – seine Lethra.
Verborgen im Schatten der Kapuze verstummte das grünliche pulsieren der Augen, als sich seine Augen schlossen und vor seinem inneren Augen sah er das beruhigende Bild - Vyel’taraela.
“Wir alle haben Schwächen, es ist nur die Frage wie wir damit umgehen…“… so war es. Niemand würde jemals das in ihm sehen, was die Lethra sah, er wusste nicht einmal, was die Menschen in ihm sahen. Die einen ein Lehrer? Ein Führer in der Schlacht? Ein skrupelloser Schlachter? Ein Kamerad? Andere wiederum vielleicht sogar einfach nur irgendein Letharf, dem aus dem Weg zu gehen galt?
Was kümmerte es ihn… nur sie war es, die in seine Augen blickte und verstand, die seine Anfälle hinnahm und damit umzugehen wusste. Die Einzige… die ihm nach Jahren so etwas schenkte wie… Ruhe.
Egal wie viele Geschwister zu ihm schauten, egal wie viele Menschen sich um ihn bewegten, letztlich war sie die Einzige, die ihm half, dem Wahnsinn zu widerstehen, dem Vater ein guter Diener zu sein… und nicht diese… Feier… in ein Blutbad zu verwandeln.
Verfasst: Mittwoch 1. Juli 2015, 12:08
von Gast
Wieviel Wahnsinn, Schmerz und Einsamkeit kann ein einzelner Geist ertragen?
Es war ruhig geworden um den inzwischen alt gewordenen Ala'thraxor. Die einen sagten, der Wahnsinn habe ihn in den Selbstmord getrieben, andere sagten, er sei in einer Schlacht gefallen.
Er war nochmal aufgestanden vor einigen Monden, trat vor die Geschwister, sein Geist dezimiert von dem ewigen Einfluss Mael'rayats, doch vieles hatte sich verändert. Die Geschwister kannte er nicht mehr, die Geschwister kannten ihn nicht mehr. Die Einzige war Vyel'taraela, eine Lethra die er an seiner Seite zu nutzen wusste, eine Lethra die ihn zu nutzen wusste. Nein, er musste zugeben, ohne diese Lethra hätte ihn der Wahnsinn mehr als einmal in den Abgrund springen lassen.
Heute saß er einsam in den tieferen Nestern, lauschte dem Artefakt in seinem Herzen, lernte zu kontrollieren, lernte seinen Geist zu stählern, irgendwann würde er zurückkehren und wieder Blut über die Ketzer bringen, wie er es vor wenigen Jahresläufen noch getan hatte.
Er spürte die Erschütterung, was den schwammigen Geist in die Realität zurückführte. Ein Erdbeben? Nein, er spürte das etwas vorging, was nicht der Normalität entsprach. Er spürte die pulsierende Verbinden zu seinem Vater, seinen Hass, seinen Zorn, was in seinem Geist für ein Wirr-Warr aus matschigen Stimmen und damit zu unterträglichen Kopfschmerzen führte. Ein Grollen, ein Stein - die malachitfarbenen Augen tasten sich durch die Dunkelheit. Er spürte wie die Verbindung zu sienem Vater schwächer wurde, nicht mehr als ein leises Flüstern. Er war gefangen.
Der Ala'thraxor stemmte sich in die Höhe, in seinem alten, buckligen Gang schleppte er sich zu dem versperrten Ausgang. Er spürte wie der kontrollierte Zorn in seinen Adern zu kochen begann, der Leib sich aufbäumte, geführt von dem aufkeimenden Hass gegen die Welt. Vielleicht ein letztes Mal, eine starke, gepanzerte Gestalt, die er auf dem Schlachtfeld war... kein Zeichen von Schwäche, kein Zeichen von Gebrechen, doch die Kraft sollte nicht ausreichen.
Es war vorbei. Doch er zügelte sich nicht. Seine Körperteile hämmerten gegen den Stein, nicht zuletzt der kahle, maltretierte Schädel, der gegen den Sten schlug. Mit jedem Mal blitzten Lichter auf, er spürte wie ohne Schmerz die Haut aufplatzte und die Knochen seines Schädels brachen.
Die flüsternde, verspottetende Stimme Mael'Rayats spornte ihn weiter an, bis er letztlich geschwächt zu Boden sank. Er spürte das warme Blut auf der maltretierten Haut, wie es sich durch die Furchen seiner Narben zog... die Vertiefungen seiner Runen im Gesicht füllte und umarmte.
Hatte er versagt? Nein, dem war er sich sicher... er hatte viel für seine Geschwister getan. Für die Gemeinschaft, für seinen Willen, für seinen Weg. Nun war es vorbei...
Das Flüstern Mael'rayats wurde leiser...
Es wurde kalt...
Ein letztes Mal hörte er Stimmen in dem dunkler werdenden Geist. "Gib auf...." Vor seinem inneren Augen sah er die Gesichter seiner alten, verstorbenen Geschwister.
Qis'arx...
L´ysstzrr..
Tar'lyrrn...
Er spürte ein letztes Mal die Präsenz seiner alten Lehrerinen, seines 'Meisters'. Letharen mit denen er gerne auf dem Schlachtfeld gestorben wäre, aber vielleicht würde er sie an der Seite seines Vaters wiedersehen.
Verfasst: Mittwoch 1. Juli 2015, 12:39
von Gast
Und als ich so da lag, vor dem Tempel und der Hunger und der Durst meinen Körper in Richtung Verdammnis riefen, durchfuhr mich ein Gefühl. Ich musste einmal recht schwer schlucken und mein trüber Blick wurde für wenige Sekunden klarer. Ich starrte über den Höhlenboden hinweg, an Staub und Geröll vorbei, in die Richtung der Höhlen, welche das Mael'Rayat beherbergten. Ein ungewöhnliches Gefühl durchzog meinen Leib und trieb mir die Tränen in die Augen. Ich war schwach. Vater hatte mich verlassen und das Einzige was ich konnte, war hier zu liegen und auf meinen Tod zu warten. Die Trauer, die meinen Körper zerfraß, war unerträglich. Ich hatte vergessen wie es war, all das zu unterdrücken. Ich hatte vergessen wer ich war. Ich hatte vergessen wie man war.
Mein rechter Arm zuckte und ich dachte für den Augenblick an Tyr'riaxan. Er wer der erste Letharf, der mir sagte, dass viel Potential in mir stecken würde. Und wo waren wir jetzt? Alatar hatte uns verlassen und jegliche Hoffnungen, die er eventuell in mich legte, waren verloren, fort, wie er selbst. Und so konnte man nur das tun, was eben ein Großteil von uns tat. Wir warteten auf den Tod, denn der Sinn unserer Existenz war vergangen und das was wir waren, ist nicht mehr.
So lag ich also da, ausgemergelt durch Hunger und Durst, senkte die Lider ab und vergoss eine Träne für den gefallenen Bruder. Den einzigen Letharfen, welchen ich nicht in kürzester Zeit umbringen wollte. Die einzige Seele vom anderen Geschlecht, die zusätzlich zu meinem Respekt noch mein Vertrauen genoss. Ich verabschiedete mich lautlos, von ihm und von dem, was wir einst dachten zu sein.