Von Irrsinn, Wahn und Realität: Malias Weg
Verfasst: Donnerstag 17. November 2011, 19:32
Erschöpft und ausgelaugt fühlte sie sich. Jeder Schritt vorwärts war eine kleine Qual, ein Kampf gegen die drohende Müdigkeit und jede noch so kurze Pause drohte zu einem süßen Versprechen der Ruhe zu verkommen. Sie durfte nicht anhalten, nicht jetzt, das wusste sie; doch auf die Frage wieso sie nicht anhalten durfte, darauf kannte sie keine Antwort. Die Augenlider immer schwerer, der Atem flach, die Beine schwer und die Füße schmerzten, wie lange würde sie noch durchhalten? Wie lange würde sie sich selbst zum Gehen zwingen können? Sie atmete tief ein und aus, gab sich der Illusion hin, dass sie sich so bewusst wachhalten konnte, doch es wurde alles immer nur schwerer und mühevoller. Wie lange war sie nun schon gelaufen? Kein klarer Gedanke schien sich für die Antwort finden lassen zu wollen und für den Moment spielte es keine Rolle; es war einfach noch nicht lange genug. Mit der Zeit hatte sie aufgehört ständig über die Schultern zu blicken. Sie hatte den Kopf geradeaus gehalten, doch mittlerweile starrte sie mehr auf den Boden, als das was noch vor ihr lag.
Sie sollte sich sicher fühlen, es war niemand zu sehen und weit und breit keinerlei Zeichen von Leben. Doch immer wenn sie sich für einen Moment dieser Sicherheit hingab, konnte sie die Stimmen wieder hören, als wären sie direkt hinter ihr und dann musste sie weiter, weiter und immer weiter. Schritt für Schritt, immer ihrem Ziel entgegen, wo auch immer es lag; Hauptsache weiter. Ihren knurrenden Magen, die spröden Lippen und den trockenen Mund versuchte sie zu ignorieren, doch früher oder später würde ihr ganz einfach die Kraft fehlen um weiterzugehen. Ab und an murmelte sie leise Worte, ohne Sinn, nur um der Geräusche willens. Doch mit der Zeit unterließ sie auch dies, als das Sprechen ihre Lippen aufplatzen ließ und immer unangenehmer wurde.
Sie schritt vorwärts und für den Moment schien alles ruhig und friedlich zu sein, ehe sie ihre getrübten Sinne im Stich ließen. Sie hatte die Erdwurzel am Boden nicht gesehen, stolperte und fiel. Für sie selbst wirkte das alles jedoch ganz anders.
Von einem Moment auf den anderen hörte sie den Pfeil von hinten heran sausen, spürte den Druck, wie er sie im Rücken traf und fiel zu Boden. Sie landete mit dem Gesicht im Dreck, keuchte auf, würgte und spuckte die trockene Erde aus, die in ihren Mund gekommen war. Mit einem male spürte sie plötzlich etwas feuchtes, warmes an ihrem Rücken und sie wusste; es war ihr Blut. Die Schritte um sie herum wurden lauter, genauso wie die Stummen immer lauter wurden; sie waren hier, sie holten sie zurück. Sie konnte förmlich die Schwingung im Boden fühlen, als die schweren Stiefel sich auf sie zubewegten, neben ihrem Gesicht zum Halten kamen und dann die Klinge vor ihrem Gesicht sichtbar wurde. Und da war es ihr mit einem mal klar: Sie wollten sie nicht zurückbringen. Sie wollten sie erlösen. Panik begann sie zu erfassen, sie musste aufstehen, sie musste rennen, sie musste leben. Doch egal wie viel Kraft sie in ihre Muskeln schicken wollte, sie konnte nicht einmal die Kraft aufbringen zu schreien. Und als die Klinge auf sie niederschlug, da starrte sie dem Raben selbst ins Gesicht.
Wie viel Zeit war vergangen? Sekunden? Minuten? Tage? Ihre Augenlider zuckten und langsam, sehr zaghaft hoben sich jene. Sie lag noch immer auf dem Bauch, ein kleiner Fluss aus Speichel hatte sich neben ihrem Gesicht gesammelt und ihr ganzer Körper schmerzte. Sie hob zittrig eine Hand und tastete nach ihrem Rücken und atmete keuchend aus; da war kein Pfeil, keine Wunde und auch keine Männer.
Die Kraft war zurückgekehrt, wenigstens ein wenig und so setzte sie sich auf, wischte sich den Dreck aus dem Gesicht und starrte hinauf in den Himmel. Die Sterne leuchteten hoch oben am Antlitz und groß und bleich saß der Mond in seiner vollen Pracht am Himmel. Der Schrecken verblasste allmählich und je länger sie auf das bleiche Gebilde dort oben am Sternenhimmel starrte, desto eher wurde ihr bewusst, dass es einmal mehr nicht real gewesen war.
Ein Gefühl von unglaublicher Sicherheit durchströmte ihren Körper für einen Moment und der Nebel aus Angst und Verwirrung lichtete sich, ließ Platz für den klaren Verstand. Vorsichtig sah sie sich in dem Waldstück um, nur um ein letztes mal sicherzugehen, dass sie tatsächlich alleine war, ehe sie sich an einen Baumstamm lehnte und weiter den Mond anstarrte. Keinen Moment nahm sie ihre Augen von ihm, von ihm, der ihr Klarheit gab, der sie immer beschützt hatte und ihr Trost spendete. Der Blick glitt an ihre Hüfte, wo ein kleiner Beutel baumelte, daneben ein Lederschlauch.
Sie merkte wie durstig sie war, und wieder fragte sie sich für den Moment, wieso sie nichts getrunken hatte. Sie griff nach dem Schlauch, hielt sich die Öffnung an den Mund und trank. Das Wasser schmeckte bereits abgestanden aber es brachte wieder Leben in ihren Körper. Wieso hatte sie nicht getrunken? Und im gleichen Moment war die Antwort da: Weil du dachtest rennen zu müssen.
War es ein Fehler gewesen? Hätte sie nicht besser bleiben sollen? War es wirklich so schlimm gewesen? Doch in ihrem Inneren war die Antwort fest gefressen: ja, es war bitter nötig gewesen. Ihr Weg würde nicht einfacher werden, nicht jetzt wo ihr Proviant zur Neige gegangen war. Doch sie würde alsbald sicher auch die Hafenstadt erreichen; ihr persönliches Tor in eine neue Welt. Dort würde sie ein Schiff besteigen und ein neues Leben beginnen, fernab von all den bösen Worten, den Anschuldigungen und den Männern und Frauen die sie festhielten. Sie musste nur ankommen. Besser gesagt: Sie musste ankommen ohne Zwischenfälle.
Ein Blick glitt zu dem kleinen Lederbeutel an ihrer Seite und sie musste sich schon fast zwingen, den Blick vom Mond zu nehmen, den Beutel zu öffnen und eine der drei verbliebenen Phiolen zu nehmen, die darin verstaut waren. Sie hielt das entnommene Glas ins fahle Mondeslicht, betrachtete die trübe, weißliche Flüssigkeit. Sie hatte kaum noch welche und die letzten Tage hatte sie darauf verzichtet ihren Vorrat anzubrechen aber für diese letzte Strecke musste sie es tun. Sie entkorkte die Phiole und schüttete den Inhalt in ihren Mund. Der bittere Geschmack ließ ihre Lippen entgleiten, doch der Inhalt würde sein Werk tun.
Sie atmete tief durch und zwang sich, den fiebrigen Blick vom Mond zu lösen. Zittrig erhob sie sich und begann ihren Weg fortzusetzen. Die Hafenstadt war vielleicht nur noch einen Tagesmarsch entfernt und dann würde sie sich auf den Weg machen in ihr neues Leben.
Sie sollte sich sicher fühlen, es war niemand zu sehen und weit und breit keinerlei Zeichen von Leben. Doch immer wenn sie sich für einen Moment dieser Sicherheit hingab, konnte sie die Stimmen wieder hören, als wären sie direkt hinter ihr und dann musste sie weiter, weiter und immer weiter. Schritt für Schritt, immer ihrem Ziel entgegen, wo auch immer es lag; Hauptsache weiter. Ihren knurrenden Magen, die spröden Lippen und den trockenen Mund versuchte sie zu ignorieren, doch früher oder später würde ihr ganz einfach die Kraft fehlen um weiterzugehen. Ab und an murmelte sie leise Worte, ohne Sinn, nur um der Geräusche willens. Doch mit der Zeit unterließ sie auch dies, als das Sprechen ihre Lippen aufplatzen ließ und immer unangenehmer wurde.
Sie schritt vorwärts und für den Moment schien alles ruhig und friedlich zu sein, ehe sie ihre getrübten Sinne im Stich ließen. Sie hatte die Erdwurzel am Boden nicht gesehen, stolperte und fiel. Für sie selbst wirkte das alles jedoch ganz anders.
Von einem Moment auf den anderen hörte sie den Pfeil von hinten heran sausen, spürte den Druck, wie er sie im Rücken traf und fiel zu Boden. Sie landete mit dem Gesicht im Dreck, keuchte auf, würgte und spuckte die trockene Erde aus, die in ihren Mund gekommen war. Mit einem male spürte sie plötzlich etwas feuchtes, warmes an ihrem Rücken und sie wusste; es war ihr Blut. Die Schritte um sie herum wurden lauter, genauso wie die Stummen immer lauter wurden; sie waren hier, sie holten sie zurück. Sie konnte förmlich die Schwingung im Boden fühlen, als die schweren Stiefel sich auf sie zubewegten, neben ihrem Gesicht zum Halten kamen und dann die Klinge vor ihrem Gesicht sichtbar wurde. Und da war es ihr mit einem mal klar: Sie wollten sie nicht zurückbringen. Sie wollten sie erlösen. Panik begann sie zu erfassen, sie musste aufstehen, sie musste rennen, sie musste leben. Doch egal wie viel Kraft sie in ihre Muskeln schicken wollte, sie konnte nicht einmal die Kraft aufbringen zu schreien. Und als die Klinge auf sie niederschlug, da starrte sie dem Raben selbst ins Gesicht.
Wie viel Zeit war vergangen? Sekunden? Minuten? Tage? Ihre Augenlider zuckten und langsam, sehr zaghaft hoben sich jene. Sie lag noch immer auf dem Bauch, ein kleiner Fluss aus Speichel hatte sich neben ihrem Gesicht gesammelt und ihr ganzer Körper schmerzte. Sie hob zittrig eine Hand und tastete nach ihrem Rücken und atmete keuchend aus; da war kein Pfeil, keine Wunde und auch keine Männer.
Die Kraft war zurückgekehrt, wenigstens ein wenig und so setzte sie sich auf, wischte sich den Dreck aus dem Gesicht und starrte hinauf in den Himmel. Die Sterne leuchteten hoch oben am Antlitz und groß und bleich saß der Mond in seiner vollen Pracht am Himmel. Der Schrecken verblasste allmählich und je länger sie auf das bleiche Gebilde dort oben am Sternenhimmel starrte, desto eher wurde ihr bewusst, dass es einmal mehr nicht real gewesen war.
Ein Gefühl von unglaublicher Sicherheit durchströmte ihren Körper für einen Moment und der Nebel aus Angst und Verwirrung lichtete sich, ließ Platz für den klaren Verstand. Vorsichtig sah sie sich in dem Waldstück um, nur um ein letztes mal sicherzugehen, dass sie tatsächlich alleine war, ehe sie sich an einen Baumstamm lehnte und weiter den Mond anstarrte. Keinen Moment nahm sie ihre Augen von ihm, von ihm, der ihr Klarheit gab, der sie immer beschützt hatte und ihr Trost spendete. Der Blick glitt an ihre Hüfte, wo ein kleiner Beutel baumelte, daneben ein Lederschlauch.
Sie merkte wie durstig sie war, und wieder fragte sie sich für den Moment, wieso sie nichts getrunken hatte. Sie griff nach dem Schlauch, hielt sich die Öffnung an den Mund und trank. Das Wasser schmeckte bereits abgestanden aber es brachte wieder Leben in ihren Körper. Wieso hatte sie nicht getrunken? Und im gleichen Moment war die Antwort da: Weil du dachtest rennen zu müssen.
War es ein Fehler gewesen? Hätte sie nicht besser bleiben sollen? War es wirklich so schlimm gewesen? Doch in ihrem Inneren war die Antwort fest gefressen: ja, es war bitter nötig gewesen. Ihr Weg würde nicht einfacher werden, nicht jetzt wo ihr Proviant zur Neige gegangen war. Doch sie würde alsbald sicher auch die Hafenstadt erreichen; ihr persönliches Tor in eine neue Welt. Dort würde sie ein Schiff besteigen und ein neues Leben beginnen, fernab von all den bösen Worten, den Anschuldigungen und den Männern und Frauen die sie festhielten. Sie musste nur ankommen. Besser gesagt: Sie musste ankommen ohne Zwischenfälle.
Ein Blick glitt zu dem kleinen Lederbeutel an ihrer Seite und sie musste sich schon fast zwingen, den Blick vom Mond zu nehmen, den Beutel zu öffnen und eine der drei verbliebenen Phiolen zu nehmen, die darin verstaut waren. Sie hielt das entnommene Glas ins fahle Mondeslicht, betrachtete die trübe, weißliche Flüssigkeit. Sie hatte kaum noch welche und die letzten Tage hatte sie darauf verzichtet ihren Vorrat anzubrechen aber für diese letzte Strecke musste sie es tun. Sie entkorkte die Phiole und schüttete den Inhalt in ihren Mund. Der bittere Geschmack ließ ihre Lippen entgleiten, doch der Inhalt würde sein Werk tun.
Sie atmete tief durch und zwang sich, den fiebrigen Blick vom Mond zu lösen. Zittrig erhob sie sich und begann ihren Weg fortzusetzen. Die Hafenstadt war vielleicht nur noch einen Tagesmarsch entfernt und dann würde sie sich auf den Weg machen in ihr neues Leben.