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Ballade der Seeräuber Jenn... äh Missy

Verfasst: Montag 14. November 2011, 18:03
von Melissyn
Text: Bertolt Brecht
Musik: Kurt Weill

1
Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
Und man wird mich lächeln seh'n bei meinen Gläsern
Und man sagt: Was lächelt die dabei?

Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.

2
Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
(Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber eines Abends wird ein Getös' sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös'?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschießen die Stadt.

3
Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich.
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von dem Streich
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
Und man sagt: Die hat darin gewohnt?

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast.

4
Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir.

Verfasst: Montag 14. November 2011, 18:03
von Melissyn
Prolog:

Eine schmale Silhouette zeichnete sich ein wenig schief und zusammengesunken vor den leuchtenden Farben, welche sich feurig glitzernd auf dem endlosen Ozean spiegelten, ab. Mit jedem Augenblick, so schien es zumindest, gewann das Licht mehr an Intensität, erlangte die Sonne weitere Kraft und das flammende Spektakel wogte auf. Obwohl sie die Tage nicht mehr zählen konnte, an welchen sie dieses wunderbare Schauspiel bereits innerlich aufgesogen hatte, lächelte sie auch jetzt noch so selig und berührt, wie ein Kleinkind, welches die eigene Mutter anstrahlte. Ihre Seele badete auch heute noch glücklich in dem Anblick des funkelnden Meeres, das vom Sonnenlicht in flüssiges Feuer verwandelt wurde. Sie spürte diese endlose, traumhafte Weite innerlich, als würde ihr das Herz übergehen und wenn der helle Schrei einer Lachmöwe ertönte oder sie am Horizont den kleinen, schwarzen Umriss eines Schiffs erspähte, dann zog sich schmerzlich das Fernweh durch ihre Brust – eine Sehnsucht nach ihrem alten Platz im Leben, nach Vergangenem, nach Heimat...

~*~

„...du musst es mir versprechen...“

„Das ist Wahnsinn. Ich und ein Kind? Nel kommt so schon beinahe um vor Sorge um mich, wenn ich auf Reisen bin. Du kennst also den Grund, warum ich keine eigenen habe – genau deswegen...“
„Ein jedes Kind würde es aber gut bei dir haben, alter Freund. Deshalb bitte ich dich um diesen Gefallen.“
„Es geht nicht, es ist zu gefährlich!“
„Nein, bei MIR ist es zu gefährlich... sie sind mir auf den Fersen und es ist bald nur noch eine Frage der Zeit bis das Katz-' und Mausspiel endet.“
Schweigen – so bedrückend, doch voller Wahrheit und offenem Kummer
„Also...?“
„Gut, doch werde ich dem Würmchen nicht erzählen, ich wäre sein Vater und Nel die Mutter. Mit einer solchen Lüge soll sie nicht aufwachsen.“
„Nein, doch nenne ihr keinen Namen – bald beginnt sie zu sprechen und wenn sie in ihrer Unschuld sich um Kopf und Kragen redet...“ Ein heftiges Kopfschütteln. „Doch... erzähle ihr von La Cabeza!“
„Wozu?“
„Ah, damit sie wenigstens ahnt wo ihre Wurzeln sind. Wer weiß, wenn der ganze miese Dreck überstanden ist und unsereins die Hetzjagd überlebt hat, dann kommt sie vielleicht zurück. Sie spürt den Ruf der stürmischen Geliebten wie wir... das liegt ihr einfach im Blut.“
„Hm, also handeln ihre zukünftigen Abendgeschichten von wilder Piraterie, schlechtem Rum, dreckigen Spelunken und großartigen, geheimen Schätzen, ja?“
„Ja... und nein, denn meinen größten Schatz gebe ich dir hiermit in deine Hände. Behüte und beschütze ihn, halte ihn geheimer als all die Anderen -
...du musst es mir versprechen...“

~*~

„Missy?“
Sie war kein unfolgsames Kind, zumindest meist nicht und wenn dann niemals aus Boshaftigkeit. Es lag eher an ihrem verdammten Sturkopf, den sie ganz ohne Zweifel geerbt hatte. Etwas zu laut, ein wenig zu dreist, naseweis und allen voran mit dem Kopf stets durch die Wand. Feuer und Wind oder wie Nel sanft lächelnd zu sagen gepflegt hatte:
„Ein Kind wie ein Gewitter – BRUCH, da bin ich!“
Ach Nel, wie soll es nun nur ohne dich weitergehen?
„Missy!“ Als hätte sie ihn nicht gehört, stackste sie zornig weiter am Klippenkamm entlang, die Fäuste geballt und doch die Arme steif, neben dem Körper gen Boden gestreckt. Sie wollte gar nicht hören, sie kochte innerlich und obwohl er ihr Gesicht nicht sehen konnte, wusste er, dass die grünblauen Augen, welche an die wunderbare See selbst erinnerten, vor Wut feurig funkelten.
„Missy... bitte... denkst du denn mir fällt das leicht? Ich kann dich aber nicht alleine im Leuchtturm lassen und nachdem Nel nun... nachdem sie nicht mehr bei uns beiden ist, wird die Gemeinde auch einen neuen Wächter wählen und dann bestimmt einen, der älter ist als neuneinhalb... jetzt bleib stehen, verdammt... MISSY!“
Diesmal hatte er schärfer gerufen, als eigentlich beabsichtigt, doch zeigte der aufkeimende Zorn in seiner strafenden Stimme Wirkung und sie hielt mitten im Schritt inne.
Sie kämpfte sichtlich mit den Tränen: Unterlippe etwas nach vorne geschoben, verkniffener Mund, die Brauen tief herab gezogen, geschmälerte Augen und bebende Nasenflügel.
„Warum nimmst du mich dann nicht mit?“
Da war es wieder, das leidige Thema und auch wenn es ihm einen Stich ins Herz versetzte, sie so verzweifelt zu sehen, musste er hierbei hart bleiben. Mit einem leichten Seufzen begann er monoton die alte Leier.
„Missy, das ist mehr als eine einfache Überfahrt und selbst da hab' ich dich nie ohne lange Gespräche mit Nel mitnehmen können. Ja, du warst dabei und es war immer eine sehr schöne Sache aber diesmal ist es zu gefährlich für ein Kind.“
Er konnte die Rede bald schon auswendig und wusste um ihre Reaktion. So erstaunte es ihn kein bisschen, dass ihre patzige Antwort fauchend und wie aus der Pistole geschossen aus ihr herausplatzte.
„Ich bin aber schon bald zehn!“
„Ja, wie ich gerade eben sagte: zu gefährlich für ein KIND.“
Für einen Augenblick glaubte er, sie würde sich auf ihn stürzen und hielt die saftige Backpfeife dafür schon parat, doch im nächsten Moment wich die Anspannung der Wut und stattdessen sackten ihre Schultern herab, die Fäuste lösten sich hilflos.
„Und... wo bleib ich dann so lange?“
Dieses schmächtige, trotzige Fräulein, welches er nun bald neun Jahre, Seite an Seite mit seiner Schwester Nel, großgezogen hatte, war ihm so innig ans Herz gewachsen, dass es erneut weh tat sein 'Mädchen mit dem ungebrochenen Willen' so trübsinnig wie ein fleischgewordenes Häufchen Elend zu sehen. Mit wenigen Schritten war er bei ihr und schloss das mittlerweile schluchzende Kind in die Arme.
„Schhh, Missy. Ich besorg' dir ein feines Zimmer am Hafen, damit ich dich bei meiner Ankunft gleich wieder abholen kann. Vielleicht bei Nollen und seiner Mutter? Oder...“ Als er den sanften Druck ihrer eigenen Arme um seine Taille herum spürte, verstummte er und würgte den Klos im Hals herab – es gehörte sich nicht für einen Seebären zu weinen, wie ein Waschweib.
„Sal, versprich mir, dass du mich nicht lange da sitzen lässt und bald gesund zurück kommst, hörst du?“

… du musst es mir versprechen!

Er schwieg nur und strich dem Mädchen über das Kupferhaar – und es war weise gewesen, dieses Versprechen nicht zu geben.

Verfasst: Donnerstag 17. November 2011, 20:03
von Melissyn
Kapitel 1: Erster Akt
Wach auf, du verrotteter Christ!
Mach dich an dein sündiges Leben,
Zeig, was für ein Schurke du bist,
Der Herr wird es dir dann schon geben.

Verkauf deinen Bruder, du Schuft!
Verschacher dein Eh’weib, du Wicht!
Der Herrgott, für dich ist er Luft?
Er zeigt dir’s beim Jüngsten Gericht!
(B.Brecht)


Recht zentral an der dreckigen Straße entlang des Kais, also direkt neben jener Ansammlung aus allerhand Unrat, knirschendem Sand und Dreck, Holzresten und dem ein oder anderen pflasternden Kopfstein, liegt „Die blaue Undine“, meist einfach nur „Undine“ oder bei den ganz Mundfaulen „Unda“ genannt. Hierbei handelt es sich um eine Spelunke mit einigen Herbergszimmern im ersten Stock, die ihre beste Zeite längst hinter sich hat. Die Nähe zur See und die damit verbundene salzige Feuchtigkeit sowie die meist schneidende Meeresbrise haben ihr Werk an der Undine verrichtet und wo der einst prächtig kobaltfarbene Anstrich noch nicht vollends abgeblättert ist, bekleidet er das Fachwerk nun in blassem, schmutzigem Blau. Das Wasser hat sich längst ins Holz geschmiegt, es aufgequollen und manch verschmiertes Butzenscheibenfenster lässt sich nun nicht mehr öffnen, während Krabbeltiere und auch die Mäuse oder junge Ratten sich durchaus ihren Weg ins Innere dank der unzähligen Ritzen und Löcher im gesamten Gebäude zwängen können. Erschreckenderweise ist der kleine Stall daneben, der zum einzigen Herbergenluxus gehört, deutlich besser in Schuss als das baufällige Haupthaus.
Das traurigste Überbleibsel der vergangenen Hochzeit ist wohl aber ganz ohne jeden Zweifel die wunderschön gearbeitete Figur eines weiblichen Meereswesen mit Fischschwanz, welche sich sanft neben dem Namensschild über der Türe räkelt und streckt.
Ihre Farben sind fast alle dem Zahn der Zeit gewichen, einzig das Grün ihres Fischschwanzes leuchtet noch matt und wird nur noch von schwarzen Schimmelflecken durchbrochen. Die Augen wirken blind und weißlich, hat doch ein Halunke die kleinen Glasperlen, welche einst darin leuchteten, des Nachts herausgeschnitten und vermutlich auf ähnliche Art und Weise verschwanden ebenso zwei hölzerne Finger ihrer rechten Hand. Der Fischschwanz hingegen brach vor einigen Jahren bei einer gewaltigen Tavernenschlägerei ab und wurde mit schlechtem Kleister, sowie einigen Nägeln erneut befestigt, leider jedoch falsch herum, weshalb sich seither die untere Hälfte der Nixe in einem äußerst unbequemen Winkel windet, als leide sie permanent an quälenden Choliken.

Nein, ein schöner Anblick ist die Undine schon seit langem nicht mehr und doch lebt sie grimmig weiter. Lockt mit dem Versprechen nach billigem Alkohol, jedem nur erdenklichen Glücksspiel, drallen Miedern und wehenden Röcken so mancher Hure und eben nicht zuletzt dem geheimen Zugeständnis, dass keinerlei Fragen in einer solchen Umgebung gestellt werden würden.
Diese zuckersüße Beteuerung, welche die hölzernen, verquollenen Lippen der Undine stetig über den gesamten Kai zu hauchen scheint, zieht sie alle an, wie das Licht die Motten und Nachtschwärmer:
Sowohl die einfachen Matrosen und schlechtbezahlten Hafenarbeiter als eben auch lustgelenkte Hurenböcke, flinke Diebe, hoch verschuldete Spielsüchtige, verzweifelte Bettler und anderes lichtscheues Pack.
Lichtscheu? Recht gehört, denn der Zauber der Undine scheint erst unter dem Deckmantel der Nacht zu wirken und je dunkler diese, je später die Stunde, desto heller strahlt das flackernde Licht durch die schäbigen Butzenscheiben. Warm, tröstend, lebendig, wie ein pulsierendes Herz...

~*~

Vielleicht hätte sie also irgendwie einen etwas freundlicheren Ersteindruck gehabt, hätte Nollen sie mitten in der Nacht durch die geöffnete schwere, schiefe Spelunkentüre ins Innere bugsiert, doch nagte das schlechte Gewissen an dem stets schwitzenden, fetten Krabbenfischer und so entschied er, dass das Mädchen, welches ihm nun schon seit mehr als drei Jahren an der Pelle hing, tagsüber, wenn es ruhiger war und die Undine zur unscheinbaren Hütte wurde, ihr neues „Heim“ kennenlernen sollte. Nein, er war kein Unmensch und tatsächlich trieb ihn die schiere Hilflosigkeit zu dieser Verzweiflungstat. Sal, welchem er so einiges zu verdanken hatte, brachte ihm das Gör kurz vor deren zehnten Geburtstag und noch ehe der Frühling ganz ins Land gezogen war, schaukelte Sals Schiff schon auf den hohen Wellen, während Nollens zahnloses Mütterchen sich mit dem Kind, welches auf den Namen Missy hörte, glücklich angefreundet hatte. Mit dem ersten Frost wollte der alte Freund zurück sein und erst, als er auch mit dem neuen Jahr nicht erschien, wurde ihnen allen bewusst, dass er wohl seit geraumer Zeit im kalten Seemannsgrab schlief. Gut, Missy wartete auch noch ein weiteres Jahr und irgendwo, so ahnte Nollen, glimmte auch heute einsam noch ein Fünkchen Hoffnung in ihrem Herzen, dass der alte Sal eines Tages, wie Strandgut, lebendig und putzmunter zu ihnen zurück an Land gespült werden würde. Er hingegen wusste es besser...
Der Sensenmann schritt auch im letzten Jahr durch das kleine Hüttchen, in welchem das ungleiche Dreiergespann hauste und obwohl Nollens Mütterchen das unsagbare Glück zuteil wurde, friedlich im Schlaf und vor allem in hohem Alter zu verscheiden, so brachte ihn und Missy dieser Schiksalslauf nun in die Bredouille. Nollen selbst war meist recht geschäftig unterwegs, doch lief die Krabbenfischerei in der letzten Zeit mehr schlecht als recht und um sein kleines Schiffchen, die „Belajas Pracht“ halten zu können, würde er die Hütte seiner Mutter verkaufen müssen. Kein schlechter Plan, denn er kam gut damit zurecht mal in Herbergenzimmern und dann wieder seiner winzigen Kajüte zu leben, doch wohin mit dem Mädchen, das sich nun nach und nach zur Heranwachsenden mauserte? Als er selbst auf keinen grünen Pfad kam und sich die Verzweiflung geradezu köstlich an seiner Ausweglosigkeit nährte, hörte er eines Abends wie sich Reynar, der Wirt der „Undine“ und Berrec, ewiger Stammgast und somit Reynars Kumpane, darüber beklagte, dass schon kurz nach der Einstellung einer anständigen Schankmagd seine andere Arbeitskraft, ein vollbusiges, blondgelocktes Weibsstück namens Lauretta, mit einem ersten Maat auf irgendeinem Kahn durchgebrannt war und die Arbeit schier unmöglich nun für den Wirt ohne Eheweib und das neue Mädchen zu stemmen war. Als dann auch noch Berrec mit einer aufgesetzt weisen Miene lamentierte, dass es ja schwer wäre eine Magd zu bekommen, die zum einen tüchtig arbeiten und dann wiederum nicht allzu viel kosten oder aber diebisch wie die Elsterkönigin persönlich wäre, da war es Nollen ein wenig so, als würde man ihm einen Grashalm um die Nase streichen, um ihn damit zu wecken. Wie ein Ertrinkender griff er in seiner Panik hastig danach und begann mit Sals Mündel zu schachern, als wäre sie eine Kiste voller Orangen und obwohl Reynar mehr als erstaunt und zunächst misstrauisch über die plötzliche Lösung seiner Misere war, ließ auch er sich rasch auf einen Kuh – pardon Mädchenhandel ein.
Schon in einer Woche sollte das dreizehnjährige Luder anfangen und eine Bezahlung für ihre Dienste würde es keine geben, dafür jedoch ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und trinken und auf ausdrücklichen Wunsch Nollens hin, versprachen sowohl Reynar als auch der Schwätzer Berrec, dass man ein Auge darauf haben würde, dass die Kröte nicht von irgendeinem Gast, gleich welcher Art auch immer, angepackt wurde. Mit Handschlag besiegelt und mit Rum begossen – Missy würde umziehen.

„Das soll sie sein? Nicht dein Ernst, Nollen...“, begann Reynar düster und warf dem schmächtigen Mädchen mit den runden Segelohren, die vorwitzig durch die kupferfarbenen Strähnen zu lugen schienen, eisige Blicke zu.
„Hah, die Kleen' packt eh keiner an. Is ja nichts dran und wie alt isse nochmal? Zehn?“
Berrecs meckerndes Lachen wurde nur kurz unterbrochen, als das Zentrum der Beschau nun selber den Mund aufmachte und mühsam beherrscht knurrte:
„Dreizehn, ich werd' im Lenz auch schon vierzehn!“
„Woahaahaa und dann ist's so ein Gestell', wenn ich bedenk', dass die Jolly auch erst sechzehn ist und so ein Prachthappen...“
Bei dem Ausruf Berrecs wurde Reynars Blick noch kälter und nicht minder frostig bellte er seinen alten Kumpanen sogleich an.
„Ich warn' dich, Flossen weg von dem Mädchen, das gilt für alle auch für dich...“ und schon widmete er seine Aufmerksamkeit wieder der Göre, welche mittlerweile ein ebenso rotes Gesicht hatte wie das Haar auf dem Kopf.
„Mal sehen, Gläser wirste spülen können, Betten machen ebenso, hm? Boden schrubben und in der Küche will ich dich ansonsten nicht sehen, das machen Jolly und Valecia, verstanden?“
Er gab keine konkrete Antwort auf Nollens irritierte „Bedeutet das, du nimmst sie als Magd nun an?“-Fragen und reagierte auch nicht recht auf Missys verunsicherte Blicke. Stattdessen warf er ihr aber plötzlich eine Schürze zu und lächelte kurz freudlos als sie reflexartig fing.
„Zieh's drüber. Die ersten Gäste kommen in knapp drei, vier Stunden, bis dahin muss noch so manches Glas abgewaschen werden und wenn es dann losgeht wirste dich freu'n, dass ich dir so ne große Schürze gegeben hab, denn die Nacht wird mindestens so schmutzig wie die Kunden...“

Und er sollte Recht behalten!