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Quid sit futurum cras, fuge quaerere.

Verfasst: Freitag 9. Dezember 2011, 20:11
von Laaila Nala
„Dafür habe ich doch dich.“
Die Worte hallten in ihrem Kopf als wären sie nach wie vor präsent; als würde er noch neben ihr stehen, als würde er sie ihr ins Ohr flüstern. Als er diese Worte ausgesprochen hatte blieb ihr nicht einmal im Ansatz Zeit um darüber nachzudenken. Im Grunde wollte sie darüber auch gar nicht nachdenken. Nichts desto Trotz hatten sich die Worte fest gebissen inmitten ihres hübschen Hauptes. Laaila lehnte an der Tür, die sie gerade eben verschlossen hatte, die sie schützte vor der drohenden Umwelt, vor der Freiheit, die dort draußen herrschte. „Spürst du die Unsicherheit in dir?“, fragten ihre Gedanken und drehten sich abertausende Male im Kreis. Aber in diesem Moment schien alles so paradox und ungreifbar; nicht einen Gedanken konnte und wollte sie auflesen und zu Ende spinnen. Ihr Unterbewusstsein wehrte sich vehement und mit aller Kraft gegen weitere aufblühende Keimlinge der Verwirrung.
Hatte er tatsächlich auch nur einen Gedanken daran verschwendet zu glauben, sie wäre naiv und dumm genug um alles Wesentliche auszublenden nur um ihm zur Verfügung zu stehen, wenn er in seinem Egoismus jemanden brauchte, der ihm Zeit spendete? Laaila schüttelte langsam, vollgespickt mit Gedanken, ihr Haupt. Er war nicht so töricht das zu glauben und sie hoffte im Stillen für sich schlichtweg, daß es ein böser und unpassender Scherz war. Denn mehr; mehr konnte es nicht gewesen sein. Sie wollte sich unter keinen Umständen in ihm getäuscht haben. Er hatte sich selbst in die Einsamkeit und Gefühlskälte verdammt, hatte einem wichtigen Bestandteil des Glaubens an die Schöpferin abgeschworen; dem Geschenk der Nachfolger. Kleine Kinder in ihrer vollen Pracht; nur entstanden aus tiefer und einschlägiger wahrer Liebe. Die Angst um die Gesundheit und das Wohlbefinden einer fiktiven Frau an seiner Seite waren Hirngespinste, wagemutige Vermutungen und vollkommene Fehleinschätzungen. Und allem voran war es seine Art und Weise, sich vor einem weiteren Verlust zu schützen. Aber wer wäre Laaila gewesen, wenn sie seine Worte in dem allerersten Gespräch der Beiden nicht respektiert und verstanden hätte. Sie selbst; jung, naiv; wollte sich nicht anmaßen über die Zukunft irgendeines Menekaners zu bestimmen, darüber zu entscheiden oder sie womöglich auch noch verändern zu wollen. Aber Fragen warf sein Verhalten dennoch auf. War er doch derjenige, der sich unbeholfen gab, frei von jeglicher Sorge und mit einem ausgeprägten Sinn nach Freiheit. Ein Freigeist, wie er hätte im Buche stehen können. Glaubte er so felsenfest, es gäbe tatsächlich nirgendwo ein Lebewesen auf dieser Welt, die seine Gedanken nicht doch nachvollziehen und respektieren konnte? „Was verschwendest du deine Gedanken, Laaila. Er ist wie er ist und das soll auch so bleiben.“, ihr Verstand mischte sich ein und maßregelte ihr Innneres. Und sie wusste genau, ihr Unterbewusstsein würde Recht behalten.
Laaila setzte sich an den leeren Tisch, an welchem sie zuvor mit ihm saß. Ihr kam es so vor, als habe sie alle Gene ihrer Mutter vererbt bekommen, was das Märtyrertum anging. Im übertragenen Sinne war es für Laaila eine Qual zuzusehen, wie man so alleine und auf sich selbst gestellt leben konnte. Wenn sie ehrlich war hatte sie hier und da schon einmal einen Gedanken daran verschwendet, wann wohl für sie der Richtige um die Ecke biegen würde. Letztendlich aber wurde ihr dann schnell bewusst, daß sie alle Zeit der Welt hatte und sie sich diese auch nehmen würde.

„Die Frau macht sich dann Sorgen, wenn man nachts nicht nach Hause kommt.“
Wohl wahr. Frauen hatten diese Neigung dazu sich schnell Sorgen zu machen. Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre denn dann würde einem der Andere nichts bedeuten. Ein gesundes Maß an Sorgen war also vollkommen in Ordnung. Die Frage war für Laaila allerdings eine ganz andere: Musste man sich unbedingt lieben, um sich um einen anderen Menekaner zu sorgen? Sie bezweifelte das. Sie war sich selbst ziemlich sicher, daß sie ihn nicht lieben würde und dennoch hatte sie sich am Abend seines Ausfluges hochgradig Sorgen gemacht. Um ihn, einen Freund. War er also auch gewillt, sämtliche Freundschaften von sich fernzuhalten aus Angst, er könnte damit jemanden mit Füßen treten und Schaden zufügen? Laaila starrte in die tanzenden Flammen der brennenden Kerze. Ihre Finger spielten an dem Saum ihres Kleides. Sollte sie den Versuch wagen und ihm die positiven Seiten einer aufrichtigen Freundschaft zeigen? Natürlich hatte Laaila ihre Cousins und Cousinen, wenn sie jemandem zum reden brauchte. Aber manchmal war es vielleicht gar nicht so verkehrt, auch außerhalb jemanden zu haben, dem man das Herz ausschütten konnte. Aber warum er? Was hatte er, was andere nicht haben? Nach Schwarz kam Blau, nach Ebbe die Sintflut. Und die Sintflut würde über Laaila ebenfalls noch hereinstürzen, würde sie ihre Gedanken nicht irgendwann ordnen können. Zu wem sollte sie gehen, mit wem sollte sie reden? Sie würde den Freigeist Freigeist sein lassen und schlichtweg hoffen, daß er nicht irgendwann in der Tür stand und sie mit traurigen Augen anstarrte, weil sie irgendwann nicht mehr alleine war sondern einen für sie geschaffenen Mann an ihrer Seite hatte. Vielleicht konnte Eluive helfen. Laaila zog die Schuhe an und machte sich auf den Weg zum umliegenden Tempel und sprach ihr Abendgebet. Vielleicht hatte Eluive den Willen, ihn von seinem sturen und einsamen Weg abzubringen und ja, vielleicht konnte Eluive diesen sturen Esel auftauen.