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Drachen wollen fliegen und manchmal auch gezähmt werden

Verfasst: Montag 6. Februar 2012, 16:21
von Fareeda
„Sei im Kampf wild und unbrechbar, doch zuhause eine Natifah“


Das waren die Worte, die ihr zukünftiger Mann an sie gerichtet hatte. Fareeda wusste, wie sie gemeint waren und sie wusste auch, warum Radeeh diese zu ihr gesagt hatte. In den letzten Tagen waren sie des Öfteren aneinander geraten. Unter anderem auch deswegen, weil sie beide einen ziemlichen Dickkopf hatten und keiner nachgeben wollte. Ein ewiges Kräfte messen wo sie zwangsweise unterliegen würde. Nicht, weil sie nicht das nötige Durchhaltevermögen hätte. Nein. Sondern schlicht und einfach, weil sie eine Frau war. Innerlich zerrissen zwischen den Traditionen und Bräuchen ihres Landes und der Heißblütigkeit und Kampfeslust ihres Temperamentes. Jeder andere Mann hätte wohl schon längst die Geduld verloren mit ihr. Doch er nicht. Radeeh betonte auch immer wieder, dass er nicht wie andere Männer war und manche Dinge eben anders sah. Ebenso ließ er ihr viele Freiheiten. Im Prinzip konnte sie tun und lassen was sie wollte, solange... ja...solange sie sich oder ihn nicht in die Bredouille, in Erklärungsnot brachte. Solange sie dem Ansehen ihres Mannes und der Familie nicht schadete. Nichts lag ihr ferner als der Familie Schande zu bereiten, doch sie kannte auch die Meinung anderer zu ihr. Nicht zuletzt, weil Samir seine Meinung in ihrem Beisein kund getan hatte. Innerlich hatte sie gekocht und hätte am liebsten mit den Zähnen geknirscht und ihm IHRE Meinung gesagt. Einzig Radeehs Beisein hatte sie davon wohl abgehalten. Doch die Worte hallten in ihrem Kopf wieder. Die Quintessenz daraus war, dass man ihr keine Entscheidungsgewalt zutraute, ebenso wenig auch die Fähigkeit, sich ihrer Haut selbst zu erwehren. Wozu hatte sie nun schon Jahre in ihre Ausbildung investiert? Radeeh bemerkte wohl ihre Laune und versuchte die Worte etwas abzuwiegeln und sie zu verteidigen, doch gesagt war gesagt. Wenn sie daran dachte, kochte immer noch die Wut in der jungen Menekanerin hoch. Es brachte sie dazu, zu rebellieren und somit einen weiteren heftigen Streit mit Radeeh auszutragen. Einzig die deutlichen Worte ihrer Schwester hatten sie zur Besinnung gebracht. Wie ein geprügelter Hund schlich sie wieder zu ihm hin und ließ die Standpauke über sich ergehen. Lautstark und überdeutlich. Ein Wink von ihm und sie war entlassen. Aufgewühlt und nachdenklich suchte sie den Weg zur Oase und ließ sich am Wasser nieder. Lange hatte Fareeda dort gesessen und nachgedacht, ehe sie in den Laden zurückkehrte, wo zu diesem Zeitpunkt pures Leben herrschte. So viele waren dort. Abaan, Radeeh, Kaaina und Maryam. Aufgrund der derzeitigen Situation zog sie es vor sich leise und unauffällig neben ihre Schwester zu setzen. Irgendwann schweifte sie in Gedanken ab und als sie wieder einigermaßen zu sich kam, war nur noch Radeeh im Raum, der sie kurz musterte und dann sachte neben sich auf das Kissen klopfte. Mit gesenktem Kopf und stumm folgte sie diesem Wink und ließ sich neben ihm nieder. „Schließe die Augen und strecke deine Hand aus.“ Die Worte waren ruhig und nicht unfreundlich. Die junge Menekanerin tat, wie ihr geheißen und spürte, wie er etwas kühles und festes in ihre Hand legte und diese darum schloss. „Nun kannst du die Augen wieder aufmachen, so du es willst.“ Langsam öffnete sie die dunklen, braunen Augen und blickte ungläubig in ihre Hand. Eine feine Kette mit einem Anhänger, der ein nur allzu bekanntes Bild zeigte: Es schien sie selbst zu sein mit einem Säbel in Kampfpose gegenüber einem geflügelten Dämonen. Dieses Bild war etwas, was sie selbst beschrieb, fast so gut wie der Drache auf ihrem Oberschenkel oder auf der Schwertscheide, die sie trug. Ihr fehlten schlichtweg die Worte. Mit so etwas hatte sie am Wenigsten gerechnet, nach dem doch heftigen Streit. Sie bedankte sich bei ihm und stellte ihren Stolz hinten an, der ja schon in den letzten Tagen eh gelitten hatte ohne Ende. Mit einfachen Worten entschuldigte sich die Säblerin bei ihrem Verlobten, sie wusste dass sie nicht die perfekte Frau war, dass sie viele Fehler beging und ähnliches. Er sah sie nur ruhig an, bis sie geendet hatte ehe er ihre Worte revidierte. Für ihn war sie die perfekte Frau und er liebte sie, nur es gab eben auch Dinge, die er gar nicht mochte und dazu gehörten die ständigen Auseinandersetzungen und das ewige Kräfte messen. Er sei kein Mann, der alles durchgehen ließe wie andere. Sie hätte schon so viele Freiheiten und er duldete viele ihrer Eigenarten, doch irgendwann war auch bei ihm Schluss und sie sollte sich in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht im Kampf sind, so verhalten, wie es sich einer Natifah Menek'Urs gehört. Er wolle keinen halben Mann an seiner Seite. Er braucht eine Frau und wenn sie heiraten wollen, so musste die junge Frau es einsehen. Nachdenklich verließ sie ihn wieder nach dem Gespräch.

Als sie am späten Nachmittag wieder kehrte, wollten sie zu einer Jagd aufbrechen, doch der Anblick Nazeeyas, wie sie scheinbar verwirrt und abwesend durch die Gassen der Stadt lief, brachte sie von ihrem Vorhaben ab. Sie folgten ihr in den Tempel und fanden sie schließlich im dortigen Keller Die Kette um ihren Hals fiel ab, der herzförmige Anhänger war gebrochen. Anscheinend war es zu Ende mit Samir und Nazeeya. Behutsam brachten die beiden Säbler die Freundin zurück in ihr Haus, doch wurden sie dann fortgeschickt. Die Priesterin wollte niemanden um sich haben. Mit beschwerten Herzen und Sorgen saßen Radeeh und Fareeda noch eine Weile zusammen, ehe sie sich doch dazu entschlossen, jagen zu gehen. Ablenkung war hier wohl das Zauberwort. Es gelang, wenn auch nur vorerst.

Viel später dachte sie an die Symbolik, die ihr anhaftete. Die ihr unter der Haut steckte. Drachen waren von je her faszinierend für sie gewesen. Kein sonstiges Wesen übte eine solche Anziehung auf sie aus. Es schmerzte sie, wenn sie eines dieser stolzen Wesen auf dem Boden liegen sah. Vielleicht oder auch gerade wegen diesem Gefühl, dass sie bei diesen Wesen hatte, fühlte sie sich ihnen verbunden. Sie konnte, wenn sie wollte, genauso Feuer spucken und die Krallen ausfahren im übertragenen Sinne wie diese. Siraaj hatte ihr schon früh das silberne Drachenarmband gefertigt, was sie immer trug. Eine Narbe eines Kampfes war bedeckt mit einer Drachentätowierung und sie trug eine Schwertscheide mit einem eingestickten Drachen. Auch Radeeh waren diese Parallelen aufgefallen und für ihn war sie eine Aufgabe, die er bewältigen musste. Einen Drachen zähmen. Es schlägt viele Wunden, sowohl bei dem der zähmt, als auch bei dem zu zähmenden Wesen. Doch wenn es gelingt hat hat man einen treuen Begleiter, ein Wesen was einen mit allem schützt, was es hat und ein Wesen dessen Liebe ein immerwährendes Feuer ist. Sie war ein Drache und sie war stolz darauf.

[img]http://img6.imagebanana.com/img/lvwb4tt9/Drache.jpg[/img]

Verfasst: Dienstag 14. Februar 2012, 09:09
von Fareeda
"Die Luft ist süß und streichelt
Die schlimmsten Schmerzen weg
Ein Blick in deinen Spiegel zeigt
Ich brauche kein Versteck"


Etwas schlaflos saß sie an diesem Morgen an dem Tisch in ihrem Haus. Der Tee in ihren Händen gab ihr etwas um ihre Hände zu beschäftigen und um die Eindrücke, der letzten Tage und vor allem der letzten Nacht für sich zu sortieren und einzuordnen.

Es war zwei Tage her als Radeeh zu ihr kam und mit ihr reden wollte. Scheinbar hatte die Brut des Drachen für Aufruhr gesorgt auf dem Basarplatz und scheinbar hatte er danach ein langes Gespräch mit Nazeeya. Ganz konnte die junge Menekanerin noch nicht verstehen, was das ganze für einen Sinn grade hatte, doch die nächsten Worte ließen sie vor Erstaunen und Überraschung sprachlos werden. Scheinbar hatte dieser erneute Angriff Radeeh dazu bewogen, die Hochzeit doch vorzuziehen jetzt in diese Zeit und vor allem: auf einen Tag später. Sie sollte sich bereit halten, ihr schönstes Kleid tragen um zu heiraten. Aber nur so fern sie wollte. Bei Eluive...und wie sie das wollte. Sie redeten so oft davon und sie beide empfanden es des Öfteren als eine Last es noch nicht zu sein. Natürlich stimmte sie dann dem Ganzen zu. Doch spürte sie auch einen anderen Hintergrund ausser dem, dass sie sich liebten. Niemand wusste, wie es mit diesem Drachen ausgehen würde, wer überleben würde. Sie dachte es und Radeeh sprach ihre Gedanken aus. Fareeda verdrängte es in die hinterste Ecke ihres Kopfes. Sie wollte nicht darüber nachdenken was wäre, wenn sie oder Radeeh sterben würden. Sie wollte sich jetzt freuen und den nächsten Tag begehen. Vorsichtig lehnte sich die Säbelschwingerin an ihn an und spürte, wie seine Arme sie umfingen. Tröstend und haltend zugleich. Nach einer Weile schliefen sie so auch ein.

Am nächsten Tag löste sie sich von ihm, der noch friedlich den Schlaf der Gerechten schlief und begab sich auf die Suche nach einem passenden Kleid für den Anlass. Nach und nach wurde alles ausprobiert, anprobiert und verworfen. Erst zum Schluss fand Fareeda ein Kleid, was dem Anlass gerecht wurde. Doch das Färben des Kleides in den typischen Sandtönen stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. Im Endeffekt war das Kleid mehr weiß als sandfarben. Weiß war überhaupt nicht die Farbe, die sie heute Abend tragen wollte. Sie ging ja schließlich nicht auf eine Beerdigung. Ihre Rettung war Maryam, die ihren Kopf zur Tür herein streckte. Mit ihr zog sie sich in die obere Etage des Ladens zurück und sie arbeiteten an den Sachen. Nach und nach erhielt das Kleid dann einen dunklen Sandton und Maryam ließ es sich auch nicht nehmen noch ihr Tuch besticken zu wollen mit kleinen perlmuttfarbenen Perlen. Sie wusste aber nicht wofür das alles war. Radeeh war in der Zwischenzeit erwacht und ebenso war eine Festländerin im laden, die ihn sprechen wollte. Beide saßen nun unten und Fareeda gesellte sich zu ihnen, nachdem ihre jüngere Cousine fort war. Die Stunden des Tages vergingen nur langsam und wenn es möglich gewesen wäre, hätte sie wohl einen Graben in den Boden ihres Hauses gelaufen. Als dann endlich die Abenddämmerung herein brach ging sie wieder zurück in den Laden. Überrascht war sie über die Anzahl der Leute und auch über die Personen selbst. Abaan und Radeeh, sowie Samir und Asiya. Ein Gruß wurde gewechselt, als ein sachtes Klopfen an der Tür sie auch schon auf den Plan rief. Als sie diese öffnete und Nazeeya vor sich stehen sah, dachte die Menekanerin schon, dass es nun ganz chaotisch wurde. Sie spürte die Anspannung im Raum zwischen dem ehemaligen Paar, doch als sie mit der Priesterin und Freundin in ihr Haus ging, entspannte sich alles wider halbwegs. Ruhig saßen die beiden Frauen nebeneinander und als die Freundin zu sprechen begann musste Fareeda irgendwann unwillkürlich schmunzeln. Eine Entschuldigung für den Tag, wo sie fortgeschickt wurde von Nazeeya. Der Tag an dem Samir sie verlassen hatte. Beruhigend legte die Säbelschwingerin ihr die Hand auf die ihrige. „Ich habe es dir in dem Moment schon verziehen, als du es sagtest.“ Es war schon die Priesterin wieder lächeln zu sehen und sei es auch nur für diesen Moment. Sie freute sich auch darauf, dass sie die beiden verheiraten durfte in naher Zukunft, doch als Fareeda ihr sagte wie nah das war, verfinsterte sich ihr Gesicht etwas. Ob Radeeh glauben würde, dass sie sowas einfach aus dem Hut zaubere. Scheinbar schon. Sie wollte es wohl auch gleich mit ihm besprechen und so gingen sie wieder zurück. Im selben Atemzug als sie das Haus betraten, wollten Samir und Asiya es direkt verlassen. Er schien zu flüchten vor dieser Situation. Etwas unschlüssig stand Fareeda da. Sie und Radeeh hatten sich schon oft gestritten und doch rauften sie sich immer wieder zusammen, wenn jeder seine Bedenkzeit deswegen hatte. Doch Samir und Nazeeya hatten sich nur einmal gestritten und die Liebe war daran zerbrochen. Unverständlich in den Augen der jungen Menekanerin. Auch Abaan war im selben Moment gegangen ohne zu wissen, was heute Abend vor sich gehen sollte. Während dem Gespräch kam Jumanah in den Laden und wollte direkt wieder flüchten, als sie merkte, dass hier ein besonderes Gespräch im Gange war. Einzig die vereinte Meinungskraft von Nazeeya, Radeeh und Fareeda selber brachte sie dazu zu bleiben. Erst als sie aufgefordert wurde ein Kleid anzuziehen dämmerte es ihrer Cousine wohl und mit dem Einwand „Nur für Fareeda mache ich das!“ tat sie auch, wie ihr geheißen. Nazeeya war schon vorgegangen zum heiligen Berg und nun folgten die Drei ihr dann auch dorthin. Die Priesterin war an sich schon eine schöne und auch eindrucksvolle Frau, doch der Stab und die Robe verdeutlichten diesen Effekt noch um einiges. Langsam und mit zugegebenermaßen auch wackligen Beinen ging sie, von Radeeh geführt, vorne zum Altar hin. Jumanah platzierte sich hinter ihnen. Die Bitte sollte vorgetragen werden, weswegen wir gekommen waren. „Wir wollen vor Eluive unsere Treue geloben.“ Beiden wurde einzeln ein Schwur abgenommen. Ein alter, traditionsreicher Schwur, wie Fareeda bemerkte als sie an der Reihe war. Haushalt und Kinder war ihr Part. Zu gerne hätte sie sich in dem Moment umgedreht um Jumanahs Gesicht zu sehen als sie, Fareeda, diesen Schwur leistete. Jumanah fungierte als Zeugin dieses noch heimlichen Momentes. In dem Moment, als die Trauung quasi ihren Höhepunkt erreichte, schloss sich ein Band aus Licht und Sand um die Hände von ihr und Radeeh. Da sie keine Ringe hatten, gab ihnen Nazeeya ihre Herzkette. Es schien, als würde diese den Sand und das Licht aufsaugen. Der Riss in ihr heilte und sie strahlte wieder in dem satten lichten Ton, wie zuvor. Ein Symbol für ihre Liebe. Mit ruhiger Stimme und einem vergnügtem Blick meinte die Priesterin dann noch, dass sie am nächsten Tag kommen würde um das Laken abzuholen. Wenigstens wurde es so nicht an die Wand vor dem Haus genagelt. Das ersparte Fareeda wohl, diesen Tag ganz im Haus verbringen zu müssen. Da es keine Feier gab zum jetzigen Zeitpunkt, begleitete Jumanah die beiden zu ihrem Haus und verabschiedete sich dann. Als sie eintraten, taten sie dies als verheiratetes Paar. Als Ehepaar. Schnell huschte Fareeda noch in die Küche nebenan und holte etwas zu essen, ehe sie sich am Tisch niederließen. Ein leises Klopfen riss beide aus dem ruhigen Moment, doch als Fareeda die Tür öffnete, war dort niemand, nur ein kleiner Korb mit allerlei leckeren Sachen. Innerlich konnte sich die Säbelschwingerin schon denken, woher dieser Korb kam, doch schwieg sie darüber. Schließlich hatte sie es Jumanah versprochen über ihre Kochkünste kein Wort zu verlieren. Als es langsam an der Zeit war hinunterzugehen hob Radeeh sie auf seine Arme, im letzten Moment schnappte sie sich da noch den Essenskorb und sie gingen in den Keller, wo der Kamin ruhig vor sich hin glühte und es sehr gemütlich war. Vorsichtig wurde sie auf einem Kissen abgesetzt. Der Korb wurde an die Seite gestellt für eine eventuelle Stärkung. Zärtlichkeiten wurden ausgetauscht und nach und nach verschwanden auch die Kleidungsstücke, bis sie wie Eluive sie geschaffen hatte vor ihm saß. Etwas unsicher wollte sie sich zunächst bedecken, doch ließ sie es. Sie spürte seinen Blick auf sich, wie er sie ansah. Die dunkle Haut, die schlanke Figur, die Tätowierung. Ebenso vorsichtig wie zuvor hob er sie sanft wieder hoch und legte die junge Frau aufs Bett. Die Hochzeitsnacht konnte kommen.

Jetzt saß sie hier, etwas unruhig rutschte sie auf ihrem Platz hin und her. Der kurze Schmerz war längst vergessen. Vorsichtig drehte sie die Tasse noch einmal in ihren Händen. War sie nun gezähmt? Eher nicht. Das würde noch eine Weile dauern. War sie an ihn gebunden? Ja, das war sie. Mit Leib und Seele. Und sie war gerne an ihn gebunden. Eine Hand legte sich auf ihren Bauch. Wie lange würde es wohl dauern, bis sie schwanger war und anfangen konnte das Muster ihrer Wand auswendig zu lernen? Darüber wollte sie in diesem Moment nicht nachdenken. Erstmal zählten sie und der vermeintliche Drachenzähmer namens Radeeh. Mann und Frau nun für ihr ganzes Leben. Nicht mehr einzeln, sondern zu zweit.



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Verfasst: Dienstag 14. Februar 2012, 10:37
von Radeeh
So hatte es sich Radeeh wohl nicht gedacht!
Erst der kleine Zwist mit dem Stadthalter den er etwas anstachelte, dann verschwand sein Bruder ehe er ihm die sein Vorhaben mitteilen konnte...... Einige Gedanken huschten dabei durch seinen Kopf als die Türe aufging und die beiden wichtigsten Frauen seines Lebens herein getreten waren. Stumm betrachtet er sie um dann rasch einen Grund zu suchen nochmals im Hinterzimmer zu verschwinden um etwas Ruhe zu erlangen vor dem Moment den er einst mit Angst vor Augen gesehen hatte, es aber mit der Zeit lernte, sich immer mehr und mehr damit anzufreunden. Ja sich sogar auf diesen Tag zu freuen.
Was ihn aber mitunter am meisten freute, das seine kleine freche und ungezogene Cousine auch zufällig hereingeschneit ist. Ein Wort gab das andere ehe sie sodann aufgescheucht wurde auch ein Kleid anzuziehen und sie dann zu dritt der geliebten Khaliq auf den heiligen Berg folgten. Auf dem Weg dahin schoss ihm immerwieder nur durch den Kopf was sein Bruder sagen würde. Wäre er sogar böse weil er nichts wusste? Aber es musste schnell gehen in Sorge darum das er sein Leben verlieren könnte im Kampf mit jenem Untier das schon seit Wochen die Stadt belagerte.

So kam es wie es kommen musste und es beider Wunsch war. Sie wurden vor Eluves Augen am höchsten und heiligsten Orte Menek'Urs getraut und wichtiger noch von der Priesterin deren beider Herz zum Teil gehörte und für sie ein Teil ihrer kleinen Familie war.
Wunderschön waren die Worte und die Schwüre die Nazzeya dabei beiden auferlegte und glücklich waren beide ebenso dabei. Ja sogar der kleine Frechdachs Jumanah war gerührt wenngleich er beim Schwur von Fareeda gerne ihr Gesicht gesehen hätte. So war es nun sie waren Mann und Frau und verliesen also solche den geheiligten Berg wieder um dann die Zweisamkeit zu suchen und ihre erste gemeinsame Nacht zu verbringen.

Verfasst: Dienstag 14. Februar 2012, 17:46
von Jumanah Alisha
Wie an jedem anderen Tag auch besuchte Jumanah wenigstens einmal ihre Familie im Bashirhaus. Als sie die Türe aufriss und einmarschierte entdeckte sie ihre Cousine Fareeda, Radeeh und die Khaliq beieinandersitzen und etwas besprechen. Erst gesellte sie sich zu den dreien, als sie jedoch merkte, dass es da um Wichtiges ging, das sie nicht betraf, wollte sie auf keinen Fall stören und die drei dabei alleine lassen. Jumanah konnte man vieles nachsagen, aber nicht, dass sie sich aufdrängte. Es kostete die drei wohl einiges an Überredungskunst doch zu bleiben.
Zögernd setzte sie sich wieder zu ihnen. Das Gespräch wurde nun fortgesetzt und Jumanah, die nun neugierig geworden, lauschte, konnte sich jedoch keinen Reim daraus machen. Erst als Radeeh sie aufforderte ein schönes Kleid anzuziehen, folgte sie diesem mit der Anmerkung, es nur für Fareeda zu tun.
Wer wußte denn schon wohin er sie führen wollte, bestimmt zu einer Besprechung auf dem Festland oder sonst etwas.
Nazeeya verabschiedete sich und mit dem Satz 'wir treffen uns auf dem Berg' wurde Jumanah sehr hellhörig.
Auf dem Berg?
Sie liebte diesen Ort und sie hatte dort schon einige Hochzeiten miterlebt...
Wollten die beiden etwa auch...?
Überlegend schlüpfte sie hastig in das schönste Kleid das sie in der Eile finden konnte, und schlenderte zurück zu Fareeda und Radeeh.
Auf dem Weg zum Berg merkte sie sehr wohl dass beide ziemlich nervös waren.
Nun hatten es doch die beiden geschafft, noch vor Cetem und ihr den Bund der Ehe einzugehen. Es war eine wunderbare Zeremonie und Jumanah betrachtete das Brautpaar entzückt.
Nur die Worte, die Nazeeya zu Fareeda sprach und deren Schwur, genau diese Worte einzuhalten, ließen Jumanah einen kleinen Moment zusammenzucken, doch sogleich fing sie sich wieder und blickte stumm nach vorne.
Nachdem sie die beiden nach der Zeremonie wieder nach Hause begleitet hatte, lief sie eiligst zu ihrem Haus, richtete ihnen einen kleinen Korb mit Leckereien. Sie stellte ihn vor ihre Tür, klopfte und so schnell sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden.

Ob wohl Cetem irgendwann auch diesen Schritt mit ihr wirklich wagen würde?
Sie war in dieser Frage hin und hergerissen. Sie fürchtete, diese Worte, die Nazeeya zu Fareeda sprach, nicht wahrheitsgemäß bejahen zu können, da sie sich nicht um 180° ändern würde können. Sie faßte den Entschluss mit Nazeeya darüber zu sprechen, denn lügen, nein das würde sie auch nicht. Vielleicht konnte man diesen Schwur ein wenig ändern, dass er auch zu Jumanah passte.
Cetems Worte würden wohl, wie schon so oft, beruhigend sein. Sie war sich sicher, dass sie mit ihm ihr Leben verbringen und alles teilen wollte...Da konnte kommen was wollte.

Verfasst: Dienstag 14. Februar 2012, 18:04
von Gast
Die Sonne ging über Menek’ur auf und Nazeeya saß mit ihrem Tee in der Hand auf dem Dach und betrachtete, wie die Sonne über der Wüste aufging.
Der gestrige Tag war ein Tag der ihr ewig im Herzen bleiben würde.
Sie streichte sich durch das kurz geraspelte Haar hindurch und konnte nicht anders als zu Lächeln. Ihre Lage war misslich und eigentlich war sie von Traurigkeit und Melancholie zerfressen. Aber gerade jetzt, jetzt war sie einfach nur glücklich und ihr Herz voller Freude und Harmonie.

Einen Schluck aus dem Tee nehmen lies sie den gestrigen Abend durch ihren Kopf huschen.
Den Moment im Bashirhaus mit Samir lies sie rasch durch ihre Gedanken rasen und hielt dann genau an dem Punkt an wo sie verkündete, dass sie die drei auf dem Berg erwarten würde in wenigen Momenten.
Es war der Moment wo klar wurde, dass der heutige Tag der Hochzeitstag von Fareeda und Radeeh werden würde. Sie war selbst überrascht gewesen, dass er ihr Angebot so schnell annahm, nicht einmal einen Tageslauf war vergangen.
Aber dies untermalte ihr nur noch mal, wie wichtig ihm Fareeda war und wie wichtig es ihm war, sie als seine Frau zu wissen in diesen schweren Zeiten.

Fareeda war wunderhübsch als sie den Berg hinauf kam, Radeeh an der Hand oder er mehr sie an der Hand. Das konnte man nicht so genau sagen. Denn für Nazeeya waren es beide starke Auren die auf sie zukamen, die sich überschatten wollten und sich dadurch zu einer großen Masse formten die sich verschmolzen ineinander und in allen Farben der Welt so erstrahlten.
Und dafür liebte sie diese beiden Menekaner, dafür dass sie beide so stark waren, dass sie beide so Sturköpfe waren und dafür dass sie sich dennoch gegenseitig über die Reichweiten des Geistes liebten. Und das schönste daran war, sie war Teil jener Liebe.

Eigentlich hatte sie den beiden eine große und pompöse Hochzeit gewünscht, so dass sie von allen dafür beneidet werden würde. Doch sie wusste, dass beide das nicht wollten und dass sie nun zufrieden waren wie es war. Nur sie beide, Nazeeya und Jumanah als Zeugin der Ehe.
Daher fiel es ihr auch nicht schwer die Worte zu fassen die ihr Herz sprechen wollten. Es waren alte Worte, ein alter einfacher Schwur ohne große pompöse Worte.
Und als beide die vor der heiligen Mutter Eluive schwören, wusste Nazeeya diese Liebe würde die Welt überleben, alles irdische und alles körperliche überdauern.
Und so war es Eluive die durch das Bitten von Nazeeya, das heilige goldene Band aus der wärmenden Liebe der beiden um die Hände von Fareeda und Radeeh band und auch Symbolisch ihre Ehe auf immer schloss.

Daher gab sie um so herzlicher das heilige Geschenk das ihr einst gegeben wurde an die beiden werde. Sie löste die Kette von ihrem Hals, nur einen Moment schaute sie darauf, saß die schwärze des Herzens und den feinen Riss der entstanden war, als die Liebe von ihr und Samir zerbrochen war. Doch sie wollte nun nicht an Samir und sich denken, denn am heutigen Tag sollte dieses Herz neu erwachen mit einer anderen Liebe. Und so füllte sich das Herz langsam mit der Liebe der beiden durch die Macht Eluives und begann von neuem im goldenen Ton, der Flamme der Liebe, zu leuchten. Der Riss verschwand und der Stein war wieder wie neu.
Sie gab das Herz an die beiden Liebenden mit der Gewissheit, dass ihre Ehe und ihre Liebe damit eingefangen war, und noch ein bisschen mehr, denn auch sie hatte ein Stück ihrer Liebe zu den beiden in jenes Herz gelegt, denn dort war sie gut aufgehoben.
Sie waren ihr Ranim und ihre Rani im Geiste, auch wenn es lange gedauert hatte bis sie es sich hatte eingestehen können. Doch gerade jetzt in diesem Moment dem heiligen Schluss der Ehe hatte sie es erkannt. Sie würde nie mehr diese beiden Menekaner aus ihrem Herz lassen und sie würde nie zulassen, dass ihre Liebe und ihnen selbst etwas passieren würde.

Denn sie wusste, diese beiden hielten sie wenn das Leben sie zerreisen wollte. Die beiden beschenkten sie mit dem größten Geschenk der Mutter, mit der Liebe und dem Leben selbst.
Und um so mehr strahlte heute am Tag danach ihr Lächeln, den sie Lebte, Liebte und Schütze.

Denn sie drei waren eins… eine Art Familie, die Familie die sie sich nun wünschte, denn sie hielten sie am Leben. Und daher würden sie die beiden Schützen wie eine Wüstenlöwin und wenn es irgendwann ihr eigenes Leben fordern würde. Denn diese Reinheit und Wahrheit musste im Namen Eluives geschützt werden.

Verfasst: Donnerstag 16. Februar 2012, 10:10
von Fareeda
"Ich bringe Euch Feuer
Die Macht zu verbrennen
Ich bringe Euch Feuer
Und Asche, die vom Himmel fällt"


Fast schon etwas melancholisch saß Fareeda auf der Mauer ihres Hauses und sah auf die Wüste hinaus. Ihr Traum ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Vor allem nicht die Sequenz mit dem Kind. War es ihres gewesen? War es ein Junge oder Mädchen? Sie wusste keine Antwort darauf. Wieso marterte sie sich mit diesen Fragen überhaupt? Es war noch nicht all zu lange her, da hatte sie all diese Gedanken von sich fort geschoben. Kinder, Hochzeit und so weiter. Sie hatte nie eine Perspektive für sich gesehen in diesem traditionellen Weg. Auch nicht nach der Verlobung mit Radeeh. Diese Perspektive hatte sich erst ergeben, als sie Gefühle für ihn in sich spürte. Als diese Gefühle immer mehr wurden und sie merkte, dass es über das bloße „sich-mögen“ hinaus ging. Nie hätte die junge Säbelschwingerin damit gerechnet einem Mann ihr Herz zu schenken. Männer hatten sie entweder abwertend betrachtet aufgrund ihres Berufes oder eben nur als Freundin. So hatte sich ihr Desinteresse an der männlichen Welt entwickelt und bis zu dem speziellen Zeitpunkt war es auch so geblieben. Und jetzt? Jetzt war sie verheiratet mit dem Mann, den sie liebte und das Thema Nachwuchs sollte man wohl auch nicht in all zu weite Entfernung rücken. Vielleicht sollte der Traum sie in diesem Gefühl bestärken, dass es gut so war. Dass es nichts Schlimmes ist, sich diesem Weg zu öffnen und ihn zu leben. Doch konnte sie die Kriegerin in sich nicht verdrängen und das wollte Fareeda auch nicht. Sowohl die eine, als auch die andere Seite waren ein Teil von ihr. Sie wusste auch, dass Radeeh stolz auf sie war, wenn sie sich im Kampf bewies, wie zuletzt bei dem Balron im Grab der Ahnen. Es gehörte zu ihr. Der Wille niemals aufzugeben und bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen. Das Gefühl, was sie in diesen Momenten durchfloss, war atemberaubend. Eine Art Rausch. Sie spürte die Belastung durch die Rüstung oder den Schild nicht mehr, die Bewegungen wurden leichter und fließender. Doch enthielt dieser Rausch auch Gefahren. Zu leicht konnte etwas aus ihrem Blickfeld geraten und zu anfällig wurde sie für Angriffe. Eine Leichtsinnigkeit, die die junge Menekanerin das Leben kosten konnte. Doch dieses Gefühl ließ sie nicht los, erhitzte ihr Gemüt und sie wusste nicht, wie sie auf andere in diesem Zustand wirkte. Oftmals entglitten ihr die Erinnerungen an die Kämpfe. Damals, als sie verletzt wurde am Bein...bis heute wusste sie nicht, wie sie sich aus dieser misslichen Lage befreit hatte, geschweige denn wie sie überhaupt nach Hause gekommen war. Doch dieses Leben, was sie so rücksichtslos geführt hatte, war vorbei. Sie wollte der Gefahr weiterhin trotzen, doch bedachter. Teilweise strahlte ihre Ruhe im Kampf eine ebensolche Gefahr aus. Aber nicht für sich, sondern für ihre Gegner. Es war zu einfach diese zweifeln zu lassen, wenn man keine Furcht zeigte, sondern nur Ruhe. Oder gar ein kleines Lächeln. Ein tödliches Lächeln. Der Moment, wo ein Drache einen in den Blick fasste, war ähnlich. Der Jäger und seine Beute. Und die Beute wusste, dass es kein Entkommen gab. An den Händen der Säbelschwingerin klebte schon viel Blut. Räuber, Diebe, Oger und ähnliches hatten durch ihre Hand den Tod erfahren. Doch all dies rückte in den Hintergrund.

Der Drache in ihrem Traum hatte einen Flügel über sie gelegt, behütend und schützend, hatte Fareeda dreifach umkreist und war verschwunden. Doch sie wusste, dass er da war. Sie spürte das lodernde Feuer in sich, in ihren Venen und in ihrem Wesen. Es war für sie schon lange kein Symbol mehr, sondern eine Gewissheit. Auch wenn ihr dies oft nicht bewusst war. So friedlich wie sie sein konnte in Gesellschaft anderer. So ruhig. So nett. So vermeintlich zahm. Jumanah machte sich Sorgen um ihren Zustand. Für sie war Fareeda in Gedanken schon an den Herd gekettet und ein braves Hausfrauchen. Doch sie hatte sich immer geschworen, dass sie nie so wird. Sie würde niemals ihr altes Leben aufgeben. Temporär vielleicht um sich keiner gravierenden Gefahr auszusetzen aber ganz aufgeben kam nicht in Frage. Radeeh wusste das und akzeptierte es hoffentlich auch. Auch wenn er oft im Scherz meinte, dass er sie zuhause festbinden oder anketten würde, sowie die Türen verriegelt, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt, sollte sie irgendwann ein Kind erwarten. Ihre Meinung dazu war, dass sie zwar rücksichts- und verantwortungslos sein konnte, aber sie würde nie ein zweites, unschuldiges Leben in Gefahr bringen. Schon gar nicht, wenn es in ihr heranwuchs. Sie war sich ihrer Verantwortung bewusst, dieses kleine Lebewesen mit aller Kraft zu schützen. Wenn das bedeutete 9 Monate daheim zu sitzen, so würde sie es tun.

Doch...was war mit Nazeeyas Aussage von gestern? Fareed hätte kein Mädchen gewollt und hätte sich eine Zweitfrau gesucht, wäre Aasim eines geworden. Sie kam am Tag zuvor nicht mehr dazu Radeeh nach seiner Meinung dazu zu fragen. Würde er es auch als Treuebruch sehen, wenn sie ein Mädchen zur Welt brachte? Sie hoffte es nicht. Sie schätzte ihn auch nicht so ein, doch Gewissheit darüber konnte sie nur erlangen, wenn sie ihn darauf ansprach. Das würde sie auch tun, wenn sie das nächste Mal alleine waren. Jedes Kind war ein Geschenk von Eluive, egal ob Junge oder Mädchen und als solches sollten sie auch behandelt werden. Fareeda würde nie eines ihrer Kinder benachteiligen aufgrund von Geschlecht oder Wesen. Wenn eines ihrer Kinder wie sie selber wurde, wäre sie genauso stolz, wie als wenn es den traditionellen Weg einschlug. Vorsichtig strich sie sich dabei über ihren Bauch. Wie lange würde es wohl dauern, bis sie wie eine Drachenmutter über ihr Junges wachen könnte?

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Verfasst: Samstag 18. Februar 2012, 21:39
von Fareeda
"Wenn in der Nach der Sturm heult
Und immerzu die Angst dräut
Daß deine Hand die meine scheut
Frisst mich der Fragen Mund..."


Tief durchatmend saß sie unter dem Baldachin auf dem Dach ihres Hauses. Wohl hatte sie sich überanstrengt auf der Jagd eben. Sie war alleine gegangen, nachdem sie ihren Rundgang durch die Stadt beendet hatte und wieder ins leere Haus zurückgekehrt war. Die Stille und Kälte, die herrschte wenn sie alleine war, ertrug sie einfach nicht. Quasi auf der Schwelle hatte Fareeda wieder kehrt gemacht und hatte ihr Heil in der Flucht gesucht, Lameriast. Der Dschungel war ihr liebstes Gebiet um zu üben und ihre Fähigkeiten zu perfektionieren. Und doch lauerten dort viele Gefahren. Das merkte die junge Menekanerin immer wieder. Die derzeitige Kälte des Festlandes, die Wesen, die im Dschungel lauerten und ihr eigener Wille und Stolz machten der Säbelschwingerin zu schaffen. Sie wollte sich beweisen, immer und immer wieder. Ihr Weg war gepflastert mit toten Harpien, Spinnen, Echsen und allerlei anderem Getier. Die Rüstung war nicht mehr sandfarben, sondern glänzte dunkelrot von dem Blut ihrer Gegner und von ihrem eigenen. Vermutlich wären manche Personen in ihrem Umfeld entsetzt von der Kaltblütigkeit dieser jungen und zierlichen Frau. Damit hatte sie einst auch Rhadiyaa geschockt, als man in ihrem Beisein Jarek gefasst hatte und von Fareeda nicht die übliche Wärme und Freundlichkeit ausging, sondern nur Kälte und Härte. Sie nahm das ernst was sie tat. Diese Seite zeigte sie den Personen, die sie liebte, nicht. Sie verbarg es unter einer vielschichtigen Maske. Nur wenn sie allein war oder einen tiefen Groll in sich hegte, trat diese Facette zutage. So auch kurz zuvor. Sie hatte nicht gekämpft, sondern gewütet. Doch wusste Fareeda nicht warum. Oftmals war sie sich dessen nicht mal bewusst. Erst die Spuren, die sie hinterließ, deuteten darauf hin. Gestern hatte sie sich gezügelt, sie hatte den Blutrausch in sich gespürt, doch ebenso hatte sie diesen auch unterdrückt. Sie war nicht alleine gewesen. Nazeeya und Radeeh waren bei ihr. Der Kampf gegen den Balron wurde von Minute zu Minute anstrengender geworden. Als er lag spürte sie zwar das vertraute Gefühl des Triumphs, doch blieb ihr nicht viel Zeit über alles nachzudenken. Mit einem hässlichen Knacken brach sie ihm einige Knochen aus dem Leib und ging mit Nazeeya zurück in die Stadt. Mit Radeeh ging sie daraufhin dann zurück in den Laden. Wie fast immer hatte ihr Mann Hunger und rief ihr, in ihrer Hektik, noch hinterher, dass sie nicht hinfallen solle. Gesagt, passiert. Fluchend war sie durch die Küche gehumpelt, den stechenden Schmerz im Fußgelenk ignorierend. Es gab schlimmere Schmerzen als sowas. Dennoch ließ sie sich in ihr Haus tragen von ihm.

Am Morgen hatte sie wieder früh das Bett und somit auch ihn, der noch friedlich schlief, verlassen. Unruhe hatte sich in ihr breit gemacht in den letzten Tagen, eine tiefe Ungewissheit in sich tragend. Sie machte sich Gedanken über die Zukunft, über den Drachen, über ihr Leben. Wie würde es weiter gehen in den nächsten Monaten? Sie hatte Radeeh auf das Thema angesprochen und durch seine Antwort lastete etwas Druck auf ihr. Ein erstgeborener Stammhalter würde vieles einfacher machen. Jeder Mann wünscht sich einen Sohn, ebenso wünschte sich wohl jede Frau eine Tochter. Ein kleines Ebenbild von sich selbst. Immer wieder kehrte bei diesem Gedanken das Bild aus ihrem Traum zurück und wühlte sie auf. Kopfschüttelnd schob Fareeda diese Gedanken immer wieder von sich. Wenn es soweit sein sollte, würde sie es wohl merken. Noch war so vieles unklar. Gerade diese Unklarheit hatte die Säbelschwingerin wohl derartig aufgebracht, dass sie so reagiert hatte im Dschungel. Ja...das musste es wohl sein. Radeeh hatte gemeint, sie solle wegen ihrem Traum, von dessen Inhalt er nicht mal wusste, zu Nazeeya gehen. Zu ihr als Khaliq. Doch innerlich weigerte sich Fareeda noch. Es wäre schön zu erfahren, was es damit auf sich hatte, doch war sie noch nicht so weit. Es reichte schon, dass sie schreiend aufgewacht war und Radeeh somit etwas davon mitbekommen hatte. Da wollte sie vorerst nicht mit jemandem, egal wem, darüber reden.

Doch jetzt....jetzt saß sie hier unter dem Baldachin und dachte wieder über alles nach. Das Haus war genauso leer gewesen wie zuvor. Die Stille erdrückte sie beinahe und trotz der Wärme, die immer herrschte in Menek'Ur fror sie. Waren es die Nachwehen ihres Besuches auf dem Festland? Sicherlich. Etwas anderes sollte nicht in Frage kommen. Unruhig rieb sie sich die Hände über einer Kerze warm. Vielleicht würde Radeeh heute irgendwann nochmal heimkommen. Seine Wärme und Nähe vertrieb meist die dunklen Gedanken, die sich ihrer bemächtigten in solchen Momenten. Ebenso schien seine Ruhe und Gelassenheit ihren unruhigen Geist zu besänftigen. Ein stiller Trost in dunklen Stunden. Vorsichtig drehte Fareeda das Armband an ihrer Hand. Ein Symbol für die wohl dunkelste Stunde in ihrem Leben. Der Moment, als sie begriffen hatte, dass ihr Bruder niemals wieder zurück kommen würde. Tief verschlossen trug sie diesen Schmerz mit sich herum. Nur selten gab sie sich dieser Trauer hin. Sie zeigte keine Schwäche. Das war ihrem Mann auch schon aufgefallen. Er liebte ihre Stärke und auch ihre Schwäche, die sie zu selten zeigte. Das waren seine Worte. Vorsichtig schob die junge Menekanerin den Ärmel des Hemdes hoch und besah sich die Hinterlassenschaften der Harpien. Viel zu leicht bohrten sich manchmal die Klauen in die Haut. Zaghaft befeuchtete sie eine Bandage und tupfte damit das getrocknete Blut ab, bis nur noch die Einstichstellen der Krallen zu sehen waren. Auch dies würde verheilen. Wie so vieles davor auch. Doch manche Wunden würden niemals heilen und sie war zu stolz diese Wunden zu zeigen. Jeglicher Schmerz in diese Richtung war sicher verborgen wie unter den dicken und festen Schuppen eines Drachen. Nichts und niemand würde dorthin vordringen können, es sei denn sie würde diese speziellen Schuppen selbst anheben und das verwundbare Fleisch darunter freigeben.

[img]http://www.drachental.de/trio/trio04a.jpg[/img]

Verfasst: Montag 20. Februar 2012, 09:21
von Gast
Sachte streichelte sie über den Kopf, durch das lange Haar hindurch. Der Morgen graute bereits, sie fühlte es in sich selbst und in den Knochen die ihr Schmerzten von der Haltung der ganzen Nacht.
Aber sie konnte nicht sich anders hinlegen und auch nicht einfach aufstehen, solange dieses Geschöpf noch schlief.
Wunderhübsch wie ein Engel, der Blick so entspannt nun, man sah nichts mehr von den Schmerzen des Vortages und doch würden sie unter der Oberfläche noch brodeln und kochen.
Und das würde auch noch eine Weile andauern, sie wusste es selbst wie das Gefühl war. Denn auch in ihr Schmerzte es und alte und neue Gefühle vermischten sich zu einem wirren Strudel aus Ängsten, Glück und auch Schmerz.
Aber sie war diejenige der beiden die nun Stark sein musste, wie ein Fels in mitten eines Sandsturmes, sie dürfte nicht weichen. Sie würde da sein und schützend ihre Hand halten. So wie sie es geschworen hatte und so wie sie diesen einen Schwur heute auch wiederholt hatte.

Doch es würde schwer werden, denn es gab noch einen zweiten Schwur der irgendwann eingelöst werden würde. Ein Versprechen was ihr Herz höher schlagen lies aber auch ihre Gedanken in Finsternis des Ungewissen stieß. Sie konnte nur hoffen, dass bis zu jenem Zeitpunkt alles geklärt war.

Erneut lies sie die Gespräche des gestrigen Tages vor ihrem Auge vorbeiziehen. Zumindest diese wo sie selbst dabei war. Es waren alles Gespräche die von Trauer und Schmerz begleitet waren, von Tränen und dem inneren Gefühl zerrissen zu werden. Die wenigsten brachten sie etwas zum lächeln und wenn dann war das Lächeln nur von einer kurzen Dauer und nicht so tief, dass es wärme bis an ihr Herz brachte.

Doch nun wo sie den kleinen Drachen in ihrem Arm hin und her wiegte wusste sie, dass es richtig war alles zu sagen, nichts mehr hinter dem Berg zu halten, auch wenn das bedeutete das es eine Zeit des Schmerzes geben musste. Aber der Weg würde gemeinsam gegangen werden. Hand in Hand und keiner würde auf der Strecke bleiben, denn in dem Moment wo die Kräfte des einen versagen waren zwei andere da die ihn stützen und den Weg weiter trugen oder gemeinsam eine Pause machten.

Gerade waren sie in dem Moment der Pause angekommen, es würde nun Ruhen und der Weg vor den dreien liegen und die Entscheidung ob weiter gegangen werden würde, lag bei dem kleinen Drachen der sich gerade wieder an sie klammerte.
Sie beugte sich hinab und haucht einen Kuss auf die Stirn des schönsten Wesen Menek’Urs, neben ihrem Sohn. Und leise haucht sie hinab noch mal durch das Haar streichen.
„Ich liebe dich und wir gehen gemeinsam den Weg.“

[img]http://fc01.deviantart.net/fs31/f/2008/214/9/8/Horned_Baby_Dragon_by_sarahprincess.jpg[/img]

Verfasst: Montag 20. Februar 2012, 10:11
von Fareeda
"Hinausgerissen aus dem Sein
In eine fremde Welt verbannt
Doch Du weichst nicht von mir
Hältst weinend meine Hand"



Schmerzen. Tiefe innere Schmerzen und eine Dunkelheit um sie herum, die kein Licht der Welt erhellen konnte. Sie hatte Dinge erfahren am Vortag, die das zerrissen hatten, von dem sie glaubte es wäre heil geblieben: ihr Herz. Sie hatte von der Liebe gewusst, die Radeeh empfand für Nazeeya....doch hätte sie nie gedacht wie tief diese ging und wie sehr er sich danach verzehrte. Mehr als einmal stellte Fareeda sich die Frage, was sie war. Wer sie war. Doch eine befriedigende und beruhigende Antwort lag wohl noch in weiter Ferne. Sie hatte ihre Gedanken ausgesprochen und er war gegangen. Hatte sie zurückgelassen in dem Schmerz und mit den Worten, dass er sie mit seinen Gefühlen nicht verletzen wollte. Wie leicht konnte doch ein Bild, dass man sich geschaffen hatte, zerbrechen. Wie leicht konnte man fallen, ohne dass einen schützende Hände auffingen. Sie war gestern einmal geflohen vor den Gedanken, hatte die beiden Menschen zurück gelassen, die sie liebte, welche aber auch den Schmerz verursachten. Als sie im Halbschlaf vor sich hin grübelte, entschloss sie sich am heutigen Tag ebenso zu fliehen, ihrer angestauten Wut und dem unbändigen Zorn Luft zu machen. Diese beiden Dinge sollten sich nicht gegen die beiden richten. Sie würde beiden niemals Schaden zufügen, niemals sie verletzen. Doch sie selbst würde sich zerstören, wenn sie den Schmerz und die negativen Gefühle unterdrückte, wenn sie diese zurückhielt. Trotz ihres jungen Alters wusste die Säbelschwingerin, dass es gefährlich werden würde in solch einem Zustand den Kampf aufzunehmen, doch sie war bereit Risiken auf sich zu nehmen um diese Beklemmung, diesen Schmerz zumindest für eine Weile loszuwerden.

Die Wärme, die sie spürte die Nacht über war Nazeeya gewesen. Ihre Augen hatte sie nur einen Spalt weit geöffnet, um zu sehen, wer dort Wache bei ihr hielt. Natürlich war es nicht Radeeh gewesen, dieser hatte sie am Vortag zurückgelassen und war in die Wüste verschwunden. Doch Nazeeya war hier. So seltsam es auch war, aber sie stützten sich gegenseitig. Beide wussten, wie die andere sich fühlte und beide wussten auch, dass sie auch nicht voneinander lassen könnten. Sie hatte die beruhigenden Berührungen in der Nacht gespürt, als Träume sie gequält hatten und sie hatte den anderen Körper neben sich gespürt, der sie nicht mehr ins Leere greifen ließ. Ohne die Freundin hätte Fareeda die Nacht alleine wohl nicht überstanden, sondern wäre geflüchtet. Hätte die Einsamkeit gesucht und sich darin verloren. Kurz war ihr ein nicht greifbarer Gedankenfetzen durch den Kopf geschossen. Was wäre, wenn … nein... dieser Gedanke sollte nicht in den Vordergrund rücken. Es wäre zu einfach gedacht und würde noch mehr Schmerz über die beiden Liebsten bringen. So konnte sie nicht fliehen. Wieder der Gedankenkreislauf, der Vortag. Dabei hatte es sich doch grade etwas reguliert. Die Säbelschwingerin hatte doch mit ihrem Mann beieinander gesessen und sie hatten über die Kinder geredet, die sie haben würden, so Eluive wollte. Sogar Namen waren schon festgelegt. Namen für etwas, was erst noch Entstehen musste. Es kam ihr unwirklich vor, doch durch die Benennung begann dieser Gedanke in ihr zu leben. Eine Tochter, Nalani. Ein Sohn, Marik Rashid. Die Ruhe des Himmels und der Stolz. Beide Namen passten und würden den Träger begleiten. Doch wie auch die Nähe zu Radeeh in weite Ferne gerückt war, so waren auch diese beiden Wünsche entrückt. Die Nacht über hatte sie ihren Bauch geschützt, sich eingerollt und die Arme um sich geschlungen. Sie hoffte und betete. Sie betete für sich, für Nazeeya, für Radeeh und für die, die noch kommen sollten um diese kleine Familie zu erweitern. Sie wollte alle nicht missen und war bereit den Schmerz zu ertragen, nur um beide nicht zu verlieren. Doch verlor sie sich damit vielleicht selbst? Sie wusste es nicht.

Es war Zeit zu erwachen, den Tag zu begehen, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Sie hatte die geringe Hoffnung, dass, wenn sie zurück kehrte, beide wieder da sein würden um sie zu fangen und zu stützen. Doch es war nur eine geringe Hoffnung, mehr nicht.


"Ich schreie stumm auf zu Dir
Sag mir: kannst Du mich verstehen?
Nur unsre Liebe
Lässt mich diesen Tag noch sehen"


[img]http://i31.tinypic.com/9te8nt.jpg[/img]

Verfasst: Montag 20. Februar 2012, 13:54
von Radeeh
Schweren herzens ging Radeeh an diesem Tage, sich mehrmals umsehend in Richtung der Stadt die mit jedem Schritt kleiner am Horizont wurde. Doch sah er keinen anderen Weg als ein paar Tage das Weite zu suchen und auch selbst seine Gedanken zu ordnen. Manch einer könnte meinen er wäre vor der Konfrontation geflohen doch die beiden die ihn besser kennen als jeder andere würden wissen das er gegangen war um nicht noch mehr Ärger oder Schmerz zu verursachen. Teils mit falscher Wortwahl die ihm immerwieder das Leben schwermachte, teils um ihnen Ruhe zu schenken und Zeit um nachzudenken.
Es mag auch etwas an seinem Stolz gelegen haben den er für die beiden bis zu einem gewissen Punkt ins Absseits geschoben hat. Er hatte sich entschuldigt etwas das jedem Mann und erst recht einem Sohn der Bashir nicht leicht über die Lippen kommen würde. Er hatte sie um Verständnis gebeten und seine Gefühle offen gezeigt in jenem Moment doch konnte er sie zum Teil verstehen und lies es deshalb über sich ergehen.
Ja er liebte sie und würde auch für sie sein Leben geben doch dies alles half im Moment nichts. Nicht bevor sie seinen Worten Glauben schenkte und diese nicht in Frage stellen würde. Denn nicht nochmals würde er wohl seinen Stolz und seine Art die ihn ausmacht, die ihn zu dem macht der er ist zurückstellen.

Er suchte sich an jenem abend ein ruhiges Plätzchen, entzündete ein warmes, hell aufflackerndes Feuer und röstete sich ein Paar Skorpione die er auf dem Weg dahin gefunden hat. Um dann einfach nur den klaren Sternenhimmel zu betrachten und seine Gedanken und auch seine Gefühle wieder zu ordnen in der Ruhe und Weite des Wüste.
Es würde eine spärliche Zeit werden und für ihn auch eine harte Prüfung darstellen fern von den beiden Frauen die sein Leben prägen und die er liebte.

Verfasst: Montag 20. Februar 2012, 16:48
von Fareeda
"Vergangen ist die Zeit, nur die Legende bleibt und Lieder
Krieger stehen auf
Wer daraus Lehren zieht, was im Verborgnen liegt, der wird ein Krieger
Krieger stehen auf"


Sie war dumm. Bei Eluive, sie war so dämlich wie … sie fand dafür keine passenden Worte. Wie hatte sie nur dem Gedanken Glauben schenken können, der sie dazu bewogen hatte nun hier zu sein. Sie hätte zuhause bleiben müssen, sie hätte ihrem Kopf vertrauen müssen, der ihr gesagt hatte, dass es nicht gut wäre nun jagen zu gehen. Viel zu leicht konnte irgendwas die Säbelschwingerin ablenken, viel zu leicht geriet sie immer wieder in Bedrängnis, viel zu viele Stellen an ihrem Körper schmerzten schon von den Treffern, die ihre Gegner landeten. Ein Trost war, dass das Ende des Dschungels nicht mehr fern war. Nur noch ein paar Bestien und deren Fürst. Scheinbar fochten diese grade interne Machtkämpfe aus. Ein junger und kräftiger Vertreter seiner Art kämpfte gegen den Älteren, den Fürsten und streckte ihn nieder. Einen Moment, einen viel zu langen Moment, blieb sie an Ort und Stelle stehen. Sie geriet ins Blickfeld des vermeintlichen neuen Fürsten. Sie war so dämlich...wie ein Schaf, dass vertrauensselig dem Henker zur Schlachtbank folgte. Den ersten kräftigen Schlag konnte sie noch abwehren und ihrem Gegner eine tiefe Fleischwunde zufügen, doch der zweite Schlag war zu viel. Sie wurde von den Füßen gerissen und schlug an der Felswand hinter sich auf. Bei Eluive...was waren das für Schmerzen, sie spürte etwas ihre Schläfe hinunterlaufen und im nächsten Moment färbte sich ihre Sicht halb rot. Das Brennen trieb ihr die Tränen in die Augen, doch konnte sie sich diesen nicht hingeben. Ebenso wenig dem dumpf pochenden Gefühl der Ohnmacht, was sich langsam ausbreitete. Mühsam richtete sie sich wieder auf und bleckte die Zähne. Hier würde sie mit Sicherheit nicht sterben. Ob es nun der Mut der Verzweiflung war oder einfach purer Überlebenswille, am Ende lag der neue Fürst tot am Boden. Meter um Meter schleppte sie sich vorwärts, warf dem Kapitän, der sie zurückbringen sollte, ein paar Münzen zu und ließ sich auf einer Bank nieder. Erschöpft, verletzt und einer Bewusstlosigkeit nahe. Doch musste sie es noch nach Hause schaffen. Sie wollte sehen ob sie mit offenen Armen empfangen wurde, ob sie gehalten wurde.

Am Hafen angekommen ignorierte sie die entsetzten Blicke der Wachen, ebenso die der Wachen in der Stadt. Sie hörte das Getuschel, sie spürte die Blicke, doch der einzige Wunsch war der, nach Hause zu kommen. Langsam kam der Tempel in ihren Blick und sie blieb davor stehen, ein stummes Gebet in den Himmel sendend und sich dann weiter vor arbeitend. Sie war froh, dass ihr sonst niemand mehr begegnete. Drei Versuche waren nötig, bis Fareeda die Tür zu ihrem Haus aufbekam. Sich gegen diese lehnend, schloss die Säbelschwingerin diese dann hinter sich und sank daran herunter. Den Beutel mit den Federn, Reagenzien und den Edelstein schob sie von sich weg. Entweder war Nazeeya unterwegs oder sie schlief noch im Bett. Der Schlaf sei ihr gegönnt. Bei sich dachte Fareeda noch, dass es wohl besser wäre die Rüstung auszuziehen und sich das Blut wegzuwischen, was nur noch spärlich über ihr Gesicht rinnt, der Rest war schon getrocknet. Doch der Gedanke verschwamm vor ihr, ebenso ihre Umgebung. Blinzelnd versuchte Fareeda die Unschärfe weg zu bekommen. Den Kopf immer wieder schüttelnd, spürte sie, dass sie es nicht mehr aufhalten konnte. Das Schütteln verstärkte den Kreisel, in dem sie sich befand, noch. Einzig den Helm konnte sie noch abziehen und die Maske nach unten schieben. Eine ordentliche Delle befand sich in ihrem Kopfschutz. Sie war so dumm...so dämlich... so verantwortungslos... wieso hatte sie nur nicht auf ihren Kopf gehört. Langsam zur Seite rutschend umfing eine Schwärze ihr Bewusstsein. Die Schmerzen rückten in den Hintergrund, jeglicher Gedanke verstummte. Wo war der starke Arm, der sie auffing?

[img]http://img7.imagebanana.com/img/kg2xvt14/drache.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 26. Februar 2012, 12:33
von Aremion
...

Verfasst: Sonntag 26. Februar 2012, 12:34
von Fareeda
"Es ist die Angst vor Deiner Stärke,
Die zurückkommt, wenn es tagt,
Es ist die Furcht vor Deiner Ruhe,
Die am Krieg in meiner Seele nagt."



Langsam verblassten die Spuren auf ihrem Körper. Mittlerweile konnte sie sich auch wieder einigermaßen bewegen. Der blaue Fleck über den Rippen hatte Fareeda viele Probleme gemacht in den ersten Tagen. Sie hatte mit jeder Faser ihren Fehler gespürt und bereut. Sie hatte Nazeeya einer ungeheuren Angst ausgesetzt, als diese sie gefunden hatte. Vorsichtig war ihr geholfen worden, die Rüstteile auszuziehen und sich zu säubern. Ebenso war die Kopfwunde von der Freundin genäht worden. Eine weitere Narbe auf ihrem Körper und sie war selber daran schuld. Ein weiterer Makel. An diesem tag hatten sie auch noch Radeeh heim geholt, weil Fareeda klar geworden war, dass sie den Fehler begangen hatte ihn als etwas anderes zu sehen. Nicht mehr als den, der er war. Auch ihm hatte sie Sorgen bereitet. Sie hätte sterben können. Er könnte sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen und wollte sie immer bei sich haben. Auch wenn die verletzten Gefühle immer wieder hochkochten in ihr, schenkte die Säbelschwingerin seinen Worten Glauben. Es war nicht einfach gewesen und sie wusste, dass sie in dieser Situation nur verlieren konnte. Entweder sich selbst oder die beiden Personen, die ihr am wichtigsten waren. Sie entschied sich für sich selbst und akzeptierte. Auch wenn sie die Momente tief in ihrem Herzen quälten, wenn sie wusste wo er war und sich fragen musste was beide taten. Eigentlich brauchte sich die Menekanerin da gar nicht selbst fragen, sie wusste es. Wahrscheinlich das Selbe, was sie selbst und Radeeh getan hatten, als sie noch nicht verheiratet waren. Sie fühlte sich einsam in diesen Zeiten.

Das Gefühl der Einsamkeit und des Verlassen-Seins verstärkte sich fast bis ins Unendliche, als sie den Brief von ihrer Schwester gefunden hatte. Auch sie war nun fort, zwar nicht tot wie Siraaj aber wieder fort. Ihre Eltern hatten sie nach Hause gerufen Sie war zu Nazeeya gegangen um Trost zu suchen und musste dann selber der Fels in der Brandung sein, an den man sich klammern konnte. Radeeh hatte zwar gesagt, dass sie ihre eigenen Gefühle nicht unterdrücken sollte, aber sie konnte nicht verletzlich sein. Nicht jetzt und nicht an diesem Ort. Sie wollte weinen, schreien und ihre angestaute Wut und Frustration heraus lassen, doch behielt sie alles in sich. Sie würde keine Schwäche zeigen. Einzig die Aufgabe, die ihr anvertraut wurde, konnte sie aus der Lethargie reißen. Ihre Gedanken huschten in den letzten Tagen zu so vielen Punkten und ihr gelang es einfach nicht sich auf einen zu konzentrieren. Fareeda stürzte sich aufgrund dessen in die Arbeit mit dem Unterrichtsplan für die Akeemis des Reiches. Langsam baute sie den Plan logisch auf, ignorierte dabei ihren Körper der nach Essen und Trinken rief. Hungerphasen hatte sie schon öfters gehabt, sodass sie wusste wie weit sie gehen konnte und ab wann es gefährlich wurde. Anmerken würde man es ihr nicht, sie hatte sich in den letzten Wochen einige Pölsterchen angefressen, die eine Weile halten würden. Einzig das Wasser würde sie nicht fortlassen. Dies war lebensnotwendig.

Über den Plänen brütend trank sie also einiges an Wasser. Sie wollte es gut machen. Sie wollte, dass man stolz auf sie sein konnte. Und bei Eluive...sie wollte die Anerkennung durch ihre Zweifler. Sie war ehrgeizig und das war einer ihrer Charakterzüge, die sie ausmachten. Ehrgeizig und das nötige Durchsetzungsvermögen. Nicht nur Akeemis würden im Unterricht sitzen. Auch Radeeh wollte sich den Unterricht ansehen, ebenso Samir. Bei Letzterem hatte Fareeda ihre Zweifel, ob sie lange vorne stehen würde. Sie wusste, dass er ihr wenig zutraute. Irgendwo in sich trug sie die Angst, dass sie gegängelt werden würde und dass er sie auflaufen ließ. Vielleicht dachte die junge Menekanerin auch einfach zu negativ aber die Angst nagte an ihr. Radeeh hatte versucht sie hinsichtlich dieses Problems zu beruhigen, nicht sonderlich erfolgreich. Immer wieder warf sie einen Blick auf ihren Plan, verfeinerte ihn, verbesserte einige Dinge und war doch nicht zufrieden. Doch irgendwann legte sie diesen dann beiseite. Sie musste es wohl auf sich zukommen lassen. Sie konnte nur warten, sich auf die Lauer legen. Zur siebten Abendstunde hatte sie die Akeemis zur Kaserne beordert, sie selbst würde ihre Rüstung tragen und die Farben der Garde. Wenn sie schon dort stand und ihnen was beibringen sollte, so würde sie sich auch den nötigen Respekt verschaffen. Auch ein Drache bestach schon durch sein Äußeres, jagte den Gegnern Angst ein mit seinen Reißzähnen und Klauen. Fareeda würde beobachten, wie man auf sie selbst und auf ihre Symbolik reagierte.

[img]http://img7.imagebanana.com/img/ac0929ia/Drache_1.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 4. März 2012, 08:58
von Fareeda
"Wenn sich dein Weg im Kreis dreht
Dein Herz zum Horizont strebt
Und schon der Wink den Sturm trägt
Verzweifel ich an dir..."


Ein einziger Schlag und alles wäre aus. So hatte es Haashim formuliert. Nach außen hin ließ sie sich nicht viel anmerken, aber innerlich war Fareeda entsetzt. Nicht nur, weil sie wohl früher als gedacht zuhause sitzen bleiben musste, sondern auch weil dieses winzige Leben was vielleicht schon in ihr wuchs so zerbrechlich wie Glas war. Die junge Menekanerin fasste immer mehr Vertrauen zu ihrem Onkel und sprach aus, was sie dachte. Niemand sonst im Umkreis achtete ja auf sie beide. Sie sprach über den Druck, den sie im Nacken spürte nach Abaans Worten. Man erwartete einen Stammhalter, einen Jungen. Haashim lächelte nur. Wer mit allen Mittelchen und Ölen versuchen würde, einen Jungen als Erstgeborenen zu bekommen, würde meistens mit Mädchen beschenkt werden. Das waren seine Worte. Nachdenklich blickte sie ins Feuer. Lange hatten die Säbelschwingerin und der alte Medicus miteinander geredet, bis sie langsam eingedöst war am Feuer und im Schnee des eisigen Festlandes. Radeeh war immer noch nicht wieder bei ihnen am Feuer als sie eine Weile später durchgefroren und mit Haashims Mantel um die Schultern wieder aufwachte, aber Nazeeya war dort und bei ihm. Ihr Blick ruhte eine Weile auf dem Inneren des Marktstandes. Sie wusste, wann ein Kampf verloren war und dieser spezielle Kampf war schon lange verloren. Das Einzige, was der jungen Frau blieb, war, es zu akzeptieren. Sie musste es akzeptieren. Andererseits würde sie diese beiden Personen verlieren. Radeeh hatte sie zwar zuerst geheiratet, doch geschah dies aus einer vergangen Zwangsverlobung heraus. Wäre dies nicht geschehen, so hätte er die Frau bekommen, die er immer schon wollte, die er auch heute noch wollte und wo er viel Zeit verbrachte. Fareeda wusste wann ein Kampf zu Ende war, ein aussichtsloser Kampf. So rückte sie für die beiden in den Hintergrund und sagte auch nichts, als Radeeh Nazeeya und Aasim noch nach Hause brachte, als der Tag in Bajard vorbei war.

Tief saß der Schmerz der vergangen Tage und Wochen und brachte sie dazu über sich selbst nachzudenken. Auch an diesem Morgen. Es hatte lange gedauert, bis er am Vorabend wieder bei ihr ankam, doch sie sagte nichts. Erzählte nichts von ihren Ängsten, von dem verlorenen Kampf, davon dass sie für die beiden in den Hintergrund rücken würde. Heute saß sie einfach vor dem Feuer, er schlief noch tief und fest. In ihren Händen hielt sie das Herz, welches Nazeeya ihnen gegeben hatte an der Hochzeit. Es leuchtete immer noch in dem satten Gold. Das war nur verständlich, denn sie liebte ja Radeeh. Daran hatte sich nichts geändert. Doch sie spürte, dass sie wohl niemals den ersten Platz einnehmen würde in seinem Herzen. Dort war nur die Frau, die er schon so lange liebte und um die er auch kämpfte. Um Fareeda brauchte er dies nicht. Sie war etwas, was er am Anfang nicht gewollt hatte. Etwas, wo er lange gebraucht hatte um es zu akzeptieren. Und noch länger um sie an seiner Seite zu akzeptieren. Erst viel später kam die Liebe dazu. Die Säbelschwingerin glaubte ihm, wenn er sagte, dass er sie liebte. Doch sie würde wohl immer erst hinter seiner gewünschten ersten Frau stehen. Das war ihm nur noch nicht bewusst. Sie war die Frau im Schatten und würde sich selbst verlieren, damit sich diese beiden Personen nicht verloren. Kleine Tränen stiegen ihr bei dem Gedanken in die Augen, doch Fareeda wischte diese unwirsch weg. Sie brauchte Ruhe, brauchte Abstand um wieder klar denken zu können. Das Herz vorsichtig in Radeehs Hände legend um ihn nicht zu wecken, ging sie langsam die Treppen hoch. Bei dem Versuch sich etwas Proviant mitzunehmen, veranstaltete sie ein kleines Essenschaos in der Küche. Man würde bemerken, dass etwas Essen und auch einige Trinkschläuche fehlten, doch ihre Rüsttasche war noch da. Langsam legte sie den Schleier über, zog sich ihre Stiefel an und begab sich nach Osten aus der Stadt hinaus. Die kleine Bucht war ihr Ziel. Dort war ein Zelt und sie hatte einen ruhigen Ort. Wenn Radeeh sie wirklich kannte, würde er wissen wo er sie suchen musste, wenn ihm danach war. Vielleicht würde man es auch gar nicht bemerken, wenn sie nicht da wäre. Man war es ja schließlich von ihr gewöhnt, dass sie das tat, wonach ihr gerade der Sinn stand. Wahrscheinlich würde ihr Mann erst etwas bemerken, wenn sie abends nicht im Bett lag.
Langsam wanderte sie durch den Sand zu diesem geliebten Ort. Sie war mit Radeeh öfters hier gewesen und es erinnerte sie an die Momente, bevor sie ins Dunkel gestürzt worden war. An glücklichere Tage. Glücklich war sie jetzt zwar auch, aber die Angst beherrschte insgeheim ihre Gedanken. Das leise Geräusch des Wassers ließ sie ruhiger werden, doch mit der Ruhe kamen noch mehr Gedanken.

Sachte legte sie die Hände auf ihren Bauch. Mit einem Schlag wäre alles aus. Das waren die Worte gewesen und nur langsam begriff sie die Sinnhaftigkeit dahinter. Sie konnte nicht an sich selbst und an ihre eigenen Bedürfnisse denken, sondern musste für sich und ein zweites Leben entscheiden. Und dieses zweite Leben war so zerbrechlich wie Glas, nicht so stabil wie sie selber. Auch Dracheneier waren schutzlos, wenn die Mutter nicht auf sie achtete. Schnell konnte jemand kommen und mit einem einzige Schlag alles auslöschen. Was kam dann? Tiefe Trauer über ein Leben, was sie mutwillig in Gefahr gebracht hatte nur für die eigenen Bedürfnisse. Fareeda würde dieses Kind, was vielleicht irgendwann in ihr heranwuchs, schützen mit allem was sie hatte und sie würde es vor jeglichem Schmerz bewahren, sowohl körperlicher als auch geistiger Natur.

[img]http://img6.imagebanana.com/img/0ud1ej3v/emelie_3.jpg[/img]

Verfasst: Sonntag 18. März 2012, 07:44
von Fareeda
"Wenn die Schilde krachen, die Schlächter lachen,
der Tod so hart und schnell.
Der Wind er trägt mein Stoßgebet
in die kalte Welt."


Es war früh. Sehr früh. Fareeda wusste nicht, was in letzter Zeit mit ihrem Tagesrhythmus nicht stimmte. Sie trug eine solche Unruhe in sich in der Nacht und am Morgen, dass man langsam an ihrem Verstand zweifeln konnte. Sie räumte Sachen um, dekorierte neu und bei Eluive... sie kochte in den frühen Morgenstunden sogar freiwillig etwas zu Essen. Radeeh betrachtete dies mit kritischer Miene. Ihm war es wohl selber nicht ganz geheuer, was seine junge Frau da veranstaltete. Das Ganze weitete sich aber auch auf andere Bereiche aus. Die Säbelschwingerin aß mehr als früher und ihre Laune stieg und fiel in Sekundenbruchteilen. Wenn sie darüber nachdachte, schüttelte sie immer wieder den Kopf. Scheinbar waren die letzten Wochen eine große Belastungsprobe für sie gewesen, was sie nun auf diese Weise auslebte. Und das Ausleben konnte mitunter sehr teuer sein. Nicht nur das umgeräumte Zimmer war neu, sondern auch die Pflanzen darin. Fareeda hatte eine Bäuerin aufgesammelt auf dem Basar, die ihre Waren anpreisen wollte, doch waren Stände und Märkte derzeit ja verboten wegen dem Drachen. Fareeda lud die Frau, sie hieß Fleure, also zu sich nach Hause ein, ließ sich ihre Waren zeigen und kaufte einiges ein. Sie hatte ja selber genügend Gold, sodass sich ihren Mann nicht darum bitten musste. Das war der jungen Menekanerin nämlich immer noch unangenehm, selbst nun da sie verheiratet waren. Doch das waren nicht die einzigen Dinge.

Grade gestern hatte sie einen Schneider in Bajard aufgetan. Maryam konnte nicht das anfertigen, was Fareeda im Sinn stand. Gerüstet, so wie sie immer das Festland betrat, kam sie in den kleinen Laden hinein. Eine junge Festländerin bediente grade einen Mann, also lehnte sich die Säbelschwingerin an den Tresen und wollte abwarten, doch sogleich wurde nach ihrem Begehr gefragt. Fareeda erläuterte ihren Wunsch und als die Schneiderin nickte, jubelte innerlich etwas in der Menekanerin. In der Zwischenzeit kam ein zweiter Mann hinzu und der erste verabschiedete sich um sich Gedanken über die Farben seiner Kleidung zu machen. Der Säbelschwingerin war danach, den Kopf zu schütteln. Wieso machte man sich darüber nicht vorher Gedanken? Sie hatte dies getan und hatte direkt ihren Farbwunsch preisgegeben: weinrot, fliederfarben, waldgrün und blau. Doch gerade, als die Schneiderin die zweite Farbe anmischte, öffnete sich wieder die Tür, doch niemand trat ein. Zumindest niemand Sichtbares. Als sich die Tür wieder schloss und man nur einige schwere Schritte auf den Boden hörte, wendete Fareeda ihren Blick nach unten und erstarrte. Sie hatte diese Art Rüstung oft schon auf Zeichnungen gesehen und die Beschreibung von Größe und Verhalten der Letharen passte auch auf das Bild vor ihren Augen. Ruckartig fuhr ihre Hand an den Säbelknauf und verharrte dort. Doch das Wesen Alatars schien sich nicht um sie zu kümmern. Erst als die Menekanerin zwei Schritte nach hinten machte, um die Gestalt besser im Auge zu haben, drehte sich der Kopf und ein Blick aus den Augen der Lethra wurde ihr zuteil. Sie hielt diesem Blick stand, ihre Miene war kühl und beherrscht. Ein Kräftemessen durch Blicke und die Stimmung im Laden schwang um, von ruhig und entspannt zu gespannt und kalt. Doch die Lethra wendete ihren Blick wieder ab, bestellte was sie haben wollte und kaufte dies. Die Anspannung wich keine Sekunde aus Fareedas Körper. Sie wusste nicht, ob draußen noch mehr davon waren. Sie wusste nicht, wie stark diese kleine Person vor ihr war. Sie wusste gar nichts und dieses Unwissen war gefährlich für sie. Ein Blick auf die neunschwänzige Peitsche in der Hand der Lethra, veranlasste Fareeda dazu den Knauf ihrer Waffe noch fester zu umfassen, doch die Letharin ging einfach. Keine Aktion, keine Reaktion. Innerlich war Fareeda froh darüber. Doch bereitete es ihr auch Kopfzerbrechen, dass die Letharen wieder ihr Unwesen trieben in dem kleinen Hafenörtchen. Schnell beendete sie die Farbauswahl, bezahlte und ging. Sie musste nach Hause. Hier war es nicht mehr sicher.

Doch viel Ruhe bekam sie zuhause nicht. Aasim fing sie ab und erinnerte Fareeda an ihr Versprechen. Innerlich aufseufzend fuhr sie mit dem Jungen also nach Berchgard um nachzusehen, ob am dortigen Handelshaus ein Schreiner aufzufinden war. Doch sie hatten kein Glück. Erst als sie in den Abendstunden noch mal dorthin kamen, erwischten sie einen mit dem Namen Marzius Windwarden. Er erklärte sich dazu bereit, diesen Auftrag zu übernehmen und am nächsten Tag die Möbel zu reparieren. Fareeda mimte nach außen hin die Gelassenheit der letzten Tage. Innerlich war sie immer noch beunruhigt wegen dem Aufeinandertreffen mit dem Wesen Alatars. Sie wollte mit Radeeh darüber sprechen, doch dieser hatte sich seit dem Mittag nicht mehr blicken lassen. Die Säbelschwingerin wusste nicht wo er war. Sie war die üblichen Orte abgegangen: Oase, Bucht, Nazeeyas Haus. Doch nirgends war er aufzustöbern. So musste dies also warten. Ebenso die andere Begegnung der dritten Art an diesem Tag. Festländer hatten einfach keine Manieren und keinen Anstand. Gerade als sie und Aasim heimfahren wollten mit dem Schiff, stand dort auf dem Deck ein Mann und zog sich seelenruhig nackt aus und dann wieder an. Der Menekanerin gelang es grade noch dem Jungen die Augen zuzuhalten, ehe sie den Blick abwandte. Innerlich schüttelte sie sich. Es gab Dinge, die auch ein Drache nicht zu ertragen im Stande war. Und der Anblick dieses Mannes gehörte dazu.

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