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Zwischen den Welten

Verfasst: Freitag 24. Februar 2012, 18:12
von Kerum
Wo der Winter noch vor kurzem mit strenger Faust regiert, seine Herrschaft mit klirrenden Eiszapfen und Burgwällen aus Schnee gesichert und das Land mit eisigem Windstoß niedergehalten hatte, da hatte sich die Rebellion des Frühlings bereits vorangekämpft, war der unüberwindliche Strahl der Sonne vorgestoßen und hatte die Kältebollwerke niedergezwungen, dass nun wie Tränen das Wasser von Dächern und Ästen tropfte. Hatte eben noch ein silbrig weißer Schleier die Natur bedeckt und im Tageslicht die Augen des Betrachters so geblendet, dass manch einer die Lider schließen und verweilen musste, bis das geräuschlose Feuerwerk dahinter verschwunden war, so begann bereits selbst das zertrampelte, leidende Braun neben den Wegen sich wieder mit jenem frischen Grün zu färben, das die Wappenfarbe der Streiter des Frühjahres war und alsbald mit ersten, schwerköpfigen Blumen durchsetzt sein würde.

Auch die Stufen in den menschenhohen Mauselöchern, die in die ewig dunkle Unterstadt führten, hatte sich diesem Einfluss nicht entziehen können, und so waren Schnee und Eis an der Oberfläche vollends getaut, während sich, je tiefer man kam, erst an den Rändern, dann aber – vielleicht ein halbes Dutzend Stufen vor dem Ende – das ablaufende Tauwasser wieder gefror und den Abstieg nicht nur erschwerte, sondern hier und da sogar zu einer regelrechten Herausforderung machte.
Doch wenn nun schon der physische Akt, den Zielort überhaupt zu erreichen, eine Schwierigkeit darstellte, so bedeutete dies nicht, dass es die einzige, ja auch nur eine halbwegs schwerwiegende Probe sein würde. Denn was in Immernacht lauerte, das wusste nur die wenigsten genau, und selbst jene waren um ihr Wissen selten zu beneiden.

Für einen Diener Temoras war es schon eine besondere Prüfung, in diese Untiefen hinabzusteigen, eine größere gar, dort unten etwas bewirken zu wollen. Doch genau dies war nun das Ziel Kerums und seiner Ordensbrüder und -schwestern. Die Vorbereitungen für den Feldzug – so unpassend diese Bezeichnung auch den Beteiligten vorkommen mochte – waren beinahe abgeschlossen, und es würde bald die Stunde kommen, in der sie sich vom Tage verabschieden mussten um ihr Licht in die ewige Nacht zu tragen.
Zwei Dinge waren zu erledigen, und beide waren riskant genug, um ihre kleine Gruppe gefährden, ja sie von der Dunkelheit verschlucken zu lassen.
Jener mysteriöse Vogt der Unterstadt hatte sie um Hilfe gebeten, ein Anliegen, dem ein lichter Orden eigentlich kaum nachzukommen gewillt sein konnte. Doch die Sicherheit in und um Breitenstein war in einem Zustand, der selbst den außerhalb angesiedelten Orden auf den Plan rufen musste, denn Übergriffe jeglicher Art auf Unbescholtene mehrten sich, und nicht wenige Bürger hatten das Gefühl, auf einem Pulverfass zu hausen, das sie jeden Moment in Stücke reißen konnte. Es war zwar weder ganz klar, gegen wen man sich zu stellen hatte, noch so recht, welche Ziele der „Auftraggeber“ vertrat; doch ihre Götter würden sie leiten, und für Ruhe und Ordnung musste gesorgt werden.

Das zweite Anliegen dagegen war eines, das Kerum seit jenen ersten Untersuchungen in der Unterstadt nicht mehr aus dem Gedächtnis weichen wollte. In einer der unzähligen Ecken der schier noch weniger fassbaren Gassen war dort ein Gebäude, das einstmals den wüsten Dämonendienern zur Heimstatt gedient hatte. Was auch immer darin für furchtbare Experimente und Kulte abgehalten worden waren, wollte sich kein Mensch bei klarem Verstande vor Augen führen; doch was sich vor Kerums innerem Auge eingebrannt hatte, war jene dämonische Pranke, die sich wortwörtlich aus dem Türflügel gelöst und nach ihrer kleinen Gruppe gehascht hatte, jenes unsagbare Grollen, das aus dem inneren dieses Ortes erklungen war, und die bittere Furcht und Kälte, die sie alle ergriffen und ihre Magengrube zum Erzittern gebracht hatte. Diesen Hort der Dunkelheit in der Stadt der Nacht zu zerstören, das war nun das hauptsächliche Ziel, das ihn antrieb, hinunterzusteigen.

Zugleich war aber jene Expedition kaum mehr als eine Übergangsprüfung, ein letzter Dienst an den Menschen Nivenors. Denn wie schon oft hatte er in den letzten Wochen in der Bibliothek gesessen, sich durch Berge alter Bücher jeden Formates gewühlt, hatte hier eine fingerdicke Staubschicht von einem alten, in an den Rändern bereits brüchigen Leder gebundenen Buch gefegt, dort einige Eintragungen gesichtet, die in eine Inventarliste eingefügt waren; und am Ende hatte sich aus all jenen kleinen Hinweisen ein Bild ergeben, das ihnen über lange Jahre hinweg nur undeutlich, ja unverständlich geblieben war. Hatten auch die alten Sagen, die Legenden und die Reiseberichte von Pilgern immer wieder Übereinstimmungen gehabt, gab es aus einigen Westlanden tiefergehende Überlegungen, so hatte doch erst sein kürzliches Studium, sein mehrfacher Vergleich bekannter und unbekannter Texte dafür gesorgt, dass zwischen all dem Ungesagten, dem Angedeuteten und dem Vergessenen wie ein feiner silbernen Faden eine Spur entstanden war; eine Spur, die er nun mit alten Karten ferner Länder abgeglichen hatte. Auch Tidus und einige Seefahrer des örtlichen Hafens hatte er miteinbezogen, hatte das ein oder andre gar über die Seefahrt erfahren, meist aber den fachlichen Erläuterungen still gelauscht und seine Rückschlüsse gezogen.
Nun aber war er sich nach all den Jahren sicher, den Anfang gefunden zu haben, das Ursprungsland ihres Glaubens. Und deshalb war der Auszug nach Immernacht trotz allem nicht mehr als ein letztes Abenteuer. Eines, das im Vergleich zu ihrem großen Beschluss, alles zurückzulassen und sich auf große Fahrt zu begeben, nur ein letztes Hindernis darstellen sollte. Und vielleicht würde auch er dort einen neuen Frühling erleben.

Der Schwertbund

Verfasst: Samstag 25. Februar 2012, 16:00
von Jascha Arlin
Nachdenklich stieß Jascha die großen und schweren, silbernen Türen zum Tempel auf. Sie verharrte in ihrer Bewegung und lies ihren Blick über die Tür wandern, die Yerodin erst vor wenigen Monaten angefertigt hatte, nachdem der Angriff dieses Sumpfwesens die alte Tür des Tempels zerstört hatte. Die Kriegerin betrachtete die feinen Gravuren, die präzisen Linien und bewunderte wieder einmal mehr das große Geschick ihres Ordensbruder, des Meisterschmiedes. Sie würde ihn vermissen, sollte sie Tidus und Kerum begleiten, stellte sie ein wenig verwundert fest.
Sie sah auf die Gravuren auf der Innenseite der Tür. Die stilisierten Adlerschwingen und die Worte: „Treue – Ehre – Tapferkeit“ und trat in die heiligen Hallen der Göttin.
Wie so oft in den Monaten, seit sie ihren Glauben gefunden hatte, stellte sich Jascha an die Rückwand des Tempels, an die sie sich mit leicht verschränkten Armen leicht lehnte und lies ihren Blick nachdenklich auf der Statue der Göttin ruhen. An diesem Ort hatte sie das erste Mal in ihrem Leben das Gefühl gehabt eine Heimat gefunden zu haben. Sie fand hier Ruhe und konnte ihre Gedanken ordnen. Es war ein Ort an den es sie immer wieder zog und zu dem sie gern zurück kehrte.
Später hatte sie sogar das Ordenshaus als einen Rückzugsort empfunden.
Diese zwei Orte gefielen ihr. Aber sonst?
Das wichtigste in ihrem Leben würde sie nicht verlieren, wenn sie Nivenor verließ. Ihren Glauben nahm sie mit sich. Und wenn sie den Ursprung des Glaubens suchten, dann würde sie diesen vielleicht sogar noch etwas besser verstehen, ihrer Göttin vielleicht noch etwas näher kommen?
Und einen Tempel würde sie sicherlich auch in einem anderen Land finden. Insbesondere in dem, in dem sie hofften den Ursprung ihres Glaubens zu finden.
Das Ordenshaus würde lediglich ein leerer und verlassener Ort sein, nachdem Tidus und Kerum aufgebrochen waren. Sicherlich, Yerodin würde zurück bleiben, ebenso Ulfgar... dennoch. Eigentlich hielt sie nichts mehr in diesem Land. Die Entscheidung war nicht schwer gewesen, doch sie hatte im Tempel darüber nachdenken wollen. Hier waren ihre Gedanken klarer als an jedem anderen Ort und sie betrachtete ihre Handlungen von mehreren Seiten. Hier hatte sie jede wichtige Entscheidung ihres Lebens getroffen. Also hatte sie auch diese Entscheidung hier treffen müssen.
Sie würde also fortgehen. Schon in wenigen Tagen.

Doch zuvor stand noch eine letzte Aufgabe an.
Die merkwürdige Bitte des sogenannten Vogtes von Immernacht.
Die Worte des Schreibens gingen ihr nicht aus dem Kopf.

„Ich ersuche Euch, zu erwägen, ob der Luciaten Glaube tiefer reicht, als das Licht der Sonne und die Hand der Stadt, in der Euer Tempel steht.
Die Wache darf ich nicht bitten, ebensowenig den Patrizier.
Ihr jedoch steht außerhalb dieser Ordnung von Oberfläche und Unterwelt. Ich weiß es, denn Eure Farben sah ich häufiger im Schatten.

Sagt mir ob Luciaten blank ziehen, gegen Chaos und Wahnsinn.
Sagt mit, ob Eure Welt und Euer Glaube auch bis unter die Erde reichen.

Nichts ist umsonst,
denn in allem steckt ein tieferes Ding, als das Auge zu sehen vermag.

der Vogt“


Er hatte die richtigen Worte gefunden. Soviel musste man diesem ominösen und zwielichtigen Gesellen zugestehen.
Was ihn allerdings noch längst nicht vertrauenswert erscheinen lies. Dennoch waren die Verderbnis und die Einflüsse einer dämonischen Präsenz in Immernacht nicht mehr zu leugnen. Auch nach den Erkenntnissen die Kerum bei seinen Erkundungen in die Unterstadt erlangt hatte, war es längst an der Zeit, dass der Orden einschritt.
Und auch wenn sie Nivenor verlassen sollten, so würden sie die Bürger Breitensteins doch nicht der Verderbnis der Unterwelt preis geben.
Nein, diese Aufgabe würden sie noch erfüllen, ehe sie die Stadt und den ganzen Kontinent hinter sich ließen.

Die Tore des Tempels öffneten sich und aus dem Augenwinkel erkannte Jascha das weiße Schimmern von Tidus' einzigartiger Rüstung und verblieb daher entspannt in ihrer Haltung.
Der Paladin trat neben sie, lehnte sich ebenfalls in einer Spiegelung ihrer Geste an die Wand und verharrte eine Weile schweigend, seinen Blick ebenfalls auf die Statue der Göttin gerichtet. Sie wusste warum er in den Tempel gekommen war.
„Ich werde mit euch gehen“, antwortete sie auf seine unausgesprochene Frage.
Er nickte sacht und lächelte leicht, wenn auch seine Augen weiterhin ernst blickten.
Plötzlich stieß er sich von der Wand ab und trat vor sie, die Schwerthand auf das Heft seiner Waffe gelegt.
„Ich hatte Dir vor einiger Zeit etwas versprochen“, erwiderte er auf ihren fragenden Blick hin. „Und bevor wir nach Immernacht hinab steigen und auch bevor wir die Reise in ferne und unbekannte Länder antreten, will ich dieses Versprechen einlösen. Ich möchte, dass auch die letzten Zweifel, die Du noch hegen könntest, ausgeräumt sind.“
Er zog die Waffe und trat durch die Tempelhalle vor die Statue der Göttin.
Sie verstand. Ein Schock verschiedenster Gefühle durchfuhr sie. Der Schwertbund. Darum hatte sie ihn gebeten. Doch nun, wo es soweit war, griff erneut ein Anflug von Panik nach ihr. Sie merkte wie sie begann sich emotional abzuschotten. Sie blickte von dem Paladin wieder zu der Statue der Göttin. Ihre eigenen Gedanken hallten in ihrem Kopf wieder „Bist du tatsächlich so feige, Kriegerin Temoras?“ Sie atmete tief durch und sah zu Tidus. Sie konnte ihm vertrauen, das wusste sie. Er hatte ihr den Glauben an Temora geschenkt und sein eigenes Vertrauen in sie immer und immer wieder unter Beweis gestellt. Sie warf ihre Zweifel ab und trat zu ihm. Zog ihre Klinge und salutierte vor der Statue der Göttin. Vertrauen, dachte sie bei sich.
Sie zog den ledernen Handschuh aus und klemmte ihn sich in den Gürtel. Gemeinsam stellten sie sich vor das Kohlebecken, welches vor dem Sockel der Staue stand und in dem einige Kräuter rauchend verglühten und die Luft des Tempels mit ihrem Geruch erfüllten.
Jascha fing Tidus Blick auf und hielt ihn fest. Jedweder Zweifel war verschwunden. Sie zog die Schneide ihrer Klinge über ihre Handfläche und lies einige Tropfen ihres Blutes in das Kohlebecken tropfen. Schließlich hob sie ihre Stimme an und begann zu sprechen:

Herrin Temora, Göttin der Ehre, vor Dir leiste ich dieses Gelübde:

Wie mein Schwert an meiner Seite, stehe ich von nun an Tidus zur Seite.
Aufrecht und stolz will ich gemeinsam mit ihm kämpfen,
denn sein Kampf soll auch mein Kampf sein.
Wer Tidus fordert, der fordert auch mich,
denn in Deinem Namen stehen wir uns näher als Bruder und Schwester,
als Vater und Sohn, Mutter und Tochter.
Mein Schild soll fortan auch Tidus beschirmen und niemals wieder werde ich meine Klinge ziehen wider ihn.
Seite an Seite mit dir, Tidus, bis in Temoras Hallen.


Feierlich und still hatte der Paladin ihren Schwur entgegen genommen. Doch seine Augen glänzten vor... was war es? Freude, Stolz, Zufriedenheit? Sie konnte es nicht ganz einordnen...
Dann schnitt er sich gleichfalls mit seiner Klinge in die Handfläche, lies das Blut auf die glühenden Kohlen tropfen und begann seinerseits den Schwur zu sprechen.

Seine Worte berührten sie. Mehr als sie erwartet hätte. Und während sie seinen Schwur entgegen nahm, fühlte sie, wie eine alte Wunde in ihrem Innern heilte.

Nachdem seine Worte verklungen waren, traten sie in die Mitte des Tempels in den Kampfring. Als sie mit den Waffen voreinander salutierten und eine Kampfhaltung einnahmen, spürte Jascha wie sich ihre Lippen zu einem Lächeln verzogen. Ein echtes Lächeln, kein spöttisches, zurückhaltendes oder aufgesetztes.
Sie schwangen ihre Schwerter zu Ehren der Göttin in deren heiligen Hallen. Es schien ihr wie ein endloser Tanz. Ein Tanz mit ihrem Schwertbruder, dem sie vertraute und dem sie nun in eine neue Welt folgen würde.

Reisevorbereitungen

Verfasst: Sonntag 26. Februar 2012, 18:39
von Alienor Danyasri
Wehmütig trat Alienor aus der Tür der Vogtei auf die Straßen der Sonnenleite hinaus. Sie hatte viel zu tun, aber sie verweilte dennoch etwas und lies ihren Blick über die Häuser und die Straße wandern.
Sicher, es war nicht immer leicht gewesen und die Gedanken des Abdankens hatten sie nie gänzlich verlassen. Aber dennoch hätte sie nicht erwartet das sie ihren Posten und damit auch Breitenstein so bald aufgeben würde. Und falls doch, so hatte sie erwartet, dass es aufgrund ihres Umzugs in die Ordensfeste und eines eigenen Heims in deren Nähe geschehen würde. Doch dieses Heim würde es nun nicht geben. Nicht hier, nicht auf Nivenor. Sie würde so viel vermissen. Die vertrauten Straßen, ihre Arbeit, die Landschaft. Die Orte an denen sie so viel erlebt hatte. Insbesondere aber einige Menschen.
Ihr Blick blieb an der Zuflucht des Weltenwanderers hängen. Ihn würde sie besonders schmerzlich vermissen. Ihre Schritte lenkten sie schon halb in die Richtung seiner Tür, ehe sie innehielt. Wenn sie sich von ihm verabschieden würde, dann nicht auf diese Weise. Nicht bei einem kurzen Zwischenstopp auf dem Weg zum Markt und ein paar Worte gewechselt zwischen Tür und Angel. Nein, sie würde sich am Abend die Zeit nehmen ihn aufzusuchen.

So lenkte sie ihre Schritte wieder die Straße hinunter um die Einkäufe zu erledigen, wie sie es eigentlich vorgehabt hatte als sie aus ihrem Haus getreten war.
Sie bestellte einige Waren bei den Bauern. Getrocknetes Fleisch, eingelegtes Gemüse, Obst, welches sich einlagern lies und mehrere Fässer mit Bier, Wein und Wasser und noch vieles mehr. Sie bezahlte den erstaunten Bauern den doppelten Preis und bat sie die Waren mit ihren Karren an den Hafen an der Breitemünde zu bringen wo Cadabrans Licht vor Anker lag und die Mannschaft die Waren entgegen nehmen würde.

Als sie in die Vogtei zurückkehrte begab sie sich zunächst in die Schreibstube im unteren Geschoss des Gebäudes. Sie lies sich an ihrem Schreibtisch nieder und begann einige Briefe zu verfassen. Ein Schreiben an die Zunft, dass sie ihr Amt als Zunfträtin niederlegen würde. Ein weiteres Schreiben an die bereits angeheuerten Arbeiter und Fischer, welche die Luciaten beim Bau der Ordensburg hätten unterstützen sollen. Ein Aushang für die Bürger der Sonnenleite. Ein Schreiben an den Patrizier und alle Mitglieder des Stadtrates, dass sie das Amt als Vogtin und Stadträtin aufgeben würde und auch Kerum nicht weiterhin als Stellvertreter für dieses Amt zur Verfügung stehen würde. Ihre Hand zitterte leicht als sie die Feder auf das Pergament setzte und die ersten Zeilen an den Patrizier schrieb. Er würde toben. Er würde sich verraten vorkommen. Sie seufzte schwer und hob die Feder wieder an. Ein dunkler Klecks prangte an der Stelle an der die Spitze der Feder soeben noch geruht hatte. War es ihr je so schwer gefallen einen Brief zu formulieren?
Nachdem es ihr schließlich gelungen war das Schreiben an das Oberhaupt der Stadt zu verfassen ließ sie goldenes Wachs auf den Brief tröpfeln. Ein letztes Mal drückte sie das Siegel der Sonnenleite auf einen Brief. Sie betrachtete es noch eine Weile wehmütig und legte es dann in das kleine Kästchen aus mit Samt ausgeschlagenem Mahagoni und drückte es mit samt dem Schreiben an den Patrizier dem wartenden Boten in die Hand.
Als der Bote aus ihrer Sicht verschwunden war, merkte sie, dass sie vor Anspannung die Luft angehalten hatte. Energisch griff sie nach ihrem Umhang und lief zu ihrer Stute. Sie verlies die Stadt durch das Tor des Zweibrückenviertels und ritt gen Westen.

Bald schon erreichte sie die Wildgrafschaft. Langsamer nun ritt sie zu dem Lager, welches die Lady und ihr Gefolge errichtet hatten. Dabei kamen wieder die Schuldgefühle in ihr hoch. Auch die Lady ließ sie im Stich. Nicht nur die Bürger der Sonnenleite oder die Mitglieder der Zunft. Die Lady hatte Ihnen ihre Kinder anvertraut, sie gebeten sie für sie zu beschützen. Alienor kannte Katharina Herah mittlerweile gut genug um zu wissen wie schwer es ihr gefallen sein musste, anderen um Hilfe zu bitten. Und wäre es nicht um das Wohl ihrer Kinder gegangen, so hätte sie es vermutlich auch gar nicht getan. Und nun musste Alienor ihr mitteilen, dass der Orden Navarra und Ricardo nicht mehr würde beschützen können. Das Alienor selber nicht mehr da sein würde. Sie fühlte sich so schuldig. Sie hatte gehofft der Lady eine Freundin sein zu können. Sie erinnerte sich an die Wildblumen, die Katharina ihr vor so vielen Monden überreicht hatte und sank etwas in ihrem Sattel zusammen.
Dann sah sie durch die Bäume bereits den Feuerschein der die Lichtung ankündigte, auf der das Banner der Ritterin sein Lager errichtet hatte...

Es war später Nachmittag, als Alienor wieder die Vogtei betrat. So viel noch zu erledigen, so wenig Zeit...
So stieg hinauf in das obere Geschoss und betrat nun ihre Schneiderei. Sie ließ den Blick über die Möbel wandern. Ihr Arbeitstisch, an dem sie so viele Stunden gesessen hatte, hier in der Vogtei und davor in ihrem einfachen Haus. Der Tisch an dem sie so wunderbare Arbeiten angefertigt hatte. Werke die sie mit Stolz erfüllten und die Freude in die Herzen einiger Menschen gebracht hatten. Wieder drohte die Melancholie sie zu erfassen. Sie dachte an Arien. Sie würde die Initiantin wohl nicht mehr sehen um sich persönlich verabschieden zu können. Ein weiterer Brief, den sie schreiben würde. Weitere Worte die ihr nicht kommen wollten. Aber sie konnte wohl kaum einfach ohne ein Wort verschwinden. So verfasste sie einen unbeholfenen Brief an ihre Freundin und legte diesem eine Halskette, besetzt mit blutroten Edelsteinen bei. Ein Abschiedsgeschenk.
Ein weiterer Brief, verfasst an Leila. Ihre Freundin die ihr so wunderbare Geschenke gemacht hatte und mit der sie so viele Stunden geredet hatte.
Briefe an Kunden, deren Aufträge sie nicht mehr würde fertig stellen können. So viel zu tun, so wenig Zeit...

Alienor betrat Kerums Zimmer, welches sie ihm in der Vogtei eingerichtet hatte, als er den Posten als ihr Stellvertreter angenommen hatte.
Der Paladin war nicht da, sondern bereitete sich zusammen mit den übrigen Ordensmitgliedern auf den Feldzug gen Immernacht vor.
So war es auch eine ihrer Aufgaben die Reisetauglichkeit seiner Garderobe zu überprüfen und den Transport seiner Truhe zum Hafen und auf das Schiff zu organisieren.
Sie ging wieder in ihre Schneiderstube und nahm einige der Kleidermodelle aus ihrer Arbeitstruhe. Kerums Garderobe war bei weitem nicht ausreichend um sich auf alle Eventualitäten der Reise vorzubereiten. Es verblieb ihr nicht genug Zeit die fehlenden Kleider speziell für ihn zu fertigen und so nahm sie die Muster und änderte sie mit einigen geübten und sicheren Handgriffen so ab, dass sie dem Paladin passen würden.
Die vielen restlichen Musterstücke verpackte sie in eine weitere Truhe. Sie würde sie später zum Armenhaus im Tempelviertel bringen lassen. Ebenso wie einige der Möbel aus der Vogtei, sofern diese gebraucht werden würden.

Nachdem diese Arbeiten erledigt waren, ging sie hinüber in ihr eigenes Schlafzimmer und begann die Truhen für sich und Tidus zu packen.
Es waren nun fast alle Vorbereitungen getroffen. Wieder und wieder ging Alienor ihre Liste im Kopf durch. Die anderen verließen sich auf sie, sie durfte nichts vergessen.
Als sie sicher war, das sie nichts übersehen hatte, fand sie endlich die Ruhe um die Aufregung und die Schwermut abzuschütteln. Sie schloss die Augen und ließ all die Anspannung des Tages von sich abfallen. Alle unangenehmen Gespräch waren geführt, alle Besorgungen getätigt, alles organisiert. Sie konnte sich endlich freuen. Auch wenn ein leichter Schatten der Angst auf ihr lag, wie immer wenn sie wusste, dass Tidus sich in einen Kampf begab, so wie gerade in Immernacht. Doch sie hatte gelernt ihm zu vertrauen, ebenso wie Kerums Versprechen, immer an seiner Seite zu bleiben und ihn zu ihr zurück zu bringen.
Jetzt, da sie es zuließ, stieg die unbändige Freude in einer mächtigen Woge in ihr auf. Morgen Abend bei Sonnenuntergang würden sie und Tidus endlich heiraten. Wie lange sie sich nun schon auf diesen Tag gefreut hatte, wie sie ihn herbei gesehnt hatte.
Dies war alle Unannehmlichkeiten des Tages wert gewesen.
Zwar würde es nicht so sein, wie sie es ursprünglich geplant hatten, mit einem großen Fest und im Rahmen aller derer Menschen, die ihnen wichtig waren. Doch das spielte keine Rolle mehr. Alles was zählte war, das sie morgen Tidus' Frau sein würde, verbunden durch Eluvies Segen. Sie hatten beschlossen nicht länger zu warten, sondern ihren Bund zu besiegeln, ehe sie die Reise ins Unbekannte antraten.
Sie öffnete den Schrank und holte das Kleid heraus, dass sie schon so lange darin versteckte. Die perlfarbene Seide schimmerte im Schein der Laterne und Alienor lies den Stoff beinahe ehrfürchtig über ihre Finger gleiten. Es fühlte sich an wie kühles Wasser. Sie hatte den Stoff vor einigen Monden bei einem reisenden Händler aus Ho Tao entdeckt und ihn sofort erstanden. Aus einfacher Baumwolle oder gar Wolle konnte man keinen solch feinen Stoff weben. Lange war sie davor zurück gescheut den Stoff zu verarbeiten und viele Male hatte sie die Schnittmuster für das Kleid wieder verändert. Doch letztendlich war es tatsächlich so geworden wie sie es erträumt hatte. Es war recht schlicht geworden, wies nur wenige dezente Stickereien aus Silberfaden auf, eine Handvoll kleiner geschliffener Saphire hatte sie am Kragen und am Saum aufgenäht, einen leicht ausgestellten Rock und nur den Ansatz einer Schleppe. Keine weiten Unterröcke, keine Rüschen oder Spitze.
Vorsichtig verhüllte sie ihr Hochzeitskleid wieder und hängte es zurück in den Schrank. Dann ging sie hinüber zu ihrer Frisierkommode und lies sich auf dem kleinen Hocker davor nieder. Sie öffnete die Schublade und holte das Kästchen mit den Ringen aus Elvin hervor, die für sie sogar einen noch größeren Schatz darstellten. Sie waren aus dem gleichen weiß schimmernden Metall gefertigt, wie Tidus' Rüstung, die sie und Yerodin ihm geschenkt hatten. In dem kleineren, ihrem Ring, saß ein Diamant und im Innern der Ringe war die Gravur zu erkennen. Verträumt saß sie eine Weile dort, den Blick auf die Ringe gerichtet und gab sich ganz ihrer Freude hin.
Sie hob die Hand an und wollte die Ringe berühren, als sie plötzlich in der Bewegung erstarrte. Eine eiskalte Hand hatte ihr Herz umgriffen und drückte zu. Sie konnte kaum atmen und eine Welle der Panik erfasste sie. Das Kästchen fiel ihr aus der Hand als sie sich taumelnd von dem Hocker erhob und zur Treppe lief, diese hinunter eilte und aus der Tür der Vogtei in die mittlerweile dunklen Straßen Breitensteins hinausrannte.

Feldzug gen Immernacht

Verfasst: Dienstag 28. Februar 2012, 10:29
von Tidus Lucius Alarian
Als Kerum ihm von seinem Vorhaben erzählte nach dem Ursprungsland des Glaubens zu suchen, hatte er sich einige Zeit genommen darüber nachzudenken. Im Tempel der Temora zu Breitenstein welchen sie mühsam nach dem feigen Anschlag der Dämonenpaktierer wieder errichtet hatten fand er stets ruhe. Auf seinem Weg durch Breitenstein setzte er wie gewohnt seine Maske aus Emotionslosigkeit auf . Er konnte dieser Stadt nichts abgewinnen. Regiert von einem Mann, dem Patrizier, dem der Handel mehr zu bedeuten schien als das wohl seiner Bürger. Es gab einiges über dass er nachdenken musste. Das vorhaben Nivenor zu verlassen, der Feldzug nach Immernacht diesem Moloch voll Intrige und Frevel in der Unterstadt und die bald anstehende Hochzeit mit Alienor beschäftigten den Anfang dreißig jährigen Paladin.

Als er den Tempel erreichte atmete er tief durch. Hier war einer der wenigen Orte in dieser Stadt an dem er einfach sein konnte wie er war. Ein Mensch mit Schwächen und Sorgen. Hier erwartete niemand die absolute Stärke und distanzierte, diplomatische Art, die er als Hochmeister des Ordens nach aussen für das weltliche Geschehen geben musste. Ein tiefes Nicken zur Statue der Temora ehe er sich in den hellen Hallen auf beide Knie niederließ um in Demut sein Haupt zu senken. Stunden verbrachte er dort, sinnierend über die kommenden Tage und zu treffenden Entscheidungen um diese Gedanken nur immer wieder durch stille Gebete an die Schwertmaid zu unterbrechen.
Erst in den frühen Abendstunden erhob er sich wieder, seine Gelenke schmerzten ihn bereits als er die gesegneten Hallen wieder verließ. Er hatte einige Entscheidungen getroffen und diese bedürften raschen Handelns.

Alienor weihte er persönlich ein und Tidus war sichtlich erleichtert als seine Verlobte einwilligte Nivenor mit ihm zu verlassen, doch bevor sie dies tun wollten, wollten sie den gebeutelten Einwohnern der Handelsstadt einen letzten Dienst erweisen.

So verfasste er ein Schreiben an seine Luciaten, sich zu rüsten. Er würde sie alle in diesen Straßenkampf in der Unterstadt führen. Lediglich zwei Initianten stellte er ab, den Ordenssitz und nicht zuletzt die Kinder von Katharina Herah von Salcaronez zu schützen. Der nächste Schrieb galt Ulfgar Trondredssohn seinem Inquisitor. Er würde in der Zeit der Abwesenheit des Paladins die Ordensgeschicke leiten. Der ominöse Vogt Immernachts erhielt ebenfalls einen Schrieb mit den Bedingungen die Tidus stellte und einer der Wachmänner Breitesteins, Rodrik Forge, welcher sich dort unten in der Dunkelheit einigermaßen auskannte wurde schriftlich gebeten als Führer dienlich zu sein. Der letzte Schrieb galt der adligen Kriegerin von Salcaronez selbst. Er weihte sie in die Geschehnisse um Immernacht ein und bat um Unterstützung bei diesem Vorhaben.

Es war schon tiefe Nacht als er sich schließlich neben Alienor ins Bett legte um zumindest noch einige Stunden Schlaf zu bekommen. Am nächsten Morgen gab er einem jungen Burschen die Schriebe für die verbündeten Truppen und den Vogt sowie ausreichend Gold, ehe er zum Hafen ging um das Schiff des Ordens, Cadabrans Licht nach Norhaven zum Ordenssitz überzusetzen. Dort angekommen gab er den anwesenden Luciaten die Order sich für den Feldzug vorzubereiten und am nächsten Tag in Breitenstein zu sammeln. Die Weisungen für Ulfgar und die anderen Luciaten hinterlegte er, ehe er begann das Schiff mit den im Ordenssitz vorhandenen und für die Seereise nötigen Ressourcen zu beladen. Am späten Mittag setzte er schließlich wieder nach Breitenstein über.
Kerum, Jascha und Alienor würden sich um die weiteren Vorbereitungen für die Reise kümmern.
Mittlerweile hatte die Ritterin von Salcaronez samt Gefolge ihren Beistand zugesichert. So ritt Tidus schließlich ins Lager der Adligen um dort das weitere vorgehen zu besprechen, ehe er sich an diesem Tag etwas mehr Schlaf gönnte.

Am nächsten morgen empfing er die Truppen des Ordens am Eingang der Stadt. Prüfte die Ausrüstung der Gläubigen. Er selbst hatte seine schwere Rüstung mit den Insignien Temoras angelegt. Er sammelte die Truppen schließlich und ging mit ihnen zum Tempel um dort einen letzten Segen zu erbitten und den Schlachtplan zu besprechen. Gegen wen genau man vorgehen würde war unsicher, aber wer es auch war, sie verbreiteten nicht nur Mord und Unheil in Immernacht, nein sie brachten dies auch in die Oberstadt nach Breitenstein. Er entschied sich deshalb mit dem Banner der Luciaten offen nach Immernacht zu steigen, zu provozieren und so den Feind auf den Plan zu rufen. Nachdem auch die Truppen Katharina Herahs eingetroffen waren formierten sie sich am Abgang gen Immernacht im Tempelviertel.
Rodrik führte den Trupp nach unten und diente vorzüglich als Führer in diesen ewig dunklen Gefilden.

Die Gassen dort unten waren eng und boten höchstens Platz für drei nebeneinander Marschierende. Tidus ließ die Krieger so marschieren, dass die Priester bestmöglich beschirmt waren. Das Banner der Luciaten ließ er offen tragen, während sie in ihren hellen Ordensgewändern gleich einem Triumphmarsch ein groteskes Bild in der finstren Unterstadt abgeben mussten.

Es schien alles sehr ruhig, die Straßen waren leergefegt. Schmutz und Unrat lagen in den dunklen Gängen und boten nicht nur für empfindliche Nasen einen widerlichen Geruch.
Sie bogen gerade um eine Ecke als ein Pfeil knapp an dem Trupp vorbei in den Boden schoss.
Einem Handzeichen des Paladins folgend formierten sich die Recken als weitere Pfeile in die erhobenen Schilde trafen. Aus einem scheinbar leerstehendem Haus stürmten die ersten Feinde. Die angreifenden Banditen und Meuchelmörder zerbarsten schier an der hochbewaffneten, lichten Truppe. Aus allen Ecken dieser Stadt schienen die Unholde und Aufsässigen zu stürmen.

„Weicht und ihr erntet Temoras Barmherzigkeit!“ Ertönte es immer wieder, doch niemand fügte sich diesen Worten um in letzter Konsequenz mit dem blanken Stahl gerichtet zu werden.

Sie hatten den ersten Angriff niedergeschlagen und patroullierten weiter durch die dunklen Gassen der Stadt. Immer wieder mussten sie den Angriffen der Unholde ein Ende setzen. Es gestaltete sich jedoch einfacher als erwartet. Die unformiert angreifenden Banditen konnten der kampferprobten und formiert vorrückenden Truppe der lichten Recken nur wenig entgegensetzen. Es dauerte nicht lange da war jeglicher Widerstand gebrochen und Ruhe kehrte ein in die Straßen.

Tidus wandte sich Rodrik zu und erhob die tiefe Stimme:
„Wir haben diesem Frevel auf den Straßen ein Ende bereitet. Richtet dem Vogt aus, dass wir in diesem leerstehendem Haus Quartier beziehen, rasten und morgen auch dem dämonischen Spuck in den Hallen der Paktierer ein Ende bereiten werden. Erinnert ihn an unsere Vereinbarung, der Vogt trägt Sorge dafür, dass diesen fehlgeleiteten eine ordentliche Bestattung zuteil werde, sodass sie nicht in Kra’thors Armen enden mögen.“

Rodrik nickte lediglich und begab sich auf den Weg die Botschaft zu überbringen. Er würde später wieder zu ihnen stoßen und ebenfalls in dem leerstehendem Haus Quartier beziehen. Die Nachtruhe würde nicht lang andauern, doch es galt sich zu stärken auf dass man morgen dem unheiligen treiben in den einstigen Hallen der Dämonenpaktierer Einhalt gebieten möge.

Der nächste Tag sofern man dies in dieser ewigen Dunkelheit überhaupt so nennen konnte brach an. Man sammelte sich wieder auf den Straßen Immernachts. Der Vogt hatte sein Wort gehalten, keine der Leichen lag mehr herum. Tidus nickte zufrieden. Auch das Banner unter Katharina Herah von Salcaronez hatte sich hervorragend geschlagen und ausser einiger Verletzungen gab es keine Verluste zu beklagen.

Man formierte sich neu und marschierte zu den verruchten Hallen der Dämonenpaktierer.
An den Eingangstoren angekommen offenbarte sich ein groteskes Bild. Aus den stählernen Toren begannen knöcherne, klauenbewehrte Arme zu wachsen die stets bereit schienen jemanden der zu Nahe kam zu greifen um ihn in die ewige Finsternis der Niederhöllen zu reissen.
Die Luciaten knieten nieder, stimmten gemeinsam und lautstark ein Gebet an die Lichtbringerin an. Nach einer Weile erhob sich Ulfgar der Priester des Ordens und ließ die gesammelte von Temora erbotene Kraft mit einer Geste seiner Arme in einer gewaltigen Explosion auf die verfluchte Türe niederprasseln.
Diese zerbarst und offenbarte das unsegliche innere der Hallen.
Mehrere niedere Dämonen stürmten ihnen sofort entgegen. Konnten jedoch unter leichten Verlusten niedergeschlagen werden.

Je tiefer man in diese Hallen kam desto grotesker wurden die Wesenheiten die ihnen entgegen stürmten. Die Schildmaid beschirmte ihre Recken an diesem Tage jedoch wohl besonders aufmerksam und so schlug der Trupp jegliches dämonisches Leben oder Unleben wie man es auch nennen möge nieder.
Im Thronsaal der Paktierer offenbarte sich dann das schlimmste Schauspiel. Neben weiteren Dämonen wankten die schon verwesten Kultisten einer Marionette gleich, der Truppe entgegen. Doch auch in diesem Raum schlugen sie die Feinde nieder.

Als schließlich der letzte Dämon mit einem schrillen Schrei sein leben aushauchte kehrte Ruhe ein.
Man atmete tief durch und sammelte sich wieder. Doch diese Ruhe schien trügerisch und unsicher. Als ein junger Initiant der Luciaten gerade prüfen wollte ob der Leib eines Dämonen wirklich leblos war, manifestierte sich hinter ihm ein Schatten zu einem gewaltigen, schwarzen, gehörnten und geflügelten Wesen mit einer Klinge in den tierischen Klauen. Bevor jemand reagieren konnte enthauptete der Dämon den Initianten mit einem Hieb und wurde wieder eins mit dem Schatten. Lediglich wenige Sekunden später tauchte er hinter Jascha wieder auf. Tidus der neben ihr stand schuckte die junge Kriegerin sofort beiseite. Der Stich der Klinge des Dämons der ihr galt traf nun jedoch Tidus. Die Klinge durchfuhr seine Rüstung und bohrte sich tief ins Fleisch und verursachte einen brennenden, stechenden Schmerz an der entstandenen Wunde am Rücken
Lediglich in der drehenden Bewegung gelang es dem Paladin dem dunklen Dämon eine Wunde mit der gesegneten Klinge zuzufügen ehe ihm schwarz vor Augen wurde und er leblos zusammensackte. Dieses Mal, wohl ob der Wunde durch die Klinge konnte der Dämon nicht einfach wieder in den Schatten weichen.
Nach einem harten Kampf gelang es den anderen schließlich den Dämon zu vernichten.

Sofort eilte Jascha zu Tidus. Er schien noch zu atmen und so schleppten sie den Verletzten sofort nach oben ans Tageslicht.
Als sie ihn den Aufgang nach Breitenstein hinauf trugen erklang bereits lauthals: „Der Hochmeister ist verletzt, macht Platz!“

Das Ende Immernachts

Verfasst: Dienstag 28. Februar 2012, 22:25
von Jascha Arlin
Der Stoß traf sie völlig unvorbereitet, da ihr Blick noch immer auf der Leiche ihres getöteten Ordensbruders lag, doch ihre lange geschulten Reflexe sorgten zumindest dafür, dass sie ihren Sturz abfangen konnte. Zunächst überrascht sah sie zur Seite und erkannte dann mit wachsendem Entsetzen die Szene die sich dort abspielte, wo sie selber soeben noch gestanden hatte. Nein! Ihr stummer Schrei dröhnte laut in ihrem Kopf wieder.
Sie stieß sich vom Boden hoch und rannte zu ihrem Schwertbruder, der zu Boden gesunken war. Sie sah wie der gewaltige Dämon zu einem weiteren Schlag ausholte, um den am Boden liegenden Paladin niederzustrecken. Nein! Sie sprang vor und ging neben ihrem gefallenen Bruder auf die Knie, riss ihren Schild hoch und fing den Schlag im letzten Moment ab.
Mein Schild soll fortan auch Tidus beschirmen!
Aus dem Augenwinkel nahm sie wahr, wie Kerum auf sie zustürmte. Aus ihrer Position hatte die Kriegerin kaum eine andere Möglichkeit als lediglich die Schläge weiterhin mit ihrem Schild abzublocken. Ein eigener Angriff war kaum möglich. Sie konnte nicht mit ihrem Schwert ausholen, sie konnte nicht aufstehen, da sie Tidus andernfalls schutzlos liegen ließ.
Wie mein Schwert an meiner Seite, stehe ich von nun an Tidus zur Seite!
„Verflucht Tidus“, knurrte sie halblaut und mit verzweifelter Stimme, „dein Schild, nicht dein Körper!“ Unter dem Schild drehte sie ihren Kopf ein wenig zur Seite und versuchte die Verletzung des Paladins einzuschätzen. Sie sog scharf die Luft ein. Der weiße Brustharnisch war regelrecht in Stücke gerissen und es trat sehr viel Blut aus der Wunde.
Kerum drängte indes den Dämon mit seiner geweihten Klinge zurück, sodass Jascha sich wieder erheben konnte. Nach einem weiteren kurzen Blick auf ihren schwerverwundeten Bruder stürmte sie mit einem wütenden Aufschrei auf den Dämon zu. Kurz bevor sie dem Wesen ihre Klinge in den Leib rammen konnte blendete sie ein greller Lichtblitz der das Ungeheuer versengte. Es stieß einen Schrei aus, der in den Ohren schmerzte und panische Angst und Verzweiflung weckte. Kurz stockte die Kriegerin in ihrem Angriff. Dann besann sie sich auf ihre Göttin, die stets ihren Mut stärkte. Während sie ihren Angriff fortführte rezitierte sie ein Gebet an die Herrin, jede Zeile ein Schlag:

Meine Herrin Temora,
Dein Herz kennt kein Zagen, dein Mut keine Grenzen,
du bist gänzlich ohne Furcht und in allem voller Entschlossenheit.
Du bist die Herrin der Kühnheit und der Quell allen Mutes!
Lass mich sein wie du! Rüste mich aus mit Tapferkeit!
Verleih mir ein festes Herz und den Mut des Adlers.


Schließlich gelang es den restlichen Verbündeten mit ihren letzten Kräften den Dämon endgültig in die Schatten zurückzusenden aus denen er sich manifestiert hatte.
Sofort wandte sich Jascha wieder ihrem Schwertbruder zu und fiel neben ihm auf die Knie.
Wenige Herzschläge später war Ulfgar an ihrer Seite und begann ein Gebet zu intonieren. Licht formte sich um seine Hände, welche er über die schreckliche Wunde auf Tidus Rücken hielt. Doch selbst mit der Kraft der Herrin gelang es ihm nicht die Wunde gänzlich zu heilen. „Dieser dämonisch verseuchte Ort hat einen negativen Einfluss auf seine Heilung“, erklärte der Priester. „Dann schaffen wir ihn sofort hier heraus“, brüllte Jascha die Umstehenden an und machte sich bereits daran ihren gefallenen Bruder anzuheben.

Als sie gemeinsam den Hochmeister wieder durch den Aufgang nach oben auf die Straßen Breitensteins hoben hatte sich die Nacht über die Stadt gelegt.
Kurz versteifte sich die Kriegerin, als sie einen dunklen Umriss auf dem Boden vor dem Abstieg wahrnahm. Es regnete stark und die Wolken verhüllten das Licht des Mondes und der Sterne. Die Gestalt saß mit dem Rücken zum Licht der nächsten Laterne. Jascha griff schon nach ihrem Schwert und war bereit sich nun schützend vor Tidus zu werfen, als die Gestalt sich bewegte und sie das Gesicht der Person schließlich erkannte.
Keinen Gedanken hatte sie bisher an Alienor verschwendet und daran was Tidus Tod für sie wohl bedeuten würde. Sie kannte die Frau kaum und interessierte sich auch herzlich wenig für sie. Doch als sie nun in ihr Gesicht blickte und den Ausdruck von Angst und Verzweiflung in ihren Augen entdeckte trafen sie die Schuldgefühle und Selbstvorwürfe erneut wie ein harter Schlag. Sie wandte den Blick ab.
„Lauft und weckt einen Heiler. Ulfgar benötigt Unterstützung“, knurrte sie die andere Frau an. Diese schien kurz hin und her gerissen, ihren Blick auf ihren schwerverwundeten Verlobten gerichtet, ehe sie sich losriss und durch die dunklen Straßen Breitensteins davon rannte.

Als Jascha mit den restlichen Verbündeten nun durch die Straßen des nächtlichen Breitenstein lief, verschwamm ihre Sicht und mit einer unwirschen Geste wischte sie sich die Nässe aus den Augen. „Verfluchter Regen“, schimpfte die Kriegerin murmelnd vor sich hin während sie ihren verletzten Schwertbruder mit schnellen Schritten gen Heilerhaus trug.

Aufbruch in eine neue Welt

Verfasst: Mittwoch 29. Februar 2012, 21:08
von Alienor Danyasri
Wir haben seine Wunden versorgt. Nun bleibt uns vor erst nichts anderes als zu beten und abzuwarten.
Eine fürsorgliche doch auch leicht besorgte Stimme, fast fremd.

Es tut mir leid.
Eine halb erstickte Stimme, die Worte fast geflüstert.

Alienor, du solltest dich ausruhen, ich werde in der Zeit bei ihm bleiben.
Eine vertraute, etwas beunruhigte Stimme. Eine mitfühlende Hand auf ihrer Schulter. Dann ein leises Seufzen.

Gibt es schon irgendeine Veränderung?
Eine bekannte Stimme. Besorgt, aber auch sachlich.

Wie lange ist sie schon hier?
Von Anfang an und die ganze Zeit über weicht sie nicht von seiner Seite.

Zwei leise murmelnde Stimmen auf der anderen Seite des Raumes.

Immer wieder kamen Menschen in den Raum. Manche warfen nur einen kurzen Blick hinein, andere blieben länger. Manche sprachen, andere wiederum blieben still.
Langsam senkte sich erneut die Dunkelheit der Nacht über das Krankenzimmer, jemand kam und entzündete eine Kerze. Die Kerze verlosch und langsam kroch das Licht eines neuen Morgens wieder durch das Fenster in den Raum und erhellte die Schatten.

Alienor nahm all dies kaum wahr. Sie saß wie betäubt neben dem Lager auf dem ihr Verlobter noch immer bewusstlos lag und mit dem Tod kämpfte. Lediglich wenn sich jemand Tidus näherte erwachte sie aus ihrer Lethargie. Bis auf die Priester lies sie niemanden sich um ihren Verlobten kümmern. Sie bestand darauf ihn selbst zu versorgen, soweit es in ihrer Macht lag.
Wie viel Zeit war vergangen? Sie registrierte kaum wenn sich ein Tag dem Ende zuneigte oder sich das Licht eines neuen Morgens zeigte. Die Tage und Nächte verschwammen, ihr Blick allein auf den Mann gerichtet den sie liebte. Zu viel Angst hatte sie davor von seiner Seite zu weichen oder auch nur die Augen zu schließen. Sie konnte ihn nicht verlieren. Alienor konnte sich ein Leben ohne Tidus nicht mehr vorstellen, wusste nicht wie sie die Kraft dafür finden sollte, wenn er nicht mehr an ihrer Seite war.
Wieder stiegen Tränen in ihren Augen auf und sie schluchzte leise, bis sie es schaffte zumindest das Geräusch zu unterdrücken. Sie wollte sich so gerne an ihn schmiegen und in seiner Nähe Trost finden, doch wagte sie kaum ihn zu berühren. So beugte sie sich lediglich auf ihrem Hocker vor und lehnte ihren Oberkörper an den äußersten Rand seines Krankenlagers, ihren Kopf neben den seinen gelegt und sah ihn an. „Öffne deine Augen, Liebster, bitte!“ flüsterte sie leise und verzweifelt.

Eine leichte Berührung an ihrer Wange weckte sie. Für einen Augenblick drohte erneut Panik in ihr aufzusteigen. Sie durfte nicht schlafen! Sie schlug die Augen auf und sah in grüne, ihr so vertraute Augen, voller Zuneigung und Schatten, die wohl nie gänzlich verschwinden würden. Ich träume noch, dachte Alienor und blinzelte. Da nahm sie erneut die Berührung an ihrer Wange wahr. „Du hast geweint, meine Drachentaler Blüte“, hörte sie Tidus Stimme leise murmeln, noch ganz rau so kurz nach dem Erwachen. „Tidus?“ flüsterte sie noch etwas ungläubig, aber voller Hoffnung, ehe die Welle der Erleichterung, der Dankbarkeit und des Glücks sie ganz erfasste.

Wenige Tage darauf konnte Tidus das Krankenlager für einige Zeit verlassen und die ersten vorsichtigen Schritte gehen.
Cadabrans Licht lag noch immer im Hafen Breitensteins vor Anker, schon seit Tagen bereit zum Auslaufen. Die bestellten Nahrungsmittel waren an Bord gebracht worden, ebenso wie das Gepäck der Reisenden. Die Mannschaft hatte sich stur bereitgehalten und nicht daran gezweifelt, dass Tidus wieder gesund werden und die Reise stattfinden würde.

Alienor stand am Heck des Schiffes. Der Wind zerzauste ihr offenes Haar und sie sah zurück auf die Küste, die immer schwerer zu erkennen war. Ob sie Nivenor wohl jemals wieder betreten würde? Schon zum zweiten Mal verlor sie nun ihre Heimat. Doch die Schwermut die sie noch während ihrer Vorbereitungen gefühlt hatte kehrte nicht zurück. Zu deutlich standen ihr noch die Verlustangst und Verzweiflung der letzten Tage vor Augen. Was war schon der Verlust eines zu Hauses, wenn alles was sie wirklich brauchte an ihrer Seite war.
Sie wand sich vom Heck des Schiffes ab und ging an der Rehling entlang zum Bug von Cadabrans Licht, den Blick nun zum Horizont gerichtet und in Richtung der neuen Ufer denen sie entgegen strebten.

Verfasst: Samstag 3. März 2012, 17:50
von Rodrik Forge
Zwischen Licht und Dunkel

Es ist ein kalter Morgen, an dem Rodrik aus dem Gemeinschaftshaus in Bajard, in welchem er Quartier bezogen hat, hinaus in den Schnee tritt. Noch dämmert der Tag erst, kaum Bewegung auf den verschlammten und vereisten Wegen dieser kleinen Ansiedlung. Im Gemeindehaus schien auch noch niemand wach zu sein, es roch nach kalter Asche, kaltem Fett vom Abendmahl und nach Leuten, die hart arbeiten.
Er schlägt den Kragen des Mantels hoch, zieht den Umhang fester um den Leib und macht sich so auf den Weg, den Ort in dem er nun gestrandet war und dessen Umland zu begutachten, lediglich begleitet vom Geräusch des knirschenden Schnees unter seinen Stiefeln. Beim Betrachten der noch menschenleeren Gassen steigen unvermittelt Bilder der Erinnerung in ihm auf.

"Wir sind bereit, führe uns hinab." forderte Tidus Lucius Alarian, Anführer des Ordo Lucis Alae.
Der hagere Mann, ehemaliger Söldner mit einem von Brandnarben entstellten Gesicht umrahmt von rabenschwarzem Haar, der diesmal nicht den ihm gehörenden Rock der Stadtwache, sondern eine viel besser zu ihm passende, einfache Rüstung trug, blickte erst über die gewappneten Luciaten, dann sah er zu Tidus, nickte knapp und schlug die Tür zu dem Verschlag mit dem verborgenen Eingang auf.
Dort nahm er eine Fackel von der Wand und stieg, wie es der Auftrag und die Abmachung vorsahen, als erster hinab in die ewig dunkle Stadt, über der sie lebten.

Die Gänge schienen ihm diesmal weiter als gewöhnlich. Doch mochte das durchaus nur an der erhöhten Wachsamkeit liegen, oder, er brauchte ein paar Augenblicke um dessen gewahr zu werden, weil die Gassen und Gewölbe wie leergefegt waren - leerer als sie es sonst eh schon zu sein pflegten.
Natürlich wusste Immernacht, was die Stunde schlug. Es wusste immer Bescheid, davon lebte es ja.

Er warf einen Blick zurück, die Ordensstreiter schienen dasselbe zu spüren, sie waren wachsam bis aufs Äußerste, dabei aber gespannt, nicht furchtsam. Das war gut. Angst witterte man hier unten recht schnell, besonders jene, wegen denen sie herabgestiegen waren. Sie konnten fast sicher sein, dass jeder, der mit diesem Konflikt weder zu tun hatte, noch zu tun haben wollte, sich nicht blicken lassen würde, was die Sache einfacher machte.

Der erste Zusammenstoß ließ kaum lange auf sich warten. Ein Pfeil aus dem Hinterhalt kündigte ihn an. Rodrik verzog das Gesicht zu einem bösen Grinsen. Endlich. Er war Soldat, Söldner, und wie jeder von ihnen, hasste er das Warten, die Ruhe vor dem Sturm. Er hörte mit halbem Ohr die Befehle des Temoraners. Ihre Befehle wie deren Befolgung waren eingeübt, genauso instinktiv gesellte sich Rodrik an den Rand der "Schlachtordnung", und dann begann das Handwerk, wie man es gelernt, in hunderten Übungsstunden und etlichen blutigen Gefechten zu einer instinktiven Reihenfolge von Aktion und Reaktion exerziert hatte. Alles lief wie von selbst, jeder wusste was er zu tun hatte, wo er zu stehen hatte. Auch wenn der Feind nur Mob und keine Krieger waren, so waren sie umso gerissener, hinterhältiger. Jede der Seiten kämpfte auf ihre Weise, niemand gewährte Gnade. Denn dies war kein Gefecht, sondern ein Gemetzel. Eine "Schlacht" hätte wohl kaum jemals treffender beschrieben werden können, als dieses Gerangel, Gehacke und Verstümmeln auf engstem Raum mit verbissenstem Mut.

Für die einen ging es hier darum das Dunkel zu bekämpfen, Mob und Marodeure, die vor nichts abschreckten. Für eben jene ging es um ihr Revier und ums blanke Überleben.
Und für Rodrik, den Offizier der Stadtwache, inoffiziellen Mittelsmann des Vogtes dieser Unterstadt? Für ihn ging es um mehr als das.
Es ging darum das Gleichgewicht wieder herzustellen, unausgesprochene Gesetze zu wahren und verteidigen, es ging um seine Verbindung zu der Stadt hier unten ebenso wie um seine Stellung sowohl in Breitenstein, als auch in Immernacht. Für ihn ging es um Ruf und Leben.

Und so kämpfte jede Seite bis aufs Letzte in jedem einzelnen der folgenden Scharmützel.

Zum Glück gehörte er zu jenen Letzten, die später noch darüber sprechen konnten.
Die Luciaten quartierten sich in einem leerstehenden Gewölbe ein, sie hatten für ihren Feldzug noch eine weitere Mission vorgesehen.
Ihm, dem Vogt, war das nur Recht, so würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Als Tidus Rodrik aufforderte, diesen Vogt zu benachrichtigen, machte er sich auf den Weg, genau das zu tun und kehrte erst in den Morgenstunden, nach getaner Arbeit, während in den tiefen Gruben die Leichenfeuer brannten, wieder zu den Streitern Temoras zurück, um an ihrem letzten Kampf teilzunehmen.
Rodrik hasste diesen Ort - den Tempel, den sie nun betraten - er kannte ihn nur allzu gut. Das Feuer das hier wüten sollte, wollte er unbedingt mit entfachen...



Er hält inne, am Wachfeuer hinter der Palisade Bajards angekommen, blickt in die Flammen, sieht dann über den verwahrlosten Wall.
Es hatte sich alles so entwickelt, wie es sollte - und war dann doch ganz anders gekommen.
Er hoffte die Luciaten, ohne seine Gründe zu nennen müssen, auf Ihrer Reise begleiten zu dürfen. Und nun steht er hier, mit matschigen Stiefeln, einem gliehenen Mantel, knöcheltief im Schnee, innerhalb einer Wehranlage, die den Namen nicht verdiente.

Doch so wie es sein Schicksal zu sein schien, immerwieder neu beginnen zu müssen, so war es auch seine Art, sich diesem kühl zu stellen.
Während die Luciaten von dem Ort in dessen Nähe sie gestrandet waren, bereits in die große Stadt aufgebrochen waren, dort die Fühler auszustrecken, hatte er sich bereits recht schnell entschieden, es in dieser Siedlung zu versuchen.
Arbeit gibt es ja augenscheinlich genug.