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Das Streben nach höherer Gunst ...

Verfasst: Samstag 17. März 2012, 13:32
von Magnus Siluvaine
Prolog



Langsam trugen ihn seine Schritte wieder in das Hauptschiff der Grabkammer, wobei jeder seiner Schritte mit den schweren, gepanzerten Stiefeln von den Mauern wider hallte. Zielsicher ging er auf die Stufen zu, welche zu dem alten, schweren Altar führten. Die oberste der Stufen war sein Ziel, und als er jene erreichte, setzte er sich auf jene und blickte auf den nun vor ihm liegenden Blutkreis. Seine Nasenflügel bebten leicht, als er eimal tief durchatmete und mit seinen blaugrauen Augen eben jenen Kreis anstierte. Die Kerzen, welche er dort in penibel genauen, regelmäßigen Abständen platziert hatte, waren inzwischen beinahe schon vollends herab gebrannt, das wenige Blut, was dort heute innerhalb des Blutkreises auf den Boden tropfte, war schon lange getrocknet und geronnen.

Er hatte sich dutzende Male gefragt wieso sein Weg immer wieder zu jener Frau geführt wurde, warum ihre Seele einem stummen Schrei einer Sirene gleich, ihn immer wieder anzulocken schien. Natürlich war ihm klar, dass all dies etwas zu bedeuten hatte, und als er eben diese Frau in den Blutkreis führte, um an ihr das Weiheritual durchzuführen, war er sich bis zum Ende sicher sie würde versagen. Doch sein Herr und Meister schien das anders zu sehen. Er hatte sie tatsächlich erwählt, und so wurde der Kreis der Dienerschaft letztlich um ein weiteres Mitglied erweitert. Niemals würde er sich anmaßen an der Wahl und dem Urteil Krathors zu zweifeln, aber hin und wieder beschlich ihn diese eine Frage:

"Wieso dieser stetige Nachwuchs in den letzten Monaten .. ?"

Jeder neue Lakai wurde von Krathor selbst erwählt, und alleine diese Tatsache zeigte ihm, der die Weiherituale stets durchführte, dass sein Herr und Meister "da" war. Und dennoch wuchs in ihm schon seit Wochen eine gewissen Leere. Am Anfang dachte er sich nichts dabei, doch schien sich eben diese Leere, ähnlich einem Geschwür, immer weiter in ihm auszubreiten und an ihm zu nagen. Beinahe ein Jahr war es nun her, dass er selbst ein Zeichen der Gunst von Krathor empfing, dass der Herrscher des Wandels für wenige, flüchtige Momente seine Aufmerksamkeit ganz auf ihn richtete... Und mit jedem Tag, welcher seitdem vergangen war, wurde das Verlangen in ihm, einen solchen Moment erneut zu erleben, größer in ihm.

Sein Handeln und sein Treiben rund um die Bäuerin in Düstersee, ebenso wie all die Auswirkungen, die diese Sache nach sich zog, schienen es nicht wert genug gewesen zu sein, um Krathors Aufmerksamkeit zu erregen. Doch musste er sich nach dieser Sache vorerst ruhig verhalten...im Hintergrund agieren. Doch war nun genug Zeit vergangen, die Wogen hatten sich geglättet, und auch in Düstersee und Rahal schienen die damaligen Ereignisse inzwischen in Vergessenheit geraten zu sein.

Die Zeit war also reif. Reif, für eine weitaus größere Tat. Und er hatte die letzten Monate nicht sinnlos vergeudet, nein, in seinem Kopf formte sich nach und nach ein genauer Plan. Und während sich seine Mundwinkel langsam nach oben hoben, drückte er sich auch von den Stufen auf. Erneut erhalten seine schweren Schritte in der Grabkammer.

Noch in der gleichen Nacht konnte man auf dem Friedhof, welcher vor Varuna liegt, eine dunkle, schemenhafte Gestalt erkennen. Da sich sicherlich niemand wirklich nahe an den Friedhof herantrauen würde, würde das, was die Gestalt in jener Nacht dort tat, wohl vorerst ein Geheimnis bleiben. Einzig das dunkle, grollende Lachen, welches sich förmlich durch die kalte Nachtluft schnitt, war noch weithin zu vernehmen....


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Verfasst: Montag 7. Mai 2012, 15:37
von Magnus Siluvaine
Kapitel 1: Die wichtigste Zutat



Alles in allem hatte es länger gedauert als er es für möglich gehalten hätte. Doch umso mehr erfüllte ihn das endgültige Resultat mit beinahe väterlichem Stolz. Mehrere Anläufe hatte er gebraucht, einige der Züchtungen waren nicht mehr als zuckende, mit Muskeln und Sehnen durchzogene Fleischklumpen, deren chaotisch krankes und pulsierendes Leben bereits nach wenigen Stunden von alleine endete. Aber wie schon so oft in der Vergangenheit, hatten sich auch dieses mal Geduld und Ausdauer als zuverlässige Verbündete erwiesen. Die Zuchtbecken vor Varuna brodelten Tag ein Tag aus und spuckten in regelmäßigen Abständen neue Kreaturen aus ihrem fauligen Inneren. Eine jede dieser Kreaturen, von ihm „Varghulf“ genannt, konnte nur dann „geboren“ werden, wenn für sie ein Mensch sein Leben aushauchte. Blut … es drehte sich stets nur um frischen, warmen und klebrigen Lebenssaft. Etwa ein dutzend jener Kreaturen hatte er in den letzten Monaten gezüchtet, doch etwas fehlte noch. Ein ganz besonderes Kind sollte geboren werden, eine Kreatur, die seinen Geschwistern vor stand, eine Kreatur, welche die Krönung seiner Schöpfung darstellen sollte.

Bisher hatte sich scheinbar niemand die Mühe gemacht das Verschwinden der Tagelöhner, Streuner oder gar Banditen aufzuklären, durch deren Tod er seine Kinder zum Leben erweckte. Bei einigen wird es wohl noch nicht einmal aufgefallen sein. Doch für seine finale Schöpfung wollte er mehr: Diesmal würde es nicht irgendein unbekannter sein, den ohnehin niemand vermissen würde. Und er wusste auch schon, wem er die Ehre zu Teil werden lassen würde den Anführer seiner Schar zum Leben zu erwecken.

Zwei Fliegen mit einer Klappe würde er schlagen, denn durch das Verschwinden jener Person würde Aufsehen erregt werden. Eine Ablenkung, welche er wiederum ausnutzen würde um seinen eigentlichen Plan weiter zu verfolgen.

Die Menschen, die wussten was er war, sagten ihm vieles nach. Doch das Wort „unberechenbar“ war wohl eines, welches sein Wesen beinahe perfekt umschrieb. Um die Zukunft beginnen zu lassen, musste man dorthin gehen, wo die Vergangenheit lebte.

Einen letzten Blick warf er auf die ungeschlachten, den Gruben entkommenen Kinder, dann trugen ihn die schweren Schritte seiner gepanzerten Stiefel über die angeschlagene Steinbrücke am Haupttor von Varuna. Heute Abend würde ihn sein Weg nicht nach Hause führen… Heute Abend würde er sich darum kümmern das es nun endlich bald beginnen konnte, und wahrlich: Er hatte Großes vor. Und noch während er sich vor seinem inneren Auge gestatte sich für die Dauer eines Herzschlages den Moment vorzustellen, an welchem er endlich am Ziel war … in welchem er endlich wieder für einige Momente den Blick seines Herren uns Meisters auf sich alleine lenkte, führten ihn seine Schritte in Richtung von Bajard. Ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über seine Lippen, als er das kleine, umrahmte Gemälde aus der Tasche seiner Robe zog. Für einen Moment hielt er inne um es zu betrachten, und das Lächeln verformte sich in jenem Moment zu einem vielsagenden Grinsen. Das Gemälde wurde damals angefertigt, als sie die Taverne eröffneten….


„Bedauerlich, aber nicht zu vermeiden meine Liebe … Du wirst deine Ziele nicht mehr erreichen …“





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Verfasst: Dienstag 8. Mai 2012, 09:41
von Talana Virr

*Das leise Klimpern verrät, das sie erneut einmal an en Ketten zieht. Ein fluchender leiser Laut entfährt der kleinen Wirtin, deren Haare wild in alle Richtungen abstehen.
Gebannt wird in dem finsteren Raum in die Dunkelheit gestarrt, bis man sie schließlich reden hört – wohl mit sich selbst – vielleicht ein Versuch sich zu beruhigen….:*


So eine Versuchung!
Ich hätt’s mir denken müssen, bei so einem faulen Mistkerl… überhaupt einem Mistkerl, keinem darf man trauen!
Wenn ich hier noch einmal raus komme, ich werd nie wieder… Nicht ein Wort werd ich mehr glauben! Keines!!
‚Pssst‘ hat er gesagt!
Ein Geheimnis möchte er mir erzählen!
Eine Hochzeit und ich würde die Trauzeugin werden, so ein Blödsinn!
Natürlich hab ich mich gefreut! Ich war schon bei den Blumen, der Dekoration, dem Kleid – ob sie auch schon einen Ort haben?! Da fiel mir dann ein, ich weiß gar nicht wen er heiraten will!!
Aber das hat sich ja schnell geklärt, kennen lernen sollt ich sie, und zwar jetzt, weil die Hochzeit wäre schon morgen!!
Ich hätt gleich wissen müssen das was faul ist, das letzte Mal als eine Hochzeit am nächsten Tag war,
haben wir die Neyla zwangsverheiratet! Ich meine sie wollt’s ja eigentlich, sie wußt’s nur noch nicht.
Es war sozusagen eine gute Tat!
Aber, hab ich geschwitzt. Soviel Ärger.. soviel…. Gezeter… hui.
Am Ende war’s eine glückliche Braut! Bis heute… ganz bestimmt. So glücklich wie man halt sein kann, mit nem Mistkerl.
Klar wollte ich seine Verlobte kennen lernen und natürlich bin ich mit!
Sie war auch ganz nett, bißchen still vielleicht. Und…. Das Wichtigste am Heiraten war ihr die Hochzeit!
Nicht die Blumen und das Kleid!
Jemand der sich wohl auf die Hauptsachen konzentriert – hätt ich das, wär ich jetzt vielleicht nicht hier!
Aber man lernt ja nie aus. Duftende Blumen.. mir fiel erst nur der Flieder ein, aber der stinkt ja eigentlich mehr als dass es Duft ist.
Jeder nimmt ihn ganz sicher wahr! Von ganz weit entfernt. Aber auch das war ihr wohl zu viel.
Ich dacht an ein Meer von Blumen und darinnen das Brautpaar!
Der Regen derzeit wäre schwierig gewesen… wer will schon nass werden auf einer Hochzeit?!?
Aber ein Festzelt… das … stört mein Blumenmeer!
Die Gästeliste war noch nicht einmal sonderlich lang und ich hatte sie schnell in ein Büchlein gekritzelt.
Mit einem kleinen Kunstwerk von dem Festplatz!
Nein eigentlich war es vor allem das Kunstwerk und dazwischen ein paar Namen.
Dann wollt er dass ich eine Widmung such, die würd da drinnen stehen.
Ich hab’s Buch zweimal gedreht und bis zum Ende geblättert!
Der Wein hat mich fürchterlich schläfrig gemacht – ich hätt nichts trinken sollen!
Und beim Anstarren der Seite hab ich nichts finden können, dann hat mir was an den Haaren gezogen und auf einmal…. Was Schwarz!
Da bin ich tatsächlich weg getreten!
Ich hab ja immer schon zuviel geträumt… aber…. Sogar schlafen?
Das ist eine Steigerung selbst für mich!
Dann wurd’s Nass, fürchterlich nass und eisig.
Erst dacht ich hätt… aber das mach ich ja nicht sowas und kalt wärs bestimmt auch nicht!
Und dann… bin ich zu mir gekommen… in einem Bett, dem Bett!
Ich wußt, ich hab geschlafen! Wein trinken sollt man nicht tun.
Ausschenken ja, aber trinken! Das ist nichts für mich.
Neben mir gesessen hat er Mistkerl! Dieser fürchterliche schreckliche Ogerdrecksmistkerl!
Ich würd nicht nach Hause können heute – ach? Ich war müd, ich wär auch so geblieben, ohne Ketten. So fürchterlich müde.
Ich würd nie wieder nach Hause… Aber eine Hochzeit ist doch auch einmal um…!
Ich würd… morgen sterben… und mehr erreichen, als ich je in meinem Leben…
Aber ich hab viel… ich war eine gute Dienerin… oder nicht?
Ich hätte vielleicht noch… hätte ich noch was besser machen können?!?
Hab ich? Ich hab alles versucht, alles was ich kann, er muss eigentlich.. es muss doch gereicht haben… ob ich jetzt noch?
Kein Flehen hat mir was gebracht, kein Jammern und seine Verlobte hat sich noch nicht einmal her schreien lassen.
Vielleicht hört sie schwer und ich sollte lauter?

*Ein leises Rascheln in der Dunkelheit lässt sie dann kurz mal die Klappe halten, wobei sie wieder versucht die Hände zu drehen und aus den Fesseln zu befreien, ein leiser Schmerzschrei ist die Folge, der kleine gebrochen Finger wollte wohl sein Missfallen daran bemerken*

Ich werde ihn… diesen verfluchten Misterkel….
Nie hätt man wem trauen dürfen und Mistkerlen niemals!
Ich war .. ich habs versucht… ich war doch gewiss eine gute Dienerin….?
Ich hätte öfter in den Tempel gehen sollen…. Ich war ja.. aber jetzt lang nicht mehr, ich hätte..
Ob am Ende irgendwann der Süßkram auf mich wartet….. bestimmt.. ganz bestimmt…
Ich werd nicht…. Aber… hab ich auch?


*Ihr Gebrabbel wird immer leiser und irgendwann verraten die gleichmäßigen Atemzüge, dass die junge Frau mit tiefen Zweifeln in der Dunkelheit in einen traumlosen unruhigen Schlaf gefallen ist…*

Verfasst: Dienstag 8. Mai 2012, 12:33
von Gast
In der gestrigen Nacht...

Nachdem er die Kutsche von Rahal nach Düstersee nahm wird er beim Aussteigen Talana und diesen Kerl aus der Taverne erblicken. Soweit er sich erinnerte... Mordrid war sein Name gewesen?

Doch ihn beschäftigten zu dieser späten Zeit andere Dinge, einen kurzen Gruß gen die Beiden murmelt wird er zum Stall aufbrechen, dort sein Pferd holen und wieder den ganzen Weg zurück nach Rahal reiten.

Als er an der Kutschstation Düstersee vorbeikommt wird er die Beiden dort nicht mehr sehen...
Gen Mitternacht kommt Althan dann in Rahal an.

Verfasst: Freitag 11. Mai 2012, 14:52
von Magnus Siluvaine
Kapitel 2: Vorbereitungen



Folter ...



Seit jeher gab es den Mythos unter den Menschen, dass jeder, der in die Hände eines Dieners gerät gefoltert werden würde. Sicherlich, für manche Zwecke war Folter hilfreich, doch kam sie doch recht selten zum Einsatz. Er selbst hatte sich durchaus und auch intensiv mit diesem Thema beschäftigt, doch tat er es nie zum Vergnügen, sondern nutzte die Folter stets als Mittel zum Zweck. Das Interessante an diesem Mythos hingegen war seine bloße Existenz: Fast nie war es nötig eines der Opfer zu foltern, denn aus purer Angst an dem, was man sich nachts bei einem Humpen in den Tavernen erzählte, waren die meisten auf wundersame Art und Weise auch ohne Anwendung von Folter durchaus kooperativ.



Auch dieses Mal war es nicht anders: Talana hatte keinerlei Informationen die für ihn nützlich und von Interesse gewesen wären, und so sah er auch keinen Grund darin sie zu foltern...Doch das stetige Wimmern und Jauchzen, welches selbst durch die massive Eichentür, welche den Niedergang zum Kellergewölbe verschloss, nagte immer mehr an seinen Nerven. Durchaus gab es auch ohne Folter Wege um sie zum Schweigen zu bringen, doch musste ihr Körper unversehrt bleiben, er hatte, auch nachdem sie ihr leben ausgehaucht haben würde, immerhin noch einen Zweck zu erfüllen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als das Ritual auf die heutige Nacht festzulegen. Ein wahrlich angenehmer Grund das Haus endlich verlassen zu können ….



Die Zuchtbecken waren in der Zwischenzeit leer, ausgetrocknet und hatten ihren Dienst erbracht. Alle, abgesehen von einem: Es war größer als die anderen, und der ständige, penetrante Gestank schien hier noch beißender zu sein als es bei den anderen der Fall war. Die Oberfläche war hier glatt und eben, noch bildeten sich dort keine Blasen. Das würde sich erst ändern, wenn das Ritual vollzogen werden würde. Der Rand um das Zuchtbecken herum war weder symmetrisch noch eben, doch gab es zwei Unterschiede zwischen jenem Becken und den anderen, zwischenzeitlich verdorrten: Zum einen war es größer, zum anderen hatte er an dessen unterem Ende braune, verbrannte Erde aus Varuna selbst aufschütten und zu einer kleinen Bühne formen lassen. Hier würde sie in den letzten Minuten ihres Lebens knien…hier würde sie ihr Leben aushauchen…und eben hier würde er es sein, der ihre Seele zu Krathor selbst schicken würde.



Er konnte es kaum erwarten bis die Nacht anbrach. So viele Dinge würden hier heute ihren Lauf nehmen, so viel Neues würde hier und heute beginnen. Und niemand wusste, was er tatsächlich vor hatte. Talana wusste dass sie sterben würde und sicherlich wusste sie auch was mit ihrer Seele geschehen würde. Seine Brüder wussten zusätzlich wieso er diesen Ort gewählt hatte, wussten, welche Kreatur das Becken gebären würde…Doch was er mit der, mit Talanas Blut frisch getränkten, heiligen Erde aus Varuna vor hatte, dass würde vorerst niemand erfahren ….



„Und hier beginnt es ….“




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Verfasst: Samstag 19. Mai 2012, 13:00
von Magnus Siluvaine
Kapitel 3: Umarmung des Chaos




Stille, absolute Stille ....
Dieser Moment hatte etwas Erhabenes. Um ihn herum herrschte Kampfgetümmel, Todeschreie übertönten den Lärm welcher vom zusammentreffen von Stahl auf Stahl erzeugt wurde... Aber in seinem Kopf herrschte Stille .... Er schien sein gesamtes Umfeld in diesem Moment ausgeblendet zu haben, und konzentrierte sich ganz auf jene wenigen Worte, die diese Stille einem seichten Windhauch gleich durchdrangen:

"Gut gemacht mein Diener. Deine Muehe werde belohnt!"


Er kniff die Augen zusammen, konzentrierte sich auf jede einzelne der Silben, und nichts wünschte er sich mehr, als dass ihm die Gunst weitere Worte gewährt werden würde...Es war Krathor selbst, welcher ihm verführerisch diese Worte zuflüsterte, und er verzehrte sich danach diese Stimme wieder zu hören .... Doch war dort nun wieder nichts ... nichts ausser Stille....








Einer Prozession gleich zogen die in die grauen, schweren Roben gekleideten Diener über die marode Brücke am Haupttor Varunas. Es waren mehr seiner Brüder und Schwestern gekommen als er sich erhofft hatte und alleine diese Tatsache ließ sein Lächeln unter der Knochenfratze, welche ihm als Helm diente, noch zufriedener wirken. Der Gedanke daran, was hier geschehen würde, erfüllte ihn mit freudigem Entzücken, und so beschleunigte er seine Schritte zu dem Platz, welcher ihm heute als Opferaltar dienen würde.

Doch nicht nur er schien das kommende herbei zu sehnen, auch seine Brüder und Schwester schienen voller Tatendrang. Vor allem die Lakaien schienen sich kaum zügeln zu können in ihrem Eifer. Aber es ging hier nicht um einen einfachen Mord ... es ging um ein Ritual, auch wenn ausser ihm in jenem Moment niemand wirklich wusste, was genau mit jenem Ritual bezweckt werden sollte. Doch gibt es eine Eigenschaft, die einem jedem dieser Rituale anheim ist, auch wenn sich die Durchführung und die Auswirkungen unterschieden: Es muss sorgältig geplant und penibel genau durchgeführt werden. Eine Tatsache, welche auch die neuen Lakaien schon bald lernen würden. Eifer musste gezügelt und Tatendrang gebremst werden, denn jeder noch so kleine Fehler würde Folgen mit sich tragen, deren Auswirkungen niemand mehr kontrollieren können würde.

An dem kleinen Altar angekommen, zog er das große mit einem blutroten Ledereinband versehene Ritualbuch hervor. Behutsam, ganz so als fürchte er alles andere als seine Hände würden diesem größten seiner Schätze schaden zufügen, legte er es dann auf dem kalten, schwarzen Marmor des Altars vor sich ab. Talana hatten die anderen bereits dazu gebracht vor dem Altar zu knien. Es war mit ihr, wie mit allen Opfern: Sie befand sich in der letzten Phase des Zyklus, welcher von jedem durchlebt wurde, der letztlich sein Ende hier vor diesem Altar fand: Resignation..... Abgesehen von dem immer wieder einsetzendem, leisem Wimmern, konnte man von ihr nichts mehr vernehmen. Kein Protest, kein Bitten, kein Betteln, kein Flehen .....

Ebenso behutsam, wie er zuvor noch das Buch auf dem Altar abgelegt hatte, schlug er es nun auf. Sein Blick senkte sich auf die dicken, aus Menschenhaut gefertigen, alten Seiten des Buches und mit langsamer und ehrfurcht gezeichneter Stimme begann er damit, die chaotischen, verbotenen Worte zu rezitieren, welche dort in Lettern aus Blut geschrieben standen. Monoton und raunend wurden seine Worte von dem leisen Singsang seiner Brüder und Schwestern untermalt. Langsam hob er den Kopf wieder an, während seine Lippen die letzten, noch fehlenden Worte rezitierten, und sein Blick legte sich auf Talana. Es bedurfte keiner weiteren Zeichen, keine Worte mussten gewechselt werden, denn ein jeder hier kannte seine Aufgabe und seine Pflicht .... Der Bruder zu Talanas linken hob den Ritualdolch an...und hielt für einen Moment inne. Kampfeslärm drang an die Ohren der Diener, und auch Magnus blickte gen Osten. Da waren sie...einmal mehr drangen sie in diese heilige Stätte ein...und der Zeitpunkt...nunja...vielleicht konnte man auch hieraus einen unerwarteten Vorteil ziehen...

Er wusste, dass die wenigen der Untoten, welche noch zwischen dem Altar und den Angreifern standen, jene nicht ewig aufhalten würden. Doch das Ritual durfte nicht unterbrochen werden. Erneut glitt sein strenger Blick in Richtung der gekrümmten, vor dem Altar auf den Knien sitzenden Talana. Dies blieb auch nicht seinem Bruder mit dem Ritualdolch verborgen, und noch während die restlichen Brüder und Schwester sich vorbereiteten um den Altar zu verteidigen. Zusammen mit den beiden Kreaturen seiner Züchtung, welche er dort als Ritualwächter abgestellt hatte, sollten sie genug Zeit schinden können, damit das Ritual vollendet werden konnte...

Mit großen Augen starrte sie ihm entgegen. Sie wusste was sie hier erwarten würde, sie wusste es seit dem Abend, an welchem er sie verschleppt hatte. Und dennoch war das letzte was sie tat ihn mit großen Augen anzublicken....Einige Spritzer des tiefroten Lebenssaftes erreichten in dem Moment den Altar, als sein Bruder ihr die Kehle durchschnitt....Und während der Rest ihres Blutes sich einer Welle gleich den Weg über ihren nackten Oberkörper bahnte, erwiederte er ihren Blick für einen Moment und nahm mit Überraschung zur Kenntnis, dass es offenkundig Erleichterung war, welche sich dort in ihren Augen widerspiegelte...

Dann durchfuhr ein Ruck seinen Körper und er richtete sich kerzengerade auf....Irgendetwas passierte ....

"Gut gemacht mein Diener. Deine Muehe werde belohnt!"







Obwohl es tatsächlich nur wenige Sekunden waren, so kam es ihm doch vor wie eine halbe Ewigkeit, ehe sein Geist wieder den Weg zurück in die Realität gefunden hatte. Die Schlacht hatte nun unmittelbar das Gebiet vor dem Altar erreicht, die Ritualwächter und seine Brüder bildeten die letzten Schlachtenreihe....Er schüttelte sich einmal leicht, irgendetwas hatte sich verändert... er fühlte sich ... gestärkter ...
Trotz der bedrohlichen Lage nahm er sich die Zeit das Ritualbuch nun ebenso sorgfältig zu verstauen, wie er es zuvor aus der Tasche gezogen hatte. Dann blickte er zu dem Leichnam zu seinen Füßen...mit strenger, rauer und dunkler Stimme raunte er in Richtung des Körpers:

"Erhebe dich .. ! Erfülle deine Pflicht ... !"


Im ersten Moment geschah nichts .... doch als die Schreie und der Lärm des Kampfes nur noch wenige Schritte von ihm entfernt waren, kam Bewegung in den Leichnam. Es schien als würde der gesamte Körper durch Krämpfe geschüttelt, und dann begann er zu wachsen ... zu wachsen und sich zu verformen ... Die Haut spannte sich immer weiter an, ehe sie aufplatzte, als ihre Belastungsgrenze erreicht worden war. Doch hörte das Wachsen nicht auf .. Und nur einige Herzschläge später erwachte das, was sie an diesem Abend gemeinsam herbeigerufen hatten, zu neuem, untoten und unheiligem Leben ....

"Vertreibe die Ungläubigen .... "


Mehr musste nicht gesagt werden, und mit einer Geschwindigkeit, die seine Größe und seine Masse lügen straften, preschte das Wesen nach vorn, um sich den Angreifern entgegen zu werfen...Erneut ertönten Schreie, doch waren diese nun gellender, als jene zuvor. Der bloße Anblick von dem, was sie aus Talana gemacht hatten, schien die Angreifer mit entsetzen zu erfüllen ....

Magnus atmete tief durch ... Er nutzte diesen Moment um in die Hocke zu gehen. Aus seiner Tasche zog er ein Glas, schraubte es auf, und füllte es bis zum Rand mit der von Talanas Blut getränkten Erde.... Nicht einmal seine Brüder und Schwestern bemerkten was er da tat und die Angreifer befanden sich bereits auf dem Rückzug von dem neu erwecktem Schrecken. Unbemerkt verstaute er das Glas wieder in seiner Tasche. Mit einem zufriedenem Lächeln schritt er dann zu der Gruppe der anderen Diener .... Für sie war mit dem Abschluss des Rituals alles beendet ... für ihn hingegen stellte dies nur eine weitere Etappe dar .....


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Verfasst: Dienstag 22. Mai 2012, 17:28
von Magnus Siluvaine
Kapitel 4: Eine Hand voll Erde




Der Kopf wurde zur Seite geneigt und das große Glas, welches dort einsam und alleine auf dem Steintisch stand, wurde erneut in Augenschein genommen. Mehr noch, denn mit der Fingerspitze des Zeigefingers tippte er einmal dagegen. Was er damit machen würde, das war ihm schon seit langem bewusst. War dieses Vorhaben doch der Auslöser dafür, dass Talana sterben musste. Die wichtigste Frage die er sich nun jedoch beantworten musste war: WO sollte es geschehen … ?

Es war stets das gleiche, wenn man Pläne und Ränke schmiedete: Das Ziel stand unumstößlich fest, doch der Weg, der einen zu jenem führen sollte, wurde stets beeinflusst von äußeren Umständen. Und auch dieses Mal war das nicht anders. Berchgard war es, welches er ursprünglich als Ort ausgewählt hatte, und es wäre ideal gewesen, alleine schon aufgrund der Nähe zu Varuna. Adoran war um einiges weiter entfernt, doch war sein Einfluss größer, was auch diese Stadt zu einem verlockenden Ziel machte.

Bajard hingegen kam nicht in Frage: zu klein, zu unbedeutend, bewohnt von Fischern und Handwerkern dessen Intelligenz darauf schließen ließ, dass sie alle dort miteinander verwandt waren und sich nur unter ihresgleichen paarten.

Rahal .. ? Rahal … welch bittere und entzückende Ironie wäre es wohl, es dort beginnen zu lassen .. ? Doch gab es da einen Pakt. Löchriger als jeder Orkstiefel, ja. Vielleicht wäre der Zeitpunkt auch endlich gekommen das letzte, dünne und kleine Band, welches den Pakt noch zusammenhielt, zu durchtrennen .. ?

Düstersee hatte er in der Vergangenheit bereits als Schauplatz für seine Handlungen gewählt, die Bewohner dort waren viel zu einfältig für das, was er vor hatte. Vielleicht jedoch würde er diese Siedlung später noch in seinen Plan mit einbinden.

Wie nannte sich eigentlich dieses Loch, aus welchem die Letharen krochen, gleich Maden aus einem verwesendem Leichnam .. ? Nun, selbst wenn ihm der Name einfallen würde, aussprechen könnte er ihn wohl ohnehin nicht. Er hasste und verabscheute diese dunkelhäutige Brut, und diesem Empfinden wurde in der letzten Zeit durch gewisse Gegebenheiten nur noch weiter gestärkt.

Doch für welches Ziel auch immer er sich entscheiden würde: Es würde harte Arbeit werden. Die Kreaturen, welche er eigens für seine Pläne herangezüchtet hatte, waren dank der vermaledeiten Priester vorerst in Varuna gefangen. Und auch wenn man schon daran arbeitete, einen Weg zu finden die Barrieren wieder aufzulösen, so machte er sich keine unnötigen Hoffnungen, dass dies in den nächsten Tagen erfolgen würde. Also war es notwendig einmal mehr heimlich und im Verborgenen zu agieren. Ein kleines, zufriedenes Schmunzeln legte sich bei diesem Gedankengang auf seine Lippen, er liebte diese Intrigenspiele.

Erneut tippte er einmal mit dem Zeigefinger auf das Glas, dann drückte er sich aus seinem Stuhl und streifte sich mit seinen Händen einmal über die Robe. Über den genauen Ort würde er sich später nochmals Gedanken machen, doch zuerst hatte er noch etwas anderes zu erledigen. Die schweren Schritte seiner gepanzerten Stiefel hallten durch den Keller, als er sich auf den Weg zur Treppe machte. Noch bevor er jene dann erklomm, nahm er das kleine Lederbündel vom Haken der Wand, welches er zuvor dort aufgehängt hatte. Es galt einen letzten Gruß von Talana auszurichten….
Seltsam …. dieser Anhänger, welchen sie stets an einer Kette um den Hals trug, schien ihr wichtigster Besitz gewesen zu sein …..

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Verfasst: Dienstag 29. Mai 2012, 22:49
von Xontor
*Die Kette lag auf dem Tisch vor dem kleinen Altar. Links und rechts ein halbes Battalion heruntergebrannter Kerzen. Nur eine Hand voll brannte noch in den letzten Zügen. Davor in der Hocke, seit Stunden bereits, der langsam alternde Soldat.
Im Kopf des Mannes ratterte es. Seit einigen Tagen bereits arbeitete er an einem Plan, doch wie er es auch drehte, es gab immer neue Schwierigkeiten. Der Entschluss stand fest, lediglich das "Wie" musste noch ein wenig bearbeitet werden. Die Nachricht in Verbindung mit der Kette hatten ihn überzeugt, eines der letzten Tabus wurde vom Feind gebrochen. Dem Inhalt des Briefes nach befand sich Frau Virr in den tieferen Katakomben Adorans und wurde gefoltert auf bestialische Art und Weise.

Jedoch musste man so etwas sehr gut vorbereiten...*

Verfasst: Montag 25. Juni 2012, 13:40
von Magnus Siluvaine
Kapitel 5: Ordnung durch Chaos



Für den Moment herrschte absolute Stille in dem kalten, nur vom seichten Licht einer flackernden Kerze durchzogenen Kellergewölbe. Außer Magnus’ leisem Atem konnte man keinerlei Geräusche vernehmen. Beinahe nackt stand der Diener dort vor dem Krathor gewidmetem Altar, lediglich eine kurze, graue und aus einfachem Stoff gewebte Hose trug er am Leib. Sein Atem ging ruhig und flach, der Blick der blaugrauen Augen war auf die erhabene Statue Krathors gerichtet. Für einen Außenstehenden Beobachter mochte dieser Anblick vielleicht etwas Seltsames haben, für Magnus hingegen hatte es etwas Erhabenes. Das Leben eines Dieners war von Riten geprägt, Riten welche genauestens indoktriniert wurden. Und so gab es auch für das, was er heute vollbringen würde, einen Ritus zur Vorbereitung. Ein tiefes Durchatmen durchschnitt deutlich hörbar die Stille in dem Kellergewölbe. Eigentlich war er einfach nur müde, denn die Nacht war mehr als anstrengend gewesen …..







Berchgard. Letzten Endes hatte er sich doch für Berchgard entschieden. Die Zeit lief ihm davon, und jeder andere Ort hätte nur für noch weitere Probleme in der Vorbereitung gesorgt. Ohnehin hinkte er inzwischen dem sich selbst auferlegten Zeitplan hinterher, und in ihm kam der Gedanke auf, dass er einfach darauf hoffen musste dass das Glück ihm weiterhin hold war. Doch das Glück war ein wankelmütiger Verbündeter, und Magnus hasste es, wenn er nicht alles selbst unter absoluter Kontrolle hatte. Auch wenn es ihn Mühe kostete, so zwang er sich doch dazu diesen Gedankengang, zumindest für den Moment, zur Seite zu schieben.

Es war kein Mond zu sehen in dieser Nacht, und die unzähligen Sterne am Firmament vermochten es kaum genug Licht zu spenden um damit seine eigenen Füße erkennen zu können. Der Zeitpunkt war also mehr als ideal. Langsam schritt er den kleinen Trampelpfad, welcher beinahe parallel zur Straße gen Berchgard führte, entlang. Es war unwahrscheinlich auf jenem Trampelpfad jemanden zu begegnen, schon gar nicht des Nachts, dennoch war er um höchste Geheimhaltung bemüht. Und dies war auch der Grund, weshalb er ein jedes Mal missmutig die Lippen zusammen presste, wenn der mit der verseuchten Erde beladene Handkarren hinter ihm ein weiteres mal ächzte, während er von Clavian über den unebenen Pfad geschoben wurde. Er hatte Clavian auf die Wichtigkeit und die Bedeutung von dem, was sie heute Nacht tun würden genauestens informiert, und jener hatte Magnus, in seiner gewohnt überschwänglichen Art und Weise, versichert, dass er sich keine Sorgen machen brauchte. Es gab Momente, in welchen Magnus seinen Glaubensbruder einfach die Zunge heraus schneiden wollte, doch hatte dieser sich inzwischen als loyal und durchaus fähig erwiesen, zumindest nach den Züchtigungsmaßnahmen, welche Magnus an ihm vollzogen hatte.

Normalerweise war die Reise von Varuna nach Berchgard von recht kurzer Dauer, doch in dieser Nacht kam ihm der Weg unendlich lang vor, umso mehr breitete sich in ihm eine gewisse Art der Erleichterung aus, als er endlich die Stadtmauer ausmachen konnte. Er hatte ganz bewusst das nördliche Ende als Ziel gewählt, eben genau die Stelle, an welcher der zum Schutz errichtete Wassergraben begann. Seine Beobachtungen hatten ergeben, dass der äußerste nördliche Wachturm in der Nacht stets nur von einem Gardisten besetzt war, und dieser verließ den Turm in regelmäßigen Abständen, um über die Stadtmauer zu patrouillieren. Diese Tatsache, gepaart mit dem Umstand der stockfinsteren Nacht, machte den Zeitpunkt perfekt. Magnus hob stumm die Rechte, welche seinen Knochenstab umklammerte, und deutete mit dem oberen Ende auf den Wassergraben. Auf diesen stummen Befehl hin ertönte ein neuerliches Ächzen des Karrens, gefolgt von dem Geräusch, welches die Erde verursachte, als Clavian sie von dem Karren in den Graben kippte.

Ein letztes Mal blickte die Knochenfratze, welche in seinen Helm geritzt war, in Richtung des Grabens… Jetzt musste er nur noch warten …. Dann drehte er sich wortlos um und machte sich daran, den Selben Weg zurück nach Varuna zu nehmen, der ihn hierher gebracht hatte. Hinter sich konnte er die schlurfenden Schritte von Clavian ausmachen. Es war zwar keine Hast geboten, aber mit Sicherheit wurde das Geräusch von dem Gardisten vernommen, und darauf zu warten bis jener über die Brücke kam um der Ursache des Geräusches auf den Grund zu gehen war nicht notwendig. Es würde bald schon mehr als genug Tote geben….


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Langsam drehte sich Magnus um, sein Blick schweifte von der Statue Krathors auf Clavian. Auch in dessen Augen spiegelte sich deutlich die Müdigkeit wieder. Doch auch wenn ihre Rückkehr aus Berchgard nicht einmal eine Stunde her war, so gab es da noch eine Sache, welche noch erledigt werden musste. Erst dann würde er seinem Bruder und auch sich selbst einige Stunden der Ruhe gönnen. Er hatte Clavian in das, was nun noch folgen würde eingeweiht. Und wie immer nahm er auch diese Erläuterung mit einem überschwänglichen Nicken zu Kenntnis. Ob der Lakai sich dessen, was Magnus hier vor hatte, überhaupt in seiner ganzen Tragweite bewusst war…?

Die unzähligen, kleinen Kettenglieder rasselten, als Clavian das schwere Kettenhemd anhob. Nach und nach half er Magnus dabei die Rüstung anzulegen, bis dieser letztlich in voller Montur vor ihm stand. Ein letzter, vielsagender Blick wurde zwischen den beiden ausgetauscht, dann schritt Clavian zum Altar. Langsam und ehrfürchtig legten seine Hände sich um die sorgsam gefaltete Robe der Diener Krathors, welche dort auf dem Marmoraltar lag. Und während er sie, in einer ebenso langsamen Geste, entfaltete, sich zu Magnus drehte und ihm auch beim Anlegen der Robe half, ertönten das erste Mal an jenem Abend Worte in dem Kellergewölbe, als Clavian begann die zeremonielle Litanei zu rezitieren:


„Bruder Magnus, gebt auf Eure Robe Acht, und sie wird Euch beschützen“

„Wir hüten sie, wie unser Leben“

„Und sie behütet Euch dafür“

„Wie es immer war, für die gefallenen Brüder“

„Ehret die Kunst des Tötens“

„Wir dienen einzig unserem Meister: Krathor“

„Ehret die Robe der Toten“

„Unser einziges Verlangen ist zu dienen“

Als ihre Stimmen nun wieder verebbten, schloss Magnus für einen langen Moment die Augen. Es würde Blut fließen, noch in dieser Nacht. Blut von den blauhäutigen Missgeburten. Es würde eine Botschaft überbracht werden, deren Bedeutung unmissverständlich sein würde. Der Weg in die glorreiche Zukunft war vom Wandel der Gegenwart gezeichnet, und so war es unausweichlich, dass man sich von alten Lasten befreien musste.

Noch ein letztes Mal richtete sich sein Blick auf die aus Obsidian gefertigte Statue Krathors. Ja, er konnte es förmlich spüren... Ja, er war sich sicher dass er auserwählt war, dass er zu höherem berufen war ... und er würden seinen Herren und Meister nicht enttäuschen.

In einer geübten Bewegung legte er sich den Waffengurt um, welcher den Zeremoniendolch beherbergte. Dann trugen ihn seine gepanzerten Stiefel zu der Kellertreppe....

Verfasst: Mittwoch 27. Juni 2012, 17:46
von Magnus Siluvaine
Kapitel 6: Die Sprache der Taten



Mit einem tiefen Durchatmen lehnte er sich zurück. Die Kälte des Steinthrones drang selbst durch den Stoff des Hemdes noch an seinen Rücken. Doch machte ihm dies nichts aus, in jenem Moment schien es ihn sogar ein wenig mehr zu beleben. Er hatte sich ein paar Stunden Ruhe und Schlaf gegönnt nach der Begegnung mit der Letharin, doch war er noch immer müde. Magnus hatte das Gefühl er könnte einen gesamten Wochenumlauf einfach verschlafen wenn man ihm einfach die Möglichkeit dazu gab. Er faltete die Hände und lies den Blick über den marmornen Altar vor sich schweifen. In der Mitte des Altars lag sein wertvollster Besitz: Das Ritualbuch. Es war bereits aufgeschlagen und wartete nur darauf, dass an diesem Abend erneut die uralten Worte aus ihm rezitiert wurden. Nur zwei handbreit rechts neben dem Buch befand sich die kleine, runde Messingschale. Auch in ihr lag schon alles, was er benötigen würde, bereit. Hinter der Messingschale und an die Wand angelehnt befand sich ein kleiner Holzständer, der in seiner Mitte Platz für fünf Phiolen bot. Jede einzelne von ihnen war mit einer anderen Flüssigkeit gefüllt. Als letztes waren dort auf dem Altar die beiden, ebenfalls aus Messing gefertigten, Kohlepfannen, welche die Form von Schädeln inne hatten. Je eine davon befand sich am jeweiligen Ende des Altars und erfüllte den Raum mit mattem, dämmrigem Licht. Für einen kleinen Moment blieb sein Blick jedoch an der Messingschale haften. Die Spitze der bläulichen Haarsträhne, welche dort im inneren lag, ragte über deren Rand hinaus. Erst jetzt viel ihm der Name wieder ein: Je´yuxalae, und für einen kleinen Moment dachte er an den einen, bedeutsamen Abend zurück …..









Er konnte es selbst kaum glauben dass seine Suche nur von so kurzer Dauer war. Nicht einmal eine Stunde hatte er gebraucht, schon lief eine der Blauhäutigen an dem Baum vorbei, in dessen Krone er in der Gestalt eines Raben auf der Lauer lag. Doch war der Ort für sein Vorhaben alles andere als geeignet, die Gefahr, dass hier zufällig irgendwelche unbeteiligten vorbei kommen würden, war einfach zu groß. Doch schien auch an diesem Abend das Glück ihm treu zu sein, denn sie verließ die Straße. Leise raschelten die Blätter, als sich der Rabe mit kräftigen Flügelschlägen wieder in die Luft erhob. Eine halbe Stunde wohl mochte er sie aus der Luft beobachtet haben, war er ihr gefolgt während sie erst einem alten, halb überwucherten Trampelpfad folgte und dann querfeldein durch den Wald ging, ehe sie eine kleine Lichtung erreichte, welche wohl von vornherein ihr Ziel war. Mit gespreizten Flügeln setzte der pechschwarze Vogel erneut zur Landung an. Dieser Ort hier, die einsame Lichtung, war ideal für das, was er vor hatte.


Einige weitere Minuten wartete er ab, begnügte er sich mit Beobachtungen. Und so stellte er auch fest, wieso die Letharin ausgerechnet diesen Ort aufgesucht hatte…Sie sammelte Pilze…


Zufrieden stellte er fest, dass ihr Weg sie nun genau zu dem Baum führte, in welchem er saß. Der Zeitpunkt war also gekommen: Ein lautes, kehliges Krächzen verließ den Schnabel des Raben und lenkte so die Aufmerksamkeit der Letharin auf sich. Ein weiteres Krächzen folgte, und endlich lag ihr Blick zielgenau auf ihm. Das erste Ziel war erreicht, es war wichtig dass er mit den kleinen, schwarzen Knopfaugen direkt in die ihren blickte:

„Du kannst dich glücklich schätzen Blauhäutige. Dir wird eine große Ehre zu Teil, denn dein erbärmliches Leben wird mit dem heutigen Tag einen Sinn bekommen …“

Überraschung und Erstaunen huschten nun über ihre Gesichtszüge als die leise, säuselnde Stimme direkt in ihrem Kopf begann zu ihr zu sprechen.

„Du wirst deinem Volk und auch dem Alka eine Botschaft überbringen. Und ich werde Sorge dafür tragen, dass diese auch unmissverständlich an ihrem Ziel ankommt…“

Und spätestens jetzt schien die Letharin ihre Verwunderung überwunden zu haben: Für einen kurzen Moment loderte Zorn und Feindschaft in ihren Augen, ehe sie dann in einer geübten Bewegung die Arme anhob und ihre Armbrust von ihrem Rücken schnallte. Doch die Worte, welche dabei in gebrochener Sprache und deutlicher Abneigung ihre Lippen verließen, vernahm er schon gar nicht mehr wirklich, denn in diesem Moment benötigte er seine gesamte Konzentration…


Der aufkeimende Zorn im Ausdruck der Letharin war inzwischen zu blankem Hass geworden als sie spürte dass ihr Körper nach und nach erstarrte, es ihr nicht mehr möglich war sich zu bewegen. Und in dem Moment, als der Rabe die Gestalt änderte und letztlich ein Diener Krathors vor ihr stand, spie sie ihm ihre Verachtung förmlich entgegen. Doch das Versprechen, dass sie und ihr Volk ihn finden und töten würden, knurrte sie ihm erst in dem Moment entgegen, in welchem er ihr das Haar vom Kopf schnitt und ihr mit dem zuvor in einem Ritual mit einem Fluch belegten Blut den Namen „Krathor“ auf den kahlen Kopf schrieb. Dies, zusammen mit der nachdrücklichen Botschaft dass der „Pakt“ aufgehoben sei, würde ohne Frage die gewünschte Reaktion in Rahal hervorrufen…..










Wie immer kam das Anlegen der schweren, grauen Robe einem eigenen, kleinen Ritual gleich. Und noch immer erfüllte es ihn mit dem gleichen Stolz wie beim ersten Mal, hatte er das Gefühl Krathor selbst würde seinen Blick für die Dauer eines Wimpernschlages auf ihn richten. Er stellte sich vor das aufgeschlagene Ritualbuch und griff mit den Händen nach der Messingschale. In deren Inneren lag noch immer die Haarsträhne, getränkt in einige der Flüssigkeiten aus den Phiolen. Er hatte nun alle Ingredienzien zusammen: Die Letharin wurde gezeichnet von dem verfluchten Blut und die Haarsträhne war alles, was noch fehlte um den „Kontakt“ herzustellen.

„Beginnen wir damit, ihre Träume zu beinflussen….ehe….“

Den Rest des Satzes sprach er nicht mehr aus. Stattdessen senkte er den Blick auf die aus Menschenhaut gefertigten Seiten des Ritualbuches. Es konnte beginnen …..

Verfasst: Donnerstag 28. Juni 2012, 12:13
von Gast
Nackt und mit kaum mehr als ein paar spärlich übrig gebliebenen Haaren auf ihrem Kopf stand sie vor dem Altar im Axorn, während eine widersprüchliche Mischung aus Furcht, Erregung und Abscheu durch ihren Körper fuhr. Abscheu aufgrund des Schriftzuges der ihren Hinterkopf verunstaltete. Das Wort ‚Kra’thor‘ aus Blut geschrieben, das mit einfachem Wasser nicht zu entfernen war und dieser elende Rabendiener als Botschaft auf ihrem Kopf hinterlassen hatte.
Furcht und Erregung, da sie sich des Ortes an dem sie sich befand, nur allzu bewusst und die Möglichkeit Vater nah zu sein, seine Präsenz zu spüren, greifbar war.

"Vater sieh herab auf deine Kinder, eines so rein wie du es geschaffen hast.
Das andere geschändet von den Dienern deines Dieners, welche dafür nichts als den Tod und ewige Qual im Schlund deines Dieners verdient haben."


Die tiefen, klaren Worten Cha’xyrols durchdrangen ihren Verstand und ließen sie auf den Kelch blicken, der sich in seinen Händen befand und nun allmählich wie von Geisterhand mit Wasser füllte. Bald würde sie von dem Makel befreit sein, der ihren Körper auf diese Art und Weise verunstaltete. Das Abscheren der Haare war zu verkraften gewesen, schließlich geschah dies nicht zum ersten Mal. Vielmehr war es eine gängige Strafe bei den Letharen dem anderen Ohr, Haare, oder sonst was abzuschneiden.
Dass der Rabendiener sie schließlich doch noch aufspüren konnte, nachdem sie beim ersten Mal den Griffeln der untoten Kreatur entkam, war im Nachhinein nicht weiter verwunderlich. Jeden Tag war sie an der Oberfläche, um Wälder und Wiesen nach Kräutern und Reagenzien abzusuchen. Einem Raben hoch in der Luft würde es vermutlich nicht schwer fallen, sie auszukundschaften, oder zu verfolgen.
Die Erinnerung an das Zusammentreffen mit dem Rabendiener zeichnete ihre Miene mit Ekel und Abscheu. Um den Pakt mit Rahal zu lösen, wollte er ihr eine Nachricht mitgeben. Mit seiner Hexerei band er sie an Ort und Stelle, so dass sie weder in der Lage war sich zu bewegen, noch gegen ihn zu wehren. Dennoch spürte sie eine gewisse Erleichterung, als er ihre Lethrusae-Rune im Nacken zwar bemerkte, aber nicht anrührte. Vermutlich war es seine Unkenntnis, die sie davor bewahrte, dass er jene verunstalten oder gar rausschneiden würde. So war es nur ihr Haar, das sie zwar mochte, aber nicht sonderlich vermissen würde. Schließlich wuchs es irgendwann wieder nach.

"Halte dies."

Erneut rissen sie die Worte in die Gegenwart zurück und ihre schlanken Finger schlossen sich um den mit Wasser gefüllten Kelch.
Cha’xyrol zog einen Dolch aus seinem Gürtel, präsentierte ihn auf seiner Handfläche in Richtung des Altars, wie um Alatar zu zeigen, was ihm dargeboten wurde.

"Vater, das reine Blut soll den unreinen Makel abwaschen, das reine Kind deiner Selbst wieder hervor bringen aus der geschändeten Hülle."

Nachdem die Worte in Andacht gesprochen waren, umschlossen Cha’xyrols Finger die Dolchschneide und ein schmatzendes Geräusch zeugte davon, dass Haut durchdrungen war und Blut fließen konnte.
Bei dem Geruch des Blutes hoben sich Je’yuxalaes Nasenflügel. War es der häufige Kontakt mit Blut als Heilerin ihres Volkes, dass Blut eine betörende Wirkung auf sie hatte?
Die Hand Cha’xyrols über den Kelch gehalten, floss nun langsam aber stetig sein dunkles Blut in den Kelch, um sich mit dem heiligen Wasser zu vermischen. Den Kelch nahm er wieder an sich, dann befahl er ihr nieder zu knien. Ehrfürchtig ließ sie sich vor dem Altar auf die Knie herab, um dann das Haupt tief zu senken. Nach einem tiefen Atemzug, schloss Je’yuxalae ihre Augen und blendete ihre Umwelt aus. Ihre Gedanken sollten alleine dem Vater gelten. So bekam sie auch nicht mit, dass Cha’xyrol hinter sie trat und die rechte Hand mit gespreizten Fingern über ihr Haupt hielt.

"Reines Blut, heiliges Wasser, waschen fort die schändliche Tat.*
Reiner Geist und göttlicher Zorn waschen fort die schändlichen Träume."


Ein Schaudern durchlief ihren Körper, als Cha’xyrol nachdem er die Worte sprach, das Wasser- Blutgemisch über ihren Kopf leerte. In kleinen Rinnsalen floss es ihren nackten Körper hinab und der unheilige Schriftzug auf ihrem Kopf zerrann und löste sich auf. Obwohl sie es nicht sehen konnte, wusste sie, dass sie von dem Makel befreit war.

"Rein sei, was rein sein soll. So geschehe es."

Mit diesen abschließenden Worten war der Spuk vorbei. Cha’xyrol hatte sie vor weiteren Einflüssen der Rabendienern bewahrt, zumindest hoffte sie das. Denn gänzlich wusste man nie, was die Rabendiener tatsächlich vorhatten..